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Full text of "Archiv für slavische Philologie"

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ARCHIV 

FÜR 



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SLAVISCHE PHILOLOGIE 



UNTER MITWIRKUNG 



VON 



A. BRÜCKNER, J. GEBAUER, C. JIRECEK, A. LESKIEN, 



BERLIN, 



pi;aü, 



WIEN, 



LEIPZIG, 



W. NEHRING, ST. NOVAKOVIÖ, A. WESSELOFSKT, 



BRESLAU, 



BELGRAD, 



HERAUSGEGEBEN 



V. J A G I C. 



ST. PETERSBURG, 



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^ (: 



SECHSUNDZWANZIGSTER BAND. 



BERLIN, 

WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG. 
1904. 



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Inhalt. 



Abhandlungen. Seite 

y Zum Sestodnev des Exarchen Joh.inues, von A. Leskien 1 

Beiträge zu den Quellen des Gundulic'schen »Osuian«, von Ossip 

« Makowej 71 

lieber die rumänischen Knesen, von J. Bogdan (Schluss) lüü 

V Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner, von C. Jirecek (Schluss) 161 
Die Zusammensetzung der sogenannten »IIoxBajia npen. öeoÄOciio Ile- 

uei3CK0My«, von Leopold Karl Goetz 215 

Eine böhmische Paraphrase der Distichen des Johannes Piuitianus 
zu Petrarca's »De remediis irtriusque fortunae«, von Dr. Spiri- 

dion Wukadinovic 238 

Die Widmung eines Gedichtes Vetranic', von Tomo Matic . . . 2G2 

^Ein Gedicht Kacic' als Volkslied in Slavonien, von Tomo Matid . 207 
^ Zur Entwicklungsgeschichte der slavischen Deminutiv- und Ampli- 

ficativsuffixe, von A. Bell c 321 

Ein serbokroatisches Wörterverzeichniss aus der Mitte des XV. Jahr- 
hunderts, von M. Resetar 358 

Kurzes Resume der »Kasubischen Frage'', von J. Baudouin de 

Courtenay 366 

Zur Kenntniss der slavischen Elemente im italienischen Wortschätze, 

von K. Strekelj 407 

Ueber Ellipse des Verbums im Slavischen, von E. Berneker . . . 481 

Slovenica, von Franz Ilesic 521 

Die Grenzen des sorbischen Sprachgebiets in alter Zeit, von Dr. 

Ernst Muka i 543 

Zur Frage über das slavische ch (x), von A. Sobolevskij 559 

Zur Chronologie der Lautveränderungen, von A. Sobolevskij . . 561 
Ist die Form Pacxum. etwa beweisend für ihre westslavische Prove- 
nienz?, von B. Ljapunov 564 

Der Ursprung des s-Lautes in einigen Casusformen des aksl. Com- 

parativs und xs-Particips, von K. ötrekelj 569 

Zum Umlaut e : t, von M. Resetar 571 

Cugunder {IlyryHÄept), von V. Jagic 575 

Ein Prediger aus dem Ende des XVIL Jahrh. in Agram, von V. J ag i c 578 



IV Inhalt. 



Seite 



Kritischer Anzeiger. 
Ljapunov's Bemerkungen zum slovenischen Wörterbuch, angez. von 

Grafenauer 115 

Kosutic, Poln. Grammatik u. Chrestomathie, angez. von Heilpern 120 

Jos. Vajs, Glagolitica, angez. von V.Jagiö 123 

Scherzer, Das Metrum Gundulic's, angez. von Res etar 126 

Medini, Geschichte der kroat. Literatur, angez. von Res et ar . . . 128 

L. Kostiö über die Dichtung Zmaj-Jovanovic's, angez. v. Prohaska 130 

Präsek, Marco Polo's Million, angez. von Fast rnek ....... 133 

Truhläi-, Aesop's Fabeln, angez. von Pas trnek 135 

Kvacala, Correspondenz Komensky's, angez. von Nova k 137 

Francev, Zur Geschichte der böhm. Wiedergeburt, angez. von Ka- 

räsek 145 

Lorentz, Slovinzische Grammatik, angez. von Mikkola 275 

Andric, Quellen alter kroat. Dramen, angez. von Lokar 284 

Czambel, Ueber die slovakische Sprache, angez. von Pastrnek , . 290 
Tominsek, Der sloven. Dialekt von Bocna, angez. von Grafenauer 

Dr. Ruzic, Alte und neue Heimath der Kroaten, angez. von Jagid . 312 

Kryuski, Polnische Grammatik, 3. Aufl., angez. von Heilpern . . . 437 

Böhm, Litteraturgeschichte des XIX. Jahrb., angez. von A. Noväk 444 

L. Malinowski, Folkloristisches aus Schlesien, angez. von Polivka. 457 
Drechsler, Ueber PetarPreradovid, angez. von Prohaska, und Brief- 
wechsel zwischen P. Preradoviö und V. Jagid, von Jagi c . . . 598, 608 

Olaf Broch, Die Dialekte des südl. Serbiens, angez. von Mladenov 626 



Kleine Mittheilungen. 

Drei Briefe zur Geschichte der slav. Philologie, von Prof.©. :§urmin 156 

Eine Erklärung JanKollär's aus d. J. 1848, mitg. von Dr. Fr an lies ic 159 

Celovec = Klagenfurt, von Baudouin de Courtenay 160 

Zur Flexion der slavischen i-Verba, von Dr. Fr. Lorentz 314 

Ein Nachtrag zur Krmpotid-Literatur, von L.Pin tat 316 

Kelneraj, von L. Pintar 318 

Helmold's Zcerneboch im angelsächsischen Olymp, von K. Strekelj 320 

Die Bedeutungen des slavischen Adjectivums mi-h, von T. Maretic 471 
Zusätze und Berichtigungen zu »Ein Beitrag zu den Forschungen 
über die sog. EeciÄa Tpext CBHXHxeAeH« (Archiv XXIII — XXIV), 

von R.Nachtigall 472 

Fragmente Basilius' des Grossen in der Handschrift Sbornik Svja- 

toslava vom J. 1076, von V.Bobrov . . . . 478 

Polnische und auf Polen bezügliche Handschriften, die in der Biblio- 
thek der Akademie zu Abo aufbewahrt wurden, von J. Mikkola 631 
Ein Nachtrag zu Andric's Quellen alter kroat. Dramen, von J. Lokar 634 
Celovec = Klagenfurt (ein neuer Erklärungsversuch), von L. Pintar 635 



Sach-, Namen- und Wortregister, von AI. Brückner 641 



Zum Sestodnev des Exarchen Johaunes. 



Die älteste Handschrift des Sestodnev, von 1263, hat Bodjan- 
skij in dem langen Zeitraum von 1849 — 1870 zum Druck gebracht. 
Erschienen ist dieser Druck (IIIecTOAiieB'B cocTaBjieHnBiH loaimoMt 
EKcapxoM'L öo.irapcKiiMT,) Moskau 1879 mit Einleitung von A. Popov. 
Bodjanskij's Arbeit ist ganz verfehlt. Popov, der sie schonend aber 
deutlich genug charakterisirt, bemerkt mit Recht, der Herausgeber 
hätte entweder den handschriftlichen Text buchstäblich getreu ab- 
drucken sollen, dann hätte der Druck einfach die Handschrift ver- 
treten, oder er hätte, falls er den Philologen ein Hilfsmittel zur Her- 
stellung des sehr verderbten Textes geben wollte, abgesehen von 
andern Desideraten, wenigstens die dazu dienlichen Varianten der 
übrigen Handschriften beifügen müssen. Was hat er aber in Wirk- 
lichkeit gethan? Bis Blatt 132 (der Ausgabe) ist die Handschrift 
nach Spalten und Zeilen wiedergegeben ohne jede Bemerkung. 
Von da an beginnen Fussnoten, spärlich bis Blatt 203, mit Aus- 
nahme weniger Varianten die Schreibungen der Handschrift ent- 
haltend, die Bodjanskij in seinem Text geändert hat. Von Bl. 203 
an kommen die Noten mit Varianten aus andern Handschriften, 
aber ganz planlos. Man erfährt nicht, woher sie stammen, es heisst 
ganz allgemein nur: in einer andern oder in andern Handschriften ; 
gleichgiltige orthographische Varianten, die grössten Verderbnisse 
andrer Handschriften sind neben hie und da einer werthvollen 
Lesart notirt. Schlimmer ist noch, dass Bodjanskij scheinbare, zu- 
weilen ganz ungereimte Verbesserungen eingesetzt hat, ohne die 
Lesart der Handschrift anzugeben, dass er die Interpunktion des 
Manuskripts z. Th. beibehält, z. Th. seine eigne einführt (s. Popov's 
Vorwort S. VII), dass er in oft ganz unbegreiflicher Weise an zahl- 
reichen Stellen Worte falsch trennt oder falsch verbindet. Dass er 
den Text nicht verstanden hat, zeigt sich fast auf jeder Seite. 

Archiv für slavische Philologie. XXVI. 1 



2 A. Leskien, 

Endlich hat er sehr nachlässig die Handschrift oder seine Correctur- 
bogen gelesen. Diesem Mangel hat Popov durch eine neue Ver- 
gleichung der Handschrift abgeholfen und in seiner Einleitung 
c. 600 solche Fehler berichtigt. Natürlich sind sie nicht alle sinn- 
störend (z. B. Tv für k, k für 'k), aber man sieht, wie ungenau Bod- 
janskij gelesen hat. Wenn man also diese Berichtigungen in den 
Text setzt, Bodjanskij's Textänderungen aufhebt, seine Lücken- 
ausfüllungen streicht und sich die Interpunktion ganz wegdenkt, 
kann man annehmen, den Text so zu haben, wie er handschriftlich 
vorliegt. 

Damit hat man aber noch lange keinen lesbaren Text und 
ihn sicher nicht so, wie der Exarch geschrieben hat. Die Hand- 
schrift rührt von einem serbischen Schreiber her, der sich in einer 
Beischrift (Bl. 132 der Ausgabe] und in der Nachschrift »Gramma- 
tiker Theodoros« nennt. Seine Vorlage war ein mittelbulgarisches 
Manuskript (i* für ia, ia für kr an zahlreichen Stellen, von an- 
dern Kennzeichen abgesehen), und er hat mechanischer, man könnte 
eigentlich sagen stupider Weise, jedes solches ijr (;r) durch k> (oy), 
jedes Mi (a) durch le (e) umschrieben, dadurch den Text für jeden 
mittelalterlichen Leser, mag man sich einen Serben, Bulgaren oder 
Russen darunter denken, an vielen Stellen total unverständlich ge- 
macht. Dass er ihn selbst verstanden habe, ist ganz ausgeschlossen. 
Vondräk, mluve J.E. S. 21 bemerkt, es sei schwer auszumachen, 
ob schon das Original des Exarchen das Durcheinander der Nasal- 
vokale gehabt habe. Allerdings ist es möglich, dass in einer ge- 
wissen Ausdehnung die mittelbulgarische Art schon im Archetypus 
vorhanden war, allein ich kann nicht annehmen, dass um 900 die 
Sprache die ausgeprägt mittelbulgarische Form gehabt habe, wie 
sie hier vorliegt und wie ich sie am Schluss durch ein Verzeichniss 
der aus dem Mittelbulgarischen geflossenen Schreibungen veran- 
schaulichen werde. Der heutige Leser muss jedenfalls sich die 
mittelbulgarische Form wieder herzustellen suchen, um zu ver- 
stehen, aber er wird das auch damit nicht erreichen, denn der Text 
ist über die Massen schlecht, wimmelt von Verschreibungen, Aus- 
lassungen und Fehlern aller Art. Nach deren Berichtigung bleibt 
immer noch die Schwierigkeit bestehen, die in der Uebersetzungs- 
weise des Exarchen liegt. Er hat das Griechisch des Basilius, Se- 
verianus und Theodoretus und was er sonst noch benutzt hat, öfters 



Zum i^estodnev des Exarchen JohannSB. 3 

80 sonderbar übertragen oder verdreht, dass es ohne Heranziehung 
der griechischen Originale oft nicht möglich ist herauszubringen, 
was er eigentlich sagen will. Es war erst meine Absicht, die Frage, 
wie der Exarch die griechischen Schriftsteller Übersetzt, oder wo 
er nicht unmittelbar übersetzt, verarbeitet hat, hier gleich mit 
heranzuziehen, allein da mUsste man einen grossen Theil der grie- 
chischen Texte mit abdrucken ; es mag also zunächst die Bemer- 
kung genügen, dass er nur sehr massig griechisch konnte und die 
Gedanken der Griechen oft in ungeheuerlicher Weise missversteht. 

Nun sind aber diese Bücher, die zu den ältesten grösseren 
Werken der altkirchenslavischeu Literatur gehören, für Grammatik 
und Lexikographie von nicht geringer Bedeutung. Vernünftig be- 
nutzen kann man sie aber nur, wenn man einen richtigen Text hat. 
Ich will daher hier versuchen, durch Verbesserung der ofifenbaren 
Fehler der Handschrift zur Herstellung eines brauchbaren Textes 
beizutragen. Am liebsten machte ich das so, dass ich die Hand- 
schrift herausgäbe, und das wäre auch das einfachste und nütz- 
lichste, allein dazu ist das Archiv nicht bestimmt; ich kann hier 
nur meine Bemerkungen zu den einzelnen in Betracht kommenden 
Stellen geben. Dabei citire ich den slavischen Text nach den ky- 
rillischen Blattzahlen der Ausgabe. Bodjanskij hat sonderbarer 
Weise, obwohl er den Codex Blatt für Blatt im Druck wiedergibt, 
dessen 268 Bl. nicht durchgezählt, sondern den Prolog des Exarchen 
(6 Bl.) besonders paginirt. Ausserdem wiederholen sich die Blatt- 
zahlen ß( — pH (105 — 108) auf dem folgenden Bogen noch einmal, 
wo es also heissen müsste 109 — 112. Derselbe Fehler kehrt wieder 
pnr — PMS (193 — 196j; dieselben Zahlen stehen gleich darauf noch 
einmal (also eigentlich 197 — 200). Diese Fehler lasse ich bestehen, 
um dem Leser das fortwährende Umrechnen in die Blattzahl der 
Handschrift zu ersparen, werde aber bei den fälschlich wiederholten 
Zahlen die nöthige Bemerkung zur Auffindung machen. 

Schon ein aufmerksames Lesen des slavischen Textes führt 
auf Fehler, vor allem aber die Vergleichung der griechischen Vor- 
lagen des Verfassers. Von diesen ist Basilius citirt nach den Seiten- 
zahlen und den Abschnitten A, B u. s. w. bei Migne, Patrol. graeca 
Bd. 29, ebenso Theodoret, Patr.83, Severian nach Patr. 56 mit An- 
gabe der dortigen Seitenzahl und der Zeilenzahl, doch habe ich bei 
den Citaten Bas., Sev., Theod., um die Wiederholung der gleichen 

1* 



4 A. Leskien, 

Zahlen zu ersparen, die Bandzahlen der Patrol. nicht mit angegeben, 
da sie ja hier verzeichnet sind. 

Ein andres Hülfsmittel, die Heranziehung der sonstigen Hand- 
schriften des Sestodnev, kann ich leider nicht anwenden. Bei 
Gorskij und Nevostrujev (Oimcame H. 1, S. 1 — 42) werden ausser 
der von 1263 noch fünf weitere Handschriften angeführt, aber die 
Mittheiluugen daraus sind so kurz, dass man für den vorliegenden 
Zweck nichts daraus gewinnt. Die vonKalajdovic (loaHHx EKcapxt 
Eo.irapcKiil, Moskau 1824) mitgetheilten Stücke sind benutzt. 

Die von Popov berichtigten Lesungen kann jeder in dessen 
Einleitung nachsehen, ich erwähne sie daher nicht. Auf die falschen 
Worttrennungen und Interpunktionen Bodjanskij's bin ich nur so 
weit eingegangen , als sie gar zu sinnstörend sind und sieh nicht 
ohne weiteres erkennen lassen. 

Die Abschnitte, deren griechischer Grundtext nicht nachge- 
wiesen ist, habe ich unberührt gelassen, ebenso das Stück von 
CBib2 fg., das eine Verarbeitung von Aristoteles, De animalibus 
historiae (Aristotelis opera, vol. 3, Parisiis 1854, Cap. VE fg.) ent- 
hält, aber schwerlich unmittelbar daraus entnommen ist. In diesen 
Stücken wird der Prozentsatz der Fehler nicht geringer sein als in 
den andern Theilen des Werkes, allein ohne den griechischen 
Grundtext sind Besserungs versuche bei der Art , wie der Exarch 
seine Vorlagen misshandelt, eine zu unsichere Arbeit. 

In den Anführungen aus dem slavischen und den griechischen 
Texten musste ich ausführlicher sein, als bei einer Ausgabe, wo 
jeder den Zusammenhang vor sich hat, erforderlich gewesen wäre, 
da ich sonst Verderbniss und Emendation nicht anschaulich machen 
konnte; auch habe ich hie und da, über den Rahmen der Emen- 
dation hinaus, eine Bemerkung zur Erklärung oder Verdeutlichung 
des Textes gemacht. Wenn man auch nur einige Seiten meiner 
Bemerkungen liest, wird man mir, hoflfe ich, zugeben, dass der über- 
lieferte Text sehr schlecht ist und dass es mit einem Herausgeben 
yqeHo-^HnjtoMaTHqecKHM'L oöpasoMi), wie Golubinskij (HcTopia pyc- 
CKOH n,epKBH 12, 896) von der Arbeit Bodjanskij's sagt, nicht gethan 
ist, zumal wenn diese Arbeit weder das eine noch das andre Prä- 
dikat verdient. 

Prol. K a 1 Z. 3: xp'kB't go le kp'kmhhkoy Kopack TcopEijJb, 
öKO 1 paca TBopenJoy h^k« ;i,ptKO ctMf, zu lesen (in altb. Form 



Zum ^estodaev des Exarchen Johannes. 5 

umgesetzt): rpIvKll RO ICCT'K KpivMkHHKO\f KCpaRk TROp/M|lkH, 
A KOpaCk TßOpAl|JOY HJKt AP'^'^'^ C'kHIT'k, Ötlvat yuQ b /.ViiSQ- 

vrjtrjg tov vavTtrjyov, deltai ök b vavjrrjybg vXoröfxov^ Theod. 
916 B. — Z. 11 st. clJ,\fH 1. ca^fH oder cHieH (= ca^^ÄH, ckiAH), 
(pvTovQyög, ib. — Z. 13 steht naiiO^'K = agdsla BewilsseruDg nicht 
bei Mikl. LP. — Z. 3 v. u,, (TROpkUk) hi ckccvA** 'i'pIvROYieT'k 
HH ßfi4iH HH (das HTO der Ausg. steht nicht in der H., s. Popov) k 

HfrO M'kCTO leCTTi HHliM'k R'kSHHKOM'k R(l(Jf H CTvCOyA^^ .... 

C( RoroßH )COTlvHHi€ KCfPO (so in derH., s. Popov; damit schliesst 
der Satz), entspricht: {b TtoirjTrjg) oijte oQydviov ovre vXrig dedirjTui, 

äXX' ortBQ katl rolg akkoig rsxvLTaig xal vXrj y.al OQyava tovto 

Tcp &e(p rCov o'Uov rj ßovXrjOig, Theod. 91 GC, es ist also von hh — 
c'kcoYA'^ zu lesen: ht^ r Hero MlicTCt i€>Ke lecTi». HHliMik 

K'kSHHKOM'K ßtHJk H CKCCYAT»" Mcr CkCOyA" = OQyccPCc). 

ß a 2 Z. 9, vor i€JKf ist ßce weggefallen, übersehen wegen des 
vorangehenden ßcero (so, nicht ßc« in der H., s. Popov), ndvra yaq 
ooa ed-flr^oev, Theod. 91 6 C. — Z. 16 1. MOJKf st. Mop«, ooa Idv- 
varo, ib. — Z. 5 v. u., ctuoy }K( lecTT», nasf ß'KC^'OTlvHHra oyj{,c>- 
K'kie TßopjHHie, der Zusammenhang mit dem folgenden und der 
Grundtext: rö ßovXrjd-fjvai Q&axov anaoCov töjv Ttoirjaetov eoTi, 
fordern ß^kc^oreHHie und TßopeHHra. 

R b 1 Z. 1 1. OYA<>K''^'€ lecTT». st. OYA^*'^'^ lecT^k. — Z. 11 v.u. 
trenne i€«^Hp h HtKO, rbv ai&eqa ^ai rbv ovQavöv, Theod. 917 A. — 
Z. 2 V. u. 1. H i6«Hpa mit Bodj. (die H. nur «■Hpa), trenne aber h«ko 
le^Hp, a [di). 

K b 2 Z, 4, Ha j\,ß<iie pas^'K^H HKM€Mara poA<», Six'^j 'f« ccio- 
■9-rjva ÖLi'KQLve yevr]^ Theod. 917 A; das Neutr. plur. ist sonderbar 
genug, vielleicht hat der Uebersetzer das yerrj buchstäblich nach- 
ahmen wollen; man kann es ihm zutrauen. 

r a 2 Z. 14, st. HaTOHH'Ki)("k. np-S^'*^'^'*»^ {rovg Tisrciqyörag 
BQovg, Theod. 917 B) hat Kai. HaT'KHH'ki]("K, vielleicht richtig, 
möglicher Weise hat aber urspr. HapoHkH'KiHY'K da gestanden. 

rbl Z. 8, no cfMoif saKOHoy h ji^(B.( h hohjh YpaHiT'K 
MfCTO (so, nicht MHH'k TOH, die H., s. Popov), m«cto ist Ueber- 
setzung von evdekexiög' rovvov rbv v6(.iov v.al r^fxiqai xai vv-/.teg 
öiarrjQovoir svöslsx^'^Q, Theod. 917 C; zu ^ßAHiTis. muss et (=C/ä) 
ergänzt werden. — Z. 11 v. u. steht E.icnptji,Ms.r'K an Stelle von 
EQidog dlxa, Mikl. LP. hat np'^A'^T»''''*^ »mora« aufgenommen und 



6 A. Leskien, 

gibt Kfcnp. mit apvTteQ&ertog wieder (nach Vostokov); nach meiner 
Meinung g-ibt es gar kein solches Wort, sondern Bodj. hat mit sei- 
ner Worttrennung recht: kic npe A'^''*f"^? "P* ist = npA = nkphft, 
also E(c iikpiifk genau = sgidog dixcc, und /k^Ai^n». ist debitum, offi- 
cium, negotium, den Begriff hat der Verf. eingeschaltet, dem Zu- 
sammenhange nach ganz gut passend. — r b 2 Z. 7 v. u. 1. k« hhc- 
M(H( (so auch Kai.) statt -luie HtH«. — Z. 5 v. u. 1. h« st. Cf, xat ov 
TL Xeyo), Theod. 920 A. — Z. 4 v. u., HCTOK'hJ p'bHkHkiie (-htüia) 
ist der Satzverbindung nach Nom., muss also von einem fem. 
HCTOKa kommen. 

Aal Z. 11 Haiua T'SAeca luiHHoyieTT»., im Grundtext steht: 
(6 rfAiog) xa fi^ieTBQCi aiüf.iccra ötavaipei, die sonderbare Ueber- 
setzung daher, dass er diaßaLvet gelesen hat. 

A a 2 Z. 11, für ckKO^HT'k hat Kai. c'kkohht'k, gemeint ist 

CTißOAHHT'K = CTkBOAKHHTH. 

Abi Z. 3, grammatisch richtig wäre TBoptHJaMT^. — Z. 13 
BC(|ro, 1. Bce KO, rcävTa yccQ avxc^ qäÖLov noieiv, Theod. 920 C. 

A b 2 Z. 1, in der H. nach Popov B'kSAOW'^Vj 6S ist aber, wie 
Bodj. einsetzt, zu lesen B'KSA^VX"'*^- — Z. 13 1. i€h st. ch, zu be- 
ziehen auf das vorangehende rBpi^^i^- 

j a 1 Z. 4, st. Y^A* MJ^j das sich auf ca^^Hll^f bezieht, erwartet 
man ^OA^ipe, es kann aber ein Fehler des Verf. sein. — Z. 8 1. 
B'kcx'OAfiMe statt B'kX'-. 

f b 1 Z. 7 1. cf (= CA) St. i€, zu raoyMHM'K. — Z. 15, hsbca^ 
steht statt h3bea<^ für hsbca'»^, dazu zu verbinden das i€ = lecTiv 
Z. 13, übersetzt naqayaytov, Theod. 921 C, das ce Z. 13 ist = Ck. 

£ b 2 Z. 8 V. u. ist aus dem Satze kßldarrjae Ttäaav cpvrwv xat 
GTtsQ^äTiov idiav das ideav zweimal übersetzt: HMEHa ocpasu, 
oder das eine durch das andere glossirt. 

sal Z. 1, HH^f B-k BCAa^T^ jkhboyt'k jkhboth aK'ki no 
B'k3A0VX'<>V np-t^OAeTTi gibt wieder Theod. 924 A: Kai ta rolg 
vdaoiv evdiaiTOJi^isva Cwa Kai ta rov aiqa öiaTtsQäv 7iEcpvK6Ta\ 
das aK'ki verstehe ich hier nicht, es hat gestanden a tu = xal ta 
(nämlich aus dem Zusammenhange zu ergänzende m^THi^A). 

(Anfang der neuen Paginirung des eigentlichen Textes) : 
a b 2 Z. 8 TaKO^KA« h o^TBapH cjie A'^'^poraMH h-S as'S npo- 
CHiaTH, aijje 3ji,AHHa ctro HaHcac h( caaieT'w, 1. A^KP'^TaM'K, 
ovx olöv TS . . . ovrcog ovdh rä rrjg örjixiovQyiag KaXlrj Xd/xipai, [.ifj 



Zum ^estodney des Exarchen Johannes. 7 

rfjg drj(.iLOVQyiag zijv o:Qx't]v aTrokaßuvorjg Sev. 429 Z. 15; das Ha- 
M«/\o Hf CHrai€T'K gibt den griechischen Text nicht wieder; viel- 
leicht ist CHrdicTTi. nur Verschreibung für K'Kiuai€T'K, veranlasst 
durch das eben vorangehende -chmth. 

r a 1 Z. IG lies HMf statt hik« (so schon Kai.); Z. 18 lies hto 
(= nobis) statt ht». (so auch Kai.); Z. 19 statt piKO^ lies oder viel- 
mehr verstehe ptKiv; es hat dem Schreiber mittelbulg. (i(K?f, statt 
pfKiv vorgelegen, Bas. SB ei/tiov; ebenso r b 1 Z. 7. 

Aal Z. 19 und 23 statt H:Kf lies hjka«, öttov, Sev. 432 Z. 26. 

A a 2 Z. 19, nach /Khshk ß-kaiiic fehlt die Wiedergabe von tö 
(piog rCüv ävd^Qtü/twv, Sev. 432 Z. 35; Z. 24 npH^oy ist mittelbulg. 
npHA^ = npHA'Ki Particip. 

A b 1 Z. 22, zu verbinden HMaa (statt HMa a), so auch Kai.). 

salZ. 13, verbinde np'kcTH/\ai€H = iip-kCTHaaM^H, be- 
stimmte Form, 6 atsyd^ojv, Sev. 433 Z. 6 v. u. 

S a 1 Z. 23, BCCMO^ B'KIB'kLlJKM€MOy E({\lh B'K np'kBKlH Ji,htih. 

CTBopH, Kai. hat vor K'KiB'KUJKMeMoif aus andern Handschriften 
H€ hinzugefügt, das erste ist aber richtig: Trävriov xCov yevoixivcov 
Trjv vlrjv Tfj TtQCJTj] r]fi€Qa eTtoirjasv Sev. 433 Z. 3 v. u., und ent- 
spricht auch dem Gedanken. 

sa2 Z. 13, noB-kAaio 1. noK'KA'»'^, 3.prä8. = noBtA^i^T'h, 
parallel dem folgenden HasHTaie {eItis (xsv to Ttkdaixa, ov-k rjQid-- 
(.irjoe Ö€ ta i-iiliq Sev. 434 Z. 5); möglich ist auch beides als Particip 
zu fassen, noB'feA'*'^^ mittelb. -kr für ia, und vrohl richtiger, zu p« Mf 
als Verb. fin. — Z. 20 '^js^^hi ivKOie 1. OKi^ie = ociiMi 3. aor., ovix- 
TTEQielaße xa fisXrj Sev. 434 Z. 8 ; so auch Kai. 

3alZ. 19, HH WrHIi EfST^ HSrp-bBEH HAH AP'^K'* HaUJfH 

BCi(ji AKS'k lecTk WGpt:cTH, soll wiedergeben ovte tivq ävev 
arvTtnsLov rj -/.Xrifxaridog i} kriqag vkr]g eativ idelv Sev. 434 Z. 18 
V. u. ; das ganz unmögliche HamcH beruht auf einer schlechten 
Lesart fjixereQag für fj ktiqag. 

3 b 1 Z. 7, Bce KTvicTTk orHk h BESAt^HHie u. s.w. Die Wörter 
Bce KTviCTTi orHk hat Kai. zum Vorhergehenden gezogen, es wird 
aber der griech. Text Sev. 434 unterbrochen mit der zweiten Zeile 
von unten [Kai ßlsTts) bis zum Ende von Kap. d\ und setzt wieder 
ein mit Kap. e': -rtävta ovv kyevsto' nüq iyivero u. s. w., also ist 
der obige Satz zu trennen vom Vorangehenden : Bcf K'kiCT'k, orHk 
u. s. w. — Z. 13 verbinde wrAaBA'feie = -ia (Particip) Moch raa- 



8 A. Leskien, 

rOAtTTk ptKivi, so auch Kai., äva-iiscpalaiovrai Movofjg Xeyiov, 
Sev. 435 Z. 11. 

3 b 2 Z. 1, HC KaiuiEHE . . . H3 /k.p'feßa, zu lesen entweder h h3 
AP'feBa (die Weglassungen von h vor anderen folgenden h sind 
häufig) oder verschrieben für hah H3 ji,0'^E,A, ano Ttetqag . . . ^ 
U7T0 ^vlov Sev. 435 Z. 17. — Z. 5 poAfM'K, schon von Kai. richtig 
verbessert in po^OMii, der Satz ist ein Zusatz des Exarchen, ge- 
meint ist rrjv (piioiv (von Statur), vgl. h a 1 Z. 10. 

Hai Z. 2 V. u. BTvCTaßHBKiiiiH, Kai. richtig K'hCTaBHKiiUJH 
eysiQovoa Sev. 435 Z. 16 v. u. 

H a 2 Z. 3, a raKC^Kt WBaaK'K TU<>y m'Shht'k ncaHHie pcKiü, 
nach TiAoy fehlt eyelgei, allenfalls kann man aus dem Vorangehen- 
den CKTBopHTTi ergänzen, ort, öe lyeiQsc veg^elrj a/örog, leysi ^ 
yqacpri Sev. 435 Z. 14 v. u. 

H a 2 Z. 1 v.u., lecTT». paBCHik npHHkCTH, ionv loörifxog; 
auch Kai. hat npHMkCTH zusammengelesen und es offenbar für den 
Inf. statt -HHCTH gehalten, allein es ist zu trennen npn MkCTH (loc. 
zu MkCTk TLi-ir])^ vgl. Mikl. LP. unter npn: TkHkHH coyiiJ« npn 
YkirpocTH. 

H b 2 Z. 5 SOBOV ist Part, präs., 30b;r für 30B'Tü, Tivev^ia xa- 
lüv u. s.w. Sev. 436 Z. 6. — Z. 11, noH^e für noH^A statt hoh^tü 
Part., 6 arjQ y.ivov^isvog, ib. 436 Z. 8. — Z. 18, TH^oy ccyniio 

BHkSAOYYOy nO/KCHEMIk H TH B'kCTaBHB'kUJf CTiTBOpHM'k ßtL- 

TpTü ivTik na^aHnm; es ist zusammenzulesen hth (=ire), dar- 
nach H zu ergänzen, fjavxdi^ovTa rov aeqa yuvovusv y.al TtoLOV(.uv 
anh rfjg -/.ivr^osiog rov deQog avei-iov^ Sev. 436 Z. 1 0, noJKCHCM'K 
HTH = -/.ivov^ev. 

«■ a 1 Z. 1, nach Homaauie fehlt c« (= ca), vgl. Z. 4. — Z. 8 
pfHtiuio CH, 1. p«Hf MocH (Moses), Kai. natürlich richtig. 

«^ a 2 Z. 6, npikBOie A'feaaieT'k Bor^k caoBfCfMk cB'fer'k, no- 

CAIv^KA* ^* CAOBfCfMk MAOB'KKa, Vgl. JtQÖJTOV EqyätsTaL d-Eog 

löyio rb (füg, voteqov de top avd-qcoTtov sqyco Sev. 436 Ende des 
Kap.; das zweite CAOBECEMk ist wohl sicher (statt /1,'tAOMk) veran- 
lasst durch das eben vorangehende CAOBfcfMk; in seiner über- 
lieferten Fassung gibt der Satz einen ganz verkehrten Sinn. — 

Z. 18 CB'tT'k YklTpOCTHTÜH CB'tT'K POpaSAI^CTBO, (füg TSXVrjg, 

(füg ETtiGTifjfxrjg, also zu lesen ropasAt^cTBoy; der Fehler o für oy, 
geschrieben 8, begegnet öfter; es ist possessiver Dativ gemeint. 



Zum ^estodnev des Exarchen Johannes. 9 

lal Z. 5v. u., WRH M-kHeTTv npHCHOcoyi|if c hkcmk hko, 

Ol f.i€P ovpvTidQx^iv *b cciöiov Tip O-tiJ) tut' oL'Qavuv ajtt(piivavTO 
Bas. 12 A, also statt HfKO zu lesen Krii (Korii). 

ia2Z. 11, HJKf lipHCHO raKACHH CO\'T"*»' K HH)("K Ha llOAOy- 

HOi|]HH, xovg ccticpcivü<i avvCov /.cu aQ/.nöovg, Bas. 12 B, also ent- 
weder Ha noaoYHOi|iHH (Loc. zu iioaoyHoiiJHHi) oder h iioaoy- 

HOl|IHH. 

I b 1 Z. 2, Ha nplv,\,Hf»o, 1. np'k,v"f'€ (= npU^^kHieie ntr.sg.), 
€7ti Tct 7tQoi]yov(.iivci Bas. 1 2 B. 

I b 2 Z. 2, HTv HMJKf HaHiAO 110 lecTkCTKoy np-k/KA« Hap«Mf, 

TC», l€>Kf IVTTv HfrO, MO HOy/K^H AtLT'KI HaHHHai6M0 R'KITHI€ 

HMaTTv; ich erwähne den Satz liier, weil Kai. die Worte z. Th. 
falsch verbunden hat (TOi€JKf, hoho^jkah, vgl. Intiöri 61 fj uQXfj 
TittTcc (fvOLV 7tQ0TeraY.raL xdv an avrfjgj ävayxakog ttsqI rätv ccTtb 
XQ6rov to sivciL ty/jvrwv öiaXeyöusvog u. s. w. Bas. 12 C. — Z. 20 
verbinde ßTkBo;k,HM'Ki)("k (auch bei Kai. getrennt, tioayo(.iivoLg 
Bas. 13 A; der Genitiv von i^linia abhängig). 

A\ a Z. 17, raKOH;E i€ A-sno TlvMJKt h aiokht'k rä, 1. T'kiuni 
HJKf AJOEfTTv (= AWKATTk), Ttqircov Tjj ucr/MQLÖTr^TL T(hv rpiXnvv- 
rcov tov -/.vQLüv Bas. 13 A. — Z. 5 v. u. verbinde leiejKf = i€irf^»;E, 
Objekt zum folgenden negirten Verbum ; bei Kai. unrichtig le, i€H«f . 

ai a 2 Z. 13, nach arracTHH fehlt ein Wort, etwa ha-kuh, äy- 
yslcov OTQariai, Bas. 13 B. — Z. 4 v.u., lejK« k paH<^\aHHH h TA'fe- 
HHH TO TOMor KAioMA i€Mor (Kai. Schreibt zusammen KAiOMaienioy) 
;khahi|je cf, ist Wiedergabe von Trarnov tüv Iv yeveoeL -/ml (fd-oqä 
IrtLrrjdeiov lvöialTi]ua, aber so völlig unverständlich, gemeint ist 
KAiOMai€MO (= tTTiTr^dstov] bii»;hahljjc (oy- serbisch für ßi^-), das 
cf gehört zum folgenden Satz. 

ai b 1 Z. 5, naoBoy ist mittelb. nAOB;^ (Particip) für raob-ki ; 
ebenso wahrscheinlich Z. 9 — 7 v. u. pacTOXf, rßi^c>\f, o^CKi^aie; 
imGriech., Bas. 13 B, stehen Participien; verstanden werden könn- 
ten die Formen allerdings auch als 3. plur. praes., wenn man oy- 
CKiyaie für mittelb. oycHijcai^Tiv = -w^tti nimmt, aliein sie 
passen dann weder zum Subjekt i€CTkCTKO, noch zum folgenden 
Verbum HMaTTv. 

aib2 Z. 1, verbinde robohhk» nAOBOYHJfM> = ^«t',uar/,instr. 
sg. von noBOHk, Bas. 13 C; die sonderbare Uebersetzung von qsv- 



IQ A. Leskien, 

^lati . . . höedsfispotg durch noBCHHK» nAOBoyiiieio OA'SNC'U'k be- 
ruht auf einer falschen Lesart evÖEÖvi-iepoig. — Z. 3, Ha pasA^HHie 
H TAliHHie, 1. (iA7¥ijs,AH»\e, Ttqog yivEOLV r) cp^oQccv, Bas. 13 C. — 
Z.16 KT». HaMfAO i€ c( i€>Kf A'tLT'Ki ß'KiKai€T'k, das i€ vor c( ist zu 
streichen, eine durch das folgende i€H;e veranlasste Verschreibung, 
vgl. ev ccQxfi T^ciVT^U ''■fi '^^'^^ xqövov, Bas. 13 C. — Z. 10 v. u., Hf 

M'kHHT'K W W A^^ß'M'^Hl""" TBapH pCKklUE H HaHfAO E'KICT'K ; 

entweder ist das eine iv zu streichen oder das zweite ist aus einer 
Abbreviatur von ivtiv verschrieben und dann ein Adjektiv ott».- 
AaBKNik anzusetzen (zu ot-k a^^^"»^"*»); statt h w&h. lies bti w&- 
MfAO, leysL Iv ccQxfi yEyovivai^ Bas. 13 C 

bi a 1 Z. 15, i€JK£ lecTTk le'O'Hpii steht wahrscheinlich an fal- 
scher Stelle; der Satz gibt einen Sinn nur, wenn man die Worte 
nach dem Z. 18 folgenden noB'kA^'<2>i|ie einsetzt. 

BI a 2 Z. 11 V. u., i€>Ki i€CTTi. CT^Y"*^ SOBfMb, S (5^ üioiyüa 
■/.alov{.iev, Bas. 25 C; das lecTii ist sinnlos, es hat gestanden Cf = 
ÖTj, dies ist i€ gelesen und als lecTi». verstanden worden. 

BI b 1 Z.12, OCTpklUlA'feieTk et (-l€Tk = -bÄTTk = -KRTTk) ; 

richtig kann wohl nur sein ScTp., nach dem griech. 6Qfj.r]v e^ovrog, 
Bas. 25 C. 

Bi b 2 Z. 3 V. u,, OYM'KHUAtw ist acc. pl. = -lÄ mittelb. = -ia, 

zu O^MTÜllJAraH. 

KB a 1 Z. 7, j!i,A TT». WKOK» KOVA^'^''^» p«KUJ€ H WT'K ^^X^A H 
HUTTk Y'WTpOCTH, Statt TTi 1. OT'K, £^ a(.lCpolV OVVttd^i{.Lf,V0V «V. TB 

Tov sidovg y.al rfjg vXrjg, Bas. 32 B. 

KB a 2 Z. 12, HTvTiiK» 1. HTv TTiHkio (so auch Kai. nach andern 
Handschriften). 

KBblZ. 10, H Ha hk>h;6 ktü norptBoy koi€>ka«>, np-Kw- 
EpaSH B(i|jH AP'^KM^^V*^) ^i^ beiden letzten Worte sind nicht zu 
construiren, entweder zu lesen Bfijjk Ap'kBHoyw (als acc. sg., vgl. 
TtQog Ttjv STti^rjTOvixivrjv hv.ccatoxe xgeiav diafioQq)ovaa Tr]v vkrjv, 
Bas. 32 D), oder BfipH ^p-^BH;^!^ und dies als acc.pl. für AP'^ß'^- 
HHüMk ZU fassen. — Z. 14, h Tp'kB'tHHie oyKasaTH 3'feAO co^lije, 
Kai. trennt oyKasa th, mit der Note, dass statt rp'kE'tHHie in den 
andern Handschriften TpeKOBaHHie stehe; TptK'SHHie ist sicher 
falsch, der Satz soll entsprechen dem rr]v svxQrjariav fifj.lv rdv 
^vkcüv vTteöei^e, Bas. 32 D, es steckt also wahrscheinlich in dem 
Tp-kKtiHHie ein rp-KKt htü (dat. pl.) le (= lecTTk), und davon ist 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 1 1 

der Infinitiv oyKasaTH abhängig-. Der Satz wird dadurch freilich 
ganz anders als im Griechischen, dergleichen Verkehrungeu kom- 
men aber sehr oft vor. 

Kß b 2 Z. 6, TH HfKfC'K WT'KAOyHH, 1. HIBCCH, V.al OVQav(ii 

a(pt'oQio€, Bas. 33 A, und vgl. die Fortsetzung des Satzes. 

Kr b 2 letzte Z., j\,a i€AKMa ptne hh i€ i€ TRoptHO hh »€ iutti 
Kora K'KiK'h, zu lesen ist der auch von Kai. falsch aufgefasste Satz : 

Ji,A l6AKMa, ptMf, HH l€ (= leCTTi) H«CTKC>pfHO U. S.W., Vgl. £1 Tol- 
rvp, (pf]o}, i^irjTe ayivvr^rov i.irjTS ^ruQcc ^£ov yeyovög, Bas. 37 C. 

Bas. 37 C, To yag sivai ra ■/.cr/.ä ovöslg avTsgel tCjv nEte%6v- 
Ttüv Tov ßiov ist k;i, a 1 Z. 5 — 10 doppelt übersetzt, einmal durch 
RCH eo akHaieMT». raKon^E 3ao npHi€MAi<M|jfH Klv,\rn»., dann 
besser durch lecTi^ bo 3ao, raKO h Kna^aK>i|j{ k he shaiot'k i€. 

K^\ a 1 Z. 9 v.u. OTikHaAC 1. OTT^naAa, auf vorangehendes 
/k,c»YiU4 zu beziehen. 

K,v, a 2 Z. 2 V. u., nonoycTHTH na rH'SKaioipaaro cf (als Obj. 
zu non. ist aus dem Vorangehenden rn'Sß'k zu entnehmen); der 
Satz gibt einen richtigen Sinn nur, wenn te (= ta) statt ce ge- 
lesen wird, vgl. x^^Q^S i^ctrpelvaL rcp Ttaqo^vvavTL^ Bas. 40 A. 

k;i, b 1 Z. 3, das eine der beiden h h ist zu streichen. — Z. 4 
V. u. verbinde neroHesHaa, wie richtig auch Kai., = unentrinnbar 
{d7taQaLT7]Tog, Bas. 40 B). 

KE a 1 Z. 4 — 9, die Worte des Textes sind richtig, die Satzver- 
bindung bei Kai. unrichtig ; zu konstruiren ist: KOierc oyKO CB'kTa 
HE HMlcaujE oyxßapK CH HanpacHO, »ko/KE twK Bpi^yo^ boa'ki 
BTviTH. ÜOMiüUiA'bieM'k oyBO (vgl. Bas. 40 C IIolov — AoyiC.6- 
f^ied-a . .). — Z. 8 V. u., hh bch hecechhh hai^kobe hh ck roAa \e 

(lies I€/KE) HMEHHTO HAH BE3 HMEHE WTT». M'KICA'KH'KIHY'K l€CTK- 

CTBC> (1. — BTk, gen. pl. Tü)v koyiyMv cpvoecov, Bas. 40, Z. 2 v. u.) 
HAH MTüCA'kH'KiH\"k (wahrscheinlich ein durch das vorangehende 
U'KiCA'KHTviHY'k Veranlasster Fehler statt des richtigen cacy^^^- 
BkHTiiH\"K, leLxovqyL'/.Cov) A^W'^KT», HHtf (zu streichen) BT». TkM-k 
YO>kA'»<*X'*^Vj "'^ ^^ CBtTt; der Satz entspricht dann genau dem 
griechischen Text. 

KE a 2 Z. 3 V. u. lies hjke statt h. 

KE b 1 Z. 16, CB'kT'k T-kAO H BECRliTa l€ MlvCTO, TO CfCOg, TO 

aiof^ia, TOV äXaf.i7ifj tötcov Bas. 41 B, also zu lesen EECB'kTHOie. 



12 A. Leskien, 

Kfb2Z. 11, BCfMoy HanpacHO AHi^a caa;k,kKa h KpacHa, 

fehlt das Verbuni, in andern Handschriften (s. Kai.) ckTBopH. — 
Z.5 V. u. Kf3 B'Kp'Ki, mit den andern Handschr. (s.Kal.) sicher besser 

ef3 Mlvp'KI. 

KS a 1 Z. 9 V. U. Kf3 HOYJK^fHHia, 1. MO\}KJ\,lHHa [dxQ^viog 

Bas. 45 A), vgl. dasselbe Wort Z. 15. 

KS a 2 Z. 6 V. u., npasHMieiuiTv, wo griech. Bas. 45 B ad-Qoojg, 
ist sicher falsch, bei Kai. Var. HanpacHHieMii, richtig dem Sinne 
nach. — Z. 5 V. u. to ^acTk, 1. no^^cTk. 

KS b 1 Z. 13, verbinde ToyTkH« = T;RTkH'R (richtig Kai.). 

KS b 2 Z. 6 V. u., np-SjK^f ko KiüTHra cß-tTOBHaaro kti. oy- 
TBapH cfH oycTpoieHHia Ht HoijJk ckaiUE ht». rwa, ^ yaQ Ttqo rfjg 
yeveaecog xov cpiorog ev rcp -/.öof-uo Kardaraaig ov'/l vvS, riv aXXh 
0'/.6Tog, Bas. 48 C also zu lesen bt». statt kt». und oycTpoieHHie. 

K3 a 1 Z. 9, statt /kjikHk w hoijjh zu lesen A'*"<>"*^4^hi€ = 
fifxsQovvyiTiov, Bas. 48 C ; nur so gibt der Satz überhaupt einen Sinn. 

K3 a 2 Z. 12, a H — A"*"! der Satz ist in Unordnung, wahr- 
scheinlich durch Ausfall der dem tiqwtyiv TtQoaayoQsvaai ent- 
sprechenden Worte, Bas. 49 A. 

K3b2Z. 7, »KOH^E rOAOV I€AHH0 leCTkCTBO CKCTpCHATk 

lecTTk KorTk; zusammenzufassen leAHHOiecTkCTBO; es entspricht 
nicht genau dem 6 rrjv tov xqövov (pvaiv zaraayisvdaag S-sög Bas. 
49 C, der Gedanke erfordert aber das Compositum. — Z. 10 v. u. 
BEAK> ist = BEA/Ä Partizip. — Z. 7 v.u., das he ist mit den bei Kai. 
citirten Handschr. zu streichen, vgl. Bas. 49 C. 

KH a 1 Z. 17, aniE ah hti h (von Kai. unrichtig zu aipEAHHii 
verbunden), verbinde H'kh = fjfilv] ei de rtollovg rn-üv alCovag 
jiaqLorriOLV fj yQacprj, Bas. 49 D. — Z. 2 v.u. statt ht», lies ht^i (dat. 
pl.), vgl. Bas. 52 A. 

KH a 2 Z. 11, T'SllilH^E CA'klUJHMk KO BCH A^E TT^ KE3 BEMEpa, 

verkürzte Wiedergabe von iTtel avioTiBqov /.al adiädoxov /.al are- 
kevvrjrov rrjv fjfxsQav eKeivrjv oidev b löyog, Bas. 52A, zu verstehen 
ist also BCH als n. pl. (Subj. zu CA'kiujHM'k) und A"^"* t"»^ = 

AkHk-T'k. 

KH b 2 Z. 1, cTMii Alci^T^j der Satz fordert als Parallele zu 
vorangehendem OTku^k und CkiHii den Nominativ. 

A a 1 Z. 14, l€IO >KE H l€l€ JKE pa H KHEH }KE BCE KTÜCTTi ist 

= i€ij^;k£ h i€mvh;e paAH h b'k hehh;e BkCE buctii. 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 13 

A b 2 Z. 1 4, TaKO /K( HTv i€ no,vc>Ra R-KpoKarH, 1. htü (dat. pl). 

Aß a 1 Z. 14, KOAHKt\ iiAHf 1. KOAHKO FiAHt = noUM;) /.lüD.OV^ 
Sev. 439 Z. 16 v.u. 

ABb2 letzte Z., cToyyHra nctcAoyiuaioiijaaro, 1. nocAOYuia- 
10141a lero. 

AP a 2 Z. 13 npHAaraa\*o\,', der richtige Sinn würde Hinzu- 
fUguug von c( (= CA) fordern, TtgoaeTid-evro Sev. 440 Z. 27 v. u. — 
Z. 12 V. II., npli^'kCHraa\'o\.' HK»,\,«ca, a e'k ca^x^ ''P'^A'^^'^X'^^V 
^•feAKa, :cQoelau7re tu &avuara y.al rfAoXovd-ovv tu däyfiara; 
;i,'KAfca gibt hier keinen Sinn, doch hat vielleicht der Exarch nqa.y- 
^lara statt döy^iara gelesen. 

AT b 1 Z. 17, ,\,a l€CTkCTBkHO»€ CKO\';i,'kCTßO HEMOI{IHKt Ha- 
KOHHaHkie WKAHllJfHH»€M'k KAaro;k,aTH'klM'k, 1. HaK0HkHai6 (3.sg. 

praes., Subjekt Kori»,), vgl. Yva rb Xelnov ti] äad-sveia Tfjg g)vaeiog 
TtlrjQLoo]] To TtEQLTxhv tfjg xoiQtTog^ Sev. 440 Z. 17 v. u. 

i\j\, a 1 Z. 3 V. u. JKHTkKTü, Yerschreibung für /KH,\'kK'ki. 

A^b 1 Z. 12, AKTü Af^lk BlvaiU£ HtBO BOA^^MH CTvTfAO (= Ck- 
TAAO , 1. CkT/ÄTO, -/.QVOTa/JAodr^g rjv b ovqavbg urcb v6äxo)v nu- 
ysig, Sev. 442 Z. 30. — Z. 14, HUiKi Bliamc CAkHfHH-KH toraotIv 

H WrHK> H M'SCfMHH'k H BBtiSAI»^ BClvX"K nO,\HHMH BTvITH, ETtSldt] 
yag eixe'/J.e dsx^o^aL r^Xiov (pXöya -/.al a£?.rivt]g y.al äoTQWv arceiQU 
ttAjj^»;, Sev. 442 Z. 31; das no,i,HHMH ist ganz sinnlos, es muss 
ein dem öex^o&at entsprechendes Wort gestanden haben, wahr- 
scheinlich noA'^HU'ki (Part.präs. zu no^i.'khÄTH; zu konstruiren ist 
B'baujf B'kiTH nc>;v,'KHM'ki), von dem Partizip sind die Dative und 
der Gen.pl. abhängig, eine auch sonst vorkommende Konstruktion. 
— Z. 8 V. u. K'feaiiif BCk H HCRA'k.HEH'k oPHtk, das H übcrflüssig; 
auch Z. 4 V. u. ist es zu streichen. 

Af a 1 Z 8, verbinde HCT^y-k (zu hckjch/^th); so wohl auch 
Z. 9 HCKpoBoraHo; beide Worte übersetzen das ^x'iQoh.cpQvyöixEvog 
Sev. 442, letzte Z.; ein cKpoBoraTH ist mir sonst in dieser Bedeu- 
tung nicht bekannt, es muss wohl bezeichnen: »klapperdürr« 
machen. 

A6 a 2 Z. 3, nach noycToy zu ergänzen semaio, eqrj^ov rrjv yfjv 
■/.aT£?.iaTrccv£, Sev. 443 Z. 6. 

AS a 1 Z. 16, a ce cpaUA'KWT'K, 1. A<*? aldsa&woiv algsriycol, 
Sev. 443, Z. 3 vom Absatz. — Z. 2 v. u., i€CTkCTBa Hf,voM'KicAiMa. 
i€roH;t Cf HHKTOHie he ^ijOHTüCAHTT».; der Relativsatz sieht aus 



14 A. Leskien, 

wie eine eingeschobene erklärende Glosse, griech. nur daatdlrjTtTov 
Tr]v (pvaiv, Sev. 443 Z. 20 v. u. 

AS b 1 Z. 6, H« KC> rAaroAW tti wrp'feGHHKa, 1. statt der bei- 
den letzten Worte ivtti Tp., ov yaQ Xiyio ccTto rov ^vaiaorrjQlov, 
Sev. 443 Z. 10 v. u. — Z. 8 rAaroAfTTk, entweder ist et {^= ca) zu 
ergänzen, oder ta. ist = rAaroAi^TT». (mittelb. rAdroA/ÄTik). — 
Z. 16, trenne kh^'S (2. aor.) ah. — Z. 2 v. u., bhjkaI" ropfCTH co- 
TOHHHOy, 1. ropfCTk, To deivov rov ÖLußölov, Sev. 443, 2. Z. v. u. 

AS b 2 Z. 5, Ai\it KO Hf noAperHfT'k KopcHHM gibt wieder sav 
f.ü] Ttrj^i] d^EfieXiov, Sev. 444 Z. 3, ist wohl = no-^pArNfTi», und 
dasselbe wie slov. dregniti [dregnuti) »stossen, stupsen«. — Z. 6 

v.u., W BTOptM'k BTOpOie A'KJKOy CKKf C'k/k,OBd , ohne W BTO- 

P'bM'k entsprechend dem rö de'öreQov ipevdog, Sev. 444 Z.8, so dass 
w BTop'KM'K eine Glosse sein wird; beides zusammen gibt kei- 
nen Sinn. 

A3 a2 Z. 9, das h zu streichen. — Z. 1 v. u. vor i^-RcapkCKOK» 

besser Ck zu ergänzen, dg (.lera rfjg ällrjg Tfjg ßaaihycrig öö^rjg 
'^^eh]oe Kui tsQioo'dprjv evövaaod'ai, Sev. 444 s' Z. 7. 

A3 b 1 Z. 16, statt WCAAB-td BkUUA 1. IVCAAB-kBkUJd. 

AH a 1 Z. 9 V. u. ist doqvfpoqia [= öoqvcpöqoi) übersetzt durch 
CTaBhHHi;H, AH a 2 Z. 1 durch CAdBAieHHie; zu dem letzten be- 
merkt Mikl. LP »male«. Man kann allenfalls annehmen, der Exarch 
habe durch caab^hhi^h »Helden« (Krieger) bezeichnen wollen, 
allein das sonst immer in ganz anderem Sinne gebrauchte caabaib- 
HHi€ ist doch zu auffallend. Ist nicht etwa wie ctabrnhij^h auch 
CTABA»€HHie zulcscn, uud CTdBkHHK'k ZU verstehen als npHCTABk- 
HHK'K, das ja lictor bedeutet? 

AHa2Z. 3v. U., WCMk MAKSHTT»., 1. -HtTIk = -hat^k, vgl. 
VUCMk MAkMfT'K, AH b 2 Z. 5 V. U. 

AH b 2 letzte Z., MTfO jk Versehen für hto jk«. 
A* a 1 Z. 1, Hf H>Kf AH TAdCT». ^OT-fe nctroyEH (1. noroYEHTHj 
COTOHd, i)r eGTtovdaoev ö ^azaväg avargeipai (pcovrjv, Sev. 445 

Z. 25 V. u. — Z. 13, i€;t,HHOio noEkHii peipH, lies entweder no- 
AOBkHO H'ki (dat.pl.) oder ho^j^oba htü, arca^ ö(pslXofj.ev si/teiv, 
Sev. 445 Z. 21 v. u. — Z. 8 v. ]i., h zu streichen. — Z. 6 v. u., vor 
Kor'K ist einzusetzen le/i^HHik, elg yag yivgiog, (.iLa TtioTig u. s. w., 
Sev. 445 Z. 17 v. u. — Z. 3 v. u. 1. Mp'fe^'^^KaMH statt -tu-. 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 15 

A*b 1 Z. 6, verbinde OTbHf c« = ottiHA ca, enrjQif^rj^ Sev. 
445 letzte Z. 

M a 1 Z. 11 , HCnAkHH BCli 3(MAlv C/XaKlO K-:rO, 1. HCIIAnvHK, 

TtlrjQTjQ Tcäoa rj yfj Tfjg öö^t]g aurov, Sev. 446 Z. 21. — Z. 1 v. u. 
1. Koro statt KaKO. 

M b 1 Z. 1 1, npHieTTk (= npHiiAT'k) steht an Stelle von drjx^eig 
(betrübt) Sev. 446 Z. 16 v. u. ; der Exarch hat gelesen öex^elg- 

M b 2 Z. 5, CA'iviuin'f, Verschreibiing für CA'KiujHTf. — Z. 13, 
CKtTKCTKO KO dijjf Hf noYA^T'^^j ist ohne Zusammenhang, es fehlt 
darnach der Satz: ovdk to (xvOTrjQiov TeXelTat, Sev. 446 Z. 6 v. u. 

HS b 1 Z. 7 CA'kA'^"'^? 1- CA'tA'k HTvi (dat.pl.), Hxvr] nva Bas. 
56 B. — Z. 10 lies h-ki (dat. pl.) statt H-k. — Z. 12 noHt = no hi€. 

H3 a 1 Z. 4, trenne c( kh. — Z. 1 1 v. ii. statt npniero 1. npH- 
I6TT». (= npHbÄTTi), Subjekt ist OBpasK. — Z. 1 v. u. »cahhh yni- 
rpHH 1. I6AHHH (Grrlechen). 

H3a2Z. 2, verbinde oyKtTT^ = o^H/ÄTik, 3. pl. praes. zu 
OVHHTH (malle). — Z.ll v.u. verbinde rpf^'»^'« = rpA;i,'kii€ best. 
Form Part. ntr. sg., rb -/.v/.XofpvQixbv oüfia, Bas. 57 Z. 1. — Z. 1 
v.u., HJKf npHnptsaioT'K kt». TBopku,io, das Objekt ist ausgefallen, 
wahrscheinlich BfiiiTk, daraufweist auch das gleich folgende fem. 
HtTBoptHoy; i€ H3 b 1 Z. 2 ist = mittelb. wv ^= kr, ot vkrjv i/cei- 
aäyovreg rcp ör]f.iL0VQycö, Bas. 57 A. 

H3 b 1 Z. 7, verbinde mtü jk«, rji^elg de, Bas. 57 A; der voran- 
gehende Satz schliesst mit rß(js^o\[i\it. — Z. 16, verbinde MHpTvH 
(acc. pl.). 

H3b2 Z. 11, leAHNTü H MHoru, besser le^HHik h mh., fiiav 
TS xtti Ttoklag, Bas. 57 B; ebenso hh a 1 Z. 1 le^HNT». h mho3h. 

HH b 2 Z. 10, verbinde TEpT^A«" (= teptv^/äh) rpoM^k, ö aze- 
QEiöv ßQovrrjV, Bas. 61 A, 

H«- a 1 Z. 1 5, iVA'biOLiJHHM'k ctiHTv i€CTkCTB'6, gemeint o TA'k- 
lOijJHHMk, TtsQi Tr]v (pd^siQoi-iivrjv ravrrjv cpiiaiv, Bas. 64 B. 

H*a2 Z. 1, iVBH;k,ei|if, 1. OT'kEOAtiM*) dTcdyovreg, Bas. 64 B. 

H* b 1 Z. 7, zu verbinden ist Ha CTpoH W3«MHTvi]("k, TtQog Tr]v 
Tüv rcBQLyeiiov ol-AovojiUav, Bas. 64 C; osfMkH'k fehlt in dieser Be- 
deutung bei Mikl. LP. — Z. 11 lies btvIao statt -a; richtig ist auch 
Z. 15 wcKO\fA't:AO statt -Ak. — Z. 3 v.u. konstruire no^ößa }Ki 
Kt, JS^A u. 8. w. 



jß A. Leskien, 

H«- b 2 Z. 10 V. u., statt ß-bpoio 1. Mtpow, /.leTQM, Bas. 65 A. 

§a 1 Z. 12, verbinde ^kheo^h = jkhbtüh, n.msc. best. Form 
part. praes. — Z. 16 CßtA^'r' 1. CAtAfT"»^ (= CAtA'«^'»"!»'), ^.l ov- 
eyf.tLy.aL vfig ^wrjg fj^iüv xk%vci.L^ Bas. 65 A. — Z.9 v.u.: ndAhTtH'Hd; 
gemeint ist nAATbH'KHd, und das Wort ist abgesehen von der ersten 
Silbe (solche Schreibungen für gewöhnliches Liq. -|- a kommen zu- 
weilen vor) wohl nur verschrieben. — Z. 13 1. M'feAU'*'^ statt iuit:A- 
HAia. — Z. 2 V. u. zu lesen h oder hh statt w; Z. 1 v. u. rhu« 
(= nHijj/fv) statt ntijjf, ovi cd rovrwv TQoq)al, Bas. ü5 B. 

§a2 Z. 3, statt T'Raa 1. A-kra, Ttgog xQÖvov, Bas. 65 B. — 
Z. 4 verbinde toraottü. — Z. 3 v. u. 1. khahiui'kiy'k (twj/ oqix)- 
fiivcop, Bas. 65 C) statt -0-; statt k'toto^ 1. K'k TOMoy, ttqogetl. 

^A a 1 Z. 4, CKO^k, verlesen für ckS^k = Ixvd-icc. — Z. 8 v.u. 
trenne oßiu lejKf. 

§d a 2 Z. 14, oa'Sbiuh ce steht an Stelle von evösös/xsvog 
durch eine falsche Lesart €vöedv(.isvog. — Z. 16, nach KfMHCMm'- 
HnviHiuiH ist p'tKAiuiH Weggefallen, (.ivqioLg 7toTaf.iolg, Bas. 68 A. — 
Z. 8 v.u., nach wrH«ßH ist etwas ausgefallen, vgl. dia rrjv ccqqtjtov 
Gocpiav Tov T/jv avTiTtaXov t^ ttvqI (pvoLV övas^avdXcoTOv slvai 
oiy.ovo^irioavrog^ wahrscheinlich auch noch die folgenden Worte: 
^'Earai /.isvtol ots y.aL nävra v.atacpQvyrioeTaL rcp tcvqi', das Jesaias- 
citat gibt nur mit diesen einen Sinn, Bas. 68 A. — Z. 1 v. u., ver- 
binde i€CTKCTKO E'hiuit i\Ajs,'KAtyvine (= -AfJKAie bcst. Form Part, 
ntr.), vgl. ÖLct rrjv (fvoiv rüv v7i£Qy.eLf.iiviov^ Bas. 68 C. 

§a b 2 Z. 6, verbinde RpHAaraie (Part.) TkHLK'Ki)f'K. — Z. 9, 
vor pd30YMH0 fehlt, wenigstens wenn der griechische Text nicht 
missverstanden ist, Hf, ayiaräh^TiTog^ Bas. 68 C. — Z. 7 v. u., CK- 
HdCA"'^*^ GOYA^'TT». leAHHAKOie pacTBope h tojka« rom«cth h 
oyHMAHHiC) MCKpOTtJ CKIBAKMIJH, 7] avTrj svxQaoia avPTr]Qrjd^f], 
Kara f.t£Qog tfjg äipaLQeoewg rCov vyqCov ysvof.i€yr]g, Bas. 68 C, also 
zu lesen: ctvH. k. \ejü,. pdCTßOpEHHie h tojka«; RO hscth (= ha- 

CTH) OYHM. IUI. k. — 

§ß a 1 Z. 15, coviuo\f H ^Ktroy = altbulg. co^uj/ä h jKfrki. — 

Z.7 v.u., BA-kn^KOlfM» TOyRHl^OY RpHI€MTv B'KCKOp'R HSPOpf Rptl- 
HRTT». K» RORfAOlUI'K CTBOpHBTv, gibt wieder TTjV TtaQa-KEL^SVI^V 

TQO(pi]v l7tLGnaGcc(.iEV0v zaxeiiog dia Tfjg (.uraßolr^g dytr]d-dlo)Ge, 
Bas. 69 A; RHi^oy ist Verlesung Bodjanskij 's für rhuitov (RHinoy; 
s. Popov); statt rp'Shhtt». ist zu lesen M'kHHT'k. — Z. 1 v.u., 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 17 

verbinde ivrHkHi», i H^troy (= JKfriü), TrvQwdt] y.al dLax.afj, 
Bas. 69 A. 

^ß a 2 Z. 10, 1. nonH/\'K statt noBHA-iK. — Z. 13, verbinde no- 

WßAaMHK'UiOY. 

§R b 1 Z. 4, nach nocoYuiMK'uia ist et (= ca) zu ergänzen. — 
Z. 12, wahrscheinlicli zu verl)iuden HMa,\,1iKKiiin (= hcm-) = in 
Dampf verwandelt, griecb. nur öiatfxrj^iv, Bas. 69 B. — Z. 14 

TBOpe TO, 1. TßOptT'K (= TßOp/ÄT'k). 

^ralZ. 1, B'K T'kY''^'t^Af ßfMJf\"K (DpajKarH et, 1. ot'K- 
paJK^aTH, Tteg] rag uvrag vXag aTtoyevväv, Bas. 69 C. — Z. 4 v.u., 
st. ncroyKHTH 1. noroyßHT'k, von ji,A abhängig, tW {.ü] aviätjvi]- 
TUL, Bas. 69 C. 

^r a 2 Z. 7, Ha AHCTßKHTviie B'kSßpaTTii, verlesen von Bodj. 
für jKfTßbHKiie (s. Popov). — Z. 4, nc»ßHH'HSMC»\f (so nach Popov 
die Handschrift) steht an Stelle von 7tüVL(.iog (trinkbar), Bas. 72 A; 
wenn der Exarch nicht ein andres griecb. Wort gelesen hat, so 
wird ursprünglich gestanden haben nonmeM^iuioY. 

§r b 1 Z. 6, ;i,poY3'KrTvi (so nach Popov die H.) übersetzt vrto- 
ordd^^u] (Bodensatz), Bas. 72 A; es ist wohl ein ji,^w-irA anzuneh- 
men, vgl. serb. drozga (AW.) »Hammerschlag«, z-druzgati »zer- 
schmettern«, daneben freilich Formen mit o (vgl. Mikl. EW. unter 
druzga-). — Z. 7 v. u. 1. KAK»Mai€T' et statt -k»ttv (Subjekt ist HMf). 

§r b 2 Z. 13, n'THU,« HEßKHIvlH, 1. HEßCCH'Kll€ = -Mi. 

^/i, a 1 Z. 7, das erste h zu streichen. — Z. 6 v. u., der Satz 
nur konstruirbar, wenn statt raJK« gesetzt wird lejKf = hÄ>Kf, be- 
zogen auf w ßo^ajck, der Sinn des griech, Satzes ooa Tr]v avio 
xaxiiuv öiatetayLtai xüyQav, Bas. 73 A, ist freilich vollständig um- 
gekehrt, denn xioqav ist hier Subjekt des Infinitivs. 

^Ji^ai2 Z. 1 , verbinde B'KC'St'KI, lveo/raQf.irjvai, Bas. 73 A; 
Z. 12 verb. c'KKOYnAfHHieM'k. 

§,A, b 1 Z. 3, verbinde HaA'KrAaBH'KiM'k B'ksaovyoi^t*; ^«C^ 
Tov vjtlq -AEcpalf^g fji-iiüv äeQcc, Bas. 73 B. — Z. 7, m WHHMa ßo- 

}K.HaMA KpaCOTO\f A'^'ßT'K, ldKC«:KE HM^K COyT'k CTBOpfHa A'^'^<*> 

wahrscheinlich ursprünglich a****'^'^ (dafür mittelb. ^abÄTTi), 
rajKe, vgl. ovyj öipd-alfxolg dsov tsqWiv TtaQsxsi ra rtag' ccvtov 
yLvö(XEva, Bas. 76, Anf. Kap. 10. 

^A b 2 Z. 8, l€>K6 l€ T-kHHK» npiiaOYMHß'k 0\'3pHTTv, 1. Cf 

(= CA) statt i€, npHAoyMHB'k C/Ä = 6 Tvxojp, Bas. 77 A. 

Archiv für slavische Philologie. XXYI. 2 



18 A. Leskien, 

^f a 1 Z. 5, statt des zweiten ht». 1. htü (dat. pl.). — Z. 3 v. u. 

1. I€ (= leCTTk statt H), I€JK« (= qui) OYCTpOHAli leCTTi PAarOAdTH 

= ?.ex^fjvai oiy.ovof.Lrioag^ Bas. 77 B. — Z. 1 v. u., statt bTi 1. ktü 
(dat. pl.), 011)1] vj.d')/, Bas. 77 B. 

^f a 2 Z. 2, vor ehj^hmaa einzusetzen Hf, in tüv dqo)f.i£vo)v 
Tov dÖQaror, Bas. 77 B (übersetzt ist r« dÖQaTa). — Z. 8, rohocht« 
statt -TH der Konstruktion und dem Urtext entsprechend. — Z. 16, 
HH rpt^'^MT»^ nonoyiiiaKMjJf ro^^ a^i^t^ zu verbinden, ovrs yccQ 
a)s.aqriag -/.aiqöv nva dc()aof.isVj Bas. 77 C. 

^6 b 1 Z. 4, verbinde o\fTßapk SHaieMoy oyTEopH. 

^f b 2 Z. 7, K'KCt KfqjH c'kSA'JHiiie ce Toy Kor'k HSBf^f, ent- 
spricht dem tag vlag zCov y.TLafidTwv jtaQT^yays , Sev. 447 Z. 23 ; 
da KkCf ßeijJH acc. pl. sein muss, schwebt CTi3/i,aHki€ c« Toy in 
der Luft, zu lesen ist CKSA^^Hkra ciro. 

^s a 1 Z. 15, CKpHHoy (3. sg. aor. zu Ck-pHHi^TH) bedeutet 
»floss zusammen«. 

nra2Z. 7 V. u., der Satz kann nur konstruirt werden mit 
Aenderung von pa>K^awnJO\f in -i^Ja, bezogen auf raaca, dann 
auch dem Griech. Bas. 77 (die letzten 3 Zeilen) entsprechend. — 
Z. 4 V. u. 1. Hapo;i,Tü statt -AH» tovg TotoiiTovg örj^ovg tcoXKol (la- 
TiaQL^ovaiv, Bas. 80 A. 

nrb 1 Z. 2, zu ocTaBHß'mt ist ce (= ca) hinzuzufügen, falls 
nicht das Ck, nr a 2 Z. 2 v. u., als ce zu lesen ist; es wäre dann 
ocraBHTH C/A einmal mit dem blossen Gen., einmal mit ott^ u. Gen. 
konstruirt, was möglich ist. — Z. 8 statt HrpH 1. Hrpio; das Prä- 
dikat KCYA*'^'^ stimmt nicht dazu, ist aber vielleicht nach dem 
folgenden nominalen Prädikat o^h« hhi€ konstruirt. — Z. 10 v. u. 
trenne bt», cnc>C/\OYipaKM|JHHj("k a^V^'^V'^j ci^noca. ist Gen., bti 
gehört zu A- 

nr b 2 Z.7 v.u., statt pasM'feHHTH 1. paSA'tHHTH (cw^ aus dem 
Vorangehenden mit zu entnehmen), a7roy.vr]aoi.isv^ Bas. 80 B. 

nA a 1 Z. 10, koahktü mh TBop'Kauie Tpo^AT^) das Verb ist 

2. sg., nöaa (.iol 7tQccy(.iara /tagelxeg, Bas. 80 D. 

nAa2 Z. 16, He MoroYqjH hh KaKO JKe TeijJH, richtig wahr- 
scheinlich KaMO, ovY. e^i^ov OTtov f.ieraQQvfi^ Bas. 81 A. 

nA b 2 Z. 5, statt WT'kB'kijjaK» 1. 0T'KB'Ki|jai<M4Je. — Z. 8 müsste 
dem erreyvcog^ Bas. 81 C, gegenüber statt pa30\"M'6H stehen pa- 
so^Mt;, wie es auch dem Zusammenhang gemäss ist. 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 19 

mal Z. 3, verbinde K'khihihhh-. — Z. 2 v. u. 1. hti statt hIi. 
nf a 2 Z. 10, zu verbiudeu; kto <ih k Kf,\,n"h. Ha iipli/KAi^, 

Ka» AH CTaHHI|ia H KpOBHipa, OTTv HH\-'k/Kf HC^OAUTTi; — Z. 2 

V. u. 1. rrtac'K statt raaca. 

nt b 1 Z. 15, hmh;« h stMaw koA'HIh stebt au Stelle von t6 
Q€lv Tolg vdaat (Bas. 84 B) und gibt gar keinen Sinn; er hat ge- 
lesen rrjv yfjv. 

ne b 2 Z. 13 v. u., k'k KpaHMa npn^V'Ki KoatcufT' c( merke ich 
deswegen au, weil das Simplex KoafCH;i;TH bei Mikl. LP nicht 
notirt ist. 

ns a 2 Z. 4, Mfi'^ hh\\kck'kii€ steht an Stelle von Jagelog 6 
3I^dog, 1. ^apHH HhVvi^ck'kih. 

ns b 2 Z. 8 V. u. iipOTHBOY bis ns a 1 Z. 4 3Hai€MC», TtQog de 
t6, 6'rt VTtsvcxvTLCog ex^i rfi TtsLqc} ö Tfjg tiuq' ri(.Llv ■/.oof.ioicoiiag 
Köyog [ov yuQ etg (.liav ovvuytoyriv vödrwv ro uÖcoq ajiuv (paiveraL 
avvÖQC(i.ibv), 7to)Jm uev sartv einelv, Bas. 85 B. Der slavische Satz 
ist völlig unverständlich geworden schon dadurch, dass der zu 
vTtevavruog ey^EL gehörige Dativ tfi rcELQa durch den Instr. HCKoy- 
coMiv gegeben ist; ich will aber wenigstens bemerken, dass ns a 1 
Z. 1 statt ckTfKoujf zu lesen ist ckTfKTiiiJf (= -uja, accpl), Z. 2 
statt MHC»roH;;k,f vielmehr MHoro jk«. 

ns a 1 Z. 6, verbinde THM-SH'nara ... lesipa = ra TsluaTiala, 
Bas. 85 B. — Z. 9 v. u., verbinde paclwmHivH Baas'b ckphijjoyhjh 
Cf, rrig lveon(XQi.tivrig vovidog iuLQQaovorig^ Bas. 85 C. — Z. 7 v. u., 
;i,a Hf BccMoi' Bct;k,HOMOY npHaoyHaie mtv ckKopoy raarctAeTiv, 
zu lesen npHAO^Haio Mine (dazu ist CT».KopoY genitivischer Dativ), 
ov Toivvv Tcc Tvxövxa Twv vdätiov ad-Qoiofxara fj Tfjg avvayioyfjg 
EjxcpaivEL TtQoar^yoQia. Bas. 85 C. 

ns a 2 Z. 2, 1. ct\j^j^hi€ statt ct^-^hh (vgl. Z. 6 v. u. Bce 

CT\"YHI€). 

ns b 1 Z. 4 v.u., verbinde cibpohht'cko, fjIeQßcovlrig {Ufivrj), 
Bas. 88 A. 

ns b 2 Z. 2 V. u., 1. KaKO statt xano ; ptM« ist eingeschobenes 
inquit, vgl. Bas. 88 A. 

nnal Z. 12, wcTaao, der Satz ist verständlich, sicher hat 
aber der Exarch das ä7ioXr](p-d-£VTag, Bas. 88 B, als artolELcpd-Evrag 
verstanden. — Z. 2 v. u., HCHaieacKara (so in der H., s. Popov) 1. h 
CHKEACKa», ymI ^LY.ElLy.6v, Bas. 88 B. 

2* 



20 A. Leskien, 

HH a2 Z. 11 V. u., zu laKHT'K ist ce (= ca) hinzuzufügen. — 
Z. 6 V. u., trenne oy (hj oy = ovtclo) vom folgenden. 

HH b 1 Z. 9, vor ÖMk (-'k) einzusetzen k'k. — Z. 15, leAHKO jk« 
CK03lv HK> H3K'R>K(Ha ß'K rAOXfKHHOY, Steht an Stelle von oaov 
aveuii.iLyf.ro avrfi [tj} yfj) öia ßdd-ovg; HSR'kJKfHa ist doch wohl un- 
möglich, vielleicht hat CKWbujfHO gestanden (Verwechslungen von 
H3- und Ck- kommen auch sonst gelegentlich vor, vgl. HSiui'kCHTH, 
ii«^a2 Z. 11 V. u.). — Z. 12 V. u. 1. noBtAtHHra (statt -le). — Z. 7 
V. u. lies Ha oyKasaHHie (statt ji,A), Ttqbs ih dsl^ai, Bas. 88 C; Z. 6 
V. u. A'^aoiuik (i. sg.) statt A'^/xaMk, eig eqyov eld-ovoav tov dr]- 
(.iiovqyov rrjv (povrjv, ih. — Z. 9 v.u., \e7Ki p(l|JH MAOß'bK'K TO TT». 
npc3Ba raack lecTi». Ha3HaiuieH0Y«€ (Partizip) XHBOT'k, rj öh av- 
■d-QtoTTog cpiovri ar][.iavTiy.rj lart tov ^wov, Bas. 89 B; ist allenfalls 
konstruirbar, wenn man npcsKa als gen. sg. eines np03'kB'k (zu 
verbinden mit raack) auffasst. — Z.2 v.u. 1. CBOie statt -ra, ebenso 
n«.a l Z. 3. 

n«.b2 Z. 10, verbinde aHKO(7d(»og). — Z. 13, coyKOYn'meMk et, 
gemeint ist c'kB'kKOYnkmeiui'k ca. — Z. 3 v. u., statt coyipHia wird 
coynJHie zu lesen sein; die Wiedergabe von tcc de avTr]v tov elvat 
ahlav Tiaqexovra^ Bas. 92 A, ist dann freilich auch sonderbar, viel- 
leicht hat er (pvaiv statt ahiav gelesen. 

M a 1 Z. 3, vor MkCTHlJHiua ist h einzusetzen. — Z. 9, 1. 3Ha- 
luisHHra statt -16. — Z. 14, l. coyiiik (auf 3paK'k zu beziehen), oder 
coYHJf, wenn die unflektirte Form gebraucht ist; das co\"hik5 ist 
durch das vorangehende Koroy veranlasst. 

M a 2 Z. 2, Hrpaia 1. -le = -ia. — Z. 6, H-k hc TaKO h Koroy 

HHCaHHie MtHHTTv nO^OKa MH-ÜTH KHHT'KI TAarOAKMIIf ^OBpO 

H CAa/i,'kKO raBHTH Cf luiope, ov /.ihr ovrco -/.al S^e0 otead-ai xQ^ 
Tr]v yqucpriv eiQi]y.£vat xaXrjp xal fjdslav wrpd-ai tyjv d-dlaoaav, 
Bas. 92 B; der Satz ist durch zweimalige Uebersetzung von yQacprj 
(HHcaHHie, KHHP'ki) entstellt, streicht man KHHnü und das eben- 
falls überflüssige lUi'RHHT'k, so ist der Satz verständlich ; Korov ist 
der Dativ zu raBHTH c(. — Z. 13, 1. ^•^Bp'^T''* statt -t8. 

M b 1 Z. 12, besser Tenaa statt rmaaa (es ist Prädikat). — 
Z. 13, l. poxfAi^HOie statt po^-, «>t /.isralhov, Bas. 92 C. 

M b 2 Z. 2, das eine K'KiBawT'k ist zu streichen. — Z. 4, h 

SfMAf ist = H3Tv 3CMAIA; HCTH3aHM^JJ Soll heiSSCU HCTHMaWliJf 

(s. Popov). 



Zum bestodnev des Exarchen Johannes. 21 

Ma a 2 Z. 12, verbinde nAaRawiiifH = ol vavTdXöfievot; Z, 18 
trenne no Rlv;i,'fe = li> raig arayy.uig, lias. 93 B. 

4a b 1 Z. 3, npt:HOCti|iH bezieht sich auf Mcpt, sollte also 
npIvHocfiiJf sein; dergleichen Uuebculiciten beruhen auf Gedanken- 
losigkeit des Ucbersetzers, weil im Griech. das fem. part. (wegen 
■d^dXaooa) steht. — Z. 11 v. u., h3H0C( w.TKt ivkahuihk-: h H30KM- 
AHI€ i€ oy Koro lecT'K, t^ayioyrjv rCov TteQixrüv . . TtaQsxofitVTj, 
Bas. 93 B, das \e ist zu streichen oder als lecTiv zu lesen und dann 
lecTTi zu entfernen. 

Ha b 2 Z. 5 V. u., trenne iJcTa kt^ 3£MAH, haTtifieive rfi yfj, 
Bas. 96 A; Z. 4 v. u., 1. CHaoy nAO,i,OTßopHK> statt -hk». 

MK a 1 Z. 9, Kik Kp-kTfHHqia bhh;i,oy {= k'khh^^'ki, Partizip) 
H maUh'ki TEpik^i,« c«, im Original, Bas. 96 A, steht diaQd-Qov!.iivcüv 
rüv (f'voiurcov ] das ßpICTfUHUJa ist richtig, vgl. sloven. /?semca 
ffre V vretetica (schiesst in Aehreu), Pletersnik Wb. unter vretence. 
— Z. 5 V. u., trenne catvHku,« khhho (so die H,, s. Popov) = rhv 
7]Xtop a'iTioVj Bas. 96 A. 

MB a 2 Z. 8 bis 2 v. u., ccQa ouv zolg (.uv ßoa'Krjfiaaiv f] TQOfprj 
ytQoa7t£T€&r], Bas. 96 B, ist zweimal übersetzt. 

MB b 1 Z. 2, a H« AH naMt lejKf TO l€CTb KOHClUk H rOBf,\,OMk 

SroTOBAfHa nm\iA h kp'kma'S, to tjeIv to KoraTkCTBo h caa- 
CTH BCf CTpoHT-K, sicht als Ucbersetzung von u?da /^lahora (.ur 
b (gemeint ist d-eög) ßoval xal YrtTtoig top xf-Xbr TCQoaTtod-efxevog 
Gol TOP ttXovtop -/.al TTjp airöXavOLP TragacKeva^si^ Bas. 96 B, so 
verwunderlich aus, dass man an Verderbniss glauben möchte; der 
Uebersetzer hat offenbar nicht top xtXbp, sondern x^-^^S gelesen, 
TTQoaTtod-ei-ispog passivisch genommen, so ist i€/Kf-TO (Artikel, 
möglicher Weise hat ursprünglich ra^Kt to da gestanden) SroTO- 
BAfHa nHi|ia Subjekt zu crpoHTik geworden. — Z. 16, nach h;h- 
THKt fehlt das zum Verständniss nothwendige -/araffxevjj, etwa 
CTpoH, Bas. 96 C. — 

MB b 2 Z. 7 V. U., H SeHAt ist = HSTv 3EMAI>fi. 

Mral Z. 1, MCCH0BHI6 (so richtig statt m£chobhi€, s. Popov), 
wohl als Kollektiv zu MfCHOBT^, vgl. ueubulg. cesnov^ zu fassen; 
Z. 3 streiche h«, es ist Dittographie aus dem vorangehenden cfe- 
MCHE (so in der H., s. Popov). — Z. 9 v. u., ti'enne no po^oy, y-al 
TOVTÖ loTL TO »xazT« yipoga^ Bas. 97 B. 

Mra 2 Z. 12, 1. rAaca st. KAaca, h Lu-/.qäg (pioprjg^ Bas. 97 B. — 



22 A. Leskien, 

Z. 9 V. u., verbinde h JKfA'kTBKH'Kiie phstj, OKvS^QWTtrjv %al tzev- 
S-fiQi] TceQißohjv, Bas. 97 B; zum Verständniss des Satzes Z. 11 bis 
Mrbl Z. 1 (KdKO — pacTCHJO\f) bemerke ich, dass nocn^jci^uJ^V 
und die folgenden Partizipien auf 3« iuiak» (Z. 2 v. u.) zu beziehen 
sind; statt n«Ma/\kHlJ Z.11 v.u. wird nfMaAKHÖ zu lesen sein, auch 
vermuthe ich, dass für KaKoy gestanden hat spdKoy (Dativ), und 
dass mit neHaAkM'K spdKoy das GKvd-QOJTtrjg wiedergegeben werden 
sollte. 

HP b 1 Z. 3 V. u., x'<>VA<^P<*C'r"*€, ein an sich mögliches Wort, 
doch vermuthe ich, dass es rb er ölLyij) 7iBQL%aQeg^ Bas. 97 C, aus- 
drücken soll und dass y^VA^^^'^'*^'^"'^ da gestanden hat. 

Mrb 2 Z. 1, HackKaie »anschneiden, anhauen« gibt hier keinen 
Sinn, man müsste denn etwa annehmen, es solle die Bedeutung von 
»andeuten« haben; mir sehr unwahrscheinlich, richtig wird sein 
Hap'feKaie (=-mv) »beklagend«. — Z. 10 to^-jk/i,«, nach dem griech. 
Text zu erwarten ttvJK/i,« (6 avrög)^ vielleicht hat mittelbulg. 
TTk'iV.^i = T'KJK;!,« da gestanden. 

M/k,al Z. 1, npHAOJKH JKf i€MH, i€MH ist nichts, das i€ zu 
streichen, mh ist dat. comm. [(.lot). — Z. 1 1, verbinde h ^esaiiHh- 
K'Ki (schon von Popov verbessert) = Qaßdovxovg, Bas. 100 A. — Z. 2 
V. u., statt HSPHOK» 1. hsphoh; nAiOLpa, hsphoh = rj nlsvQlxig r) 
TtEQiTtvevfiovla, Bas. 100 A, 

H^ a 2 Z. 4, K'KCKonHT'W, jedenfalls ist i = eum abzutrennen, 
was die 3. sg. praes. B'KCKonHT'K bedeuten soll, weiss ich nicht, 
vermuthe, es soll K'kcrpoYnHT'K (vgl. oycTpovfnHTH Mikl. LP.) 
»verwunden« sein; im griech. Text keine Entsprechung. 

H^ b 1 Z. 3, die Satzverbindung ist: aip« eo h ott», KopcHC 
npoKA'KieT'K MTO (indefinit) h3 j^ha h (dies zu ergänzen) hsa^JK- 
A«TT», et, TO u. s. w., vgl. Bas. 100 B. — Z. 5 v. u., verbinde ha- 
roAHOYK». — 

H^b 2 Z. 9, lUHpHT'K noyTH ist eine wunderliche Wiedergabe 
von avEVQvvBL rovg oyxovg, Bas. 100 C; es scheint, dass er rag 
bdo'Og gelesen hat. 

M6 a 1 Z. 2, trenne wch (Plur. zu ocb, im Sinne von Getreide- 
hachel, griech. dp^sQi^, Bas. 100 C), a (dies zum folgenden Satz) ; 
Mf a2 Z. 15 steht der Instr. pl. vvckMH in gleicher Bedeutung. — 
Z. 2, cero i^'bLpa wßkCT», HaHBOAEi€ro a^V^"*^? ®*®^* ^^ Stelle 
von dia tovto b (xev ßqöfiog diökov v.evög^ ist aber so sinnlos, wahr- 



Zum äestodnev des Exarchen Johannes. 23 

scheinlich zu lesen ctro H'kL|ja okkck Hani;oAi€ (=: öiöXov) i€ 
(= lecTTi) TO (statt ro; to vertritt ftiu) jy,oyi\Ah. 

Mt b 1 Z. 5, Tp'kKoy /\f^\KHoyK>, sonst steht in dem sehr oft 
wiederholten Bibelvers immer ckHOKKHoyK» (könnte auch ckHk- 
Hoyic) = ßotdvrjV ;((^^roi'; es ist also sicher ctUKHoyK» (= diu-) 
einzusetzen. — Z. 11, noKoycHHK'K steht an Stelle von 6 zfjg {.ir^- 
^üvog o;t6g (Mohnsaft), Bas. 101 B; iMikl. LP. bemerkt »vocabulum 
dubium«, und es ist in der That sehr unwahrscheinlich, dass das 
Wort dafür angewendet ist. Ich möchte glauben, dass der Exarch 
die griechischen Worte gar nicht übersetzt hat und dass h noKO^c- 
HMKik zum folgenden Satz zu rechnen ist, also: h iiOKcycHMKik 
/k,a HTO oyKO (r/ oi>v]] noKOVChHHKi», (vgl. HCKoycKHHKi».) = Ver- 
sucher. Solche sonderbare Veränderungen des Originals begegnen 
nicht selten. 

MS a 2 Z. 7, die sonderbare Wiedergabe von ey-rceipai zu ytata- 
Ttod^ev (= verdauen) durch HCRoycTHTH beruht auf einer schlech- 
ten Lesart l-ATiif-npai. — Z. 6 v. u. statt cnceHHi€ (cKnacfHHie) lies 
CkncHHie [vTivog, Bas. 101 D), die Mandragora ist ein Schlafmittel. 

MS b 1 Z. 9, saaopHa müsste nach der Konstruktion des Satzes 
sasopHO heissen. — Z. 7 v. u., 1. K-kckaß'iUf statt -mö, naraßa- 
Xövreg, Bas. 104 A. — Z. 1 v.u. ist natürlich i€3a zusammenzu- 
lesen = vöaog (Krankheit). 

MSb2Z. 5, verbinde HsecEHHieM'k = H3/fvBEHHi€Mk (Aus- 
frieren), das griech. öia rfjg Kavaecog, Bas. 104 B, ist auch vom 
Frostbrand zu verstehen. 

M3 a 1 Z. 8, verbinde Ka3«i|JHH\"k, rwr TtaqaxaqaooövTiav, 
Bas. 104 B. — Z. 13, verbinde HenpHra3HHHa o^MeHHia z^g rov 
Tiovrjqov didaGKallag, Bas. 104C; die folgenden Worte HCKa3K- 
HOMk co\f4J£ fügen sich der Konstruktion des Satzes nur, wenn coy- 
LiJCM-k gelesen wird; das Adj. HCKa3KH'K fehlt bei Mikl. LP. — 

M3 b 1 Z. 9, aKlvl H MOpCKaiil LUHpHHa BAkHaMH cc noBHBaie 

steht an Stelle von shöva Tiekäyovg y.vfxaLvovtog^ das iiOKHKaTH 
CA ist doch jedenfalls sonderbar, ich vermuthe, es hat ursprünglich 
^OB'KAal/^ ca gestanden (ß^KAaüR ca hat in der altruss. Ueber- 
lieferung, vgl. Sreznevskij, Materialy s. v., sehr regelmässig ^). — 
Z. 11 V. u., statt Hf >Ke 1. h i€>Kf. 

M3 b 2 Z. 2 V. u., in dem A'^T^r''^'^ steckt irgend ein Fehler, 
vielleicht le durch h zu ersetzen. 



24 ■^- Leskien, 

MH a 1 Z. 8, cknHHbie {Qioöcopial Bas. 105 B) ist schwerlich 
ein Wort, 1. oJHn'kHkie (vgl. Z. 6 v. u. iiJHn'KK'K = qööov). — Z. 11, 

WTT». HHOnHCMSH'HaarO A0YMJI4JH Cf, 1. HHOnAEMEHkHaarO, aTtb 

tiov iT€Qoysvä)p ;fw^iC<5iif£»'«, Bas. 105 B. — Z. 4 v. u., 1. Kfc rpiv- 
HHi?i statt CkC-, avev dy.dvd-rjg, Bas. 105 B. 

HH b 2 Z. 15, KOpCHb BHH'H'KIH, KHHHMHie WKpoyP'kA'KI 

(schliesst die Zeile) jk( ist unverständlich; wenn Ae>Ke (= mtka) 
statt ATkUKt eingesetzt wird, kommt der Sinn des griech. Satzes 
heraus: fj Qi^a rov äf-iTtelov ra ■/.Xr]f.iata Iv Y.v/Xio (w Kpo^r^k). . . 
■A.t%v\iiva^ Bas. 108 B. — Z. 8 v. u. verbinde saßOH = eZ^xeg, ib. 

M-e. a 1 Z. 8, st. koi€Jk;i,o wäre grammatisch richtig KOierojK^o. 
— Z. 12 v.u., np-KnctMHBara l.-i€(3.sg.praes.),7rai;£ra6,Bas. 108B. — 
Z. 4 V. u., MTü JK« B'KaBpaTHiuik cf, KOAHKO u. S.W. lässt sich allen- 
falls als eine Brachylogie verstehen, wahrscheinlich ist aber nach 
Bi^sspaTHMk ausgefallen Ttqhg rr^v eqevvav rCov rexviycöjv diard- 
^eojv, Bas. 109 Anf. Kap. 7. 

H^ a 2 Z. 11 , 1. HSOKp'ScTH statt -k-. — Z. 9 V. u., nosEMO 
übersetzt xai.iaitr]log, Bas. 109 B, ob es aber ein Adjektiv noseMii 
gegeben hat? Eher ist noseMHO (zu no3«MkHTk) zu lesen. 

M* b 1 Z. 1 , statt ropiü 1. Kopu, tüv ip'Kouov al diaq)OQai, 
Bas. 109C. 

H* b 2 Z. 5, verbinde Hci^'tAfT'Ki = hch'Sa/ät'k-h (eum). — 
Z. 11, verbinde npH kopehhh (loc. zu KoptHHie). — Z. 13 v. u., Ha 
CA'k^i.kCTBO 1. Ha CAa;i,kCTBC>, freie Uebersetzung von sig evxQrj- 
arlavy Bas. 109 D; wenn der Exarch den griech. Satz nicht miss- 
verstanden hat, liegt in dem Satze to Ha CAa;»,kCTBO BTvSBpaTfT'k 
(so zu lesen statt cks-, oder besser noch cii-) mjckAkCTBO ivHoro 
H cero ropecTk, sig evxqTqGriav puraßäXXovoi röte rov xvfiov tyjv 
övaxeQstav j vielleicht noch ein Fehler, da WHoro h cerc» in dem 
Zusammenhange gar keinen Sinn gibt, es miisste heissen OHoro 
coKa. 

p a 1 Z. 13, trenne bt^ mopoAH'SMk. 

p a 2 Z. 3, 1. TKEHkCKi». statt JKkH-. — Z. 12, hchmeck 1. ncH- 
HtcK, das griech. ipfjveg, Bas. 112 A. 

p b 1 Z. 8, zu verbinden CKTBoptTT», i€ (acc), js^d HaHHoyTTsk 
U.S.W. — Z. 10 V. u., statt npHi€MAfTTk 1. -M'k, xQ^ n:ollä/.ig f]f.iäg 
TtQoaXa^ßdvsiv (die 3. sg. gibt keinen Sinn), die folgenden griech. 
Worte (Bas. 112 B) eig rr^v tüv ayad^üv eQytov eTtlösi^iv hat er zu 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 25 

dem selbständigen Satze: na .yoRpaa ,v,1vAa noKasaiCTk gemacht. 

— Z. 7 V. u. trenne M]ii ko koaii Koro (aliquem). 

p b 2 Z. 5, 1. CHAOy statt chaoio, dd-Qoi^ovar] r/yv dvya/.uv, 
Bas. 112C. 

pa a 1 Z. 10 V. u., statt npccTtnAUHO 1. iipoi^'kiiAfHO fge- 
spalten), /.artaxiOTai, Bas. 112 D. — Z. 1 v. u., 1. p'kA<>CTHW statt 
pa^- = dQai6Tt]g Bas. 113 A. 

pa a 2 Z. 1 , das Substantiv hbokuahh- lässt sich schwerlich 
im Satze konstruiren, wahrscheinlich Versehen für hsokhah'Iv. — 
Z. 16, statt iVHoro besser Hnoro. — Z. 17 trenne paSAHHH-k i€ 
(= lecT'k) = sich verschieden verhält. 

pa b 1 Z. 1 ist hreQuo)')] (Bas. 1 13 A) Mark durch crpT^JK! ge- 
geben, ich vermuthe, dass -Hk am Ende der Zeile ausgefallen ist, 
also CTp'KJKtHk; crp'KHje könnte nur sein ntr. sg. oder acc.pl. msc. 
eines crpii/Kk oder acc. pl. fem. eines cTpi^JKa. Der Acc. pl. ist 
aber gar nicht am Patze; Mikl. LP. hat ein crpT^JKa nach derselben 
Stelle des Sestodn. aus einer russischen Ilandschr., die crpojKa 
schreibt, eingesetzt, ein mir zweifelhaftes Wort. 

pa b 1 Z. 8, KAHi€Mk (soinderHandschr., s. Popov), Z. 14 steht 
KAfH = KA'feH, es ist also oben wohl auch KAt:i€Mk zu setzen; kahh 
vom Schreiber serbisirt. — Z. 8 v. u. verbinde h Hap^HKa = pdq- 
^rj^, Bas. 113 B. 

pab2Z. 14, Ck CTTü^OMk a 1. ckCT'ki^ouie ce (= -m/^ 
C/ä), sie erstarrten (zu c'kCT'kiH;f»TH ca), es ist das Verbum in dem 
Relativsatz, der Z. 9 beginnt; vgl. Bas. 113 B. — Z. 8 v. u., 1. tti 
statt th; TT», nimmt das relative hjkc im Nachsatz auf. 

pii a 2 Z. 5 steht ^po\•^OH^^o, ich notire die Form, da Mikl. LP. 
sie nicht hat (nur aP'^V^"^") ^^s gewöhnliche), sie kann aber 
richtig sein = aP^V''^"*"^'*? wenn dies als Instr. zu fassen ist (vgl. 
K'kTOpHUfHR). — Z. 15 verbinde hah; ebenda ktv ;i,p1vH'kiHH Iv 
T(g KciQTiiü Tfjg yiQavelag^ Mikl. LP hat es mit der Bemerkung 
»forma vocis dubia«, sie ist aber normal, aP'*^"'*^"" ist eine Bil- 
dung von ;k,p'tH'k wie serh. gloginj'a von glog, smrekinja von smreka. 

— Z.l Y.Vi.^\. j!i,Ai\Kwy\w)^'K{ra nÖQQio Bas. 113 Anf. Kap. 9) statt -0-. 

pß b 1 Z. 11, 1. AHu,f statt CHU,f, xQÖa Bas. 113 D, vgl. Z.4 v.u. 
KOAS naM« naK'ki AHMHaaro pa.SAHMHta r^g kv ralg xQoaig Tcor/.t- 
Uag. — Z. 1 V. u. verbinde khm^a^V mtücah CBOie, bqü (.loi rbv 
Xöyov, Bas. 116 A. 



26 A. Leskien, 

pß b 2 Z. 6, c( H6 oycoraBi». vertritt ov [löyov] iav i-ii] örjoag, 
Bas. 116 A, und beruht darauf, dass der Exarch öeiaag gelesen 
hat; Z. 8 ist zu trennen h CTaBAio le. 

pr a 1 Z. 11, l€AHKO >Kf HTÜ HSA^^I^Ha l€ HCKO\fUIEHHI€ H30- 

KptTf , das überflüssige i€ (als ntr. sg. passt es nicht in den Sinn) 
kann wohl nur = •«CT'k sein; es sollte zuerst geschrieben werden 
lecTT». H30Kp'KA0 (Subjckt HCKO^iueHHie), der geschriebene Aorist 
HSoep'STe macht das lecTi». dann unnöthig. — Z. 11 v.u. 1. ocTpuH, 
Z. 9 V. u., statt TKCtpku,k 1. TßopkMk, 7] Tov %rioavTog nqövoia^ 
Bas. 116 B. — Z. 5 V. u. KpoT'KTü h CdJK^fHHT'KiH t^K^^ griech. 
nur r« r]f.ieQa^ Bas. 116 B; in dem ca^kai^mmtkih steckt irgend ein 
Fehler, vielleicht zu lesen ca>K;i,«H'KiH (die gepflanzte Pflanze im 
Gegensatz zur wilden). 

pr a 2 Z. 2 V. u., noKO seitdem, zu lesen wohl noKoea. 

pr b 1 Z. 12 V. u. verbinde MaAOie. 

pa^ a 2 Z. 7, h X'<*4^'^ ta b' himis. ist mir ganz unverständ- 
lich, denn dass es etwa »ich wünsche dich in ihr« (der Stadt) be- 
deuten könne, scheint mir unwahrscheinlich. — Z. 12 v. u., h vor 
IjRJK« zu streichen. 

pa^ b 1 Z. 1, 1. npHroTOBAfHHieM'k (instr. sg.) statt -hhi€. — 
Z. 15, »;h3hh HauuEiJ^ cei» i€hjkj le (= lecTTsk) eijth, dem Zu- 
sammenhange nach ist vor i€HHif einzusetzen h, Tfjg 0-ofjg ri(xü)v 
Tfig TiaQovorjg Y.ai rfjg /.lelXovarjg, Bas. 120 A. — Z. 2 v. u., statt 
KaKO besser KaKa, vgl. pa^, b 2 Z. 2. 

paA b 2 Z. 4, 1. BcaHHhCTBO statt -ctbom'k. — Z. 13 verbinde 
CKopo Ha ujfCTKHi€, d^vg ■nLPj^d-fjrai, Bas. 120 B. Die verrückte 
Interpunktion macht den an sich einfachen Satz von Z. 10 — 17 ganz 
unverständlich; ich will an einem Beispiel hier zeigen, wie einfach 
es wäre, durch vernünftiges Interpungiren ihn sofort verständlich 
zu machen: lejKf Tan noBHHbHO icctt^ ca'KHbi^t, to to ToaHKO 

^OKpO leCTTi, TOaHKO BfaHKO, CKOpO Ha UJfCTBHie, ACBpa BT».- 
HMHEHHra TBOp/Ä, Ha rO/l,'t BfAHMkCTBO HMTvl npOTHB;^ B'KCf- 

Moy, genau entsprechend dem 6 rf] cp^oQä v7toy.eif.ievog ij?uog 
ovvoj /aAog, ovTtü (.leyag, o^vg fxev y.ivrjd-fjvaij EVTäy.xovg öe rag 
TieqLÖdovg aTtoÖLÖoijg^ O'O^iiEtqov (Ha ro^'S) ^^v %xtov to ixiye&og 
T(p TtavTi^ Bas. 120 B. — Z. 1 v. u., AV^i h« b hcthh;^ Ti^niETa 
BiüBaieT'K, leabiuia jkj lero (die Sonne) h( bh^htt^, to KaKO 

TTsLllJfTa K;RAfTT», rp-KlUHHKOl,', W.V J^A HCTOBaarO CBtLTa AH- 



Zum §e8todnev des Exarchen Johannes. 27 

UJCHlaL K/Ä^tTTk, sl TV(pX(^ ^r](.iia TOÜTOV {tov tjXiov) i-iij ßXureiv, 
Ttoxajti] Crji-iia r(p ai^aQxtukcp tov ä?^tj!}ivov ffiorbg aregr^d^rivai; zu 
lesen ist HfKMCTKHoy = r^ TvcpXip, ib., statt h( k hcthha^. 

pAC a 2 Z. 16, verbinde CKKO^nkA-kH = cKKoynAraH 2.imper. 

pAf b 1 Z. 5, nach CTKopt h'k fehlt das Subjekt ckIcttv, kann 
aber zur Noth aus dem Vorangehenden ergänzt werden. — Z. 16 
statt CKKA'kHHi^a 1. cTKKACHHi^a [IvxvoQ, Bas. 121 A), Z. 20 cti- 
KA'KHHU.a verschrieben. 

pAf b 2 Z. 1 1, 1. lA statt w, acc. pl. f. — Z. 11 v. u., ,\a mhko- 
Moy/Kf C/Ä Hf CK^HTT». vertritt u>]d£vl ö(r/.elTto^ also wohl rh,v,ht'K 
C/ä; man kann kaum cka^t"*^ = c;ii^^\HT'k nehmen, wenigstens 
ist mir diese Bedeutung von c;ii,\,HTH ca nicht bekannt. 

PAS a 1 Z. 12, cTkßTvKOvnAfHO i€CTTv übcrsetzt ijvcoTai, Bas. 
121 C, das ist dann Z. 14 nochmals wiedergegeben durch I€Ahho 
CTvTKopEHC». — Z. 8 V. u., nach pasaps^mhth fehlt das Objekt 
cß'kT'k, ohne das der Satz unverständlich ist. — Z. 6 v. u., statt 
des zweiten ht». lies H'ki (== nobis). 

PAS a 2 Z. 14, C'kßH,\,1vTfAkCTB0YIC», 1. H Statt H, = C'kB'K- 

;i,'kTfAkCTßOifiA (mittelb.). 

PAS b 1 Z. 4, statt HTi 1. HTü (= nobis). — Z. 15 ebenso htj 
{rjixlr) statt Hik, das cf {=ca) gehört zu laßA'kieT'k, OYO\f/KAaHHia 
ist Objekt zu TßopfijJH. — Z.5 v.u., ko zu streichen (Wiederholung 
aus dem vorangehenden ko); der Satz beginnt mit moh;eiijh; viel- 
leicht ist \erji,A TO zu lesen, wie sonst to nach Relativen ge- 
braucht wird. 

pAS b 2 Z. 4, onkCAHoy (so nach Popov die H.) müsste gram- 
matisch richtig onkcaHO heissen, auf Ktcß'kTHOie zu beziehen, 
vielleicht hat ihm aber AoyHa aus dem Zusammenhang vorge- 
schwebt. — Z. 11 V. u., 1. rpf^Tü = rpA^^Tü statt rp'K;i,'Ki, TtQbg 
T]liov (pEQOfxevrj^ Bas. 124 A. — Z. 6 v. u. verbinde hho I€h (dat. f.) 
lecTTk T'tAO. — Z. 2 V. u., grammatisch richtig OßO (nämlich 

CA'KHkl^E) Statt OßTv. 

pA3 (in der Ausgabe durch Druckfehler pAs) a 1 Z. 2, h3Me- 

TAW 1. H3MfTai€ = H3MfTai€T'K; Z. 11, nOCpU^-R ^^ H nOCpH^li 

HOifJH, richtiger wohl houjthw, wie sonst konstruirt wird. — 
Z. 1 V. u., das i€ ist ohne Zusammenhang, ßcRKik CT'feHk ist 

Subj. zu COynpOTHßHTTv C/Ä. 



28 A. Leskien, 

Pi\3 a 2 Z. 10 v.u., verbinde HaATkSeM'HOYMoy ktv3A0YX'0Y = 

Tov TTsQi yfjp deQog, Bas. 124 C. 

PA3 b 1 Z. 5 — 9, HTÜH-K JKf CA'KHkl^K) nOBfA'fe M'kpaMH 
^HEBkH'KIHMH H AOyH'fe, \erji,A CKOH KpOYn». HCRATvHHT'K H KO^- 

AtTTi KAaAT»iKa HOqj'Hara, steht für rvv dh TJhov kTtera^E Tolg 
f.i€TQOig Tfjg f]^i€Qag, yial aelrivr]'}/, orav Ttore Tiqhg tov X8lov v.v'a'Kov 
aTtaQTLod^fl^ ägxrjybv ercolijoe rjjg a/uxr(}g, Bas. 125C — D. Ich führe 
den Satz an als typisches Beispiel, dass man trotz des Unsinns, der 
da steht, nicht ändern darf; offenbar hat derUebersetzer den Dativ 
Tolg f.i£TQoig instrumental verstanden, statt osXrjvrjv gelesen os?.rjvrj. 
— Z. 3 V. u., 1. HTvi (nobis) statt h^k. 

pA3 b 2 Z. 13, 1. Ai\i( statt qje (schon von Popov bemerkt). — 
Z. 6 V. u., c»Kk3/i,i»^^A"" 1- ^ Kf3AT^>KAHH, falls er avofxßqia ge- 
lesen hat statt eTrof-ißQia^ v^ahrscheinlicher ist indess, dass er dies 
in einem B'h3AT».>KAHi€ nachgebildet hat. 

pAH a 1 Z. 2, statt th 1. to, statt h'k 1. htü [v^pilv). — Z. 10 
V. u., verbinde Hanao^THra = iTtiqqora^ Bas. 125 B. — Z. 4 v. u., 

CTOYA*""" K'K3M£TfHHI€ ist = CTOYA*""^ " K'K3MAT(HHI€ ; 

denkbar wäre indess auch cto^a^""'*' oder -k> (als possess. Dativ), 
griech. steht nur xet^iov. 

PAH a 2 Z. 4, 1. KO\"A^'*"^ statt KOYAf''"^^ Subj. ist toi^h. — 
Z. 1 1 V. u. steht an Stelle von al Qccßöoi, at xara rrjp xQÖav Tfjg 
Xqiöogy Bas. 125 B, in der Handschrift h paÖA^^'^A^V^*^"'^'^'**^ 
AHi^fM'K KWßaioT'k, Bodjanskij konjicirt paA^V^i^HWM'k, es fehlt 
dem Satze dann das Subjekt, und es kann deswegen nicht richtig 
sein, weil raduga speziell russisch ist, in den südslav. Sprachen 
der Regenbogen dqga (serb. düga, bulg. digä u. s. w.) heisst, dar- 
nach kann man richtig abtrennen a^^i*H''sJH'^'» AHi^fMk, in dem 
sonderbaren pa^AOie steckt wohl das unübersetzt gelassene griech. 
Wort, es könnte paKA^i^ (paÖA^i^) gelesen und dies entweder als 
Kollektiv gefasst werden oder als fem. pl. paBAHMv (das Wort ist 
griech. fem.). 

pAH b 1 Z. 4, verbinde zum Kompositum BTviujfseMHoyMOY. — 
Z. 11, 1. OYTBp'k>K/i,fHO CYTHUiHie Statt -NO^, Gtad-eqav evöLav, 
Bas. 125 C. — Z. 5 v. u. verbinde nAOBO^H = mittelb. haobä^h =: 
nAOBUH 6 TtltoTfjQ, Bas. 125 C. — Z. 2 v. u., 1. nc»APT».>KHTH statt 
-TTi, der Inf. gehört zu mojkitt»,. 

pAH b 2 Z. 14, nach pacKinaTH ist c( (= ca) ausgefallen. — 



Zum Sestodoev des Exarchen Johannes. 29 

Z. 2 V. u., 1. AH^HCYnif, n. pl. pavt. praes. zu ah)Ch*th = errare, 
statt -i|io. 

pA4> a 1 Z. 5, cero n-kijia WTk skIisa'k SHaMfuma ii rajKi 
ß-K HacTk RKiKiVWT'K CAO\|'MaH, (lei* Satz kann nur verstanden wer- 
den, wenn statt h W/Kf gelesen wird H/K£ (oder allenfalls das in- 
deklinable le'A^t), dia TOVTO Ix Twr äoTQÜv ylveoO-ai rag arjiieub- 
oeig rü)v tteqI f]uäg ovi.tTrTio{.iäzo)v^ Bas. 128 A; der Uebersetzer 
bat riöv avfucTCüuc'crioj', wie er es ähnlicb oft maebt, durch einen 
Relativsatz ersetzt, obne die genitivische Beziehung auszudrücken. 

— Z. 10 — 1 V. u. laKO — c'KTBap1vK>T'k, der Satz ist so völlig un- 
verständlich; einigermassen begreiflich wird er, wenn auch mit 
einem Anakolnth, wenn man statt rpfAoyiiifU'k liest rpf,v,<>VM''*M'K 
oder rpf;i,o\'HJH[H]M'K, zu 3B'k3;\aM'k zu beziehen, und zu ckiiif^v- 
ujfM' ce als Subjekt npHn/\fTfHnra fasst, und weiss, dass der Re- 
lativsatz: H'Ait (grammatisch genau wäre i€h;c = iajk«) kti 30- 
AHiai;1v AfJKtTk 3Klv3,v,i»i Vertritt TtQog tovg iv t(^ ^wcJtax^ v.EL\xi- 
vovg aoxiqug (Bas. 128 B), ohne dass der Uebersetzer die im Tcq6g 
liegende Beziehung angedeutet hat. 

pA«- a 2 Z. 1, a — TBopHT'k, der Satz kann nur konstruirt 
werden, wenn man npHHfCTHie als Subjekt nimmt, der griech. Satz 
r\ öh tolüöe oxiGig tG)v uvxCov x]]v Ivuvxiuv uTCovXi]qwGLV xov ßiov 
Txoul, Bas. 128 B, besagt das Gegentheil, vielleicht ist also zu lesen 

CHI^e CliAICCAEHHie statt -U,A -HHra. — Z. 2 V. U., 3aKA0YMHUJf roA'W 
M'Kpki, ofTttA.Kuoav xov xQOvov xa f.iixQa^ Bas. 128 B, kann so nicht 
richtig sein, wahrscheinlich zu lesen ro^v^V (poss. Dativ), möglich 
ist natürlich auch roA** und gen. pl. roAT^- 

pA-o- b 1 Z. 3, KfCTs. np'feCTpoKTvi übersetzt iv ax6f.io), Mikl. LP. 
hat das Wort als np'fecrpoKa aufgenommen, doch ist es schwerlich 
so richtig; Z. 9 ist derselbe Begriff durch np-tcTpeMEHHie, d.i. 
np-ScTpkMfHHie (zu np1v-cTpkKH;s^TH) ausgedrückt, daher wohl 
np'fecTpfKa = nptcTpkKa. — Z.IO, 1. TOMHTfAk statt -ah. — Z.14 
verbinde ß-k iHOMk Mk^KeHHH (so zu lesen statt -hhi€) und 1. ro;i,o\|' 
statt po^oy? iv Tfi kxäqa qottjj xov xaiQov, Bas. 128C, das lero vor 
ro^oy ist kaum verständlich. — Z. 3 v. u., der ganze Satz ist ver- 
wirrt und falsch übersetzt, jedenfalls aber ist zu verbinden rAaro- 
AfMiüie [^ wuMi) cncpu, Tfjg ... leyo^evrjg ocpaiqag^ Bas. 128 C. 

— Z. 1 V. u., zu verbinden als Kompositum KTopoi€Ha;i,fCfTOMO- 
pHi€ koi€h;a<5 (iii derHandschr. steht A^cfTO, s. Popov), es ist halb 



30 A. Leskien, 

Uebersetzimg- , halb Bewahrung des griech. rüv diodey.axrii.LOQioiv 
E-^aorov, Bas. 128 C. 

PA«- b 2 Z, 3, TaHi — pasAPOBHUJE wird dadurch sinnlos, dass 
die Zahl 60 durch 40 ersetzt ist (vgl. Bas. 128 C unten); die Schuld 
liegt aber hier wohl beim Schriftsteller, der möglicherweise, wenn 
die Zahlen in seinem Exemplar mit Zahlzeichen geschrieben waren, 
(.1 für ^ verlesen hat; Z. 4 ist zu lesen pasA'tAkiue statt -ahiij(. — 

Z. 2 V. U., KOAHl^'feMH yWCAHTH /^pOBH'KIMH BABkH'k PAACa MH- 

HoyTH soll ausdrücken ölcc tcöocov d-öj^sv tCov IsTtTOTariov (d. i. 
der kleinsten Zeittheile) tfjg (.laLag Trjv (pcovrjv TtaQelS-elv'^, der In- 
finitiv ist allenfalls denkbar, wenn man lecTii ergänzt, vielleicht 
hat aber M'KiCAHy'k gestanden, bab^H'^ kann nur verstanden wer- 
den als BA^bHiii, gen. sg. zu einem BABbHb, zu beziehen auf taaca. 

pM a 1 Z. 7, verbinde Macoc'KMOTpfHHra = ra i0Q0O7.07t£la, 
Bas. 129 A. — Z. 10 v. u. , ha KOi€Mk A^'tHaAectT'H'tieiui'k ne- 
CTHAMi)k lecTTk, Katä TtöoTov dwösy.aTrif.ioQlov sariv, Bas. 129 A, 
ist so unmöglich, MfCTHAiuik ist kein Wort, aber auch das folgende 
bis piui a 2 Z. 4 ist so hoffnungslos wirr oder verderbt, dass ich es 
nicht in Ordnung bringen kann; statt hki Z. 8 v. u. verstehe ht^ h 
(sondern auch), statt jü,(ct» Z. 6 v. u. 1. ^«cfTH. 

piui a 2 Z. 7 V. u., HenoAOYS£HHi6 ist Kompositum, TiaQaXXayrj, 
Bas. 129 B. 

piui b 1 Z. 6, nach ockaabaehii ist der zum Verständniss noth- 
wendige Satz weggefallen: y.Qiov yaq sx^t t)]v ügav (er hat die 
Stunde des Widders, d. h. ist in der Stunde geboren), Bas. 129 C. — 
Z. 9fg., die Worte sind zu verbinden als: hmk^kc bo>kai^ lecri». 
OBkHik I OBp'kT'feAeH'k, eTtEidi] fjyei.ioviy.bv b y.Qtbg -/.ai . . . tvo- 
QiGTiyiög, Bas. 129 C. — Z. 16 verbinde ht^ i TactYPHieHTk = dlka 
yal b TavQiavög (der Exarch hat wohl Tac\"pHraHiv geschrieben), 
Bas. 129 C. — Z. 5 v. u., 3fKHWH'K ist das gx'iQoh. Zvytavög ib., und 
sicher verschrieben für SHrHiaH'K. 

pM b 2 Z. 1, 1. CM'KiiJkH'kie statt CMtuifHHie, yarayelaatÖTe- 
Quv, Bas. 129 B. — Z. 12, 1. HfCTk (= HACTk) st. HkCTk. — Z. 8 
v.u., HJio^fH'K soll ausdrücken sv{.isTäöoTog (freigebig), Bas. 132 A, 
Mikl. LP hat es als lUTOY^^kHi». aufgenommen; es ist aber sicher 
nichts anderes als mittelbulgarisches mTi*^*"''^ für lUTA^i.kH'k 
(vgl. z. B. cech. stedry freigebig). 

pma a 1 Z. 1, A^CTCHHOBtpikCTBO ist Kompositum, d^ioTti- 



Zum ^estodnev des Exarchen Jobannes. 31 

oria, Bas. 132 A. — Z. 4 KAfAfM"i€M'K, im griecli. Text ölcc rCov 
ßh]xi.iäTiov ib.; es ist ja möglich, dass der Exarch ein ganz andres 
Wort, KA/Ä^\,fHHi€ = Irrthum, eingesetzt hat, wahrscheinlich ist es 
nach dem Zusammenhange nicht, es wird R/\franHi€Mk dagestanden 
haben. — Z. 5, K'Ks'Mfw' 1. K'K3eM'k = K'kSkM'k lußiov. — Z. 15, 

statt HHK0I€;KC CK£L|lkHkl 1. HHKOI6l€H;t (= KOI€IW^) OK£l|IHHkl 

(= cKkUJTHH'ki). — Z. 3 V. u. verbinde oyKf.saK' cf (oyKAsaKTk 
C/ä), jiaTaöeO-evTa, Bas. 132 B. 

pma a2 Z. 9 V. u., st. ^vpov^KHiuiH 1. aptiJKhmh, es übersetzt 
Aarexeo^ai, Bas. 132 B. — Z. 8 v. u. statt HoyjKyi,dHM€ 1. HoyjK.xa 
HTd (= uns) i€ {^^ lecTT»,). — Z. 3 V. u. ist zusammenzufassen He- 
CKß'feAaMH = /.ivQidxtg, Bas. 132 C. 

pma b 1 Z. 8, AKop«i|H 1. TBopeiii«, tcolov^svoIj Bas. 132 C. — 
Z. 6 V. u., soßp'tT'kUJ« Fehler für Hsocp. 

piiiiBal Z. 2, trenne H-k im'jk« [all' t7reiö% Bas. 133 A). — 
Z. 7, der griech. Satz '/.cd erceLÖi] v/tb roüde oQürai, -/.ay-OTCoibv yi- 

VEG&ai TOV avzbv, H HMkH;E CHWK BH^IM'k SAOTBOpHß'k K^\- 

ji,(T'K TO TOVMOYH;;i,e (dies natürlich verderbt für Tonoy»;^!,«); 

der Satz ist so unverständlich; im Griech. hängt der acc.c.inf. von 
einem vorhergehenden tcöoov rb aXoyov ab; jedenfalls hat der 
Uebersetzer nicht richtig verstanden oder nicht richtig konstruirt ; 
man kann entweder annehmen, es sei zu interpungiren h Hiuik^e 

CHMTk BH/k,!!«!». (sC. leCT'k), SAOTBOpHBTk BOy^f''"^ U^d daS TO 

TOiuioY>K/i,f in no toiuioyh;^« (demgemäss, nach demselben Grund- 
satz) ändern, was in den Zusammenhang passen würde ; oder man 
muss annehmen, er habe den griech. acc. c. inf. zu ÖQccrai bezogen, 
dann käme heraus : h HMk/K{ chmtv bh^^imt», .saotbophbt». ko^"- 
AfTTi, TO TOiuio^H^A« (so ist das für denselben). — Z. 10, st^at». 
kann Gen. pl. zu st^ao sein, wahrscheinlich ist es verschrieben für 
STiAH Tfjg xaKiag, Bas. 133 A. — Z. 13, no KOieMoy.KA'^ KapHi€B8 
ro^V^Vj ''^c(i9'' e-KccGTov ä-Kaqialov rov xqövov^ das griech. u/.. ist un- 
übersetzt behalten, wahrscheinlich aber a vor k weggefallen. — 
Z. 9 V. u., zu TBopcTT». muss C6 (= C/A) ergänzt werden. 

pMB a 2 Z. 11, pa^K^aHaaro, gemeint ist wahrsch. pa^K^aHk- 
Haaro, zu naca gehörig, ioqa ytv^osiog Bas. 133B. — Z. 12 aipe bis 
Z. 20 B-feraTH, zu lesen ist st^ah h ;\,0Bp0H3B0AeHHra; BEAEiiimki 
zu trennen in b£A£1|I{ Hki (= nobis), statt A<2» 1. to; die ganze Stelle 
in altbulg. Schreibung: ai|J6 /k,a st^ah h /i,OBpoH3BOAi6HHra A"*^"- 



32 A. Leskien, 

CTKa HE OTT» HdCk C;^TT». HaH/iVAa, HT», OTTi, pa^KA^HH^ HO^Hi^A, 

TC» OBAHUJk (adv.) c'bA''^'''''^ (viell. c;ra) c;f»A"'^ saKOH^k noaoJKk- 
uj/9^Mi, BEA/ivi|j<f^ HTü OBO TBopHTH, OBOPO E-feraTH, entspricht gut 
dem griech. ei y.ai tCov '/.ata yf.av.iav y.al ccQerrjv ev€Qyi]i.idTtüV ovy. 
€K Tov icp fjulv eioiv al aQx^h ^^^ ^'^ ^^5 ysvioeiog dvdy-/,at, Tte- 
QLTTol fihv OL pofxod-erai, xa itqay.xka r\\.ilv /at xh. cpevv.xia öioQi- 
Covxsg, Bas. 133 B. — Z. 5 v. u. ist sTvA^k = si^Ak ^ovi]Qia. — 
Z. 3 V. u. lies HH statt ha; paBOHHHME ntr. adj. von pasßOHHHHk, 
parallel dem xaTHKOie, ov yaq xov -Akf-Ttrov xh ddivr](j.a ovöe xov 
(pövecog, sicher ist auch statt BfcnpaBkA'K lecTi». zu lesen kec- 
npaBk^i^CTBC», dann entspricht der Satz dem griech. völlig. 

pMB b l Z. 4, 1. HO^^A" statt -7KJ\,a, KaxsTteiyovorjg ävdyy(.i]g, 
Bas. 133 B; wahrscheinlich auch Z.15 ciiBipaHMiiH (statt ipE) leMO^ 
HMliHHra HMapMEHHH = xfjg ei(.iaQf.ievr]g avr^ avvad-Qoitovarjg xd 
XQrji-iaTa, Bas. 133 C. — Z. 3 v.u., 1. hjka« bc> ho^jka*» h HMapmiEHH 
pkKiviUE pOAT^ APT^^^HT""^ (statt -JKaTT»,), ovvo yuQ dvdyy-ri xat 
sii.iaQf.ievr] zQaxel, Bas. 133 C. 

pMB b 2 Z. 2 V. u., 1. 8cTpoi€HHi€ (st. -HOic) H ujkCTHie odcr 
streiche das h, xb xexayfievov xfjg nLvrjaeiog^ Bas. 1 36 A. 

pMral Z. 7, raKO >ke oyckT'kiHOYT'kH jke no semah bt^s- 
AOYYik, 1. o^'CT'kiHOYTH (inf.) HJKE, &ax€ xaxaipvxeod-ai, f.iev xov 
7r€(>4 ;/jJ?/ a€()a, Bas. 136A. — Z. 12, h at^^A*'^*^"''^" BHHki CToy- 
AEHkiie H CH'bH^kHki HE MHCFki A<*i<5HJE, 1. (mit Umsetzung in die 
altbulgarische Form) h a^'^^A^^'^H'^'^ BHHTd h ctoya*"'^'»* 
(vielleicht ctoya^""^"'"^*^) " CH'feJKkH'kibÄ MHornd A^i^iuTf, o,u- 
ßqiov xe airiav ■aal xQVfuov val vicpdöog df.ivd-r]xov naqexeiv^ Bas. 
136 A. — Z. 9 V. u., in mkc^ke h paBH'K a'^T''^'^" HOijJkH ck a"^- 
HEMTk roA'K kann ich gegenüber dem griech. tooxe e§ioov fisqiteiv 
vvy.xl jiQog fif.ieQav xov xQÖvov (Bas. 136 A) keinen Sinn hinein- 
bringen, es wird einfach a'^^^hth = fxegiteiv und statt HOipkH zu 
lesen sein hoijjh. — Z. 4 v. u., 1. no MECTkMk statt -k- = xaxd /.le- 
Qog ib. 

piuir a 2 Z. 6, 1. semho^mov h BOAKHOYiuioy st. wboa-, ^cooig 
xeqoaioLg Kai evvÖQoig; möglich ist aber, dass er ein oboai^hti = 
evvöqog gebildet hat, dann ist davor h einzusetzen. — Z. 8, die 
wunderliche Wiedergabe von Ix rjje xü eTtiyivouivtov ötaöoxfjg 
durch i€>KE npHBkiBai€T'K np'bM'bH'ki€ (= npIvM'KHMbf^) kann 



Zum ^estodnev des Exarchen Johannes. 33 

allenfalls verstanden werden, wenn zu npliu. hinzugefügt wird 

C( {= C/ä). 

pur b 1 Z. 5, 1. BEAHi^H (statt -uw), gehört zu j^hHtRf, es fehlt 
nach diesem Wort der zum Verständniss noth wendige Satz: ev alg 
ßQaxvtaTai üoiv at a/.iat, Bas. 136 B; Z. 9, 1. ^/fkruie (statt -h) 
= ^XA'KT'KihÄ, die folgenden Worte et u. s. w. gehören zum näch- 
sten Satz. 

pur b 2 Z. 7, statt oy HaujcH oycfA« hRh 1. beide mal kti (Ser- 
bismus). — Z. 11, verbinde T'ki hhh {uvxovg xiveg). — Z. 10, lies 
wjKf [ridi]) st. i€JKf. — Z. 7 V. u. 1. KaKO st. KaKa, zu beziehen auf 
pa>K,i,fH;fHi€; Z. 6 v. u. verbinde ckao^Maw = mittelb. chaoy- 
Ha»^ = -bÄ, ovu/iTiüuara, Bas. 137 A, mit diesem Worte schliesst 
der Satz. — Z.5 v.u. verbinde iipIfHMh (für np-tHMi^) hki i€cch'hki 
ro^V,T», = ÖLade^ai-ievr] rjfxäg rov /.leTOTtcoQov fj ioqu, Bas. 137 A. — - 

Z. 3 V. U., CkKpOYTHT'K 3H0I€RH0I€ H3^\(i(,\,Hie drÜckt aUS V/CO- 

d-Qavei rov nviyovg rb vjiEQßaXlov^ ib.; bei CkKpoYTHTTi könnte 
man wohl nur an ein c'kKp;i;THTH denken, ich bebe aber nicht, wie 
das hier passt, vielleicht also crkpothtt». im Sinne von orKpoTHTik 
»besänftigt«. — Z. 1 v. u., no Maaoy jk« oyieMa« nao^\,'Ki, 1. ro- 
RAOTTü, xara f.iL/.Qhv de vcpielaa rfjg ■d-iQi.it]gj Bas. 137 A. 

pM;v, a 2 Z. 2, verbinde i€r;i,d jkj koah hhcc k-k HacK rip-k- 
/i.'RA'K lecTTv etc., lireidav tiote top /m^' ^,"äg bqitovra etc., Bas. 
137 B. — Z. 12 V. u., verbinde HapfMfHa. 

PM4, b 1 Z. 6, naKTü^VjOUJkCTkie ist Kompositum, d/roxaraaa- 
(Ttg, Bas. 137 B. — Z. 13, statt i€ ko 1. HfKO, ^liyag 6 ovQavög, 
Bas. 137 C. 

pM^ b 2 Z.9 v.u. lea'Ma toahkoy n''caHii€ ist unmöglich, nach 
ETteiöi] TOöovTOL TYjv TtEQiyQacprjv, Bas. 137 D, wahrscheinlich ro- 

AHKO OHbCaHHie. 

pMJ a 1 Z. 8 V. u., 1. HTü (= nobis). 

pME a 2 Z. 5, trenne paßH^k i bh;!,«^! (i Objekt zu KHAfTTk); 

das Maskul. passt grammatisch nicht, da CA'KHkU.f gemeint ist; 
derselbe Fehler wiederholt sich Z. 9 v. u. in TOAHK'k, und beruht 
auf sklavischer Nachahmung des griech. Mask. — Z. 11 v. u., 
AaK'Ti ce BH;\,Ei|JHHM'k MkHHTn». gibt wieder rcr^yvalog rolg bgCoot 
öoyisl, Bas. 140 A; die sonderbare Uebersetzung beruht wohl da- 
rauf, dass er Tcrjxecog oder Tirjxeog gelesen und dies mit dem Gen. 
buchstäblich übertragen hat. — Z. 7 v. u., 1. maaa st. -ah, zu be- 

Aroliiv für slavische Philologie. IITI. 3 



34 A. Leskien, 

ziehen auf KtAHMkCTKa. — Z. 5 v. u., zu 3Kpfi4JH)f"K ist c« = ca 

zu ergänzen, falls rüv bqto^tivcov richtig wiedergegeben ist; aller- 
dings ist ihm zuzutrauen, dass er das Aktivum gesetzt hat, vgl. 
piiic b 1 Z. 6, wo sptipeie tc» tolg oQarolg, Bas. 140 B, vertritt. 

pMf b 1 Z. 4, TH MaAoyio MkCTKW npHYC»A*U^K> spaKoy Ha 
3pEL|JEi€ TO CBOH Bp'kMEHa 3pHM0i6 TO npHHC»C£i4JK> soll wieder- 
geben Kai xar' dliyov avTfjg (d. i. rfjg OQaTiyifjg dwceixeiog) ^BQog 
TTQOGßaXlovOYig Tolg bqaxolg^ Bas. 140 B (indem sie — die Sehkraft 
— nur zu ihrem — der Sehkraft — kleinen Theil die zu sehenden 
Dinge trifft^; es ist also zu lesen MfCTkK> = MACTkKR und MaAcyio 
ist ebenfalls Instr., entweder verderbt für Maaot;^, oder als Maa;^!^ 
zu fassen. Es liegt offenbar eine Doppeltibersetzung vor, die eine 
geht bis 3pf4Jfi€ to, dann ist noch ein zweiter Versuch gemacht, 
zu lesen cBOie ßp'feMe Ha 3pHM0E to npHHOCEipio, indem hier ^le- 
Qog als Zeitmass verstanden ist, na 3pHM0i€ to das rolg bqatolg 
ausdrückt; zu npHHOccipio ist aus dem unmittelbar Vorangehenden 
3paK0\' hinzuzunehraen. — Z. 9 1. Maan». st. A'*'^'^? ^ux^« ^ oiptg, 
Bas. 140 B. — Z. 4 v. u., verbinde luipaßHio (d. i. entweder mittelb. 
MpaBHi}^ = MpaBHbf^ gen.sg. oder ein Fehler für MpaBHH gen.pl., 
{.ivQfirjxcav cpavTaalav, Bas. 140 B. 

pMf b 2 Z. 5, st. coyipa 1. cc>yi\it oder co^hih, auf ocTpOKH zu 
beziehen. — Z. 1 v. u. ist e^oxccl (gemeint sind Vorsprünge von 
Bergen) durch c'KATviMHie (ntr.) vertreten, möglicher Weise gehört 
das davorstehende h mit zu dem Worte; ist es überhaupt ein Wort 
oder eine Corruptel ? 

PMS a 1 Z. 5, 1. HH statt h, ovÖs tcc axrjf^ccTa rCov aiDixärtov, 

Bas. 140 C. — Z. 2 v.u., 1. EtH»CU(H( (= Kf3'K HHCIUIEHC) st. K«HH- 

CAHHc; das Wort beginnt einen neuen Satz, nach dem vorangehen- 
den lero gehört ein Punkt. 

PMS a 2 Z. 8, 1. ce (= ca) statt cm (das h wahrscheinlich zu 
streichen, wie Z. 10 aus oyH das h zu tilgen ist: h« oy hiu^kat^ 
noch nicht herausgekommen). — Z. 16, HaAi^SfMHiü ist Adj.comp., 
rbv TteQi yfjv diga, Bas. 141 A. — Z. 9 v. u., 1. poca st. pock, dgö- 
ooL, ib. — PMS b 1 Z. 18, H CKna'KHCHa, verstehe Hcna'kHieHa. — 
PMS b 2 Z. 7 V. u., TaKOJKe 1. raKOH^c, es folgt der Infinitiv noKa- 
saTH et, üoTs . . . Ttaide'öead'ai, Bas. 141 C. 

pM3 a 2 Z. 8, He\'o\fAOY bezieht sich grammatisch auf ck^'^- 
aaHHra, firj i.uy.Qav . . . Tr]v avvtsXsiar^ Bas. 144 A, und ist eine Ge- 



Zam ^estodnev des Exarchen Johannes. 35 

dankenlosigkeit des Uebersetzers, der das griech. Fem. zuerst 
buchstäblich wiedergibt, dann verlässt. — Z. 11 fg., himko ro c( 
TKopHT'K i€r^\a Hi€ OYK'WKai€T'K TlvAtca, M HHaKa »€r,\a pac- 
TtTTi, akXwg yaq öiarld^erai ^leiovfXEvrjg avr^g (d. i. r^g aeXrjvrjg), 
•/.al äkXiog av^ouevt]g tu aiouara (dies Subj. zu öiarid-sTai), ib., die 
Stelle ist also niclit in Ordnung, zu lesen ist HiUKa st. HiiaKO, tko- 
ptTTi = TKop/ÄTTk, JKf Statt Hi€, und oyK-KiKaieTTi ist = oyKTü- 
BaMiTik für -KRT'k. 

PM3 b 1 Z. 11 V. U. f., H BlkSA^V^'^ ^* MH03I MpIvM-fcHH CK 

CBOHM' npIvM'RH'kMnk (instr. sg.), np'kMlvH'ti€T'K; der Nom. ript:- 
M'Khh uüthigt zu verstehen np'kH'kH'bi/ATi». = -i^tt», ausserdem 
ist CK in c( (= CA) zu ändern, vgl. Bas. 144 B. 

pM3 b 2 Z. 4, verbinde MHTlv-TfMfHHia = Tta'/jQQoiai, Bas. 
144 B. — Z. 9, 1. HSOKp'kaH statt -aa, Subj. ist /KHKoyuiTtH. 

pMH a 1 Z. 7 V. u., o^H« lecT'k caMOMoy c toi€ HEMoipk rio- 
TfKaTH, 1. cBOi€ (= CKOhÄ für CKOf*) und iiopfKaTH = nop'k- 
KaTH, evyviof.iöviog ovv del y.aTt]yoQelv r^iiäg rf^g LavrCov cco^EveLag, 
Bas. 144 D; die Uebersetzung ist miserabel, aber man erkennt, 
was der Verfasser sagen will. 

pMH b 1 Z. 1, verbinde jkhbot'kh (acc. pl.). — Z. 10, 1. TfM« 
(st. TaHf) Ha A'^'^^ caoBO, töqai-iEv eig sqyov b loyog, Sev. 448 
Z. 10 v.u. — Z.12 v.u., MHoroKO/KkCT'kH ist Kompositum (MHoro- 
BOiKkCK'K = nolvd-Eog). — Z. 4 V. u., Hf cbaujE le^HHaKO (so ist 
zu verbinden) t^k tbp'k;i,h, kTteiöt] ovde/tio tjv xh OTBQiio(.ia yevö- 
f.ievov, Sev. 448 Z. 3 v. u.; das ttv ist unverständlich, der Kon- 
struktion nach erwartet man toja. 

prUIH b 2 Z. 13, BTi np-KBTÜH J!^Hh lUTTi HEBKlTHm CTBOpfHO 

BCf ce (dies et zu streichen, Doppelschreibung durch BCf veran- 
lasst, oder es ist statt ce zu lesen h^k), B'kihoy (1. bt^ ihtü) a"" 
WT'k CoyilJaid (1. coyi^Ja), Tfj TTqtorrj r^uiga Ix f-ii] ovTiov eTToirjas 
Tcc nävxa^ tulg 6h ä?.laig l^ ovtojv (übersetzt ist, als wenn stünde 
1^ 6vTog]j Sev. 449 Z. 5. — Z. 7 v.u., zu trennen ckcoyA" AHi;a = 
fursay-evaasv oipsig, ib. Z. 9. — Z. 1 v. u., verbinde Ha saaTHi^e 
(so die Handschr., s. Popov) paSAP^BHAik i (= eum), der acc. auf 
Tpo^RTv bezüglich. 

pMe^a 1 Z. 11, 1. T'Ki st. TTk (nämlich CBtTHa'HHKw). 

pu*a2 Z. 11, 1. npHAOJKfHHK; st. -hhui, xaia Tr]v cpoßvrjv av- 

3* 



36 ^- Leskien, 

Tov TOD d^Bov rj Ttfj^ig^ Sev. 449 Z. 27. — Z. 3 v. u., ch bezieht sich 
auf CATkHki^f, muss also grammatisch richtig et heissen. 

pim«- b 1 Z. 4, no^OKd BtidiuE ck'Stha'hhkoy mko^kc i€ 
(= lecT'k) H CTBopm'K, zum Verständniss fehlt der Inf. öeix^fjvaij 
Sev. 449 Z. 35. 

pim«' b 2 Z. 11, der griech. Satz rb cckqov Tfjg öiioeog ovv. ävt- 
elxev (es ist vom Mond die Rede), Sev. 449 Z. 15 v. u., ist gegeben 
durch cKOHNdHa lecTkCTßa h( kh HMaAa; der Unsinn ist dadurch 
entstanden, dass der Exarch cpvasojg statt dvoetog gelesen hat, oder 
dadurch, dass er das Grriechische nicht verstanden und etwas an- 
deres, freilich ganz Verdrehtes, eingesetzt hat. — Z. 16, a B'KLUt c( 
steht an Stelle von kpalvero, ib. Z. 13 v. u., ist also zu lesen aßkiuc 
et (= idB[a]biiiE C/ä). 

pH a 1 Z. 10 V. u., 1. HMk>KE statt H>K«, eTrsiörjj Sev. 450 Z. 1, es 
korrespondirt im selben Satze T'feMb. — pH a2 fg., a h et MOKpc 
u. s. w. ist völlig unverständlich, weil aus dem Original zum Ver- 
ständniss wesentliche Stellen weggelassen sind und das für den 
Zusammenhang unmögliche i€r/i,a }Vit npHAOJKHT'K et ^ßßACTHie 
vorher hinzugesetzt ist, vgl. Sev. 450 Z. 9 fg. 

pH b 1 Z. 12 V. u., noJKpeTTü ist = nojKp'feT'k (3. sg. aor.) i 
(= eum). 

pH b 2 Z. 11, ^a KTiCTaHOYTTs. acTpoAorn hebechhh {ol 

dOTQolÖyot TOV OVQavOV)^ HJK« CMOTpCTTv SHaMEHHH (SO, gCU. pl., 

ZU 1. st. -hh), th (so st. thh; und) js^a noK'kpeT'k th (joi), ne- 
coMoy KTüTH, das Ictztc Stück, = EiTiccTcooap ool tL (.lUXel yivea- 
^ai, ist dadurch verdreht worden, dass er (lelXsig verstanden hat ; 
Sev. 450 Z. 24 v. u. 

pna a 2 Z. 7, KoroY cßOieiT'K, 1. CKOie lecri»,, tov ^eov Xdia 
(vgl. pna b 1 Z. 10 v. u., CBora /Ke A^^ßP^^^fCTHW = iöia rijg evae- 
ßsiag). — Z. 10 v.u., hho bo AtTO, hho iKt ro^T^j ^ rojs,'h. crpoH- 
HOro A"*^» äXXo yccQ XQÖvog, %al älXo y.aiqög. XQÖvog f.ifjy.6g egti, 
•AaiQog evyiaiQia, Sev. 451 Z. 1 ; die Stelle ist ganz verderbt, zu lesen 
ist roA'ik crpoH (= Ev-naiQla), a'Sto ^ai€ (^ttjjxog), der Ueber- 
setzer hat die Ordnung umgekehrt, sonst aber den Sinn so getroffen ; 
Z. 6 V. u. verbinde bhhoy lenaTH. 

pna b 2 Z. 12, für paBHOAi«^HHH besser -hhi€, ttjv iarjfisQlav, 
Sev. 451 Z. 19. 

pHB a 1 Z. 3, npHMieiuik ist = npHHMCMis. oder npHHM'bM'k ; 



Zum ^estodnev des Exarchen Johannes. 37 

Z. 5 verbinde i63aMH (= MiSJMH) HfOT'Kp1viuaKM|iHHMH, öeofiolg 
aXiiToig, Sev. 451 Z. 26. — Z. 16, a 'raKO WTkUK, 1. roro, ituvra 
S7toir]0€v b vtbg, avrbv öh b Ttari^Q, Sev. 451 Anf. Kap. 4, vgl. die- 
selbe Wendung pMß a 2 Z. 5. — Z. 17, I. htü (= fjuiv) statt hTv. 

pHB a 2 Z. 4, für das sinnlose ji,A(Uttc\}K( zu lesen j\,a lea'Ma^Kf . 
— Z. 13 vs'ird Ttrj^ag (Sev. 451 Z. 19 v. u.) durch norpoysH (= iio- 
rp;*i3H 3. aor.1 gegeben; die Uebersetzung ist doch zu sonderbar, 
ja ganz sinnlos, als dass man nicht auf den Gedanken kommen 
sollte, es habe hier gestanden no;i,p;R/KH. — Z. 11, trenne ^hbk 
(= ^HB'k) I HCTHHKH'K, uvvbg ^sbg Cü)v xat äXr]d-iv6g, Sev. 451 
Z. 7 V. u.; ebenso pnr a 1 Z. 15. 

pHBb2 Z.13, Kor'kistgen.plur. — Z. 10 v.u., verbinde aiiH^Eie 
(= A'kjkaijä), Tovg ipevdcovv(.iovg, sc. d-eovg^ Sev. 452 Z. 5. 

PHP a 1 Z. 5 V. u., KopaTHie, aufzulösen KoropaTHie (nicht bei 
Mikl. LP), steht, wo griech, -S^eoaeßeia, Sev. 452 Z. 17, er v^ird also 
d^Eoi-Kxyja gelesen haben. 

PHP a 2 Z. 16, ckTfce ist = ckta (3.8g. aor. zu cti-tath) ca, 
nsTtrjy.rai. — Z. 10 v. u., verbinde und lies no;k,'K;i,p'k/KHT'K (statt 
-««aT'K), aßvaoov ßaazdtei, Sev. 452 Z. 25. 

pHrb 1 Z. 11, trenne npoTtrii i = npoTAn». h, öiaTEivag 
avTÖv, weniger wahrscheinlich die bestimmte Form des Partizips 
npoTAr'kH; Z. 12, cfeHk an Stelle von 0}cr]vrjv, er hat doch wohl 
a-Kidv gelesen. 

pHAal Z. 13, wttj. CTpaHTü sana^HUie, griech. steht Tte^l 
rb '/.Xlf^a riig f.iEarji.ißQiag, Sev. 453 Z. 10; entweder hat der Exarch 
hier verbessern wollen, öderes ist eine Corruptel für nAaAh>HkH'KiMi 
(vgl. ph;i, a 2 Z. 1 — 2). — Z. 2 v. u., 1. h( st. h-k, der Satz ist ein 
Fragesatz, ohne ah. 

pHA b 1 Z. 6, statt Ha 1. h«, ov Tralöeg'ElXrjvcov EÖida^av, Sev. 
453 Z. 27, oder wenn nao^^""'* richtig, muss c« Z. 5 als Hf gelesen 
werden. — Z. 8, vor semlici wird nc»;^,!». ausgefallen sein, vtto yfjv, 
ib. Z. 29. — Z. 11, 1. TaKO statt -kt^. — Z. 9 v. u., 1. A'l^'^o statt 
T'feao, deiiivvOL rb eoyov. 

Ph;i, b 2 Z. 2, 1. b^kki st. B-Epki, aiCovag^ Sev. 453 Z. 29 v. u. — 
Z.5, statt poHi^aieTi». ist sicher pa^K^aieTiv richtig; eben Z. 7 v.u. 
Hapa^K/^aHHie statt -o-. 

pHf a 1 Z. 5 u. 6, zu den beiden Partizipien ist « = c«ä zu er- 
gänzen. 



38 A. Leskien, 

pHEab Z. 11, 1. lecM'K st. lecTi^, navTsg (hfiev inl xo avrö, 
Sev. 453 Z. 7 v. u. — Z. 11, das hhi. t^ko schwebt in der Luft, 
vielleicht zu lesen HHaKO oder HH'Kr^a und zum folgenden Satz zu 
beziehen. 

pHf b 1 Z. 7, 1. HKBtAaY'k st. -^YT^; Z. 8 hh st. Hd, ovöe^iia 
bfioioTi^g, Sev. 454 Z. 1. 

pHf b 2 Z. 15, statt APi»^3aKM4iH 1. ^pi^^^aio peijJH, Tokfxä} ei- 
Ttslv, Sev, 454 Z. 11. — Z. 3 v. u., 1. htv st. htü, oder es ist zu ver- 
stehen HTi H {aber auch). 

pHS a 1 Z. 6 V. u., verbinde oyntcT'kH'hi (= oynACTkH'KH), 
l.ieQiy.6g, Sev. 454 Z. 21. — Z. 2 v. u., st. K'kMop't 1. kti cKop't =■ 
ovvTÖf.io)g^ ib. Z. 23. 

pHS a 2 Z. 1 V. u., 1. noHpkn'KUJt st. -nem«. — Z. 2 v. u., i€3a 
ist mittelb. bÄsa = ;R3a, dsoixög^ Sev. 454 Z. 33. 

pHS b 1 Z. 3, ra ist = a (aber). — Z. 7, khjkai* *<^VAi^i€, oQa 
To S^av/iiaaTÖp, Sev. 454 Z. 24 v. u. ; die Form HoyA^^i^ ist mir un- 
bekannt, es wird mo^A^^* zu lesen sein, wie sonst der Gen. bei 
Verben der Beobachtung. — Z. 8 v. u., BfAHKO\fio rAC>yKHHO\^ 
Mcp'cKoyK» Ha KankK) (d. i. Kanbij^ = KanbMi acc.pl.) raKO chh^k 
paSAPOBHB'K, rbv ajtsiQov ßvS-ov Tfjg S^aläoarjg eig avayövag 
äoTTSQ ox^f^ccTt yiaTaT€fj.vo)Vj Sev. 454 Z. 20 v. u. ; chmt^ ist nichts, 
zu lesen wird sein hhht». = Gxfjf.ia. — Z. 1 v. u., 1. He st. ce, oder 
wenn HCT'KijiHT'k eine genaue Uebersetzung von xsvovTaL ist, er- 
gänze He, TTiog ov owTÖf-ioig xei/ovrat, Sev. 454 Z. 17, das ne ist 
im Zusammenhang unentbehrlich. 

pHSb2Z. 3, HMaiUH npHT'MKt HeMCL|JHbJ >KeHKI oßaHe, 1. 
HeMOLpkHOY >Ke, Hik OKane u. s. w., exeig vnöÖELyfxa aod-eveg fAsv, 
dvv<xi.ievov de ob Ttsloui, Sev. 454 Z. 16 v. u. — Z. 8, st. apaarhie 
1. apnarHi€, unübersetzt gelassenes aQjraysvg, ib. Z. 15 v. u. — 
Z. 11, npT».cTh. >Ke 3aAe»;H oycT'kie HyTi, h sarpancAaieT'K ce 
A'ho np'KCTeMk rop'k 3aAPT^JK«i|ii»M'K OYCTkie; es ist die Rede 
von einem Gefäss mit durchlöchertem Boden [aQrcayevg vödrcov) 
und engem Hals ; hält man diesen mit den Fingern zu, so kann der 
Wasserinhalt nicht auslaufen ; es muss also statt npi^CTk heissen 
np'KCT'K, statt np'KCTew'K np'KCTOMk, und der Anfang des Satzes 
wird zu lesen sein np'KCT'K jKe 3aA0H;H (3. sg. praes.) oycTkie (der 
Finger verstopft die Oeffnung). — Z. 12 v. u., verbinde npikCTik 
bc»kh(h) HMb JKe. — Z. 6 V. u., 1. Ha st. j^a, der Satz ist np'KCT'k 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 39 

KOHCHII, HMK/K( CtC. . . ., HA KCK> 3(M/\K) np1vllO\'l|li\l€T'k A^^P^^j 
Tiara näarjg Ttjg yfig, Sev. 454 Z. 10 v. u. 

pH3a t Z. 11, HaA'KAf/KHT'K JKf np'KCT'K KOJKHH, H'K .'UnO- 

Kli/k,k, der Sinn und der griech. Text: Lrixenai de ov d(i/.ivl(jg 
■9-eoü, dkV evToXrjj Sev. 454 Z. 4 v. u., fordern h« statt JKf ; in den 
Ausgaben steht OToXr]^ Variante hroXi], so, und zwar richtig;, hat 
der Exarch gelesen. — Z. 6 v.u., h« mohmth naHt ,\'kH;,\K>, gricch. 
nur Tov f.ir] ßge^ai, veröv, Sev. 455 Z. 1 ; HaHi ist wohl = Ha hia, 
ein Zusatz des Uebersetzers ; das folgende no hcthhI; gehört zum 
nächsten Satz. 

pH3a2Z.3, 1. lepfTHHkCKara (st. -ckhic) oycra. — Z. 12, 
ierja,A H(ji,c>ß'^ji,iiUO mh-S (so zu lesen statt Hli), KaKO u.s.w., orav 
yaq d/ioQr^acü, Tiwg etc., Sev. 455 Z. 8. — Z. 4 v.u., 1. pfi|iH st. -i\it. 

pH3 b 1 Z. 7, nach pacaaBAEHaaro ist das Wort für ijyeiQe aus- 
gefallen, Sev. 455 Z. 17. 

pH3 b 2 Z. 2, ist natürlich zu trennen: kaio;i,h, moaio ti. 

PHH a 1 Z. 4 V. U., 1. WKO st. -K'W. 

pHH a 2 Z. 7, 1. K'k3HhHHKa, TOV texvitr]v^ Sev. 455 Z. 12 v.u., 
statt Ka3H. — Z. 3 V. u., 1. Ha st. ht»,, der Satz: Xqiarbg krcl orav- 
Qov, y.ai b ijXiog ea-KOTiod-rj ist also: j^ck Ha KpkCTiJ, h CA'kHbi^E 
Bik mpai^'K; das folgende o A"ß* = ^ ^^ov ^avi-iaarov, Sev. 455 
Z. 5 V. u. 

pHH b 1 Z. 6, 1. KTiCTpcct cc (= ca). — Z. 10 V. u., verbinde 
B'KCKp'bmaieH (= -Luab^H), 6 eyelgtov. — Z. 8 v. u., I. H'ki (= nobis) 
st. Hl (dsl fif.iäg^ Sev. 456 Z. 7). 

pHH b 2 Z. 5, 1. rpIvBa st. -k'K, ejtaqGig rCbv xblqwv (.lov d^vaia 
kGTCSQLvri^ Sev. 456 Z. 11. — Z. 8 v. u., 1. APOV^''^" st. -3hh. 

pH* a 1 Z.bj A<5EP'S '^^ A^P* '^ ßCfMTi Ai^""? wohl zu ver- 
stehen als A<^Kp'fe TH A'^pi* (dafür mittelb. a^P'ä) o Bkcciuik j\,hHii 
= EvyiaQLOTÜ) ooL VTteQ olr]g zfjg fj/^iiQag^ Sev. 456 Z. 21. — Z. 10 
V. u., aKTvi np'^AT»^ cokok» hiui« raaroAfijjaaro k reKt:, der griech. 
Text 6t ty^ovöL 7taqQr]GLav (Subjekt ist xelQeg, Sev. 456 Z. 24) ist 
völlig missverstanden„der slav. Satz soll wohl besagen: wie vor dir 
habend einen der zu dir spricht, dann also steht hm« für hm'ki, 
wahrscheinlich las der Schreiber hM/A, daher sein hmi. 

pH«- a 2 Z. 7, TKope ist = TKopA für TßopK^^ 1. sg. praes. 

pH«^b 1 Z. 7, trenne ß'k3AßH>KfT'k i (i = a. dual fem., p;^i;'fe). — 
Z. 12, npocTpt ist 1. sg. praes., npocTbp;^, der Schreiber hat wohl 



40 . A. Leskien, 

npccrpA vor sich gehabt; Z. 15 npocTp'k := S.sg.aor., vgl. etitevü) 
rag x^^^Q^Q f^^ov Ttqhg rbv &e6v . . . Kai e^ereLvev, Sev. 456 Z. 25 
V. u. — Z. 5 V. u., selbstverständlich zu verbinden b'ksemaeijj« = 

pH«- b 2 Z. 5, TH aijJE H( HMaiUM HHCTlü pCKIÜ MKICAH, 1. pO^- 

KTJ H MUCAH, oder eher poyKoy h M'kicah (oder miücak), sonst 
würde er wohl po^i^li haben, kav i-ir] exj]S y.ad-aQav rriv x^f-Q^ ^ 
rrjv didvoiav, Sev. 456 Z. 16 v. u. 

p§A a 2 Z. 4, 1. npo^SH h (st. npo^aHH) KOMapHie; npoysH = 
np;^3H zu np;Rn». — Z. 13, T'tjf^Tv jk« jkhbot-k ^-Sa'htv i (so zu 
trennen) Y<^A*4^'* noKasa, rovrcov ri^v tojrjv evd-vg evsQyov xat 
■Kivovi-iEvov aTredei^Ev, Bas. 148 B. — Z. 1 1, an Stelle von bf-tov rcp 
Ttqooräy^iaTi (sc. rov d-eov) rrjQ Ttqog ro ^looyopslv €7riTr]Ö€i6rr]Tog 
kyyevofAEvrjg tolg vöaaiVj Bas. 148 C, erscheint Koynk hobea'Khh- 

l€MI^ JKHBOTT». fiA}KJ!L,A\eTls. KAO^HAHMK» KT». BOA^^V'^ BWBaK»4JH, 

SO unverständlich, die Aenderungen pa>K;i,aTH st. pajKA<*i€T'k, 
BiviBaiOLiJK) st. -ijJH machen allenfalls eine Konstruktion möglich 
(KAfOHAHHie = ETiLTridBLÖvrig). — Z. 6 v.u., 1. A^V^**^ ^^^- pl- s*- 
;i^o\'iija, eQirsva xpvxöiv Kcoaüv, vgl. p^a a 1 Z. 3. — Z. 1 v.u., trenne 
JKHBO i€ (= id). 

0^jy,h 1 Z. 10 V. u., WBO-raKO verbinde WBoraKO, auf beide 
Weisen (es ist von Amphibien die Rede). — Z. 4 v. u., 1. MfAcckH'bie 
st. HhA-, TtQorjovf-ievoVy Bas. 148 D. 

p^A b 2 Z. 10, verbinde H'KpaKTvi (statt HpaKu), untibersetztes 
griech. vaQKai, Bas. 149 A. — Z. 12, 1. hjk« statt K»Kf; möglicher 
Weise hat mittelb. kü^kc statt ia^k« gestanden, das Relativ müsste 
dann nach dem folgenden ptübtsJ konstruirt sein. — Z. 16, st. obS 
1. OBTü (sc. piJBTjj), parallel mit aP^^V'^'^ (= AP'^^V'"'^'^)- — Z. 1 7, 
ApoyrhJie ckaoymh 1. ck ao^ckaiuih = cpoXtdcord, Bas. 149 A. — 
Z. 6 V. u., 1. HcrAacEH'k st. hsca., ovdh (piovrj, ib. 

p^e a 1 Z. 4, verbinde zum Kompositum HaMopkCKKii«; Z. 6, 
entweder zu trennen h M'kpHTH (h = auch) oder zu schreiben h3- 
M-KpHTH. — Z. 2 V. u., 1. lecTkCTB» (poss. Dativ) statt -ctbo, es ist 
abhängig von leJKHMkCTBO {=^ ;RJKHMkCTBO) und die Wendung 
übersetzt r^j/ g)voi^rjv avyyevetav, Bas. 149 B. 

p^e a 2 Z. 1, 3a Hf H r^« maao a (CAatTT». piüBcy wri». 
BOA'w, Toy }Ke H nonüBHiTTk, der Vordersatz ist verderbt, vgl. 
öiö (XLY.qov OL IxS-'Oeg xtoQtad-ivTsg rov vöarog ÖLacfd^ü^ovrai^ Bas. 



Zum ^estodnev des Exarchen JohanneB. 41 

149 B, zu lesen wird sein st. (CAatrii entweder OT'KKAaieT'k 

(= OTTkR/XabAT-k für -l*TTv, ZU KAaiaTH CA) oder OTTiBAanfT-K 

(= oT'KßaaMAT'K), statt p'KiRoy vielmehr piviK'Ki nom.pl.), dar- 
nach auch norkiRNÖTTv statt -HfT'k. — Z. 6, rajKf ist ohne Be- 
ziehung, richtig: wäre i€>Kf. — Z. 14, verbinde cKKoakHara (auf 
nAK>L|ia zu beziehen) = nolv^roQog (Bas. 149B , vgl. Mikl. LP s.v. 
CKBaHCHMT'K. — Z. 12, zu verbinden ist k-ksa^VX"*^ ckh = diese 
Luft. — Z. 11, i€/Kf i€ (= lecTTv) ß' nack ocp'K^v.kMbHOK-: Tfnao, 
TO T'feM'k ß'KSAOVY'^^''^ npHraaiuaieT'K (= -iatti für -w^t'k, 
Subjekt ist naioiiJa), ro ivöov r^^iCov d-eQi.iov öiaQQiTrl'Cei /.al uva- 
xpviEi^ Bas. 149 B; npHraamaKRT'k gibt keins der griech. Verba 
wieder, und es ist an sich hier sinnlos; wohl zu lesen npH^AaiM**- 
lÄT'K (zu npH^aaiiiTaTH, iter. von iipH^aacTUTH, bezähmen, vgl. 

ß'KCYA'XCTHTH, B'KCX'AailJTaTH). 

pgt b 1 Z. 13, verbinde HanfTkKTvi = a/ra^)/«?, Bas. 149 C. — 
Z. 10 v.u., st. pacTHM'K 1. pacTH HM'K, oxav ^ av^dvsaS-ai avra 
derj, ib. 

pgf b 2 Z. 2, HMoyiiJS, der Dativ hat keine Beziehung, zu lesen 
entweder hmo^iuttv (= -qjk) und auf poA'K zu beziehen, oder 
HM0Yi4Ja ntr. pl. (es wird fortgefahren mit rajKf). — Z. 8, Marta^Hia, 
im Original wird MaaaKHra gestanden haben, unübersetztes rä f-ta- 
lä-Kia^ Bas. 149 D. — Z. 16, 1. 3MHi€ß« (st. -ßo), dgäKovrig^ ib. — 

Z. 6 V. U., H6>Kf KTi p'KlCaM'k nO^OEHK" leCTkCTBKHOyMOY PpH- 
KAHH^aiOiiJOY Cf, ij rolg i'/d^vai /mtcc xr^v bf-iotÖTr^va rf^g ipvoEwg 
TtQoaeyyiuovaiv, Bas. 149 D; der slav. Satz ist so zu konstruiren: 
P'KicaM'K ist poss. Dativ zu no;!i,OKHio, dies von ktv abhängig, 
npHBA. ist = npHBAH>KaHf>i|j<ft (mittelb. -ip;^, daher hier -liJoy) 
CA, es gehen Feminine voran. 

p^sal Z.2, raAfie h kohhkch ist unübersetzt gelassenes, aber 
entstelltes ra yaXeiodr^ y.al ol y.vvioy.oi, Bas. 149 D, statt kohhkch 
wird im Original k\-hhckh gestanden haben. — Z. 12 v.u., vor oder 
nach ApoBHHHkCK'Ki ist HHik ausgelassen, stsqov yivog to y.rjTüdsg, 
y.ai TO Two^ lenrCov ix^vcov exsqov^ Bas. 152A. — Z.5 v.u., verbinde 
RAkTH (gen.sg.) HHaKO AHU^f, übersetzt oaQyCbv 7rotdr/jr£g, ib. 

p^s 21,1 Z.^^ pöA'w 'J'^V pASAMMKMo HaMT». HasHTaTH, ZU ver- 
stehen als poA'w Toy (vielleicht auch dafür ttü, paSAHMAiA; der 
Text ist nach mittelb. Formen transskribirt. — Z. 12 v. u., verbinde 
wcTpoßA'KHf, vrjoiiöxaL, Bas. 152 B; Z. 10 v. u., Ma\'pocHH ver- 



42 A. Leskien, 

lesen für /VVa\-p8cHH = Muvqovolol. — Z.4 v.u., MHora M^HTHra 
T'fe\"K pasAHHkra lässt sich verstehen, wenn man JKHTHia als gen. 
sg. nimmt, wahrscheinlich hat jkhthh (gen. pl.) gestanden, Tiollal 
Tü)v ßliov al TtaQallayal, ib. ; Z. 3 v.u., 1. m'ho3H (st. -St) . . . np'K- 
MtkHH, Tcollal . . . diadoxai (dies hat er übersetzt, nicht das da- 
neben stehende öiacpoQai). 

p^s b 1, im Anfang ist gesagt, die Fische haben keine Mühe 
mit ihrer Brut, dann Z. 6, ht». boa<» hoat^hmtvIUh (so die H., s.Po- 
pov) HSBp'KJKfHd (so ZU Verbinden) HKpa pidBOKJ HiHBOTi», tbo- 
pHTTi, dllcc TÖ vdiüQ VjTode^äf-ievov ly.Tteoov rb tobv töjov eTioir]- 
oev, Bas. 152 B; die Sonderbarkeit erklärt sich dadurch, dass er 
alla . . . vitods^d/.ievov zum vorangehenden Satz gezogen und nun 
EY.7TE00V rb MÖv als Subjekt zu eTtolrjOsv genommen hat, mit Zusatz 
von piüKOio, also «der ausgeworfene Bogen macht das Thier zum 
Fisch«. — Z. 10, BESHaMtHka steht an Stelle von d7raQd?day.Tog 
(ohne Abweichung, unveränderlich), also wohl bj3 M'bHieHHra. — 
Z. 14, nTHi;a)("K schwebt in der Luft, vielleicht bt», nTHna)("k 
(unter den Vögeln), man könnte allerdings an den blossen Lokativ 
bei npHM'SüJaTH denken, doch hat dies seine Beziehung schon in 
KTi iHivlun»,. — Z. 7 V. u., HHKaaH^t pKiKa naKU jkhict'k, gemeint 
ist ^KSieT'K (käut), vgl. jkhkmjjhm'k für JKSwuiHyK, p^s b 2 Z. 1. 

P§S b 2 Z. 6, statt CAPOKHB'KllJHie ist dvAPOBHBIillJH c« 

(= C/a) zu lesen, dies zu beziehen auf aj^h Z. 3, ca auch za den 
vorangehenden Verben zu ergänzen; mit nHLjia fängt ein neuer 
Satz an, vgl. Bas. 152 C. — Z. 13, MiiUJii^aMH übersetzt rolg q)v- 
yiioLQ (Tang), gehört also zu M'K)("k. 

p§3 a 1 Z.4, verbinde noHiHpaaMiv {= -H^HpaieMii, 1. pl. 
praes.), hhm' bo u. s. w. — Z. 16, Toro ist Objekt zum voran- 
gehenden noaojKHiuH. — Z. 18, 1. hbh ttü statt mehth, ddUcov 
döizd)T6Qog Ifpäviqg^ Bas. 153 A. — Z. 6 v. u., 1. puETv (gen. pl.) 
St. p'KiB'Ki. — Z. 4 V. u., OMkT'K ist OMfTk fem. 

p^3 a 2 Z. 4, 1. roHk3H£M'k st. rosHfiui'k. 

p^3 b 1 Z. 1, wird von der Auster gesagt rag Ttx'üxag kavtov 
ct7tl<hoavt(x^ CBOH AHCU^'S pa3B'S3'kiiJj (d. i. pa3BA3'kuJf), CS wird 
aSci^'fe, acc. dual, zu AoycKa, gemeint sein. — Z. 9 v. u., 1. npocrS 
(statt -CTO). — Z. 4 V. u., CBOie nt ^a /k,c»BA'ti€T'k, rolg oheioig 
ä^yiov; mit dem h« kann ich keinen Sinn verbinden, vielleicht zu 
lesen th (tuum tibi sufficiat). 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 43 

p|3 b 2 Z. 9, verbinde TaKOi€ (= raKOi.* für raKOi* inßtr.sg.) 
jKf HAkTiiio (= RAikTiii*). — Z. 1 5 uod 17 niUsste grammatisch 
richtig- iiAOKoyiiiaM'K und rw»Hfi|iau'K statt -iiifMii. stehen, da es 
sich auf p'KiBaM'K bezieht, es kann al)er Nachlässigkeit des Schrift- 
stellers sein. 

p§H a 1 Z. 1, 1. HTk maKO st. HUKaKO. — Z. 13, 1. aiokciikh 
(statt -i|ifi€), nom.pl. msc. best. Form. — Z. 17, 1. rpaKkii,« (= rpa- 
ßki^/ft, zu rpaKkii^a UqjVuS.^ Bas. 153 D). — Z. 10 v. u., iaiiA'kiC)i|ic 
cc-cKh^h raKoro zu verbinden. 

p§Ha2Z. 12, 1. A^Kp«» OYMHHfHa st, -npa, ei/raxrog, Bas. 
156 A. — p^H b a Z. 16, 1. hh st. ch. 

p^H b 1 Z. 11, die Sonderbarkeit, dass die khth (= xi^rjy) auf 
der wüsten Insel, bt». noycT'tieM'K ocrpoB'S, leben sollen, erklärt 
sich durch falsche Lesung des griech. Textes : [ra Kr^vr]) Y.aT£iXriq)e 
&a)MGoav Ti]v €Qrji.ir]v vrjotov (leer von Inseln); er hat vfjoov ver- 
standen. — Z. 15, vor Ha\'CAeT'k ist n( einzuschieben. 

p^«- a 1 Z. 4, 1. JKHKÖTTv st. JKHßOT'k, lvavXi'(^€Tai [tu -/.riTr^), 
Bas. 156 C. — Z. 12, 1. WT'kAOYMtH'k (st. -ho^ toa'K, reray/Aepog 
■/MiQÖQj ib. — Z. 11 V. u., nach lecTTkCTBoy ist ausgefallen saKC»- 
HOMK, Tö) 'KOLV(p rfjg (fvascog vöfii^^ Bas. 156 C. — Z. 4 v. u., npo- 
noHTH,\oi€ (in der Handschr. so, s. Popov) ist instr. sg. = -^\,oia 
für -A*?»*, ^i« rfjg IlQOJTÖvrLdog^ Bas. 157 A. — Z. 1 v. u., 1. le 
(== hÄ eas) st. Te. 

p^'e-a2 Z. 12 v.u., 1. KfsrAackHa (st. -ht»,), bezieht sich auf 
puea. — Z. 10 V. u., verbinde koh cc, i€A<* KcyA*^"? cpoßov /.ir] 
fjg, Bas. 157 A; Z. 9 V. u., 1. tI^yt». statt t% der Genitiv zum Kom- 
parativ HfCMTüCAliH, rovTLov äXoyioTSQog^ ib. — Z. 2 v. u., 1. no- 

pa:KA^HHI€ St. -HH. 

p§* b 1 Z. 1, verbinde j\,AMH(\i noyTk ck (= ji,AA(^h.n n?f^Th 
Ck), bestimmte Form des Adj. a^^'^c^i^? t^^]^ /.laxQav Tavrrjv aitoör^- 
fxiav, Bas. 157 B. — Z.l 1, HC zu streichen oder ci (== hoc) zu lesen. 

p^* b 2 Z. 16, 3a H3''AHai€ MoroyTTk. cyA'^B'^ b'K3moythth 

BOYPHHH B'feTpH, lics 3a He(=Hl€) [h] H3' A"^ •€ (= id, MOp«) MO- 
royTTk u. s.w., dib xal tx nvS^fievog ol avsfxoL Qocdicog avrrjv äva- 
OTQecpovoiv^ Bas. 157 C. 

po a 1 Z. 11, x-paHEijje coyTTj. chb« lero ckiiaca, 1. cBOiero 
ci^naca, (pvXay.TLY.a Tfjg iöiag avxöjv atorrjQiag, Bas. 157 C. 



44 A. Leskien, 

po a 2 Z. 3, caLiH cokok» et n(ßc>yi\it, 1. ncKO\fLpc (sorgend für). 
— Z. 15, 1. X0Tfi|jf St. )fOA<i|Jf. 

po b 1 Z. 9, MaAKi TT». WKiAi^HTü H^HßOT'K; das TT», lässt sich 
allenfalls als Artikel verstehen, wahrscheinlicher ist th (und), ro 
(.ii-KQOv TtavTsXiög xat svyiaTa(pQ6vrjvov ^wovj Bas. 160 A. — Z. 14, 
WTHUJHHHie, yalrjvrj, ist wohl sicher zu lesen othluhi€, Ver- 
mischung mit THUJHHa. — Z. 11 v. u., streiche h, im Original wird 
Kahi'hH ■= KaMitJ gestanden haben. — 

po b 2 Z. 8, ^oyA''^ ^ jkhkot' gibt keinen Sinn und hat keinen 
Zusammenhang im Satz, Bas. 160 B steht: 6 ^aldaor^g /al avef-icov 
•AVQiog xai t(^ (xly.q^ Cww T?Jg f^ieyaXfjg eavrov aocpiag evaQyeg 
LXVog evid'rjyieVj es wird also zu lesen sein bTi y^VA'*»^ '^'^ ^^- 
KCTTi, allenfalls bt^ yo^A''^ ^'^^ jkhbot'k (in parvum ex anima- 
libus), BTi konnte wegen des vorangehenden n». leicht ausfallen ; 
möglich wäre auch, dass •)C0\'A0\'MC\' jkhboto\' da gestanden hat, 
vgl. dieselbe Konstruktion poa b 2 Z. 6 — 8. — Z. 1 1 v. u., verbinde 
A^ie = A^^^) i^noQiQiov^ Bas. 160 B. 

poaa 1 Z. 3, trenne rapkM'k i cknpcH^EHHie. — Z. 10, st. cbo- 
HCTBOMTi 1. cBHCTOMk = ovQiy/xcp, Bas. 160 B. 

poa a 2 Z. 2, st. MOlfHiKCTBOH 1. MO^'JKk TBOH, Tlkiq-KTrjg, 

äXX' ävTjQ, Bas. 160 C. 

poaa2Z.9, zu verbinden ncKfC'feA<^B<*""K> (jtaQaiveoig)^ ob 
der Dativ richtig, kann bezweifelt werden. — Z. 12, st. McpcHt: 1. 
u\f0(tt% ebenso Z. 5 v. u. — Z. 9 v. u., 1. H'W (nobis) st. hi%.. — Z.4 
v.u., 1. HCRA'tTaHHie (= c'hnA'KTaHHie), Kai. . eTtmXo-KTj^ Bas. 
160 C. 

poa b 1 Z. 1, 1. ra^oy st. ro^o^, kqTteri^ TtaQaTtXrjoioi, Bas. 
160 C. — Z. 4 V. u., 1. KoypaAH st, -hh {-KovQäliov, Bas. 161 A). — 
Z. 3 V. u., 1. 3<AfH0 AP'^ß<> (st. -Ha -Ba), xlörj f.Uv ianv Iv rjj d-a- 
Xdaaj], Bas. 161 A. — Z. 1 v. u., trenne HSHfce (3. sg. aor.) Ha. 

poa b 2 Z. 2, st. KaiuiEHk 1. KaMEHEMk, mit jk^ctokomt». zu ver- 
binden. — Z. 6, verbinde ocTptoy (Dativ) TgJKhKOi^'KH'HKiH = ßcc- 
Qvvif.wg, Bas. 161 A. — Z. 16, rbhi unübersetztes Ttivpai; Z. 17, 1. 
lerojK« st. lero. — Z. 8 v. u., WTik ko\'aoy' KOX"k o i^'bcapEM'k 
Earp'KHiL(iE A^'^'r"k, TiöS-Ev ai v.6y}.0i rolg ßaoiXevat rag aXovQyi- 
öag xceQi^ovvai, Bas. 161 A, ko^Ti ist also eine Verschreibung für 
das nicht übersetzte griech. Wort, wahrscheinlich zu lesen ko^t^^^h 
(ko^ah), A^^iCTTi = A'JM^T'k für A'^i^T'K. — Z. 6 V. u., i^B'KTa 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 45 

ist unverständlich, lies i^K'kT'k (gen. plur.), abhängig vom folgenden 
Komparativ, oi xat tu civd-rj tüv Xeti-Uüviov rfi evxQoi(f jtaQSÖQafxov, 
Bas. 161 A. 

poKal Z. 7, trenne Ha pa30\-M['h] i noaop'K. — Z. 12, hc 
hm'jk« KapHA'Ki TOAH (Ende der Zeile) mhahtki ROAkuie coytii, 
ovx ETteLÖi] -KUQidog Kai {.laiviöoq fiei'Cova, Bas. 161 B, in dem ge- 
sperrten also eine arge Verschreibimg des unübersetzten griech. 
Wortes. — Z. 4 V. u., statt k'kshhkhoyth js,A\i (Handschr. ^arH. 

S. PopOV) 1. K'KSHHKHOVTK. ;\a TH U.S.W. — Z. 3 V. U., KHTH • • 
HE npH KpliSll HH fipH MaAOCTH YO^fTTv, OV TteQi aKTCtg ovök 

cdyialovg dLuvQißei, Bas. 161 B; luiaaocTH ist eine Corruptel, es hat 
wohl sicher eine Ableitung von Hcaaii (Küste) da gestanden. 

poBa2 Z. 1, aHTHA'kaHkTHMivCT'SH ist JiT?.avTLx6g. — Z. 13, 
verbinde leymMH = ixevrilg, Bas. 161 C. — Z. 2 v. u., trenne H'k i 
rpi».AHi;e. 

POB b 1 Z. 2, HCTOie JKf Mp'KTßTÜ COyipb, 1. H TOI€ (= TOIA) 

:k« MpikTKu; wenn die Konstruktion eingehalten ist, auch co^hj« 
= COYUJA, xat ravTr^g vsyiQccg, Bas. 161 C. — Z. 6, 1. raKO statt 
KaKO, ovTiü, ib. — Z. 10, i€ ist ohne Zusammenhang, vielleicht h 
(auch). — Z. 13, st. BptA*2»ß« 1. BpüAOß'K, gehört zu otti Tt^ik; 
nach BpfA^^ßT»' ist der Satz zu Ende. — Z. 1 v.u., noKec'feA'^ß'*'^*^^"" 
gibt keinen Sinn, nach f] diavoia fjfiwv kvTVxovaa hat wahrschein- 
lich dagestanden noca'kA'^ß^K'kiuH. 

poB b 2 Z. 5, 1. Haro^HoyK» mlipo^f (statt Er^p<a\() = GV(i^sTQia, 
Bas. 164 A. 

por a 1 Z. 15, trenne ht». i>K6. 

por a 2 Z. 6 V. u., wt'k chy'k b'k (Ende der Zeile) c'K;i»'h, 1. 

por b 1 Z. 13, H^HBOYTT». KpT».MfT' C6 ist Doppcltibersetzung 
von öiaiiäod-ai, oder das eine Glossirung des andern, Bas. 165A. — 
Z. 8 v.u., (die Fische haben nicht) noApov^a OBhJMCHaaro, im Ori- 
ginal : (bei den Fischen) ovre tov avvrid'ovg eTtiyvwGig, wahrschein- 
lich ist also das dem eitiyvujoig entsprechende Wort ausgefallen. 

por b 2 Z. 4, der Satz ist zu lesen und zu interpungiren : raKO 
nATvTkHara (in der H. nakHara, s. Popov) jkhshk BOA'kHkiMTv 

JKHBOTOM-K BOA'uJH leCTT^ A'^'V^'^J ^'^ \\'^^-^i CBp'kUJfH'kMUJH 
(st. -HtUJHY'K) l€CTk H^HSHb, A<>V"J" BOJKA^V BkITH nOBfA-KHO 

npH BkCf Mii, Vgl. 6'rt r] aa^xTtxr/ ^w^ Tolg kvvÖQoig naTr^yelTat tüv 



46 A. Leskien, 

\pvxi^x-iöv Y.ivriix(XTU)v Inl de riov %EQöaio)v (dies in der Uebertragung 
weggelassen), log reXetoxeQag avtCov ovorjg Tfjg tojfjg^ t] ipvx^] triv 
fjysiiioviav sTCLxirQccTiraL rcäoav^ Bas. 165 A. 

pC>rb2Z. 8, HCTHH'H'tHllJOY HdMfTH ist = HCTHHkH'tHlUA 

(statt dessen mittelb. -iij;r) naMATH, n. pl., aKQißelg ixvfj/xaL^ Bas. 
165 B. — Z. 16, KTk jijut HA verbinde zu K'k^i^OYiiifHa, bezogen auf 
TtAfca, 0(ji){.iaTa kxpvxu)i.ieva (er hat wohl ii^iip. gelesen), ib. 

po;i, a 1 Z. 16, trenne Hk (= ht^) i, sondern auch. — Z. 8 v.u., 
1. cBOiero st. CKoraro. — Z. 7 v. u., 1. Kp^KMciiiaaro st. -i4JHaaro; 
damit schliesst der Satz, das folgende ist = h(c) cfce wcai "^t 
K'ScTk noyTk, von sich selbst kennt der Esel den Weg. 

pOA a 2 Z. 8, 1. paHÖ (st. paHo) B'kskm'K, 7rlr]yElaa, Bas. 165 C. 

— Z. 6 V. u., 1. vielleicht noKpTüBaioipe st. norpHEaK>i|je, aTtivS-fjQa 
y.e-/.Qvi.ii.ievov ev a/toöiä, Bas. 165 D, indess lässt sich norpHK. ver- 
stehen. — Z. 2 V. u., verbinde aKki nAauiü B'h.cnoA'SBTv rH'tB'K i 
(und) nojKexET'k Bi^ce. 

poA b 1 Z. 1 1, verbinde nncaHOie, to yEyqafxf.iEvov^ Bas. 168 A. 

— Z. 15, HAkTk ;Kf CKCTklHOYBLUH Ci BTs. 3EMAI0 C« CkBpaUJa- 

16X1^, f] de occQ^ cpd^aqelGa eig yfjv ävaXverai; statt CkCTiüH. hat 
wohl ein anderes Wort gestanden, vielleicht c'kta'Kb'kiijh, und ck- 
cTTkiH. ist eine Wiederholung des unmittelbar vorangehenden und 
dort passend (= Ttayev) stehenden Wortes. 

poA b 2 Z. 1 1 V. u., verbinde h ;Kf hki (xat yvval-nag); Z. 6 v. u., 
verbinde und lies jk^hamh (st. jk« HaMiv), vgl. Bas. 168 B. — Z. 3 
V. u., 1. TO (Einführung des Nachsatzes) h pi^iBiv (st. pKiBki), der 
Gen. abhängig vom folgenden Komparativ, rcov ixd^'Ocov rjoav aXo- 
ytbzeQoi, ib. 

poe a 1 Z. 15, trenne h mc (= ma). 

pof a 2 Z. 4, 1. H'Ki (= nobis) st. hti. — Z. 7, oyTaHuieHk et 
(so die H., s. Popov) ist = oYTaHUJA htü ca, dücpvyev r]f.iäg^ Bas. 
168 C; Z. 9 1. HTd (= nobis) st. ht^. — 

pof b 2 Z. 14, HMa JK«, wahrscheinlich zu lesen HMkHCc (weil), 
ÖLa Tov 7toQLOf.iov Tfjg TQOfprjg, Bas. 169 B; zur Noth kann man 
nuiMK.( auf den Dual hob'S (npH Horoy im vorangehenden) beziehen. 

— Z. 3 v.u., verbinde nonpHSiMHOie napcHkie. — Z. 2 u., 1. bt^ 

HO:K'HkII€ (= HOHCkHUb^) M'feCTO CAÖJK'ßkl = OCVTl Ttjg TWV TCO- 

düjv vTieQrjoiag^ Bas. 169 Ende des Kap. 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 47 

pos a 1 Z. 9v. u. , 1. JKfrOMk H'KKai^'kMk (st. Ha k.) = dia 
yMvri]Qiov TivCöy, Bas. 109 C. 

pos a 2 Z. 8, HJK« HMOYT'K RTv Kiinf\"K (so die H., s. Popov) h 

Klk KpOR'k KpHAa I6M0Y KpOKH paCTOyilAKLUlO C« Oy^VORb. HMTv 

KTkCnpIvTH KaMO AWKO, Steht an Stelle von baa ev &rjnacg ttal xai 
TtSQißokalg yevvrjd^evra, TtsQiQQayevTog avrolg xov IXvtqov^ 7iqog 
rrjv TtrfjOLV i^lev&eQi'oO-q, Bas. 172 A, ist aber so ganz unverständ- 
lich, zu lesen vrahrscheinlich cfuoy KpoRoy 'st. leMoy kporh) und 
BiicnEpHTH oder R'kcnpaTH st. R-Kcnp-kTH. — Z.Gv.u., statt komoy 
eher TOMoy, Ttqercovoa rcp tqöjko^ Bas. 172 A. — Z. 2 v. u., ver- 
binde »KOH^E OYA<^Kk i€TH {= mvth), o^A^^Kk I (= auch), üaxe 
xat ovXXi]rpd^fjvai Qudicog xat etc., ib. 

pos b 1 Z. 2, verbinde leM'kuiKMeMoy i€ (= id), T(p ilövri, ib. 

pos b 2 Z. 15, aiORHMKi Versehen für aiORHiuiki. — Z. 4 v. u.. 
;VpoYr'kii€ (Vögel) jk« c'knpocTaH'kTki, steht an Stelle von ra de 
äf-iovoa TtavreXcog [= CK npocra) /.al (pdrjg a(.ioLQ(x, Bas. 172 C, das 
Verderbniss lässt sich heben, wenn man liest n'kTki und dies als 
Gen.pl. zu n-kTHie (n-kTkie) nimmt, davor müsste dann Btsii (kic) 
ausgefallen sein; einfacher, wenn man h'Rm'ki st. HlJTki liest. 

pos a 1 Z. 4, aus npeM'KHH'feionje das eine h zu streichen. — 
Z. 4 V. u., die Lücke auszufüllen als ORki|JE. 

pos a 2 Z. 6, H zu streichen, ler^^ bildet den Vordersatz zu 
vorhergehendem TTvr;i,a. — Z. 13, st. htv po^a 1. HapoA<», d^iQiaia 
dr}f.iov, Bas. 173 A. — Z. 10 v. u., 1. ßaacTk st. Raark. — Z. 2 v. u., 
in der H. (s. Popov) HaKasaHHHki h Toyni, 1. HCKasaHH h t., oder 
HEKasaHkHH = aTtaiöevTOij Bas. 173 A. 

posb 1 Z. 2, hm'^kc bis nosHarw nicht zu konstruiren, A'^A"^ 
wird als A'^A* (= A<*A'ätt>') zu verstehen sein, Prädikat zu aac- 
Kaioi|JE. — Z. 14, verbinde saKOHi», ko hmti i (und) oycTaR^K. — 
Z. 10 V. u., 1. ßaacTH st. caacTH, dwaorda, Bas. 173 B. — Z. 9 

V. U., HTÜ H ist = H-K H. — Z. 2 V. U., uach H^EA'HklM'k (= H^/ftAk- 

HiüHMk) ist ein Wort ausgefallen, ort tfi rtkriyfi xov -ksvxqov irc- 
a7iod-vr](jy.ovaLV, Bas. 173 B. 

pos b 2 Z. 3, R'k Skao ist = R'k3['k] ST^ao. — Z. 7, verbinde 
zum Kompositum CROieKp'kH'kCTRa, er hat statt iötöxQOTtov (Bas. 
173 B) gelesen idwvQocpov. — Z. 17, to I€>k« o\'CTa HaieM'iUH 
(die Biene) ist eine so sonderbare Wiedergabe des einfachen enLOTta- 
aa(.iEvri xcp ax6f.iaxi, Bas. 173 B, dass ich eine Corruptel vermuthe; 



4S A. Leskien, 

vielleicht zu lesen wjk« oycTU, er kann das kitl als etl gelesen 
haben. 

poH a 1 Z. 6 V. u., TaMf no tomti ji,E,<i>\^ np'ferpaA'w h rpoie 
(so die H., s. Popov) bt^ mea^'^^h'^i^M'k c'ktoy aP^V*"**^ ^'^ AP<>V" 

roy np1irpaJKA«H<2» (grammatisch richtig wäre -ht». oder-HH), steht 
an Stelle von eTieita öuoqocpoi y.ai Tqi(hQoq>ot ai avQiyysg avTat 
(d. h. die Bienenzellen) aXXriXaLg e7ttoy.oöofiriy.ovrai, Bas. 173 C ; 
das ;k,BOW ist mir unverständlich, wahrscheinlich ^KOie (wie Tpoie) 
und diese adverbiell, = zweifach und dreifach, zu verstehen, np'K- 
rpa^Tsj, i. pl. — Z. 1 V. u., poH a 2 Z. 1, npT». i€ ist verderbt; ich 
weiss nichts damit zu machen, wenn nicht vielleicht eine Silbe aus- 
gefallen ist und np'Kß'Sie gestanden hat. 

poH a2 Z. 11, Ha lUkCTkie js,qia^ (so in der H., s. Popov), soll 
heissen Ha uiECTb leroai». (d. i. lAroATi mittelb. = ;K,roA'k, i^rAi». 
gen. pl.) = i^dycovoi, Bas. 173 D. — Z. 9 v. u., verbinde uiecTOie- 
roa'HkiX"!». = iuecTo;RrAkH'KiH)f"k, riov i^ayiovcov, Bas. 176 A. 

poH b 2 Z. 8, verbinde npoBajK;i,aKM|if, MHoy = MkHi^, ii^wl 
do-Kslv, Bas. 176 B. — Z. 12, 1. SHaiuiCHHie st. 3HaHHi€, or}(.ielov^ ib. 
— Z. 8 V. u., verbinde OT'kKpaH'feAH (=^ -HiaAH) coy (= coyTi».) 
sa Hf (= 3a HMv) für sie, damit schliesst der Satz. 

po*a 1 Z. 6, 1. HOHJHM» st. HHUJHM», Iv vvY.Tij Bas. 176 C. — 
Z. 3 V, u., rp'bWTW ist = rp'twT'K h (cum). 

po«' a 2 Z. 3, wenn nicht ein Fehler vorliegt, ist OK'feCTpaHk 
als adverb. Kompositum zu verbinden, iyiariQiod-sv. — Z. 4, ver- 
binde RptLHOccTT». I (= eum). — Z. 8, das merkwürdige CTpkHHHa 
(zu crp'KK'k Storch) soll das griech. avTiTtslagyiooig (ein Ausdruck 
für Dankbarkeit, weil die Störche für ihre alten Eltern sorgen, Bas. 
176 D) wiedergeben. — Z. 16, Yi^^pocTpoieHHie ist Kompositum. 

po«- b 1 Z. 2, st. KAkieiuiTi wohl richtiger KA-feieiHk. — Z. 17, 
Bce Ha^tJKAOY ist = bca (mittelb. für Bkci?^) HaAt^K^^. — Z. 8, 
1. AacTOBHi^H (dat.) st. -L|,a. — Z. 3 v. u., trenne aAK\'WH «ctt^ 
(= lecT'k.) = äly-vcbp eavi, Bas. 177 A. 

pn a 1 Z.9, HTHU,« jK^'kAh maaiü, lies a'*^'^i^^*<* st. A'^Ak (die 
letzte Silbe durch Unachtsamkeit wegen des folgenden na- ausge- 
fallen), v7t€Q oqvi^og ovtio /.ilxqüq, Bas. 177 B. — Z. 12 v. u., 
K iühomS ist natürlich = k'k ihcmS. 

pn a 2 Z. 7, MkTO i€ BHHa lej^A c« o^ko Boy^^'^'k ist schwer- 
lich richtig, wahrscheinlich ist i€ (= lecTT^) doppelt gesetzt und zu 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 49 

verstehen: HkTO lecrii KHHa, ^a et etc. — Z. 16, trenne mmcmihh 
(dat. 8g.) HX-k. 

pn b 1 Z. 16, 1. HÖJK,\a st. H'k/K^v.d. 

pn b 2 Z. 16, verbinde hti, im'k>K( ^sondern weil). 

piia a 1 Z. 12, verbinde wt'k koy,\oy akrtv H3H^\f pniKi hah 
KOHk TfKKl, jcö&ev TTQofjX^e JLewv ßQvxönievoi; fj 'i'>c/rng xqiiM\\ 
Sev. 460 Z. 23 v. u. — Z. 6 v. u., i€AMa JKe KfS'k^OYUJHaid atMA-k 
i€i€ >Kt ^oyiuk Hf HMaTTi BK tiw^ TO TO^ HSHOCHT'k, soll ent- 
sprechen dem griech. ort ^ \.lIv ciipvxog yf] rjv ov-/. f^^L TtQOiftQei ipv- 
xr^Vj Sev. 460 Z. 18 v.u., es wird also zu lesen sein i€/Kf (st. i€I€JK«) 
und ;i,oyiiJf statt a^V'"**» ^^^ beides steht an Stelle der mittelbulg. 
Formen i>Ä>Ke und a^V^''^ "^ i*>Ke und Acyiij;^, dann kommt 
genau der griech.Satz heraus. — Z.2 v.u., Kora >Kf aL|JC CAKimeTi». 
MKO^KC po^HAk ce lecTTi WT'k cROiero coYijiHra, ro acHie h 
MiocAH nojKeHoyT'K RAfipoYiiJf, Vgl. dazu Sev. 460 Z. 18 v. u., 
^ebr de eav aKOvoioaiv^ oti iyevviqöEV e/. Tfjg iöiag ovalag, Evi^icjg 
Tiov loyLOf-iCov rag nkoTiag y.Lvovoiv; zunächst ist klar, dass statt 
nMi\io\fi\i( zu lesen ist nAfT0\'4Jf ; wenn man auch dem Exarchen 
wenig Griechisch zutraut, so kann er doch kaum lyivviqoav als 
passiv oder inti*ansitiv verstanden haben, zumal er mit dem po- 
^HATv CA Gott eine Entstehung zugeschrieben hätte, es wird also 
c« (= CA) zu streichen sein. 

pna a 2 Z. 9 v.u., npHOKp'kT'k übersetzt yteQÖog, muss darnach 
und der Konstruktion des slav. Satzes nach als Subst. genommen 
werden ; das Wort ist möglich (Mikl. LP hat es nicht), es wird aber 
eher Corruptel für das übliche npHOKp'ST'KAk sein. — Z. 5 v. u., 
CK caiuiT». BCH Korare, 1. ck caiui'k ßct {= kca) Korar« (= Kora- 
ta), avTog TidvTag TtkovriCcor^ Sev. 460 Z. 7 v. u. 

pna b 1 Z. 9 V. u., 1. nopa^K^aieTT», st. -HiaieTik, ä^toysvrä, 
Sev. 461 Z. 4. — Z. 8 v. u., 1. wk st. hh, älka jiäXiv (.nq rig u.s.w., 
ib. — Z. 5 v.u., 1. MivHHM'k (l.pl.praes.) st.-Mki, der Satz bedeutet: 
möge niemand in menschlicher Weise auffassen, was wir meinen, 
nämlich das Wort »er hat« (HMaT-k). 

pnab2Z. 4, h KaAkHT». (so dieH., s. Popov) leskiK-k coymJ^M'k, 
1. HMOYijitMi^, der Fehler veranlasst durch das co^MJeMi», der 
nächsten Zeile vorher [Tnqlivriv y.Ey.Ta^i£VOLg ylwoaav, SeY.461 Z.8. 

— Z. 6, TKCpfljJfM'k CAOKO EOJKf CTßkH'feM'K H BCtKOrO CAOßfCf 

E'KiujE co\fiiJe i€CTkCTßo(damitschliesst der Satz), noiov^ivoLg 16- 

Archiv für slavische Philologie. XXYI. 4 



50 A. Leskien, 

yov TtEQi d^elag xai rtävxa Xöyov vrceQßaivo'Oarjg (pvaecjg (ib. Z. 9), 
also nothwendig coyiiiH lecTKCTKli. — Z. 14, 30Ak h 1. siiAHh, ol 
ad-lLOL, das folgende KfctA^^V'^''"^ i^* ^- P^- = -»atti für -krt-k. 

— Z. 4 V. u., verbinde KhJBai€i€ = BUBabAie xb y€vv(x)fj.evov, Sev. 
461 Z. 16. 

pnB a 1 Z. 1, verbinde tw po^HB « (o, nicht a, in der H., s. 
Popov; cf = CA), av yevvrid-eig^ S. 461 Z. 18. — Z. 10—11, ver- 
binde peKO^TT».. — Der Text pnB a 1 Z. 8 v. u. bis pnB a 2 Z. 12 
(PATH — nHcaHHß) ist durch theilweise Doppelübersetzung und 
Durcheinandervrerfen des griech, Textes, auch durch Missverständ- 
nisse hoffnungslos konfus. — Z. 1 v. u., 1. A/\.eAYHC£A«K'K st. -na, 
oder was denselben Sinn im Satz gibt, st. a^^^aaua (pnB b Z. 1) 
aBpaaMii. 

pnB b 1 Z. 7, npHA«, gemeint ist npH/k.'fe (zu npH-^'^TH), I71&- 
ysi, falls man ihm nicht zutrauen will, dass er dies im Sinne des 
neugr. Ttdyei. verstanden hat. — Z. 13, 1. aBpaanii st. -Ma. 

pnB b 2 Z. 2, 1. H/\OB'RMkCK'KiX"k st. -CKTü, dv&QcoTtlviüv na- 
d-üv äxolovd-ia, Sev. 461 Z. 22 v. u; übrigens ist die ganze Stelle 
von pns b 1 Z. 6 A<* bis pns b 2 Z. 8 npHCHO entweder so verderbt 
oder das Griech. so miss verstanden, dass gar kein Sinn hineinzu- 
bringen ist. — Z. 12, 1. HaMeAO st. naMaAO. — Z. 6 v. u., oyieJKk 1. 
MO^H^b; Z. 5 V. u. ist das PAarOAtMOifiuiOY kaum zu verstehen, zu 
lesen PAaroAtMO lemioy, vgl. jtqCoxov yiverai fxvrjaxrjQ^ eira vvfx- 
(plog, sLra dvrjQ' vmv xiy.j], töte Xeyerai TtavrjQ, Sev. 461 Z. 16 v.u. 

— Z. 3 V. u., 1. Hiui£HE H« (st. HMCHt), }(.av (xrj To yevvu)fj.evov avr^ 
rb ovofxa xaQiarjxai, ib. — Z. 1 v. u., natürlich zu verbinden Htck- 
B^k^aMH a'St'K = (.ivgLa err]. 

pnr a 1 Z. 3, zu sbath ist et = ca beizufügen. — Z. 15, ver- 
binde BOAtSHHH (gen. pl.). — Z. 1 V. U., 1. ß.iJ^tU'K st. -T'K. 

pnra2 Z. 6 v. u., 1. nAOTna (st. nAOAHO) ivTi^naA^HHia = 
oaQy(.i}ifjg yiaraGtäoeiog (natürlich heisst xaTaaraoig hier nicht 
OTT^n.); ebenso Z. 4 z. u. BtcnAOTHO (st. -aho), affw^uarog, Sev. 462 
Z. 5 — 6. — Z. 3 v.u., zu verbinden lecTkCTBO pajKA^ieie (=pajK- 
Aabftie, ffvaig fj ysvvwaa], » h:ka*- 

pnr b 1 Z. 2, st. Kaa 1. KaKO, Ttolov sTridex^tat löyov, Sev. 462 

Z. 8. — Z. 12, st. Blk CHA« 1. BT^SHA« (= B'KSHAfT'k), VJlBQßaLvBL. — 

Z. 7 V. u., nach HM'bAO fehlt der zum Verständniss nothwendige 
Nachsatz: eyevvrjaev wg oüj^a, Sev. 462 Z. 19. 



Zum Seetodnev des Exarchen Johannes. 51 

pnr b 2 Z. 3, 1. npliTp'km (geduldige dich) st. -rpUni. — Z. 8 
1. npHTTiHH St. -Mk, Objekt (dativ.) zu par-JoyMliTH. 

pii.v, ca 1 Z. 5, 1. KopiHH dat.) st. KopniK. — Z. 9 v. u., 3tu,\( 
steht für .3fM/\lJ = stMAm ; Z. S v. u., zu HcnA'KHH ist ci = ca zu 
fügen; Z. 7 v. u. verbinde OKpac/\i\ K'kaiiu. 

pn^\ a 2 Z. 2, die sonderbare Wendung iithi;« oi,'TBop(HKi 
KliaYöY MHOJKKCTOM'k als Parallele zu der Ausstattung von Erde 
und Meer erklärt sich aus einer unvollkommenen Lesung oder 
einem Missverständniss des Originals : 6 äiiQ uQviO^tov l/.e/.öaarjro 
Ttlrjd^ei, Sev. 4(32 Z. 15 v. u. — Z. 7, Ht ko MkCTkieM'k GkicT'k 
nocAlvJK;i,« MAOB-RKTk HTi noHkCTki€Mii ist gegenüber dem ovx 
vßqi^BTaL (6 aO-Qio/rog) T(p elvaL Tslevralog dkka rij^iävai^ Sev. 

462 Z. 14 V. u., und an sich nicht verständlich, vielleicht ist st. no- 
HkCTkieMTi zu lesen noMkTfH'k; ob sonst ein MkCTkie neben dem 
gewöhnlichen MkCTk vorkommt, ist mir nicht erinnerlich, vielleicht 
ist es auch nur eine Verlesung für MkCTkbÄ (mittelb. = MkCTki^). 
— Z. 2 V. u., streiche Hf. 

pn,\, b 1 Z. 1 — '^, K»Kf ist = KRJKf St. lAJKf (acc. pl.), der Satz 
zu konstruiren : ckTKopH CB'kTHiVa, th T'kr^k.a, lAJKf ocBtiiJa- 
i*TTi (quos illuminant). 

pn^ b 2 Z. 6, die Worte sind zu verbinden: CTBopH tu |(und) 
BTkS« (= btiS/a). — Z. 10 V. u., statt rAaroAaHik 1. raaroaa H'ki 
(= nobis). 

pne a 1 Z. 5 V. u., wahrscheinlich ^aHO st. ;vaHk zu lesen; Z. 7 
V. u., trenne nicaHHte h KHHrki. — Z. 1 v. u., hm'/K« cbohmti 3a- 
KOH-K, 1. CBOH HMTv 3. (ihr eigenes Gesetz). 

pnf a 2 Z. 9, 1. laKO = ort st. KaKO. — Z. 13, verbinde noB-k- 
Aaerii i (= eum). — Z. 14, 1. Miii,( [TtQÖOiouov, Sev. 463 Z. 27 
V. u.), vgl. die folgenden Zeilen. 

pnf b 1 Z. 8, 1. CMorpH ttvI st. cmotphtti = jzQÖaBxs, Sev. 

463 Z. 20 V. u. 

pnf b 2 Z. 12, 1. TO (Einführung des Nachsatzes) st. ttv. — 
Z. 9 V. u., das CHa = CKiHa verdreht den Sinn des Originals (Sev. 
463 Z. ü V. u. fg.) so vollständig, dass man an Entstellung denken 
möchte, dennoch glaube ich, dass er so hat schreiben wollen ; der 
griecb. Satz beginnt: Xeyovoi roLvvv b 'lovöaloi otbvov(.uvolj und 
er hat statt roivvv gelesen xov vlbv] auf einen Unsinn mehr oder 

weniger kommt es dem Uebersetzer gar nicht an. 

4* 



52 A. Leskien, 

pns a 2 Z. 2 V. u., I€Ahhc>i€ ist = i€AHHOia st. -hokr, b^ov. 

pn3 a 1 Z. 3 — 4, pfKCYlTii th, gemeint ist l.sg.praes. ov^oi^Oj 
v-al xovTo (Sev. 464 Z. 23 v. u.), der Abschreiber kann peKoy als 
pfKoyT'K verstanden und ri», hinzugefügt haben; vgl. Z. 5 A'^M'k 

pns a 2 Z. 1, 1. Ha st. ht», ädvvdToiq eTtixsiQrjaavTsg Jtqäy^a- 
oiv, Sev. 464 Z. 14 v. u. — Z. 11, 1. KasHk ((5/x/;, ib. Z. 9 v. u.) st. 
KaasHk. — Z. 10 V. u., ß'ca ch CAOB£ca BaMi». noTOMH^T»^, ver- 
schrieben für noAOHtHY'ij''?, TTccvtag v^lv rovtovs 7taQ£d^€f.ir]V 16- 
yovg, Sev. 464 Z. 6 v. u. — Z. 1 v. u., 1. arrA'KCKO st. -ctbo, Adj. 
zu nc^OKkCTBO, der Fehler erklärt sich durch dies unmittelbar 
darüber stehende Wort. 

pnsb 1 Z. 1, 1. Hf tüBt AH c( (= hoc) st. laBH. — Z. 17, das 
dem Sinne nach unmögliche c hhmi kommt daher, dass der Ueber- 
setzer /.tsr^ avrovg = nach ihnen, als i-ier^ avvüv = mit ihnen, 
verstanden hat, Sev. 465 Z. 3. — Z. 9 v. u., 1. A"B'^'t'»)C^ ^^- 'X^- 

pns b 2 Z. 12, K>}Ki (d. i. oy-Hif) h cA'kHki^E ntcki cbow ao^mk» 
npHM'bCH, vertritt xai rjXiog cpaiviov rr^v iavrov axtlva ovvfjipsv, 
Sev. 465 Z. 12, er muss cpeQwv statt cpaivwv gelesen haben. — 
Z. 10 V. u., die Worttrennung ist: coBkCTBkHki HHHk (für hhhtv) i 
cOYHJkHOie le^i.HH'kCTBO = töjv vrcoGTCcaecüv TYjv rd^LV y.al rijg 
ovöiag rb ^wvoeideg, Sev. 465 Z. 15. — Z. 7 v. u. — pnn a 1 Z. 7, 
die ganze Stelle ist dadurch entstellt, dass der Uebersetzer die ganz 
unpassende Dreizahl eingeführt hat; zu verbessern ist darin: nach 
CTkTBopHMT». ZU intcrpungireu, dann lies coKkCTBa Tpn (st. -ctbc» 
a Tpn), HapHHK) ist = napHHi* für napHH/Ä (Part), le^v.HHOCoy- 
i4JH»€ ist Kompositum, statt npHCOKkCTBa (pnn a 1 Z. 6) lies TpH 
COE., Vgl. Sev. 465 Z. 16 fg. 

pnn a 1 Z. 11, k'to lecT'k oyco hlpemi», ctro BtAHKaaro cao- 
Bfce H Hio^'naaro OKkijJkCTBa TBopku,k ist eine so wunderliche 
Verdrehung des griech. Satzes : rlg lozi xovtov rov ^uyälov Xöyov 
%al TTjg d-avixaorfig drj(.iiovQyiag -Kotvcovög, Sev. 465 Z. 20, dass er 
wohl gelesen hat rfjg S-avi.iaoTfjg drj(.iiovQybg y.oircoviag\ übrigens 
ist auch das folgende bis Z. 5 v. u. HcnoBtA'*""'^ durch falsche 
Auffassung der griech. Satzverbindung toll verdreht. 

pnH a 2 Z. 10, das in dem vorliegenden Zusammenhang ganz 
unverständliche: Y^^il^**^''^ <*U^f KHUi« BkiAH crnfM'k noHifJKenH 
erklärt sich so: im griech. Text ist als Jesaiascitat (C. 9, 6) nur 



Zum ^estodnev des Exarchen Johannes. 53 

angeführt naiöiov iysvvrjd-rj u. s. w. (Sev. 464 Z. 30) = ^''iTHMii^ 
poH^^ii et (Z. 13); es geht aber bei Jesaias eiu Satz vorau, der mit 
den Worten sehliesst: d^slrjaovoiv ei lyivovro TregUayoToi, den 
der Uebersetzer thörichter Weise hineingesetzt hat. — Z. 14 — 15, 
verbinde Hf k'kibtvH, rb f.ii] or, ib. — Z. 8 v. u., CHCBHWJKf 1. cki- 
HOBH (dat. parallel mit ^liTiipK«) k>jk« = oyjKt (der Satz ist Zusatz 
desUebersetzers). — Z. 2 v, u., nach HfMoy wahrscheinlich H«f aus- 
gefallen, rbv avußovXov u) ehtev. 

pnH b 1 Z. 16, 1. noroYKH w (= kr für Mi) st. noroyRKK», a/r«- 
xreivev avrovg, Sev. 465 Z. Ib v. u. ; die Stelle hat Vondräk S. 21 
zur Ansetzung einer 1. sg. praes. noroyEbK» verführt. 

priH b a 1 Z. 16, HT^ HC CTaBAlJH HK>;i,fCH C'KB'fcTHHKa TH 
OBkljJE CkTBOpHUJH HMtHH KO l€CH »€AHHaKC> paSOyM'feA'K Ji,QiC- 

TOHHkCTBa nponoBlv;i,HMaarc», scheint mir ganz unverständlich, 
wahrscheinlich sindTexttheile ausgefallen, vgl. Sev, 465 Z. 18 v. u.: 
dlka /.ii] orr^Gfjq to &avf.ia i-iixQi tov ov/.ißovXov (xrj y.oLVOTronfjarjg 
t6 (ivofxa. Ei y.al TtoXkol ovfAßovXoL^ inrj vßQiCiod^u) b fxövog, 
JiXV ovÖBTito ivörjoag, (frjGi, rb a^icüf.ia tov y.r^QvoGof.iivov. 

pnH b 2 Z. 9, verbinde nponoß'fe^aieM'kH = 6 •/.riQvxTÖf.ievog, 
Sev. 465 Z. 5 v. u. 

pn-e- a 1 Z. 1 (mit vorangehenden Worten): hho ko lecTi». 

»€MOy>Kf Kp'KnOCTT». A'^'^T'K, HHO^KE H?Kt A'^'^T'k CaUa Kp-fe- 

nocTTk cf (die -T'k für -Tk in der H., s. Popov), soll, wenn der Satz 
verstanden ist, ausdrücken : akXo iorlv ivLöxvöixevog, alko ia^v- 
QÖg, zu lesen also wohl : cawk KptknocTk cki* (wenn mittelb. ckhA 
gestanden hat, ist dies als et umgesetzt). — Z. 11, zu trennen He 

CTA TOy, HH leMOy ^OBOAkHO OY K'KI, OVX '^QTliad-r] ovde TOVTCp, 

Sev. 466 Z. 5. — Z. 16, trenne h htü h lepiTHKTsJ, y.al fii.iäg y.ai 
aiQSTrKOvg, ib. Z. 6. 

pn.e. a 2 Z. 8, A'^VV'^ nyTtHkCK'Ki ist Tcvsvfia Ttvd-iovog, Sev. 
466 Z. 12. — Z. 7 V. u., der Satz ist jedenfalls zu interpungiren : 
SOBtTTk I rtMTk, caMTk Cf paKTv noKasaTH, -/.alsl KVQiov, %va. dei^T] 
eavrbv dovkov^ ib. Z. 17. — Z. 4 — 5 v. u., 1. bkiuje st. -h;«, vtieq 
a^QCüTvov, ib. Z. 18. 

pn* b 1 Z. 5, 1. Kcnü st. Korii, ^iva i^rj . , . vo/xiad^wai ^eol ol 
TOV ■d'eov VTreQerai, Sev. 466 Z. 20. 

pn«^ b 2 Z. 1, wnpaB^a cecrpa, 1. ci (= ca) cfCTpa, edixaiiod^r] 
fj äöeX^rj aov, Sev. 466 Z. 32. — Z. 8, st. moh;« h 1. moh^eujh. — 



54 A. Leskien, 

Z. 14, Kf3aK0HtHHi€M'K, die BilduDg soDst bekannt ?, sie steht auch 
Z. 1 V. u., also doch wohl nicht Verschreibung für BEsaKOHHieMk; 
es wäre Kf3aK0HkHHi€. 

pM a 1 Z. 7, dem Zusammenhang und dem Original nach wäre 
richtig pki;H st. pent, er hat aber vielleicht shce als sine gelesen. 
— Z. 12 V. u., trenne ce {:= hoc) eh. 

pM a 2 Z. 3 V. u. bis pn b 1 Z. 2, ist unverständlich durch eine 
Auslassung, nach ß'KC'tjf'K fehlt: rCov ofioXoyrjTOJv, rag /.ivQtäöag 
rüv ^Iovdaio)v (Sev. 466, letzte Z.); für die letzten Worte steht hio- 
;),CHCKki HfCBls:;i,aMH (-o-dieH., s.Popov); es wird HiOAtu zu lesen 
sein, denn das Adjektiv oder Adverb gibt hier keinen Sinn. 

pM b 1 Z. 14, Hf TOy MH/\OYI€ HT». Tt^Ti X^A']S. (= Ji,'^\\a 

propter), Toy steht für t;i^ = ttj, ov öl iiceivovg, älka . . ., Sev. 
4ö7 Z. 5. — Z. 18, trenne et le = hoc est. 

ps b 2 Z. 7, KO H SBopoif 1, no HSBopoy, /.at^ hloyrjv^ Sev. 
467 Z. 13. — Z. 17, trenne h mtü. — Z. 9, HCHoycHTii pasoyM'K- 
Baieri». 1. HCKoycoM'K, ölcc zfjg ndQag /.lard^ccvei, Sev. 467 Z.18. — 
Z. 3 V. u., St. ckrptiiJH AH 1. CKrptujHTH; Z. 1 v.u. 1. BH^^t^amc 

8t. B'KaUJE. 

pna a 1 Z. 9, laKO h para npt}Kj\,i n-tcapkCTBO (so zu lesen st. 
-CTBa) BkiCTTk, oTi 71Q0 Tov TtaQaösioov 7] ßaaiXsia^ Sev. 467 
Z. 26; vgl. die folgenden Zeilen des slav. Textes. — pna b 1 Z. 12 
V. u., «KO JK« HbjpfTT», lepJTHi^H, im Original cog qadiovqyovOL 
(leichtfertig behaupten) aiQeTty.ot, Sev. 467 Z. 11 v. u. ; bei dem 
HKipcT'K kann man nur an das sonst in npoHiüpHTH (vgl. npoH-w- 
pHBTk) vorkommende Verbum denken, vielleicht hat aber da ge- 
standen nh.ptT'K (= nkpAT'K zu Rkp'kTH). — Z. 9 V. U. , TO H 
CATiHkU^f leCTT». HH04C;i,C>, HKO JK« TH KAf^OYT*, HM'h^E I€AHH0 

lecTTi TaKo; wie kommt die Sonne hier hinein?; s. Sev. 467 Z. 10 
V. u., ovY.ovv '/.al 6 Hkiag fxovoyevrjg ort f.iövog rotovrog, otieq ov'/. 
€xsi löyov (= was keinen Sinn hat) , er hat also fjliog gelesen. 
Dazu möchte ich fügen, dass der Abschnitt von pna b 1 Z. 3 v. u., 
H-K bis pMa b 2 Z. 1 V. u., der die Stelle Sev. 467 Z. 8 v. u. {läUa 
etc.) bis Ende der Spalte, und zwar ziemlich genau sich anschlies- 
send, wiedergeben soll, den Sinn des Originals geradezu umkehrt. 

pHBa 1 Z. 10 V. u., verbinde cyßt:;i,'tB'kiiJfH. — Z. 1 v. u., 
trenne noMasa^i^ i (= eum). 

pHB a 2 Z. 12 V. u., ^OBpouifCTHie npaBOB-fepkCTKC», griech. 



Zum ^estodnev des Exarchen Johannes. 55 

nur Evaeßeia (Sev. 468 Z. 18), das letzte scheint Glosse zu dem 
ersten zu sein und für dies jedenfalls zu lesen aökP'^'*^*cthi€ 

= ^VOBpOMKCTHie). 

pHß b 1 Z. 3, 1. HfCK-kA^^MT^ st. —I.HM'K, ^iVQLUOlV (ib. Z. 22). 

pMK b 2 Z. 6, 1. c'KKp'KiijfHlii€ {IvzeUoveQov , Sev. 40S Z. 25 

V. U.) st. CbBp'KlUCHHra. 

pnr a 2 Z. 1 V. u., ^ßt caobich u. s. w. gibt natürlich gar kei- 
nen Sinn, er bat das dvo kaovg (Sev. 469 Z. 3) als duo köyovg ge- 
lesen, und dann den Satz so weiter fortgesetzt. 

pnr b 2 Z. 5, HorkTCMk = 1^ Svvxog, wo der Stein Onyx ge- 
meint ist, Sev. 4(39 Z. 11. — Z. 9, 1. paSAHMHHMH (zu kohIvMh) st. 
paSAHHHieM'K; Z. 12, 1. statt A'^^P'^t**^" CAtJKark ce vielmehr 
AOKpOTa HMH CKAfJKHT'K CA; das ganze gibt wieder : sTiei oiiv 
xai rb (.iVQOv ey. öiacpÖQtov ovy/,ELTUi v.aX f] aqeTrj de £x diacpö- 
QO}v\ man kann indess pasAHMHieM'k halten, wenn man BOH'bM'k 
(dat. pl., poss. Dativ zu pasAHHHieMik,) i (= und) trennt. — Z. 8 
V. u., 1. BTvX'OJKOY statt B'KCY. , im Griech. 3. sg. elaeQx^^f^i-] vgl. 
die B'KYOJK^o^f der folgenden Zeilen. 

pHA a 1 Z. 11, Hi€paAi^HkCKC>\^MO\', leQaTLKÖg, A Fehler für t, 
wie richtig Z. 13. — Z. 10 v. u., die Abbreviatur ist aufzulösen 
KpaT'K i€CH, äöeXcpbg el rov legiiog, Sev. 469 Z. 26. — Z. 9 v. u., 1. 

HI€pOCHHI€ (= -HbÄ g, Sg.) St. -HH. — Z. 1 V. U., 1. 3HaTH st. 3HAT( 

(»woher ist das zu wissen«?). 

pHA a 2 Z. 7, asTv npHnnoy I€H pcMtiuH; statt der beiden 
letzten Worte 1. HiepocHHie (= -hia mittelb. für -hi*), laf.ißävo} 
leQtüovvi^v, Sev. 469 Z. 31. — Z. 15, bw zu ersetzen durch K'kijc'^- 

pHA b 1 Z. 4, nach JKfHTv fehlt der Nachsatz zu &i\i( u. s. w., 
laßi. — Z. 16, der Vergleich (Sev. 469 Z. 5 v.u.) ist, dass TtQoaevxr} 
xcffc €l€}]/.ioovvrj die beiden Flügel der vr^oxeia genannt werden, das 
ist an der Parallelstelle pn^ b 2 Z. 2 auch ganz genau ausgedrückt 
durch MHAOCTKiHK» H MOAHTBoy HHCToy (das letzte Wort ein Zu- 
satz des Verf.); es kann daher hier HHCToy ck moahtrok» h mh- 
AOCTk nicht richtig sein: die einfachste, sinngemässeste Verbesse- 
rung wäre MHCTOY moahtboy h m., denkbar wäre auch mhct;r 
(instr.) C'k MOAHTBOiif^ MHAOCTk. — Z. 7 v.u., grammatisch richtig 
wäre und stand auch wohl ursprünglich da npHWKp'kT^iijra. 

pMA b 2 Z. 1 V. U., 1. BO^KHra (st. -I€) TRapk. 



56 A. Leskien, 

CK« b 1 Z. 5 V. u., in der H. steht zwar nach Popov ncBaACHa, 
bei Bodj. -ho, es ist aber -ho zu lesen. — Z. 4 v.u., 1. noropHie st. 
norop't i€. — 

CKfb2Z. 10, l€>Ke BT», KTÜTHH H BTi TAH npHOBp-fcTEHHie, 

Trjy Iv rfj ysviasi y.ai (pd-oqä xrlaiv, Bas. 189 C; die sonderbare 
Uebersetzung, weil er -Kr^aiv gelesen hat. — Z. 14, ro^okoctbomti 

1. nOAC»KKCTBOM'k. 

CKS a 2 Z. 6, BTi 3H0i€ ist richtig, es soll ev xavfxaaiv wieder- 
geben (Bas. 189 D), also = 3H01a; ich bemerke das wegen der 
Variante Bodjanskij's. — Z. 12, hebh;i,">^i^X'^ kkibaiolijov ist: hi 
BHAHM'k i^T». BTüßaKRiuTA (a. pl.), ebcuso Z. 15 pdH^^dioipoy = 
-ij^ip^. — Z. 6 V. u., 1. A^V"^"^ ^*- A<2>V"^'*- — Z- 14, nach aeh^cljjh 
ist das sonst (s. Bodj. Var.) bezeugte bti 3{mah nothwendig, tva- 
Ttoycetf^iir] rf] yfj, Bas. 192 B. 

CK3 a 1 Z. 3, BATvKT». JKt HC OyKponHT'k C6 , 1. O^KpOTHTTi, 

ätid-daasvTog b l'öycog, Bas. 192 B. — Z. 15, icahh'Kctboy }KH3hh 
lero, der Dativ ist nicht zu verstehen, vielleicht i€AHHkCTBO bt». 
JK. lero. — Z. 18, k^k cBOieieJKiMkHoyMOY; man müsste ein Kom- 
positum cboi€;r>khhiiH't». annehmen, wenn man die Lesart halten 
will, wahrscheinlich ist CBOieMoy zu schreiben. 

CK3a2 Z. 5, leMoyjKf h toahktsJ rAacHkiie ckcoYA*^ kt^ 
lecTkCTBO BAOJKH, (p xat TY^lixavTa rfjg (ptovfjg tcc oqyava f] g)voig 
sv€S-r]y.€v, Bas. 192 C, also BT», zu streichen. — 

CK3 b 1 Z. 5, im Griech. (Bas. 193 A) steht, der Körper des 
Bären sei Ttgenov rcp ovtl cpiolaÖL Y.atB\pvyf.üvrj (angemessen in 
der That einem der Kälte ausgesetzten Höhlenthier), dafür A'feno 
no HCTHHt: AOYH'fe noc'KX''KUJH; Mikl. LP hat unter AoyHd die 
Stelle citirt, aber was ist der Sinn? Zunächst hat der Exarch das 
Griech. insofern missverstanden, als er yiaraipvxco hier in der Be- 
deutung austrocknen genommen hat. Dass es ein Wort Aoyna in der 
Bedeutung von (pcolag gegeben habe, ist sehr unwahrscheinlich; 
ich vermuthe eher, er hat gar nicht (pioldg, sondern cpwXeög und 
zwar dies frei durch AoyjKa wiedergegeben; ao^jkh ist dann als 
AoyH't verlesen. Jedenfalls würde hc'ky'kluh zu ao\->kh passen. 

— Z. 1 V. U., TO\'AO\/' CfMO\' COy^ö l€CTKCTBOV HMO^llJOy, T(p 

(fXöfxrp (verbascum) tovto) ^tjqccv rrjv (pvaiv e^ovri^ Bas. 193 A, 1. 
also: co^'jfo lecTkCTBo; ob ToyAii. wirklich ein Wort für verbas- 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 57 

cum war? Ein Missverständniss der griech. Wendung liegt ohne- 
hin vor, denn cfldf-ut) niüsste durch den Instrum. gegeben werden. 

CK3b2Z. 5, st K'kpoRHOK» 1. Kcp-, T^ öay.QVip xfjg Ttlrvog, 
Bas. 193 A. — Z. S, 1. Hara,\hiiiH statt -iiik», zu beziehen auf /Kkaki. 

— Z. 9, (DpHraH^HKiHMii, 1. op-, ist Adjeiitiv zu dem unübersetzt 
gelassenen griech. Pflanzennamen OQiyavog, ib. — Z. 13, cpHKNcyio, 
die Var. Bodj. OMkNO^fto gibt das richtige, viiv Iv rolg dcpO^aX^iolg 
ßläßriv, ib. — Z. 15, MO/XOTp'k ist das griech. l|(m^ai9^^oj/, vielleicht 
nur verschrieben für MopoTp'K. 

CKH a 2 Z. 8, st. HMT», 1. HaMTv, wie richtig die Var. Bodj. ; das 
BC6 H ist entweder = k'k cjh, rfi ycaqo'Oor] ^(of), oder statt kcih ist 
CfH (loc. zu npHAKR'tTH) ZU sctzcn. 

CKH b 1 Z. 4, 1. H4 ji,tiAO c( (st. CBOie) npocTHpaie, ngog rrjv 
egyaoiav eavrov /.aTarEivei^ Bas. 193 C. — Z. 3, A^KOAHoy niHJOY 
HartOJKHT'K JKHTHHUoy CKOK»; wenn nicht (s. Var. Bodj.) A'^ß^*'^- 
Hoy nHi^Joy als Instrum. zu fassen ist, fehlt eine Präposition vor 

JKHTHHUOy. — Z. 15, RAOATk nOAT^Cp-SAUHH vertritt tG)V yi.aQ7tü)V 

ro /.leouiraTov, Bas. 196 A, eher wohl nocptAHHH. — 

CKH b 2 Z. 5 V. u., 1. HfoyHfH'KiHMk (st. -HHi€Mh), ZU verbinden 
mit saKOHOMTk, r^ ädidäATcp Tfjg cpvoeiog v6(i.ip., Bas. 196 A. 

CK«^alZ. 11, YOYA*>^l»CTBC TpUR-K OYCntlUKHKlY'K, WO 

Bodjanski Tp'fcB'R verbessert und btv für Präposition hält, ist ganz 
richtig = e^TtsLQia ßoraviTir], Bas. 196 B. — Z. 6 v. u., 1. Hif st. M. 

— Z. 3 v.u., 1. onpHUJHfHHie st. -HHH, so richtig auch die Var. Bodj . 

cK^e. a 2 Z. 6, verbinde i€JKf ncMaAii hu (= nobis) TBopeqjtie. 

— Z. 12, verbinde 3Aa JKf Bca i€3a a^V^"» ■/.ay.bv dk näv ccQQto- 
oxia ipvxfjSj Bas. 196 C, vielleicht hat ursprünglich 3A0 gestanden. 

— Z. 16, H. HH verbinde zu hhh = nveg. 

cK-fr b 1 Z. 1, npHi€Mi\EBa soll doch wohl npnieMAHBa sein. — 
Z. 4 V. u., die sonderbare Einführung der Tochter, a'^u'th, beruht 
darauf, dass er f] jtaig für fj nalg, Bas. 197 A, gelesen hat; freilich 
hat er auch Z. 2 v. u. MaTH statt TtaTifjQ gesetzt. — 

CK'» b 2 Z. 1 V. u., verbinde arniTiv (gen. pl.), ev fxvQioig ocq- 
vdaii/, Bas. 197 A. 

CA a2 Z. 8, st. paBbHiv 1. paBkHO, zu MoroyiiJf gehörig, iao- 
dvvafxovoavj Bas. 197 B. — Z. 13, verbinde CT'kBp'kr'K A'kJKfie 
CA'feA'^ (= AiiJKAhÄ CA.), Tfj dvaigiaei tCov ipevdCJv evQlo'Aei ro 
aXrid-ig, ib. C. — 



58 A. Leskien, 

CAb2Z. 6, AP0Y3HH JK( H 3AntTh\r^y H BOH^^EBH B'KIUJE 
HUJOyHJHHM'K paSBOHHHKHi T'RY'K, 7]dr] Öi TLVeg ItiI S^EQ^fp T(p 

Tiäd^EL (d. h. als die That, der Mord, noch warm, eben vergangen 
war) y.al börjyol rolg i-AL,r]TovoL tovg (poviag kyevovTO, Bas. 197 D; 
das H sanfTk Toy ist jedenfalls sonderbar, und wohl anders zu 
lesen, ich finde aber keine Verbesserung. — Z. 7 v. u., la^'KT'K ist 
= ra;i,/ÄT'K, vielleicht nur versehrieben für laA^TTk. — Z. 3 v. u., 
trenne npHi€MAK»4Jf (n. pl. mse., zum Subjekt des Satzes gehörig) 
16 (= hÄ, SC. x-ov^"*") 

CAa al Z. 2, verbinde HJKt oy^'^ß'^" (Komparativ zu oy^IjOkiv) 
HMaTH (so ZU lesen statt HMar'k) jkhbot'k, tc> h MHOH^an, ra 
evaXijoTOTBQa twv Kioiov TtoXvyovihreqa^ Bas. 200 A. — Z. 13, ver- 
binde ra;i,tH = ra/i,/ÄH, Objekt dazu ist hnti, ra cpS-aQTiy,a xCov 
alliov^ih. — CAaa2 Z. 2 v,u.,das Verbum onpHCHHTH ist = 7r(>o(70f- 
■AELovv; ich bemerke es, weil Mikl. LP nur das Verbalsubstantiv hat. 
Mit Kp'kMiMoyiuioY schliesst der Satz, cupHijja {arö(.iaxoL) gehört zum 
folgenden; CkipHijja h lUTpHBoycH h KopbMH h CA'RsoBf vertritt 
Gxö^iaiOL Y-oi exlvoi y.ai xe/.QV(paXoi xal swarga, Bas. 200 B ; in 
dem WTpHKoycH steckt jedenfalls das Wort, das sonst TpkEC>\^)C'^ 
lautet, für das h kann man ein Citat bei Vostokov, Ciob. i^epK. aa. 
anführen; wie das w- zu erklären ist, weiss ich nicht. Was ist 

KOpiiMH? 

CAa b 1 Z. 4, verbinde ßi^ jkhbottiJ [iJjk« le (= ia) HMcyTi^. 

CAa b 2 Z. 7, 1. TüAf CH an Stelle der Abbreviatur + ch. — 

CAK a 1 Z. 13, Tf^KeKT». rAfSHTs», er hat ßuQvg daTQayakog für 
das allein passende ßqaxvg gelesen. — Z. 11 v. u., hh HHonAOiUk- 
HkCTKa 16 (= lecTTi) Hora, zu lesen: ht». HHonAOiuh. npivCTKa 
lecTT». Hora, — Z. 3 v. u., verbinde CBenfi|JOYiua, TzeQiTQifxovaav, 
Bas. 201 A. 

CAB a 2 Z. 3, die ctühob« a^V^'^"'^ ^^^^ irvQyoi euipvxoL (be- 
seelte Thürme), Bas. 201 B; Z. 6, statt Y^AT^ H'kKau.H nakTHH 1. 
X'A'KMH H., ßovvoi Tiveg adQxivoij ib.; die folgenden Worte k«- 
MkCTHa HMOYijJE oycTp'kMAEHHra paSAPHBaKMjJE stehen an Stelle 
von [ol kXicpavreg) äwrcöotaTOV e^ovrEg rrjV bQixrjv tüv IvctvTiiov 
Tov avvaoTCLO^ov diay.ö/rtovaiVj Bas. 201 B, sind aber so kaum 
verständlich, wahrscheinlich ist im slav. Text etwas ausgefallen ; 
auch KfHkCTHa für awrcöararov ist mir verdächtig. — Z. 13, CK 
56AHHO a-Kto, richtig wohl bt^. — Z. 6 v.u., den Satz aKU 3kMi%ra 



Zam Sestoduev des Exarchen Jobannea. 59 

C'Ki H MfKMaH lecTKCTKOM'k muss niau der Küiistruktiuu uucli auf 
das Subjekt des Satzes (caom'k) beziehen, uatUrlich geht er auf den 
KUssel {nqovoixaia, übersetzt durch np'k^\,kHHH 3;kr'k): t^v ök tqo- 
(frjv, üoTieq erpauev, fj 7TQovof.iaia ;fa^ö.^€v hil th vipog diuy.o(xi- 
^eiy d(pu'üdr]g rig ovoa xca vyqoriqa ti]v (fvoiv^ Bas. 201 B. 

CAK b 1 Z. 6, «Ko >Kf H oy**""^'"^ paacyMlxKaKiT-K h bhi€Mo 
npHieMAtTT», wate /.al didaaxöftevov oviivai xai tv71t6(.ievov v.axa- 
dtxeod-ai^ Bas. 201 C; dem Original nach mlisste es heissen o^f- 
HHM'K und BHieMTk, ich muss es aber dem Leser überlassen, ob er 
dem Exarchen zutrauen will, dass er diöao-KÖfxevov u, xvnrö^iEvov 
hier für Neutrum gehalten hat. — Z. 4 v.u., HiKf (nämlich die Berg- 
gipfel EAHJK« CO\|'l|Jf OKAaK'K HKT'KIHM'K liplJM'KICAOM'K H AE^KA- 
HHieM'K CHAK^i.tT'k CTO\';k,«HkCTßO, Steht für al T^ TtXrjoLov elvai 
tCüv vBifCüv rfi avveyßl TreQiitvola diaoLotovoL xo xBLf.iiQLov^ ib. ; da- 
durch, dass er statt jteQinvoia gelesen hat 7t€Qivnia, ist ein völliger 
Unsinn entstanden; das np'kM'WCAOM'k hat dann noch den Zusatz 
H H^EAAHHi^Mk (so ist ZU Icscn) erhalten. 

CAß b 2 Z. 5, AWTOKtLTpkHara ist Kompositum, xb dvarjveuov, 
Bas. 201 C ; Z. 7, st. tott». B'K3A0\'\"k 1. TonAT^ ß., dhsLvbv xbv 
aega, ib. — Z. 1 1 v. u., ß'KO\';i,OAHA'k = k-/.oiXaLvev^ ib. D, nicht 
bei Mikl. LP. — Z. 4 v. u., 1. hm'ik« st. i€M'>Kf, dxi. 

CAr a 1 Z. 4, st. ßf A'^V^'^ grammatisch richtig ßf A^V^^"^» ^^^ 
auch da gestanden haben wird ; ebenso wie es Z. 8 i^tAe ljjk» heissen 
müsste. — Z. 11 V. u., 1. cKapnHH st. CKap^HH, ov.oqnUov. 

CAr a2 Z. 5, MK»K;i,o\f, im Original aiad^(xvoiJ.ai, Bas. 204 A, 
daher wohl H0\'h5 zu lesen, was auch allein in den Zusammenhang 
passt, das folgende ci (= ca) gehört zu ß'kSTfsaieM'K, anaixov- 
l-ievog. — Z. 8 V. u., verbinde i€>Kf, es i&t Artikel zu dem folgenden 
Infinitiv; der Satz schliesst mit oyß'kA'kTH, he ko gehört zum 
folgenden. — Z. ü v.u., st, ßkiLUkHEi€ lies BkH'kujkHieie = xa e^co, 
Bas. 204 B. 

CAr b 2 Z. 14, statt h hat Bodj. eine vorzuziehende Var. hmh = 
Tra^' avxiovj Bas. 204 C ; das axonia (ib.), = Albernheit, ist zwei- 
mal gegeben: 30Ak (= s'kAk) h KESM'feCTHie. — Z. 10 v. u., Ha4,i». 
c'kCO\-AOM'k cb/ijE K03kHkHC\'K> steht für eitl xCov dqyävtov xfjg 
xsxvTjg fxovog xad^rjfxevog, Bas. 204 D; das K03kHkH0\-K» hat gar 
keine Verbindung im Satz ; nach der sonst üblichen Ausdrucks- 
weise des Exarchen erwartet man CkCA^^OMk K'k3HkH'kiHMk. 



QQ A. Leskien, 

CA^ a 1 Z. 6, das h zu streichen, KAaA'WHkCKiü ist adv. 6ea- 
jtozrKiog, parallel dem 3liA0, ocpoö^üg^ Bas. 204 letzte Z. 

CAA a 2 Z. 2, in der H. zwar nach Popov corocAaßHara, es ist 
aber, wie Bodj. hat, wahrscheinlich KorocAOßHara zu lesen = r^g 
d-Eoloyiag, Bas. 205 A. — Z. 3 ist KO\f = Koroy sinnlos, die Var, 
KTk BÖy ebenso, es wird o\'ko da gestanden haben, dem griech. 
"komöv entsprechend. — Z. 12, vubel|jhhko\' TKOpkHO\'MOY, r^ 
y.oiviov^ Tfjg drjiJ.tovQyiag, 1. TßapbHOYMOY nach dem regelmässi- 
gen Gebrauch des Schriftstellers. 

CAjs,h 1 Z. 3, i€ TfJKfiye, 1. ierji,A Tf^KtTiv ce (= ta^katti 
C/ä), aTEPioxoQovfievoi, Bas. 205 B. 

CAA b 2 Z. 10, die Var. Bodj. pa30\f lui-KBaieiuioy gibt das rich- 
tige (st. -wk). — Z. 16, statt JKH^OB'KCK'KiH wohl richtiger adv. 
jKHAOK»»^CK'Ki; zu dem darauffolgenden ^k^p'KH;« (= yijP'KJKA) ist das 
vor soBid stehende et (= ca) mit zu beziehen. 

cae a 1 Z. 7, st. i€ no;i,OKHi€ 1. Hmo^OBHie, tiov to ävöixowv, 
Bas. 208 A. 

CA« a 2 Z. 9, das >Kf nach lero zu streichen. 

CA« b 1 Z. 12, HCKpon'WT'H'fei8t=HCKpb oniüTkH'K, wieZ. 11 
V. u. steht. — Z. 9 V. u., 1. H'feKoro st. H'KKaKO. — Z. 7 v. u. steht 
zwar nach Popov in der H. n% das bei Bodj. stehende Ha ist aber 
die richtige Lesart. — Z. 3 v.u., BO^oy B-KSAHBahMiiM ha Hk muss 
man, wenn richtig, für eine saloppe Partizipialkonstruktion halten, 
das Part, für den Nom.pl., grammatisch richtig wäre bo;»,'^ bt^sah- 
BaiOLjJH c« Ha Hk, OTL tqü^el TO TCVQ vöavog 67rißalXofj.ivov, Sev. 
471 Z. 23 V. u. 

CA« b 2 Z. 6, BOrOCAC»B«CHK» BO $YCHWAOrHra KOp«Hk leCTTk, 

für einen Theologen ein verwunderlicher Satz; im Original (Sev. 
471 Z. 20 V. u.) steht etwas ganz anderes: (^f■Ta yccQ rtjv d-soXoyiav 
rj (pvaioloyla (Naturwissenschaft) y.Qr]7rtda rcaqiiEL vfj svaeßeia. — 
Z. 11 v.u., Bodj. macht die Bemerkung, es fehle ein hha jk«, es 
fehlt aber gar nichts, sondern der Text entspricht genau dem griech. 
■Aal oco/jara IrcovqävLa '/.al owfxaxa STrlyeia, Sev. 471 Z, 13 v. u. 

CAS a 1 Z. 15, die Var. Bodj. hivbcbayt»- gibt die richtige Les- 
art, ev rfi ßißhi) rov 7w/?, Sev. 471 Z. 3 v. u. — Z. 11 v. u., lut- 
B'bHHie 3MHi€BkCK0 (so in der H., s. Popov) übersetzt yavqia^a 
dqa-/.6vtwv\ Mikl. LP hat das Wort aus dieser Stelle aufgenommen 
ohne sonstigen Beleg; ist es aber wirklich ein Wort? Vielleicht 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 61 

hat ujATaHHie (mtraHHie) ursprünglich dagestanden, das in ganz 
ähnlichen Bedeutungen gebraucht wird. 

CAS b 1 Z. 5, riO Hl/Kf OyKC» HPMACH^HT'K RO/KHI€M'k ^apOMTv 

IV MACK'kHH TBapH TAaroAaTH, H( ^k.ocTOHH'li cß-KTaaro A<^V)C** 
HT». (so zu lesen statt hh) npoTHßovf chaIv Haiuni, entspricht genau 
dem griech. Text Sev. 472 Z. 21 fg.: enel xoivvv rcq6/.EixaL Usov 
XCCQLTL eig Trjv rov dv&QWTtov öt]fxiovQyiav aiTtelv, ov /.at d^iav 
Tov 7tQäyf.iaTog^ uXXa /.axa dvvaucv ri]v rjuereQav, bis auf das 
sonderbare ck. A^VX** '■> ^^ ^^^ sicher 7zvBvi.i<xTog st. Tiqäy^urog ge- 
lesen. — Z. 8 V. u., 1. 0\fC(AfHHi€ st. -HHra, eTieTtkrjQcoTO rj oUov- 
^ivr], Sev. 472 Kap. ß' Z. 3. 

CAS b 2 Z. 11, nach cräaro ist A^^VV** ausgefallen, die Var. 
Bodj. hat es richtig. — Z. 3 v. u., Hca h ist ein unverständlicher 
Zusatz, im Original, Sev. 473 Z. 9, nur at ;(€t^£g 7ojff«(j£z zov U- 
Qetog. — CA3 b 1 Z. 11, das a^VV^Y ^^^' ^' ^^* Bodj. richtig durch 
A^YV*^ ersetzt. 

CA3 b 2 Z. 8 V. u., st. rw bei Bodj. eine Var. rocnoAH, die das 
TiaXiög bItiov »tov xvQiova^ Sev. 473 Z. 29, besser wiedergibt. 

CAH a 2 Z. 1, 1. leEptHCKTü st. -KTüH, wic richtig die Var. Bodj. 
— Z. 10 V. u., der Satz ist zu verstehen und zu interpungircn als : 

Cf HM/Ä HE A'^CTTv C/Ä üji,AMQ\f npaSAi^HO, »OTHk«; MiT'WpH 

(so höchst wahrscheinlich zu lesen st. h hhiü) ß^qjH bt». oyTBapH 

cm (naKlü leCTkCTBOCACBAIiR, Ai\l( H HE JC*^'''''^'^''^) • 3fMAra, BOAd, 

B'K3A0Y\"k, OTHK (darauf beginnt ein neuer Satz), rovro rb ovof.ia 
Ol)-/. Idö-d-rj r(p J4daf.i ccQyöJg' dlla riooaqä eoti axoixBla Iv t(p 
■/,6ai.i(ü [itäXiv (pvoLoXoyöj^ v.uv (xri ^eXoiOLv]' yri^ vöwq^ ^^iQi ^vq. 
TöJv akkiov gxolxbLojv skuotov etc., Sev. 473 Z. 10 v. u. 

CAH b 1 Z. 6, H HfCB-KA^V WT-k Hfl€ (sC. CBlSipA) B'K>Kr<KEUJH 
A^VHA-tTkl^K, nfipHHOy BCOy, HAAMTÜ (aCC.) MHOn». rOpELjJk BT». 

CBOierii-k oycTHH, ht». icahko h;« aqje nphieMACTT». ^\(i'kE.A^ to 
MHO/KHTk et ivrHk, entspricht Sev. 474 Z. 1 fg.: Kai (xvQiag e^ 
avxov ävdjtxeig kafinddag, y.d^iLvov oXt]v, cpköya /roA/^v, xat ov 
f.iev€t iv xfi idiq oipei^ dXV ooiqv uv laßt] xijv vlr^v^ Ti^Eovätu 
TO TtvQ, darnach scheint vor btv cBOieMTv oycTHH etwas zu fehlen, 
es ist zu dem Gegensatz hti etc. keine Entsprechung vorhanden 
(griech. ov /.uvei Iv xf] idla oipei). Vielleicht hat er aber den ganzen 
Satz anders gelesen, namentlich will mir wegen des oycTHie schei- 
nen, als ob er statt oipei gelesen hätte d/r^. 



62 A.. Leskien, 

CAH b 2 Z. 16, cfrc n^mid h hmc to aA^MOBO 3jk,AHH( B-bamc 
Sceach'Kh, an Stelle von dia tovto xat avrb rov Jida^ rb ovo^a 
ccQQaßcüv fjv Tfjg ohovfisvrjg, Sev. 474 Z. 9; das s^^HHie an Stelle 
von aggaßdov ist so sonderbar und dem ganzen Zusammenhang 
nach sinnlos, dass ich vermuthe, es habe ursprünglich hier CKnk- 
caHHie (ckxJTdHHie) gestanden, das im Sinn von cautio gebraucht 
wird. — Z. 5 V. u., st. noATiAi^H'HHHd. cf jk« u. s. w. lies noAT^Aii- 
HHie.Ha cf (hoc) jk£ u.s.ve. — Z. 1 v.u., h hme h T'SA'Kca, bei Sev. 
474 Z. 13 Y.a.1 to ijvofxa ■aal ra yQ(xi.ifxaxa\ in T'kAKa liegt ein 
Fehler; wenn die Var. Bodj. ^'t^'^^cd die ursprüngliche Lesart dar- 
stellt, muss man auch so annehmen, dass der Exarch TTqäy^iara 
st. yQC(ix(.iaTa gelesen hat; man erwartet nncMEHd. 

CA# a l Z. 10, st. HAOB'kMkCK'hiH hat die Var. Bodj. haob'Sk'ki 
das richtige, rovg ayysXovg dv-d'QioTtovg y.akelv, Sev. 474 Z. 17. — 
Z. 9 V. u., noAE[i4Jk] ist eine verkehrte Aenderung von Bodj., nc»Ae 
= noAA ist ganz richtig. — Z. 4 v. u., st. ttv 1. vielleicht Br\ = 
Bor'K, avtog b ^ebg yiaXelTai tzvq, ib. Z. 23, indess kann tTv allen- 
falls aus dem Zusammenhange als Kori». verstanden werden. 

CA-e-a 2 Z. 1, [h'SJk'kto, überflüssige Aenderung Bodjanskij's, 
KTiTO ist = reg; ebenso Z. 12. — Z. 3 v. u. ist der Imperativ npH- 
i€MAH unpassend, vielleicht zu lesen npHi€MAi€ (-Aiex'k); es kann 
aber der Exarch lafxßdvsi (Sev. 474 Z. 28 v. u.) in lcc(.ißavE ver- 
lesen haben. 

CA*bl Z. 11 ist nach rAdroAtT'k et weggefallen cktbophut». 
OTHk [noLrioiof.iev tivq, Sev. 474, Ende des Abs.), der Fehler ver- 
anlasst durch das gleich darauf noch einmal folgende ctbophut^. 
— Z. 15, zu trennen hecm-kicah h ^oyiiiaMi u. s.w. 

CA«, b 2 Z. 13, für HAOB-kMkCKiü hat die Var. Bodj. das richtige 
HAOB'tK'k, ovde(xictv ificpi^BLav avd-QOiTtog ^ixsi jrqbg tbv d-eöv^ 
Sev. 474 Z. 9 v. u. 

CM a 1 Z. 9 V. U., 3Bt3AW BnülUE TBp;i,H B0A4, A^ **4^f BpTi- 
YOY CtAHT'k, TO Ha BOA^X"'* C'RAHT'k HAH HC HA HEB£CH, HTv 

Ha BnüUJHHHMii HtBECH, Vgl. Scv. 475 Z. 6: doT€Qsg VTioY-ärto rov 
OTeQed>i.iaTog, vöioQ Iticcvo). Ei ercdvu) yid^rjvai^ ovy, Itcccvo) tüv 
ovqavüv, alX^ sig (nach dem spätgriech. Gebrauch für ev) tbv ävo)- 
TEQov ovqavöv. Der slav. Text ist so wunderlich, dass man kaum 
etwas damit anfangen kann ; es scheint mir, der Verf hat das erste 
der beiden inävo} überlesen, daher die Sonderbarkeit 3B'63AW 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 63 

ßiüiUE TBp^H ßc»^\a, daher denn auch die Einschiebung Hd ro- 
^Va^Ti; das He vor na heccch gibt auch in diesem Zusammenhang 
keinen Sinn und wird mit andern Handschriften (s. Bodj.) zu strei- 
chen sein. 

CM a 2 Z. 7 V. u., st. h MH03lvMk muss es nach Sev. 475 Z. 17, 
xat ovöe JiolXoig, heissen hh mh. 

CM b 2 Z. 10 — 11, lUKpasTi, das Objekt zu KaHifTi^ steht aus 
Versehen zweimal, das eine fehlt auch in andern Handschriften 
(s. Bodj.). 

CMa a 1, nach Z. 4 ist Punkt zu setzen, dann folgt griech. 'ß 
Tijg Tov d-eov äy.okovd-iag j w rfjg tCov Qr^iaxiov d/.Qiߣlagj Sev. 
475 Z. 19 V. u., es wäre daher Z. 5 zu lesen ko:khi€ tS'KMHHCHHie 
(st. -JKHW, -HHK»), falls der griech. Text richtig verstanden ist, mög- 
licherweise soll aber der Dativ (als possess.) zu dem rAarOATkHOie 
HCKpkon'KiTaHHie gehören. 

CMa a 2 Z. 1 V. u., cboh ist = ckboh, übersetzt •/.vi.ißalov im 
Sinne von »Ohrmuschel«, Sev. 476 Z. 8. 

CMa b 1 Z. 6, (hock HMari»,) aKu cpt^AOCT-feHHie b'ksakh- 
jKfHHie, die Verbindung der beiden Substantiva gibt keinen rechten 
Sinn, griech. nur [qIq ex^i) olov i^eoöroixov, Sev. 476 Z. 10; viel- 
leicht hat die Var. Bodj. btvSakhjkcho das richtige. — Z.2 v.u., vor 
noKa>Koy ist hi einzusetzen, y.al %va fj.r] del^o) etc., Sev. 476 Z. 17. 

CMa b 2 Z. 6 V. u., nach np'KCTk ist B'kSkM'k ausgefallen, 
ETtXaaev avrbv xovv Xaßcov arto rfjg y^g, Sev. 476 Z. 27. — Z. 6 
V. u., 1. BAaHtEH'Ki st. BAaHtcH'K, Prädikat zu Ha^fH^Af (= -^A''^), 
(.laxccQtai, al xQi-OtLavöJv elrriöeg^ ib. Z. 28. 

CMB a 1 Z. 15, noApoV^" HaA<^A<^V' ßi^cTaHHie, steht an 
Stelle von eöei^e Ti]v kXTiida Tfjg avaordoeiog^ Sev. 476 Z. 23 v. u., 
hat vielleicht ursprünglich no/i,p^>KH gestanden?; die übrige Kon- 
struktion lässt sich halten, wenn man HaAtH^A^V als Instr. nimmt, 
wahrscheinlich ist aber für BiiCTaHHie zu lesen -hhiü oder -hhkj 
(als poss. Dativ). 

CMB a 2 Z. 6 V. u., 1. KO^RHO St. -RHoy, mit der Var. Bodj. 

CMßb 1 Z. 2, st. HO^UT». 1. oyHM'K, ovx Ix rfig löiag ovaiag 
UßaXiüv (er hat syckaßujv gehabt), Sev. 476 Z. 7 v. u. — Z. 8, st. 
Ha^'Kra c( 1. HaA'feH cf, /^li] 7rQoöoy.rjar]g, ib. Z. 4 v. u. — Z. 17, ver- 
binde Ht MHoronpHMKTbHa (= -HACTivHa), ovte TtoXvuQfxövLog, 



64 ^- Leskien, 

Sev. 477 Z. 12. — Z. 11, 1. OßfT'kiija c^a^AHHie st. OKkTkiua 
BikSA-, eytaXaubd-T] fj ÖTq^iovqyia, ib. Z. 13. 

cMral Z.5, verbinde ww.i noroyEH b'ka^V"*^^^'^"'^ ^fi.AiX'W, 

b aTtcoksosv e}.npvor]ixa Jäödj.i, Sev. 477 Z. 20. 

cwirbl Z. 3 V. u., statt h B'kCkKp'kccHH» 1. h3 k., so auch 
richtig die Var. Bodj. 

cMr b 2 Z. 1 1 , verbinde ce mo^h^k = idov ävrjQ, Sev. 477 Z. 1 1 
V. u.; die folgenden Worte: k'kctok'k hm« \euQ>\f h nc»;i,k HHHMk 
i€ro ßT)kC\'OAHT'K stehen an Stelle von ävarolr] ovofxa ccvrov y.al 
V7to-/.äto}&ev avtov avaxilXEi^ Sev. 477 Z. 11 v. u., zu verbinden 
und zu lesen ist wohl no/i,kHHHM'K (dat.pl.), als wenn griech. stände 
Totg v7toy.&Tiod^ev. 

CMA a 1 Z. 11, 1. idKO^KE statt ra>K(, correlativ zum folgenden 
TaKO JK«. — Z. 10 V. u., zu B paH hinzuzufügen B'kBf^k.tH'k, wie 
richtig die Var, Bodj. — Z. 4 v. u., iC ist zu streichen. 

CMAa2 Z. 1, verbinde Bik paHH-tH Kp'kMAH; paHHaia Kp-kM- 
Aia = 6 TtaqüÖBLOog rjjg rQvcpfjg^ Sev. 478 Z. 8. — Z. 15, h B'kpo- 
BaTH sanoB'S^k ^^ao B'baiuE, wahrscheinlich entstellt, vgl. Sev. 
478 Z. 14: xal tclötbvblv tjj evrolfj, tov ^eov tqyov fjv] vielleicht 
also sanoB'S^M ("^gl- dieselbe Wendung Z. 9 v. u.) zu lesen und zu 
A'kao ein ausgefallenes boh?hj€ zu ergänzen, es kann sehr leicht 
weggefallen sein, da in der folgenden Zeile ebenfalls ji,'^AO bo>khi€ 
steht. Auch in dem Satze Z. 9 v. u., raKO }K( bo B-KpoBaTH sano- 
b'KaHj der so ganz zusammenhangslos ist, muss etwas weggefallen 
sein, vgl.: tooTtsQ ovv to Triorevoai ttp X^iarip EQyov kazlv^ ovto) 
rö TTiarevoai rfj evrolfj, ib. Z. 17. 

CMAb 1 Z. 13, KAWCTH JKe OTT». Mfco bildet einen Satz für sich. 

CM^ b 2 Z. 5, verbinde np'KAkHHMH = np-byi^kHHHMH, öia 
Tüp TtQoXaßövTcor, Sev. 478 Z. 32. — Z. 8, st. HanaraieTT». 1. Hana- 
HTT». (Supin., zu HC^^AHTT».), daher der Gen. ßAa^ entspricht auch 
genau dem eyiTtoqevExai tiozü^elv., Sev. 478 Z. 29 v. u. ; derselbe 
Fehler in derselben Wendung Z. 9 v. u. — Z. 12 wird hm tu auf 
nopoA'i bezogen, eine Nachlässigkeit des Uebersetzers, der €;fwj/ 
buchstäblich wiedergibt, obwohl er für 6 TtaqüÖEiGog ein fem. hat. 
— Z. 2 V. u., trenne B'k tt^, HJKf, dg tov sv t^ yQf^fpfj Xeyö^evov^ 
Sev. 478 Z. 21 v. u. 

cm a 1 Z. 4 V. u., 1. npaBOcaaBkH'kiHM'k, st. -caoK-. 

CMC a 2 Z. 13, nach naTpHap'^'k, ist eine Lücke, sie fällt aber 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 65 

nicht dem Exarchen zur Last, sondern der griech. Text ist an der- 
selben Stelle unvollständig, s. Sev. 478 Z. 8 v. u. 

CMf b 1 Z. 4, R-K HiVHCnvK'KI, 0(KIH( HCTOMKHMK'KI HMfM'HKK- 
l€^V,HHOMO\- /Kf HM« U>HCOH'K, Vgl. ScV. 478 letzte Z.: [elg) UQX^ii 

TovTtori Ttrjycxg. "Oi'Ofia rcp ty) (I>eiaiov\ das iiMCHkHivii/ft gibt an 
sich gar keinen Sinn; wenn er also das Original nicht missver- 
standen hat, liegt eine Corruptcl vor; vielleicht hat HMfHoyi/A da 
gestanden. — Z. II v. u., wriv co^^^oy CMorp»! mkhhh coyiiik 

pan CK (= Ck), HaH-MkHC H«f KO RIA'lvHHI6M'K HfJKf CAOKfCfM'k 

npUAaieTTk cf, bei Sev. 479 Z. 4: IvtavOa TtQÖaeyß. N/jfit- 
oov rovTQV elvctL rov naqüÖELOnv. ''lA yltq ÖipEi fiäXXov ^ '/.6y(o 
Ttagaölöorai. Das MkHHH widerspricht der eben vorangehenden 
Schilderung von der Grösse des Paradieses f o sehr, dass es un- 
möglich richtig sein kann, es wird ursprünglich gestanden haben : 
OTTk c;si^\,OY CKMOTpH. M'kHH [vdf-uoov) c;^i|Jk paH ck; den Ge- 
danken des letzten griech. Satzes hat er umgekehrt. — Z. 2 v. u., 
1. mit der Var. Bodj. paH st. pata. 

CMf b 2 Z. 10 V. U., TBCtpfUJK» HIO.yH'M HCTOMHHKTvI npiiROlO 

p1vK0K>, der sonderbare lustrum. erklärt sich dadurch, dass der 
Uebersetzer in TTniovvTog ^tvag Tirjyug r(ö ttqöjt«) TtoTat^ioi (d. h. 
dem ursprüngliclien Flusse), Sev. 479 Z. 14, den Dativ instrumental 
verstanden hat. — Z.5 v.u. ist natürlich zu verbinden ßi^s Kplir'ki 
= die Ufer entlang. 

ciuis a 1 Z. 14, St. Bli;i,UTH bessere Lesart die Var. Bodj. rh- 

CMS a 2 Z. 14, naHkSHH (ebenso cms b 1 Z, 1) ist eine Entstel- 
lung von roTrdaioVj Sev. 479 Z. 31 ; vgl. TCtnaHk.3HH, cms b 1 Z. 7 
v.u. — Was bedeutet Z.6 v.u. HieptH Homaiue a'^MJHU'^V saaToy 
nporHaHOVf, Sev. 479 Z. 33 nur 6 IsQevg lipÖQsi Ttiralov xQvaovv; 
statt nporHaHoy vielleicht npoNksaHoy oder npoHMSaHOY"^ 

CMS b 2 Z. 8, st. KaniviH 1. KaM'ki. — Z. 11, 1. KpaieovrakHii 
st. KpaHO^rA. 

CM3 a 1 Z. 4 V. u., 1. np'kTRap'kiOT'k statt -TRcp-; st. c( hat 
Var. Bodj. das richtige w (:= kr). — Z. 1 v. u. (es ist von Flüssen 
die Rede, deren an sich gleiches Wasser durch verschiedene Erde 
laufend verschiedene Eigenschaften annimmt), Sev. 480 Z. 4 : 6 fisr 
öia yfjg kregav ixovar^g Ttoiörrjta^ b öh dt eteQag^ noLOVVTai (von 
TTOLÖw mit Eigenschaft versehen) rolg rörtoig • iTiel dl ttj ^taet tCjv 

Archiv für slavische Philologie. XXVI. 5 



66 A. Leskien, 

tÖTtwv STtolcoae rovg 7ioraf.iovg^ XoiTtov Ttoiel ev rig TtaQadeLoij) 
TC&v divÖQov u. s. w. ; in der slav. Entsprechung reicht bis rÖTtotg : 

VUKa SCMAEIO HHaKO HMOYHJH KaHkCTßO (sO ZU IcSCn), WKd }K( 
HH'KMH M'KCT'KI FßlJ^iT'h. npOTHEO^ AOJKK» TBOpClfJHI H p-fiKIÜ H 
KTiHOYCTvl KTk TOlUlOy TKOpHTTi KT». llCpO^'^ KCfeKT». A^V^'*^ ^- S- W. 

WO das Part, auf ivsa (den Fluss) bezogen, der Satztheil 6 . . . r6- 
TtoLg miss verstanden oder falsch gelesen ist. In dem folgenden 
Stück hat er gelesen etzI v^ d^ioEt st. Itvei, daher npoTHßo\f ao>Kio, 
und das eTtoiioGe missverstanden oder unvollkommen übersetzt als 
e7roü]0€, K'kKOYC'Ki hinzugefügt. 

CM3 a 2 Z. 17, vor BH^'^HHie ist Ha einzusetzen. — Z. 4 u. 3 
V. u. haben die Var. Bodj. c'kk'KA'^''^^'^''*ct''^^'s<* und Bciro das 
richtige. 

CMH a 1 Z. 15, H CTt:HTsJ ist = HS'k Cß'kH'KI, U^OQ Ix TOIXOV 

ßoä, Sev.480 Z. 23 v.u. — Z. 10 v.u., dem hah fehlt die Beziehung, 
vgl. iCora ev r) j-na ytsQala und die Var. Bodj. — Z. 5 v. u., 1. BAa- 
^TüKiki st. -KOy, OL rov TtävTOiV öeoTtÖTrjv aqvovfj.evoL, Sev. 480 
Z. 20 V. u. 

CMH a 2 Z. 3, c^e ciuiorpH v\i Kaho pascyiuia pao\" ce Kora 
CTCie^ia, zu lesen ist: ca« cmorpH h« raaroAa ho (= htsl) pa- 
so^Ma- paso^fMtH Kora CTOienia, lode TtqööEXE^ fxri Tfj Xe^ei, 
dkXa tfi Evvoia' evvö^jGov rov korüra d-EÖv, Sev. 480 Z. 17 v.u. — 
Z. 12, statt To i€CH TaM« 1. tc I6CTT».. h Tane; Z. 13, ck h 1. als 
CbH (für Ck) = hie. 

ciiii^a 1 Z. 4, 1. HiuiaTTk mit der Var. Bodj. statt hmo^tt».. — 
Z. 5, 1. pacnKTaierik st. -n'kiT-; Z. 6, st. CAOBfCHÖio 1. cacbecha», 
%va dh f-irj ^Qeilirj aov rrjv vÖGov fj ayvoia %Cov Xöywv^ Sev. 481 
Z. 18. — Z. 8 V. u., 1. p1s:K0)("K st. -kay'k, oder mit der Var. Bodj. 
P'kY''^- — Z. 6 V. u., lies ht». st. ht^ih^, richtig die Var. Bodj. 

ciui* a 2 Z. 3, st. npocra besser mit der Var. Bodj. npocTO. — 
Z. 5, 1. ^HBHia (so richtig die Var. Bodj.) st. BH^ira. — Z. 11 v. u., 
1. B'bamc st. craaujE. 

CM* b 1 Z. 11, raKO h;e ko aijjE HapEHEHH GoyAoyT'k to kohh 
Ha BOHHOY, HlJcapEMTi 3HaMEHHi€M'k 3HaMEH0\fK>TTv CE , ent- 
spricht: äoTtSQ Iciv GxqarEvS-CjGi^ Gcfqayiöi ßaGilixf] orji.iEiovvvat; 
wenn das kohh richtig ist, hat der Exarch es hinzugesetzt. 

CM* b 2 Z, 2 V. U., aOBETIk BOr'K HEBO 3EMAI0 H CKlMOY^Jaa 

CE BCE HHO (damit schliesst der Satz), steht an Stelle von : xaAei 6 



Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 67 

d-sbg ovQavov, yfjv, /tavra tu aXXa; was C'KUoyujTad c( sein soll, 
ist mir verborgen. 

CH a 1 Z. 8, st. i€AHH0i6 1. mit der Var. Bodj. ^V"'^"*^!«) opoua 
§ivov, Sev. 481 letzte Z. — Z. 15, vor Hapin« ist nf ausgefallen, u 
yccQ &£bg 8t£ avxov STiXuaev, oua elnev, Sev. 482 Z. 2. — Z. 9 v. u., 
T^AH ist das griech. d-i]lu, ib. Z. 5. — Z. 2 v. u., iipopoHKCTKO 
cbaujE np'k^AC rVi^>^"[>i] np'k,v'K Kaiucio aiobokhio KCf ckauif k 
v\iUi%. ist so ganz unverständlich, vgl. Sev. 482 Z. 8 : ^ nQocprjrela, 
T^v dielXov nqo f]f.ieQÜ>v Inl r^g v^iereQag uyccTtrjg (das ist Anrede 
an die Zuhörer = apud vestram amabilitatem), oXrj i]p Iv avtip; 
allenfalls kann man einen, wenn auch sonderbaren Sinn hinein- 
bringen, wenn man npopoMkCTBO \e'A{( K'Kawk u. s. w. 

cHb 1 Z. 5, der Satz schliesst mit ch, Subjekt zu BStra (= kti.- 
3/ATa, ex Tou dvÖQog avrrjg iXricpd^ri aurr^, Sev. 4S2 Z. 17. — 
Z. 7 V. u., muss getrennt werden HaKasa h (falls das h überhaupt 
richtig, ist es = eum oder zu fassen als »auch, sogar (f, wahrschein- 
lich ist es zu streichen), im Original nur i/raiöauaev uito rov itQio- 
Tov, Sev. 482 Z. 25. 

CH b 2 Z. 7 V. u., 1. a^v<*^*T* (Subj. zu K'k.SKoa'k) st. -na. 

cHa a 1 Z. 1, ToanK-K o\v\,'k HSHMaieTT». cf, toahko ptRpo 
HCTpeJK'k ce rojKe Hf K'KCTp'tJKeT'k et tojk« h£ ßkCKnpf^v,aaT'K 
(= B'kcnp/Ä;i,ai€T'K) cntH; es entspricht Sev. 482 Z. 26 v. u. to- 
GovTov uelog eTtaiQSTai, zoouvviq nXevqa ojtaQätTtrui^ 'auI oir/. 
a^vnviZETai b •/.adsvöcov] für Hcrpi/Kli eher zu lesen ncTp'kH;e = 
HCTp-KJKET'k (zu HCTpi^saTH, freilich hatMikl. LP dort ein Hcrpt:- 
jK;RTk); dasselbe Verbum wird in B'kCTp'kJKe ce (reisst sich empor) 
stecken, dann ist '/.al oir/. l^vrcviCExui zweimal übersetzt. — Tj^.X^^ 
zu \-OTC (Y^ta) fehlt der bezügliche Infinitiv del^ai, Sev. 4S2 Z. 22 
v. u. — Z. U v.u., die Var. Bodj. kw iipHHfTaATv ist eine Verbesse- 
rung des nicht verstandenen iipHMfTaT'k, dies ist = npHSfraaTTs. 
== -Taierii, vgl. das parallele gleich folgende pasAP'kuJaieT'K. — 
Z. 7 V. u., aiiif AH CBCsaBKi pasApIviuH (so die H., s. Popov), B't- 
A'KaiiJ«, KaKO »€ (= lecTT»,) cBcsaa'; das B'k^'kaiiif rührt daher, 
dass er in dem Satze ei de b örjaag eXvoep, fideiog /tiog eXvoev ge- 
lesen hat '^ÖEt, TiCog. 

CHa a 2 Z. 10, 1. MHoraHkCKivi (adv.' st. -cktvIH, 7toXv7tQayi.io- 
vovf^ev, Sev. 482 Z. 13 v.u., vgl. MHoran^^H niviTaiemH = noXv- 
7tqay(.iovBlg, Z. 3 v. u. — Die sonderbare Uebersetzung von y.aQÖlcc 

5* 



68 A. Leskien, 

XoyiCofxivri (Sev. 16 Z. 10 v.u.) durch cp'k/i,hne rH'feEdie et erklärt 
sich vielleicht dadurch, dass er cploytt^ofxivrj gelesen hat. — Z. 2 
V. U., HT». iVcpaS'K BHH;a>^ X^^ BkClJHkCK'K CH, allce Trjv elviöva 
XQiOTov ßXsTts Ttavtaxov', wenn man nicht annehmen will, dass 
die beiden letzten Worte für KKC'KHkCK'ki (adv., Ttavtaxov ungenau 
übersetzt, als wenn 7tavta.%G)Q, stünde) verschrieben sind, weiss ich 
mit ihnen nichts anzufangen. 

CHd b 1 Z. 7, 1. HJK« >KEHOK) st. H jKeHOK». — Z. 16, das i€rA<i 
lässt sich kaum verstehen, besser mit der Var. Bodj. lero, möglich 
wäre auch der poss. Dativ leMO^. — Z. 1 v. u., 1. o (iv, interj.) st. h. 

CHa b 2 Z. 16, st. OTivHk 1. OTkMk. — Z. 18, nach radCK fehlt 
BOJKHH, wahrscheinlich auch ct^ np'kea oder ein gleichwerthiger 
Ausdruck (vgl. die Var. Bodj.), näoa yaq cptovri d-eov aq^aia y.apoJv 
satL rfjg (föoecog, Sev. 483 Z. 12. 

CHß a 1 Z. 9, St. HitHli richtig die Var. Bodj. p'Ry'K, xal tovro 
ixhv eircov xara top vö/liov, Sev. 483 Z. 20. — Z. 6 v. u., nepEkiid 
ist = iip'Kß'KiMv, hat sicher in dieser russ. Form nicht ursprünglich 
in der H. gestanden. — Z. 4 v. u., 1. o^'^ats. st. -ht^. — 

CHß b 2 Z. 6, st. CAacTkHO 1. c'kH'tCTkHO oder ckiacTkHO, 
TiQoofpccyiov^ Sev. 483 Z. 11 v. u. 

Dass die berichtigende Kritik noch an manchen andern Stellen 
ausser den hier besprochenen einsetzen muss, ist mir nicht zweifel- 
haft; ich habe mich aber hier auf das Wegräumen grober Klötze 
beschränkt, um die Abhandlung nicht gar zu sehr auszudehnen, und 
aus dem inneren Grunde, dass man bei kleinen Anstössen oft nicht 
sicher wissen kann, wie weit sie der Unsicherheit und der unge- 
lenken Ausdrucksweise des Verfassers zur Last fallen. 

Verzeichniss der aus mittelbulgarischen Formen 
hervorgegangenen Schreibungen aus den oben behandelten 
Theilen des Sestodnev. Es fehlen in dieser Aufzählung wahr- 
scheinlich noch Beispiele, denn wo das Verständniss des Textes 
nicht ganz sieh er ist, kann man zuweilen nicht entscheiden, wie 
eine bestimmte Form zu fassen ist ; auch werde ich beim Lesen 
einige Fälle nicht aufgezeichnet haben. Es kommt hier auch 
auf Vollständigkeit nicht an, sondern nur darauf, eine An- 
schauung von der mittelbulgarischen Beschaffenheit des von dem 
Schreiber benutzten Codex zu geben. Zur Erläuterung setze ich 
einfach die altbulgarische Form daneben, die mittelbulgarische 



Zum ^estodnev des Exarchen Jobannes. 69 

kann jeder selbst herstellen, indem er für lo, oy einsetzt i*, *;, für 
16, { : Mi, 'ft u. ä. 

Prol. c b 1 Z. 15 H3R(^\(, -A'»^- — s b 2 Z. 5 HMoy, -M'ki. — 
(Von der neu beginnenden Zählung des eigentlichen Textes an) r a 1 
Z. 10 V. u. pfKOV, -KTvi, ebenso r b 1 Z. 7. — a a 2 Z. 5 v. u. npH- 
Aoy, -A'*^- — f b 2 letzte Z. rAaroAio, -amv. — «• b 1 Z. 5 hik», 
Hi€W\. — «. b 2 Z. 9 r/\aro/\io, -ma. — ai b 1 Z. 5 naoRoy, -rtvI ; 
8 u. 7 V. u. pacToy, rfi(,\o\', -tj. — ri b 1 Z. 12 0CTpKMa1vi€Tk, 
-hs^T'K. — RI b 2 Z. 3 V. u. 0YMKiiija1vK>, ~i\aiA. — Kr a 2 Z. 4 
leao^HKiHM'i^, !f.i\-. — KS a 1 Z. 7 maiiHhk», -hhiiA (gen. sg.). — 
K3 b 2 Z. 10 V. u. Riaw, -aa. — k* b 1 Z. 2 v. u. A**Af) -'^- — 
AR b 1 Z. 7 V. u. raaroaeipw, -aitF^lijk). — aa b 1 Z. 3 w, hÄ (a. pl.); 
2 Z. 1 Hanaraie h oycroY^KAtJieT'K, -fü^T'h. — ac b 2 Z. 15 hac>v, 
-A'W. — H3 b 1 Z. 2 i€, üR. — ^ a 1 Z. 12 JKHRoyH, -rt^ih. — §R a 1 
Z. 15 co\'iJJO\' H /Kfro\^, coyiU/Ä h JKtrij; 2 Z. 1 jKero^', -isi. — 
Mal Z. 8 v.u. KAkiiJoyipio, KAkip/AijjK» (doch s. Mikl.LP). — Mrbl 
Z. 12 V. n. noMHHaK», -Hawv. — pASa2Z. 14 CkRüAtTiAkCTROYio, 
-ctrcy»a; b Z. 10 V. u. lew, -I€IA. — pAH b 1 Z. 5 v. u. haoroyh, 
-RiüH. — pA«'a2 Z. 15 noA^K», -»»ä; Z. 3 v. u. lesHH'fe, ;r3-; b 1 
Z. 14 cAfA'tRaM', -tA; Z. 18 CKi^iTaio, -mv. — pM b 2 Z. 13 v. u. 
raaroAK», -AhÄ. — pMR a 2 Z. 11 v. u. coyahi^j c;RAHMi (n. pl.). — 
pmr a 2 Z. 4 mk>, a***^ j Z. 6 v. u. noMaraio, -m\] b 1 Z. 3 v. u. 

163'kKKIM'k, ;R3'kK'KIHMk. — pMA a 1 Z. 14 CTpOlOTT^, CTpOIATTi. 

— pMs a 1 Z. 15 pa30YMtßai€T'K, -krtti; b 1 Z. 13 tok>, toia; 
b 2 Z. 6 npHTTvHf, -M;¥i (a. sg.). — pM3 a 1 Z. 10 i€K>, lewi, ebenso 
Z. 14; Z. 5 V. u. CT0K51JJH, -iahjh ; b 1 Z. 8 v. u. np-kMtLH'tieT'K, 

-WiTT».; b 2 Z. 11 npHTHHfTTv, -M;iiT1»., Z. 16 CTOlOT'k, -bÄTTi. — 
pHblZ. 11 l€H;HKa, TfxTK-] Z. 9 U. 10 V. U. le^KHHHOie, ?f^}K-. — 

pHa b 2 Z. 14 CTOlOT'k, -iattv. — pHR b 2 Z. 2 npHaaraic, -ia. — 
pHA b 1 Z. 3 HMtK», -Mk, Z. 8 V. u. CHraio, -ia. — pHS a 2 Z. 9 V. u. 
npOA'kieT'k, -i^TT».; b 1 Z. 7 v. u. nankio, -ia (a. pl.). — pHH a2 
Z. 1 nonoYijjaK», -wv. — pH«- a 1 Z. 9 v. u. hmc, hmtü, Z. 8 v. u. 
raaroaeiijaarc», -ai^njaaro; 2 Z. 7 TRope, -pK^ (1. sg.); b 1 Z. 6 
©YnoRaiö, -hÄ, Z. 5 v. u. R'k3f MAeijif , -ak^hj« ; b 2 Z. 1 5 niiRaio, -lA. 

— päA a 1 Z. 3 HA'KH^f ipaa, -7K?f>.i\iAa, ebenso 2 Z. 6 v. u. ; b 1 Z. 16 
noRAaK», -hÄ; b 2 Z. 5 v. u. UAkHHio, MA'kHHMv (gen. sg.), Z. 1 v.u. 
K>7K(, lAJKf. — p^e a 2 Z. 1 i€>KHHkCTRO, ?f,^-, Z. 8 V. u. npHraa- 
maieTT»., -ks^ttv, Z. 4 u. 3 v. u. npiieMAio und npoAHRaio, -ia; b2 



70 A. Leskien, Zum Sestodnev des Exarchen Johannes. 

Z. 17 leroyAf, x,r-, Z. 18 k»k«, iA>Kt (n. pl. f.). — p^s b 2 Z. 1 v. u. 
TOio, TOhÄ. — p^3 a 1 Z. 10 Kcio, BCA (a. pl.); b 1 Z. 7 lew, leiA. 

— P|h b 1 Z. 2 V. u. K»K«, MkJKE (a. pl); b 2 Z. 4 v. u. ctoiött»., 
-lATTi. — ß^^ b 1 Z. 3 V. u. nAaBaieTT*, -iät'k; b 2 Z. 4 v. u. 
HcnAi^H'KK), -Mi. — po a 1 Z. 3 npHCToynaieiiJH, -ü^lijh. — poa b 2 
Z. 9 JKf/\ai€T'K, -lÄT^k; Z. 6 v. u. a^i^t^k, -krtt».. — poB a 2 Z. 4 
cfTTi, ca^Tis, ; b 1 Z. 2 saioiJtb, sai/M^k ; b 2 Z. 6 v. u. nA^t^KELpcie, 
n/\1vJK;sii|j/ÄbÄ. — por b 1 Z. 17 ri\(j^Aiei[i(j raA^aü^iiJe; b 2 Z. 8 
hcthh'h'Khijjoy, -uj/ä (a. pl.). — po^ b 1 Z. 5 a^V^^ ckotkio, 
AOV'^''^ ^'^•^'•''^'^ vgsg); b 2 Z. 14 raarcaenjf, -aitRHJ«. — poe b 1 
Z. 12 i€JKHMkCTBO, ;f;^-, Z. 14 naaßaieLjJHHM'K, -hSxLpHHMi».; Z. 6 
v.u. naaBaieipf, -ii¥iL[j£; b 2 Z. 2 lejKHMkCTBO, ;i^jk-. — po3 a 2 
Z. 2 V. u. KkiBaieT'K, -krtt*; b 2 Z. 10 v. u. i€AOAH, ^j^-. — pOH 
a 1 Z. 10 V. u., 2 Z. 10, Z. 15, Z. 3 v.u. i€AC>aii U.Ableitungen, 7ixj\,-^ 
2 Z. 10 V. u. lerAH, ;R,rAH, Z. 9 v. u. luecTOieroA'HtJYi»., -;^r-, Z. 5 
V. u. cctKOie, -ItR. — po* a 2 Z. 10 V. u. BtHi^o^, -ui^ (a. pl.); b 1 
Z. 17 Bce, BkCü^. — pna b 2 Z. 15 KfC'feA^V*^'*'''^? -krtt».. — pns 
a 2 Z. 9 V. u. pa>KAAi€Lpf , -h^i|jr, b 1 Z. 4 raaroAK», -ma, Z. 10 
npHi€M/\!0, -AMi. — pnA b 1 Z. 2 K>n;£, bÄJKf (a. pl.), Z. 5 v. u. kc- 
JKHH5, -bÄ (g. sg. f.). — pne b 1 Z. 13 Bf cSa^^V^j ~^- — P"^ ^ ^ 2- 1^ 
V. u. B'kA<^i€'^T^7 -KRTi^; 2 Z. 5 c'kB'KA'^i'^'^'^cTBOYieiiJa, -iJKL{ja; 

Z. 9 V. U. KOAkUJHJK», -UJ/fVhft, Z. 2 v.u. I€AHH0I€, -HOK^ {of-iOV)] b 1 
Z. 4 V. U. 3fMAK>, -AbÄ (g. Sg.). — pnsa 1 Z. 1 np1iCTC»K>HJHM'k, 

-bfti^JHHiui'K; b 1 Z. 12 V. u. BkiBai€LpHm, -i2f.i|jHia. — pnn b 2 Z. 8 
npHAOJKOY, -JK/Ä, Z. 2 V. u. npHi€MAKi, -Mi. — pn«^ b 1 Z. 11 V. u. 
npHROB'SA^i«? -•* (1- sg). — pM b 2 Z. 3 raaroAeijja, -AiT^Lya. — 
pHra2 Z. 11 V. u. i€TphHic»K?, ;^TpkHii^fiK. — cks a 1 Z. 6 V. u. 
Kt>Kf, wvjKf (n. pl. f.); 2 Z. 10 leroxfAf, ;Rr-, Z. 12 euBaioLtJOY, E'ki- 
BatJRUJT/Ä (a. pl.); b 2 Z. 11 i6>khkivi, ;^jk-. — ck3 a 1 Z. 18 i€?ki- 
MkNO^MOV, -^^- — CAa a 1 Z. 13 raAf, -A^\ b 1 Z. 11 i€»€, i€k^. 

— CAB a 1 Z. 3 noAi^niipEL|JE, -niip;^L|JE. — caa b 1 Z. 10 v. u. j^a- 
leTTk (so die H.), -ItRT'k. — ca3 a 2 Z. 10 v. u. CKa3aK>, -Wi. — cm«- 
a 1 Z. 6 V. u. leJKiMhCTBO, -;rjk-; 2 Z. 13 na'kJKfiiJeie, -H;;f»uJTAiA. 

A. Leskien. 



71 



Beiträge zn den Quellen des Gundnlic'schen »Osman«. 



Obwohl Herr A.Jensen sein Werk Gundulic und sein Osman 
nnr als Manuskript herausgab, wodurch ich eigentlich nicht berechtigt 
bin, an seiner Studie etwas auszustellen, wird er trotzdem hoffentlich 
meine kleinen Beiträge zu den Quellen »Osmans« als eine erwünschte 
Ergänzung seines Werkes ansehen und in einer neuen, für das grosse 
Publicum bestimmten, Ausgabe verwerthen. Der geehrte Verfasser 
wollte ja durch seine Studie, die ich auch Gelegenheit hatte, durchzu- 
lesen, anregend einwirken; und ich fühle mich umsomehr verpflichtet, 
ihm meine Beiträge zur Verfügung zu stellen, da erst sein Werk mich 
genügend über die Gundulic'sche Bibliographie informirt und überzeugt 
hat, dass einige Quellen »Osmans« den Forschern noch nicht genügend 
bekannt sind. 

In allen bisherigen Abhandlungen über »Osman« waren — wie 
auch Herr Jensen bemerkt — die polnischen Partieen der Dichtung 
nicht ausreichend erklärt; meine Beiträge behandeln nun eben diese 
Partieen, d. i. die Frage über einen der Helden der Dichtung, Korevski, 
— den Aufenthalt des Königssohnes Vladislaus in Ancona im Hause 
der Familie Gunduliö und theilweise über den Chotiner Feldzug 1621. 
Prof. Smiciklas erörterte zwar in seinem Vortrage'), warum der Dichter 
von den Polen und von dem Königssoune Vladislaus gesungen und doch 
seine Dichtung »Osman« benannt hat. Aus dieser Forschung geht her- 
vor, dass dem Dichter die Werke der heimathländischen Historiker 
bekannt waren, seine Vorkenntnisse in der slavischen Geschichte gebildet 
und seine slavische Sympathie begründet haben. Wenn wir aber die 
Jahre der Herausgabe dieser historischen Werke näher betrachten, so 
bemerken wir, dass sie entweder noch vor der Geburt Gundulic" er 
schienen sind oder in seine Jugend fallen. Somit konnte der Dichter 
diesen Werken nichts über Samuel Korecki und den Chotiner Feldzug, 
der erst im J, 1621 stattgefunden hat, entnehmen. 



postanku Gunduliceva »Osmana«. U Zagrebu 1887. 



72 Ossip Makowej, 

Woher kennt aber der Dichter die Abenteuer Korecki's, der eine 
wirkliche historische Person war, so genau, dass er sich gezwungen 
fühlt, ihn in ähnlicher Weise zu verherrlichen, wie dies auch polnische 
Historiker und Dichter gethan hatten? Woher kommt bei ihm eine so 
ungewöhnliche Polenfreundlichkeit? Warum verherrlicht er so maasslos 
den Königssohn Viadislaus, den Radziwil und Pac, während er manche 
wirkliche Helden aus dem Chotiner Feldzuge nur mit ein paar Worten ab- 
fertigt oder gar verschweigt? Waren etwa dem Dichter die polnischen 
Geschichtsquellen zum Chotiner-Kriege bekannt, oder stand er vielleicht 
in näheren Beziehangen zu den polnischen Helden seiner Dichtung? 
Solche Fragen kamen allen Forschern, die über »Osman« geschrieben 
haben, gewiss in den Sinn, — sie gaben aber höchstens kurzen Behaup- 
tungen oder ihren Vermuthungen Ausdruck. Doch hätte man nicht nur 
die von Gundulic benützten serbo-kroatischen Geschichtsquellen prüfen 
sollen — was schon Prof. Smiciklas gethan hat — sondern auch 
trachten, auf die erwähnten Fragen ebenfalls einzugehen. Die Nach- 
richten geschichtlicher Quellen decken uns zwar vieles auf, begründen 
aber doch die ausserordentliche Polenfreundlichkeit des Dichters, die ja 
nicht nur eine Meinungs- sondere auch Herzenssache ist, nicht. 

In dem Werke A. Jensen's finde ich in dieser Hinsicht bei- 
nahe dieselben Resultate, die schon bei früheren Forschern zu finden 
waren. Somit wird eine Lebensbeschreibung Korecki's und eine kurze 
Schilderung des Aufenthaltes Viadislaus in Italien nicht ohne Nutzen 
sein; sie werden uns verhelfen, noch besser die Entstehung »Osmans« 
zu verstehen und vielleicht sogar ein Bischen in das Geheimniss der 
beiden fehlenden Gesänge einweihen. 

I. 

Betrachten wir zuerst die Geschichte des Samuel Korecki, der 
in »Osman« Korevski heisst. Der Dichter schildert ihn als einen der 
berühmtesten Helden. Der Vojevode an der Donau hatte dem Korecki 
seine Tochter Krunoslava als Braut gegeben, weil er eben ein berühmter 

Mann war: 

Korevskomu je da vojvodi, 

ki junastvom svud se slavi, 

neka mjesta, ka gospodi, 

nakon sehe trvgja ostavi (Gesang V, 121) *). 

*) Ich citire nach der Ausgabe : Stari pisei hrvatski : Djela Iva Frana 
Gundulica. U Zagrebu 1877. 



Beiträge zu den Quellen des Gundulid'schen «Osman«. 73 

Korecki ist grossmüthig und edelsinnig: als einmal Rizvan-Pasa 
mit seiner Tochter von den Käubern gefangen genommen wurde, hat sie 
der ritterliche Korecki befreit. Die Folge dessen war die, dass sich die 
Tochter des Pasa in ihn verliebt hatte ^Gesang XII) i). Er lässt sich, 
nachdem ihn alle in der Schlacht verlassen haben, nicht leicht gefangen 
nehmen, sondern kämpft ungemein tapfer fort und unterliegt nur der 
überwiegenden Macht (Ges. V). Seine Befreiung aus der Gefangenschaft 
konnte als Friedensbedingung mit den Polen gestellt werden. In Wirk- 
lichkeit war dies nicht der Fall, trotzdem meint der Kizlar-aga, dass 
Korecki 

er toliko junak slavni 

glasovit je sred Poljaka, 

svi kolici da su spravni, 

za odkup njegov cinit' svaka (Ges. II, 457 ff.). 

Korecki ist also neben Viadislaus der am meisten gepriesene Held 
der Dichtung. 

Wer war denn dieser Held? 

Adam Rzazewski, der diese Frage schon im J. 1868 berührte, hat 
in dieser Hinsicht nur bemerkt, dass »Korecki eine Person sei, die eine 
besondere Studie erheische «2). Er hat aber diese Studie nicht geliefert 
und seine kurzen Bemerkungen über Korecki nicht begründet. Im J. 
1879 hat Brandt auf Grund polnischer Geschichtsquellen einige Lebens- 
ereignisse Korecki's hervorgehoben und seine zweimalige Gefangennahme 
festgestellt. Er nimmt an, dass Gundulic betreffs dieser zweimaligen 
Gefangennahme Korecki's nicht sicher war ; er meint aber, dass sich im 
n. Gesänge (495) »Osmans« Worte befinden, die als Andeutung daran 
gelten können. (Osman befiehlt, Korecki strenge zu hüten, neka u 
napried nije vriedan utiecati viek s prevara). Ueber die näheren Be- 
ziehungen Gundulic zuKorecki hat Brandt nichts zu berichten gehabt^). 
Eine kleineStudie über Korecki gab auch Markovic im J. 1S80 heraus^). 
Er meint, dass dem Dichter die zweimalige Gefangennahme Korecki's 
und seine Lebensereignisse näher bekannt waren, obwohl er die Ereig- 



1) Dieses Ereigniss hat Markovic in ßad jugosl. Akad., Bd. 52, S. 54 
erklärt. 

2) Biblioteka Warszawska, 1868, marzec, 433. 

3) HcTop. JiHT. pasöopx iioaMW HsaHa ryKÄy-m^a »OcMani» — PoinaHa 
EpaHÄia, KieBt, 1879 — S. 47. 

4) Rad jugosl. Akad., Bd. 52, S. 53—56 und 94. 



74 Ossip Makowej, 

nisse der Jahre 1616 und 1620 nicht ausdrücklich unterscheidet. Aber 
Marko vid weiss auch nicht anzugeben, woher der Dichter seine Kennt- 
nisse über Korecki hatte. Es ist auch leicht begreiflich, denn in den 
Werken, die er zu seinem Studium benützt hat ^), konnte er keine näheren 
Angaben finden. Prof. Smiciklas ging auf solche Einzelheiten auch nicht 
ein, und Herr Jensen folgte in dieser Frage nur den bisherigen For- 
schern nach 2). 

Eine möglichst begründete Annahme, wo und bei welcher Gelegen- 
heit der Dichter über Korecki gehört haben konnte, wäre insofern 
erwünscht, als sie uns manches in den Seelenvorgängen des Dichters 
erklären könnte. 

lieber die wichtigsten Lebensereignisse Samuel Korecki's berichten 
alle Historiker, die die Geschichte des osmanischen Reiches oder die 
der Moldau verfasst haben, aber ihre kurzen Berichte bieten für unsere 
Zwecke nur einen geringen Werth dar. Somit wäre es angezeigt, auf 
Grund polnischer und anderer Geschichtsquellen eine ausführlichere 
Lebensbeschreibung Korecki's zu entwerfen. Als Hauptquelle zu diesem 
Zwecke dient uns das kapitale Werk des Jesuiten Kaspar Niesiecki, das 
unter dem Titel y^ Korona polska ■przy zlotej wolnosci etc.«. in den 
Jahren 1728 — 1743 in Lemberg erschienen ist. Im zweiten Bande 
dieses Werkes (Buchstabe K) befindet sich eben eine, von Niesiecki auf 
Grund älterer ihm zugänglicher Geschichtsquellen, die er citirt, 
verfasste Biographie Samuel Korecki's, der ich nähere Daten und 
Einzelheiten entnehme und sie mit Angaben aus anderen Quellen ver- 
vollständige. 

Samuel Korecki, Michael Wisniowiecki und Jan Przerebski waren 
Schwiegersöhne des Moldauer Fürsten Jeremi MohyJa, Korecki hatte 
seine Tochter Katharina zur Frau. Als nun der Fürst Mohyla von den 
Türken entthront wurde, bat er seine Schwiegersöhne um Hilfe. Sie 
hatten auch unter Führung Korecki's ein Heer zusammengebracht, die 
Türken und den von ihnen angestellten Fürsten Stephan Tomsa verjagt 
und ihrem Schwiegervater den Thron zurückgewonnen. Aber Jeremi 
Mohyla starb nach einigen Monaten, und seinen Sohn Feter wollten die 



*) Hammer's : Gesch. des osman. Reiches ; — Morawski's : Dzieje na- 
rodu polskiego (III, Posen 1871) und gereimte Geschichten von Twardowski 
und Potocki. 

2) Gunduliö und sein Osman, S. 393. 



Beiträge zu den Quellen des Gunduliö'schen »Osman". 75 

Türken als seinen Nachfolger nicht anerkennen. Das gab den Grund, 
den Krieg weiter zu führen. Das Jahr lülG war voll von Siegen Ko- 
recki's, dabei aber auch von einigen kleineren Niederlagen begleitet. 
Erst das Jalir 1617 war für ihn ganz unglücklich. Sein Schwager, Mi- 
chael Wisnowiecki, starb, — Korecki war gezwungen, die ganze Last 
des Krieges selber zu tragen und, obwohl er noch in mehreren Zusam- 
menstössen die Türken besiegt hatte, erlitt er schliesslich bei Jassy doch 
eine Niederlage, in welcher er gefangengenommen wurde ^). 

Aus dem Jahre 1616 haben wir einige an Korecki gerichtete und 
von Ludwig Koudratowicz veröffentlichte Briefe-). Nach dem Tode des 
Jeremi Mohyia verblieben zwar seine Wittwe Elisabeth, sein Bruder 
Alexander und sein Sohn Peter, ausserdem auch seine Schwiegersöhne 
Korecki und Przerfbski in der Moldau; doch hatten die Familien Mo- 
hj'la, Korecki und Wisniowiecki viele Freunde und Anhänger in Polen. 
Der König Sigismund IIL unterstützte sie zwar der diplomatischen Ver- 
liältnisse wegen nicht, aber er und sein Cabinet waren ihnen gewogen. 
Das beweisen die von Koudratowicz veröffentlichten Briefe. Unter 
diesen Briefen gibt es einen von der Mutter Korecki's, die aus dem 
Hause Chodkiewicz stammte. Sie freute sich über die Triumphe des 
Sohnes, verlangte aber von ihm am .3. August 1616, dass er nicht die 
Frau und die Schwiegermutter bei sich behalte. »Domne to (die Schwie- 
germutter Korecki's) odeszlij do Polski, niech tam przy tobie nie bt^dzie, 
gdyz stysz^, iz sita jest na przeszkodzie; iona tez twa co tam czynic 
ma 10 lüojsku z tohq? czy nie lepiej jej jechac do domu, a tu spokojnie 
mieszkac? Kiedy by byJo spokojnie, to insza, ale w takicJi niehezpiecz- 
nosciach co maja biale giowy czynic? Wiem, ze pomocy zadnej nie 
masz z nich, a zawady gwait; abo nie daj Boze kiedy w jakom gwalcie 
jako ten orszak prowadzic bedzie . . . i sobie moze ich i dla ochrony zo- 
stawowac (?). Rozkazuje i prosz^, odeszlij zon? do domu i domna mogia 
by z nia jechac«. 

Wenn wir nun erwägen, dass die Mutter die Rückkehr Katharina's 
nach Polen erst im Spätsommer 1616 verlangt hat, und dass Katharina 
thatsächich zugleich mit dem Manne von den Türken gefangengenommen 
wurde, so ersehen wir daraus, dass sie all die zahlreichen Kriegszüge 
ihres Mannes, mitten im Heere in grossen Gefahren, wie die 



1) Die Historiker führen die Niederlage Korecki's auf das J. 1616 zurück. 

2) Przyczynki do historyi domowej w Polsce. Wilno 1858. 



76 Ossip Makowej, 

Mutter sagt, mitgemacht hat. Wir haben keinen Grund annehmen zu 
müssen, dass dieses Vorgehen der Katharina — Gundulic bekannt war; 
immerhin ist bemerkenswerth, das Krunoslava theilweise an Katharina 
erinnert. Krunoslava ist die Tochter eines Vojevoden an der Donau ; 
dieser Vojevode soll der zukünftige Schwiegervater des Korevski werden. 
Er befindet sich in türkischen Schwierigkeiten und Korevski zieht ins 
Feld, um seinen Schwiegervater zu retten (ganz so, wie es der geschicht- 
liche Korecki gethan hat). Krunoslava will mitgehen. 

Suproö Turcim na boj teski Vapec miada ne pristaje : 

tad u pomoc od susjeda Kud sam tako ides sada? 

i Korevski ban viteski Znas i u mene srce da je, 

s' oruzjem se dize ureda. ke se od smrti ne pripada; 

Nu od njegovieh naglieh sprava znas, da i ja pokoj tlacim, 

bojne odluke pokli vidi za ime dobit' s' bojnieh truda, 

vjerenica Krunoslava, megju kopjim, megju macim 

1 ona usta, da ga slidi, druzicu te verna svuda. 

(Gesang V, 130—140). 

Nur mit Mühe lässt sich Krunoslava überreden, zu Hause zu 
bleiben. Wahrscheinlich muss der Dichter doch etwas über Katharina 
gehört haben. 

Hier haben wir auch Gelegenheit, die Schilderung der letzten Nie- 
derlage Korecki's bei Jassy mit der in der Dichtung Gundulid' zu ver- 
gleichen. 

Die Türken — heisst es beim Niesiecki — belagerten Korecki in 
Jassy mit einem 200 000 Mann starken Heere. Indessen hatten die 
Kosaken Korecki verlassen, so dass ihm nur noch 800 Leute zurückge- 
blieben waren. Von einem Samstag bis zu einem Mittwoch vertheidigte 
er sich tapfer in den Schanzen, 40 000 (?) Feinde streckte er zu Boden, 
endlich aber, als das Pulver ausgegangen war, habe er eingesehen, dass 
sein Ende gekommen sei. Der Pasa wollte ihn lebendig gefangenneh- 
men und das sei ihm auch gelungen. Korecki kämpfte noch allein vier 
Stunden lang, bis er sich ergeben musste. Er stieg vom Pferde herab 
und warf seinen Säbel vor die Füsse des Pasa^). 

Ueber diese Niederlage verzeichnet Niesiecki noch eine andere 
Version, die ein gewisser Janczyn von Korecki selbst sich erzählen 



ij In derselben Weise wird die Gefangennahme Korecki's auch in einem 
Gedichte unter dem Titel : Lament o X-ciu Samuelu Koreckim geschildert 
(Ossolinische Bibliothek in Lemberg, Codex Nr. 605, Karten 73 — 74). 



Beiträge zu den Quellen des Gundulid'echen »Osman«. 77 

liess, als beide in Rom zusammentrafen (1618). Es heisst also, dass die 
Türken Korecki verrathen haben. Sie hatten erklärt, dass sie bereit 
wären, den Moldauer Thron dem jungenMohyla zu geben, wenn Korecki 
nur sein Heer entlasse. Er habe es auch gethan in der Meinung, dass 
die Türken ihr Wort halten werden; indessen kamen die Pasas Skinger 
und Imbraim (Skinder und Ibrahim) mit etwa 60 000 Türken und Ta- 
taren und haben Korecki in Jassy eingeschlossen. Korecki hatte nur 
3000 Leute mit sich, jedoch wollte er sich nicht ergeben. Drei Tage 
lang schlug er mächtige Anstürme zurück, als er aber endlich sein 
Lager von den feindlichen Geschützen gesprengt sah, hatte er sich als 
gewöhnlicher Soldat verkleidet, damit man ihn nicht erkenne, und so 
bis zum letzten Augenblicke gekämpft. Endlich hatte man ihn und seine 
Leute festgenommen; auch wurde er gleich an seinem ernsten Ge- 
sichte erkannt. 

Ganz verschieden schildert dasselbe Ereigniss Gunduli<5 in seinem 
V. Gesänge (170 — 215). Er schildert da zwar mit gleichfalls schönen 
Worten den lleldenmuthKorecki's, trachtet aber die Schuld der Nieder- 
lage den untreuen Moldauern (Bogdaniernl aufzubürden, die, obwohl 
nicht verfolgt, Korecki verlassen hatten und in's Gebirge entflohen waren. 
Korecki war ihnen nachgeritten, um sie zur Rückkehr zu bewegen; sein 
Pferd stolperte an einem Verhaue und er fiel gerade vor die Füsse der 
auf ihn lauernden Ungläubigen. Er vertheidigte sich noch lange, bis 
ihm schliesslich sein Schwert gesprungen war; dann hat man ihn von 
rückwärts an den Händen erfasst und gebunden. 

Auf Grund dessen, was da Gundulic in seinem V. Gesänge über 
den Verrath der Moldauer sagt, glaubte Brandt behaupten zu können i), 
dass Gundulic die Niederlage bei Cocora unter ^ölkiewski 1620 mit der 
des Korecki bei Jassy 1616 verwechselt habe. Aber die Worte des 
Dichters geben keinen Grund zu einer solchen Annahme. Die Moldauer 
haben weder Korecki noch ZöJkiewski bei Cocora verrathen und auch 
den Türken keine Hilfe geleistet. Ausserdem war bei Cocora nicht Ko- 
recki der eigentliche Held, sondern ^ötkiewski; auch hatte sich jener 
damals nicht so tapfer benommen, wie bei Jassy, und wurde auch mit 
anderen Edelleuten gefangen genommen. Indessen wird er in der Schil- 
derung Gunduli6 als der einzige tapfere Held und Gefangene bezeichnet. 
Nicht die Moldauer, sondern die Kosaken — wenn man der ersten Ver- 



1) HcTop. jiKT. pasöop'B, 41 



78 Ossip Makowej, 

sion Glauben schenken will — haben Korecki verlassen, und wenn ihnen 
Gundulic nichts Böses nachsagt, so thut er das wohl aus anderen 
Gründen ; entweder hatte er andere Berichte gehabt, oder er wollte den 
Ruhm der Kosaken nicht schädigen, weil er sie anderorts verherrlicht; 
den Moldauern aber war er nie gewogen. — Kurz gesagt: es ist zwar 
bei Gundulic die Schlacht bei Jassy nicht so geschildert, wie Historiker 
sie erzählen, aber die Schilderung stimmt auch mit den Berichten über 
die Schlacht bei Cocora nicht überein. Wir haben da wohl mit einer 
poetischen Licenz zu thun. 

Niesiecki erwähnt nichts davon, dass nach der Schlacht bei Jassy 
nicht nur Korecki, sondern auch die ganze Familie Mohyia's, somit auch 
die Frau Korecki's, nebst 500 Kosaken, gefangengenommen und nach 
Konstantinopel gebracht wurden. Das wird aber von den Historikern 
Morawski, Hammer und Zinkeisen bestätigt i). Ganz Konstantinopel, 
sogar Pasas und der Sultan waren ausgerückt, um den ungewöhnlichen 
Einzug Korecki's in die Stadt zu sehen. Dieser Held gefiel dem Sultan; 
er riet ihm, sich zum mahomedanischen Glauben zu bekehren und ver- 
sprach ihm dafür die grössten Würden in seinem Heere und am Hofe: 
Korecki aber wies diesen Vorschlag empört zurück. Darauf wurde 
er in ein Thurmgefängniss gebracht, wo er lange zu leiden hatte. 

Ueber das weitere Schicksal der Frau Korecki berichtet Hammer: 
Die Tochter der Domina (der Fürstin Wittwe), Korecki's schöne Ge- 
mahlin, war vermisst und erst nach einiger Zeit mittels des angebotenen 
Lösegeldes von 30 Tausend Thalern ausfindig gemacht worden. Dass 
sie von einem Tataren geschwängert wurde und mit Mädchen-Zwillingen 
niederkam, war lange Zeit hindurch der Stoflf türkischer Spottlieder 2). 
Ihr Mann blieb aber im Gefängnisse sitzen. 

Endlich soll er sich entschlossen haben, von der griech.-orthod. zur 
röm.-kath. Kirche überzutreten und nach Loretto zu pilgern, falls ihm 
gelingen sollte, aus dem Gefängnisse zu entfliehen. Und dies Gelübde 
soll ihm auch geholfen haben. Seine Frau hatte ihm Geld zugeschickt, 
während Sieniawski, der königliche Mundschenk, an ihn seinen treuen 
und vertrauenswürdigen, griechischen Diener absandte, der die Flucht 



*) Morawski: Dzieje narodu polskiego, S. 271. — Hammer: Gesch. 
des osm. Reiches (2. Auflage), B.II, 758 — und Zinkeisen: Gesch. des osm. 
Reiches in Europa (Gotha 1855), S. 730 — 731). 

2) Hammer, B. II, 758. 



Beiträge zu den Quellen des Gundulic'schen »Osraann. 79 

Korecki's zu Stande bringen sollte. Jener hatte in eine Weinflasche 
eine Schnur und eine Feile hineingesteckt und dem Korecki übergeben, 
Korecki gewann seine Wärter durch Geschenke, bewirthete sie vor der 
beabsichtigten Flucht mit Wein, so dass sie ein.schliefen, feilte drei 
eiserne Fensterstäbe durch und Hess sich mittels Schnur vom Thurme 
herab. Dann begab er sich verkleidet nach Konstantinopel. 

Hier folgen in der Erzählung Niesiecki's Worte, die für unseren 
Zweck sehr wichtig sind: »Von da reiste Korecki nach einiger Zeit 
nach Ragusa, später nach Sicilien (stamt^d po niejakim czasie 
do Raguzy, potem do Sycylii popiynat), indem er sich für einen Kauf- 
mann ausgab. Am Meere hatte er noch einen Zusammenstoss mit tür- 
kischen Räubern; als alle Matrosen in grosse Angst geriethen, flösste 
ihnen Korecki Muth ein und verjagte die Räuber. Von Sicilien begab 
er sich nach Rom, wo ihm der Papst Paul V. freundlich und zuvorkom- 
mend begegnete; von Rom pilgerte er, seinem früheren Vorsatze gemäss, 
nach Loretto; hierauf kehrte er in seine Heimath zurück. Das geschah 
im Jahre 161S. 

Aus diesen Angaben Niesiecki's ist ersichtlich, dass Korecki in 
Ragusa und Loretto war und somit auch in der nicht weit von Loretto 
entfernten Stadt Ancona, wo die Familie Gundulic ihr Haus besass, ver- 
weilen konnte. Wie lange, das wissen wir nicht, — sein Aufenthalt in 
Ragusa und Loretto aber ist sicher. Das ist für uns sehr wichtig, denn 
in dem Aufenthalte Korecki's in Ragusa, Rom und Loretto ist die erste 
Quelle der Entstehung der Dichtung »Osman« zu suchen. Wir dürfen 
zwar nicht behaupten, dass Gundulic Korecki persönlich kennen gelernt 
hat — wir haben keinen Beweis dafür; — aber das dürfen wir wohl 
annehmen, dass ein Flüchtling, der kein geringer Mann, sondern ein ange- 
sehener polnischer Fürst war, in einer kleinen Stadt, wie Ragusa, bemerkt 
werden und durch seine Erzählungen Sensation erregen musste. In 
dieser freien Stadt und später in Italien hatte er schon keinen Grund zu 
fürchten gehabt und konnte den ragusanischen Edelleuten, die er wahr- 
scheinlich um Gastfreundschaft und Schutz gebeten hatte, dann in Rom 
und Loretto seine Abenteuer erzählt haben. In Rom hatte er sie z. B. 
dem oben erwähnten Janczyn erzählt.) Diese Erzählungen von den ro- 
mantischen Abenteuern Korecki's gaben Gundulic den ersten Stoff zu 
seiner Dichtung *). 



1) Es gibt zwei Städte, die Ragusa heissen, die eine in Dalmatien (Du- 



80 Ossip Makowej, 

In denjenigen Handschriften und Büchern, die ich durchzusehen 
Gelegenheit hatte, fand ich keine ausführliche Schilderung der Flucht 
Korecki's aus der Gefangenschaft ; natürlich wird auch Ragusa in ihnen 
nicht erwähnt. Simeon Starowolski, der über Korecki im J. 1631 ge- 
schrieben hat, erzählt nur kurz: »Unde (von Konstantinopel) mirahili 
caUiditate cuiusdam. Graeci hominis liberatus, in Italiam navigavit 
profugus, et a Summo Pontifice Paulo V, paterne receptus, in patriam 
munitabundus rediit«. üeber Korecki äussert sich Starowolski in fol- 
gender Weise: »Etsi nostra potissimum aetas deserta, et laude orbata 
censeatur, nonnuUos attamen viros illustres, antiquis etiam comparandos 
protulit, quos inter etiam Dux Samuel Korecius numerari potest«^). 

Durch seine Rückkehr in die Heimath bereitete Korecki allen seinen 
Bekannten eine grosse Freude. Peter Gorczyn verfasste aus diesem 
Anlasse 1618 ein Gedicht — »Poean to jest wdzieczne pienie Kamoen 
Sarmackich na szczQsliwe zwröcenie J. Osw. J. M. P. Samuela Xiazecia 
naKorcu, wymienione d. T.lipca 1618(f — in welchem er dieser Freude 
Ausdruck gibt. 

Przewai^ne Xi^^e, gdys pod Akwilony 

Nazad sie wröcil z OttomanskieJ strony, 

Wszystkas Koroae radosci nabawil, 

A naprz6d Krakow: gdys tu sie wprzod ziawii, 

Gdzies sie obröcil, lud gminem za tob^ 

Chodzil, eiesz^c sie tw^ zacna osobq.. 

Und die Flucht Korecki's schildert Gorczyn in derselben Weise, 
wie Niesiecki: 

Czego tarn swiadkiem sq. wieie 1 mury 
I w morzu slonem zostawioue sznury, 
Ktöreö pomogly z wiezienia cieikiego 
I ratowaly zdrowia Xi^^ecego ! 
Nui zas na nogach wiele ok6w bylo, 
Ktörych twe serce m^drosciq pozbylo 2). 

Derselbe Dichter hat auch ein Gedicht über den 1618 erfolgten 
Tod der Frau Katharina Korecki verfasst. Prof. Brandt meint in seiner 



brovnik), die andere in Sicilien. In welcher der beiden Städte war Korecki? 
Nach Niesiecki war Korecki im dalmatinischen Ragusa, denn es heisst 
ausdrücklich: »Von Konstantinopel kam er nach Ragusa und später nach 
Sicilien«. Eine Bestätigung dieser Tbatsache wäre freilich erwünscht. 

*) Simonis Starovolsci Sarmatiae Bellatores. Coloniae Agrippinae, 
anno MDCXXXI, S. 228. 

-) Wiszniewski: Historya literatury polskiej, B. VII, 142. 



Beiträge zu den Quellen des Gundulid'schen »Osman«. g] 

Abhandlung (8. 46), daas es sich in diesem Gedichte wahrscheinlich 
um die Frau des Samuel Korecki handelt; indessen gibt der Inhalt 
dieses Gedichtes den besten Beweis dafür, dass da wirklich von der 
Frau unseres Korecki die Rede ist. Sie ahnt ihr nahes Ende und klagt 
darüber, dass ihr der Tod nicht damals die Augen geschlossen hat, als 
sie noch mit ihrem Manne in der Gefangenschaft sass. 

üdy ptacz znukomity 
Z oezu mych krwawy plynaJ, jako deszcz okwity, 
Gdyiu w poganskiej uiewoli bj'la, gdziem i swego 
W srogich okowach niiala me#,a kochanego. 
Id^c nie od rozkoszy, idq od trudnosci, 
Od praey, od frasuukuw, od lez, od ialosci *). 

Herr Jensen sagt (S. 393): »Dass sie (Katharina ihrem Mann nach 
Konstantinopel gefolgt sei, ist nicht historisch bewiesen«. Ich glaube, 
dass die oben citirten Quellen und das Gedicht Gorczyn's dies gentigend 
beweisen. 

Zwei Jahre später, im November 1620, wurde der unglückliche 
Fürst Korecki, in der Schlacht bei Cocora, zum zweiten Male gefangen 
genommen. Liske berichtet, dass er sich in dieser Schlacht gar nicht 
tapfer benommen habe; unter den Flüchtlingen sei er der erste gewesen, 
obwohl es ihm nicht gelang, zu entfliehen 2). Die Erinnerung an die 
frühere Gefangenschaft war gewiss die Ursache seiner Angst. Als er 
aber zu Pferde nach Konstantinopel geführt wurde, da habe er ganz 
munter Kobsa gespielt — erzählt Niesiecki. Man hatte damals auch 
andere Edelleute gefangengenommen, und zwar den Hetman Stanislaus 
Koniecpolski, Lukas Zöikiewski, Vladimir Farensbach u. a. Während 
der Friedensverhandlungen nach dem Chotiner Feldzuge 1621 hatte man 
mit dem türkischen Vermittler, dem Fürsten Kadula, auch über Freilas- 
sung der erwähnten Edelleute gehandelt; Radula hat aber die Polen 
gewarnt, dem Sultan etwas davon zu erwähnen, und richtig ist diese 
Angelegenheit nicht zur Sprache gekommen ^ . 

Korecki wurde wiederum mehrmals aufgefordert, sich zum maho- 
medanischen Glauben zu bekehren, er wies aber alle Anträge und 

1) Wiszniewski: Hist. lit. pol., B. VIII, S. 277 u. 278. (Der Titel des 
Gedichtes lautet: »Zalosnego a meinego z swiatem poiegnania. .. Katarzyny 
Xi^^ny Koreckiey wizerunek. 1618«.) 

2) Liske: Der türkisch-polnische Feldzug im J. 1620 (Archiv für Kunde 
Österreich. Geschichte. Wien 1869, XLI). 

3) Jözef Tretiak : Historya wojny chocimskiej. Lwöw 1889, S. 185. 

ArcMv für slavische Philologie. XXVI. Q 



82 Ossip Makowej, 

Versprechen zurück. Da wurde beschlossen, ihn als einen gefährlichen 
Feind zu behandeln und zu tödten. Er sass in einem Thurmgefängnisse ; 
vom unteren Thurme hat man ihn auf den oberen gebracht und dort 
wollten die Wärter ihn mit Schlingen fangen, um ihn zu erdrosseln. Rasch 
entwand er sich den geworfenen Schlingen, fiel über einen der Mörder 
her, griff nach seinem Messer — die Wärter waren nur mit Messern 
bewaffnet — und stark, wie er war, vertheidigte er sich derart, dass er 
mehrere Wärter niedermetzelte. Endlich aber waren seine Kräfte er- 
schöpft, er wurde erdrosselt. (Ein anderer Historiker, Janczyn, berichtet, 
dass Korecki mit ellenlangen Gerten zu Tode geschlagen wurde.) Seine 
Leiche hatte man vom Thurme herabgeworfen und begraben. Später 
wurde sie losgekauft, in einem mit Pech begossenen Sacke in die Hei- 
math gebracht und in der Franziskanerkirche zu Korec bestattet. 

Korecki — sagt Niesiecki in seiner Biographie — war hochge- 
wachsen, ungewöhnlich stark und tapfer; dabei fand er auch Gefallen 
an den Wissenschaften. Seine Jugend hatte er theils in der Schule, 
theils in fremden Ländern zugebracht; zu Hofe war er ein gerne ge- 
sehener Gast und auch mit vielen ansehnlichen Familien in Polen be- 
freundet. 

Dass Samuel Korecki seinerzeit eine allgemein bekannte Persön- 
lichkeit war und sein tragisches Schicksal Viele interessirte , ersieht 
man nicht nur aus den Berichten polnischer Historiker, sondern auch 
aus der poetischen Bearbeitung seiner Abenteuer in verschiedenen 
Sprachen. Nicht nur polnisch, auch französisch^) und kleinrussisch 
wurden seine Heldenthaten gepriesen. In der ukrainischen Duma steht 
der Name Korecki neben dem des Dmytro Wysneweckij 2] . Wahrschein- 
lich wurden im XVH. Jahrhundert den beiden Helden besondere Lieder 
gewidmet, weil aber ihr Schicksal ähnlich war, so sind die Lieder 
zusammengeschmolzen, so dass es eine Variante gibt, wo wir lesen: 
EyB naH KopeiiBKHH — 
^MHTpO BaniHOBenBKHH : 
Bin Heöecsy CHJiy Maß 

I BOIOBaB 

FpOMOM Ta CBOIM CJIOBOM 3). 

1) Der französischen Schrift erwähnt L. Finkel (Bibliografiaj historyi 
polskiej, B. I, 440). Sie führt den Titel: Baret Jean. Histoire sommaire 
(Charles Joppincourt sur Sam. Korecki) Par. 1620. — Die polnische Schrift: 
Piesn zacnym K. Sam. Koreckim, 1644. 

2) AHTOHOBHm. H ^paroMaHOBT,: HcTopaq. nicHH Majiopyc. napoÄa, I, 156, 

3) Vergleiche die Worte Gundulid' über Korecki: »Nosi munju u po- 



Beifräge zu den Quellen des Guuduliö'schen »Osman". 83 

Es steht also Gundulir niclit als der Einzige da, dem das Schicksal 
Korecki's den Stoff zu seiner Dichtung bot. Wir haben gesehen, dass 
dem Dichter in seiner Heimathstadt Kagusa, wenn nicht in Ancona, im 
J. ir»18 Gelegenheit geboten war, Näheres über die Abenteuer Korecki's 
und seiner Frau zu erfahren. Nach dem zu urtheilen, was der Dichter 
über die persönlichen Eigenschaften Korecki's und seine Verhältnisse 
in Moldau zu berichten weiss, könnte man sogar die persönliche Be- 
kanntschaft Gundulic's mit Korecki als wahrscheinlich annehmen : 
freilich sind wir nicht im Stande, sie zu beweisen. Von der zweiten 
Gefangennahme und Hinrichtung Korecki's konnte der Dichter entweder 
direkt aus Konstantinopel von den ragusanischen Gesandten und Kauf- 
leuten, oder vom Königssohne Viadislaus und seinem Gefolge in Ancona 
erfahren haben ^h 

Nachdem wir uns in dieser Weise, so weit möglich, vergewissert 
haben, dass dem Dichter die erste und die zweite Gefangennahme Korecki's 
bekannt waren, stellen wir die weitere Frage, welches Ereigniss, die Flucht 
oder die Ermordung Korecki's, er in seinem XIV. und XV. Gesänge be- 
handeln wollte? Es ist bekannt, dass diese Gesänge fehlen, und es würde 
gerade an sie die Aufgabe herantreten, die in den vorhergehenden Ge- 
sängen begonnene Schilderung der Abenteuer Korecki's zu Ende zu führen . 
Mit dieser Frage haben sich auch mehrere Forscher befasst, und Herr 
Jensen hat ihr einen besonderen Artikel in seinem Werke gewidmet, 
denn die fehlenden Gesänge gaben den Hauptgrund zu einem gelehrten 
Streite zwischen Pavic und Markovic, ob die Dichtung »Osman« eine 
einheitliche sei, oder aber zwei Dichtungen vorstelle. Den ästhetischen 
Untersuchungen der beiden Gelehrten und den scharfsinnigen Bemer- 
kungen Herrn Jensen's, der die Einheitlichkeit der Dichtung vertheidigt, 
alle Ehre! doch erlaube ich mir auf Grund der vorausgegangenen 
Schilderung und der Dichtung selbst Einiges in dieser Frage zu 
bemerken. 

Sorkocevic hatte bekanntlich die Dichtung mit der Freilassung Ko- 



gledu, grom u glasu, tres u ruci« (V. Ges. 173). — Ueber Wysneweckij-Bajda 
wird in der ukrainischen Duma gesagt, dass er zum Tode verurtheilt wurde 
und, schon an einem Haken oben auf dem Thurnie hängend, noch mit einem 
Bogen geschossen und mehrere Türken getödtet habe. Dasselbe wird auch in 
einer alten Handschrift dem S. Korecki zugeschrieben (Ossol. Bibl. in Lem- 
berg, Codex 722, S. 237 ff.). 

1) Davon wird noch weiter die Rede sein. 

6* 



84 Ossip Makowej, 

recki's und Krunoslava's vervollständigt; Matica Ilirska aber wollte im 
Anfang der 40 er Jahre eine neue Komplettirung der noch fehlenden 
Gesänge haben, weil »die Sorkocevic'sche Befreiung des Korevski der 
wirklichen Geschichte nicht entspreche«. Ivan Mazuranic meinte auch 
der Geschichtswahrheit zu folgen, indem er die fehlenden Gesänge mit 
der Ermordung Korecki's ausfüllte. Ich glaube aber, dass nur die 
Flucht Koreclii's und seiner Braut den Inhalt der fehlenden Gesänge 
hätte bilden können. (Ueber andere Episoden, die in diesen Gesängen 
zu erwarten wären, wie über die Rückkunft Kizlar-aga's mit Suncanica 
und Sokolica's Begegnung mit Osman, rede ich hier nicht.) Wir haben ja 
gesehen, dass der Dichter von der Flucht Korecki's Kenntniss haben 
konnte und dürfen deshalb annehmen, dass er dieselbe auch dichterisch 
behandeln wollte oder behandelt hat. Die Dichtung selbst gibt vielleicht 
einigen Grund zu dieser Annahme. 

Brandt und Markovic sind geneigt, die Worte über Korecki: »neka 
u napried nije vriedan utiecati viek s prevara« als eine Art Andeutung 
über seine frühere Flucht zu halten. Ich meine aber, dass diese Worte 
gerade als Andeutung der bevorstehenden Flucht gelten können. 
Die Worte stehen in dem Gespräche Osman's mit Kizlar-aga. Kizlar-aga 
schildert die Macht Polens und meint: 

Tim ako mir s njima zudi Pace tvrdieh od obzida, 

Tva vlas sklopit, care od cara, Gdje je zatvoren, oblas vasa 

Pomnom strazom cuva' i bljudi Pomnu i uzdanu strazu prida' 

Korevskoga tamnicara. Komu od vjernieh tvoieh pasa ; 

Er toliko junak slavni 

Glasovit je sried Poljaka, 

Svi kolici da su spravni 

Za odkup njegov cinit svaka (II. 449 — 460). 

Osman befiehlt darauf, einen Gesandten nach Polen wegen der 
Friedensverhandlungen abzusenden, und sagt dann: 

A na strazu stani jedan 
Korevskoga tamnicara, 
Neka u napried nije vriedan 
Utiecati viek s prevara 

(II. Gesang 493—496). 

Diese Worte sind nur so zu verstehen: dass Korecki nicht im 
Stande wäre, bevor der Friede mit Polen geschlossen würde, listig 
durchzugehen. Es ist also eine Andeutung an die bevorstehende listige 
Flucht. 



Beiträge zu den Quellen des Gunduliö'Bchen »OBman«. 85 

Ausserdem gibt es in der Dichtung noch eine Stelle, die vielleicht 
anders zu verstehen wäre, als man sie bisher verstanden hat. Armin 
Pavic wies darauf hin, dass sich in allen Handschriften am Schluss des 
XII. Gesanges zwei Strophen befinden, die nicht klar genug sind ^). Kru- 
noslava kommt zum Gefängniss Korecki's und — 

Oruzaniem slugam odi, Nu od tamnice jedva stupi 

Da Jtc uninre, viknu pasa. Priko praga dikla smiona, 

Krunoslava napried hodi, A raskohan zatvor skupi 

Ni ju pogiiba niedna strasa. I n suzanjstvu osta i ona. 

(377—584). 

Diese zwei Strophen haben die Forscher so ausgelegt, dassGundulid 
selbst nicht wusste, was er mit Korecki und Krunoslava anzufangen 
habe: sollte er Krunoslava tödten oder sie die Freiheit erringen lassen? 
Wir dürfen wohl glauben, dass Gundulic ganz gut gewusst hat, wie er das 
Ganze zu Stande bringen soll, d. h. so wie wir es annehmen. Er hat mög- 
licherweise die wirkliche Flucht Korecki's und die erdichtete der Kruno- 
slava in seine Combination genommen — das wäre ja das, zur Zeit Gun- 
dulic's von den Dichtern verlangte Wunderbare in der Dichtung! Korevski 
und Krunoslava erscheinen im »Osman« viel zu entschlossen, als dass 
ihnen eine gemeinsame Flucht nicht gelingen sollte gerade in der Zeit, 
bevor der Befehl Rizvan-Pasa's, Krunoslava zu tödten, ausgeführt wurde. 

Krunoslava benimmt sich in der Dichtung immer so, als wenn nur 
sie allein im Stande wäre, Korevski zu befreien. Nachdem sie eingesehen 
hat, dass sie mit Gewalt nichts erreicht, entschliesst sie sich List zu 
gebrauchen, sich als Ungar zu verkleiden und durch Bestechung ihr 
Ziel zu erreichen (VI. Gesang). Doch die Bestechung hilft nichts, Rizvan- 
Pasa lässt den Gefangenen noch stärker überwachen. Krunoslava, durch 
die Erzählung Kalinka's von der Liebe Korevski's und Ljubica ange- 
spornt, sagt in ihrer Klage: »Auf alle Wege, auf jede Weise will ich 
meinen Scharfsinn und Bestechungsgeld anwenden, bis ich eine ofifenbare 
Gewissheit der wahren Thatsache bekommen haben werde. Leicht sind 
mir alle diese Mühen; süss ist jede bittere Plage«. Sie begibt sich zum 
Rizvan-Pasa, stellt sich ihm als Bruder des Korevski vor und will ihn 
loskaufen. Rizvan-Pasa geht in den Handel ein und verspricht ihr sofort 
ein Rendez-vous mit dem Gefangenen zu verschaffen. Er führt sie 
wirklich bis zum Gefängniss, befiehlt aber, »da je umore«, sie betritt das 
Gefängniss und wird eingesperrt (XH. Gesang). 

1) Rad, B. 55. 



g6 Ossip Makowej, 

Sie befindet sich also im Gefängniss des Korecki und — versuchen 
wir nun den weiteren Inhalt zuzudichten — verwendet, wie sie versprochen 
hat, ihr Bestechungsgeld und ihren Scharfsinn zu ihrem Zwecke. Sie 
spielt die Rolle jenes Griechen, der dem Korecki in einer Weinflasche 
eine Feile und eine Schnur tibergeben hat. Krunoslava hat das alles 
mitgehabt; beide bewirtheten die Wärter mit Wein, feilten die Fenster- 
gitter durch und entflohen. Ihre glückliche Flucht hat die Freilassung 
Korecki's bei den Friedensverhandlungen mit Polen gegenstandslos 
gemacht, — das grosse Hinderniss, das sich der Dichter selber in seiner 
Erzählung gelegt hat, entfällt. Der Teufel (im XIII. Gesänge), der kurz 
vor der Flucht Korevski's undKrunoslava's die bösen Geister das lügen- 
hafte Gerücht verbreiten Hess, Korevski sei im Gefängniss getödtet 
worden, damit die Polen sich durch diesen Vertragsbruch zu neuen 
Feindseligkeiten hinreissen Hessen, wird — wie in so manchen anderen 
Fällen — auch in der Hinsicht enttäuscht: Korevski wurde nicht ge- 
tödtet .... 

Auch würde diese Erzählung ganz in der Art Gundulic' ausfallen, 
die Milorad Medini betont hat^). Gundulic (im Gegensatze zu Tasso) 
»perhorrescirte selbst den Gedanken, dass ein Christ eine Andersgläubige 
lieben könnte«. Und in »Oaman« haben wir solch einen Fall: die Ge- 
schichte derLjubica, die sich in Korecki verliebt hat. Wie konnte diese 
Geschichte enden? Doch nicht mit der Ehe Korecki's mit Ljubica, wie 
Kaiinka erzählt. Tasso lässt öfters seine christlichen Helden Anders- 
gläubige heirathen ; Gundulic hatte es gar nicht nöthig, dieses Seelen-Di- 
lemma zu lösen, denn die bevorstehende Heirath Korevski's mit Ljubica 
war nur von Kaiinka erdichtet, und wenn auch etwas an der Sache wäre, 
so hat die Flucht die ganze Angelegenheit ganz schön gelöst. Korevski 
hatte nach vielen Hindernissen — wie man eben in einer romantischen 
Dichtung erwarten muss — Krunoslava geheirathet — und dies war 
höchstwahrscheinlich ein Theil des Inhaltes der fehlenden Gesänge. 

Dagegen, dass der Dichter in den fehlenden Gesängen die Flucht 
Korecki's schildern wollte, kann man den Vorwi;rf machen, dass die 
Dichtung mit Ereignissen aus dem Jahre 1622 beginnt, und in jenem 
Jahre befand sich Korecki thatsächlich schon zum zweiten Male in der 
Gefangenschaft und wurde auch bald ermordet. Wie konnte denn der 
Dichter im J. 1622 die Flucht Korecki's schildern? Darauf kann man 



») Archiv für slav. Phil., B. XVII, 506. 



Beiträge zu den Quellen des Gundullö'schen «Oeman«. 87 

damit antworten, dass in »Osmann vieles nicht cbronologisch und wahr- 
heitsgetreu geschildert ist. Guudulic hielt sich an die Theorie Tasso's, 
nach welcher die schönste Aufgabe eines epischen Dichters in der Schil- 
derung der Siege der Christen über Ungläubige bestehe; zu diesem 
Zwecke habe der Dichter das Recht, sich ein beliebiges Thema zu wählen, 
geschichtliche Ereignisse zu ändern, umzustellen, zu idealisiren und dgl. 
Dieses Recht nützte Gundulic reichlich aus ; er gab z. B. dem Korecki 
eine Braut Krunoslava, obwohl er im J. 1022 schon ein Wittwer war; 
ähnlich stand ihm das Recht zu, auch andere Aenderungen vorzu- 
nehmen. 

Es ist nicht meine Sache und auch nicht nothwendig, die fehlenden 
Gesänge in trockener Prosa bis ins kleinste Detail zu vervollständigen 
— das überlasse ich der Phantasie der serbokroatischen Dichter, die 
sich vielleicht bemühen werden, noch einmal »Osman« zu vervollkomm- 
nen; — ich wollte nur zeigen, dass die Combination mit der Flucht 
Korecki's und seiner Braut manche Räthsel glücklich löst. 

Andererseits wollte ich das betont haben, dass der ragusanische 
Dichter den Fürsten Korecki ähnlich verherrlicht hat, wie die polnischen 
Dichter und Historiker. Und weil Gunduliti Polen niemals besucht hat 
und polnisch kaum verstand; weil er auch in den Werken der serbo- 
kroatischen Historiker nichts über Korecki finden konnte, — so ist die 
Quelle seiner diesbezüglichen Kenntnisse in dem 16 IS stattgefundenen 
Aufenthalte Korecki's in Ragnsa nnd Italien zu suchen. 

n. 

Die Schilderung eines anderen Ereignisses, von dem ich im Folgen- 
den berichten will, wird uns verhelfen, die Seelenvorgänge des Dichters 
noch besser zu verstehen. Es handelt sich darum, auch den Grund der 
ausserordentlichen Freundlichkeit des Dichters dem polnischen Königs- 
sohne Viadislaus gegenüber zu zeigen, der neben Osman der zweite 
wichtigste Held der Dichtung ist. 

Auf die Frage, warum Guudulic unter anderem den Königssohn 
Vladislaus als Gegenstand mehrerer Gesänge genommen hat, hat schon 
Prof. Smiciklas eine ausführliche Antwort gegeben. Er meint, dass »nas 
je pjesnik licem u lice mogao gledati slavljenoga kraljevida, bududega 
kralja miloga poljskoga ili slovinskoga naroda. Pjesnik sretan udisuci 
dah predragoga mu kraljevica mogao je sada tek svom dusom prihvatiti 



88 Ossip Makowej, 

valjda vec snovanu misao, da ga u velikoj piesni proslavi«i). Brandt 
betont auch, dass Gundulid in irgend welchen Beziehungen zu Viadislaus 
gestanden sei, er hat sie aber nicht näher bezeichnet 2). Markovic hat 
diese Frage auch nicht berührt 3). Und wer diese Beziehungen vermuthet 
hat, der that es hauptsächlich auf Grund einer Gedenktafel, die sich in 
einem Hause in Ancona, das einst der Familie Gundulic gehört hat, be- 
findet^). Auf dieser Tafel steht geschrieben : 

Vladislao Sigismundi Polonorum regis filio 
Scytharum Turcarumque Triumphatori invicto 

Gundula familia 

Hospiti suo; ut 
Cuius humanissimam Majestatem 
Semel in his aedibus aspexit, 
Semper in imagine suspiciat. 

Diese Tafel beweist schon an und für sich, dass Viadislaus wirklich 
die Familie Gundulic besucht hat und dass sie diesen Besuch für eine 
ausserordentliche Auszeichnung gehalten hat. Was Herr Jensen in dieser 
Frage Neues gibt (siehe S. 415 — 418), ist insofern wichtig, als er 
nähere Kenntnisse über das Besitzthum der Familie Gundulic in Ancona 
darbietet, die Reise Vladislaus in Italien erwähnt, aber den Aufenthalt 
des Dichters in Ancona bezweifelt. 

Ich bin in der Lage, auf Grund eines besseren Reisetagebuches, 
als das von Jensen citirte (Wassenbergs), über den Aufenthalt des 
Königssohnes Vladislaus in Italien (auch in Ancona) Näheres zu be- 
richten. Dieses Tagebuch gibt uns Anlass zu einigen merkwürdigen 
Bemerkungen. 

Vladislaus verweilte in Italien seit November 1624 bis Ende März 
1625, also beinahe ein halbes Jahr. Diese Reise Vladislaus' hat sein 
Secretär Stephan Pac in einem Tagebuche aufgezeichnet 5). In diesem 
Tagebuche berichtet Pac, dass Vladislaus sich während seiner Krank- 
heit im Chotiner Feldzuge vorgenommen hat, zur Mutter Gottes in Lo- 
retto zu pilgern. Im November 1624 erschien er wirklich in Italien. 
Nach Loretto reiste er über Parma, Mantua, Modena, Bologna, Pesaro 



») postanku ... 23. 

2) HcT. AKT. posöopt, 7. 

3) Rad. jug. Akad. B. 52, S. 69. 

*) ManymeBt: HsciiflOBaHia oöt Hcxop. naMflTHHKaxt h ÖHTonHcaiejHxx 
ÄyöpoBHHKa, S. 239. 

5) Obraz dworöw europejskich na pocz^tkuXVIIwieku. . . Wroclaw 1854. 



Beiträge zu den Quellen des Gunduliö'schen »Osman«. 89 

und Rimini. Am lU. Decembor 1621 kam nacli Rimini der päpstliche 
Gesandte Magalotti mit einem päpstlichen Schreiben, in welchem Vlu- 
dislaus als Triumphator und Bescliiitzer der katholischen Kirche ge- 
priesen wird^). Drei Tilge später, unter dem Datum lli.December lü24, 
lesen wir in dem Tagebuche: «In den Verbrannten Häusern, die von 
den Italienern Gase Brugiate genannt werden, gab Herr Magalotti, der 
päpstliche Gesandte und unser Begleiter, ein ausgezeichnetes Mittagsmahl 

— und trennte sieh von da bis nach Rom nicht mehr von uns. Ueber- 
nachtet haben wir in Ancona in einem bequemen Palaste 
eines der dortigen Edelleute, wir vurden auch geziemend 
bewirthet, (Na noc bylismy w Ankonie w paiacu szlachcica jednego 
tamecznego wczesnym i traktaey^ przynaleznij mielismy)«^). 

Obwohl hier Pac den Namen Gundulic nicht nennt, so beweist doch 
die oben erwähnte Gedenktafel, dass Viadislaus eben das Haus Gundulic 
besucht hat, und zwar am 13. December 1624. Es sind also die Worte 
»hospiti suo'< nicht umsonst auf der Tafel gemeisselt; Vladislaus war 
also wirklich ein Gast der Familie Gundulic ■'). 

Das Gefolge des Königssohnes bestand — wie aus dem Tagebuche 
Pac ersichtlich ist — aus mehreren Personen : da waren der lithuanische 
Grosskanzler und Hofmeister Fürst Radziwii, der lithuanische Secretär 
Stephan Pac, der Starosta aus Kalus Lukas Zölkiewski, mehrere Diener 

— und der päpstliche Gesandte Magalotti. All die Gäste hat die Familie 
Gundulic in ihrem Hause bewirthet. 

Herr Jensen sagt (S. 417): »Dass der Dichter selbst dabei gewesen 
ist, kann man nicht vermuthen; man weiss überhaupt nicht, ob er in 
Italien je gewesen ist«. Ich habe keinen Beweis, um das Gegentheil be- 
haupten zu können; die begeisterte Art und Weise aber, in welcher 
Gundulic den Königssohn und auch die beiden anderen Wür- 
denträger, Radziwii undPac, schildert, lässt wenigstens die Annahme, 
dsss er sich von seiner Familie in Ancona über die Gäste genau berich- 
ten liess, als begründet erscheinen. Er legt in seiner Dichtung Zeugniss 
dafür ab, dass er wusste, wer da, ausser dem Königssohne, seine Familie 
durch einen Besuch ausgezeichnet hatte. Die viel gepriesene Freund- 



1) Der ganze Brief des Papstes ist in dem genannten Tagebuche, S. 118, 
abgedruckt. 

2) Obraz dworöw, S. 120. 

3) Prof. Smiciklas hat die Worte »hospiti suo« in seinem Vortrage aus- 
gelassen; sie befinden sich aber in dem Werke Makusev's. 



90 Ossip Makowej, 

lichkeit Viadislaus mag auf die Familie Gundulic einen so starken Ein- 
druck gemacht haben, dass sich ein Mitglied dieser Familie, der ragu- 
sanischeDichter, verpflichtet fühlte, und es als eine Art Dankbarkeit für 
die Auszeichnung betrachtete, ihren königlichen Gast in seiner Dichtung 
zu verherrlichen. 

Während des Gastmahles hat man gewiss auch viel über die Ereig- 
nisse im Chotiner Feldzuge gesprochen. Diese Ereignisse waren bekannt- 
lich nicht durchgehends ruhmvoll, aber bei einer »geziemenden Bewir- 
thung« vor drei Hundert Jahren hat man gewiss mit Heldenthaten nicht 
minder geprahlt, wie es auch jetzt nach einem Kriege der Fall ist. Da 
sass eben am Tisch der Triumphator, der Königssohn, der den Chotiner 
Feldzug mitgemacht hat. Obwohl er während der ganzen Belagerung 
Chotins das Bett hüten musste und sich desswegen durch keine Helden- 
thaten auszeichnen konnte, bereiste er doch später Europa als Trium- 
phator und erntete Lorbeeren. Der Krieg hatte für ganz Europa doch 
gut geendet, — Grund genug, um hohe Lieder zu singen und Triumphe 
zu feiern. Die Familie Gundulic sah sogar den Triumphator im eigenen 
Hause, der Dichter hörte über diese Triumphe und sang auch : 

prislavni kraljevicu, 

Nedobitna tvoja dila 

Ja bugared slavan bleu; 

Ta je imena tvoga sila! (III. Gesang, 137 — 140). 

Kraljeviöu, zivi, zivi Rasti, rasti, Vladislave, 

Nedobitan do vik vika; Svi narodi tvoj glas cuju, 

U pravednoj suprotivi I za jedne tvoje glave 

Dobi tvoga odmetnika ! Sto kruna ti od sad kuju. 

(III. Gesang, 189—196). 

Diese Apostrophen, deren Zahl in der Dichtung viel grösser ist, 
klingen wie — nehmen wir an — Complimente des entzückten Dichters 
während des Gastmahles im Palaste zu Ancona und beim Abschiede des 
Königssohnes. Wir finden in ihnen mehr lobende Phrasen, als Kenntnisse 
über »nedobitna dila« des Königssohnes, was auch in der ganzen Dich- 
tung bemerkbar ist. 

Dass der Dichter in seinem Epos die theueren Gäste besonders 
auszeichnen wollte, erkennt man auch an anderen Personen seiner 
Dichtung. Im Gefolge des Königssohnes befand sich, wie ich schon er- 
wähnt habe, der lithuanische Grosskanzler Fürst ßadziwil, der bei 



Beiträge zu den Quellen des Gunduliö'schen «Osman». 91 

Chotin unter dem Befehle des Königssohnes in seinem Kegimente stand'). 
Denselben Radziwil nennt auch Gundulic' an erster Stelle bei der 
Beschreibung der Gobelins im königlichen Schlosse zu Warschau, der 
eine Scene aus dem Chotiner Kriege vorgestellt hat. 

Radovilski knez ono je, 

Vodi tri ctte iz daiecc, 

Iz najdaljieh drzav, koje 

Val njemskoga mora obtjece (XI. Ges., 197 — 200). 

Gleich als zweiten Helden nennt der Dichter den Stephan Pac, 
den Verfasser des oben genannten Reise-Tagebuches. Stephan Pac kam 
als ein der italienischen Sprache mächtiger Leiter des ganzen Gefolges 
und Secretär des Königssohnes mit verschiedenen Leuten in Berührung. 
Nun sei bemerkt, dass derselbe Pac im Chotiner Feldzuge mit seinen 
150 Reitern, nicht als Ftlhrer, sondern als Untergeordneter imRegimente 
des Chodkiewicz, theilgenommen hat 2). Indessen bezeichnet ihn Gundu- 
lic unter den nicht zahlreichen Heerführern, die er beim Namen zu 
nennen weiss, als Grosskanzler und Führer der lithuanischen Schaaren. 

Glavn imaju Pac Stjepana3), 

Velikoga kangjiliera, 

Jase junak konja vrana; 

Vran stit i vrana ima pera fXI. Ges., 217 — 220). 

Wie ist nnn Pac in der Dichtung zu einem lithuanischen Gross- 
kanzler befördert worden? Zur Zeit seines Aufenthaltes in Ancona war 
er nur der lithuanische Secretär und Referendar; erst im J. 1635 wurde 
er zum lithuanischen ünterkanzler ernannt und starb auch auf diesem 
Posten im J. 1640 4). Dieser Fehler ist nur durch die Unkenntniss des 
Dichters zu erklären. Wir wissen nicht, wie sich die vornehmen Gäste 
der Familie Gundulic vorgestellt haben; der Dichter hat nur erfahren, 
dass seine Familie zwei lithuanische Würdenträger besucht haben und 



1) Pauli : Patni^tniki o wyprawie chocimskiej. Krakow 1853. (Siehe : 
Ordynacya pulk6w polskich pod Chocimem 1621). 

2) Ibidem. 

3) In der kritischen Ausgabe »Osmans« vom J. 1877 lesen wir anstatt 
»glavu imaju Pac Stjepana« — «glavu imaju deli Stjepana«, obwohl in vielen 
Handschriften Pac statt deli geschrieben steht. Das Wort ist richtig Pac zu 
lesen, so wie es in der Ausgabe »Osmans« 1814 war. 

*) Obraz dworöw, S. IV. 



92 Ossip Makowej, 

30 hat er die Würde des Fürsten Radziwil dem Secretär Pac zuge- 
schrieben. 

Immerhin ist es bezeichnend, dass der Dichter die beiden Herren, 
die die Gäste seiner Familie waren, als die ersten Helden nennt, und 
ausser ihnen nur noch die Namen Sienievic (recte Zenovic), Zamojski, 
Sieniawski, Chodkiewicz und Sajdacki (recte Sahajdacnyj) zu nennen 
weiss, obwohl das Verzeichniss der in den Feldzug Ausgerückten viele 
andere berühmte Namen (z. B. Lubomirski) ausweist. Die Vermuthung 
liegt nahe : beim Tische war die Rede über den Chotiner Feldzug ; da 
hat man im Gespräch einige Namen der Heerführer genannt und diese 
hat der Dichter — die Namen Sienievic, Sajdacki sogar fehlerhaft — 
im Gedächtniss behalten oder von seiner Familie zu hören bekommen. 
Man darf auch annehmen, dass die Familie Gundulic bei dieser Gelegen- 
heit auch Näheres über Korecki erfahren und auf diese Weise die 
Kenntnisse des Dichters über ihn vervollständigt hat. Der Besuch des 
Königssohnes und seines Gefolges in Ancona war also im Leben Gun- 
dulic ein wichtiges Moment, das zur Entstehung »Osmans« manche Züge 
geliefert hat. 

Auf den Dichter müssen auch die laut gewordenen Nachrichten 
über die Triumphe Viadislaus in Italien einen grossen Eindruck gemacht 
haben. Von Ancona reiste Vladislaus, als andächtiger Pilger, theilweise 
sogar zu Fuss, nach Loretto, später über Macerata u. s. w. nach Rom. 
Pac berichtet in seinem Tagebuche, mit welcher Begeisterung Vladislaus 
überall in Italien begrüsst wurde. In Rom verweilte er seit dem 20. De- 
cember 1624 bis zum 2. Jänner 1625, dann besuchte er Neapel und am 
19. Jänner kehrte er nach Rom zurück, wo ihn der Papst durch 
Uebergabe eines Degens und einer geweihten Mütze besonders ausge- 
zeichnet hat. 

Auf allen Höfen Italiens wurde er feierlichst begrüsst; um ihn zu 
ehren wurden Festspiele, Festvorstellungen, Ritterspiele, Ballette u. a. 
veranstaltet. Aus dieser Zeit stammen auch einige italienische Druck- 
schriften, die sich auf den Aufenthalt Vladislaus in Italien beziehend. 



1) Die Titel dieser Schriften, die leider schwer zu bekommen sind, sind 
bei Finkel : Bibliogr. bist. pols. I, 422 verzeichnet. Sie lauten : 

a) Sirigotti Lorenzo: La pratica di prospetiva al Ladislao, Venetia 
1625. 

b) La precedenza delle dame, Fiorenza 1625. 



Beiträge zu den Quellen des Gundulic'schen »Osman«. 93 

Dabei ist noch zu bemerken, dass es auch gleichzeitige polnische pan- 
egyrische Gedichte gab, die möglicherweise vom Gefolge des Königssohnes 
nach Ancona gebracht wurden. (Davon wird noch später die Rede sein.) 
Es war also in der Nähe Ragusas, in Italien, durch ein halbes Jahr eine 
Stimmung, in welcher ein begabter Dichter, wie Gundulic, dazu noch 
durch den Besuch des Triumphators in Ancona angespornt, nicht umhin 
konnte, die Verdienste des Helden dichterisch zu schildern. Dies 
hat er auch gethan: zwar nicht den geschichtlichen Thatsaclien getreu, 
dafür aber ganz im Sinne der begeisterten Verehrer Vladislaus während 
seiner Reise durch Italien. Man hat damals nicht in Erwägung gezogen, 
dass Vladislaus bei Chotin krank lag und dass um den Ausgang des 
Feldzuges die grössten Verdienste Chodkiewicz und Sahajdacnyj sich 
erworben hatten ; man hielt den Königssohn für einen wirklichen Helden ; 
auch der Papst bezeichnete ihn als den Besieger der Türken und den 
Beschützer der Kirche — dieses Schreiben dürfte die Familie Gundulic 
in Ancona gesehen haben — somit war er ein Triumphator. So hat 
ihn auch die Familie Gundulic auf der Gedenktafel bezeichnet (trium- 
phator invictus und als einen Triumphator schildert der Dichter ihn 
auch in »Osman«. 

Vladislaus verliess Italien Ende März IG25. 

Wenn wir nun chronologisch die Thatsacheu, wie: den Aufenthalt 
Korecki's in Ragusa, den Chotiner Feldzug, die Ermordung Osman's, 
den Besuch Vladislaus in Ancona, die näheren Beziehungen des Dichters 
zu ihm, zum Fürsten Radziwit und Pac, und schliesslich die Triumphe 
Vladislaus in Italien — aneinanderreihen, so bekommen wir sieben Jahre 
Zeit, in welcher sich in dem Bewusstsein des Dichters Eindiücke und 
Kenntnisse sammelten und die Absicht, ein grosses dichterisches Werk 
zu verfassen, um diesen Eindrücken und Kenntnissen den Ausdruck zu 
verleihen, nach und nach reifte. Es kam dies alles nicht auf einmal 
und nicht nur auf Grund der gelesenen gelehrten Werke; zu seiner Lee- 
türe der kroatischen Historiker und zu seinen Nachrichten, die ihm von 
den Gesandten in Konstantinopel zugekommen sein konnten, gesellten 
sich nähere Beziehungen des Dichters zu einigen vornehmen Polen, 



c) Saracinelli Ferd. La liberatione ili Ruggiero baletto al Ladislao 

Sigistü. princ. di Polonia, 1625. 
d)CicogniniI. II gran natale di Christo al Ladislao princ. di Pol., 

Fiorenza 1625. 
e) Vladislai princ. Carmen ad urbem Eomam 1625. 



94 Ossip Makowej, 

Erzählungen der Augenzeugen, — überhaupt die persönlich durch den 
Dichter selbst in seiner Nähe gesammelten Thatsachen und Eindrticke. 
Man ersieht aus dem »Osman«, dass er darnach gesucht und thatsächlich 
vieles gefunden und gesammelt hat. 

III. 

Ich will nur noch einiges zur Gunduliö' sehen Schilderung des Cho- 
tiner Feldzuges 1621 bemerken. Es sind noch zur Zeit, als der Dich- 
ter lebte, einige Schriften über diesen Feldzug erschienen; soweit 
liegt die Versuchung nahe, dieselben mit der Dichtung » Osman « zu 
vergleichen. Leider konnte ich, ausser zwei polnischen Tagebüchern, 
keine Schrift mehr finden, — eine jede gilt heute als Seltenheit, und ist 
mir nicht bekannt, dass sie irgendwo abgedruckt wäre. Wenn ich aber 
diese Schriften an dieser Stelle nenne, so thue ich das in der Hoffnung, 
dass es vielleicht Jemandem gelingt, sie ausfindig zu machen. 

Im J. 1621 erschien ein von Prokop Zbigniewski verfasstes Tage- 
buch unter dem Titel: »Adversaria albo terminata sprawy wojennej etc.ft 
Dasselbe Tagebuch erschien auch italienisch: »Relazione della guerra 
trä la Serenissima Maestä di Polonia et il potentissimo Imperatore de 
Turchi, fatta neu' anno 1621. Nella quäle s'intendouo diverse battaglie, 
scaramuccie et assalti«. Es war also dieses Werk Gundulic zugänglich. 
Ein Vergleich des polnischen Textes dieses Tagebuches, der bei Pauli 
abgedruckt ist^), mit »Osman« führt nur zu dem Resultate, dass dieses 
Werk dem Dichter unbekannt war. Dasselbe gilt auch vom polnischen 
Tagebuche des Grafen Jan Ostrorog, welches in Posen 1622 erschien, 
und auch bei Pauli abgedruckt ist. Ein Jahr vor dem Tode Gundulic' 
(1637) wurde in Krakau ein Tagebuch von Jan Inocentz Petrycy unter 
dem Titel »Rerum in Polonia ac praecipue belli cum Osmano gesti hi- 
storia« herausgegeben. Das Werk war kaum dem Dichter bekannt. 
Prof. Finkel verzeichnet 2) eine italienische Schrift unter dem Titel: 
»Strutuoioski (?) Stan., La grande mttoria per mano d'Iddio al Sigis- 
mondo III contra i Turchi l'anno 1621 tradotta dalla polacca da S. Far- 
czeuoski (?), Firenzev.. Die Schrift soll kurz nach dem Feldzuge heraus- 
gegeben worden sein. 

Pauli nennt noch (S. VI) vier panegyrische polnische Dichtungen, 

1) Pami^tniki o wojnie chocimskiej. Krakow 1853. 

2) Bibliografia historyi polskiej, B. I, 441. 



Beiträge zu den Quollen des Gunduliö'.schen "Osinan«. 95 

von denen die zwei ersten vom Gefolge Vhidi.slaus nach Ancona gebracht 
werden konnten (Jan Bojanowski: Naumachia chocimska«, Jarosiaw 
1622 — und liartiomicj Zimorowicz: »Panii;}tka wojny tureckiej l()21a, 
Krakow \H2'X\, — leider sind auch diese Schriften weder in Krakau 
noch in Lemberg noch in Wien zu bekommen. 

Solange diese Schriften mit »Osman« nicht verglichen sind, darf 
die Behauptung, dass sie der Dichter zu seiner Schilderung des Chotiner 
Feldzuges nicht benützt hat, aufrecht erhalten werden. Solche panegyri- 
sche, polnische und italienische, Schriften könnten uns vielleicht die 
Stimmung derjenigen Zeit verrathen, vielleicht haben sie mit den Apo- 
strophen Gundulic' an Viadislaus etwas Gemeinsames, — leider sind wir 
nicht im Stande, diese Frage näher zu erörtern ^). 

Was von der Gundulic'schen Schilderung des Chofiner Feldzuges 
mit der geschichtlichen Wahrheit übereinstimmt und worin jene von 
dieser abweicht, das haben schon vor Jahren Brandt 2), Markovic^) und 
Pavic'-*] hervorgehoben. Alle haben das bemerkt, dass die Gundulic'sclien 
Kenntnisse in der polnischen Geschichte mit denen in der türkischen 
nicht zu vergleichen sind. Thatsächlich bemerkt man in der Schilderung 
des Chotiner Feldzuges eine gewisse Unbeholfenheit, einen Mangel an 
historischem Stoff, an Einzelheiten, so dass er sich gezwungen sieht, 
sich kürzer zu fassen und, statt ausführlicher Beschreibungen, allgemeine 
Bemerkungen zu geben, wie z. B. : 

Ali u nebu razvedrenu Er nie \\ poijskoj zemlji toga 

Prie bi zbrojil sitne zviezde, Mjesta mala ni velika, 

Neg' vojevode po imenu, Ko vojevodu ne ima svoga 

Ki za oviem opet jezde; I osobna plemenika. 

(XI. Ges., 289—296). 

In der türkischen Geschichte war der Dichter viel besser bewandert. 
Seine möglichst genauen Schilderungen der türkischen Verhältnisse, 



1) Es ist interessant zu erfahren, was einige Jahrzehnte später Waclaw 
Potocki in seiner « Wojna chocimska« von diesen Panegyriken gehalten hat: 

Nie mögi si^ nasz krölewic nasycic swej chwaly 
VV Warszawie, aze dla niej obleciai swiat caly: 
Niemcy, Wiochy, üollendry, zkad, slaw^ od^ty, 
Peine panegiryköw prowadzil okrety. 
Kaidemu pi^kne mite, ale takie kruszce 
Nie na löiku, nie w mi^kkiej kopaj^ poduszce ! . . . 

(»Wojna chocimska«, Krakow 1850, S. 425). 

2) 1. c. 32. 3) Rad, B. 52, S. 43—77. *i Rad, Bd. 55. 



96 Ossip Makowej, 

welche die Ermordung Osmans zur Folge hatten, haben auch Brandt i), 
Markovi62), Smiciklas^) und schliesslich Jensen hervorgehoben; man 
musste freilich dem Dichter eine poetische Licenz an manchen Stellen 
und mangelhafte, weil zu seiner Zeit unmöglich zu erhebende, Einzel- 
heiten nachsehen. 

Diese Ungleichmässigkeiten in den Gundulic'schen Kenntnissen 
der polnischen und türkischen Verhältnisse bildete das Hauptargument 
Pavic's in der Durchführung des Beweises, dass »Osman« keine ein- 
heitliche Dichtung sei, sondern aus zwei verschiedenen Dichtungen be- 
stehe. Das war auch der Gegenstand der langjährigen gelehrten Polemik 
zwischen Pavic und Markovic*]. Herr Jensen greift auch in den Streit 
ein und hält mit Markovic. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass 



1) 1. c. 34—44. 2) Rad, B. 55, S. 4—51. 3) postanku . . . 

4) Es sei mir an dieser Stelle gestattet, Einiges über die Parallelstellen 
in »Osman« von Gunduliö und »Wojna chocimska« von Waclaw Potocki zu 
bemerken. In seiner Abhandlung gibt Markovic ein genaues Verzeichniss 
dieser Parallelstellen, ohne sie näher erklärt zu haben (siehe Rad, B. 52, 
S. 73 — 76). Sie hatten wahrscheinlich auch Herrn Jensen so interessirt, dass 
er bereut, das Werk Potocki's nicht gelesen zu haben (S. 421). Es ist aber in 
diesem Werke, mit Bezug auf den «Osman«, nichts zu suchen. Es liegt kein 
Grund vor, hier etwa einen Einfluss Gunduliö's auf Potocki zu sehen; das 
Werk Gundulic's wurde ja im XVII. Jahrh. gar nicht herausgegeben. Die 
Parallelstellen bei Gunduliö und Potocki finden darin ihre Erklärung, dass 
sich die beiden Dichter an der klassischen und italienischen Literatur (Tasso, 
Ariosto) gebildet hatten. Potocki hat gewiss eine polnische, von Peter 
Kochanowski verfasste Uebersetzung des »Befreiten Jerusalems« gelesen, 
und war auch mit der klassischen Literatur und mit der Theorie Tasso's be- 
kannt, nach welcher es die schönste Aufgabe eines epischen Dichters ist, den 
Sieg der Christen über Ungläubige zu schildern. Mit dieser Theorie hat Jan 
Kochanowski in seinen »Musen« die Polen bekannt gemacht. Daher kommt 
es, dass in den Werken von Gunduliö und Potocki die Hauptidee und die 
Bearbeitung in vielen Zügen ähnlich, viele poetische Verzierungen sogar 
identisch sind ; sie wurden ja denselben Vorbildern entnommen und die bei- 
den Dichtungen behandeln denselben Stoff, den Chotiner Feldzug. Und doch 
besteht ein grosser Unterschied zwischen den beiden Dichtern. Potocki, der 
sein Werk um das Jahr 1670 schrieb, hat, seiner Zeit entsprechend, den 
Königssohn Viadislaus ohne solches Wohlwollen, wie Gunduliö geschildert. 
Potocki war kein Enthusiast und kein Slavophile; er war ein polnischer 
Patriot, benutzte für sein Werk verschiedene Quellen und verfolgte andere 
Ziele, als Gunduliö. — Die Dichtung »Chocim« aus dem Ende des XVIII. 
Jahrhunderts (von Krasicki) erinnert gleichfalls durch denselben Einfluss 
Tasso's und der klassischen Literatur an »Osman«. 



Beiträge zu den Quellen des Gunduliö'schen »Osman-. 97 

seine Beweisführung ganz begründet ist, und mtichte dazu einige Be- 
merkungen nur aas dem Grande beisteuern, weil sie die Frage der 
Entstehung Osmans« betreffen. 

In der Anzeige des Jcnsen'schen Werkes schreibt M. li. : »Eines 
wird man doch von der Ansicht Pavic acceptiren müssen, nämlich die 
Wahrscheinlichkeit der Annahme, dass (Jundulic- zuerst den histori- 
schen Stoff, den Tod Osmans, entwarf und erst später den Plan er- 
weiterte und die romantischen und «polnischen« Partien in sein Gedicht 
einfügte, — eine Annahme, die schliesslich auch Hlmth Jensen nicht 
unwahrcheinlich erscheint« \\ Herr Jensen nimmt an, dass Gunduli(^ 
seinen »Osman« wahrsclieinlich nach Fallenlassen seiner ursprünglichen 
Absicht, den polnischen König durch dieUebersetzung dersGerusalemme 
liberata« zu verlienlichen. also ehestens im J. 1B20, zu entwerfen be- 
gonnen hat 2). Wenn wir aber von Entwürfen reden, die zuerst ge- 
sclirieben werden konnten, so können wir dem »Osmane« eine Parthie, 
die über Korecki und Krunoslava, entnehmen, die dem Dichter schon 
im J. IG 18 einen genügenden Stoff für eine Dichtung gab, und die er 
später thatsächlich in »Osman« eingefügt hat. Wir dürfen also den 
Anfang der Entstehung der Dichtung mit dem J. 1618 bezeichnen. 

Auf Grund des bisher Gesagten würde die Reconstruirung des Ent- 
wickelungsganges bei der Conception und Abfassung «Osmans« so aus- 
fallen : 

In seinen Jugendjahren hat Gundulic aus den Werken der serbo- 
kroatischen Historiker und Dichter die Geschichte der Slaven kennen 
gelernt und besonders die Polen liebgewonnen. Später hatte er Gelegen- 
heit gehabt, einige Polen vielleicht auch persönlich, oder nach mehr oder 
weniger genauen Erzählungen kennen zu lernen, was noch seine polni- 
schen Sympathien verstärkte. 

Zuerst lernte Gundulic Korecki kennen oder bekam über ihn zu 
hören. Während er über den Chotiner Feldzug und die Ermordung Osmans 
noch nichts wissen konnte, da diese Ereignisse in den Jahren IG21 — 
1622 stattfanden, hatte er schon von den Abenteuern Korecki's gehört. 
Diese Abenteuer bilden in der Dichtung die älteste, auf Thatsachen 
begründete Episode. Der polnische Held, der dem Dichter wirklich sehr 
phantastisch erscheinen konnte, war eine der Hauptquellen des roman- 



1) Archiv für slav. Phil. B. XXIII, 275. 

2) Gundulic und sein Osman, 231. 

Archiv für slavische Philologie. XXVI. 



98 Ossip Makowej, 

tischen Elements, das bekanntlich in den Gesängen II — XIU eine grosse 
Rolle spielt. Im J. 1618 waren weder Viadislaus noch Osman geeignete 
Helden für eine Dichtung; Korecki aber war es schon in vollem Maasse. 
Das war also im Bewusstsein des Dichters die erste, für eine Dichtung 
passende Ideengruppe, aufweiche nach und nach die anderen folgten. 

Aus dem Vorworte des Dichters zu seinen Pjesni pokorne kralja 
Davida vom October 1620 erfahren wir, dass sich der Dichter damals 
mit einer üebersetzung des »Befreiten Jerusalems« befasste und sie dem 
polnischen Könige Sigismund III. widmen wollte. Er stand also damals 
in dem Ideenkreise Tasso's. Ausser der Episode von Korecki konnte 
damals noch die Dichtung »Osman« nicht da sein. 

Erst das nächste Jahr 1621 brachte die Niederlage der Türken bei 
Chotin, die in den Ideengang des mit der Üebersetzung des »Befreiten 
Jerusalem « befassten Dichters ganz gut passte und ihn zu einer ähnlichen 
selbständigen Arbeit nur anspornen konnte. Das war eine Niederlage 
ganz im Sinne Tasso's — eine Art Bestätigung seiner Ideen. 

Das Jahr 1623 brachte die Ermordung Osmans, also wiederum ein 
Moment, das einen frommen Dichter, wie Gundulic, über die gänzliche 
Vernichtung des Feindes der Christen nur frohlocken Hess. Damals ist 
der Dichter — wie es auch Herr Jensen richtig bemerkt (S. 231) — auf 
die Idee gekommen, dass der jüngste Sieg der Polen und die Niederlage 
der Türken sammt der Ermordung Osmans einen für eine Dichtung viel 
interessanteren Stoff abgeben, als die schon längst vergessenen Ereignisse 
im »Befreiten Jerusalem«. Es ist also wirklich sehr wahrscheinlich, 
dass der Dichter im J. 1622 sich entschlossen hat, statt einer üebersetz- 
ung eine originelle Dichtung dem polnischen Könige zu widmen, die auch 
im Sinne des »Befreiten Jerusalem« gedichtet wäre und dabei noch die 
Thaten des Sohnes verherrlichte. Vielleicht hatte er auch erfahren, 
dass die Polen schon eine von Peter Kochanowski verfasste und im J. 
1618 herausgegebene polnische üebersetzung des »Befreiten Jerusa- 
lems« besassen — was konnte eine neue kroatische üebersetzung dem 
polnischen Könige nützen? Die polnische war ja schon fertig und dem 
Könige viel sympathischer. Und Gundulic sollte das dem Könige öffent- 
lich in einem gedruckten Buche gegebene Wort nicht halten? . . . 

Zwei Jahre später kamen nach Ancona, und sogar in das Haus der 
Familie Gundulic, theuere Gäste: der leibliche Sohn des von dem Dichter 
so hochgeachteten Königs und einige Edelleute — lauter Theiluehmer 
des Chotiner Feldzuges. Die Familie Gundulic war hochbeglückt, sie 



Beiträge zu den Quellen des Gunduliö'schen »Osmiin«. 99 

Hess sogar eine Gedenktafel aus diesem Anlasse errichten. Neue Eindrücke 
und Nachrichten gesellten sich zu frflhereu Ideen des Dichters und seine 
Absiebt, ein bedeutendes Werk dem polnischen Könige, Sigismund III., 
oder — nach dessen Tode — dem Kr»nigssobno Vladislaus zu widmen, 
wurde reif. Die so oft im »Osman«' vorkommenden directen Ansprachen 
an Vladislaus lassen auch die letzte Annahme — der Widmung dem 
Vladislaus — wahrscheinlich erscheinen; schliesslich aber ist sie nicht 
wichtig. Wichtiger ist die nicht unbegründete Vermuthung, dass die 
erwähnten Apostrophen, die Nachrichten über Radziwil und Pac und 
andere Einzelheiten, von dem Dicliter erst nach dem Aufenthalte des 
Königssohnes in Italien, also ehestens im J. Iü25, in die Dichtung hin- 
eingewebt wurden. 

Wenn wir nun in der angegebenen Weise die Entstehung »Osmans« 
verfolgen — und dazu geben uns geschichtliche Thatsachen die Berech- 
tigung — so sehen wir uns auch gezwungen, uns zu der Ansicht zu 
bekennen, dass «Osman« eine einheitliche Dichtung sei. Die Feststellung 
der geringeren Kenntnisse des Dichters in den polnischen Verhältnissen 
mag an sich begründet sein, sie ist aber in unserer Frage nicht aussclilag- 
gebend. Maassgebend ist hier vielmehr die von den Thatsachen bedingte 
allmähliche Gruppirung und das Gedeihen der Ideen des Dichters. 

Wir haben gesehen, wie sich in der Zeit IG IS — 1625 die Pläne 
des Dichters entwickelt haben konnten, wie er seinen StoflF nach und 
nach sammeln konnte. Die Jahre 1618 — 162-0 gaben dem Dichter bei- 
nahe das ganze sachliche Material, das sich in «Osman« vorfindet; und 
dieses Material hängt schon so fest zusammen, dass es sich nicht mehr 
theilen lässt. Die Lücke, die durch das Fehlen der beiden Gesänge ent- 
standen ist, bildet nur für uns ein Hinderniss in dem Bestreben zu 
erforschen, wie sie der Dichter ausfüllen konnte; für ihn war es gewiss 
kein so grosses Hinderniss, wie für uns. 

Man darf wohl — und zwar nicht ohne Grund — behaupten, dass 
»Osman« in seinem ganzen Umfange noch nicht vollkommen ausgear- 
beitet ist, aber diese Erscheinung als Beweis für die Uneinheitlichkeit 
des Epos zu halten, wäre auf Grund der angegebenen sehr wahrschein- 
lichen Ideenentwicklung des Dichters falsch. Der Chotiner Feldzug, die 
Ermordung Osmans und die Verherrlichung Vladislaus hingen im Be- 
wusstsein des Dichters um das Jahr 1625 schon so eng zusammen, dass 
er unmöglich über den Tod Osmans sprechen konnte, ohne wenigstens 
in einer retrospectiven Episode dessen Hauptsache — die Niederlage 

7* 



100 Ossip Makowej, Beiträge zu den Quellen des Gunduliö'schen »Osman«. 

bei Chotin — anzugeben. Es ist möglich, dass Gundulid vor dem Besuche 
Vladislaus inAncona das verfasst hat, was man »Osmanide« nennen will 
(Gesänge I, XVI — XX); aber er hat schon damals über die Abenteuer 
Korecki's Kenntniss gehabt und dessen Flucht in der vermeinten Vladis- 
laviade entworfen; nach dem Besuche Vladislaus in Ancona kamen in 
die »Vladislaviade« neue Einzelheiten, Apostrophen u. dergl. — so, dass 
die Dichtung in dieser Form, wie wir sie jetzt besitzen, als ein in der 
Umarbeitung weiter fortgeschrittenes und der Vollendung nahes Ganze 

zu betrachten ist. 

Ossip Makowej. 



lieber die riiniänischen Knesen. 



(Schluss.) *) 

Einigermassen verschieden von dem Loose deren aus der Moldau 
war das Loos der Knesen in der Walachei. Während jedoch hier in 
den alten Urkunden sehr selten ihrer erwähnt wird, findet man dieselben 
in den Urkunden des XVII. Jahrh. sehr häufig unter den zwei Benen- 
nungen cnez Tmäjudec und in der Bedeutung »freier Bauer« angeführt 
vor. Ich werde im Nachstehenden zu erklären versuchen, wieso man zu 
dieser Bedeutung gelangt ist; zuvor will ich jedoch die wenigen Texte, 
die ich über die Knesen aus dem XV, Jahrh. kenne, zu welcher Zeit sie 
noch unter der alten Bezeichnung als Dorfrichter auftauchen, mittheilen. 
Am klarsten ist in dieser Hinsicht folgende Stelle aus einem Auftrage 
des Mircea an die dem Kloster Tismana gehörigen Dörfer, c. 1407 1): 
der Herrscher sichert ihnen zu, dass er sie an kernen Knesen oAer Bojaren 
(H-kKOfiiiiS KHASÖ HAH KOAtpHHÖ) als Erbgut (ßT^ whhh;^ [h] 
ETk ox'aK;^) verschenken werde, sondern dass er sie unter der Obhut 
des Klosters Tismana (b-k OBAacTH MOHdCTHpEi THClui'feH'KCK'KiH), 



*) Vergl. Archiv XXV, S. 522—543. 

1) Die Urkunde ist ohne Datum, man sieht jedoch, dass sie nach dem 
Tode Nicodims (25. Dez. 1406) ausgestellt wurde (Venelin, S, 26 und Faksi- 
mile 2). Ueber Nicodim siehe Ilarion Ruvarac im Archiv f. slav, Phil. XI, 
S. 354 sq. 



J. Bogdan, Ueber die rumänischen Enesen. 101 

frei von jeglicher Art von Abgaben und Frohndienaten an den Landea- 
herrn, belassen werde: kein Bojar wird dieselben zu dem Zwecke be- 
treten dürfen, um Bussen oder Sühnegelder (rAORa HAH ,\,OYUJn'oy- 
BHHa] einzuheben. 

In einem anderen Auftrage verleiht Mircea dem Kloster Cozia das 
Recht, Schenkungen zu empfangen und Leute unter seine Obhut zu 
nehmen: niemand solle es wagen, den Manu zu suchen, der »CH ijiiT 
npli^VitT A^V^"'^ ^' HMitHÜ CH K'K MOHaCTHp WT K03HA;, HAH 
KOA'kpHH, HAH C,\ N,' T A rOCMC>,VCTKA UH, HAH K H A T. , HAH 

llpOMiH MAOK'kKK ptKiUf CHpAK (Staatsarchiv, ohne Datum;; ein 
Privilegium, welches Mihail I. im J. 1 US, Juni 22, den Klöstern Cozia 
und Codmeana bestätigt; vgl. hier: HAH CAoyrA rocrio,v,CTKA mh, 

HAH ROAllpHH, HAH KH/ÄS, ... H n|l{ 'Alf H WT npC»HiH\' HAOK'kK'k 

OTTi ,\,OAH/A p;s'xKAi pfKuif CHpAKn (Milctic, Dakorom-Luite i technata 
slavjanska pismenostb, Sbornik IX, S. 331). Der gleiche Unterschied wird 
zwischen »cnez« und «särac« (= rumin) in einem Auftrage vom 28. Juli 
14(>5 des Radu cel Frumos gemacht, mittelst welchem dieser dem Kloster 
Tismana die Berge Paringul, Oslea, Värbiluul und Beul, in die von nun 
an Niemand sich zu mengen haben wird, schenkt: HH ßCAljpHH, HH 
KHf3, HH CHpOMA^. Die Landleute (\'opaHt), die auf diesen Bergen 
Vieh weiden werden, werden den Mönchen hiefür »ijJO fCT sakoh 
KAAiiiKH» zu zahlen haben (Staatsarchiv). 

Als Stefan der Grosse im J. 14S1 sich an sämmtliche Bewohner 
der Grenzbezirke der Walachei (Rimnic, Buzäu, Bräila) wendete, sagte 
er also: »HHiufT rocnc»,\cTBO mh K'kCfM RWArapivM, toaemhm 

H MAAHM, H B'kCCM H;S,\(1|,£M (/KS,\,{M£M) H BlvCCM CKH^IAM 
H ß-KCfM CHpOMajCVUM, WT MAAA A*^ TWAfMd, WT E'h.Ct AP^^" 

JKdB« WT RÖ3fö H WA pHRHHK (WT RpAHAlv)«; er erhielt die Ant- 
wort: »WT KTvCf^ ROA'kpH RÖSdraHH H pHRHHHAHH (RpaHAOK- 
CKH) H WT ß-KCty KHC3()C H WT BKCf^ BAaCf)C« ^). 

Aus diesen Stellen geht zur Evidenz hervor, dass die Kneaen weder 
Bojaren noch Wlachen (= rumini, das heisst unfreie Bauern) waren; sie 
konnten nur die Richter (judeci) der Krön- oder der Freidörfer sein, 
d. h. derjenigen Dörfer, die weder den Klöstern noch den Bojaren 
unterthänig waren. Dies wird bestätigt durch eine interessante Ver- 



*) Vgl. J. Bogdan, Documente fi Regeste privitoare la rela^iile tärii rumi- 
ne§ti cu Brafovul si Ungaria in sec. XV §i XVL Bucuresti 1902, S. 109—110. 



102 J- Bogdan, 

fiigung, welche Vlad Cälugärul im J. 1487, Juli 31, in einer Urkunde für 
das Kloster Snagov erlässt, wodurch er neben anderen Schenkungen 
dem Kloster alle Pferde überlässt, welche der Fürst im Mannfalle — je 
eines von jedem cnez — aus dem Bezirke Bräila zu erheben das Recht 
hatte: »h tnii npHAOJKHY rocno^cTKO mh h kohh wt kh«3 
wji, TOH c;F»A<^'rßO EpdHAOBCKO ijjo c( na^awT /i,a cSt roc- 

nOACKlH WT KHOOB KOH ÖMHpaWT, JS^A Ct A^^MOCIT 8 CB'feTiH 

MOHacTHp, j^d c8 BT», ca8>kk8 cbatomS m^lctS« (Rum. Akad.), 
eine Verfügung, welche beweist, dass das Eigenthum der Knesen, sowie 
das der Bojaren, vom Fürsten abhängig war. Das Pferd, an dem der 
Fürst von jedem verstorbenen Knesen Anspruch hatte, war ein »signum 
dominii(f. In der Marmarosch nahm man, um die gleiche Zeit, für das 
Kastell von Munkdcs, beim Tode eines jeden Knesen ein dreijähriges 
Kalb (1493; DuliskoviS, Istoriceskija certy Ugrorusskich, Ungvar 1874 
— 1876, II, S. 20) und im Fogarasch wurde auf Rechnung des Kastel- 
lans nach dem Ableben eines jeden Boers (die Beeren waren hier eine 
Art Knesen) ein Pferd und eine Lanze genommen (1508; Hunfalvy, 
Neuere Erscheinungen, S. 170; Az Olähok törtönete II, S. 206). Aus 
einer Urkunde des Vlad Dracul vom 30. Juni 1441 wird auch noch fest- 
gestellt, dass die Knesen Steuern zahlten. Der Fürst schenkt unter 
anderen Dörfern dem Kloster Snagov das Dorf »HSBop'KHH Bpii- 
CCL|JH«, von dem es in einer Randnote heisst: »a KH<i\S0BKi WT H3- 

BOpIvHH H-trOC, WHHa, H HAH, H TpfH^a^HA J\,A J\,AE,A!f^T BHpT». 

idKOH^E H HHH CHpai^H BTv HSBOp'tHH« (Staatsarchiv) 1). Es war 
dies, wie man sieht, eine andere Steuer als die der »ruminii«, eine 
Steuer, die im XVI. Jahrh. von den freien Bauern gezahlt wurde, und 
welche in einer Urkunde vom Jahre 1568 Knesensteuer, KHp KHescTBO, 
genannt wird 2). 

Im XVI. Jahrh. werden die Knesen sehr selten erwähnt. Ausser 
dem BHp KHfSCTBO aus dem J. 1568 — dem »birul megiesesc« der 

1) Auf »H3BopiHH« folgt noch »Äa CAT«, hierauf ein Riss und »nHcax«; 
vielleicht dass nach c&t sich das Wort »öupHunna befand. 

2) Rum. Akad. 37/XL. — Die Urkunde ist zerrissen, es kann jedoch 
deren Inhalt rekonstruirt werden : Peter der Lahme (Schiopul) bestätigt dem 
Stanciul aus Cruset (Dorf im Distrikte Dolj) einige Besitzantheile. Dieser 
schenkt zu je 1/4 von zwei Theilen seiner Nichte Velica, welche in der Folge 
daraus »eci naÄHSji[a] Ha önp KnescTBo«; Velica kann jedoch die Steuer für 
ihren Antheil nicht entrichten, »ans eci wciaji HtnacTe Haa rjiaB ciaH^icioB« ; 
Stanciul revocirte hierauf das Geschenk. 



Ueber die rumUnischen Knesen. 103 

späteren Zelt — finde ich im J. IfiH, Sept. U>, einen Manea Untea 
y'udecv. in Vaideei vor, ein zum Slcyt Seaca gehöriges Dorf';, und in 
einer Urkunde v. 12. Juni 15iM, worin Michael der Tapfere dem Vistier 
Corcova aus Mehedinti, abgekauft von allen Dorfinsassen — 3G an 
Nica das Dorf der Zahl — bestätigt, heisst es: »kein cuez soll sich in 
dieses Dorf einmengen« "Sä nu alba nici uncnez amestec intr'acest sat«); 
hier jedoch kann mez sowohl in der alten Bedeutung von judec als 
auch in der Bedeutung von meghiai} = grundbesitzender Bauer ver- 
standen werden (Kum. Akad., Uebers.). 

In einer Bestätigungsurkunde des Metropoliten Eftimie v. 17. Juni 
15'J9, worin sich zwei Ehegatten, Dragomir und Kada ausFiiani, durch 
Verbrüderung Ihr Vermögen gegenseitig verschreiben, wird unter den 
Zeugen »wt ^iraH KHfS w&w w ckihtv tro mtvHH« angeführt, auf 
welche hierauf die übrigen Zeugen ohne jedes Attribut folgen (Staatsarch.). 

In der Walachei beginnen die Knesen und die njudecii" noch seit 
der ersten Hälfte des XVI. Jahrh. durch wpärcalabi« ersetzt zu werden. 
So werden im J. 1537, Apr. 15, im Dorfe Izvoranii »XiHK^A H BAaHK^A 
iipTvKaAiVKH II CTv AP^3H Mtr'miiiH u'T H3ßopaHH« erwähnt (Staats- 
archiv), und im J. ir)9!J, April Ib, beauftragt der Woewode Michael den 
Parkaiahen von Albesfi Bogdan, einen Diener des Bojaren Radu Postel- 
nik, das Dorf Poenari, das zum Kloster Vierosul gehörte, in Frieden zu 
lassen (Foaia Societätii Rominismului I, S. 473 — 474). In einer Ur- 
kunde aus dem J. 1612, Mai 20, werden unter den 45 Hörigen (KfHHHH) 
des Dorfes Plesovul, das von Michael dem Tapferen zur Zeit Mihnea's, 
als er Postelnik gewesen (c. 1577 — 1591), gekauft worden war, ein »craH 
npkK[aAaKja und ein »CToraH H;i>;i,fKf( erwähnt. Von c. 1630 auf- 
wärts finden wir eine Reihe von Parkalaben in den Dörfern, und zwar 
in denen der Krone, der Bojaren und der Klöster, vor. Aus Burgvor- 
stehern waren die Parkalaben, gleichzeitig mit dem Verfall der Wehr- 
kraft des Landes, Dorfrichter geworden 2). 

*j Staatsarchiv, Skyt Seaca II, 2: Neagoe Basaraba bestätigt einige 
Schenkungen des Clucer Manea an diesen Skyt, unter ihnen auch den Theil 
des Manea Untea aus »Vaideei«, »noneace k» cc-TKune Masi sHii Tcpe lo aase 
acsnaHs Maue luisqaps, sa mo ms HSBaji /Ksnaii nani KJisqap ssre csans rox npea 
rocnoacTBa mh«. Csaeu ist hier offenbar die Uebersetzung des Judec — cnez; in 
einem Dorfe wie »VaideeT" konnte Manea ki-in anderes Amt bekleiden. Früher 
bezahlte er dem Fürsten die Knesensteuer, welche der Clucer Manea nun auf 
sich nimmt. 

2; Siehe Jorga, Studii §i documente V, S. 440 '1630;, 483 (1648), 37—38 



104 '^- Bogdan, 

Die Attribute der Dorfknesen, -Judecen oder -Parkalaben in der 
Walachei, im XV. — XVI. Jahrb., waren, sofern wir nach den in den Ur- 
kunden des XVII. — XVIII. Jahrb. vorfindbaren Indicien urtheilen können 
und nach der Analogie der Knesen in Ungarn und in der Moldau, die 
Dorfgerichtsbarkeit i) , die Auftbeilung der Steuerbeiträge (cislui- 
rea)2) und die Gemeindepolizei 3). Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihnen 
auch die Aushebung der Bauern im Kriegsfalle oblagt). Ihnen leisteten 
die Dorfältesten, auch »jurati« genannt, Assistenz 5). 

Vom Ende des XVI. Jahrh. an und insbesondere im XVII. und in 
der ersten Hälfte des XVIII. Jahrb., findet sich in den walachischen 
Urkunden das Wort cnez oder Judec stets in der Bedeutung von freier 
Bauer oder Bauer mit Grund und Boden, im Gegensatze zum unfreien 
Bauer, der auf dem Boden Anderer wohnte: dem Gute der Krone, der 



(1662), 124—125 (1670—1672), 338, 340, 342 (1695), 490—491 (1708, 1719), 154 
(1742); ibid. pärcnläbiel S. 150 (1734); vornicel si caimacam S. 449 (1682), is- 
pravnicel S. 505 — 506 (1785). In den Akten des Klosters Arnota sind die Dorf- 
parkalaben sehr häufig zwischen den Jahren 1673—1786 erwähnt; seltener 
die Vatafen (vätafi), z. B. im J. 1711 im Dorfe Bärbätesti. 

1) Vgl. eine Urk. vom 28. Nov. 1722 in den Akten des Klosters Arnota: 
der Igumen erbittet sich die Bewilligung, Parkalaben in den Dörfern des 
Klosters aufzustellen, »die den Leuten Recht sprechen sollen« (»sä facä 
dreptate oamenilor« (Staatsarchiv). 

2) Urk. vom 18. Nov. 1699. Der Parkalab aus dem Dorfe Nedeia hält 
einen Mann aus dem Dorfe Mäcesul Mare im Vereine mit den Dorfinsassen 
von Nedeia zur Abgabenzahlung an (Staatsarchiv). Der Parkalab repartirte 
im Vereine mit den Dorfbewohnern, von denen einigemale gesagt wird, dass 
sie die Repartitionen auch unter sich vornahmen (Jorga, Studii si doc. \^, 
S. 364: 1696). Vgl. die österreichischen Berichterstattungen aus der kleinen 
Walachei vom J. 1720 u. 1731, in Hurmuzaki VI, S. 477, 479, 506. — Für die 
Moldau, Wickenhauser, Molda II, S. 6 (1747). 

3) Rechnungen der Stadt Hermannstadtl, 8.427—430(1506); die Statuten 
der Rumänen zwischen der Drau und Sau v. J. 1630 (Foaia Societ. Rom. II, 
S. 133 sq.). Denselben Sachverhalt haben wir bei den Rumänen in Serbien 
festgestellt. 

*) Cf.N. Jorga, Acte si fragmente I, S. 259 (1663); Desselben, Constantin 
Cäpitanul Filipescu, S. 152, Note 1 (Urk. vom J. 1694 mit Bezug auf das Jahr 
1663); Desselben, Studii si documente V, S. 23 und ebendaselbst die Urk. von 
c. 21. Nov. 1799, S. 555; Desselben, Säte si preoti din Ardeal, S. 132. 

5) Hurmuzaki, Documente VI, S. 477, 479 (1720): »porculaben und iurati, 
der porculab mit seinen Geschwornen«; Jorga, Documentele Bistritei II, S. 6 
(1641—49), 76—79 (1691); vgl. auch I, S.99; Rechnungen der Stadt Hermann- 
Stadt I, S. 445: »knesius et iurati« (1506). 



lieber die nimUnlBchen Knesen. 105 

Bojaren, der Klöster, der Städter oder der freien Bauern. In den Ur- 
kunden werden die letzteren cneji, judeci, meghiasi oder mosnenf ge- 
nannt: KHf3H (KHfr>H\ UfriuiiiH, HacA'k,v><Mi^H in den slaviachen, 
jKi>,Vf*<H, MOiiiM'kHii j.lot|rkMii in den rumänischen; die unfreien 
Baaem lieisaen »vecini« oder »rumini«: KiMfiui, selten KAacii in den 
slavischen, KfHMMH, pSlJ'KHH in den rumäniftchcu. In Folge der hef- 
tigen Krise, welche den Klcingrundbesitz im XV'I. J.ihrh. erfasste — her- 
vorgerufen wurde sie durch die zahllosen Bürden und Bedrückungen, 
unter welchen er zu leiden hatte: Ilaratsch, Steuera, Frohndienste und 
die Verwüstungen, denen er durch die beständigen Wirren, (Jährungen und 
Kriege ausgesetzt war — , beginnen die alten Eigenthümer der freien 
Dörfer, ungefähr von der zweiten Hälfte des XVI. Jahrh. an, sich und 
ihr Besitzthum zu verkaufen. Die Krise erreicht ihren Kulminations- 
punkt unter der Regierung Michael des Tapferen (150 :i — 1601) und eine 
ihrer Folgen war die Zunahme und die Festigung der ilörigkeit ruminia), 
die in seinen ersten Kegieruugsjahren dekretirt wurde. Zu seiner Zeit 
vermehren sich auch die Veräusserungen der Kuesialgründe ^). 

Verarmt durch die Steuern, die sie fürderhin nicht zu bezahlen im 
Stande waren, völlig niedergedrückt durch die in den Zeiten des Mangels 
und der Ilungersnoth contrahirte -Schuldenlast verkaufen die grundbe- 
sitzenden Bauern ihr Erbgut (iVHHHf au den Fürsten, dem sie die Steuern 
schuldeten, oder an den Bojaren, der sie an ihrer Statt bezahlte. Sie 
verkauften ihre Grundstücke und ihre persönliche Freiheit, da sie die- 
selben zu bewahren nicht mehr im Stande waren, und aus freien Leuten 
mit ihren eignen Gütern, wurden sie für immer Unterthanen derjenigen, 
von denen sie angekauft wurden; während sie bisher auf ihrem eigenen 
Grund und Boden sassen, wohnen sie von jetzt an und nähren sich auf 
den Krongütem oder den Gütern der Bojaren und dürfen dieselben nicht 
verlassen; wenn sie ihre Antheile wieder auslösen wollten, so waren sie 



*) Die ältesten mir bekannten sind aus der Zeit des Mihnea und Stefan 
Surdul 1577—1591 Urk. v. 6. Sept. 1598; Rum.Akad.). Pic's Citat Die rum. 
Gesetze S. 18) a. d. J. 1532 ist fehlerhaft. Die betreffende Urkunde findet sich 
in einem Formular aus der Zeit des Matei Basaraba vor und hat kein Datum 
(Hds.Nr. 18 des Nationalmuseums in Bukarest, S. 75). Indem sie einem Radul 
zugeschrieben wird, kann sie nur von Radul Serban oder von Radul Mthnea 
herrühren, daher c. 1601 — 1623, in keinem Falle aber älter sein. Ein Loskauf 
von Knesen vor Michael dem Tapferen wird im J. 1589 erwähnt (Venelin, 
1. c.,'.S. 229). 



106 J- Bogdan, 

genöfhigt, hiefttr gewöhnlich mehr, als sie erhalten hatten, zu be- 
zahlen 1) . 

In den zahlreichen Urkunden vom Ende des XVI. und aus dem 
XVU. Jahrh. werden die Bauern, die sich in Massen als »vecini« oder 
»rumlni« verkaufen, bald meghiasi, bald mosneni oder mosten! , bald 
cnejr oder judeci genannt; mosneni werden sie als Besitzer ihrer auf 
Grund des von den Vorfahren hergeleiteten Rechtes inngehabten Erb- 
theile genannt (vgl. rum. mos Ahne, mosie Erbbesitz); meghiasi wer- 
den sie genannt als Eigenthümer einiger Theile nachbarlich angren- 
zenden, auf demselben einheitlichen Gebiete, in dem nämlichen Dorfe 
befindlichen Bodens, wie die «räzäsii« in der Moldau. Das Wort meghias, 
megias bedeutete ursprünglich Nachbar »commetaneus, vicinus«, wie 
das alte serbische Ms^ni (Daniele, Rjecnik, s. v.). Warum heissen sie 
aber cneji und judeci? 

Die einzige Erklärung, die mir als zulässig erscheint, ist diese: 
Die Dörfer, die in den Urkunden Knesen- oder Judecendörfer genannt 
werden, waren ursprünglich knesische, d. h. von einem oder mehreren 
Knesen verwaltete Dörfer, im Gegensatze zu den Krön-, Bojaren- oder 
Klosterdörfern, die von Privatvögten der Fürsten, Bojaren und Klöster 
verwaltet wurden. Das ist der älteste Typus der rumänischen Dörfer. 
Wenn ein ganzes Dorf von 30, 40, 50, bis 100 Häusern aussagt, dass 
»alle seine Insassen Knesen gewesen«, so ist es ersichtlich, dass diese 
Benennung als ein ungenauer Kanzleiausdruck für die knesischen 
Dörfer, geradeso wie die knesische Steuer »KHp KHfSCTßO«, aufzu- 
fassen ist. 

Wenige typische Beispiele werden genügen , um diese Erklärung 
ersichtlich zu machen, nachdem die diesbezüglichen Urkunden, von denen 
wir einige hier im Auszug bringen, äusserst zahlreich sind. 

Im J. 1594, Okt. 7, bestätigt Michael der Tapfere dem Schatz- 
meister Andronie (Cantacuzino) das Dorf Grosanii »sammt allen Ein- 
künften und sammt allen Hörigen (BfMfHH)«; diese »c8t bha(h) KH(E)S'k 
Ha WT'KMCTKif HM«; sie, die sich auch »HacA'k;i,HHU,H cfaoB, lUiaAH 
H BEAHKH« nennen, hatten sich an Andronie für den Betrag von 



1) Siehe Michael des Tapferen Urkunde mit Bezug auf das Dorf Su- 
larul; Revista p. istorie, archeol. si filolog. II (1885), S. 542 — 544 und die in 
meinem Artikel »Patru documente dela Mihai Viteazul ca domn alTärii Ro- 
tninesti, al Ardealuliü si al Moldovei« citirte Litteratur; Prinos lui D. A. 
Sturdza la implinirea celor §aptezeci de ani. Bucure§ti 1903, S. 149 sq. 



üeber die rumäniechen Rnesen. 1 07 

42,000 Aspern verkauft, was zur Folge hatte, dass ihnen der Fürst 
die Steuern aus dem Register (K.rracTHY) strich: »n Kupoia hm h 
K'KC'ky t/K,\,<Hit H.SKiVVH'^ f'*^'-' rocnoACTKO UM ■; Andronic ver- 
schenkt sie hierauf an das Histliiim Hiiz.iu. Die Frsache, weslialh sicli 
das Dorf Grosanii verkauft hatte, ist in der Urkunde nicht angegeben 
(Staatsarchiv). 

Im J. 1G14, Juli 13, ertheilt Kadul Mihnea den Ranern (MrnaiiiH) 
Mirlici, Hamza, Mänäila und Balea und allen ihren AntheilsbrUdern 
(KpaTiii HU 3ii U'HHHiJ) den Befehl, dass das ganze Dorf Gjlojanir 
des Oancea (K'KC CfAW n^U'/KaHiH waHMfii), sammt allen Grenzen 
und allen Einkünften, ihnen geh(ire, weil »cu cf-\0 . . . U'H[h' cöT 

KHA[h] K'KC AlcX'« KHfiiH CRC U'MHHf <l|lf;K U'T llpf;K,V,f Kp'kM[f]«. 

Während der Regierungszeit des Woewoden Michael verkaufen sich die 
»HacAlv,V,HHH,'i CfAOK« — die obenerwähnten Vier mit ihrer Verwandt- 
schaft — an den Fürsten, damit sie ihm »KfM[f]HH« werden; das ganze 
Dorf wird auf diese Weise »CfAO rctcno^vCKÖ«, und die Dorf Insassen 
landesherrliche KtHfHH (vecini domnesti). Kadul Mihnea schenkt das 
Dorf dem Bojaren Tauasie Grossportar, »MKO ,\i\ KT fM5> WM[H]Hi5 
AlJ^'iMO (' : die erbgesessenen Besitzer des Dorfes jedoch w HacAlv;\HHn"i 
ctAOK« wollen sich von der Hörigkeit loskaufen »C( hcköiihth 3a 
RfM[f]H'if'i; mit der Einwilligung des Landesherrn kaufen sie sich los 
und werden von neuem Eigenthümer ihrer erblichen Besitzantheile 
»la ;C>K Ji,A K8;k,fT naK K'Hf3H HO OTKHCTRia hm H ,i,a Hf HMAT 

BaHTOBaHU IVT HHjf^'TO (Staatsarchiv). 

Im J. 1623, Juni 18, bestätigt Radul Mihnea den Brüdern Vladul 
und Staico, Söhne des Theodosie, gewesenen Grosslogotheten, fünf ganze 
Dörfer: Slätioara, Folestii, Popestii, Fumotestii und Negreanii, deren 
Bewohner insgesammt ncnejid oder »meg/iiasU' gewesen waren (khIvSH, 
Mcr'iaiUH) und sich aus freiem Willen, noch ans der Zeit des Woewoden 
Michael her, — Folestii, Popestii, Fumotestii u. Negreanii an Theodosie — 
als Hörige verkauft hatten. UeberFumotestii und Negreanii wird gesagt : 
»cm CfAivHf WT <J)ÖMOTn|l U'HH c8t KHAH KH-kSH WT ,V''^A""^; 

TajKt c8t khah wcaarhah h wcHHL|iaAH H H'kcST MorAH no;i,- 

BHraTH CH HtrOKfJC HCBOAH«; »CIH ClA'kHH WT Herp-feHH WHH 
C8T khah KHliSH WT ,\1v,\HHS. TAIKf CÖT CAaßOBaAH H WKCH- 
POTAAH WT KOMATH H Hf MO>Ka\'S ,\i\ CH ^BHrHÖT HfliOAH 

Hjc«; sie verkaufen sich daher »bhth bcmchh (oder bjmhhh)«, unter 



108 J. Bogdan, 

Herausgabe ihrer Eigenthumsurkunden (»khhth H)f 3d A'^A'"^") ^^ 

Theodosie (Staatsarchiv). 

Im J. 1626, Mai 22, gibt Alexander, genannt Coconul, eine Ur- 
kunde nachstehenden Inhaltes: vierzehn ))MC)ji,'ie MiriauiH« aus dem 
Dorfe Glupavii, die ehedem »khcsh Ckc wh[h]h« hm« gewesen sind, 
verkaufen sich als Hörige (ßfHHHH), sammt ihren Besitzantheilen, dem 
Woewoden Michael. Als nach Michael's Tode das Dorf der Krone (nw 
pasAOra rocno^CKa) zufiel, verkaufte es §erban, Michael's Nach- 
folger, dem Bojaren Costea Sluger. .Unter Alexander Ilias bieten die 
Dorfbewohner dem Costea 330 Dukaten, »um sie von der ,vecinie' zu 
befreien«; da Costea das Angebot ablehnte, so nimmt Alexander Ilias 
das Geld von den Dorfbewohnern selbst an und erklärt sie frei »Ttpe K> 
«CT KHfSCTßOßdA«. Costea weigert sich, die auf das Dorf bezügliche 
Kaufurkunde herauszugeben, indem er vorgibt, es wäre ihm dieselbe mit 
seinen Häusern im Dorfe Crevedia zugleich verbrannt. Gavriil Movilä 
bestätigt ihm von neuem den Besitz des Dorfes. Unter Alexander Coconul 
bieten die Dorfbewohner dem Costea noch 40 Dukaten — über den dem 
Alexander Ilias gegebenen Betrag — damit er sie von der »vecinie« be- 
freie; er nimmt das Geld an, ohne ihnen jedoch die Kaufurkunde aus-, 
zufolgen. Die ganze Dorfgemeinde flüchtet sich sodann zu den Türken 
nach Giurgiu «Tsp« «CT fiA3js,0AA cfAO H KHpÖAct; als ihnen aber 
Gavriil zusichert, dass sie von Seiten Costea's nicht werden behelligt 
werden, kehren sie zurück. Costea behelligt sie jedoch wieder und 
versucht sie von neuem zu »vecini« zu machen »/k,a H^ KfMHHÖfT«. 
Als sie zuletzt vor dem Fürsten im Divan mit dem Bojaren sich rechten, 
vergleicht sich die Dorfgemeinde dahin, diesem noch 60 Dukaten darauf- 
zubezahlen; jetzt erst verbrieft er ihnen, dass sie von nun an »H'tKOe 
AWA'* CBOBO^HH ckC ^'k;\,iHOßE HM« seien (Staatsarchiv). Derart 
werden die Dorfbewohner von Glupavii von neuem freie Leute oder 
»meghiasi«, »MErmiu[H] KHe3[H] oder Mtr'iauiH cßC>K0;i,HH«, wie es 
in einer Urkunde a.d. J. 1619, März 1, heisst (Rum. Akad.), Cnez (KHfS) 
ist somit der freie und grundbesitzende Bauer; vecin (ßfHfH, ßfHHH) 
der unterthänige Bauer, der keinen eigenen Boden besitzt. 

Den gleichen Sinn haben auch die Wörter y)judec<i und y)rumma: 
»judect<i sind die Bauern, die Grundbesitz haben, diejenigen die »bir 
megiesesc« zahlen; sobald sie diese Steuer nicht entrichten und ihnen 
der Landesherr den Grundbesitz konfiscirt, oder sobald irgend ein Bojar 
oder irgend ein Kloster die Steuer für sie bezahlt, werden sie Hö- 



Ueber die rainänischen Knescn. lOQ 

rige des LandesherrD, der Bojaren, der Klöster: »rnminr domnesti, boe- 
restr, mtlnästiresti«. Das Verbum »a scjudecit (slav. KH(3CTK0KitTH 
Ci) hat in den Urkunden des XVII. ii. XVIII. Jahrh. die ik-doutiinf^ ,3ich 
von der Hörigkeit (ruminie) loskaufen'. Von dem losgekauften Bauer 
heisst es, dass er »in pace de ruminie«, »slobod in lume« ist '). »Oamenf 
judeef si co ocinele lori 2] (freie und grundbesitzende Leute) ist ein Aus- 
druck, der mit »mosneni judeci' identisch ist. Vgl. »biti kniezi nad 
dielnitzami ich i oczisczenie ich i v^siemi miestanii ich« im J. 1017, 
Jan. 14 (Columna lui Traian lb72, 8. 2S2) mit »JKÖ^V*'^" "P* "T^- 
M'KHTÖA HOCTpö < im J. 1040, Juni 29 (Staatsarchiv, Kloster Arnota). 

Eine interessante Urkunde aus dem Jahre IGTD, Juni 17, besagt 
von Mihnea, dass, »da er mit grosser Feindseligkeit gegen die Bojaren- 
sippschaft voreingenommen war, tödtete er viele Bojaren und hub an 
die Dörfer loszukaufen (a rascurapara satele) und Geld von den Hörigen 
(rumini) zu nehmen, wobei er ihnen Freibriefe (cärti de slobozie si de 
judecie, ausstellte, damit sie, was die Hörigkeit anbelangt, unbehelligt 
bleiben sollen (sä hie in pace de ruminie)« Jorga, Studii si documente 
V, S. 306). 

Als Freie konnten die Knesen oder Judecen auch ihre »rumini« 
besitzen. Interessant sind in dieser Hinsicht einige Urkunden des Dorfes 
Vlädestii aus dem Distrikte Muscel. Bis zum Jahre IG04 war dieses 
Dorf frei, nach der damaligen Kanzleisprache waren also die Dorfbe- 
wohner KHf3H oder McrmiiJH. Damals, «da eine Zeit von Hungers- 
noth und Mangel war^i, wie dies eine Urkunde v.J. 163S, Julia, besagt, 
verkaufte sich ein Theil der Mcr'miUH — acht Häuser — an den Bo- 
jaren Tudoran Pitar sammt ihren Besitzantheilen (WMHHf) und den zu 
ihnen gehörigen KtHf hh, jeden Antheil, auf welchem sich drei ^|,1vAHHH£ 
und zwei RfHtHH befanden, zu je 4500 Aspern. Im J. 1612, Mai 27, be- 
stätigt Radul Mihnea diese Käufe, zu welchen noch vier kleinere An- 
theile mit je einem einzigen KfMfHTv oder ohne bemhih hinzugefügt 
worden waren. Von der Dorfgemeinde heisst es in dieser Urkunde, dass 
alle Einwohner: »KHe3[H] ckc ium[h]h( h ckc bchchh ha^ WM[H]HfU 
MfnrauJHM'i seien, und dass sie sich an Tudoran verkauft hätten, mit 
der Bedingung, dass sie ihm alle insgesammt (kSrho K'KCh) bchchh 
seien (Staatsarchiv). Zwei Urkunden aus den Jahren 1638 und 1639 



ij Urk. vom J. 1662, Mai 15 (Staatsarchiv). 
2) Urk. vom J. 1665, März 28 ^Staatsarchiv) 



110 J. Bogdan, 

bestätigen dies: in der einen heisst es, dass die Dorfgemeinde Vlädestii 
sammt ihren ;i,'K/\hhi^6 und bemehh verkauft worden wäre, wobei ein 
jeder Bauer so viel Geld erhielt, als Köpfe und bcmehh vorhanden 
waren; die andere aus dem J. 1639 zählt zweiundzwanzig khesh mit 
achtzehn BtMHHHauf: HacA'SAHHi;H cfAO Könne ckc ßeHHHm hmi). 

Dem Worte cnez in der Bedeutung von »freier und grundbesitzender 
Bauer« begegnet man in den Quellen bis zum Schlüsse des XVII. Jahrb. 
Ein »Anatefter« (Ausgabenverzeichniss) aus der Zeit des Constantin 
Brancovanu führt in nachstehender Form einige Gebirgsdörfer (säte 
pläesesti) unter dem Datum vom 20. Juni 1690 an: »Brebul cnezi; Bel- 
ciresti cnezi ; Bogatii cnezi, viiari; >^chiaii cnezi, viiari; Bädeanii cnezi; 
Godeanii vel i cnezi« (Jorga, Studii si documente V, S. 358). Im 
XVIII. Jahrh. werden die freien Bauern durchgehends »mosneni, judeci, 
meghiasia genannt; um den Loskauf von der Hörigkeit zu bezeichnen, 
wird, wie im XVII. Jahrb., der Ausdruck »a se judeci« gebraucht; der 
Theil des Dorfes, der nicht den Bojaren oder anderen Eigenthümern 
unterworfen ist, heisst »parte judeceascä« oder »megiesascä«. Das 
Wort cnez war ganz aus dem Gebrauche verschwunden 2). 

Nachdem wir gesehen haben, was die Knesen in den wlachischen 
Weilern und Dörfern des alten Serbien und in den kompakten rumäni- 
schen Gebieten Ungarns und Siebenbürgens , der Moldau und der Wa- 
lachei waren, drängen sich uns von selbst zwei Fragen auf: 1) was sind 
sie in der Zeit, die dieser Epoche vorangeht, als sie weder den serbischen 
oder ungarischen Königen, noch den moldauischen oder walachischen 



1) Unter Matei Basaraba wollte ein Theil der vecinii des Dorfes : »Väsii 
Brumela und andere öpaiia sa roiHHs« von der seiHaHie des Tudoran sich 
losmachen, indem sie sagten, dass das Dorf ein landesherrliches und die ve- 
cinii auch landesherrliche gewesen wären; nachdem ihnen dies zu beweisen 
nicht gelungen war, gaben sie vor, dass von den 25 ħ.iHniie an Tudoran 
nur 17 und zwar ohne vecint verkauft worden wären, »a wcmh ai.aHUHe wciaji 
HenpoaajiHe, mko «a ösäct whh khcsh«. Es wurde jedoch nachgewiesen, dass sie 
auch in diesem Falle im Unrechte waren, und sie verloren somit den Prozess 
(Staatsarchiv, Urk. v. 2. Mai 1639). 

2) In den Berichten der österreichischen Verwaltung in der kleinen 
Walachei heissen die Bauern, die mit Grundbesitz ausgestattet sind, stets 
megiasi; nirgends ist von Knesen die Rede. So der Bericht aus dem J. 1731, 
Aug. 20, des Grafen Wallis und des Freiherrn v. Rebentisch : »possessionirte 
Insassen, megiass genannt; weniger possessionirte Dörfer, megiassesti ge- 
nannt« (HurmuzakiVI, S. 477 sq.). Vgl. den Auftheilungsplan aller Steuer- 
pflichtigen vom J. 1735, Aug. 8 (ibid., S. 518 sq.). 



üeber die rumäniscben Knesen. 111 

Woewoden unterthänig waren ; und 2j ist diese Institution bei den 
Rumänen eine ilinen eigene, nationale Institution oder ist dieselbe 
geradeso wie der Name cnez von den slavisclien Völkern entlehnt? 
Diese beiden Fragen lassen sich nur durch Hypothesen beantworten. 

Ich glaube, dass die Knesen in der ältesten Zeit entweder Grtlnder 
von Uörfern oder auf Lebenszeit aus den angesehensten Notabein der 
Dörfer gewählte Häuptlinge gewesen sind , die den Bewohnern der- 
selben, ihrem überkommenen alten Brauche gemäss, Kecht zu sprechen 
hatten. Es ist wahrscheinlich, dass auch in dieser Epoche die Kechts- 
streitigkeiten im Beisein der Dorfältesten, der »juratii« der späteren 
Zeit, verhandelt wurden. Ihre Amtsbefugniss erstreckte sich über ein 
oder mehrere Dörfer, oder sogar über ausgedehntere Territorien, wie 
ganz bestimmt die Gewalt der Knesen Joan und Farca.s aus dem J. 1217, 
die, wenn sie auch im Diplom Belas IV. als Unterthanen des ungari- 
schen Königs erscheinen, so doch thatsächlich eine vollständige innere 
Unabhängigkeit auf ihren Gebieten, wie die damaligen Woewoden, 
hatten. AU Häuptlinge freier Dorfgemeinden linden wir die Knesen 
im XUI. — XV. Jahrh. in der Walachei, dem Gebiet, in welchem das 
rumänische Volksthum das ganze Mittelalter hindurch sich in kom- 
pakterer Masse erhalten hat, dem rumänischen Gebiet par excellence 
(tara rumineascä). 

Die freien Bauern, die im XVI. — XVII. Jahrh. Knesen genannt 
werden , sind ein Ueberbleibsel dieser alten Phase des Knezats. Die 
Knesen haben als landesfürstliche Beamte , in der historischen Epoche, 
nur kurze Dauer in diesem Lande, da bereits im XIV. Jahrh. fast der 
ganze Grundbesitz von Alters her von Bauern und Bojaren okkupirt 
erscheint. Dem Fürsten waren relativ wenige Dörfer übriggeblieben, 
die er durch Knesen verwalten liess. Desshalb finden wir in der Wa- 
lachei gar keine Urkunde, — oder es wurde wenigstens bisher keine 
vorgefunden — , mittelst welcher der Landesherr einem Bojaren Dörfer 
geschenkt hätte, die ehedem von Knesen verwaltet worden wären, wie 
wir dies in der Moldau angetroffen haben, wo der Grundbesitz nicht so 
alt und wo herrenlose Ländereien in sehr zahlreicher Menge sich noch 
im XIV. Jahrh. vorfanden. 

In Ungarn und Siebenbürgen lebten die Knesen vor der magyari- 
schen Eroberung auf freiem Grund und Boden; nach der Eroberung 
hauptsächlich auf königlichem und adeligem. Sie verlangten von den 
Königen in ihrer Würde bestätigt und als deren treue Diener betrachtet 



112 J. Bogdan, 

zu werden. Der Dienst konnte ihnen nur Vortheile bringen. Und als 
die Könige Ungarns, um das von den Tataren verwüstete Land zu be- 
völkern, eine intensive Kolonisationspolitik adoptirten, so werden sie, 
da sie in dieser Politik persönliche Vortheile fanden, auch eifrige Ko- 
lonisatoren. Unter dieser neuen Phase ist das Knezat bis auf einen ge- 
wissen Punkt identisch mit der deutschen »scultetia«. Diese Phase ist in 
Ungarn, Siebenbürgen und in der Moldau vertreten ^). Die Knesen-Scul- 
teti gehen in Siebenbürgen und in Ungarn theils im magyarischen Adel, 
theils in der rumänischen Hörigkeit auf; in der Moldau werden sie von 
dem Grossgrundbesitz verschlungen. In keinem der beiden rumänischen 
Fürstenthümer erheben sich die Knesen bis zur Bojarenstufe; diese 
Klasse rekrutirte sich — seltene Fälle ausgenommen — in beiden Län- 
dern aus den seit alter Zeit her erbgesessenen Grossgrundbesitzern, den 
Hio^naHH und naHH (naHOße), und den Rittern, die in der Moldau 
KHTA3H hiessen. Wir kennen bisher nicht eine einzige moldauische 
oder walachische Quelle, aus der es ersichtlich wäre, dass ein Bojar zu- 
erst cnez gewesen wäre, wiewohl die Knesen, indem sie Militärdienste 
leisteten, Gelegenheit hatten, sich im Kriege auszuzeichnen, um auf diese 
Art in den Bojarenstand befördert zu werden. 

In der ganzen Entwicklung dieser Institution finden wir, ausser dem 
Namen, nichts was specifisch slavisch wäre. Sie kann demnach nicht 
als eine von den benachbarten slavischen Völkern herrührende Entleh- 
nung erklärt werden. Dorfknesen gab es gewiss bei den Serben und 
sehr wahrscheinlich auch bei den Bulgaren, sowohl im Mittelalter als 
in neuerer Zeit 2) ; es ist möglich, dass auch die Kleinrussen in Galizien 

1) Aus Ungarn und aus der Moldau breitet sich das Knezat nach Galizien 
aus, woselbst es unter dem Einflüsse des polnischen Rechts eine besondere 
Entwickelung nimmt. Hier sind die nach dem rumänischen Rechte (iure 
valachico) angelegten Dörfer nicht nur rumänische, sondern auch ruthenische, 
und letztere sogar in vorwiegender Anzahl. Ueber dieselben hatStadnicki eine 
sehr interessante Abhandlung gegeben. Einige neuere SpezialStudien von 
Lubomirski und Lepkowski (Starostwo ratenskie, wyjq.tek z historyi osad 
woloskich w Polsce; Fülnocno-wschodnie wotoskie osady; Wsie woloskie 
w Podtatrzu) konnte ich nicht zu Gesicht bekommen. L. Finkel, Bibliografia 
historyi polskiej II, 2, S. 838—839. 

2j Ich glaube, dass kuasl in den bekannten drei Stellen der bulgarischen 
Urkunden (Sreznevskij, Svedenija i zametki III, S. 15, 21, 37) Dorfrichter 
bedeutet. Vgl. hh npaxTopi. hh khasb S. 15, hh npaxTopn hh KHaae S. 21 mit 
H npaxTopLi H npiiMHKiopH S. 37. Die Identität zwischen KHeai. und npiMUKiopB 
in den serbischen Urkunden ist zweifellos. Bei Djuvernua, Slovari. bolgar- 



Ueber dio rumänischen Knesen. 113 

sie von Altersher gekannt haben mochten, denn die Holochower Knesen 
aus dem XIII. Jahrh. waren wohl eine Art Üorfknesen, wie die rumä- 
nischen'). Und dennoch hal)en die Kumilnen diese Einrichtunj,' weder 
von den Serben, noch von den Bulgaren, noch auch von den Küssen 
herilbergenommen. 

Die Rumänen hatten, als sie mit den slavisclien Völkern in Berüh- 
rung kamen (V. VI. Jahrh., vielleicht auch fiüiier , ihre -judeci" oder 
»juzi« (judices , deren eigentliches Amt es war, Hecht zu sprechen, wie 
es z. B. den »duci« duces) obla^, das Volk in den Kampf /u führen; das 
Wort cnez ist neueren Datums und ich glaube, dass es nicht vor dem 
IX. Jahrh. eingeführt worden ist, als bei den Slaven KivH/^Sk nur »do- 
minus, princeps, regulus - bedeutete. Mit der P^infülirunj^ fremder Würde- 
bezeichnungen für die Staatsoberhäupter bei den slavischen Völkern, 
wie es z. B. i^IccapK und KpaAK sind, begann das alte K'KM/^,SK die 
Bedeutung immer niederer Aemter anzunehmen, bis es um das XII. Jahrh. 
dahin kam, dass es auch einen Dorfrichter bezeichnete 2). Zwischen 
dem X. — XII. Jahrh. wurde bei den Rumänen, möglicherweise auch durch 
bulgarischen oder serbischen Einfluss, eher jedoch durch die Slaven. die 
mit den Paimänen nördlich der Donau zusammenwohnten und zur selben 
Familie, wie die im Süden derselben sesshaften gehörten, der Ausdruck 

skago jazyka, S. 987, wird behauptet, dass jedes bulgarische Dorf von einem 
seitens der Gemeinde gewäliiten Dorfältesten, starejivia, knez oder Äwic< ge- 
nannt, verwaltet wird. Vgl. auch Zauetov, Exlgarskoto naselenie vi> srcdnite 
vekove, Ruse 1902, S. 121—122. 

1, M. GrusevskiJ, Istoria Ukraini-Rusl III, S. 215. Bei den Ruthenen 
Galiziens bedeutet heute kuj3i> "Gemeinde vorstand« neben »Fürst« und 
»Bräutiornm« iZeleehow.-*kij, Ruthenisch-deutsches Wörterbuch). Vgl. »szol- 
tysi, wöjtowie, kniaziowe, bojarowie, tak nasi krölewscy, jako duchownych i 
swieckicb, kaidy placi z wloki po zlotemu« in einem Dekrete Sifiismund III., 
ap. Linde, Slownik, s. v. kniaz. — Ueber die kleinrussisi-hen Dorfknesen 
kenne ich keine specidle Abhandlung. Was die Bolochower Knesen anbe- 
langt, die von den rumänischen Historikern als Rumänen betrachtet werden, 
so besitzen wir über dieselben eine ganze Litteratur, deren vollstämüge 
Biblio^^raphie bei Grus vskij in der oben citirten Schrift, S. 5S5 — 586, zu fin- 
den ist. Unbekannt sind Herrn Grusevskij die Arbeiten D.Ouciul's treblieben; 
vgl. insbesondere dessen Originele prineipatelor romine, Bucure§ti 1^99, 
S. 86, 238; Rominii in Dacia Traiahä, Bucur( sti 1902, S. 26. 

2j Bezüglich der Serben siehe D.inicic, Rjecnik s. v. und Vuk Karadzid, 
Srpski rjecnik, s. v. knez, knezina. — Was die Bedeutun-ren betrifft, die 
dieses Wort heute bei den slavischen Völkern hat, siehe Miklosich, Etym. 
Wörterbuch, unter kunrgfi. 

Archiv für ^lavische Philologie. XXVI. 8 



114 J- Bogdan, Ueber die rumänischen Knesen. 

cnez eingebürgert, der in Ungarn die Umwandlung in chitiez erfuhr, in 
der Walachei cnez(KHf3k) mit bulgarischer und serbischer, in der Moldau 
hingegen C7ieaz (kH/ä3I%) mit russischer Aussprache lautete. In den 
Fürstenthümern scheint er sich mehr durch die Amtsterminologie, als 
im Volke erhalten zu haben, welches die Ausdrücke »Jude, judec« ge- 
brauchte ^). Es ist also nicht so sehr die Rede von einer rumänischen 
Institution slavischen Ursprungs, als vielmehr von einem slavischen 
Worte, das zum Theil die ursprüngliche rumänische Bezeichnung sub- 
stituirte, wie es sich auch mit »voevod« (slav. vojevoda) ereignete, wel- 
ches das alte »duce« (dux) ersetzte, das in der rumänischen Sprache noch 
vor unserem Kontakte mit den Slaven bestanden haben muss. Vom 
XIII. Jahrh. angefangen, hat sich dann das Knezat in den rumänischen 
Gebieten in verschiedenen Lebensbedingungen, jedoch im Einklänge mit 
den analogen Institutionen des mittelalterlichen Westeuropa, und ins- 
besondere denen Ungarns, entwickelt. 



1) Ein slavisch-rumänischea Glossar aus den J. 1600—1630 hat: khas — 
acsÄCJie, KHes — atsÄCK. Hasdeü, Cuvente den bätrani I, S. 2S6. In der ältesten 
rumänischen Uebersetzimg des Psalters (um die Mitte des XVI. Jahrb.) wird 
das slavische khäsl va\t judec übersetzt: khash loyaoBii, BjraÄLiKti hxb : acs- 
aeiiH loyÄeHJiopL, B.ii.aiiqiii jEop; khasu saBSJOHn, khash He*ea.jHMOBH: ^saeiiH 
saBOJiOHHJiopi. , acsÄe^iiu He*eajiHM8jisH. Coressi's Psalter aus dem J. 1577, 
ps. 67, V. 28. Die sogenannte psaltirea scheianä hat in den betreffenden Stel- 
len giudecii usäc^ih; Ausg. J. Bianu, Bucuresti 1889, S. 203. 

Bukarest, März 1903. J. Bogdan. 



Kritischer Anzeiger. 



1>. M. ^flnynoBt. HicKOjbKO aaMtuaiiift o cjOBiiicKO-n'feMeuKOMT. cjio- 
Bapi ILieTepuiuHKa. ÜAecca 190:}, 8", 72. 

In der kloinen, iuteressJinten AbliandliinfT ^il»t unsLjapunov eine Reihe 
schöner Aiiregun^'en über phonetische Fragen, welche uiittds des slovenisch- 
deutschen Wörterbuches Pletersnik's gelöst werden können. Hier bat er nur 
eine zu lösen versucht, nämlich die Frage über den etymologischen Gehalt 
des n und «, des f und e. AusfüluliclaT beliandelt er aber nur das r und n 
als KeHe.K des altksi. a resp. .h. In der Einleitung bietet uns Lj. einen Ueber- 
blick über die slovenischen Quantitäts- und Accentverhiiltnisse und eine ver- 
gleichende Darstellung der phonetischen Zeichen Valjavec's im Prinos k 
naglasu u [novo] slovenskom jeziku Rad XLIII ff.,, Pletersnik's im Wörter- 
buch) und P. Skrabec's. Die sloveniache Sprache steht in Bezug auf die 
Quantität in der Mittt; zwischen der serbokroatischen Sprache, die die alten 
Quantitätsvorhältiiisse so ziemlich gut erhalten hat, und der russischen, 
welche t-ie ganz verloren hat, obgleich auch liier ein Unterschied zwischen 
der Aussprache in geschlossenen und offenen Silben zu konstatiren ist; die 
Aussprache des russ. öpän. — öpaia entspricht theilweise der des slovenischen 
brät bräta. Die Veränderung des slovenischen Accentes beruht auf zwei ver- 
schiedenen Prozessen, auf Zurückziehung des ursprünglichen Accentes wie 
im i^tokavischen, und auf Verschiebung. In beiden Fällen haben wir Deh- 
nung im ersten Falle des steigenden, im zweiten des fallenden Accentes. 
Diese tritt aber nicht nur in Silben mit neuer Accentuation auf, sondern auch 
in Silben mit ursprünglich steigender Betonung, die im Serbokroatischen zur 
kurz fallenden wurde, im Slovenischen aber als langer steigender Accent 
erscheint, wenn die betonte Silbe nicht die einzige oder letzte des Wortes 
ist, in welchem Falle die slovenische Sprache wie die serbokroatische die 
Kürzung des alten Vokales beibehalten hat: brät — bräta, serbokr. /yrd^ bräta. 
Es kann hier auch erwähnt werden, dass eine Zwischenstufe zwischen der 
slovenischen und serbokroatischen Accentuation in dieser Beziehung der 
kajkavische Dialekt bildet. V. Bozic führt aus dem kajkav. Dialekt von Pri- 
gorje an: klin klina, at. klina, slov. klina, leb leha, at. hljeba, al. hleba, brät 
brätii, at. brä'a, slov. bräta u. s. w. (vgl. R. jsl. ak. XCV. S. 98 ff.). Anderer- 
seits hat dieser Dialekt aber rei-^elmässig wie im Stokavischen ce.sta, käpa, 
d'Ma, u. 8. w. Die slovenische Acci-ntuafion selbst steht aber in der 
Mitte zwischen der cakavischen uud stokavischen, insbesondere was die 



116 Kritischer Anzeiger. 

Zurückziehung des Accentes betrifft, unterscheidet sich von beiden durch die 
Unterordnung der Quantität unter den Accent, zeigt aber gerade dadurch 
Aehnlichkeit mit der russischen Sprache. In der heutigen slovenischen 
Sprache spiegeln sich zwei Perioden der Geschichte der Quantität urslavischer 
Vokale wieder. Die erste zeigt sich in der Dehnung geschlossener Silben (bog, 
sueg, brätra', die zweite, jüngere in der Kürzung geschlossener Silben und 
Dehnung offener, wie wir dies in der russischen Sprache (S. 11), den zweiten 
Fall auch im Slovenischen sehen [7nläka, vöda, oko)^). Mit dem Accente 
hängt aber im Slovenischen nicht nur die Kürzung bis zur Irrationalität und 
Ausfall (bes. des i) unbetonter Vokale zusammen, sondern auch ihre quali- 
tative Veränderung, besonders des e und o. Bei Zurückziehung des Accentes 
auf ein e oder o wird es oifen, unter dem alten Accente oder bei Verschiebung 
auf ein e oder o, wird es geschlossen f, e oder n, o. — Darauf bespricht Lj. 
die Accent- und Lautzeichen Valjavec's, Pletersnik's und P. ^krabec's. Ich 
will in einer Tabelle das wichtigste zusammenstellen : 



Vuk 


Valjavec 


Pletersnik 


F. 


^krabec 


lang, steig. Accent ä 


ä 




ä 




o' 


lang. fall. Accent a 


a 




a 




a' 


kurz. fall. Accent ä 


ä 




ä 




a" 


kurz, steig. Accent ä 


— 




— 




a.2) 


Geschlossenes o und e 1) 


e* o"\o e 
»e «0 1 




\ e 

\ f 




6 i 


2) 






6 e 


Offenes o und e 


e 


[mit 1. st. Acc.) e 




.0 .e 




6 i (mit 1. f. Acc.) 






In fremden Worten 


— 




ö e 




•0 -e 


Halbvokal 


h 




9 




a [v] 


Verkürzte Vokale 


— 







\ 


ü e b 


Ausgefallene Vokale 


— 




— 


«fi 


ü e ö ä). 



In seiner letzten Abhandlung über den sloven. Accent (Rad CXXXII) 
hat Valjavec die Zeichen Pletersnik's angewendet. P. äkrabec ist phonetisch 
genauer als Pletersnik und sucht damit auch etymologische Genauigkeit zu 
verbinden (S. 14 ff.). 

Interessant sind die Ausführungen Ljapunov's über den irrationalen 
Vokal. Von vorne herein scheint es ihm nicht unwahrscheinlich, dass der 
Halbvokal in haz, hh, sdn, p9si\.s,.w. direkt auf urslavischen Halbvokal 'aksl. 
ötax, ji'hd'h, ciHt, ntcB u. s. w.) zurückgeht. Allein diese Wahrscheinlichkeit 



1} Dialektisch findet sich auch im Slovenischen Kürzung langer ge- 
schlossener Silben im Innern der Worte. Im Gailthalerdialekte spricht man 
cesta, hräzda u. ä. mit kurzem steigenden Accente. Doch ist dieser Kürzungs- 
prozess noch nicht abgeschlossen, da man auch rdsti, presti u. ä. spricht. 

2/ Die Behauptung, die Lj. nur als Meinung P. Skrabec's anführt, dass 
die sluvenische Sprache einst auch kurzen steigenden Accent hatte, ist ganz 
richtig; Spuren finden wir noch jetzt z. B. im Gailthalerdialekte, wo vdada, 
mcgtia^ daska u. s. w. gesprochen wird. 



Ljapunov's Beraerkunpen zum sloven.Wnrterbiicli. anp^ez.v.Grafciiauer. 1 17 

peräth ins Schwanken durch den Umatand, dass die Vokale e und o, die eben- 

dort, wo byz u. s.w. gesprochen wird, in ancicren Worten 'tlän, diu den Halb- 
vokal ersetzen, in andt-rtMi DiaU'kten der ull8^s(•hli«■s8licho Ersatz des irratio- 
nalen Vokales sind, in nordöstlichen Dialekten *, in sUdwestlicIien a. Ferner 
werden gerade iu jenen Gegenden, wo dieser irrationale Vokal o auftritt, 
auch volle Vokale ^'ekiirzt bis zum Verschwinden; Worte wie kruh, dim u.s.w. 
werden selbst in dem in dieser Beziehung conservativonUnterkrainerdialekto 
ms])rochen wie haz, vas. Dieser Zweifel, sagt der Verfassor weiter, wird 
noch bestärkt diircli den Umstand, dass gerade in jenen Mundarten, wo das 
•1./1. durch volle Vokale ersetzt ist, solche Kürzungen niclit vorkommen. 
Unter diesen Umständen, sagt Lj., ist es nicht schwer, Sachmatov beizustim- 
men, der behauptet'), wir hätten keinen Grund, die Erhaltung des Halb- 
vokales für 1./I. in einer urslovonischen Periode zuzugeben, und hält diese 
Behauptung wenigstens für sehr wahrscheinlich. Der volle Vokal, in den in 
ältester Zeit vor den Freisinger Denkmälern) x,l zusaunnengeHos.sen wären, 
konnte weder u noch e sein, welche in den heutigen Dialekten auftreten, 
Sachmatov setzt deshalb enges ä dafür an. Der Verf glaubt, dass diese Theorie 
von der späteren Entwickelung des jetzigen sloveniechen irrationalen Vokales 
keineswegs die Annahme unmöglich macht, dass dieser urslavische volle 
Vokal a in älterer Zeit ein wirklicher Halbvokal war. Möglich sogar, dasa 
dies in einer anzunehmenden gemeinsamen scrbo-kroato-slovenischen Ur- 
sprache der Fall war, welche im (iegeusatz zu der östlicheren altkirchen- 
slavisch-macedonisch-bulgarischen Gruppe die beiden Halbvokale in einen 
Laut verschmolz. Bei der Trennung des speziell slovenischen Astes vom ge- 
meinsamen Stamme wäre die ursprüngliche Irrationalität verloren gegangen 
und je nach der Entwickelung des Accentes in den einzelnen Mumlarten 
später wieder zum Vorschein gekommen. Ljapunov gibt allerdings zum 
Schluss zu, dass es wegen Mangels an selir alten schriftlichen Denkmälern 
nicht möglich sei, diese Theorie strikte zu beweisen. 

Sehen wir uns die Frage näher an. Im Urslovenischen hätten wir einen 
vollen Vokal ä an Stelle der urslavisclien Halbvokale. Aus diesem wäre 
einerseits durchwegs e, anderseits durchwegs a, in anderen Dialekten unter ge- 
wissen Verhältnissen wieder ein Halbvokal geworden, während unter anderen, 
dialektisch geschieden, entweder e oder a daraus geworden wäre. Es ist 
dies nicht sehr wahrscheinlich, besonders da wichtige sprachliche Gründe 
dagegen sprechen. Vor allem ist es schwer zu erklären, wie aus einem 
engen vollen Vokal ä einerseits a [mah), anderseits (im Gailth., Rosenth.) 
offenes e entstehen konnte f?neA), und zwar aiich unter einer Betonung, 
unter der sonst jedes e verengt wird (z. B. l'ed, Gailth., Rosenth.;. Vgl. 
auch Oblak in Arch. XVI, l'>6. Dann ist auch das Hanptar;:ument ^ach- 
matov's, auf den sich Ljapunov in dieser Frage stützt, schwankend, da er 
uns zwar eine Verkürzung unter dem Accente des t und u als Grund an- 



^) In seiner Abhandlung: PyccKoe h cioBencKoe aKaiiie S. 4 — 5 (CöopHHKi 
CTaTeü. nocBflmeHHbixx yqcHHKaMii 11 noiiirarciHMH aKaae.MiiKy u sacjyaceuuoMy 
npo*eccopy 6. 5>opTyHaxoBy . . 1872 — 1902. BapmaBa ly02j. 



\ 1 8 Kritischer Anzeiger. 

führt, aber keine solche des a oder e (ausser bei r). Zu beachten ist auch der 
Umstand, dass bei Worten wie d'im krüh (dsm kräh) der Genetiv dima krüha 
lautet, dass man also diese Beispiele wohl nicht vollgiltig einem pgs psä, 
p9sä, pdsa anreihen kann. Will man ferner annehmen, dass pas, kas, S9s ur- 
sl ovenisch päs käs säs gewesen seien, so mUssten diese Worte in Bezug auf 
don Accent wohl ebenso behandelt worden sein wie c'iäp klen, da ja die übri- 
gen Verhältnisse ganz gleich sind. Nun haben wir aber im Unterkrainer- 
dialekte, auf den sich Sachinatov und Ljapunov stützen, wegen d'im krüh 
u. s. w., wohl psä kasä, aber kein pesa kesa, wie wir cepa klena haben. Falls 
der heutige irrationale Vokal des Slovenischen erst aus einem ä gekürzt 
worden wäre, müsste man wohl mehr e finden, welche auch durchwegs zu 
Halbvokalen gekürzt worden wären. Dies trifft aber nicht zu, vielmehr sind 
einige Dialekte in dieser Beziehung sehr genau in der Unterscheidung. Im 
Gailtlialerdialekte z. B. haben wir vom aksl. imp. tbuh, pma, ubuh immer 
Hei rci {irci) spici, vom Infinitiv tciuth peuiTu neiUTH aber ttjoi rejci pejci 
[ej statt e„ wegen des c). Neben üahe sejbe (gen. dat. acc. loc. sg.) aksl. leöi 
ce6i haben wir dort mine, aksl. Mtni. Wenn dieses 6 einmal voller Vokal ge- 
wesen wäre, hätte die Analogie gewiss bewirkt, dass der Unterschied ausge- 
glichen worden wäre. Ebenso wird dort gesprochen gen. sg. p-bsa, sisa, dizti, 
diznja (aus dizj'ä) siva, dagegen ble„ka, ce„pa, plegha, cak. blekä, cepä, plehä, 
u. s. w. Noch deutlicher tritt uns diese Unterscheidung im Eosenthalerdialekte 
entgegen, wo unbetontes und kurzbetontes e zu a geworden ist, z. B. rmän, 
zalärt, srsän. Hier haben wir neben tahe sähe nur mwe rmnä, aber kein mane. 
Zwar haben wir im instr. sg. auch Mo als Analogiebildung nach w»^wo, aber 
daneben finden wir auch tabö, aber kein manö. Neben zalän rmän finden wir 
Jo^tn trüdn u. s. w. (vergl. damit die allerdings nicht sehr systematische 
Darstellung Scheinigg's in Kres, Leposloven in znanstven list I. Kiagenfurt 
1881. S. 525 ff. und 664 ff.) i). Dagegen treten Abweichungen wie zinstvo 
ti Hk rrvbc^k aus ateacxBO tajkxk'b maki>kt. im Gailthalerdialekt ganz in den 
Hintergrund, da man mit Recht annehmen kann, dass hier der Accent später 
zurückgezogen wurde als in den Fällen m\ne tejbe sej)e, was auch rmstvo aus 
mostvö beweist. 

Darauf geht Lj. (S. 24) auf die Untersuchung des etymologischen Ge- 
haltes des f, 0, e, p über. Das f erscheint überwiegend als Reflex des urslav. 
A, aber auch des e; o grösstentheils als Vertreter des ursl. &, aber auch des 
ursl. o; e reflectirt ausschliesslich ursl. i, das aber unter Umständen auch als 
f oder e erscheint; p ist meist aus ursl. o, nur selten aus & entstanden. Hier 
beschränkt sich der Verfasser hauptsächlich auf f und o als Vertreter des 
A, äx. Die Schlüsse, die er aus dem Materiale zieht, das er uns vergleichend 
mit den übrigen slavischen Sprachen bietet, sind in den Grundzügen richtig, 
die Erklärung der Abweichungen wird aber wohl nicht Jedermann über- 
zeugen. Die Frage nach den Reflexen der urslavischen Nasale im Sloveni- 



1) Von den Beispielen h'niti (Hniti) "dr [Hdr vh6' (rieht. hhi>^) u. s. w. 
sagt Seh. (Kres I, 664), hier ersetze der Halbvokal a, bei h'dSti, b'zovc (b^z) 
u. s. w. aber e (o. c. S. 666j ! 



Ljapnnov's Bemerkiineron zum slnven. Wörterbuch, anprez. v. nnifonauor. 1 19 

sehen ist eine höchst schwierige, da dio verschiedenen Dialekte sehr von 
einander abweichen; der Jauiithalerdialekt liat noch jetzt Nasalisuius, der 
Roaenthaler- und (Jailthalenlialekt hat e n Hrückes e" o"), {iürzcrdiali-kto 
einen <i-äliulichen Laut ver^l. .Cvetje z vnov sv. Franeiska XU. 11. S. 2). 
Bevor nicht die .Mehrzahl der slovenischeu Mundarten phonetisch genau 
durchforscht i.st, wird hierein letztes Wort wohl kanm gesprochen werden 
können. Ich will mich nur auf einige Zusätze zur Vervollständiguntr des ge- 
botenen Materiales beschränken, insbesondere was dio Erhaltung der Nasale 
als vocal -f- " oder lu in der slovenisehen Sprache anbelangt. Neben zahrr- 
kiiiti führt l'leti-rsnik noch au zabi^tikniti - hrrttknem vb. pf. aus Untcrkrain 
(Lasce und südöstl. Steiermark, vorschwellen; neben drteija aus den Go- 
riska Hrda drnta [danta] und aus Canale d(iitelj. Neben kl^rati kommt in der- 
selben Bedeutung auch klencdti-am vor: zob se klenca; Goriska Brda. Neben 
dem licati kommt im Slovenisehen auch lincuti ae vor iGailthal.) in der Be- 
deutung des Icrati sc, das Pletersnik anfiilirt »sich faul recken und dehnen«. 
Im Gailthal wird Ihici in allen Formen gebraueht in der Bi'deutung von 
»gebären«. Zu rrd ist zu erwähnen, dass in Kärnten nicht dve redi tri, redi 
gesprochen wird, wie dies Pletersnik anführt, sondern dvejsti triste aber st^- 
redi petred u. s. w. (Gailthal.). Zu s{ci ist zu erwähnen, dass im Gailthal senci, 
zaprsenci, dosenci, zapris'engati gebräuchlich ist. Ausgelassen hat Lj. das 
skii'sniti-sklinsuiti knacken PI. II, 031). Neben pntignili (PI. tlgnitii kommt 
im Gailthal das Verbum tenglati »an etwas zerren« vor, das von teng- nicht 
getrennt werden kann. Im adjektivischen Partizip, das im Gailthal sonst 
nicht erhalten ist, hat sich der Nasal erhalten in den Formen Mrhic [vr/^c] g%- 
rhic prhbrenc (prezohorenc). Zu pop pnpak, das auch im Gailthale vorkommt, 
habe ich hinzuzufügen />o?»pa »Bauch« in der Kindersprathe. Ljapunov hätte 
im Wb. Pletersnik's neben /^o/jSra »Eberwurz«, das auch hierher gehört, auch 
pompava, pumpavu, kompava finden können; Pletersnik vergleicht damit ^f/? 
Knospe. Neben pMa (russ. nyrbi, poln.yj{'</a, russ. nexJH statt narja) führt 
Pletersnik auch pStlJa und p^tlja penkljd) Masche, und peiitljdti an; im 
Gailthalerd. phitla p'entlati. Für oJrpc spricht man im Gailthale hhranc. 

Ganz kurz behandelt dann der Verfasser q in Entsprechung für das 
ursl. 0, dessen genauere Untersuchung er für eine andere Gelegenheit auf- 
hebt, f, o und e, deren Behandlung aber schon wegen der gedrängten Kürze 
und da der Autor nur einen geringen Theil des Materiales benützt, noch 
nicht als eine abschliessende gelten kann. Aufgefallen ist mir nur die Be- 
merkung auf S. 69, dass wir für pota roga (neben potü rot/S} *pöta *rrga er- 
warten sollten wegen des serbokroat. pöfa, röga. Der Verfasser vergisst da- 
bei, dass nur einem solchen serbokroat. ", das aus ursprünglich steigen- 
dem Accent entstanden ist, im Slovenisehen ein ' entspricht, dem ursprüng- 
lichen kurzen fallenden Accente entspricht aber langer fallender Accent der- 
selben (geschlossenen) Silbe, falls sie die letzte oder einzige des Wortes ist, 
sonst langer fallender Accent der darauffolg'-nden Silbe roga bogS vodn u. s.w.; 
sowohl jjp/a roga, als auch /jofa rnga (die auch vorkommen) sind als Analogie- 
bildungen zu betrachten. Im Ganzen hat aber der Verfasser seine Aufgabe, 
uns in dieser Abhauüluug das Material, das das Wb. Pletersuik's bietet, zu 



J 20 Kritischer Anzeiger. 

samnieln und wenigstens nach einer Richtung hin zu beleuchten durch Ver- 
gleichung mit den übrigen slavischen Sprachen, sehr einleuchtend ausgeführt. 
Dem, der sich mit solchen Fragen beschäftigt, wird diese Abhandlung sehr 
willkommen sein. 

Wien, Februar 1903. I. Grafenauer. 



Radovan Kosutic: 1) rpaMaTHKanoACKora jesHKa. Eeorpa^ 1898, 

8^, 201 (Grammatik der poln. Sprache). 
» » 2) ÜpHMepH KüHateBHora jesHKa noACKor. Eeo- 

rpaA 1901, 8", 226 (Beispielsammlungen 
aus der polnischen Literatursprache). 

Es ist ein schöner Gedanke, der Kosutiö beim Verfassen seiner poln. 
Grammatik und seines poln. Lesebuches geleitet hat: dem Volke der Serbo- 
kroaten das Erlernen der polnischen Sprache zu erleichtern und die Sympa- 
thie der beiden Völker, die einst im »Osman« Gunduliö's einen so schönen 
Ausdruck gefunden hatte, durch die Kenntniss der polnischen Literatur und 
Sprache aufrecht zu erbalten. 

Die Grammatik muss natürlich ihrem Zwecke nach populär sein. Sie 
besteht aus drei Theilen, deren erster sich mit der Phonetik, der zweite mit 
der Flexion befasst; der dritte Theil soll eine Syntax ersetzen und behandelt 
die Partikeln, indem er hie und da lose Bemerkungen, welche die Syntax be- 
treffen, einschaltet. — Nachdem der Verfasser im I. Theile Einiges über die 
Aussprache derConsonanten und Vocale des Alphabets und über den Accent 
gesagt hat, geht er zur eigentlichen Phonetik über, die sehr spärlich und 
sozusagen ungleichmässig behandelt ist. Als Beweis kann die Behandlung 
der Vocale dienen. Den Vocal e z. B. behandelt er verhäitnissmässig ziem- 
lich breit, unterscheidet ein stabiles e vom unsteten (statt des primären und 
secundären), leitet das erste vom aksl. e, i ab; das zweite von t, "b; oder be- 
trachtet es als eingeschoben zwischen 2 Consonanten (wie : rydel, oder gen. 
pl. wios-e-t). Wenn das schon knapp ist, so ist es noch knapper mit den Nasal- 
vocalen, bei denen er sich nur mit der Bemerkung begnügt, dass sie vom 
indogermanischen m, w + voc. entstanden sind. Von den Vocalen u, i, o aber 
spricht er überhaupt nichts. Erst am Ende der Phonetik ersehen wir aus 
einer Zusammenstellung, dass dem aksl. &. ebenso ein poln. ^ wie ^ ent- 
sprechen kann, wie auch einem aksl. a; aber auch hier bleibt die Erklärung 
aus, so dass die Zusammenstellung (§ 53, 54) keinen Zweck hat. Nach solcher 
Besprechung der Vocale geht er zu den Consonanten über, in deren Einthei- 
lung und Behandlung er dem Krynski ^ folgt. Dieser Theil ist auch genauer 
bearbeitet: so der Uebergang eines Consonanten in einen anderen, die Er- 
weichung, das Vertreten eines Consonanten durch einen anderen (odca ojca;, 



1) Gramatyka JQZ. polsk. Warszawa 1900. 



Poln. Grammatik ii. C'hreBtomathie von R. Kosntic?, angez. von Heilpern. 121 

die Dissimilation, (lieEinBohiobunp und dor Verlust eines Consonanton und dlo 
Umlautjjesetze. Aber auch hier sind die Hehauptunpen nicht immer zutref- 
fend, wie die folfionde: § 3:< riip;iu riucuii k. >;, cii iipeiuju cy: « y ai;k.ih- 
uauHJu k y C, g y dz, ch ys; ,■?) y ko». yramiju h njtu iiocrajaiijy pequ 
k y cz, g y i, ch y sz. Diese Definition ist nur oberflächlich, darum musa er 
auch gleich eine Bemerkung hinzufügen, dass auch in der Declination das k 
in cz übergeht, nämlich im Voc. sjr. der o-Stämme (czh»wioczo\ ch in sz in 
local 8g. der a-Stäinme ;i)ych;i-pyszo; in local plur. der Substaiitiva WKichy — 
we Wloszech u. 8. w. dort wo das e einem e im Aksl. entspricht. Die An- 
merkung rettet aber die Definition nicht. Der Hauptfehler dicHes 'rheilea 
ist, dass der Verfasser keinen klaren Standpunkt wählt, dass er theilweise 
wissenschaftlich erklärt, theilweise wiederum populär, um für das grosse 
Publicum zugänfilicher zu sein. Oftmals steht aber das Populäre bei ihm im 
Widerspruche mit der Wissenschaft. 

Die IMionetik hat auch einen Anhang, welcher einige Zusammenstellun- 
gen bringt: eine Zusammensttllung d«T Nasalvocale in weiii^'cn Heispielen 
der aksl., poln. und serbo-kroat. Sprache, ebenso der Ualbvocale, der tort-, 
tolt-Gruppe. Was sich hier im Anhang befindet, konnte und sollte an seiner 
Stelle in der Phonetik verwendet werden, denn so spürt man einen Mangel an 
Gruppirung, welche für die Anschauliihkeit der Darstellung unentbehr- 
lich ist. 

Hesser ist die Flexion. Obwohl sich der Verfasser immer auf Krynski 
stützt, indem er die Erläuterungen ihm entnimmt, so weicht er doch, und mit 
Rechr, von ihm in der Eintheilung der Declination ab. Krynski theilt nämlich 
die Nomina in 4 Declinationen ein, indem er die n-, nt-Stämme zur zweiten 
Declination zählt ; Kosutid dagegen zählt sie zur V. Declination mit Rücksicht 
auf ihre Abstammung umi theilweise auf ihre Flexion. Die Erklärungen zu 
den entsprechenden Casus sind umfangreich und richtig, obwohl man hie und 
da Ungenauigkeiten oder Vers'hen uotiren kann. Nicht ganz klar ist die 
Definition der zur I. Classe gehörenden Nomina. Er zählt nämlich zu dieser 
Classe auch Diminutiva auf o, was richtig ist, und Diminutiva, die auf ein u 
auslauten. Solche Diminutiva auf u gibt es im Polnischen nicht und Kosutic 
selbst führt kein > inziges Beispiel an. Möglich dass er darunter die u-Stämme 
verstellt, die im Polnischen zur I. Declin. üliergegangen sind. Jedenfalls ist 
aber die Definition nicht klar furmulirt. Dem populären Zwecke ist es aber 
wenig entsprecliend, diese u-Stämme ohne Erklärung zu lassen, da nicht Jeder 
in syn die ursprüngliche Form wiedererkennen wird. — Als Versehen kann 
angesehen werden, wenn der Verfasser den Genet. Dat. Vocat. und Instrum. 
sg. der 4. Declination zusamm-^n behandelt und allen die Endung -i gibt, wo 
der Instr. doch ^ hat S. 60} (Krynski behandelt auch den Gen. Dat. Vocat, 
aber mit dem Local zusammen); ebenso wenn sol, soll ;S. .'i6. 17, 18, zur 
I. Declination gezählt wird (Krynski hat an derselben Stelle stöl S. 52. 15, 17). 
Obwohl die Anmerkungen, wie erwähnt — sorgfältig bearbeitet sind, ver- 
misst man doch so Manches: so fehlt neben Anderem auch die Erklärung 
des Locals der a-Declination, welcher doch im Polnischen drei resp. zwei 
verschiedene Endungen e (e, und y, i (rybie, duszy, panij hat. 



1 22 Kritischer Anzeiger. 

Die pronominal Declination zeigt einen grossen Einfluss des Krynski. 
Tch meine hier die Streitfrage, betreffend die Unterscheidung der Genera im 
Instr. Sg. u. Plur. der Pronomina und Adjectiva, die im Poln. nach der zu- 
sammengesetzten Declination sich abändern. Die altpoln. Sprache hat einst 
iu ji, ja, je nur den Instr. vom Local unterschieden: Jim, nim, von jem, niem, 
die Genera aber nicht, ähnlich, wie sonst in anderen slavischen Sprachen. 
Mit der Zeit aber haben sich die beiden Casus assimilirt, so dass seit dem 
XV. Jahrh. die Form jim, nim für beide gilt. Da man aber später einmal jim 
nim, ein andermal wieder jem niem geschrieben hatte, rieth im XVIII. Jahrh. 
Kopczynbki, für das männliche Geschlecht nim, für das weibliche und säch- 
liche niem zu gebrauchen ; ebenso im Instr. Plural nimi und niemi. Und diese 
Formen hat man ein Jahrhundert lang gebraucht und noch heute bezeichnet 
ein grosser Theil auf diese Weise die Genera. Krynski billigt das nicht, in- 
dem er es als unhistorisch betrachtet und sich auf andere slavische Sprachen 
beruft. Die älteren Grammatiker aber und die Krakauer Akademie schreiben 
nim, nimi für mascul. niem u. niemi für feminina und neutra und mit ihnen 
ein sehr bedeutender Theil der Polen, so dass es im Laufe eines Jahrhunderts 
sogar in die Sprache übergegangen ist. Sei es ein künstliches Produkt oder 
nicht, so bleibt doch Thatsache, dass es vom Volke gebilligt wurde, weil man 
auch in anderen Casus die Genera unterscheidet. Kosutiö aber schliesst sich 
Krynski an, ohne darauf Rücksicht zu nehmen. Ich glaube, dass eine in- 
formirende Grammatik wenigstens erwähnen sollte, dass sehr Viele anders 
schreiben und diese Formen neben den Krynski'schen setzen sollte. Das 
wurde nicht gethan. 

In der Eintheilung der Conjugation weicht Kosutid ein wenig von 
Krynski ab, obwohl auch er — gleich ihm — die Verba nur in 5 Classen theit 
und die Verba auf owac, ywad zur dritten Ciasse zählt; er unterscheidet sich 
aber dadurch, dass er noch zur dritten Classe die Verba slucham, bywam 
zählt und aus den Verba, welche Krynski separat als ursprüngliche Conjuga- 
tion behandelt, d. h. (jesm) jestem, dam, jem, wiem, die 5. Conjugation 
bildet. 

Eine Syntax fehlt, ähnlich wie bei Krynski. Sie wird nur durch die 
Zusammenstellung und das Aufzählen der Perfectiva und Imperfectiva, durch 
das Behandeln der Partikeln und ihrer Casusverbindungen sehr spärlich er- 
setzt. — Im Allgemeinen aber kann die Grammatik ganz gut zum Erlernen 
der polnischen Flexion dienen und in die Sprache einführen. 

Ein zweites Hilfsmittel bildet das Lesebuch. In der Anordnung der 
Lesostücke scheint den Verfasser die progressive Ordnung zu leiten. Er 
beginnt vom Leichteren und schreitet zum Schwieligeren fort. Darum setzt 
er an die Spitze leichte Uebersetzungen von serbischen Volksliedern, dann 
geht er zu polnischen Volksliedern und zur poln. Kunstpoesie über. 

Dieses Prineip kann man aber nur am Anfange bemerken; die spätere 
Reihenfolge kann durch nichts gerechtfertigt werden. So finden wir z.B. die 
»Nieboska komedya«, ein schwieriges Werk, vor dem »Pan Tadeusz«, wel- 
cher schon Kindern zugänglich ist. Auf die chronologische Ordnung wird 
auch gar nicht geachtet: so stehen nebeneinander Niemojewski, ein junger 



Pohl. fJr!ini!ii;itik n. Chrestomathie von H. Kosuiiö, angez. von Heilpcrn. \'2'.\ 

Dichter, und Krnsicki, aus dein .Will. Jalirh. oder FriMiro; Tciniajer auch 
einer der Jiin!,'Bten, neben KraHin.''ki, ii. 8. w. 

Meiner Ansicht nach spielt /war das Piidajro^rischo in einer Chresto- 
niathie eine wichtige Kelle, aber eine nicht minder wichtige das Literar- 
historische: eine Chrestomathie soll wenigstens in den allgemeinsten Um- 
rissen ein liild iler Literaturentwickelung gi-bon. Das aber kann nur durch 
eine chroniiloL'i.sche Annrtinung der im Lesebuche vorgeftlhrtt-n Dichter er- 
reicht werden. Kosutic sazt zwar in der Vorrede, dass er nur ans der zweiten 
Hälfte des XIX. Jahrh. Bt-ispiele gewählt hat, aber auch diese konnte man in 
einer entsprechenden Ordnung uebeneinandersetzen, abgesehen davon, dass 
man auch in frülioreu Jahrhunderten in der polnischen Literatur so Manches 
finden konnte, wie es 8elb.st Kosutic durch kUine Fabeln des Krasicki und 
Morawski zeigt. — Was die Auswahl nelbst betrifft, so ist sie ziemlich zu- 
treflfend: ich möchte jetlocli bemerken, dass man solche wie Kosiakiewic/., 
Jankowski, Ostoja, Dygasinski, sogar Gomulicki in einer Chrestomathie ganz 
ruhig weglassen konnte. 

Wenn so eine Anordnung der LesestUcke nicht befriedigen kann, so 
kann es noch weniger eine alphabetische Anordnung der Notizen über das 
Let)en und Wirken der Dichter, welche im Buche vorgeführt sind. Durch 
eine alphabetische Ordnung muss der Einblick in die Entwicklung der Lite- 
ratur ganz verloren gehen. Es ist wahr, dass es für den Leser vielleicht be- 
quemer ist, wenn er gleich einen Dichter aufsuchen kann, aber dasselbe 
konnte man durch einen Index nominum erreichen. 

Die Notizen selbst sind genau zusammengetragen, ebenso wie die Anmer- 
kungen zu jedem Stücke mit grosser Sorgfalt bearbeitet sind, so, dass sie dem 
Anfänger wirklich lias Lernen erleichtern können. Besonders sorgfältig ist 
das Wörterbuch bearbeitet, welches verhUltnissmässig sehr umfangreich und 
genau ist. A. Heüpern. 



Glagolitica. Publicationes palaeoslovenicae Academiae Veglen- 
sis. l'.^ü'.i. I. Recensio croatico-glagolitici fragmeati Verbenicensis, 
auctore Josepho Vajs. Veglae 19<»3, h^, 50 (mit einem Facsimile). 

Diese kleine Schrift, 50 Seiten umfassend, verdient besonders hervor- 
gehoben zu werden. Wie die Flamme, bevor das Licht erlöscht, einigemale 
aufzuflackern pflegt, so hat der kroatische Glagolismus in seinen letzten 
Kämpfen um das stark gefährdete Dasein diese kleine Publication gezeitigt 
auf Kosten einer eigenen «Academia Veglensis«. Es bat sich nämlich in der 
kroatischen Quamerobucht des Adriatischen Meeres, auf der Insel Veglia 
(kroatisch Krk, nach dem alten Kurykta benannt), die in der Geschichte des 
Glagolismus eine hervorragende Rolle spielt — stammt ja doch Glagolita 
Clozianus von dort! — in der Stadt Veglia, Dank dem Eifer des dortigen 
Bischofs, ein kleiner literarischer Verein, eine »Akademie« gebildet, die den 
löblichen Zweck veilulgt, literarische Alterthümer jener Insel und ihrer Um- 



1 24 Kritischer Anzeiger. 

gebunar, die grösstentheils als glagolitische Handschiiften, Bruchstücke, In- 
schriften u. s. w. bei einzelnen Kirchen oder Klöstern verwahrt werden, all- 
mählich herauszugeben. Das erste Heft liegt nun vor. Als Herausgeber tritt 
nicht etwa ein kroatischer Priester auf — das schöne Beispiel der beiden 
Yeglenser Crncic und Parcic scheint nicht mehr zu wirken — , sondern ein 
aus Böhmen gekommener Priester, der in Prag slavische Studien gemacht 
und seinen böhmischen Eifer in das schläfrige far niente des heissen Südens 
gebracht hat. Ihm verdanken wir dieses kleine werthvolle Heft, mit welchem 
die bescheidene »Academia Veglensis« nicht unwürdig debutirt. Das Heft 
gibt uns den Inhalt eines — Pergamentumschlages, in welchem ein auf Papier 
geschriebenes Kirchenbuch der Gemeinde Vrbnik (Verbenico) eingehüllt ist. 
Der Umschlag besteht aus zwei Doppelblättern, im Ganzen also enthält er 
vier Blatt, mit glagolitischer Schrift beschrieben, deren Ductus zu den älte- 
ren (aus dem Ende des XIII., spätestens aus dem Anfang des XIV. Jahrh. 
herrührend) Denkmälern gerechnet werden kann. Das Zeichen o« kommt 
häufig genug vor. Ich sah diesen Pergamentumschlag vor einem Jahre in 
Wien, wo das ganze Buch wegen eines Processes längere Zeit als ein Docu- 
ment bei den Acten des Reichsgerichts lag. Es freut mich, dass mein schon 
damals geäusserter Wunsch, das Stück herausgegeben zu sehen, ziemlich 
schnell in Erfüllung gegangen ist. Die ganze Ausgabe macht einen sympathi- 
schen Eindruck. Der Herausgeber hat nach guten Mustern gearbeitet. Der 
glagolitische Originaltext ist mit glagolitischen und in Transscription mit cyril- 
lischen Buchstaben paläographisch treu abgedruckt, zu jedem Blatt besagen 
die Anmerkungen das Nöthige unter dem Text, dann folgt die Analyse des 
Inhaltes und der Sprache, d. h. der Graphik und Grammatik. Nur die kritische 
Seite des Textes, d. h. der Nachweis, wie er sich zu den Parallelen gleichen 
Inhalts verhält, kam nicht zur Sprache. Der Druck des Textes ist allerdings 
nicht ganz frei von Fehlern, die auf der letzten Seite nicht alle verzeichnet 
sind. Das im Lichtdruck beigegebene Facsimile lässt zwar an Deutlichkeit 
manches zu wünschen übrig, doch besser so, als gar nichts. 

Die vier jetzt als Umschlag dienenden Blätter sind der letzte übrig ge- 
bliebene Rest eines alten glagol. Codex (saec. XIII — XIV), der das Breviarium 
enthielt, und zwar nach dem Nachweis des Verfassers bildeten diese Blätter 
Officien der zweiten und dritten Adventwoche. Der Text besteht aus ganz 
kurzen Bibelstellen alten und neuen Testamentes, aus Gebeten, Hymnen (nur 
Anfänge) und verschiedenen antiphonischen Sätzen. Die biblischen Stellen 
können zum grössten Theil in den Parallelen bei Bercic nachgewiesen werden 
und bei der Vergleichung stellt sich heraus, dass in der Regel der Text dieses 
Fragmentes mit dem bei Berciö abgedruckten geradezu wörtlich überein- 
stimmt. Man hat es also mit derselben Redaction zu thun, die in dem Vrb- 
niker Breviarium, aus welchem Bercid einen grossen Theil seines Textes 
schöpfte, wiederkehrt. Einzelne Abweichungen sind dabei allerdings nicht 
ausgeschlossen, z. B. gleich anfangs fol. Ab (auf fol. Aa konnte der Verfasser 
nichts mehr entziffern) ist aus Isaias V. 6 u. 7 die Stelle sonst mit dem Bercic'- 
schen Text übereinstimmend, nur für den Ausdruck öujiue bei Bercid steht 
hier das richtige ipHue [axavO^ai;. Die Stelle aus der Epistel ad Galatos IV. 



Jos. Vaj8, GlagoHtica, angez. vou V. Jagiö. 125 

4 u. 5 weicht in der Anwendung des Accusativs cui. cbou statt des bei Berciö 
stehenden Genitiv3 caa CBoero etwas ab, ab^T in einem Agrainer Text, aus 
welchem ich mir in jun!?i'n Jahn-n Varianton aufgezeichnet hatte, finde ich 
ganz in Uebereinstimmung mit dem hier gedruckten Text so: er^a »e npuAu 
Hcnjiiieiiue npMeue nocia (>h cii* cbuu po'Mi* ot ■/Ki-hh 6uii' no;i' saKoiioM'. Dem- 
nach ist in der Z. 15 der cyrill. Transcription in den Klammern unrichtig 
6uBL statt poaucuL geschrieben. In dem liespuuäurium, Z. 17 — \b, das auf 
Isai. XIV. 1 beruht, wird der Herausgeber nicht richtig den Text entziffert 
haben, nicht ue oyMa.ieT ce soll es heisren (im glagol. Text steht geradezu ein 
Druckfehler ■P3a»"^+V3TO 83), sondern hc oy,ia.TeT ce 'so liest man es auch bei 
Berciö . Die letzten Zeilen der 1. und die ganze 2. Coluniiie desselben Blattes 
Ab enthält Jerem. XXXII. :i7 — 42, wie es schon der Herausgeber angibt. 
Auch hier stimmt der Text zu Bercic und darnach liätteu noch einige Lücken 
in der cyrill. Transscription ausgefüllt werden können. Unter den Antipho- 
nen, die auf Bl. B a, col. 1 enthalten sind, beruht das eine (Z. 9 — 13) auf Isaias 
XXVI. 1 u. 2, das andere (ib. Z. 15—18 auf Habacuc II. 3, das dritte ;ib. Z. 
19—20) auf Isaias LV. 12. Alle diese Stellen fehlen bei Bercic. Auf fol. Ba, 
col. 2 ist Z. 4 — 8 die Stelle aus der Epistel ad Rom. XV. 4 'bei Bercid zu fin- 
den] und Z. lu— 11 das CiUit aus Isaias IX. 7, auch bei Berciö. Auf Z. 13 — 19 
steht ein Gebet, dessen iat. Wortlaut der Herausgeber auf S. 39 angibt. Auf 
fol. Bb, col. 1 folgen Antiphonen, Gebete, Hymnen (nur angedeutet , über die 
der Herausgeber das Nöthige auf S. 39 sagt, in den Z. 19 — 25 liest man das 
Citat aus Malachias III. 1, das sich in gleicher Fassung auch bei Bercic vor- 
findet. Fol. B b, col. 2 muss in der Z. 2 — 3 ein Druckfehler stecken, weder im 
glagol. noch im cyrill. Text begegnet das richtige, es dürfte wohl BjajaTCJB 
heissen. Z. 5 — 14 folgt ein Gebet, dem der Herausgeber nicht auf die Spur kom- 
men konnte, er übersetzt es ins Lateinische auf S. 40. In Z. 17 — 19 begegnet 
das Citat aus Isai. XI. 10, aber in der Fassung, wie es in der Epistel ad Rom. 
XV. 12 wiederholt wird; nach dieser Richtung stimmt es wörtlich zum Text 
Berciö's. Auf fol. Ca, col. 1 u. 2 ist wenig zu lesen und die Erklärung des 
Herausgebers unter den Columuen ausreichend. Fol. C b, col. 1 enthält ein 
Citat aus .Malach. IV. 5 — 6 vom Herausgeber angegeben , das bei Bercic nicht 
vorkommt, und Z. 18—20 beruht auf Isai. 60. 2, bei voller üebereinstimmung 
mit dem Text Berciö's. Cb, fol. 2 enthält u. a. in den Z. 9 — 1 1 das Citat aus 
Matth. III. 11, doch nirht genau, ein Versehen des Schreibers ist nptji. muoio 
npujCTB statt no Mut npHieTt, auch der Ausdruck oCoyBeuut für x« vnod'r,uaiu, 
calceamöuta, ist eine spätere Aenderung. Im Citat ib.Z. 15 — 17 aus Isai. XL. 3 
steht bei Berciö roxoBixe, hier roTOBame, vielleicht oyroTOBaHTC ? wie es im 
Evangelientext gelesen wird. Die unrichtigen Formen xEopire und cxbsh 
kehren genau so bei Berciö wieder. Auf fol. Da, col. 1 findet man ausser dem 
Text einer Homilie u.a. noch das Citat aus Ev. Luc. I. 32. .^3. wo bei Berciö 
das Verbuni regnabit durch Buecapux ce wiedergegeben wird, hier aber (ui- 
capjcTBoBaxH BB^HCXB. Die erstere Lesart ist die ältere. Fol. Da, col. 2 ent- 
hält u. a. eine Stelle aus Isai. XL. 3 (Z. 7-11), die bei Berciö ungefähr mit 
denselben Worten wiedergegeben ist, dann (Z. 13 — 15 ein Citat aus Ep. ad 
Titum II. 12 — 1.5, (las bei Berciö in einer alten Bedaction begegnet, für das 



\ 26 Kritischer Anzeiger. 

hier angewendete nonuiÄaiome steht dort in Uebereinstimmung mit ältesten 
cyrillischen Texten qaiome, statt HaBeatae (warum complettirt der Herausgeber 
Hasie?) dort oynoBaHHi. Z. 17—19 bietet den Text aus der I. Ep. ad Corinth. 
IV. 1, der mit der Redaction bei Bercic genau übereinstimmt. Dasselbe gilt 
für Z. 22—23 aus Matth. XI.2, Fol. D b, col. 1 enthält u. a. zwei Gebete, deren 
erstes der Herausgeber in dem Vrbniker Breviarium vorfand, nicht aber das 
zweite. Auch die 2. Columne enthält Gebete, u. a. zum Schluss Ave Maria, 
das mit dem noch heute üblichen »Zdrava Marie« beginnt. 

Wie man sieht, ist aus dem Fragment nicHt besonders viel zu gewinnen, 
immerhin bleibt es beachtenswerth, dass schon so früh (spätestens für den An- 
fang des XIV. Jahrh.) im Ganzen eine einheitliche Redaction der glagol. bibl. 
Texte constatirt werden kann. Es scheint also schon im XIII. Jahrh. der 
kirchenslavische biblische Text in Dalmatien oder Kroatien einer Revision 
auf Grund der lateinischen Vorlagen unterzogen worden zu sein. 

Ein Curiosum enthalten die Blätter. Der Schreiber derselben mag 
ein tüchtiger Weintrinker gewesen sein. Dass er, besonders wenn er in den 
Sommermonaten mit der Abschrift beschäftigt war, öfters Durst verspürte, 
das wollen wir ihm nicht übel nehmen. Diesen Durst (nicht aber seinen Na- 
men, auch nicht den Ort oder die Zeit der Arbeit; hat er in zwei Interlinear- 
zusätzen verewigt. Fol.Cb, col. 2 in Zeile 23 seufzt er: nucui, 6h xoxejti. hhtu, 
und fol. Db, col. 1, Z. 12 erinnert er sich abermals, dass es Zeit wäre zu trin- 
ken: He 3a6oya§MO ce HanaxH! Für diese in seiner Muttersprache niederge- 
schriebenen Sätze verdient er unsere Anerkennung. 

Der Verfasser dieser kleinen Schrift hat nichts unterlassen, um die Lee- 
türe derselben den Lesern ans Uerz zu legen, uns aber hat er den Beweis ge- 
liefert, dass er für derartige Studien gut vorbereitet ist. Seine orthograph. 
und grammat. Bemerkungen sind durchweg richtig. Ich hätte nur noch er- 
wartet, dass er den Aorist npHBicB ifol. Ab, col. 2, Z. 17 — 18) namhaft macheu 
würde, ebenso wie eine besondere Wendung für das lateinische periphrasti- 
sche Futurum verdient hätte erwähnt zu werden. Wir lesen nämlich fol. Ca, 
col. 1, Z. 13 uHce npHTH xoxe eci' für qui venturus est und fol. Cb, col. 1, Z. 24 
abermals uace npniH xotc ecH : qui venturus es. V. Jagic. 



Dr. Ivan Scherzer, Gundulicev osmerac osobito u Osmanu i Pa- 
viceva teorija. Spalato 19ü3, 8", 36 S. (Separatabdruck aus der 
Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der k. k. nautischen Schule 

in Ragusa). 
Mit dem ersten Theile dieses Aufsatzes will Seh. den Beweis führen, 
dass der Vers, der von Gundulic so sehr bevorzugt wurde und bisher allge- 
mein als ein Achtsilber galt, eigentlich an keine bestimmte Anzahl von Silben 
gebunden ist, vielmehr von 7 bis 13 Silben zählen kann; Seh. kann nämlich 
nicht glauben, dass — was entschieden nothwendig ist, um bei Gundulid 
durchwegs Achtsilber zu bekommen, — aneinanderstossende oder durch ein 



Scherzer, Das Metruiu Gunduliö's, angez. von Resetar. 127 

j getrennte Vokale bald wie 6ine Silbe, bald aber wie ileren zwei geinessen 
werden müssen; deswegen niiiunt er an, dass die Giiiuiuli6'öchf!n "Aclitsiiber« 
zum grossen Tliuil gar keine Aclitsiiber sind, sondern eben an eine bestimmte 
Anzahl von Silben nicht gebundene Verse, etwa wie die deutschen Knüttel- 
verse. Wie unhaltbar aber seine Hypothese ist, ersieht man schon aus dem 
einen Umstände, dass er unter dou vielen Tausenden von Achtsilbern, welche 
bei Gunilulic vorkommen, kein einziges Hei spiel anführen kann, 
in welchem eine andere Anzahl von Silben vorkommen würdet, ohne dass 
durch eine oder mehrere Synäresen die Anzahl der Silben 
eben auf acht reducirt werden könnte! Mit anderen Worten, es 
gibt unter den « Achtsilbern« Guudulic's keinen einzigen, der mehr als acht 
Silben zählen und nicht die .Mogliclikeit bieten würde, mit Hilfe der Synä- 
rcsis die Silbeiianzahl auf acht zu bringen. Ich glaube, andere Beweise 
für die Unrichtigkeit der Annahme Scli.'s braucht man gar nicht zu suchen, 
sobald man weiss, dass er unter Tausenden von Ik'ispielen, wo er angeblich 
längere Verse an Stelle des gewöhnlichen Achtsilbers findet, nicht einen 
Vers anführt, der thatsächlich mit mehr als acht Silben gemessen werden 
mUsste. 

Der erste Theil des Aufsatzes ist somit ganz verfehlt. Der zweite Theil 
dagegen, in welchem Seh. den Gunduliö'schen Aclitsiiber in Hezug auf die 
bekannte Hypothese Paviö's über die Entstehung des Osman untersucht, 
dürfte eher einen wirklichen Gewinnst bedeuten. Seh. hat sich damit einer 
mühevollen Arbeit unterzogen, die aber deswegen nicht befrieiligt, weil sich 
Seh. dabei nur auf die Feststellung der Anzahl der Synäresen, bezw. der 
Hinten in den einzelnen Gesängen des Osimm beschränkte, um daraue einen 
Schluss über das gegenseitige Verhältniss der beiden von Paviö im Osman 
statuirten Gruppen (dem »Osman«, bestehend aus Gesang I, XVI — XX, und dem 
»Vladislav«, bestehend aus Gesang II — XIII) zu ziehen. Dass das Metrum 
als ein Argument in dieser strittigen Frage verwendet werden könne, ist sehr 
wahrscheinlich, doch da hätte man nicht nur die Synäresen, sondern gleich alle 
Momente besprechen sollen, welche vom Standpunkte des Metrums und im 
Zusammenhange damit auch der Sprache dafür massgebend sind oder mass- 
gebend sein könnten. Seh. geht von dem, wohl richtigen Grundsatze aus, 
dass bei Gunduliö die Zahl der »reinen« Achtsilber (Seh. meint darunter Acht- 
silber ohne Syuäresenj in den jüngeren Werken eine grössere ist, als in den 
älteren, weil der Dichter immer strengere metrische Regeln befolgt habe, und 
beruft sich deswegen auf die Thatsache, dass in Gundulic's Suze sina ruztmi- 
noga der Procentsatz der »reinen Achtsilber« öI-V'/q ist, während im Osmun 
derselbe 5915% beträgt. Wir hätten allerdings gewünscht, dass Seh. alle 
Werke Gunduliö's, von welchen die meisten genau datirbar sind, in dieser 



') Seh. findet im Osman allerdings auch zwei Verse von 7 Silben, näm- 
lich: velec, da ti pohio XVI, 111, und fjlasi: eva zgar s neha XIX, 179, wie der 
Vergleich aber mit den Handschriften und älteren Ausgalien ergibt, sind 
diese Verse von 7 Silben durch Druckfehler entstanden: mau rauss nämlich 
lesen: veleö, da ti pogubio und glast: eva zgar s nebesa (vgl. Archiv XXV, 271). 



128 Kritischer Anzeiger. 

Hinsicht untersucht hätte, doch es kann zur Noth auch der Vergleich zwischen 
den Suze und dem Osman genügen, weil Seh. die grosse Mühe nicht gescheut 
hat, zu diesem Zwecke auch Palmotiö's Kristijade heranzuziehen, und dabei 
konstatirt hat, dass in der letzteren in der zweiten Hälfte des ganzen Ge- 
dichtes (welche ohne Zweifel nach der ersten ausgearbeitet wurde) die Zahl 
der »reinen« Achtsilber eine relativ grössere ist, als in der ersten. Aus alle- 
dem sollte nun folgen, dass auch in der zweiten Hälfte des Osman der 
Procentsatz der »reinen« Achtsilber ein höherer sei, als in der ersten. In der 
That aber ist es nicht so, vielmehr haben die Gesänge I, XVI — XX (Pavid's 
> Osman«!) 56-1%, die Gesänge II— XIII (Pavic's »Vladislav«) 60-80/o, also 
um volle 4-70/q mehr, als die erste Hälfte. Das ist also jedenfalls ein Ar- 
gument, welches, wenn eine genauere Untersuchung des Gundulic'schen 
Achtsilbers in allen seinen Werken die Voraussetzung Sch.'s bestätigt, ent- 
schieden für die jetzt wohl allgemeine Annahme sprechen würde, dass Gun- 
duliö zuerst die Gesänge I, XVI — XX (also das rein historische Epos vom 
Tode Osman's) dichtete und erst später die Gesänge II — XIII (gewiss ohne 
dieselben Pavic's höchst hypothetischem »Vladislav« entnommen zu haben!) 
einfügte, wobei er vom Tode verhindert wurde, die zwei fehlenden Gesänge 
zu verfertigen. M. Resetar. 



M. Medini, Povjest hrvatske knjizevnosti u Dalmaciji i Dubrov- 
niku. Knjiga I: XVI. stoljece. Agram 1902, 8<», VIII + 360 S. 

Es ist dies der erste Band einer ausführlichen Geschichte der serbokroa- 
tischen küstenländischen Literatur des XVI. — XVIII. Jahrhunderts, welche 
von der »Matica hrvatska« in Agram als Fortsetzung der die alte Literatur 
behandelnden Crtice von I. Broz herausgegeben wird und bestimmt ist, eine 
grosse Lücke in der serbokroat. Literaturgeschichte auszufüllen, da eine zu- 
sammenhängende, etwas ausführlichere Darstellung der serbkroat. Literatur 
dieser Zeit fehlte. Der Autor, ein durch seine schönen Arbeiten über Vetranic 
und Cubranovid bekannter junger Gelehrter, mit der erforderlichen Kenntniss 
zunächst der Werke selbst (eine so selbstverständliche Vorbedingung, die 
aber bei Manchem fehlt, der über die serbokroat. Literatur der Mittelzeit ge- 
schrieben hat!), dann der italienischen Literatur und der vorhandenen Vor- 
arbeiten ausgerüstet, hat sich nun dieser Aufgabe mit Liebe und Verständniss 
gewidmet und in vorliegendem Bande eine Darstellung der Literatur des 
XVI. Jahrh. gegeben, welche entschieden und ohne Bedenken als die beste 
und gründlichste unter allen bisherigen bezeichnet werden muss. Ich glaubte 
dies schon jetzt an diesem Orte erklären zu müssen, weil der Autor diese 
Anerkennung umsomehr verdient, als von einigen Seiten seinem Werke un- 
gerechterweise jeder Werth abgesprochen wurde. Wenn das nun nur in 
politischen Journalen geschehen wäre, welche mit geringen ehrenvollen Aus- 
nahmen den Werth eines neuerschienenen Werkes zunächst nach dem Um- 
stände beurtheilen, ob der Autor sich als »Serbe« oder »Kroate« bekenne, so 
könnte man ähnliche Ausfälle ruhig hinnehmen, obschon es sehr unangenehm 



i 



Medini, Literaturgesch.d.serbokroat.KüBtenländer, angez. von Rcsetar. 129 

berühren miiss, daas ein Universitätsprofessor das Werk eines begabten und 
strebsamen jüngeren Gelehrten nur deswegen in K^hässiger Weise bespricht, 
weil er ein Gegner der «Matica hrvatska» ist; aber es ist schon zu stark, 
wenn literarisciio Journale, welche Anspruch auf Objektivität erheben, das 
Buch Mediiii's Iiauptsächlicli deswegen verdauinien, weil er seiner Ueber- 
zeugung nach, ohne aber in irgend eine Polemik sich einzulassen, die ragu- 
sanische Literatur als kroatisch bezeichnet, und seinem Werke die Z>MÄroracAa 
knjiievnost des Dr. Ivan Stojanoviö vorziehen, der als Charakter, als Mensch, 
als Prietser von Allen, die ihn gekannt haben, geehrt und geliebt wurde, der 
aber als Literarhistoriker gewiss den bescheidensten Ansprüchen kaum ge- 
nügt. Wie anders würden dieselben »Kritiker« über den relativen Werth der 
Arbeiten Medini's und Ötojanovic's urtheilen, wenn der erstere ein »Serbe«, 
der zweite dagegen ein »Kroate« gewesen wäre! 

Ganz neu ist bei M. die Eintheilung des Stoffes. Alle Darstellungen 
dieser Periode in der serbokroatischen Literaturgeschiclite, die wir bis jetzt 
gehabt haben, befolgten die chronologische Entwickelung der literarischen 
Thätigkeit als eines Ganzen, so dass alle Erzeugnisse eines und desselben 
Schriftstellers, mögen sie nun noch so verschiedenen Gebieten der Literatur 
angehören, im Zusammenhange besprochen wurden: M. hat der Eintheilung 
nach den einzelnen Gebieten des schriftstellerischen Schaffens den Vorzug 
gegeben, was allerdings den Vorthell einer besseren Uebersicht der Ent- 
wickelun;; der einzelnen Literaturzweige bietet, dafür aber den Nachtheil 
hat, dass man die Thätigkeit eines Schriftstellers, der wie z. B. in dieser Zeit 
Vetranic, sich auf verschiedenen Gebieten hervorgethan hat, nicht so gut 
überblicken kann. Das Ideal einer Literaturgeschichte ist daher diejenige 
Darstellungsweise, wie z. B. in der bekannten Teuffel'schcn lateinischen 
Literaturgeschichte, welche aus zwei Theilen besteht, einem aligemeinen 
über die Entwickelung der einzelnen Literaturzweige und einem specielleu 
über die chronologische Entwickelung nach den einzelnen Autoren enthal- 
tend. Jedenfalls ist es — gerade vom Standpunkte des Verfassers — kaum 
zu billigen, dass er die Kirchendramen, welche in Spalato und auf der Insel 
Lesina entstanden sind, von denjenigen trennt, welche von bekannten ragu- 
sanischen Dichtern verfasst wurden, denn es ist sehr wenig wahrscheinlich, 
dass die ersteren, wenn auch nur zum Tlieil, aus einer Zeit stammen, die 
der Thätigkeit der ersten bekannten Dichter vorausgeht; wenigstens haben 
wir keinen Grund, dies behaupten zu können , dagegen steht es fest, dass die 
älteste Notiz, die auf die Darstellung von Kirchendramen in Dalmatien hin- 
zuweisen scheint, erst aus dem Jahre 1518 stammt und mit dem Namen des 
Marko Maruliö verbunden ist. In einem Briefe des venetianischen Conte von 
Spalato aus diesem Jahre wird nämlich berichtet, dass die Jugend von Spalato 
die väterlichen Mahnungen des Marco Marulo nicht beachtet »facteli a bocca 
et in scriptis sopra le piazze etiam cum pavurose minace et hrutissime ßgure« 
(Monum. Slavor. meridion. XI, 226), welche Worte zu gleicher Zeit auf das 
sicherste beweisen, dass Marulic thatsächlich auch geistliche Schauspiele 
verfasst hat. So lange man also weder Notizen noch Werke besitzt, welche 
aus einer älteren Zeit als dem Anfang des XVI. Jahrh. stammen, dürfen wir 

Archiv für slavische Philologie. XXVI. 9 



\ 30 Kritischer Anzeiger. 

die Existenz von serbokroatischen Kirchendramen in Dalmatien nicht ohne 
weiteres als selbstverständlich voraussetzen, denn gewiss wurde das Bedürf- 
niss nach Kirchenliedern, Lektionarien, Heiligenlegenden in der Volkssprache 
viel früher gefühlt und konnte auch viel leichter befriedigt werden, als das 
Verlangen nach geistlichen Schauspielen. Doch ich wollte den ersten Band 
des willkommenen Werkes nur anzeigen, eine eingehende Besprechung soll 
nachfolgen, wenn uns das Werk vollständig vorliegen wird. 

Wien, 7. VII. 1903. M. Resetar. 



JoBany JoBaHOBHhy Bmajy (3MajoBH) aeroBy neBaay, MmnAeity h 
nneaiLy, h iteroBy Ao6y npeina cbom roBopy oä 24. HOBCMÖpa 1899 y 
ABopaHH MaTHH,e CpncKe AOTKao h Harmcao Jlasap KocteK. CoMÖop 

1902, 40, 452. 

Dem Titel nach wäre das Werk eine literatur- und kulturgeschicht- 
liche Studie über den serbischen Dichter Jovan Jovanovic Zmaj und seine 
Zeit. In der That trifft diese Bezeichnung nicht ganz zu. Das Buch ist nicht 
etwa ein Ergebniss »fleissigen« Studiumsund >objectiver« Forschung über 
den Gegenstand — , denn dieser steht dem Verfasser zu nahe, als dass er ihn 
mit vorurtheilslosem prüfenden Blicke betrachten könnte, — sondern eine 
Aufzeichnung ganz persönlicher Eindrücke und Erlebnisse, zu welcher 
L. Kostic besonders veranlasst wurde. Nichtsdestoweniger bedeutet diese 
Schrift einen werthvollen Beitrag zur neuereu serbischen Literaturgeschichte. 

Die Eintheilung des Buches ist nach den bisher erschienenen Samm- 
lungen von Jovanovic's Dichtungen der chronologischen Reihenfolge nach 
getroffen. Nach einem kui"zen Vorwort folgen nach den Titeln der Samm- 
lungen folgende Abtheilungen: 1) neBaHHJa(l — 208), 2) ^Ipyra IleBaHuja (209 — 
278), 3) CHoxBaxime (279—426), 4) ^eBecHAe (427—448) und zum Schluss ein 
Epilog SaspiuaK (449 — 453j. — Nach einigen vertraulichen Mittheilungen aus 
der gemeinschaftlichen Jugendzeit enthüllt uns der Verfasser mit einem 
Schlage das Wesen des produktiven Dichters. An dem Gedichte: »Ja 6nx 
6ho« (534) wird uns die zweifache Natur desselben demonstrirt. Es wird 
darin der Wendepunkt in Jovanovic's Dichtung constatirt, und zwar sehr 
bildlich. Was bisher gesungen wurde, sang die Nachtigall, und der neue Ton 
ist der des Drachens. Jene sang lyrische zarte Gedichte, Perlen der Poesie, 
dieser brüllt abgeschmackte Kampfeslieder, garstige politische Reimereien. 
In einer Reibe von Kapiteln wird gezeigt, wie zum Schaden der wahren 
Poesie, des innigen Gefühles im Dichter der unnatürliche balladenhafte Zug 
überhand nimmt. Dieser ganze Prozess wird aber figürlich als Kampf der 
zarten Nachtigall mit dem feuerspeienden Drachen dargestellt. Folgende 
Kapitelüberschriften mögen einen Begriff davon geben: »Der Anfang von 
Drachens Regierung« (37), »Wie sich die Nachtigall von dem Dracheu.zu be- 
freien sucht« (553), »Der Drache will die Nachtigall ersetzen — die Ideale 
der Nachtigalltt (360). Mit dramatischer Lebhaftigkeit, die sogar in einer 



i 

Dr. Kostic über die Dichtung Zmaj-Jovauovic's, angez. vou I'ruliaBka. 1 3 1 

dialogisirenden Form angeatrebt wird, wiril uns hier die dichtorische Ent- 
wicklung Jovanovic's uuscliuiilicli treniacht. l)er(it.'genHatz wird aber {^loich- 
niäsaig durch das ganze Buch liiiidurch aufrecht erbalti'u, an einer jeden 
Sammlung von Jovanoviö's Dichtungen wird der Anthoil des Drachens und 
der Nachtigall untersucht. Wie richtig dieses Princip, diese Zweitheilung 
von Zmaj's Dichtungen, auch sein mag, so nnmüglich ist es doch, sie auf ein 
jedes Produkt anzuwenden. Daher erweitert sich bald unvermerkt der Be- 
griff der »Nachtigall« und des "Drachens« und es sind darunter nicht mehr 
allein die Gegensätze lyrisch und episch sondern poetisch und un- 
poetisch überhaupt zu verstehen. Das scheint der Fall zu sein bei der Be- 
trachtung des Gedichtes »Ta aa öorMe« (53) wo in ein und demselben Gedicht 
die Nachtigall und der Drache singt. Das Gedicht ist eine Elegie, die die 
Wehmuth als eine treue Geliebte auffasst und mit einer ironischen Apostrophe 
an die Gefährten des Dichters, die diese Liebe nicht verstehen werden, 
schliesst. Also eine prosaische Douche auf die sentimentale Stimmung des 
Gedichtes. In diesem Sclilusse sieht der Verfasser bloss die Klauen des 
Drachen. Hier wie so oft in dieser Betrachtung, und bei solcher Anwendung 
des Grundgedankens, ist bloss der Geschmack des Verf. das entscheidende 
Element. Instinktmässig unterscheidet er hier pocti seh von un poetisch, 
die Nachtigall vom Drachen. Ein gewisser persönlicher Zug ist besonders 
stark fühlbar bei L. Kostid's Betrachtungsweise. Das ist aber seinem Buche 
durchaus nicht beeinträchtigend. Sein durch eine unendliche Leetüre wie 
durch sein starkes dichterisches Temperament veredelter Geschmack trifft nur 
immer das Richtige. Er spricht daher auch durchaus selbstbewusst, mächtig 
leidenschaftlich und sicher. Er setzt daher solche Kapitelaufschriften wie: 
»Moje Mu.LCuuue« (310), »KaKo ce Koja m(3uu cBiiau« (382), »Joiii hckg ojaöpa- 
HHJe« 236' u. 8. w. — Auf eine solche Weise ist schon von vorne herein ge- 
sichert, dass Zmaj's Lyrik in L. Kostic den subtilsten Nachempfinder, die 
feinfühlendste Interpretation findet. Die kleinen Nachtigalllieder, einige 
>l)yjiHhu yBcouu« sowie einige »CuoxBaTuue«, werden durch seine begeisterte 
Würdigung geradezu verewigt. Die Schönheiten an Zmaj's Lyrik, die man- 
cher seiner ausschliesslichen Anbeter vielleicht nur geahnt hatte, werden 
erst durch Kostic's Kritik beleuchtet. Seine Kommentare zu Zmaj's Nachti- 
gallliedern — cjiaByjauKc — werden wie kongeniale Reproduktionen in Prosa 
wiedergelesen. Die ganze Stimmung, die z. B. Zmaj's Gedicht: »BuJia. Auäo- 
cu.T>a u HTHua ucBHÄHua« (311) im Leser hervorruft, gibt der Verfasser mit den 
Worten wieder: »Wenn Du dieses Gedicht durchgelesen, ist es Dir, als ob 
Dich ein Hauch von Balsamduft, von Gebirgsblumen und Pflanzen gewürzt 
mit W^eihrauch und Wohlgeruch des Rauchfasses umgeben würde«. Einem 
einzigen herrlichen Verse aus »JlneJin u npoxonon HeacLKo« widmet der Verf. 
eine schöne Betrachtung über die onomatopoetische Wirkung. Das treffend- 
ste dürfte er aber wohl über »BuceuHJa« gesagt haben (323 — 330). Nicht weil 
es das höchste Lob auf J. Jovanoviö ist, indem er Bisenija mit Shakespeare's 
Julie und Homer's Merime vergleicht, sondern weil hier die Erklärung und 
Auffassung des Dichters wunderbar die des Kritikers bestätigt hat. J. Jova- 
novic erklärte nämlich in einer Weihnachtsnummer der »SacTaBa« von 1902: 

9* 



132 Kritischer Anzeiger. 

»CHOXBaxHue« — darunter EaceHHJa — sind Lieder, welche nur durch meine 
Seele zogen, welche ich mir mehr oder weniger aus meiner frühesten Jugend 
merkte, Lieder die ich jetzt wie im Traume fange — y CHyxBaTaM«. 
Wie wunderbar stimmt damit L. Kostiö's Auffassung überein: »Bisenija ist 
nur ein Produkt seiner Phantasie. Und wäre sie wenigstens aus Stein ge- 
meisselt, wie Galatea, dass sie eine holde Göttin ins Leben rufen könnte, sie 
besteht aber aus leeren, unsichtbaren und ungreifbaren Worten, sind ein 
Nichts, ein Traumbild — eine CHoxBaTima« (327)! 

Die positive Seite des Buches steht entschieden höher als die nega- 
tive. Dem geistreichen Lobe wird aber vom Verfasser ein Gleichgewicht in 
der spottendsten Verurtheilung des Drachens entgegengestellt. Und diese 
negative tadelnde Seite ist oft masslos. Zu gerne werden die »Drachen- 
flimmer« herausgesucht und hervorgekehrt. Das Behagen daran, das man 
beim Verf. dabei herausspürt, macht nicht den besten Eindruck. Auch wird 
man kaum die gewundene klügelnde Beweisführung, die der Verf. gar nicht 
nöthig hätte, immer billigen. Ja wenn er z. B. dem Dichter gelegentlich des 
Gedichtes »^iiacHMo iuK0.ie« alle pro und contra vorlegt und zu dem Resultate 
kommt, dass der Nutzen des Schulbesuches problematisch ist und deshalb 
auch ein Gedicht, das sich damit beschäftigt, von zweifelhaftem Werthe sei; 
weiss man nicht, ob der Verf. hier nicht billigen Spass treibt. Zu viel an 
den Verstand, an die alltägliche Möglichkeit appellirt L. Kostic bei der Ana- 
lyse der beliebten Ballade Zmaj's: »TpH ajayKa« (147 — 153). Im Grossen und 
Ganzen wird an dem Urtheile L. Kostic's wohl Niemand rütteln, die lyrischen 
Gedichte Zmaj's stechen sehr ab von den vielen misslungenen polit. Tiraden 
und Baliaden, und es ist nur recht und billig, dieses so offen und rücksichtslos 
hervorzuheben, wie das der Verf. gethan. Eine scharfe Kritik des Besten, was 
wir haben, kann nur als seltenes Heilmittel auf die serbokroat. Literatur 
fördernd zurückwirken. Das gilt auch von der sprachlichen Kritik L. Kostic's, 
obwohl man auch hier nicht immer mit dem Verf. übereinstimmen wird. 

Den Werth des Buches erhöht eine Menge interessanter Erörterungen, 
welche direkt oder indirekt mit dem Gegenstand zusammengeknüpft werden. 
Hervorzuheben ist z. B. das Kapitel über die Nationalhymnen (81 — 95). 
Geistreich ist der Vergleich von Goethe's »Fischer« mit Jovanovid's »Ha 
ApHHe« (316 — 321). Belehrend ist die Betrachtung und Vergleichung des 
Kraljeviö Marko in derVolksdichtung gegenüber jenem in der Kunstdichtung 
Zmaj's. Zu dergleichen Details kommen noch hinzu die gelungenen und 
nothwendigen Strafreden über einzelne Ausgaben von Zmaj's Dichtungen, 
am Eingange eines jeden Abschnittes, und eine Fülle von Mittheilungen aus 
dem interessanten Leben des Verfassers. Alles das in einem lebhaften, 
fesselnden Stile geschrieben, lässt das Werk L. Kostic's als ein in der 
serbo-kroatischen Literatur seltenes, ja in seiner Art und Weise einzig da- 
stehendes, kostbaren literaturgeschichtliches Essay erscheinen. — Aus 
historischer Entfernung werden zwar die einzelnen Züge von Jovan Jovano- 
vid's Erscheinung als Dichter etwas milder ausfallen, im wesentlichen werden 
sie aber auf dieses kunstvolle Portrait, das nicht ohne einen gewissen Anflug 
von Karrikatur ist, zurückgehen. D. Frohaska. 



f 



Präsek, Marco Polo'e Million, angez. von Pastrnek. 133 

Marku Pavlova z Beuätek. Miliuu. Die jediuelKM'ukupisu sjjulu 
s j)}i.sliisnyni ziikladera latinskyin vvdal Dr. Justin V. Pr«'isek. 
V Praze. Näkladem ccskti Akademie. 1902. XXXIV + 305. 
(Marco Polo'a von Venedig - Million ". Nach der einzigen Hand- 
schrift, zugleich mit der lateinischen Vorlage, herausgeg. von Dr. 
J. V. Präsek. Prag, \'erlag der böhm. Akademie). 

Die zu Anfang des XV. Jalirli. nach dem lateinischen Text'? Fra Pijjino's 
hergestellte böhmische L'ebersetziing von Marco Pulo'a Reisen in Ostasiea 
(genannt »Million») ist ein in mancher Beziehung interessantes Sprachdenk- 
mal. Zunächst spielte es eine hervorragende Rolle in dem bekannten Echt- 
heitsstreite der Königinhot'er Handschrift. Die Fälscher V. Ilauka und Con- 
sorten hatten nämlich den altböhm. Million benutzt, um daraus eine Wahr- 
sagerscene am Hofe des Tatarenkhans Kubilai zu entnehmen und damit das 
epische Gedicht »Jaroslav« auszuschmücken. Vgl. darüber die trefflichen 
Darlegungen Prof. J. Gebauer's in dieser Zeitschrift, Bd. II, S. 143 ff., femer 
Bd. XI, S. 9 ff. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass die sprachliche Seite 
des altböhm. Million nach der einzigen, im böhm. Museum befiudliciien Hand- 
schrift, besonders von J. Gebauer und Jos. Jirecek (vgl. Bd. XII dieser Zeit- 
schrift, S. 182 und 206 . sorgfältig untersucht wurde. Dabei stellte es sich 
heraus, dass wir es mit einem Sprachdenkmal zu thun haben, welches deut- 
liche Spuren einer dialektischen Beeinflussung aufweist. Zum Schlüsse der 
Handschrift lesen wir nun: Dokonal (jfem s hozie j)omoczi knyhi ii/to, genz 
floxcu Milion Markuffowy z Benafek, Genz f prwn tyto wieczi pojjfal o ohycze- 
gich a polozeni kragin na iczchod flancze. A fa dnk'inany apfmii 7111 Letho- 
wiczich w fobotu po fwate Markaretie. In diesem Postscriptum fehlt zwar der 
Name des Schreibers und die Jahreszahl, dagegen ist der Ort der Abschrift 
verzeichnet: Letovice (in Mähren). Demgemäss liegt es nahe, die dialekti- 
schen Eigenthümlichkeiten auf den mährischen Dialekt von Letovice zu be- 
ziehen. Das geschah denn auch bisher ganz allgemein. Dr. V. Fiajshans, 
welcher an der vorliegenden Ausgabe mit der Abhandlung O slovesne stränce 
ctskeho Miliona p. XXI — XXXIV) betheiligt ist, unternimmt jedoch den 
Nachweis, dass die sprachlichen Abweichungen des Denkmals keineswegs 
auf den Dialekt von Letovice, sondern auf die mährisch-schlesische Mundart 
»näieci lasske« (nach der Bezeichnung von Bartos) hinweisen. In der That 
lässt sich nicht läugnen, dass die weiche Aussprache der Silben ne, me, te, de, 
welche in diesem Denkmal durch zahlreiche Belege sichergestellt ist: neni, 
nechd, nesnadne, mezi, mestecko, svedecstvi u. a., ferner die Palatalisirung von 
ti, U in et, ce: prociciehu (procitichu), ryciruov rytiruov), phiceny (pläteny), 
sviceziti (sviteziti) u.a. in der gegenwärtigen Mundirt von Letovice in Mähren 
(vgl. die kurze Beschreibung bei Bartos, Dialektol. mor. II, 10.3 — 106) nicht 
angetroffen wird, dagegen ein besonders charakteristisches Merkmal der 
mährisch-schlesischen Dialekte ausmacht (vgl. Bartos I, 97 ff.). Allein auf 
der andern Seite finden wir in dem Denkmal sehr häufig die Schreibung e 
und e für y und y, z. B. oczaffe (ocasy), modle (modly), paßerze (pastyii), ten 



134 Kritischer Anzeiger. 

gifte kräl (jisty), vod horzkech (horkych) u.a. Diese »hannakische« Aussprache 
des y und y ist in den mährisch-schlesischen (« lechischen«) Dialekten gänz- 
lich unbekannt. Die Frage, aus welcher mährischen Gegend der Uebersetzer 
oder der spätere Abschreiber des altböhm. Million stammte, ist demnach noch 
immer als ungelöst zu betrachten. Zur Entwickelungsgeschichte der mähri- 
schen Dialekte lässt sich überhaupt wenig Sicheres beibringen. Doch haben 
wir mannigfache Gründe, anzunehmen, dass hier bedeutende Verschiebungen 
stattgefunden haben, theils durch die natürliche Wirkung der Analogie, theils 
durch den Einfluss der böhmischen Schriftsprache. Bei dem vorliegenden 
Sprachdenkmal ist ausserdem wichtig, festzustellen, ob die dialektischen Ab- 
weichungen bereits in der ersten Uebersetzung enthalten waren, oder erst 
später, bei der Abschrift hineingerathen sind. J. Jirecek vertrat den Stand- 
punkt, dass die Uebersetzung selbst rein böhmisch war; V. Flajshans sucht 
dagegen zu beweisen, dass der böhmische Abschreiber des Million (und Man- 
devilla) die dialektischen Abweichungen des ursprünglichen Textes vielfach 
verwischt habe. Auch diese Frage bedarf einer näheren Untersuchung, wozu 
nunmehr, da das Denkmal in einer genauen Ausgabe vorliegt, reichliche Ge- 
legenheit gegeben ist. Dabei wird auch der lateinische Originaltext, welcher 
nach einer ebenfalls aus Mähren stammenden Handschrift der k. k. Hof- 
bibliothek von Wien beigedruckt und mit Varianten aus den beiden Hand- 
schriften der Prager Capitelbibliothek und der gedruckten Ausgabe versehen 
ist, stets heranzuziehen sein. Eine wichtige Beigabe der vorliegenden Aus- 
gabe bildet das von Dr. V. Flajshans ausgearbeitete Lexikon (199 — 305), wel- 
ches den gesammten Wortschatz des Denkmals enthält. Fr. Pastrnek. 



Jana Albina Ezopovy fabule a Brantovy rozprävky. Die 

sborniku prostejovskeho z r. 1557. Vydal, üvodem a poznämkami 

opatfil i pfilohami doplnil Ant. Truhlai-. V Praze. Näkladem 

ceske akademie. 1901, 8», LXII + 417. 

Die altböhmische Literatur weist eine vierfache, von einander verschie- 
dene Bearbeitung der Aesopischen Fabeln auf. Die älteste derselben, eine 
versificirte Paraphrase der drei Bücher (60 Fabeln) des Anonymus, stammt 
aus dem XIV. Jahrh. und ist in der Handschrift des Grafen Baworowski in 
Lemberg enthalten. Daraus wurde sie in dieser Zeitschr.XI, 189 ff. von Prof. 
A. Brückner zum Abdruck gebracht. Eine neue Ausgabe der Handschrift 
wird demnächst in den Publikationen der böhm. Akademie erscheinen. Die 
zweite Bearbeitung hat sich in geringfügigen Fragmenten (2 Blätter in kl.-40) 
eines Prager Druckes aus dem Ende des XV. Jahrh., wahrscheinlich aus dem 
J. 1488, derzeit in der Strahover Bibliothek in Prag, erhalten. Es ist eine 
Uebersetzung aus dem Lateinischen, nach einem Texte Steinhöwel's, in einer 
Ausgabe Ant. Sorge's, welche nach dem J. 1480 in Augsburg gedruckt war. 
Das Fragment enthält auch zwei Holzschnitte, die ältesten Erzeugnisse dieser 
Art im böhmischen Buchdruck, welche ebenfalls nach dem Muster der Sorge'- 



TruhUr, Aesop's Fabeln, angez. von Pastrnek. 135 

sehen verfertigt waren. Das ganze Fragment ist in genauer pliotographischcr 
Keproduction, zugleich mit dem entsprechenden Stück der lateinischen Vor- 
lage und eines deutschen Druckes aus derselben Zeit, in der vorliegenden 
Ausgabe enthalten (365 — 372). 

Eine dritte böhmische Bearbeitung der Aeeopischen Fabeln findet 
sich zwischen den Zeilen einer lateinischen Ausgabe des Murt. Dorpius vom 
Jahre 1517. Das Buch ist gegenwärtig Eigenthum der Prager Universitäts- 
bibliothek. Die böhmischen Eintragungen sind auf Bl. 5 — 9, umfassen 15 
vollständige Fabeln und stammen aus den Jahren 1530 — 1540. Abgedruckt 
in deri' vorliegenden Ausgabe, SS. 373 — 38*2. Die vierte Bearbeitung, vun 
den eben erwähnten abermals ganz verschieden, bietet die Prossnitzer Aus- 
gabe vom J. 1557, iu kl. -4'^', im Ganzen 53 Druckbogen oder 212 Blätter mit 
127 Holzschnitten (im Text). Das Buch ist eine der grössten bibliographi- 
schen Seltenheiten. Bis jetzt gelang es nur, ein einziges komplettes Exemplar 
ausfindig zu machen, während ein zweites unvollständiges und kläglich be- 
schädigtes Exemplar schon längere Zeit bekannt war. Beide werden gegen- 
wärtig in der Bibliothek des böhmischen Museums aufbewahrt. Die Ausgabe 
vom J. 1557 wurde in ihrem vollen Umlang niemals mehr erneuert, wohl aber 
erschienen immer wieder einzelne Theile als Abdrücke derselben, nach Be- 
darf umgearbeitet, ununterbrochen bis in das XIX. Jahrh. Der Herausgeber 
führt elf solche Abdrücke, aus den J. 15ü7 ff. an. Das vollständige Exemplar 
der Prossnitzer Ausgabe vom J. 1557 gibt erst verlässlichen Aufschluss über 
die Person des Ueberaetzers dieser reichhaltigsten Sammlung Aesopischer Fa- 
beln (SS. 3— 361 des vorliegenden Buches). Die Vorrede beginnt nämlich mit 
den Worten: Jan Akron Alhijn kazdemu, kdoz cijsti bude, wzkazuge poz- 
drawenij. Aus den weiteren Worten der Vorrede ist ersichtlich, dass der 
Schreiber derselben noch ein junger Mann war, der gleichwohl bereits, nach 
Art der Humanisten, mehrere Sprachen beherrschte finsbes. das Lateinische, 
Griechische und Deutsche) ; im Uebrigen aber erfahren wir über seine per- 
sönlichen Schicksale nichts mehr. Doch ist es wahrscheinlich, dass er iden- 
tisch ist mit dem Baccalaureus (vom J. 1548 und Leiter der Schule bei St. 
Stephan auf der Prager Neustadt, der Ende November 1551 sein Testament 
verfasste. Derselbe stammte aus der nordböhmischen Stadt B^lä u Bezdeze 
(deutsch Weisswasser, lat. Alba Aqua), in deren Umgebung sich auch ein 
Dorf, Namens Vrchbelä, befindet. Aus einem böhm. »Vrchbelsk) « könnte 
sich, 80 meint der Herausgeber, durch eine halb griechische, halb lateinische 
Uebersetzung, der eigenthümliche Zuname des Mannes erklären. Die päda- 
gogische Thätigkeit scheint auch das Augenmerk des Albinus auf den Aeso- 
pus, ein sehr beliebtes Hilfsmittel des damaligen Unterrichts, gelenkt zu 
haben. Doch übersetzte er, wie es scheint, zuerst die Gruppe der Neuen 
Fabeln aus dem Griechischen, nach einer Basler Ausgabe (seit dem J. 151S) ; 
daraus würde sich erklären, dass wir mitten in der aus dem Deutschen her- 
gestellten Uebersetzung Stücke finden (insbes. die 145 Fabeln der Samm- 
lung des Planudes) , die augenscheinlich auf eine griechische Vorlage zurück- 
gehen. Ob Albinus die Uebersetzung der ganzen Sammlung allein vollführt 
hat, ist nicht sicher ausgemacht. Einige Zweifel erregt die Flüchtigkeit in 



1 36 Kritischer Anzeiger. 

der Uebersetzung der Brant'schen Erzählungen. Der Titel des Buches, der 
Name in der Vorrede, die Vereinigung zu einem Ganzen, das alles weist je- 
doch auf denselben Autor hin, der vielleicht durch den Tod daran verhindert 
war, dieselbe Sorgfalt dem zweiten Theile seines Werkes angedeihen zu 
lassen, die wir im ersten Theile beobachten können. Unaufgeklärt ist ferner, 
wie die Uebersetzung von Prag in die Druckerei von Prossuitz in Mähren 
gelangte. Nach den Vermuthungen des Herausgebers vermittelte dabei Paul 
Vorlicny — Aquilinas, der ein Freund des von Albinus zum Erben und Voll- 
strecker seines literarischen Nachlasses eingesetzten Kathsschreibers Mag. 
Vitus Trajanus und seit dem J. 1548 als Corrector in Prossnitz thätig war. 
Die deutsche Vorlage für Albinus bildete irgend eine der zahlreichen Frei- 
burger Ausgaben aus den Jahren 1531 — 1534, deren Titel lautet: Esopus 
leben vnd Fabeln: mit sampt den fabeln Aniani: Adelfonsi, vnd etlichen 
schimpflFreden Pogii. Darzü vszüge schöner fabeln vnnd exempeln Doctoris 
Sebastiani Brant, alles klärlich mit schönen figuren vnd registeren vszge- 
strichen. An diese Ausgabe hielt sich Albinus ziemlich genau; die Abwei- 
chungen, welche sich in der Zahl und Anordnung der Fabeln vorfinden, sind 
von untergeordneter Bedeutung. Hervorzuheben ist nur der Abschnitt »Neue 
Fabeln« (der vorlieg. Ausg. SS. 159 — 214), welche nach einer griechischen 
Vorlage hergestellt sind, während das entsprechende Stück bei Steinhöwel 
(im Ganzen 17 Nummern) aus dem Lateinischen stammt. Die Uebersetzung 
selbst weist manche Vorzüge auf, besonders in dem Haupttheile des Werkes, 
in der Sammlung Steinhöwel's; dagegen befremdet das Vorkommen zahl- 
reicher grober Verstösse in den Erzählungen Brant's. Wie sich diese Un- 
gleichheit erklären Hesse, ist bereits oben angedeutet worden. Die Ueber- 
setzung der griechischen Fabeln ist ziemlich gelungen. Der Druck vom 
Jahre 1557 lässt die Hand eines geübten Correctors vielfach vermissen. Die 
Orthographie schwankt zwischen der schriftmässigen Form und der volks- 
thümlichen Aussprache: neben pani liest man panij, neben v zytne, v zet/me 
findet man zi/?tia, v zyme, neben jirozbi/ das schriftmässige ^rosi« u. s. w. Ins- 
besondere sind es die Bezeichnungen der langen Vocale, die eine grosse Un- 
gleichheit aufweisen. Das Format der Holzschnitte (im Ganzen 127) ist etwas 
grösser und auch gröber, als in der Freiburger Ausgabe. Der vorliegende Wie- 
derabdruck ist mit der grössten Sorgfalt hergestellt worden; der Text ist mit 
steten Anmerkungen versehen, welche theils die entsprechenden Worte des 
Originals, theils Lesarten aus anderen böhm. Theil-Ausgaben, theils andere 
orientirende Verweisungen enthalten ; auch sind die sämmtlichen Holzschnitte 
aufs genaueste reproducirt. Von den Beilagen ist bereits oben Erwähnung 
geschehen. WerthvoU ist endlich das hinzugefügte »Wort- und Sachver- 
zeichniss« (387 — 405). So ist denn diese Neuausgabe des Aesopus von der 
bewährten Hand des verdienten Literarhistorikers aufs beste bestellt, und 
mit aufrichtiger Freude begrüssen wir sie, als eine wichtige Bereicherung 
unserer Kenntnisse der älteren böhmischen Literatur. Fr. Pastrnek. 



Kvacala, Correspondenz Koiuensky's, angez. von Noväk. 1 37 

Jan Kvacala, Korrcspomlcnce Jana Am. Komenskeho. Listy Ko- 
mensk^ho a vrstevnikü jeho. Nova sbirka. V Praze, Ceskä Akade- 
mie, 1898, S. XLVIII4-373. 
Jan Kvacala, Korrcapundenre Jana Am. Komenskeho. Listy Ku- 
menskeho a vrBtevuiküv jeho. Zprävy o ixvoXh ze soucasuych 
pramenü. Mensi latinske sj)isky nckter«^. V Praze, Ceski Akade- 
mie, 1902, S. XXX -f 351. 

Drei stuttliche Bände der Publicationen III. Classe der bühiniscben Kaiser- 
Franz-JoBef-Akadeuiie liegen bereits vor, worin die Reste der Correspomlenz 
des Comenius, sowie seiner Freunde und Bekannten entlialten sind. Eine Monge 
von Bibliotliekeu wurde durchsuclit, wie uns die Einleitungen zu allen drei 
Bänden aufweisen, eine stattliche Reihe handschriftlicher und gedruckter 
Sammlungen verschiedener Correspondenzen frelchrtcr Männer jener Zeit, 
neben den Werken des Comenius, wurde durchgestöbert, bevor es gelungen 
ist, aus den verschiedensten kleinen Ueberbleibseln diese grossartigen Trüm- 
mer zusammenzustellen. Denn der eigentliche Nachlass des grossen Mährers 
ist bis jetzt noch nicht aufgefunden, vielleicht wird es auch nicht mehr 
gelingen, denselben zu eruirin. Man kann zwar seine Spuren noch eine 
Reihe von Jahren nach dem Tode des Comenius verfolgen, aber nach der 
Ausgabe der Jamia rerum und des 2'riertiuin catholicum (Lugduni Batav. 
apud her.Jac. Heeneman, 1681), welche Chr. W. Nigrinus nach der kleinen, 
aus Comenius gesammelten Schrift »Spicilegium didacticumn (Amsterodami, 
1680) noch herausgab, verschwindet plötzlich jede weitere Spur, und es hat 
sich die Vermuthung, dass Buddeus in Halle dieselbe vor sich gehabt habe, 
als er im J. 1702 die Panegersie herausgab und eine Reihe anderer Schriften 
versprach, als irrig erwiesen. 

Nur im Briiihrarchiv zu Lissa iProv. Posen' haben sich von Comenius' 
oder seiner Schreiber Hand einige Bändchen Abschriften seiner Correspondenz 
erhalten, welche durch Vermittclung des Fr. Palacky in der Mitte des XIX. 
Jahrh. nach Prag kamen und für den Herausgeber des ersten, von uns bereits 
besprochenen Bandes, den Bibliothekar des böhmischen Museums in Prag, 
A.Patera, den Grundstock seiner Publication bildeten»). Ausser den Prager 
Handschriften hat Patera an einigen bekannten Stellen über diese Correspon- 
denz nachgefragt, so in Schweden, woher er auch einige Abschriften bekam, 
lind in Amsterdam, aus England begnügte er sich mit bereits abgedruckten 
Stücken, die er in seine Sammlung aufnahm. 

Prof. Kvacala musste sich auf seinen Reisen nach Briefen und Nach- 
richten von Comenius, die ihn fast durch alle Bibliotheken und Archive des 
nördlichen Europa führten, meistens mit fremden Abschriften begnügen, von 
denen besonders die englischen, welche theilweise nur nach dem Hörensagen 
hergestellt wurden, sehr viele Schreibfehler aufwiesen, so dass dabei fast 



1) Auf den Inhalt jenes ersten Bandes sind wir auch in diesen Zeilen 
theilweise genöthigt Rücksicht zu nehmen. 



138 Kritischer Anzeiger. 

eine Reconstruction des Textes nöthig war. Dabei berücksichtigte er auch 
solche Stücke, welche zwar nicht gerade von Comenius und seinen Freunden 
herrühren, aber doch in die Geistesrichtung seiner Zeit einführen und den 
Standpunkt beleuchten, auf dem wir uns den grossen Gründer der neuen 
Pädagogik vorzustellen haben. Auch Nachrichten , welche die Schicksale 
der Schriften des Comenius betreffen, sammmelte er dabei. Darum gewinnt 
der ganze Gesichtskreis, von dem die Wirkung des Comenius betrachtet 
werden will, durch seine beiden Bände ungemein viel. 

Aus verschiedenen Regesten und anderen Nachrichten erfahren wir, 
um wie viel grösser die ursprüngliche Zahl der Briefe gewesen sein mag, so 
dass wir von dem ganzen Complex leider nur Trümmer vor uns haben. Und 
doch weisen auch diese Trümmer grossartige Gedanken auf, zeigen uns die 
damalige Gelehrtenwelt gerade zu jener Zeit, wo die Schrecken des lang- 
jährigen Religionskrieges fast über ganz Europa herzogen, in Bestrebungen 
vertieft, wie der Friede der christlichen Welt für die ganze Zukunft gesichert 
werden könnte. Neue Bahnen nicht nur im Wissen überhaupt, in der Orga- 
nisation der gelehrten Welt, sondern besonders auch in der Erziehung und 
Bildung der Jugend scheinen ihnen dabei unerlässlich. Und der berühmte 
böhmische Exulant, dessen Bücher zur neuen Methode des lateinischen Unter- 
richtes die damalige Welt mit Freuden aufgenommen und in ihre Schulen 
eingeführt hatte, war nicht der letzte unter den Irenikern, welche der 
ganzen Menschheit den ewigen Frieden durch Hebung der allgemeinen Bil- 
dung sichern wollten. Er wollte neue Bücher für aller Welt Jugend schrei- 
ben, ein gelehrtes CoUegium als Richteramt der sämmtlichen Gelehrten ein- 
setzen, ja sogar eine neue Gelehrtensprache zusammenstellen (Via lucis, 1642), 
damit das Licht der Erkenntniss sich über die ganze Welt verbreite. So 
glaubte er am besten die verheerenden Religionskriege für immer beseitigen 
zu können. 

Seine Bücher, welche er für die gelehrte Welt schrieb, sind zwar ver- 
schollen, die Methode des lateinischen Unterrichtes ist eine ganz andere ge- 
worden, als Comenius sie haben wollte, aber er wurde doch durch seine pä- 
dagogischen Maximen zum Gründer der neuen Lehrmethode, und in dieser 
Hinsicht ist auch seine Correspondenz und ihre Tendenzen zu berück- 
sichtigen 1). 

Auf die Denkart des Comenius haben besonders die Herborner Lehrer 
dauernden Einfluss ausgeübt, er selbst nennt darunter einige, sowie auch von 
den Heidelbergern, »quorum memoria in benedictione sit« (Kv. A, CL). Man 
kann sich nicht wundern, wenn dem lernbegierigen Jüngling der nur um vier 
Jahre ältere Johann Heinrich Aisted, der schon zu seiner Lehrzeit aus- 
führliche Bücher, ja ganze Folianten herausgab, besonders imponirte. Er 
wollte ja auch zuerst für seine Landsleute naturwissenschaftliche Encyclo- 
pädien nach seiner Art («Theatrum Universitatis rerum«) schreiben und den 



1) Der Seminardirector Dr. Josef Reber, der sich an der Correctur 
der beiden Bände Kvacala's fleissig betheiligte, hat im VIL u. IX. Bande der 
Monatsh. der Comenius-Ges. eine Recension des L B. herausgegeben. 



Kvacala, Correspondenz Komensky'a, angez. von Noväk. \ 39 

lateinischen Unterricht durch ein iiusführiiches Lexicou (»Linguae Bohomi- 
cae Thesaurus«) ihnen erleichtern, und als seine Jauua grossen Anhang 
erntete, meldete er das seinem in Siebenbürgen angestellten Lehrer mit 
grosser Freude (Pat. XVII). 

In seine Stadienzeit fällt auch das berlihmte Memoriale des Wolfgang 
Ratke (Ratichius . aber in Lissa bemühte sich Couieniu.s vergeblich, eine 
Bekanntschaft mit ihm anzuknüpfen und etwas über seine Methode zu er- 
fahren (Pat. XII. XIII. Kv. A. VII . 

In Fulnck waren es besonders die geistvollen Werke des bekannten 
lutherischen Predigers, Johann Valentin Andreae, welche Comenius 
sehr anzogen und seine Hauptlectüre wurden. Ihren Einfluss bemerkt man 
gleich in der Folgezeit an seinen böhmischen Schriften, von denen »Lahi/rinl 
sveta a Lusthaitz srdce» [DuH Labyrint der Welt und das Paradies des Herzens) 
die bekannteste ist. Darum sehen wir ihn auch gleich nach seiner Ankunft in 
Lissa im J. 16'2S) von dem Verfasser des »Civis christianus« Freundschaft für 
seine Person ausbittend und seine pädagogischen Grundsätze erforschend, 
da Andreae in seine Bücher oft Gedanken über Jugenderziehung einstreute. 
Die Antwort (Kv. A, I; mag ihn gewiss nicht sehr befriedigt haben, aber 
schreckte ihn doch nicht ganz ab, denn im folgenden Jahre forscht er wieder 
über die vielbesprochene Brüderschaft »Roseae Crucis« nach, über welche 
Andreae eine satirische Schrift herausgab und dann selbst einen Autrag über 
eine christliche Gesellschaft stellte (Kv. A, II;. Seine Verehrung für den 
merkwürdigen Mann verblieb auch später, als sich dieser nicht besonders 
günstig über seine Pansophie äusserte, die er ein »lolium scholasticum« be- 
nannte, weshalb ihm Comenius seine Denkart und seine lauteren Absichten 
darzuthun bestrebt ist (Kv. A, CII). Und die Bekanntschaft mit Comenius 
war auch in der Folgezeit für Andreae vortheilhaft, indem er von ihm die 
Handschrift seines »Theophilus«, der ihm selbst durch Brand abhanden ge- 
kommen war, wiedererhielt (Kv. A, CXI, CXII;. 

Die Gedanken des Andreae über eine geheime christliche Gesellschaft 
gaben später Grund für die beabsichtigte «Autilia«, für welche schon im Bal- 
tischen Meere ein abgeschiedener Sitz gesucht wurde (Kv. A, CCXVI — 
CCXXII). Die Beziehungen Andreae's zu dieser Gesellschaft hat Kvacala in 
einer besonderen Schrift besprochen. 

In den ersten Jahren seines Exils stand noch Comenius in freundschaft- 
licher Beziehung zu K|arl d. Ä. von Zierotin, wie noch einige Briefe be- 
weisen. Diese Correspondenz wird sich wohl aus dem grossartigen Nachlass 
der Zierotinischen Correspondenz, welche in Prag in nächster Zeit veröffent- 
licht wird, bedeutend erweitern lassen (Pat. IL Kv. B, IV, V). 

Der Kreis der Freunde des Comenius erweiterte sich bedeutend, als 
seine lateinische Janua erschien (1631; und bald darauf in alle gebildeten 
Sprachen Europas übersetzt und mit grosser Freude aufgenommen wurde 
(Pat. X. Kv. A, VII). Gleich meldeten sich Uebersetzer und Herausgeber, 
welche zugleich einzelne Theile seines Buches erweitern wollten, was der 
Verfasser nicht immer mit Freuden annalim ^Pat. XVIII , indem das Buch 
für den Schulgebrauch ohnehin zu ausführlich ausgefallen war, so dass er 



140 Kritischer Anzeiger. 

selbst bald gezwungen war, für die Anfänger ein Vestihulum dazu zu schrei- 
ben. Und da er in dieser Zeit bereits die Hauptbedingungen des Lehrerfolges 
erforscht hatte, so musste er wahrnehmen, dass man nicht selten seine In- 
tentionen und den Grundgedanken der Janua (nämlich ihren auf die allge- 
meine Erkenntniss der Dinge gerichteten Charakter) missverstand (Pat. XVIII). 

Als Lehrer in Lissa hatte Comenius bald die Gelegenheit, seine didak- 
tischen Maximen praktisch zu erproben. Er ergänzte seine böhmische Di- 
daktik durch einen Plan zur Wiederherstellung der Schulen in seinem Vater- 
lande und erwartete die Gelegenheit zur Wiederkehr nach Böhmen. Da aber 
nach der Wiedereroberung von Prag durch Albrecht von Waldstein diese 
Hoffnung auf längere Zeit schwand, so machte sich Comenius daran, seine 
böhmische Didaktik lateinisch umzuarbeiten und besonders die Kapitel über 
die verschiedenen Stufen von Schulen breiter auszuführen. 

In den Jahren 1638 — 1639 sehen wir ihn bereits die Handschrift dieser 
Bearbeitung den Freunden vorlegen und ihre Meinung darüber einholen (Kv. 
B, XXIV). Das Urtheil lautete theilweise recht ungünstig (Kv. A, LXII), 
und der in seinen Publicationen ohnehin ängstliche Mann wurde dadurch so 
abgeschreckt, dass er die beabsichtigte Drucklegung der Schrift (Pat. A, XXI) 
auch nur in wenigen Exemplaren für die Freunde (Pat. CIX), wie er das ge- 
wöhnlich that, gänzlich verschob und dieselbe erst in seine Opera didactica 
omnia einreihte. Es war der sonst so umsichtige und in vielen Wissenszweigen 
gut bewanderte Joachim Hübner (Fundanius), mit dem Comenius über 
pansophische Zwecke unterhandelte, der über die Didaktik ein so gering- 
schätziges Urtheil fällte (Kv. A, LXII). 

Das Beste, was noch von der Correspondenz aus der Folgezeit über den 
Unterricht und seine Zwecke erhalten ist, enthält der ausführliche Brief an 
Petrus Colbovius (Kv. A, CXX) aus dem J. 1650, in welchem Comenius 
offen und klar seine Gedanken über die Bücher, welche er zum Lateinunter- 
richt verfasst, ausspricht und die Kritik des Colbovius auf das rechte Mass 
zurückzuführen bestrebt ist. Es sind hier wohl am besten die Neuerungen in 
der Methodik zusammengestellt. 

Schon in den ersten dreissiger Jahren (wohl 1633) trat Comenius auch 
mit Samuel Hart Hb, einem in London weilenden Deutschen, in briefliche 
Verbindung; sein Mitleid für die armen böhmischen Exulanten hatte Come- 
nius dem strebsamen Mann näher gebracht, so dass er bald einer der einfluss- 
reichsten Freunde des damals schon berühmten Didaktikers wurde. Als 
dieser, durch den Erfolg der Janua linguarum angeeifert, eine neue Einfüh- 
rung in die Erkenntniss der Dinge überhaupt ankündigte (Janua rerum), war 
es besonders Hartlib, der Näheres über das Vorhaben erfahren wollte, und 
Comenius theilte ihm in Folge dessen seine pansophischen Ideen in einem 
ausführlichen Briefe mit, der bald in England als »Conatuum Comenianorum 
Praeludia« erschien und den Namen des Verfassers noch viel berühmter 
machte. Auf Hartlib's Einladung reiste auch Comenius im J. 1641 nach Lon- 
don, um hier seine grossartigen Pläne über die Hebung der allgemeinen Bil- 
dung zu verwirklichen. 

Aus den J. 1636 — 1640 sehen wir Hartlib auch in eine eifrige Correspon- 



Kvacala, Correspondenz Komensky's, angcz. von Novik. 141 

denz mit dem schon erwähnten Philosophen Joachim Hühner vertieft (Kv. 
A, XXII — XLII), welche meistena die I'ansophie betrifft, dailurch wird 
Hübner auch mit Comenius bekannt und theilt ihm seine (iedankon darülter 
mit (Kv. A,XLVII, LV, LVI, LX, LXII. LXVI. LXVIIl u. LXXV . E« ge- 
hören diese Briete zu den bedeutendston der ganzen Samniiung und lassen 
uns in die Gedankenrichtung jener Zeit sehr tief hineinblicken. Es war ja 
gerade die Zeit des ersten Aufschwunges der mathematischen Wissenschaf- 
ten, die Zeit der erwachenden induktiven Metliode in den Naturwissen- 
schaften und die Periode der i-rsten neueren Philosophen. Die Folf^e dieses 
Briefwechsels war auch, dass ('onieuiua den IlUbner HchlieHslich zur Mit- 
wirkung au den pansopliischen Arbeiten zuziehen wollte Pat. XXXVIIT. 

Einer von den Freunden Hartlib's, Juli. II. Bistorfeld, Kanzler der 
Fürsten Räköczy, war später zur Berufung des Comenius nach Ungarn be- 
hilflich. 

Im J. 1639 gelangte der unter dem Namen »Pansophiae Prodromus» zum 
zweitenmale erschienene Brief des Comenius an Ilartlib nach Paris in die 
Hände des sonst bekannten Philosophen und Matheuiatikers Marin Mer- 
senne, der damals einen bis jetzt unbekannten Brief an Comenius richtete. 
Bekannt ist der von Comenius selbst mitgetheilte Brief vom J. 1640 (22. Nov.). 
Die Pariser Schätze sind in dieser Richtung noch nicht eröffnet worden, und 
es ist kein Zweifel, dass auch da noch manches Detail durch Untersuchung 
der Archive zum Vorschein kommen wird, gerade wie die Bekanntschaft mit 
Ilartlib zur Folge hatte, dass von Comenius' Schriften und Briefen viele nach 
London kamen und da für die Zukunft aufbewahrt blieben, so dass sie unter 
den Correspondenzen anderer berühmter Männer bis auf unsere Zeit unver- 
sehrt die verschiedensten Kriegsstürme überdauerten. 

Aus dem J. 1639 haben wir auch ein Urtheil über die Pansophie aus der 
Hand des berühmten Gründers der neuereu Philosophie, Ren6 DesCartes 
(Kv. A, LXIV), gegen dessen Philosophie später Comenins mit einer beson- 
den Schrift auftrat (Kv. A, CLXIV,'. Die irenischeu Studien brachten Come- 
nius schon in den dreissiger Jahren mit dem bekannten reisenden Ireniker 
Johannes Dury (Duraeus) zusammen, dessen uneigennützige Thätigkeit 
für den christlichen Frieden nicht ohne Einfluss auf Comenius bleiben konnte, 
indem auch die Brüdersynode beschloss, denselben in seinem Vorhaben mit 
allen Kräften zu unterstützen. Die innige Freundschaft beider Männer geht 
aus der Epistola commeudatoria des Duraeus an Joh.Matthiae hervor, worin 
er Comenius dem späteren Bischof empfiehlt, wie er es früher in einem Brief 
an Ludwig de Geer gethan hatte (Monatsh. der Com. Ges. 1S96, S. 101, Pat. 
XLIV). Wie ernst es auch Comenius mit diesen Bestrebungen meinte, geht 
aus der eben jetzt wieder neu erschienenen, von Dr. Jos. Th. Müll er erklär- 
ten Schrift »Cesta pokoje« hervor, gerade wie aus seiner Betheiligung an 
dem Friedensgespräch in Thorn (1645 , sowie aus dem betreffenden Passus in 
dem »Unum necessarium«, worin er diesem Studium sogar auch den Ursprung 
seiner Pansophie zuschreibt. 

Von den Freunden, welche an der Bearbeitung der Pansophie regen 
Antheil nahmen, ist später der bekannteste Magnus Hesenthaler, dessen 



\ 42 Kritischer Anzeiger. 

Bekanntschaft Comenius durch Andreae in den Elbinger Jahren machte; 
dieser Anhänger seiner Gedanken blieb ihm bis zu seinem Tode treu ergeben, 
ja er bot dem von Alter und Krankheiten gebeugten Greis noch in seinen 
letzten Tagen seine Hilfe an, freilich ohne grossen Erfolg (Fat. CCXXXVI). 
Auch bezüglich des pansophischen Nachlasses des Comenius wurde dieser 
sein Freund zu Rathe gezogen (Kv. B, CXXII u. f.). 

Aus dem J. 1640 erfahren wir, dass Comenius in Folge der Entschlies- 
sung der Brüdergemeinde eine Unterstützung in Lissa selbst angeboten 
wurde, nämlich von dem jungen Besitzer der Stadt Bo hu sl aus Leszczyn- 
s k i , wodurch seine Freunde in England der Sorge um seine Existenz ent- 
hoben wurden ; aber obwohl er gleich darauf einen ausführlichen Antrag für 
die Schulreform ausarbeitete (Fat. XXX), so blieb die Ausführung aus, und 
Comenius verliess noch in demselben Jahre, wo er den Plan vorgelegt hatte, 
seinen bisherigen Exulantensitz und hoffte in England mehr Boden für seine 
so wichtigen Gedanken zu gewinnen. Als aber auch da der Ausbruch des 
schottischen Krieges alle seine Hoffnungen vereitelte, nahm er den von 
Ludwig van Geer gemachten Antrag an und siedelte nach Elbing über, 
wo er für die Schweden seine methodischen Bücher neu bearbeitete. Der 
sechsjährige Aufenthalt in Elbing brachte neue Bekanntschaften und Ver- 
bindungen, nicht nur mit dem neuen Wohlthäter und seinen Vertretern. 

Anfangs wollte zwar Comenius alle Correspondenz, welche ihn offenbar 
viel Zeit kostete, ganz aufgeben, aber es gelang ihm nicht, der gelehrten 
Welt auf einige Zeit zu verschwinden, auch verlangte seine Kirche verschie- 
dene Dienste von ihm, er selbst hatte mehr Lust zu den pansophischen als zu 
methodischen Arbeiten, und so ging auch die unternommene Revision des 
Lateinunterrichtes nur sehr langsam von statten, so dass er bald gezwungen 
war, den eiuflussreichen Gönnern in Schweden, welche auf den Fatronus Ein- 
fluss zu üben vermochten, seinen Standpunkt und die Schwierigkeiten der 
Arbeit zu erklären, um zu zeigen, dass er die verflossene Zeit nicht müssig 
zugebracht habe. 

Mit seinen Mitarbeitern, welche sich gewöhnlich nicht lange bei ihm 
hielten, hatte Comenius recht viel unangenehme Erfahrungen, die er seinen 
Freunden einigemal mittheilt. Von den Personen, welche damals über seine 
Arbeiten an Ludwig van Geer Berichte zu erstatten hatten, hat sich eine 
Reihe französischer Briefe von Petrus Figulus erhalten (Kv. B, XLIII — 
XLIV, XLVI — XLVIII). Sie zeigen zwar die vollständige Abhängigkeit ihres 
Urhebers von der reichen Familie, lassen aber zugleich die Ergebenheit des 
Jüngers gegen den Meister erkennen, so dass wir die Liebe zu dem späteren 
Schwiegervater hier im Anfange erblicken. 

Sonst sind aus diesen Jahren besonders jene Briefe des Comenius rüh- 
rend, worin er die Freiheit seiner Geistesarbeit zu wahren sucht, als der 
Patron in seiner Ungeduld ihm keine Unterstützung mehr gewähren wollte 
(Fat. XCTII), und wo er dem Kanzler Axel Oxenstierna die böhmischen 
Exulanten zur Berücksichtigung in den vorbereiteten Friedensbedingungen 
empfiehlt (Fat. CXVII). 

Damals war er als neuerwählter Bischof der Brüderkirche bereits nach 



Evacala, Correspondenz Komensky's, angez. von Noväk. 143 

Lissa Ubersiedolt, und wir haben aus den Jahren dieses zweiten Aufenthaltes 
daaelbst (164S — 1650) seiner Stellun": f^euiiiss schon einige Briefe politischen 
Inhaltes vorliogend. Interessant ist darunter IteMondurs die Abbitte an den 
schwedischen Reichskanzler, den er durch seine Heftigkeit beleidigt zu haben 
vermeiut (Pat. C'XXVI), als er ihm die rtlielit auferlegte, für seine Landsloute 
zu sorgen. 

Der Aufeuthalt in Ungarn brachte nicht nur neue Verbindungen und 
Freundschaften, sundern weckte neue Interessen, denn Coiuenius legte in 
diese seiue praktischen Versuche grosse Hoffnungen, welche auch politische 
Ziele betrafen. 

Aber im Hintergründe sehen wir schon damals den unseligen Schatten 
des Nicolaus Drabik aufsteigen (Kv. H, LVI — LVII, seines ehemaligen 
Mitschülers und C'oUegeu im Priesteramt'', mit welchem Comenius schon auf 
seiner ersten Reise nach Ungarn wieder in persönliche Verbindung trat, und 
obwohl besonders aus diesen Jahren manche Prophezeiung des Visionärs 
nicht in Erfüllung giug, so zweifelte der durch seiue Schwärmereien gebannte 
Mann nicht im mindesten an der göttlichen Sendung des vermeintlichen 
Sehers, über dessen private Lebensweise doch auch manches Unlöbliche be- 
kannt war. Ja er scheute sich nicht, sein Famulus zu werden und den Ruthen 
des Fürsten G.Räköczy mitunter einzuschärfen, dass sie die Offenbarungen 
Drabik's berücksichtigen sollen, sonst laden sie den Fluch des Himmels auf 
sich (Kv. A, CXXXI — CXXXIII), und freut sich, als auch in der Umgebung 
des Fürsten die einzelnen Aussprüche des Propheten Aufmerksamkeit er- 
regten (Kv. A, CXLV). 

In den zwei Jahren des dritten Aufenthaltes in Lissa (165 1 — 1656) sehen 
wir Comenius an die Freunde in England und Ungarn bereits politische Nach- 
richten versenden (Kv. A, CXLIX, CLI, CLIV. B, LXXI, LXXII), und diese 
seine Briefe erhalten in diesen Jahren vollständig den Charakter politischer 
Sendungen verschiedener Staatsmänner; auch sendete damals Comenius zeit- 
weise eigene Eilboten aus, welche seiue Nachrichten an Ort und Stelle 
brachten. 

Das rege Interesse, welches verschiedene gelehrte Männer nach der 
Zerstörung der Stadt Lissa au dem Schicksale des Comenius kundgeben (Fat. 
CLXII, CLXIII. Kv. A, CLXIV, CLXV), zeugen von der innigen Freund- 
schaft, welche Männer von so verschiedenem Interesse mit einander verband. 
Leider haben sich gerade aus diesen Jahren nur sehr wenige Concepte des 
Comenius erhalten. 

Die ersten Jahre in Amsterdam verlebte Comenius in steter Arbeit an 
den neuen Ausgaben seiner Schriften, von denen die didaktischen in der 
Welt am meisten Anklang fanden. Mit alten Freunden wurden Verbin- 
dungen erneuert, nachdem sich der tiefgebeugte Mann von seinem Verlust 
erholt hatte, und die Herausgabe der Visionen Kotter's und Drabik's (Lux in 
tenebris) brachten neueBekanntschafteu, leider aber auch neue Verfolgungen 
und einige heftige Polemiken, wie z. B. gegen den ehemaligen Freund Nie. 
Arnoldus. In den sechziger Jahren sehen wir in dem westlichen Europa 
(Frankreich, Schweiz) einen förmlichen Apostel der Revelationen Drabik's 



144 Kritischer Anzeiger. 

reisen, welchen Laurenz de Geer zahlt, Comenius aber ertheilt ihm Instruc- 
tionen über sein Verhalten. Leider misslang diese Mission in Folge der Un- 
geschicklichkeit des Mandatars. Es war ein ehemaliger Pädagoge, Johann 
Jakob Redinge r, welcher besonders am französischen Hofe eine politische 
Rolle zu spielen bestrebt war. Seine Correspondenz mit Comenius enthält 
manches interessante Detail (Kv. A, CCXLIII u. f.). 

Für die Stellung des Comenius zur neueren Philosophie, besonders zu 
Des Cartes, ist belehrend sein Brief an Petrus Serarius (Kv. A, CCLXVII), 
sein reger Antheil an jedem Fortschritte der Bildung ist ersichtlich aus dem 
Begleitbrief zur Via lucis, welche erderneu gegründeten gelehrten Ge- 
sellschaft in London sandte (Kv. A, CCLXXXI). Andererseits zeigt 
seine Correspondenz mit Antoinette Bourignon seinen Anhang zum 
Mysticismus, der ihn treu durch das ganze Leben geleitete. 

In seinen letzten Lebensjahren erschienen auch einige neue Ausgaben 
der Janua, was Comenius neue Freunde einbrachte (Kv. B, XCIV — XCVI). 

Von den Briefen , welche aus der Zeit nach dem Tode des Comenius 
stammen, sind interessant besonders diejenigen, die den Nachlass des Come- 
nius betreffen, welcher dem Schüler Chr. W. Nigrinus zur Herausgabe an- 
vertraut wurde. Er meldet die Fortschritte seiner Arbeit an Gerhard van 
Geer und pflegt bisweilen Rath mit M. Hesenthaler, aber viel hat er darin 
nicht geleistet (Kv. B, CXIV— CXLVIII). 

Diese einzelnen Proben aus der Correspondenz, welche Kvacala gesam- 
melt hat, genügen wohl, um die Fülle derThatsachen zu erkennen, die daraus 
gewonnen werden kann. Die ganze Forschung über das Leben und die 
Schriften des Comenius ist durch diese neuen Daten auf eine andere Basis 
gestellt, es ist dadurch erst die eigentliche Grundlage gewonnen, auf welche 
der Forscher die merkwürdige Gestalt des grossen Pansophen sicher aufzu- 
setzen vermag. 

Die Regesten, welche einem jeden Briefe vorgestellt sind, erleichtern 
die Inhaltsübersicht, ein reichlicher Index in beiden Bänden führt uns zur 
Bekanntschaft mit den verschiedenen Personen ein, welche uns in den Briefen 
begegnen. 

Zweierlei möchten wir nur an dieser Stelle dem Herausgeber zur Be- 
achtung anempfehlen: Dass für das Verständniss der Texte von Bedeutung 
gewesen wäre, wenn er die Interpunktion dem Inhalte angepasst hätte, näm- 
lich wenn er die Satztheilung seiner Vorlagen fallen gelassen hätte. Er hatte 
ja meistens nur Abschriften, bei denen es sich schwer feststellen lässt, wie 
das Original eigentlich lautete, und es handelt sich gewiss mehr darum, dass 
die Correspondenz gelesen wird, als dass der Nachdruck den Vorlagen ange- 
passt wird. Ebenso hätten wir auch die Ausführung aller Kürzungen gern 
gesehen, da ohnehin die kleine Druckschrift der Mehrzahl dieser Briefe die 
Durchnahme des Inhaltes bedeutend erschwert. 

Als I. Anhang zum zweiten Bande seiner Sammlung setzte Kvacala eine 
neue Reihe von Beiträgen zur Biographie des Comenius; der erste stammt 
aus dem J. 1611, der letzte aus dem J. 1694 und bezieht sich auf den Tod des 
Daniel Komensky. Eine andere Reihe hatte er bereits im J. 1892 (im I.Bande 



Francev, Zur Geschichte der böbm. Wiedergeburt, angez. von Karäsek. 1 45 

der Monatshefte der Comenius-GeB.) veröffentlicht. Diese ältere ist grüssten- 
theila den Schrifteu des (.'omenlus entnommen und wurde vun dem Heraus- 
geber bereits in seiner 18!»2 erschienenen Biographie des Comenius benutzt, 
diu neuere stammt meistens aus Stammbuchinschriften und den Schriften der 
Zeltgenossen des Comenius. Auch erscheint hier zum erstenmale das 'I'a^e- 
buch des Nie. Drabik benutzt, welches im J. 1893 mit anderen Schriften 
des Visionärs ins böhmische Museum käuflich gelangte. Leider sind gerade 
diese Manuscripte des Propheten mit wenig lesbarer Schrift geschrieben. 

Als II. Anhang erscheint in diesem Bande eine Reihe von kleineren 
Schriften des Comenius, welche der Herausgeber für Ergänzungen der (Kor- 
respondenz betrachtet. Meistens sind sie von ihm selbst wieder aufgefunden 
worden. 

Aus den Jugendjahren stammen die beiden von Dr.Nebe in Wiesbaden 
gefundenen Dissertationen, »Problemata miscellanea« und «Sylloge quaestio- 
num controversarum«, welche uns Comenius als strebsamen Jünger der Philo- 
sophie nach damaliger Art zeigen. Es folgt eine «Epistola didactica de stilo« 
vom englischen Pädagogen J. Brook, um den damaligen Standpunkt in 
Bezug der Lectiire der Classiker zu beleuchten. Interessant ist das Bestreben 
des Comenius, ein Perpetuum mobile herzustellen, an welchem er über zehn 
Jahre arbeitete (Nr. 3). Für die Erkenntniss des pansophischen Strebens 
wichtig ist auch ein Schema, welches Comenius gemeinschaftlich mit Johannes 
Rave ausgearbeitet hatte (Nr. 4). 

Nach dem J. 1648 sind diese kleinen Schriften von einer ganz anderen 
Art, sie haben ein politisches und volkswirthschaftliches Gepräge, wie z.B. 
pSermo secretus«, dem jungen Siegmund Räkoczy bestimmt, und »Gentis 
felicitas«, für seinen Bruder Georg geschrieben. Politisch ist auch der 
»Syllogismus Orbis terrarum practicus«, welcher die christliche Welt gegen 
das Papsttbum aufzureizen bemüht ist. Aus dem Nachlass stammen wohl die 
»Centum dialogi pansophiae«, auch gelangt hier wieder das von Nigrinus ge- 
sammelte »Spicilegium didacticum« zum Abdruck. Schliesslich sind noch 
einige Anmerkungen von M. Hesenthaler über die Ordnung, wie man Come- 
nius' Opera didactica benützen sollte, sowie ein Index dazu aus einem in 
Posen erhaltenen Exemplar mitgetheilt. Dr. J. V. Novdk. 



V. A. Francev: OyepKH no ncxopin ^emcKaro coapoKÄeHiH. PyccKO- 
^emcKifl y^ieHiifl cbhsh KOima XVIII 11 nepsoä noaoBHHU XIX ct. 
Warschau 1902, S. II + 386 -j- Beilagen LXXI und ein Namen- 

verzeichniss VI. 

Der Verfasser dieser Studie hat sich schon durch mehrere Abhandlungen 
um die Erforschung der Geschichte der russisch-böhmißchen Beziehungen 
verdient gemacht. In der vorliegenden Schrift wurden besonders die Schätze 
der Bibliothek des Museums des Königreiches Böhmen fleissig durchstudirt 
und das ganze hierher einschlägige Material glücklich bewältigt. Ausserdem 

AichiT für slayiBche Philologie. XIYI. 10 



146 Kritischer Anzeiger. 

schöpfte er reichlich aus den in Petersburg befindlichen Quellen, die zur Be- 
leuchtung der von ihm behandelten Frage dienen. Als besonderes Verdienst 
heben wir mit inniger Freude hervor, dass der Verfasser auch in die bisjetzt 
unbekannteCorrespondenzböhmischerPatrioten Einsicht genommen, wodurch 
er in gewisse, bisjetzt dunkle Perioden der Slavistik Licht hineingebracht hat. 
Einen anderen Vorzug finde ich darin, dass das Werk einzelne kleine Fragen 
im Rahmen seiner Studie monographisch behandelt und gewöhnlich auch 
jedes einzelne Kapitel ganz erschöpft hat; z. B. die Versuche über die Eini- 
gung in der slavischen Schrift, wobei sich besonders Hanka bei den Böhmen 
und Caf bei den Slovenen Verdienste erworben haben : der eigentliche Vater 
dieses Gedankens war Kopitar, dessen genialem Kopfe mehr solcher Ideen 
entsprangen, als er verwirklichen konnte. Purkyne plaidirte für die latei- 
nische, allen Slaven verständliche Schrift, aber die Erfahrung lehrt, dass in 
dieser Sache Kollär Recht hatte, der sich keinen intelligenten Slaven ohne 
Kenntniss beider Schriften vorstellen konnte. Andere monographisch be- 
handelte Fragen sind z. B. die Geschichte der Uebersetzung der Institutiones 
und Safarik's Starozitnosti ins Russische, Safafik's Schwierigkeiten bei dem 
Guss neuer cyrillischer Lettern, die Geschichte der Herausgabe des Reimser 
Evangeliums, worüber vom Verfasser selbst schon eine Abhandlung vorlag, 
die Leidensgeschichte der ersten slavophilischen Zeitschrift in Russland, 
Dubrovskij's »Jutrzenka-ÄaHHHua« (polnisch-russisch), welche in Russland 
zwölf Abonnenten hatte. 

Das Werk Francev's bildet in gewisser Hinsicht ein Gegenstück zur 
Studie des Prof. Dr. Murko »Deutsche Einflüsse auf die Anfänge der böh- 
mischen Romantik«, und obzwar Francev nirgends gegen Murko den polemi- 
schen Ton angesehlagen hat, so fühlen wir doch heraus, dass er in der soge- 
nannten »Wiedergeburt der cechischen Nation« einen anderen Standpunkt 
einnimmt, als Prof. Murko. Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass der Ein- 
fluss des Herderischen Humanismus und der deutschen Romantik auf die 
böhmische Literatur von grosser Wichtigkeit war; es wird Niemand leugnen 
wollen, dass noch jetzt die älteste Generation der böhmischen Intelligenz von 
der Tradition Herder-Kollär durchdrungen ist, aber Murko war mit seinem 
Begrifife des Romantismus doch zu weit gegangen. Nach ihm ist SafaHk auch 
ein Romantiker, freilich nur in dem Sinne, als man einen Jakob Grimm oder 
Savigny Romantiker nennt und nennen kann. Durch diesen zu breiten und 
allgemeinen Begriff des deutschen Einflusses kann man den polnischen 
Einfluss, der doch bei den Böhmen bedeutend war, weiter den russischen 
Einfluss und überhaupt die Vorliebe der ersten böhm. Patrioten für das Sla- 
vische nicht recht begreifen; hauptsächlich aber läuft man dabei Gefahr, 
die Individualität der Schriftsteller nicht bestimmen zu können. 

Celakovsky ist doch der erste echte nationale böhmische Dichter. Wenn 
nichts anderes, so beweisen das seine treffenden, bissigen, geistreichen Epi- 
gramme. Celakovsky hat bald erkannt, wozu er am meisten befähigt war. 
Francev hat z. B. sehr fein sein poetisches Verdienet bei der Nachdichtung 
der russischen Lieder hervorgehoben. Es würde doch schwer fallen, seine 
Vorliebe für die slavischen Lieder aus der damals herrschenden Mode, sich 



Francev, Zur Geschichte der böhm. Wiedergeburt, angez. von Karäsek. 147 

mit der Volkspoesie zu beschäftigen, zu erklären. Celakovsky war — abge- 
sehen von seiner stark entwickelten poetischen Individualität — doch mehr 
ein Slavopliile als ein Honiantiker im deutschon Sinne. 

Es ist wahr, das Fest auf der Wartburg hat auf Kullär einen nachhalti- 
gen Eindruck gemacht, uud doch ist aus ilmi der Repräsentant des literari 
sehen Panslavismus mit humanistischen Ideen Herder's geworden. Die Leute 
haben auch bei der deutschen Form des Patriotismus ihre eigenen Gefühle 
gehabt, was z. H. Brodzinski bei dem Lesen der Gedichte Collin's beweist 
(Tretiak . 

Wir wollen mit diesen Zeilen unserer Meinung Ausdruck geben, dass 
Murko in seinem geistreich geschriebenen Werke einer Erscheinung bei 
der Wiedergeburt der böhmischen Nation eine zu grosse Bedeutung zu Un- 
gunsten anderer, besonders des Bewusstseins der slavischen Zusammen- 
gehörigkeit, beigelegt hat. 

Da sich die »Ocerki« Francev's auch mit der Wiedergeburt der böh- 
mischen Nation beschäftigen, will ich vorerst meine Anschauungen über diese 
Periode klarlegen. Auf diese merkwürdige Erscheinung schauen slavische 
sowie fremde Gelehrte mit einer gewissen Achtung. Nach der germanisiren- 
denThätigkeit der Wiener Regierung, welche im J. 1749 sogar die böhmisch- 
österreichische Kanzlei aufhob, begann in den letzten drei Jahrzehnten des 
XVIII. Jahrh. ein neues Leben in Böhmen sich zu entwickeln. Es kommt ein 
neuer moderner Wind aus dem Westen, der neue Ideen mit sich brachte, die 
Ueberreste des Schnees verschwinden unter dem Hauche eines lauen östlichen 
Windes, der von der grossen slavischen Familie lispelt, es entwickelt sich 
ein Frühling, welcher trotz aller Stürme und trotz mancher Ungunst Wunder 
wirkt. Als Hauptmomente bei der Wiedergeburt des böhmischen Volkes 
müssen folgende Umstände angesehen werden: erstens die böhmische Sprache 
unter der Landbevölkerung stand noch in lebendigem Gebrauche, einen 
Todten, z. B. einen Polaben oder Preussen, könnte man nicht wieder ins 
Leben rufen; — zweitens die im J. 1775 gegründete Volksschule musste böh- 
misch wirken (auch die Normalschulbücher [Normalni skolni knizky] waren 
böhmisch gedruckt) , und — drittens die böhmische Intelligenz, obzwar sie 
deutsch sprach, verfolgte dennoch ein bestimmtes, bewusstes Programm, 
nämlich die Pflege der vaterländischen Literatur und die Liebe zu der Mutter- 
sprache. Ausserdem war da noch eine ganze Reihe anderer Erscheinungen, 
welche alle zusammengenommen ein Resultat ergaben — nämlich die Wieder- 
geburt der böhmischen Nation. 

Inder letzten Zeit will man von der Continuität der böhmischen 
Literatur sprechen, und man greift nicht gerne zu dem Begriffe obrozeni 
iWiedergeburt). 

In dem neuesten Hefte des »Cesky casopis historicky « (1903) sagt Prof. 
Fr. Täborsky zum Schlüsse seines Artikels »Pocätky novocesk^ poesie za 
vlivu klassicismu", S7 »Podän novy dükaz pro kontinuitu ve vyvoji novo- 
cesk6 literatury«. Die Continuität der böhmischen Literatur wird Niemand 
leugnen, wer die Bücher religiösen Inhaltes, wie z. B. Gebetbücher, Bibel, 
Katechismen und ähnliche Leetüre in einer erbärmlichen Sprache für Lite- 

10* 



148 Kritischer Anzeiger. 

ratur hält; ich glaube, im Grunde hält Täborsky dennoch an der Wiederge- 
burt feat. Sonst würde er einen Schönfels nicht buditel nennen, sonst hätte 
man nicht obrany jazyka cesköho schreiben müssen, sonst müsste man nicht 
von vlastenci, buditelö sprechen. Für mich ist entscheidend, dass die neu 
erwachende böhmische Literatur an die Traditionen der unmittelbar voran- 
gehenden oder überhaupt an die Literatur des letzten Jahrhunderts nicht an- 
knüpft, sondern entweder selbständig neu schafft oder zu alten Erscheinungen 
aus der überschätzten goldenen Zeit (Prochäzka, Eronika mozkevskä etc.) 
zurückgreift. In der Literaturgeschichte spricht man (zwar ungern) von Pe- 
rioden, von Vorgängern, Koryphäen, Epigonen, wovon bei uns nicht die Rede 
sein kann. Entscheidend für diesen echt scholastischen Streit um den Aus- 
druck ist der Umstand, dass unsere Patrioten mit Bedacht ihr ganzes Thun 
und Lassen der vaterländischen Idee untergeordnet haben. Man erinnere sich 
nur der Gedichte und anderer Kundgebungen, womit sie ihre Sprache be- 
geistert und opferwillig vertheidigt haben. 

Wir halten an dem Begriffe der »Wiedergeburt« fest und betonen, dass 
dieser Process, der sich mehrere Jahrzehnte entwickelt, aus mehreren Ursachen 
resultirte; und eine von den wichtigsten Triebfedern desselben war ent- 
schieden das Bewusstsein von der Zugehörigkeit zu der grossen 
slavischen Familie. 

In Böhmen hat man bisjetzt auf diese Erscheinung zu wenig Gewicht 
gelegt, besonders die Mittelschule hatte vor diesem Begriff sozusagen eine 
gewisse Antipathie; aber mit Unrecht. Es ist gerade ein grosses Verdienst 
des Buches Francev's, dass es diese Lücke in der landläufigen Meinung 
glücklich ausfüllt. 

Nehmen wir die ersten Zeitschriften Hlasatel, Casopis Öeskeho Musea, 
Hronka etc. in die Hände, blättern wir in der Correspondenz unserer ersten 
Patrioten, überall finden wir denselben warmen Trost, überall dieselbe Liebe 
zu dem Slaventhum; es ist psychologisch erklärbar, dass sie aus dieser Idee 
Hoffnung, neue Kraft und Begeisterung für die weitere Arbeit schöpften ; es 
ist begreiflich, dass sie ihre Blicke besonders auf das grösste slavische Reich, 
auf das auch literarisch sich entwickelnde Russland richteten. Rulik, Pelcl, 
Nejedly, Celakovsky, Hanka und andere sind stolz auf die Vergangenheit 
ihres Volkes, bewundern die Nationallieder der Serben, der Russen (Kirsa 
Danilov und Slovo o polku Ig.) und leben in einer gewissen romantischen und 
sentimentalen Hoffnung, dass auch für die Slaven eine bessere Zukunft kom- 
men müsse, wie sie Herder und Falmerayer den Slaven prophezeiten. 

Diese Gedanken fanden in dem philosophisch-historischen Gedichte 
>Sldvy dceraw und in einem Konglomerate politisch-humanistischer Grund- 
sätze, nämlich in der Abhandlung »Wechselseitigkeit« von Jäu Kollär den 
beredtesten Ausdruck, in denen er ähnlich wie andere (S. 74) mit Begeiste- 
rung und augenscheinlichem Selbstbewusstsein der Welt verkündet: »die 
slavische Nation mache ungefähr den zehnten Theil des Menschengeschlech- 
tes aus, indem sie über 70 Millionen Seelen zähle«. Auf ähnliche Weise 
klangen gewöhnlich alle Argumente aus. 

In der Geschichte der Slavistik tritt ein wichtiges Moment ein, als 



Francev, Zur Geschichte der böhm. Wiedergeburt, angez. von Karäaek. 149 

Russland den Entschluss fasste, Lehrkanzeln für die elavischen Sprache 
Literatur und Geschichte zu errichten; anfanKn wurde der Gedanke ua r- 
.stiltzt, daas Uanka, Celakovßky und Sal'aiik als I'rufessoren, spater dass sie 
als Bibliothekare an die slavischo Abtheilung bei der Akademie berufen wer- 
den Hollten. 

Als man davon abgekommen war und J^afafik aus Neusatz nach Prag 
übersiedelte, wunlo Prag eint' Art slavisches Mekka: die grüssto Anziehung 
für die ruasischeu Gelehrten bildeten die Peraünlichkeit Äafarik's und der all- 
zeit gefällige Ihmka, dessen Verdienste Uvarov in einem Berichte an den 
Garen also schildert: MuuucTepcxBO uapojuaro npocBtmouin Bcerw uaxojujo 
Bi FanKt caMOö ycepjHoe coÄtöcTBie bt. pa3HbixT> y^ientixT. npeÄnpiflTiflXT> no 
qacTU CjaiinucKoii «tu.iojoriu; noqiu Bci mojojlic jioju, KOTopuo ömjiii OTnpaB- 
ji>ieMbi BT. CjaBHUcKij! acM.Tii j-in inyHcuia xaMOUiuuxT, uapiqiii, oönaauu poB- 
HOCTUOMy pyKOBOjCTBy u iiaauaauiflMT. FauKU ycntxaMU cdohmu bx oÖpaaoBauiK 
u npuroTOBjeuiii ccdn no 3toü qacxu 3uauiH. 

Hanka bekam dann den Orden der heil. Anna II. Classe. 

In der zweiten Hälfte des XIX. Jahrb., nach dem Tode der beiden 
Männer, sank das Interesse der Russen für Prag; auch nach Wien begaben 
sie sich nur selten. Nach den ÜOer Jahren machte sich wieder ein reges In- 
teresse für Prag bemerkbar. Hauptsächlich war es der Nachlass .'^afarik's 
(Speranskij), der die Russen nach Prag lockte und noch dahin zieht. 

Diese wenigen Zeilen führe ich deshalb au, weil sie meine Meinung be- 
kräftigen, dass der gegenseitige Verkehr zwischen den cechischen und russi- 
schen Gelehrten auf etwas höherem, auf dem Interesse für die Wissenschaft, 
und nicht auf irgend einem politischen Interesse beruhte. 

Betrachten wir diese Erscheinung bei den Südslaven, so treffen wir 
fast auf die nämliche Analogie wie bei den Cechen. Der Vater des Illyris- 
mus, Gaj, war ein Schüler und Freund Kollär's in Pest, Stanko Vraz be- 
herrschte die cechische Sprache vollkommen, der Freund Gaj's, Rakovac, 
steht mit äafarik in Correspondenz und bricht in eine geradezu kindische 
Freude über das Ereigniss aus, dass die Kroaten das cechische z angenommen 
haben. Auch der Weg, den ihre nationale Wiedergeburt nahm, ist dem Pro- 
zesse in Böhmen sehr ähnlich; die Patrioten gebrauchen in ihrem gegen- 
seitigen schriftlichen Verkehre die deutsche Sprache, ja Draskovid wendet 
sich deutsch an die Frauen mit der Aufforderung, Patriotinnen zu werden. 
Ebenso war es auch in Böhmen ; f.ist alle Patrioten haben das Fieber, deutsch 
zu dichten, durchgemacht, llavlicek sprach mit Gabler und seinen Freun- 
den deutsch über die Noth wendigkeit, das Volk zu bilden; erst nach seiner 
Rückkehr aus Russland, wo er bei §evyrev unterrichtete, begann er böh- 
misch zu sprechen. 

Auch von den Slovenen, welche in Bezug auf Nationalfragen unter 
der französischen Regierung einige Erleichterung genossen, lässt sich etwas 
Aehnliches sagen. Allerdings bildete Preseren's Liebe zu Julie die Haupt- 
quelle seiner Poesie; doch dürfen wir seines Aufenthaltes in Mähren nicht 
vergessen, ferner seiner Kenntniss der Werke von Celakovsky und in den 
dreissiger Jahren seiner Bekanntschaft mit den in Laibach internirt gewese- 



"150 Kritischer Anzeiger. 

nen Polen. Auf die Entwickelung des Nationalbewusstseins hat bei den Slo- 
venen gewiss auch der Laibacher Kongress im J. 1821, an welchem sich auch 
Zar Alexander mit einem grossen Gefolge betheiligte, Einfluss gehabt. 

Während meiner Thätigkeit in der Bibliothek des Ministeriums des In- 
nern kam mir ein sehr schön geschriebenes Manuscript, ein Tagebuch über 
den Kongress von Costa, in die Hand ; darin wird bemerkt, dass Kaiser Franz 
seine nach Italien ziehenden Regimenter häufig in Gegenwart des russischen 
Garen inspizirte; das Beisammensein mit den Russen hat gewiss auch auf 
die slovenische Intelligenz im nationalen Sinne gewirkt. 

Zur Zeit der napoleonischen Kriege kamen die Russen auch nach 
Böhmen, besonders nach Prag, worüber Francev Nachrichten gesammelt 
hat (»Rusove v Cechäch za välek Napoleonskych« C.C.M. 1898). 

Es wird gut sein, wenn wir eine halb vergessene Stimme eines Deutschen 
über die vor hundert Jahren herrschende Meinung von der Aehnlichkeit der 
slavischen Sprachen anführen. Ich entnehme sie dem » Spaziergang nach Sy- 
rakus« von Seume (Pros, und poet. Werke, S. 21): Nicht weit von Kolin ass 
ich zu Mittag in einem Wirthshause an der Strasse, ohne mich eben viel um 
die Mahlzeit zu bekümmern. Meine Seele war in einer eigenen sehr gemisch- 
ten Stimmung, nicht ohne einige Wehmuth, unter den furchtbaren Scenen der 
Vorzeit (7-jähriger Krieg und der französische Krieg); da tönte mir aus einer 
Ecke des grossen finsteren Zimmers (das Wirthshaus heisst »na St'äralce«) 
eine schwache zitternde einfach magische Musik zu . . . Eine alte Böhmin 
sass an einem helleren Fenster uns gegenüber und trocknete sich die Augen, 
und ein junges schönes Mädchen, wahrscheinlich ihre Tochter, schien ihr mit 
Mienen und Worten sanft zuzureden. Ich verstand hier und da in der Ent- 
fernung nur einiges aus der Aehnlichkeit mit dem Russischen, das ich, wie 
Du weisst, ehemals etwas zu lernen genöthigt war. 

Pg. 48. Laibach: Das Deutsche hörte nunmehr auf und das Italienische 
fing nicht an: Dafür hörte ich das krainerische Rothwelsch, von dem ich nur 
hier und da etwas aus der Analogie mit dem Russischen verstand. Die 
Russen thun sich etwas darauf zugute, dass man sie so weit herab in ihrer 
Muttersprache versteht und nennen sich deswegen die Slaven, die Berühmten, 
ungefähr wie die heutigen Gallier sich die grosse Nation nennen. Bis nach 
Triest und Görz wurden sie hier überall verstanden. Die Polen sprechen so- 
gleich leicht und verständlich mit ihnen, und die Böhmen finden keine grosse 
Schwierigkeit. Ich selbst erinnere mich, als ich vor mehreren Jahren aus 
Russland zurückkam und einen alten russischen Grenadier als Bedienten mit 
mir hatte, dass er mir in der Lausitz in der Gegend von Lübben sagte : 
»Aber, mein Gott, wir sind ja hier noch ganz in Russland; hier spricht man 
ja noch gut russisch«. Soviel Aehnlichkeit haben die slavischen 
Dialekte unter sich, von dem russischen bis zum wendischen 
und krainerischen. 

Doch kommen wir endlich zu dem Werke Francev's, welches folgende 
Kapitel enthält, die ich hier skizziren will: 1. Die ersten Momente der 
russisch-cechischen Beziehungen am Ende des XVIII. und Anfange des 
XIX. Jahrb. 2. Hanka und Celakovsky; Anfänge ihrer literarischen Thätig- 



Francev, Zur Geschichte der böhiu. Wiedergeburt, augez. vuu Karüsek. 151 

keit. 3. Die Absicht, cechische Gelehrte nach RuBsland zu rufen. 4. Kussi- 
scho Slaviaten pilgern in den 30 — 16er Jahren nach Prag. 5. Die ersten Jahre 
der SlaviBtik in Uussland. Die Beziehungen der russischen Gelehrten zu 
Prag. Die beiden letzten Partien sind besonders gelungen. 

Nach der Niederlage Napoleons und nach der Einnahme von Paris wurde 
in Böhmen die Grösse Russlands, der mächtige Car und der neue Friede be- 
sungen. 

Der erste praktische Russophile war in Böhmen Dobrovsky. Er 
unternahm die bekannte Reise nach Schweden und Russland und hielt sich 
2 Monate, vom 17. August bis 17. Oktober 1792, in Petersburg auf. In Peters- 
burg und in Moskau fand er eine kleine Ausbeute an Bohemica. Graf Joachim 
Sternberg hat in den »Bemerkungen über Russlaud 1792—93« die Reisebe- 
schreibung Dobrovsky's vervollständigt. 

Mit Dobrovsky war durch Vermittelung des Grafen Stadion schon früher 
Rumjancov bekannt geworden. Das Gelehrtenkabinet Dobrovsky's bildete 
eine praktische Schule für die russische Sprache. 

Die »Institutiones« Dobrovsky's sollten ins Russische übersetzt werden, 
aber es kam nicht dazu, wenigstens nicht zu Lebzeiten des Meisters. Penin- 
skij hat bloss einen Auszug daraus veröffentlicht. Erst Pogodin und .'^evyrev 
übersetzten später dieses Werk Dobrovsky's, mit dem der Autor selbst nicht 
zufrieden war, wie zahlreiche Glossen in seinem Handexemplar beweisen. 

Francev hat die Reisen Dobrovsky's nach Russland nicht gründlich 
analysirt und ihre Bedeutung für seine weiteren Studien nicht genug darge- 
legt; auch hätte es sich empfohlen, dass er die Arbeiten Perwolf 's und Flajs- 
hans', die sich mit russischen Bohemica befassen, erwähnt hätte. 

Das zweite Kapitel handelt von Hanka und Ceiakovsky, den begeister- 
ten Verehrern der Mutter Slavie. In der letzten Zeit, da der Kampf um die 
Echtheit der Königinhofer Handschrift auch einen parteilichen Hintergrund 
erhielt, wird Hanka ebenso parteiisch beurtheilt wie z. B. Havlicek. Es ist 
daher am Platze, bei der Charakteristik Hanka's eine gewisse Vorsicht zu 
befolgen. Hanka hatte einen glücklichen Gedanken, dass er die Handschriften 
»entdeckte«; im neuesten Hefte des »Casopis c. professorü« wird darauf hin- 
gewiesen, wer ihm die Königinhofer Handschrift abschrieb. Er gehörte zu 
jenen Menschen, die sich durch Liebenswürdigkeiten alle Leute verbindlich 
machen können, von deren Einfluss sie sich einen Erfolg versprechen. Aber 
gegen kritische Geister schlagen solche Männer einen nicht immer geraden 
Weg ein, indem sie jenen Unannehmlichkeiten zu bereiten suchen. Ehe wir 
uns der Affaire Hanka-Celakovsky zuwenden, will ich nur noch voraus- 
schicken, dass Nebesky ihn nicht umsonst den »Ignoranten aus dem ersten 
Hofe« nannte. 

Ein anderer charakteristischer Zug Hanka's liegt in folgender Begeben- 
heit, die mir Svätek mittheilte : 

Safafik war der eigentliche Finder der runden glagolitischen Schrift für 
den Druck, er hatte diese Buchstaben nach den ältesten Handschriften zu- 
sammengestellt und für den Druck die Typen schneiden und giessen lassen. 
Mit der Firma Haase schloss er einen Vertrag, dass niemand diese Lettern 



1 52 Kritischer Anzeiger. 

für den Druck früher benützen dürfe, als er. Der Metteur-en-page und die 
Setzer waren zum Schweigen verpflichtet worden. Aber wie gross war die 
Verwunderung Safank's, als er zum Neuen Jahre [eine Visitkarte von Vja- 
ceslav Hanka in glagolitischem Druck erhielt! Hanka hatte den Metteur-en- 
page doch dazu bewogen, ihm wenigstens Visitkarten zu drucken, damit er 
den ersten glagolitischen Druck habe. 

Professor Francev spricht überall mit wahrer Achtung von Hanka ; es 
ist dies ganz in der Ordnung, aber es wäre doch wünschenswerth gewesen, 
das Verhältniss zwischen Hanka und Celakovsky eingehender zu beleuchten 
und einen bestimmten Standpunkt in dieser Frage einzunehmen. Bei sei- 
nem deutlich an den Tag gelegten Taktgefühl sind wir überzeugt, dass er 
den Todten nicht nahe getreten wäre; amicus Plato, aber der beste Freund 
der wissenschaftlichen Forschung ist die Wahrheit. Der russische Leser wird 
es gewiss nicht begreifen können, warum Hanka und Celakovsky auf einmal 
Todfeinde geworden waren. Noch im Jahre 1829 hatte ja Celakovsky dem 
Hanka ein Bändchen >Ohlas« gewidmet, Hanka bezeichnete Celakovsky als 
seineu Schüler und empfahl ihn nach Russland. Celakovsky hat, wie es 
scheint, schon die Bezeichnung »Schüler« schwer vertragen, und als die Be- 
rufung nach Russland nicht erfolgte, glaubte man allgemein, dass Hanka dies 
verschuldet habe, der überall für seine eigene Person zu arbeiten verstand. 

Die Veranlassung zu der offenen Feindschaft war eine scharfe rücksichts- 
lose Kritik von Celakovsky, welche dieser im »Casopis Ceskeho Musea« im 
J. 1834, S. 445 — 452 veröffentlicht hatte, worin er die »Krakowiaky« Hanka's 
angriff. Dieser Artikel ist Francev entgangen, wodurch eine Lücke in seinen 
Ausführungen entstand. Diese Recension ist schon durch ihren bissigen Ton 
bezeichnend; für Hanka war sie geradezu vernichtend, und in jenen Zeiten 
musste sie eine wahre Sensation hervorrufen. Man bedenke nur: der überall 
gefeierte Entdecker der Königinhofer Handschrift und Bibliothekar des Mu- 
seums, Hanka, wird in einer Zeitschrift desselben Museums fürchterlich 

V * V 

heruntergerissen! Schon früher hatte Celakovsky in seiner »CeskäVcela« 
dem Hanka wegen seiner Krakowiaky einen schmerzhaften Stich versetzt. 
Er frozzelte ihn mit den Worten: Vinovat, Hosudar! sogresil-nakrosil, da ne 
vychlebal l Im »Casopis C. Musea« musste Hanka spöttische Worte über den 
Krakowiak überhaupt, über einzelne misslungene Reimpaare insbesondere 
sich gefallen lassen, er musste hören, dass dieUebersetzung ganz überflüssig, 
stellenweise sklavisch, stellenweise verfehlt sei. Hanka habe die böhmische 
Sprache unbarmherzig misshandelt, »a bylo by veru skoda papiru na potis- 
koväni one seredy«. » My nechceme miti hatlaninu ze vsech slovanskych nä- 
feci, ale chceme miti jazyk, jakym predkov^ nasi mluvili, jakym i my mluvime 
a piseme«. »Jest to tedy nesetrnost, k matei-skemu jazyku, jest i nesetrnost 
k ceskemu ctenäfstvu, ktera zasluhuje dütky<. Solche Bücher verderben 
eher die Literatur und, was schwer wog — Celakovsky will Hanka »ani vla- 
stencem jmenovati« — nicht einmal einen Patrioten nennen, wenn er seinen 
Irrthum nicht einsieht. 

Die Antwort Hanka's fiel schwach aus : »Nadelänof rusismü v ohlasu 
ruskych pisni mnohem vice, a ze slov ruskych tarn se nachäzejicich mohlo by 



Francev, Zur Geschichte der böhm. Wiedergeburt, angez. von Karäsek. 153 

se snad jeste amesnejsi psanicko elätati, ale nochnie toho«. Aus der ganzen 
Recension sehe man, erwiderte Hanka, dass der Referent zu parteiisch sei. 

Es ist wahr, die Recension Cehikovsky's niussto Hanka sehr schmerz- 
lich berühren und seinen Ehrgeiz un;^emein kränkon. Es geschah ihm noch 
einmal, dass er wissenschaftlich hin^reric-htet wurde — im wahren Sinne des 
Wortes — nämlich von Miklosich in der Shiv. Hibliothek. 

Vergegenwärtigen wir uns nun, dass Ceiakovak) bald darauf, am 2Ü. No- 
vember 1835, in den Praisku Noviny die Antwort des Garen Nikolaus I. zu 
der polnischen Deputation einer unvorsichtigen und scharfen Kritik unter- 
zogen hatte. Der russisclie Gesandte Tatiseev in Wien machte die Regierung 
Metternich's auf diesen Artikel aufmerksam, worauf Ct-lakovsky aus der Re- 
daction entlassen und der Stelle eines suppl. Professors der böhmischen 
Sprache an der Universität enthoben wurde. Celakovsky wurde durch dieses 
Einschreiten des russischen Diplomaten in das grösste Elend gestossen, er, 
der begeistertste Verehrer von Russland ! 

Francev will es nicht zugeben, dass Hanka den Celakovsky beim Grafen 
Tatiseev denunzirt habe. Er stützt sich hauptsächlich auf den Brief Tatiscev's, 
den er im Nachlasse Uanka's fand. Es ist walir, dass man heute mit mathe- 
matischer Sicherheit den unmoralischen Urheber dieser Schandthat nicht au- 
geben kann, aber das odium bleibt schon auf Hanka haften. 

Auf wen sonst würden sich diese Worte Celakovsky's beziehen? 

>Lid poctivy zde Istive, tejne 

padouch ten cernil lichodejne. 

Coz asi V pekle nyni päse? 

Tarn opak certiky 

za dobre chlapiky 

udävä pry u satanase«. 
Es lässt sich nicht leugnen, dass diese Denunciation, durch die Cela- 
kovsky ruinirt wurde, ein Schandfleck für den unbekannten Urheber bleibt. 
Man darf sich die ersten Zeiten der böhmischen neuen Literatur gar nicht 
zu sehr idyllisch vorstellen; schon JJafarik wollte wegen der Klatschereien 
nicht nach Prag gehen. Prag war ihm das grösste slavische Kocourkov, das 
Nest der Intriguen und der Spionage, wobei als die grössten Verräther nicht 
die Deutschen, sondern böhmische Leute erschienen (29. Mai 1832 zu Kollär). 
Es ist werkwürdig, dass man auch später in Prag diesen verhäng- 
nissvollen Artikel in den Prazske Noviny nicht vergass. Als Celakovsky 
nach dem Tode Koubek's von Breslau nach Prag berufen wurde, hatte man 
Belfert, der sich besonders für Celakovsky einsetzte, aus Prag auf die Affaire 
Celakovsky's aufmerksam gemacht. Helfert hat dies aber nicht beachtet und 
warf den Brief ganz einfach in den Papierkorb, wie er in seinen Memoiren in 
der »Osveta« erzählt. 

Ich möchte noch einige Worte zu Hanka's Herausgabe des >Slovo o 
polku Igoreve« hinzufügen. Slovo war bald nach der Erscheinung Jungmann 
und Koznay bekannt geworden, und im J. 1811 wurde es von Miller unter 
der Redaction Dobrovsky's ins Deutsche übersetzt. Als dann die Grüne- 
berger und Königinhofer Handschrift unter sonderbaren Umständen entdeckt 



154 Kritischer Anzeiger. 

wurden (ich trachte diese Umstände in dem neuesten Hefte des »Vestnik 
ceskych professorüv« zu erklären), fand man eine auffallende Aehnlichkeit 
mit dem Slovo (stol oten, zirnd vlasti, plky Cechovymi, jary tur etc.)- Po- 
zarskij sah in Jaroslav von Sternberg einen russischen Fürsten. Ja, es ist 
sogar vorgekommen, dasa Grammatin den umgekehrten Weg einschlug, 
indem er das »Slovo« mit Hilfe des »Libusin soud« erklärte. 

Als äiskov die Königinhofer Handschrift in der russischen Akademie 
herausgab, sah Hanka, dass er nicht überall glücklich etymologisirte (ao- 
öpaiLCH ÄO KopHfl); er schickte ihm ein Verzeichniss von mehr als fünfzig 
Worten, welches genau zu kennen für uns von grossem Interesse wäre, da 
wir hier einen Beleg hätten, wie Hanka selbst dunkle Stellen der Handschrift 
erklärte. Auch Hanka's Ausgabe des »Slovo«, wobei ihm die russische Kritik 
sein abschreckendes Russisch vorwarf, sollte man einer Revision unterziehen. 
Hanka machte selbst auf die Verwandtschaft des »Igor« mit der »Caredvor- 
skaja rukopis« aufmerksam: »ne tokmo bi. cjobhlixi. BLipajKeHlaxi., ho 6oJiie 
Toro, EX caMOMi Äyxi ÄpeBHocTH H MLimjieHifl«. Als besonders ähnlich galt ihm 
der Schluss von »Oldfich a Boleslav« und der des »Igor«. 

Anlässlich der Abhandlung über Celakovsky hätte ich einige Notizen 
nachzuholen. Celakovsky's Ideal war eine Reise nach Russland; schon im 
J. 1 820 wollte er sich nach Russlaud begeben, bekam aber vom russischen Kon- 
sul keinen Pass. Später war sein Muster Trnka, ein Protectionskind Hanka's, 
der nach Warschau kam, dann aber zurückkehrte. Hanka stattete seinen 
Schützling mit einigen Begleitbriefen aus, worunter eine Recommandation 
an Prof. Markiewicz (Professor der Physik) in Krakau gerichtet war. Mar- 
kiewicz schickte den Trnka mit dem Briefe zu Bandtkie, aus dessen Nach- 
lasse ich seinen Brief abschrieb. 

Wielmo^ny Mosel Panie Dobrodzieiu ! 

Zalecam tu miodego slowianskiego Anacharsisa, ktöry si^ wyprawil 
Slowianszczyzne wlastnoocznie przegladac, dla tego upraszam J. M. Pana 
Dobrodzieia, ie bys jemu pamietki staro:^ytnego Krakowa iaskawie przy- 
pomnieö i iego J. M. Panu Bandtkiemu, ktorego uyzrzyc gor^co iyczy, przed- 
stawid zechciai. 

W reszcze zas bedzieli mo^najemu podobnego bileciku do zalecenia w 
Warszawu napisad, za bardzo wielk^ iask^ to sobie pokladaö bedzie, coi ja 
za wszelk^ podana okazy^ odshigiwac nie przestan^ imiej^c honor z gl^bo- 
kim uszanowaniem etc. Wäclav Hanka. 

WPradze, IS.Marca 1821. 

Imie jego jest Franc Trnka. 

Für Celakovsky's »Ohlas pisni ruskych« — OircjocoKi. — haben die 
Russen keinen Sinn gehabt; erst nach zehn Jahren hat sie Amvrosij Mo- 
gila (Metlinskij) benützt; aber auch in Böhmen wurden sie nicht kritisch be- 
leuchtet; erst das Jubiläum Celakovsky's hat das Interesse für seine Person 
wieder wachgerufen, wozu Prof. Mächal besonders beigetragen hat. 

Dasselbe Schicksal ^verfolgte auch später Kvapil's »Knizeci zpevy«, 
Prochäzka's »Pisnicky« und Gedichte Mistecky's. 



Francev, Zur Geschichte der böhm. Wiedergeburt, angez. von Karäsek. 155 

Wir kennen jetzt Bchon dio ganze Geschichte, wie man bUhmiBcbe Sla- 
viateu für Russlatid gowimien wollte; am i)riici8e8ten ist sie in der Vcirrede 
zum BrielVechsül II. beleuchtet ; den Artikel Adämok's in der '•(-'eskä Revue« 
(1901/2), der sich durch die jetzt häufig vorkuuimende Citationswuth aus- 
zeichnet, hat Francev bei der Abfassung seiner Studio wahrscheinlich nicht 
mehr gekannt, ^afarik bereitete sich gewissenhaft für seine Stelle in der 
Bibliothek in Petersburg vor, er suchte unter den Slaveu auch Freunde fUr 
seine künftige Anitsthiitigkeit : es waren C'op, Lubensky, Suscicli. 

Den grösston Thoil dos Buches Francev's füllen die Besuch(5 der Russen 
in Prag aus: Kastorskij, Ivanysev, Pogodin, Hodjanskij, Sreznevskij, Preiss, 
Grigorovio. Die Werke i^afahk's wurden ins Russische übersetzt; .'^afarik's 
Schriften fanden keine freundliche Aufnahme bei Senkovskij (LIii6.iioTcKa 
Ä-iH iTciiin) und Butkov (Cmut. oxciccTDa) ; ja sogar Sreznevskij hatte bei 
dem »Narodopis« verschiedenes auszustellen. Ich habe seiner Zeit über die 
Briefe der russischen Slavisten in Böhmen referirt, einiges ins Böhmische 
übersetzt. Neben Prag war besonders Jiein mit der Buchdruckerei Kasträ- 
nek's sozusagen eine wichtige Pflanzstätte der Literatur. Hier lebten die 
Professoren Sir, Machäcek, Ilollmann, in der Nähe wohnte der begeisterte 
Slavophile Marek in Libun, aus Sobotka kam Vetesnik, in Kopidlno lebte 
Vacek, in Miletin Arnold, der später die »svatoväclavskä mse« im Jahre 184S 
colebrirte. 

Im J. 1S41 kam auch Dubrovskij in diese Stadt und besuchte die 
dortigen Patrioten Sir und Machäcek. Dubrovskij besclirieb dann seine 
Reise und veröffentlichte sie in der »Dennica« 1842. Diese Zeitschrift ist mir 
unzugänglich. Ueber Sir und über den Circulus Gitschinensis schrieb Anton 
Truhlär, der damals als Professor im dortigen Gymnasium wirkte, 1882 eine 
Monographie. 

Einen Satz hätte Francev deutlicher stilisiren sollen. Dort, wo er von 
äiskov undKeppen Koppen) spricht, dass sie die ersten Männer waren, welche 
für die böhmischen Verhältnisse Verständniss hatten, fügte er hinzu (S. 130): 
Bt. aiOMt KpyÄKt yicHUKOEi. h npeeMuuKOBT> aööaia 6jiuHcaiiuice kt. Hcsiy nojo- 
avcnie 3auuMa-iu: K)urMauuT>, Aht. MapcKX, ITysMaäept., FauKa; HicKo;iBKO 
aa.ii.uie CTOflJii ^ejaKOBCKiü, IIa.iauKiü, lüa'i'apHKT), Koj.iap'i. ii apx. Die Zu- 
sammenstellung dieser Männer um Dobrovsky ist nicht haltbar. 

Herr Francev hat sich zur Aufgabe gestellt, die äussere Geschichte der 
gelehrten russisch-böhmischen Beziehungen im XIX. Jahrb. zu beleuchten. 
Die erste Periode, die sich mit der Wiedergeburt der böhmischen Literatur 
befasst, ist schwächer ausgefallen; wahrscheinlich lag es ursprünglich nicht 
in seiner Absicht, auch diese Periode zu behandeln. Es wäre wünschens- 
werth gewesen, das Wörterverzeichniss Hanka's an äiskov abzuschreiben; 
ausserdem hätte er die edle Person eines Pogodin mehr in seine Abhandlung 
hineinziehen sollen: jetzt ist es desto leichter möglich, nachdem sein Leben 
in dem grossen Werke Barsukov's so ausführlich geschildert ist. 

Schliesslich muss man bedenken, dass kaum die Geschichte der Slavistik 
geschrieben werden kann, ohne dabei der elastischen, beweglichen Person 
Kopitar's zu gedenken. Ohne Kopitar's Zuthun, ohne seine Sticheleien wären 



156 Kritischer Anzeiger. 

die Institutiones vielleicht nie erschienen. Diesen Slavisten und seine Thätig- 
keit, die sich nach den 30 Jahren mit den Prager Gelehrten häufig kreuzte, 
hätte Francev mehr berücksichtigen sollen. Kopitar hat es verstanden, die- 
jenigen RuBsen, welche zuerst nach Wien kamen, für seine »Wiener Jahr- 
bücher« heranzuziehen (z. B. Nadezdin). 

Wenn der Autor nicht nur die äussere Geschichte geschildert, sondern 
mehr auf die inneren Beziehungen, den ursächlichen Zusammenhang Gewicht 
gelegt hätte, wären in dieser verdienstvollen Studie einzelne Theile plasti- 
scher hervorgetreten. 

Nachtrag. Nachdem ich diese Zeilen geschrieben hatte, las ich im 
Februar die ersten Kapitel der »Literatura ceskä devatenäctöho stoleti«; ich 
gewann die Ueberzeugung , dass auch Dr. Jakubec meinen Standpunkt be- 
züglich der Wiedergeburt des böhmischen Volkes und der Person Dobrov- 
sky's theilt. 

Wien, Jänner 1 903. Dr. Josef Kardseh. 



Kleine Mittheilungen. 



Drei Briefe zur Geschichte der slayischen Philologie. 

Aus dem Agramer erzbischöflichen Archiv mitgetheilt von Prof. ©.§urmin. 

1. 

1799. d. 10. ang. 

Reuerendifsimo ac Excellentifsimo Domino Maximiliano Verhovacz, 
Josephus Dohrowsky S. P. d. 
Summo gaudio me affecerunt literae Tuae 7. Cal. Sept. 1798 Viennä 
datae, sed longe serius receptae, duabus potifsimum de causis. Primum quod 
conatus eorum, qui Slauicae nationis sive historiam sive Literaturam promo- 
uere Student, calculo Tue probes, atque ipse etiam operam eorum juuare ve- 
lis. Deinde, quod tarn benevolum erga me humanifsimis literis Tuis testatus 
fueris animum, vt etiam me in eam;spem erexeris, vt plura a Te petere audeam. 
Qua quidem venia licet nunquam abuti velim, tarnen hac vice eä ita vtar, vt 
simul gratias quam maximaa pro mifso vocum Croaticarum indiculo, egregiis 
obseruationibus Tuis aucto et inftructo, nunc agam, cum mihi non liceret 
Vindobonae aut Zagrabiae coram praestare. Nee habeo praeter verba, quo 
gratifsimum testari pofsem animum, aliud, quam opuscula quaedam literaria, 
exilia illa quidem et Te vix digna, sed pro aflfectu offerentis non comtemnenda, 
quae tandem, cum frusträ diu occasionem quaesiuerim aliam, nunc per cur- 
rum publicum mittenda constitui. Optarim ego, vt iis, maxime illis quae 



Kleine Mittbeilungen. 157 

philologiani Slauicam concernunt, vtatur e Croatis aliquis, qui me aliquando 
instruere pofsit ac velit, quibus fonnis frequentius vtautur t'roatae, quasque 
rariu3 aut ounquain vfurpeut; eas etiaiu addeodu, quau iiä duutaxat propriau 
eint, nobis Buhemis ignotae. 

Ytinam mihi nuacero liceret virum apud vos aliquem, qui ad bistoriam 
L. Croaticae »yiubolas suas conforre vellet. Interim bis quaestionibus, quae 
scquuntur, aliqua ratiooe satisfieri peto. 

Ij Exstatne [praeter Truberianam Non. Test, versionem, literis gla^uli- 
ticis et cyrillicis iwprefäaui, quam satis beuc nosco, quia ad manus eaiu babeo) 
N. Testamenti (totius) aliqua Versio Croatica siue antiquior, siue recentior ad 
vfum Catbolicorum? cumque talem vix exstare putem, 

2) exatatque salteui Veraiu Euangeliurum integrorum, ubi et quandu iui- 
prefsa ? 

3) Quae editionum verflionis euangelicarum lectionum et epiftolarum, 
qua Croatici Parochi vtebantur et adhuc vtuntur, est antiquifsima, et quae 
recentifsima. 

Poatremae iatius editionis exempiar vnum, cum alphabetico aliquo li- 
bello et catecbesi, vt tempore opportuno Viennam ad Dnum Christ, de Engel, 
aut ad ipsum Excell. Cancellarium Com. Teleki pro vsu meo transmittere 
digneris, enixe fiagito. Adieci bic orationem domicicam e Morania mihi mia- 
sam, a Croatarum coloniia illuc iam ante duo aecula deductis, et in Duminio 
Dürnholz habitantibus, recitari solitam, quam emendatiorem aliquando ite- 
rum obtentuium me apero, cum in ca menda otfendam non pauca. Res satis 
curiosa: non miscentur coloui Croatae in Morauia aliorum connubiis, vestitum 
moresque auitos, vti et linguam suam conseruant, libros e Croatia allatos 
emunt et legunt, aacerdote vtuntur Croata aut aaltem eo, qui L. eorum calleat. 
Pagoa inhabitant aliquos, de numero autem eorum nondum certior factus aum. 

Deua Te, praesul dignifsime, pro aalute Tibi concreditae plebia christia- 
nae, proque augendis communis boni commodis, quam diutifsime conseruet 
incolumem. Patere iam vt me totum quantum Tibi deuinctum profitear, 
fauorique Tuo et gratiis commendem. 

Pragae in hortulo meo die 10. Aug. 1799. 

(Acta archivi Episcopatus Zagrabienais. Vol. CXVI. N" 18.) 

2. 

Excellentifsimey Illustrifsime ac Reverendifsime Domine JEpiacope, 
Domine tnihi singulariter colendifsime ! 

Memor coUoquii occafione poatremae Disetae Posonii coram ad invicem 
de Litteratura Slavica habiti, dum nuper Spectabilis Dnus Jos. Petrovica Ta- 
bularis Afaefsor ex Banatu redux me invif if.set, sustinui Excellentifc Veftrse 
medio illiua trea Libros 'ejusdem thematia transmittere, amicifsimis mea ex 
parte subjunctia precibus, dignaretur Excellentia Vestra mihi adjutorio efae, 
ut cum Bibliotheca mea Slavicis Lexicis, uti defiderarem, necdum inftructa 
Bit, quorum titulos hie subnecto, acquirere pofsim. 

lo Gazophylacium latino-illyricum a Joanne Belofztenecz. Zagrabiac 
711. 4». 



158 Kleine Mittheilungen. 

20 Lexicon Latinum interpretatione Illyrica, german. et hungarica ab 
Andr. Jambrefsich. Zagrabise 742. 4o. 

3" Dizzionario, italiano, latino illyrico, opera del P. Ardelio della Bella 
dela Compagnia de Gieufu, Venetiis 728. 40. 

Postremum hoc quidem et per se rarum, neque hie uUa ratione reperi- 
bile, exiftimo tarnen inillis partibus tarn hoc qvam et priora, si non apud 
Bibliopolas et antiqvarios, apud privates nefors Litteratos certius inve- 
niri pofse. 

Spe certa fretus Excellentiam Vestram pro eximio suo in Litteraturam 
Slavicam studio et amore ac erga personam |meam amicifsima propenfione, 
moleftiam qvam facefsere praefumo seqvi bonique habituram, Dum preces 
meas hisce reitero, qvo Excellentia Vestra Libros hos exquiri, pro me com- 
parari , et seu saltem ad vicinum Dnum Episcopum Pakraczensem seu data 
oportuna occafione per Efsekinum Dalyam expediri curare non dedignaretur, 
una polliceor, me non tantum impensas debita cum gratiarum actione boni- 
ficaturum, verum etiam omnem occafionem, qvam avidifsime opperturus sum, 
cum voluptate arrepturum, qva similia amicitise officia in vicem reddere, et 
ipso facto conteftari pofsim peculiarem venerationis cultum, qvi persevero 
Excellentiae Vestrae 
Carloviczii die !?• martii 1803. humillimus Seruus 

Stephanus Stratimirovics m. p. 

Excellmo D. Eppo Zagrabiensi. 

(Acta Archivi Episcopatus eccl. Zagrabiensis. vol. CXIX. Nr. 34.) 

3. 

Ew. Excellenz! 

Da der Wunsch meines Lebens, im Mittelpunkte der Monarchie und der 
literarischen Hülfsmittel, der Slavischen Sprach- und Geschichtsforschung zu 
leben, durch meine Anstellung als Büchercensor und Hof bibliothekscriptor 
glücklich erreicht ist; so nehme ich mir die Freyheit von Ew. Excellenz gnä- 
diger Erlaubniss ehrfurchtsvollen Gebrauch zu machen und Hochdieselben ge- 
horsamst zu bitten, mir die Adresse irgend eines von Ew. Excell. gelehrten 
Klienten zukommen zu lassen, an den ich mich dann pro rebus Croaticis werde 
wenden können. Ungeachtet mir von der Censur die Slavischen Bücher in 
allen Dialekten zukommen; ungeachtet die Ungrische Hofkanzley der Hof- 
bibliothek nach einer bestehenden Verordnung alles in Ofen gedruckte (also 
auch serbische Bücher) einschickt: so ist das alles doch sehr wenig gegen 
den Vortheil der Korrespondenz mit Gelehrten in loco selbst. — Nach und 
nach werde ich auch trachten, die von Slaven bewohnten (nunc & olim) Län- 
der — also halb Europa wenigstens — selbst zu bereisen. An meinem Eifer 
und ernstlichen guten Willen soll es gewiss nicht fehlen, die deutschen Sla- 
visten, wie Schlözer, und die eingebornen wie Dobner, Durich, Stulli u. a. m. 
zu ersetzen. 

Da ferner ältere slavische Bücher so selten, und auch die ungedruckten 
wegen des wenigen Verkehrs unsrer Buchhändler mit Ungern schwer zu be- 



Kleine Mittbeilungen. 159 

kommen sind, so würde jedes Duplicat, das Ew. Excellenz meiner slavischen 
Muse gnädigst wollten zukommen lassen, für eine doppelte Wohlthat unge- 
sehen werden. 

Ich habe die Ehre mit tiefster Ehrfurcht zu seyn 

Ew. Excellenz 
Wien den Sn März 1811. untcrthänigstgehorsamster 

K o p i t a r 
k.k.Hofblicherccnsor, und Hofbibliothekscriptor. 
(Acta archivi Episcopatus Zagrabiensis vol. CXXV. Nr. 14ü.] 



Eine Erkläining Jan Kolldrs aus dem Jahre 184S. 

Während des revolutionären Vorspiels zum slavisch-magyarischen Krieg 
des Jahres 1848 sah sich Jan Koll4r zu folgender Erklärung in der » Fester 
Zeitung« veranlasst: 

»Da ich von mehreren Seiten höre, dass sich in dieser Stadt und der 
nächsten Gegend das Gerücht verbreitet, ich hätte unlängst irgendwo ge- 
predigt: die Slaven sollen die Waffen ergreifen und die Magyaren vernichten, 
ao erkläre ich diesen, schon an sich unglaublichen Unsinn, mit Berufung auf 
alle meine Zuhörer, für eine unverschämte Lüge und Verleumdung« «Ost und 
West« vom 1. Juni 1848'. 

Die »Allgemeine Slavische Zeitung«, die mit dem 18. Juli 1S48 in Wien 
zu erscheinen anfing, schreibt in der Nummer vom 6. Oktober d. J. : 

Eine der letzten Nummern der »Pester Zeitung« enthält nachstehende 
Erklärung, die uns wahrlich mit tiefer Betrübniss erfüllte. Denn unmöglich 
ist es uns zu glauben, dass der gefeierte Dichter KoUär, ein Mann, der einer 
der ersten die slavische Wechselseitigkeit angeregt und durch seine Slävy 
dcera alle warmfühlenden Patrioten enthusiasmirte, freiwillig diese Er- 
klärung von sich gegeben. Jedenfalls können ihn nur lebensgefährliche 
Drohungen von Seite der fanatischen Madyaren, unter denen er zu leben ge- 
zwungen ist, dazu bewogen haben, umsomehr da er als treuer Hirt die ihm 
anvertraute Herde nicht verlassen wollte. 

»Der Unterfertigte sieht sich aus mehreren Gründen, vorzüglich aus 
Liebe zum Vaterlande, veranlasst, öffentlich zu erklären, dass er wie schon 
überhaupt an politischen Umtrieben, so auch insbesondere jetzt an den Auf- 
wiegelungen der Slovaken in den oberen Gespannschaften gar keinen An- 
theil habe; ja diesen Aufrur seiner innigsten Ueberzeugung nach für unge- 
setzlich und verwerflich halte; und dass er schon seit einigen Jahren gegen 
die verblendeten Urbeber desselben, in Vereinigung mit dem hochwiirdigen 
Herrn Superintendenten Szebereni mit Wort und Schrift gekämpft und das 
Volk vor den Abwegen gewarnt hat, auf welche sie es führen wollten. Dass 
dieses Wahrheit ist, darüber kann meine ganze Gemeinde und alle, die mich 
und meine Umstände näher kennen, ein Zeugniss ablegen. 

Johann Kollär, evang. Prediger. 



\QQ Kleine Mittheilungen. 

Die Wahrheit der durch meinen Amtsbruder Johann Kollär oben an- 
geführten Erklärung bestätige ich mit der grössten Bereitwilligkeit. 

Pest, 29. September 1848. MichaelLang, deutscher Prediger 

der evang. Senioratgemeinde Augsb. C.« 

* 
* * 

Soviel ich sehe, ist diese angebliche Erklärung KoUär's in dessen Lebens- 
abrissen bisher nicht berücksichtigt. 

Laibach. Dr. Fr an Ilesic. 



Celovec = Klagenfurt. 

Wenn man den slovenischen Namen der kärntischen Hauptstadt hört, 
denkt man wohl an cel, celi (heil, ganz), womit auch das dem slovenischen 
Sprachgebiete fremde celovati u. ä. etymologisch zusammenhängt. Diese 
Etymologie ist nicht richtig. 

Die slovenische Schriftsprache hat den Ortsnamen Celovee aus denjeni- 
gen slovenischen Dialekten entlehnt, in welchen die Consonantengruppe cv 
in einer unbetonten Silbe vor der Betonung zu c vereinfacht wurde. In den 
slovenischen Dialekten aber (z. B. in demjenigen von Tolmein), welche das 
anlautende cv auch in unbetonter Silbe bewahren, klingt der slavische Name 
für Klagenfurt — etwa Cvalöuc, also auf die alte Form *Cvilovict zurück- 
gehend. 

Dieses Wort ist ganz sicher mit dem Verbum ctnliti, poln. kwilic (win- 
seln, wimmern, klagen) etymologisch verwandt. 

Und so erscheint uns Celovee, Cvdlouc als eine freie üebersetzung des 
deutschen Klagenfurt, welches wieder, auf dem Wege der sogen. Volksety- 
mologie, ein deutsches Substitut für das lateinische Claudii forum dar- 
stellen soll. 

Diese Erklärung des deutschen Ortsnamens Klagenfurt ist mir in Erinne- 
rung geblieben. In wie weit sie historische Data für sich hat, kann ich hier, 
in Ermangelung einer Bibliothek, nicht verifiziren. 

Abbazia, 15. August 1903. J. Baudouin de Courtenay, 



Die mittelalterliche Kanzlei der I{a*qisaiier. 



n. Die slavische Kanzlei. 

Die Heimath des slavisclien Urkundenwesens in cyrillischer Schrift, 
mit Formeln byzantinischi'n Ursprungs, aclieint Bulgarien zu sein. Von 
dort verbreitete es sich, zugleich mit den slavisclien Kirchenbüchern, 
in allen Richtungen. Seine Blüthezeit gehört in das XIV. und XV. Jalirh. 
Es herrschte in Bosnien, Albanien, Makedonien, Serbien, Bulgarien, in 
der Moldau und Walachei, endlich in ganz Russland. In dieser Art um- 
fasste es einen grossen Theil des östlichen Europa, von der Adriatischen 
Küste bis über Novgorod und Moskau hinaus. Es waren damals nicht 
nur Slaven, welche Urkunden in cyrillischer Schrift schrieben und 
schreiben liessen, sondern auch Albanesen, Rumänen und Litauer. Das 
rumänische Urkundenwesen beginnt erst in der Neuzeit; Urkunden in 
albanesischer und litauischer Sprache gibt es nicht 2]. 

An das Adriatische Meer grenzte das Gebiet des slavischen ürkun- 
denwesens von Valona in Mittel-Albanien bis in den altösterreichischen 
Theil Istriens. Im Süden dominirte die cyrillische, im Norden die gla- 
golitische Schrift. Südslavische Urkunden in lateinischer Schrift gibt es 
aus dem Mittelalter nicht ^j. 

In Albanien urkundeten die Herren vonValona im XIV. — XV. Jahrb., 
Despot Komnen, Alexander, Balsa Balsic, Mrksa Zarkovic und dessen 



1) Vergl. Archiv XXV, S. 501—521. 

2) Ueber diese Fragen vgl. meine Ausführungen im Arch. XIX, 606. Ueber 
die Diplomatik, Paläographie und die Formeln der slavischen Urkunden der 
Vojvoden der Walachei in dem Archiv von Kronstadt vgl. das neue Werk 
von Prof. Jouu Bogdan, Documente §i regeste privitoare la relatiile tärii 
ruminesti cu Brasovul si Ungaria in secolul XV §1 XVI, Bukarest 1902, Vor- 
rede p.XIV— LXXX. ' 

3) Darüber Dr. Milan von Resetar, Archiv XVI, 339 und meine Beobach- 
tungen ib. XIX, 52 f. In Ragusa ist das erste mit lateinischen Schriftzeichen 
geschriebene Testament das der Ruza Grguric 1524 ib. XIX, iö; früher, sclion 
vor 1500, sclirieb man mit lateinischem Alphabet nur geistliche Schriften und 
weltliche Gedichte. Auch in Kroatien beginnen Urkunden in lat. Schrift erst 
in der Mitte des XVI. Jahrb.; siehe die Sammlung von Kukuljevid. 

Archiv für slavische Philoloijie. XXTI. 11 



162 C. Jirecek, 

Frau Rugina meist slavisch, ebenso in Nord- Albanien die Kastrioti, 
Dukagin u. A. Die Ragusaner schrieben 1434 an Kaiser Sigismund, 
Andreas Topia, einer der Fürsten ira Küstenland Albaniens bei Durazzo, 
habe nur » sclauonos cancellarios et scientes sclauicam linguam et litteram « 
und müsse wegen der vom Kaiser lateinisch an ihn gerichteten Briefe 
»recurrere ad cancellarios Latinorum. residentium ad ipsas maritimas 
partes«, wesshalb der Inhalt der ihm vom Kaiser lateinisch geschriebenen 
Briefe nicht geheim bleiben werde; Sigismund möge dem Topia künftig- 
hin slavisch schreiben lassen i). Nach der Sprache und den Formeln zu 
urtheilen, kam das slavisehe Urkundenwesen nach Albanien von Norden, 
durch die Eroberungen der Serben im XIV. Jahrb., nicht von Osten aus 
Ochrid, dessen autokephale Kirche sich damals meist der griechischen 
Sprache bediente. Daneben wurden in Durazzo, Valona, Belgrad (jetzt 
Berat) und Ochrid Urkunden und Inschriften auch griechisch verfasst. 

Von der Bojana bis zur Cetina erstreckte sich dieses Gebiet längs 
des Meeres bis vor die Thore der romanischen Kästenstädte. Im 
XIII. Jahrh. wurden z. B. in Almissa die Urkunden lateinisch verfasst, 
daneben aber in der Krajina (bei Makarska) andere slavisch, wie ein 
Vertrag mit Ragusa 1247 (Miklosich, Mon. serb. 31). Auf der Insel 
Brazza haben wir slavisch in cyrillischer Schrift ein Verzeichniss der 
seit 1185 an das Kloster des hl. Johannes des Täufers in Povlje ge- 
machten Schenkungen, geschrieben 1250 von Johannes, Canonicus des 
hl. Duimus (Kathedrale von Spalato) und beeidigtem Schreiber von Lesina 
(npHCfLUfHk [sie] HHCkHk Y8apcKH)2). Auch auf der Insel Curzola 
war die cyrillische Schrift üblich; sonst wäre es nicht erklärlich, wie ein 
dortiger Patricier Vidos Bogdanic im XIV. Jahrh. als slavischer Kanzler 
in Ragusa fungiren konnte. 

Ein eigenthümliches Gebiet war die Gegend nördlich von Spalato, 
bei Clissa und im Thal der Cetina bei Sinj. In der Kirche bediente man 
sich dort glagolitischer Kirchenbücher, aber die Urkunden dieser Gegend 
wurden im XV. Jahrh. cyrillisch geschrieben, unter dem Einfluss des 
Urkundenwesens des benachbarten Bosniens. Bekannt sind die Urkun- 
den besonders der Marienkirche von Sinj, seit dem J. 1434 ausgestellt 



1) Ueber das slavisehe Urkundenwesen in Albanien vgl. die Bemerkungen 
vou Ruvarac im Archiv XVII, 568 und von mir ib. XXI, 92. 

2j HerauBj^. von Racki, Starine Bd. 13 {1S81 , 197 sq., leider ohne Facsi- 
mile, wiederholt von Siumin in den Monumenta historico-juridica Slavorum 
meridioualium VI, ö — 9. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusancr. Iß3 

von den Bauen von Kroatien und den Knezen von Clissa und Cetina aus 
den Familien der Nelipic, Frankaj)an, Talovac, von Margarita, Wittwe 
des Han Paul Sperancic u. A. *]. Hierher goliören auch die cyrillisch 
geschriebenen Denkraiiler der Landschaft Poljica, am Meere zwischen 
Spalato und Almissa. 

Dann folfjte gegen Norden das fJehiet der glairolitischen rrkumlen, 
da3 sich von Kuin bis n:ich Istrien erstreckte. Ks umfusste auch das 
offene Land der grossen Insel Veglia und südlich davon die kleinen 
Inseln hei Zara. Im Binnenland reicht es im Osten bis in das Gebiet 
der Una, im Norden bis in das 'I'hal der Kulpa. Das glagolitische Ur- 
kundenwesen war aber hier nicht allein herrschend; es bestand neben 
dem lateinischen etwa in der Art, wie das griechische Urkundenwesen 
neben dem lateinischen in Kalabrien nach dem Fall der byzantinischen 
Herrschaft in Unteritalicn. Die glagolitischen Urkunden des XIV, — 
XV. Jahrh. sind meist juridischen Inhaltes und stammen aus den Kanz- 
leien der kroatischen Bane und Vicehane, der Bischöfe und Domkapitel, 
der Adeligen, der Adelsgerichte der einzelnen Zui)anien, der Kichter- 
stühle der privilegirten Städte, der Klöster und Pfarren ii. s. w. Du- 
neben war hier auch die im benaclibarten Bosnien herrschende cyrillische 
Schrift nicht uubekannt und hat im XVI. Jahrh., wie aus der Sammlung 
von Kukuljevie zu seilen ist, sogar im kroatischen Savegebiet an Ver- 
breitung gewonnen. 

In den Nachbarländern musste man sich mit dem slavischen Ur- 
kundenwesen vertraut machen, zunächst in Ungarn, das im Süden und 
Osten an diese Länder angrenzte. Wir kennen slavisch in cyrillischer 
Schrift geschriebene Urkunden aus den Kanzleien der ungarischen Könige 
Sigismund, Mathias und Johann Zäpolya, ebenso des Oubernators Jo- 
hannes Hunyadi 2). Fibenso sind die meisten Urkunden der türkischen 
Sultane des XV. Jahrh. griechisch oder seit 14:^,0 auch .slavisch ge- 
schrieben ; die Türken haben die in den eroberten Ländern vorgefun- 
denen Institutionen einfach übernommen. 

Diejenigen südslavischen Fürsten, die mit den Griechen in nach- 
barlichem Verkehr standen, hatten in ihrer Kanzlei auch Schreiber zur 
Erledigung der griechischen Correspondenz. Es gibt ja griechisch ge- 



1) Lopasid, Mnnnmenta liist.jurid. V, 8 f., Sunnin ib. VI, i:i6 f. Eine Urk. 
aus Clissa löub bei Kukiiljevic, Acta croatica p. IB'J. 
2j Belege im Archiv XIX, 6u7. 

11* 



164 C. Jirecek, 

schriebene Briefe des serbischen Königs Stephan Radoslav an den Erz- 
bischof Demetrios Chomatianos von Ochrid und griechische ChrysobuUen 
des Garen Stephan Dusan an makedonische und thessalische Klöster. 

Am bosnischen Hofe gab es auch eine lateinische Kanzlei. Die 
Urkunde des Bau Stephan II. 1333 an die Ragusaner wurde in vier 
Exemplaren ausgestellt, zwei in » grammatica latina«, zwei in »sclauo- 
nesco« ^]. Nicht gering ist die Zahl der lateinisch geschriebenen Urkun- 
den des Bans und später Königs Stephan Tvrtko I. In einer Urkunde 
an Spalato 1390 wird sein cancellarius, dominus Michael de Ragusio, 
electus episcopus Tniniensis (von Knin), ausdrücklich genannt 2j. In 
Serbien musste König Stephan Uros II. Milutin, als er 1307 mit dem 
Titularkaiser von Constantinopel Karl von Valoia in Frankreich Ver- 
bindungen anknöpfen wollte, das Beglaubigungsschreiben vom Notar 
der Stadt Dulcigno ausfertigen lassen 3). Erst im Zeitalter der Despoten 
wurde eine eigene lateinische Kanzlei am serbischen Hofe nothwendig, 
wegen des Verkehrs mit Ungarn und Venedig, sowie auch wegen der 
Besitzungen dieser Fürsten in Ungarn. In den Diensten der Despoten 
Stephan und Georg erscheint 1423 — 1440 (i vor Juli 1445) Nicolaus 
(Nixa) de Archiluppis (Arcilupis) de Cataro als »scriba«, später »can- 
cellarius lUustrissimi domini despot Rassie«; er bezeichnet sich auch als 
»imperiali auctoritate iudex Ordinarius et publicus notarius«'*). 



1) Mon. Ragusina V, 377 = Miklosich, Mon. serb. p. 107. 

2) Ljubid IV, 282. 

3) »Manu magistri Guillermi, publici notarii Dulcini, scriptum eiusqiie 
signo et dicti regis sigillo munitum«. Glasnik Bd. 27 (1870), 310 — 312. 

*] Der Kanzler Nicolaus de Archiluppis wird erwähnt 1423 bei dem 
Fnedensschluss zwischen den Serben und Venetianern im Lager bei St. Ser- 
gius an der Bojana (Ljubic, Listine VIII, 253), 1435 als einer der Gesandten 
des Despoten zu den Venetianern in Cattaro (Nixa cancellarius) und beim 
Abschluss des Vertrages in Smederevo (ib. IX, 80, 84, 87), zuletzt 1440 als 
»sapiens vir Nicolaus de Cataro, cancellarius et orator illustris domini despoti 
Rassie« (ib. IX, 120). Am 18. Juni 1439 machte D. Nicolaus de Archiluppis 
de Cataro, cancellarius 111. domini despot Rassie«, in Cattaro »finem et re- 
missionem de omni et singulo« mit Ser Pircho de Stoiga und Ser Marcho 
Braico (Notaria Catari 1438 — 1439). Am 4. August 1445 übernahmen in Ra- 
gusa zwei Antibarenser den Nachlass des »quondam Ser Nicole, olim can- 
cellarii illustris domini despot Sclauanie«, eine Menge Kleider, Pelze, 
Schmucksachen, einen Sattel, zahlreiche »cartas notarii«, ein »sachetum cum 
pluribus literis, priuilegiis et aliis scripturis, libros quatuordecim, decretale 
et alios libros plurium rationum«, sowie Baargeld. Die Frau des Kanzlers, 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. lOf) 

Es gab aber auch Fürsten, welche die Sorge um die Uebersetzung 
ihrer Schreiben und Urkunden den Fremden flheillessen. Die venetia- 
nischen (Jesandten nach Serbien und Ho^nicn wan-n stets von einem 
Notar und einem Dolmetsch (trucimanus) liegleitet. Der Gesandte Jo- 
hannes Georgio reiste 1422 — 1 123 zum König Stephan Tvrtko II. Tvrt- 
kovi(5 von Bosnien und zum Grossvojvoden Sandalj mit dem Notar Jo- 
hannes de Bonisio\). Die Verträge wurden sofort beim Abscliiuss in 
zwei Exemplaren ausgefertigt, slaviscli von einem einheimischen Kanzler, 
lateinisch von dem venetianisehen Notar, und mit Siegeln beider Parteien 
versehen. Die Verträge mit Bosnien schrieb in Visoki am 21. December 
1422 und in Sutiska am (i. Februar 11 2 3 »in idiomato schiavo« der 
bosnische Kanzler Restoje, »literali sermonecf Bonisio, den Vertrag mit 
Sandalj in Blagaj am 1. November 1 123 »in idiomate sclavonicoK der 
Kanzler des Sandalj, Namens Hogatus Kado.-ialich. «literali sermone« 
wieder Bonisio 2). Als in Venedig 1445 der Friede mit den Gesandten 
des Stephan Vukcie, des Neffen des Sandalj, erneuert wurde, redigirten 
die venetianisehen Notare die Urkunde lateinisch und der Barbier (bar- 
bitonsor) Johannes de Face, »interpres oratorum ipsius raa^rnifici domini 
Stefani«, übersetzte sie »in idioma sclavonieo, de verbo ad verbum«'). 

Alles Gesagte betrifft die klaren Verhältnisse der letzten zwei 
Jahrhunderte des Mittelalters. Es erübrigt die Frage: wie alt war dieses 
slavische Urkundenwesen? Können dieVerhältnisse des XIV. — XV. Jahrh. 
auch auf die früheren Zeiten übertragen werden ? Aus dem sehr geringen 
erhaltenen Material lassen sich da nur hypothetische Folgerungen ziehen. 
In den Thälern der Bosna, Morava, des Lim oder Ibar mag die Aus- 
fertigung von Briefen und Urkunden in slavischer Sprache und cyrilli- 
scher Schrift recht alt sein, aber im Adriatischen Küstenlande hat das 
slavische Urkundenwesen allem Anschein nach erst langsam das hier 



»dona Stana«, war eine Antibarenserin, die Procuratoren seines Testamentes 
sämmtlich Patricier von Antivari aus den Familien Rugi, Bricio und Cratecb. 
Er selbst scheint in Serbien gestorben zu sein Div. Canc. 1445,. 

1) Johannes de Bonisio ist bekannt auch durch diplomatische Reisen zu 
den Türken. Vgl. Jorga, Notes et extraits pour servir ä l'histoire des croi- 
sades au XV siecle. Troisieme s^rie, Paris 1902, alphabetisches Register 
sub Bonisio. 

2) Ljubic, Listine VIII, 206, 217, 258. Der Vertrag mit Sandalj 1423 ist 
auch im Original erhalten, Miklosioh, Mon. serb. 325 — 329. Zur Zeitgeschichte 
vgl. Dr. Jovan Radoni6, Archiv XIX, 447 f. 

3) Ljubic IX, 229. 



166 C. Jirecek, 

früher allgemein domiiiivende Latein verdrängt. Diese Uebergangszeit 
gehört in die zweite Hälfte des XII. Jahrh. Wie sich die Dinge ungefähr 
entwickelten, lässt sich aus den folgenden Beispielen ersehen. 

Die Urkunden und Inschriften der la-oatischen Ftirsten und Könige 
aus einheimischen Dynastien sind, von den ältesten Stücken aus dem 
IX. Jahrh. angefangen, bis c. 1100 nur lateinisch. Die älteste glagoli- 
tische Inschrift in Baska auf Veglia ist vom J. 1100 ^). Die glagolitischen 
Originalurkunden beginnen in grösserer Anzahl erst 1309; ihre Zahl 
vermehrt sich bedeutend im XV. Jahrh. 

Als älteste cyrillische Urkunde gilt das Fragment eines Namens- 
verzeichnisses der Ragusaner, dessen Rückseite zur Niederschreibung 
eines Briefes der Gemeinde von Popovo an die Ragusaner benutzt wurde, 
Safarik und Miklosich verlegten diese beiden Stücke in das XI. — 
XII. Jahrh. Ich habe schon 1S79 den Nachweis geführt, dass das un- 
gefähr 30 Personennamen bietende Bruchstück des Verzeichnisses 
13 Namen wohlbekannter Ragusaner enthält, welche urkundlich 1242 — 
1280 vorkommen und dass dieses Stück demnach in die Mitte oder in 
das dritte Viertel des XIII. Jahrh. zu verlegen ist. Heute könnte ich 
das Beweismaterial noch durch einige genauere Daten verstärken. Es 
ist nicht zu vergessen, dass sich die Familiennamen in Ragusa überhaupt 
erst um 1200 consolidirten. Nur die äusserst primitive Form des Ori- 
ginals liess das kleine Pergamentblatt viel älter erscheinen 2). 

In den Sammlungen von Farlati, Kukuljevic und zuletzt auch bei 



1) Racki, Starine VII, 130 — 163, Documenta 488; vgl. Crncic, Starine 
XX, 48. 

2) Vgl. Glasnik, Bd. 47 (1879), 306—309. AlaT-kUId Pa^OCAaEHKIv 
ist einer der Vorfahren der bekannten, um 1400 ausgestorbenen Patricier- 
familie Mathessa. Sein Vater Radasclauus ist 1247 gestorben; seine drei 
Söhne Marin, Martol und Radoslav, filii Matessie Radasclani, werden seit 1280 
erwähnt. MapkTOO K'bAHHHKk lies B'k-: Martolus Johannis de Ave- 
lino 1252 — 1283. Das von den Popovern benützte Pergaiuentblatt war viel- 
leicht ein Verzeichniss der Grundbesitzer von Ombla und Malfo, welche den 
Mogoris genannten Grundzins zahlten ; in einem Verzeichniss der das n Ma- 
gariso« zahlenden Besitzer von 1387 (L. Ref.) liest man wieder die Familien 
Resti, Matessa u. A., ebenso die Frauenklöster S. Ba: tholomeus, S. Symeon 
U.S.W. Der in dem Schreiben der Popover genannte KahM'KhhK£BHKK (sie) 
ist wohl HAHMCHkTO MEpkH^YI^ 1253 Mon. serb. 40 = KaHM« NkpKE 
1265 ib. 49, aus der Familie Mergnuco, Vater des Pasqua filius Clementis 
Mergnuchi, de Mergnuco 1270—1295, dessen Sohn 1305 f. wieder Clime hiess. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusancr. ] 67 

Eitelberger ') befindet sich eine Reihe von Urkunden über die Besitzungen 
der Klöster von Meleda und Lacronia, angeblich ausgestellt von slavi- 
schen Fürsten des benachbarten Küstenlandes im XI. und XII. Jahrb. 
Die Widersprüche zwischen den einzelnen Stücken untereinander, das 
wechselnde Formular, der Mangel an genauen chronologischen Daten 
nach den Kaisern und Indictionon, die fehlenden Siegel an den so- 
genannten Originalen im Archiv von Ragusa, das entgegengesetzte Zeug- 
niss echter Urkunden tlber dieselben Besitzfragen, alles dies zeigt, dass 
es Falsificate sind, gemacht im Interesse der Bonedictinerabtei von 
Lacroraa. Diese Urkunden sind säramtlich lateinisch geschrieben. Man 
kann voraussetzen, dass die Fäl.-cher, die unter den Mönchen der Abtei 
zu suchen sind, wohl wussten, seit welcher Zeit ungefähr das Latein 
aus dem Urkundenweson der Nachbarfürsten verschwunden ist. Sie 
hätten sonst die Frkunden sluvisch abgefnsst, wie denn schon die aus- 
führliche Urkunde des Königs Stephan des Erstgekrönten an Meleda 
(c. 122(1) zu den cyrillischen Stücken gehört 2). 

Die ältesten Verträge der Ragusaner mit den Serben sind in der 
That lateinisch geschrieben: der Vertrag mit dem GrossXupan Nemanja 
und seinen Brüdern, den Knezen Miroslav und Stracimir llSü-'), und 
der Vi-rtrag mit Miroslav allein I [\)U*). Cyrillisch sind nur die Unter- 
schriften der serbischen Fürsten. Dazu kommt eine bisher unbekannte 
lateinische Urkunde, gegeben am 20. August 1 189 in Ragusa, in welcher 
die Comitissa Desislava, Frau des Comes Michael, wolil eines der letzten 
kleinen Fürsten des Küstenlandes der Zeta vor der Vertreibung derselben 
durch Nemanja, in Anwesenheit des Erzbischofs Gregor von Antivari 
und zahlreicher Zeugen über die Uebergabe von zwei Schiffen, einer 
Galione und einer Sagitea, eine Bestätigung ausstellt 5. 



1) Eitelherper von Edelberg, Gesamniolte kunsthistorische Schriften, 
Bd. IV. Die mittelalterlich''n Kunstdenkniali- l);ilmatiens Wien 1884 , S.350f. 

-) Miklosich, Mon. .serb. 8 — lu. Stark intcrpolirt. Vgl. darül>er meine 
Benierkun;,^en in der Abhandlung: Das christliche Element in der to[)Ogra- 
phischen Nomenclatur der Balkanländer iSitzungsber. der kais. Akademie 
der Wiss., phil.-hist. Classe, Bd. 136), S. 23, Anm. 3. 

3 Ljiibic 1, 11, hesser bei Kukulj('vi<5, Codex dipl. II, 37, am besten nach 
einer Copie von Bogisic bei Sreznevskij, Cnf-jinifl XLVI(1873), S. 143, Beilage 
zum 22. Bd. der Zapiski der kais. russ. Akademie. 

4) Ljubid I, 14—15, Kukuljeviö II, 158 — 159 besser; bei Sreznevskij I.e. 
144—146 viele Druckfehler. 

5) Das gut erhaltene Original auf Pergament kam mit der Collection 



16g C. Jirecek, 

Auch die Urkunde des Ban Kulin von Bosnien an die Ragusaner 
vom 29. August 1 189 ist auf demselben Blatt zuerst oben, ohne Angabe 
des Notars, lateinisch und dann erst an zweiter Stelle von Radoje, »dijak 
ban«, slavisch geschrieben. 

Es ist charakteristisch , dass auch alle Verträge zwischen Ragusa 
und Almissa 1 190 — 1262 lateinisch redigirt sind i). Almissa gehört nicht 
zu den dalmatinischen Städten römischen Ursprungs. Es war damals 
im Besitz des kroatischen Adelsgeschlechtes der Kacici. Bei der grossen 
Piraterie, durch welche die Almissaner eben in dieser Periode auf dem 
ganzen Adriatischen Meere bekannt und berüchtigt waren, ist bei ihnen 
irgend eine Vorliebe für litterarische Studien und besonders für das Latein 
wohl kaum vorauszusetzen. Sie bedienten sich des Lateins bei der Ab- 
fassung der Urkunden nur desshalb, weil das Slavische in dieser Zeit in 
ihrer Landschaft bei schriftlichen Beurkundungen wenig üblich war. 

Die ersten nur slavisch in cyrillischer Schrift geschriebenen Ur- 



Negrini in die Stadtbibliothek von Ragnsa, wo es mir 1898 Herr Professor 
A. Vucetic, Bibliothekar der Stadt, zeigte. Eine Ausgabe wird von ihm vor- 
bereitet. Datum: 1189, die S.Stephani. Ausstellerin: »Ego comitissa Desi- 
slauj (sie), comitis Mich(aeli8) uxor«. Zeugen: Gregorius Antiuarensis an- 
tistes (bekannt aus Kukuljeviö, Codex dipl. II, 115, 173, 178), jupanus Cer- 
necha, dann zehn Ragusaner (Vitalis Bodatie, vicarius Micha, Petrus Bubanne 
etc.), endlich Beriuoy Costinna, jupanus Crepun, casnecius Gerdomil u. A. 
»Scripsit diaconus Marinus, com(unis) notarius«. Auf der Rückseite: »de 
michahelj bodinj«. Michael ist wohl der »knesius Michahel«, genannt in einem 
undatirten Brief des Erzbischofs Gregor über die Bedrängniss von Antivari 
durch den »magnus iupanus« (Kukuljeviö II, 115). Die Urkunde war dem 
Chronisten Joannes Marini de Gondola bekannt: »Era, mentre i Ragusei an- 
davano stringendo l'amicizia con tutti quelli che potevano, l'anno 1189 la 
gran contessa Dolcislava, moglie giä del signor conte Mihailo, unico figlio 
del re Bodino ; coufermö anche l'amicizia con i Ragusei, ed essendosi in per- 
sona transferita a Ragusa, donö alla Republica dei legni armati. I signori la 
ricevettero con ogni cortesia e volsero, che ricevesse perperi (die Zahl fehlt) 
in ricompensa dei legni, acciö la donazione fosse iuridica« (MS. der Bibliothek 
des Frauciskanerklosters, nach einer von Herrn Prof. Gelcich gütigst mir be- 
sorgten Copie). Resti (ed. Nodilo p. 63) hat bei der Bearbeitung des Gondola 
die bei diesem unmittelbar voranstehende Notiz über einen Vertrag mit »le ri- 
viere (sie) d' Istria« (es ist der Vertrag mit Rovigno 1188, Ljubid I, 14) über- 
nommen, ebenso die folgende über den Tod des Erzbischofs Tribunio, die 
Nachricht über Desislava aber, wie vieles andere werthvoUe Detail, weg- 
gelassen. 

1) Bei Ljubic I, 14 f., leider meist nur in Auszügen mitgetheilt. 



Die mittelalterliche Kauzlei der Ragusaner. 169 

künden sind drei kurze Verträge des Gross^upans Stephan, des späteren 
»erstgekröuten Königs«, des GrossfUrsten (veli knez) Andreas von Chim 
und des Hans Matthaeus Ninosluv von Bosnien, ungefiilir 1211 — 1217 
abgeschlossen mit deui Comes Joannes Daiulolo von liagusa (war Comes 
urkundlich 121 l — 1235), bald nach dem Beginn seiner Verwaltung. 
Gegenüber späteren Urkunden haben alle drei Stücke einen merkwürdig 
kleinen Umfang '). 

In den Städten des nördlichen Dalmatiens haben wir Nachrichten 
über slavische Kanzler und Didmetsoher erst aus der Zeit nach 1100. 
Es war eine Institution, die auch nach der Erneuerung der venetianischen 
Herrschaft im XV. Jahrh. fortbestand. 

In Zara finden wir im XV. Jahrh. einen slavischen Kanzler und 
einen Dolmetsch, der so stark beschäftigt war, dass er auch einen Co- 
adiutor besass. Das Amt des Dolmetschers verwalteten vor 1415 ein 
Goldschmied Donatua^), dann drei einheimische Nobiles, Ser Do?iatus 
de Cu/'inu aus einem im XIII. — XVIII. Jahrh. oft genannten Adels- 
geschlecht (heute noch steht in der Stadt das Palazzino de Calcina) und 
nach ihm seit 1443 sein Sohn Ser Johcmties de Calcina^ i. Gehilfe 
beider war Ser Simon Matafaric. bereits ein Greis, aus dem Hause der 
de Matafaro oder de Matafaris, einem der vornehmsten Geschlechter der 



V Die Texte: Glasnik 47, 304 (alte lat. Uebersetzung ib., Rad I, 128 und 
Ljubic 1, 31); Miklosich, Mon. serb. p. 24, Nr. 29 und 30. 

3) »Donatus aurifex, fidelis noster Jadre«, hatte dort schon längere Zeit 
das »officium truzimanarie, de quo male posset vivere, quia est parve utili- 
tatis«; desshalb gestattete ihm der Si-nat von Venedig 1415 daneben die A<1- 
vocatur vor Gfricht auszuüben 'advocare in curiis; . Ljubiö VII, 208. Iden- 
tisch mit Ser Donatus de Calcina? 

3] Ser Donatus de Calcina, probus vir, civis Jadre, verliess »officium tru- 
cimanarie sive interpretis, quod quidem pluribus iam retroactis fnnctus 
est annis«, 1443 wegen Krankheit propter persone inconualcscentiam) zu 
Gunsten seines Sohnes Ser Johannes de Calcina. Gehilfe beider war Ser Simon 
Matafaric, bereits ein Greis (Ducali Jadre 1, f. 89, Pergamentcodex im k. k. 
Statthaltereiarchiv von Zara). »Ciprianus coadiutor interpretis« starb 1455; 
sein Nachfolger wurde »Donatus quondam Luce Suhich Jadrensis, qui familia 
et debitis est grauatns« (ib. f. 153'i. Ser Simon Damiani, notarius Jadre, re- 
futavit »de offitio scribanatus literarum sclauarum, quo iam pluribus elapsis 
annis in hac Jadrensi functus est civitate« am 22. Aug. 1471 ; sein Nachfolger 
wurde sein Sohn Bernardinus (Ducali Jadre II, f. 192). Eine Edition dieser 
»Ducali e Terminazioni« wurde begonnen von Alacevid in der 1901 von ihm 
in Zara begründeten historischen Zeitschrift »Tabularium«. 



170 C. Jirecek, 

Stadt; er starb im J. 14521). Dann folgt ein nicht näher bekannter 
Ciprianus^ Coadiutor des »interpres« (f 1455). Dessen Nachfolger war 
Donatus Luce Subich, ein bürgerlicher Zaratiner; derselbe war knrz 
zuvor im J. 1454 als »orator popularium fidelissime communitatis Jadre«, 
neben dem »orator nobilium« Simon de Georgiis, in Venedig gewesen 2). 
Daneben erscheint im »officium scribanatus literarum sclavarum« durch 
viele Jahre der Notar Simon Damiatii] auf der italienischen Uebersetzung 
eines Beschlusses des kroatischen Adelsgerichtes von Podgradje vom 
J. 1440 ist bemerkt: »Ego Symon Damiani transscripsi de sclavo in la- 
tinum«3). Er dankte 1471 ab, worauf das Amt seinem Sohn Bernar- 
clhms übertragen wurde. Die Kanzler von Zara hatten am meisten mit 
den glagolitischen Urkunden aus dem benachbarten »banaticum« und 
dem eigenen Territorium von Zara selbst zu thun; in den Sammlungen 
von Kukuljevic und Surmin gibt es Testamente in glagolitischer Schrift, 
z. B. von der Insel Uljan 1466 und aus dem Dorfe Bokanjac vor den 
Thoren von Zara 1473. 

Nach der Relation des Ser Zacharias Vallaresso, Capitaneus Jadere, 
aus dem J. 1527 gab es dort unter den Beamten einen »cancellier de 
la litera schiava«, der 74 lire 8 soldi jährlich bezog, neben dem 
»interprete«, der mit 183 lire 12 soldi jährlich eingetragen ist; daneben 
werden erwähnt der »cancellier del magnifico capitanio« (mit 126 lire 
3 soldi), der »cancellier de la comunitä« und der »cancellier alli crimi- 
nali«'*). Giovanni Moro, Befehlshaber einer Flotte, hatte kurz vorher 
1520 bei einem Vorschlag von Ersparnissen in der Verwaltung die Unter- 
drückung dieses Amtes beantragt: »il cancelier in letere schiave ha ducati 
10 al anno, ne mai e operato, questa e spexa superflua«. Aber sein Rath 
wurde in Venedig nicht befolgt. Dieser Kanzler gehörte zu den »sala- 
riadi(f, die von den Nobili von Zara gewählt wurden 5;. 

In Trau verlangten die Gesandten der Stadt in Venedig am 2, Au- 
gust 1421, dem venetianischen Comes möge gestattet werden »unum 



1) In dem von Dr. Franz Gundrum im Vjesnik hrvatskoga arheoloskoga 
drustva, Neue Serie VI (1902), S. 219 beschriebenen Codex von Sebenico von 
1449 eine Notiz: »Obiit Simon Matafarich de Jadra die 9 aprilis 1452«. 

2) LjubiöX, 41. 

3) Ib. IX, 135. 

4) Ljubic, Commissiones et relationes venetae I (Monumenta spect. bist. 
Slavorum merid. VIj 201 ; die Ziffern ib. p. 198 sind etwas verschiede^. 

5) Ib.J,:,p.^l58. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ra^isaner. 171 

turcimanum« aiifzunelimen, "gratam et acceptiim ipsi populo, cumsaiario 
diicatonim {|uaclraginta in anno, sicnt tlominatio vestra (Venedig) con- 
cessit Jadratinis et Sibeniconsibus«; der Cornea )ineäcit idioma illud, 
propter (|Uod paiiperes homines non pntenint dieere jura sua«. Uor 
Senat bewilligte diese Forderung, mit einem Gehalt von 30 Dacaten für 
den "tiirciraanus . Im .1. II (17 wurde dieses damals erledigte »officium 
turcimaiiatus terre nosfre Traguiii" dem Patricier Matheus Luce aus 
Trau verliehen, der sich in venetianischen Diensten »in riperia Janue, 
in lacii Garde et in hoc hello contra Turcos ansgezeichnet hatte, > multis 
acceptis vulneribus« *). 

üeber Spalato Hesse sich vielleicht etwas in den jetzt im k. k. 
Statthultereiarchiv zu Zara, zum geringen Tlieil im k. k. Kreisgerichts- 
archiv zu 8palato beümllichen alten Stadthüehern finden. In den letzteren 
traf ich bei einer eiligen Durchsicht einen »Ser jS'iroIai/s de Martinis 
1178 als Dolmetsch und Uebersetzer von slavischen Gerichtsurkunden 
aus der Kanzlei der Gemeinde von Poljica. Er stammte aus einer 
städtischen Adelsfamilie, welche auch de Martine, Martinusseuich ge- 
schrieben wird 2). 

Am besten bekannt ist die Geschichte der slavisclien Kanzlei in 
Ragusa. Die Zahl der erhaltenen, slavisch in der »Stadt selbst geschrie- 
benen Documente ist schon im XIII. Jahrh. nicht gering. Wer waren 
aber die Verfasser und Schreiber dieser Urkunden? Sie sind in den 
Schriftsttlcken nicht genannt, ganz in der Art der Staatsurkuiiden der 
Byzantiner. Bulgaren und Serben in der älteren Zeit, in vollem Gegen- 
satz zu dem occidentalischen Brauch. Nur in der byzantinischen Privat- 
urkunde wurde der Schreiber mit den Zeugen genannt, nicht in der Staats- 



') LjubiöVIII, lOS und X,:i92 Vgl. über diese Kanzler und Dolmetscher 
auch die Beuierkungen von Ljubiö, Ogledalo knjizevne poviesti juL'osIavjan- 
ske II (Fiiime 18f.9 , :H(i— 341. 

-] Die »proclaraatione.s generalesn rief auf der »piatea S.Laurentii" von 
Spalato 1478 der plazarius aus, »alta uoce et astante magna populi multitu- 
dine prociamauit ad sonum tubarura, interpretante Ser Nicoiao de Martmis et 
me Gregorio a SeuUa legente«. Derselbe Ser Nicolaus erscheint in der »copia 
unius sententie de sclauo in latinuni eonuerse per Ser Nicholaum de Martinis 
Interpretern », nämlich in der italienischen Uebersetzung eines Urtheils der 
»zudexi et consiglio de Poliza« von 1478. Quatern 147S — 14S0 im Fascikel 
»Resrime Veneto, anni 1300 — 1400, Spalato I« im alten k. k. Gerichtsarchiv zu 
Spalato. — Kukuljeviö in der Vorrede zur Ed. von Marulic (.Stari pisci I, 
kennt diese Stadtbücher, erwähnt aber nichts von einer slavischen Kanzlei. 



J72 ^' Jirecek, 

Urkunde. Dass die Schreiber der in Ragusa um 1230 — 1260 verfassten 
Urkunden keine geborenen Slaven , sondern Ragusaner und zwar noch 
Romanen waren, ist ersichtlich aus den vielen Sprachfehlern: Verwechs- 
lungen von Lauten, groben syntaktischen Verstössen, besonders aus dem 
Gebrauch des Nominativs für andere Casus, der klar einen romanisch 
besser als slavisch sprechenden Verfasser verräth, dem Durcheinander 
der Declinationsformen für Substantiva und Adjectiva, sowie Verwechs- 
lungen ähnlich klingender Worte ^). In dem Schreiben des Comes Nico- 
laus Tonisto (1238 — 1240) an den Serbenkönig Vladislav heisst es: 
HH 3a Haujfra cBtra (für ck HaiuHMb ch.ß'Kroyb) hh 3a crita 
wj!^h wnKKHHa rpa^i^CKa (nom. pro gen.) RAa;i,HiiiHpk h« nafHO- 
RAAh TBOIO 3«MaS Mou. serb. 21. Der Vertrag mit dem bulgarischen 
Garen Michael Äsen 1253 ist voll Fehler: t für d in HafTkKO ib. 36, 
CKOKOTkHO 37, 39, K«3k CÖTkKHH« 37, 38, ff für k in KOAHro 36, 
k für g in tKhßL,A 37, s für z in packß-K 36, 37, ckBOHOMk 40, z für s 
in BkroAHKkJKfMk Korö 35. Dazu gesellen sich Reduplicationen, 
wie in der Wiedergabe von slavischen Namen mit lateinischer Schrift 
(ropkpe 38), und syntaktische Fehler: MfJKA^ CBtTO H np-fcCAaBk- 

HOra l^apkCTBa 35, HCk A'^KkHO Bp'KMCHC 35, KOH KH KHAk nOCA6 
Ha frOBk CTOAk 36. Dieselben Erscheinungen treffen wir in sehr 
starkem Masse in dem Vertrag von 1247 mit den Bewohnern der Krajina 
(bei Makarska): 5 für s in THUJÖHia, zahlreiche Verwechslungen der 
Casus, wie Ck CBOBk IVnkKHHa A^ßP<2>B"*^l^<», C^ n<>A,b. KHf3kCTBC» 
(statt KHfJKkCTBOMk) HX^k, ö nßeji,(AH^h KHtSkCTBO für KH«- 

JKkCTBa) H^k etc. 31. Aehnliche, aber geringere Mängel hat die 
Sprache der Urkunde von Brazza von 1250: st für zd in poipEHHra 
(ausgesprochen wurde auf Brazza wohl nur rojenja^ ebenso wie die 
Urk. meja für megja hat) Starine 13, 205, s für z in npHCdUEHk nH- 
ckHk 210, M für V in ySapCKH 205, 210, no)fSaAH 207. Diese Ur- 
kunde von Brazza, von einem katholischen Priester geschrieben, brachte 
mich vor Jahren auf den Gedanken, dass in Ragusa vielleicht ein und 
derselbe Geistliche als Stadtschreiber sowohl die lateinischen, als die 
slavischen Urkunden geschrieben habe. Aber eine Vergleichung der 
slavischen Originale mit den gleichzeitigen Urkunden des damaligen 
Notars Presbyter Pascalis im k.k. Hof- und Staatsarchiv in Wien (Ostern 



1) üeber diese Sprachfehler der älteren ragusanischen Urkunden vgl. 
meine Romanen in den Städten Daimatiens I, 98. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 1 73 

1885) belehrte mich vom Gegentheil. Uebrigens ist in dem »Capitulare« 
des Pascaiis von 122S keine Rede vom Sclireiben slavigcher Schrift- 
stücke, und die zwei Stelleu, wu der Verkehr mit Slaven erwähnt wird, 
beziehen sich ohne Zweifel nar auf die Abfassung lateinischer Docu- 
mente *). Auch sind die slavischen Urkunden 12.'10 — 12G0 nicht von 
demselben Schreiber hergestellt; z.B. in denen von 1247 und l'l^i ist 
der Ductus besonders bei JK und a verschieden. Diese Schreiber des 

XIII. Jahrh. waren jedenfalls eigene, von der Gemeinde besoldete 
Grauimatici oder Notare für die slavisclie Correspondenz, ohne Zweifel 
geborene Kagusaner, wahrscheiulich Nobiles der Stadt. Einige Fehler 
derselben Art haben noch zwei Urkunden aus der ersten Hälfte des 

XIV. Jahrli.: Xom. für Acc. CAOV'iw hmma aiokhmo (servitores nostros 
diligimus, Mon.Kag.V, :<7r)), uhaoctk iiaiiia (sie) ,\ai€MO im Vertrag 
mit Bau Stephan von Bosnien 1333 Mou. serb. 105 — 106, GrOHkCKH 
?(A,h (für FkTk), Taro (für xaKO) im Vertrag mit Stephan Du.san 
1334 M. lu7 — 109, aus einer Zeit, wo nachweisbar der Kagusaner 
Nobilis Stephanus de Binzola slavischer Kanzler der Stadt war. 

Eine mysteriöse Persönlichkeit ist der 1278 — 1313 in den Stadt- 
büchern genannte »grammaticus« Ozren^). Seine Bezeichnung ist die- 
selbe, die Stephanus de Binzola im Vertrag mit Bosnien 1332 (Mon. 
serb. 103; führt, als »gramatik', jedoch fehlt bei Ozren jede Angabe, 
er sei Schreiber oder überhaupt Beamter der Stadt gewesen. Die Daten 



1) »Et si aliquis Raguseus habuerit aliquam querimoniam extra nostram 
ciuitatem cum aliquo Sclauo de quacunque causa, non faciam cartam per 
nullos testes super Sclauum, nisi fuerit laudatione douiini coiuitis et consilia- 

toruin (sie; Si uero Raguseus adduxerit aiiquem Sclauum coram me 

facere cartam super ipsum mutuatiouis uel uenditionis, nisi certus fuero per 
yduneos testes esse Sclauum, quem se dixerit fore, non faciam cartam auper 
ipsum«. Urk. 26 Jänner 1228 (Rag. Arch.). 

-] Oseren/ius, Osren grammaticKS erw'iihnt 121 S — 1313. »luancus Gataldj 
peciit Userenno gramatico ypp. XVIIII« penult. febr. 127S, Diversa 1278 (im 
Archiv als »Precetti«) f. 10. Capanna »in fronte capanne Osereni gramatico« 
24 ianuarii 1283, Div. Canc. 12S2. »Oserennus grammaticus« als Theilhaber 
einer Sklavin lO.Aug. 12S5, Div. Canc. 1275 (eigentlich 1284—1286,. Schuld 
des »Osren gramatico« und Anderer an dompuus Andreas de Benessa, 29 ia- 
nuarii 13u6, Div. Canc. 1305. Sauinus de Poga boU sein Pfand centura arg.) 
zurückfordern »ab Osreuo gramatico«, ult. oct. 1312, Div. Canc. 1313. »Osren 
gramaticus« Zeuge bei dem Verkauf eines Pferdes, 29. Jänner 1313, ib. — 
Noch am 10. April 1355 ist verzeichnet, ein Weinberg in Breno grenze u. A. 
»cum Osreno gramatico« (Div. Not. 1352). 



174 C- Jirecek, 

über ihn beziehen sich auf alles andere, nur auf keine Schreibgeschäfte. 
Er kann auch nur ein Privatschreiber oder Lehrer gewesen sein. »Gram- 
maticus« konnte übrigens auch ein Spitzname sein ftir einen schreib- 
kundigen Manu, neben so vielen Analphabeten, die damals auch in den 
sogenannten gebildeten Ständen nicht fehlten ^). 

Die Geschichte der slavischen Kanzlei wird klarer erst seit 1312. 
Die Schreiber, nunmehr auch dem Namen nach bekannt, heissen nota- 
rius^ cancellarius, scribanus, scriba sclauotiicus, sclauonescuSj sclaui- 
cus, slavisch selten rpaiuiaTHKii oder KaHkH^HAlvpk, in der Regel ;i,h- 
raKk. Rusko Hristoforovic und Niksa Zvijezdic bezeichnen sich im XV. 
Jahrb. als loffofef, um den Kauzlern südslavischer Fürsten an Titel gleich- 
zukommen. In einer Urkunde von 1364 (Spomenik XI, 33) heisst Niko 
Bijelic, ebenso 1447 (ib. XI, 86) Niksa Zvijezdic ;i,HraKk cpkncKH, der 
letztere im Gegensatz zum ^i^HraKk AaTHHCKH in der AaTHHCKa 
KaH^Kcacpura. 

Die ersten mit Namen genannten »notarii sclauonesci« waren 131 2 — 
1347 drei Nobiles nach einander, Stoianus de Zepre, Stephanus de Bin- 
zola und Jacobus de Crosio^). Später waren es meist Kaufleute »de 
populo«. Von einem italienischen Vater aus Parma und einer slavischen 
Mutter stammte Johannes oder slavisch Zive de Parmesano (1348 — 1363), 
als dessen Nachfolger sein Halbbruder mütterlicherseits Niko Bijelid 
(1363 — 1367) auftritt, metronymisch Nicus de Biele, patronymisch Nicus 
Dragani genannt. Utjesen Tihoslavic (1370 — 1372), der Bruder eines 
Popen oder Kalugjers Bratovin, scheint ein neu eingewanderter Serbe 
gewesen zu sein. Vidos Bogdanic (1372—1376, 1387 — 1390) war da- 
gegen ein in Ragusa ansässiger Edelmann aus der Insel Curzola. Ein 
einheimischer Kaufmann mag Maroje Niklic (1379 — 1387) gewesen sein. 
Der bedeutendste dieser Kanzler und jedenfalls der gewandteste in der 
Abfassung der Schriftstücke war Rusko Hristoforovic (1392 — 1430), der 
Sohn des Arztes Christophorus aus Benevent im alten Samnium und einer 
Ragusanerin. Ragusaner Bürger, als Kaufleute in Serbien bewandert, 
waren die späteren: Niksa Zvezdic oder de Stella, aus einer Linie der 



1) Z.B. in einer Urkunde aus Trau 1286: »Ego Natalis nesciens scribere 
canonicua consentio et de voluntate manu Stephani canonici scripsi«, Lucius, 
Memoiie di Trau 139, Farlati, lUyricuui sacruni IV, 361, Starine Bd. 28, 127. 
InKagusa schloss ein Gesetz 14.55 die »gentiliioaieni«, die nicht »lezcr e scii- 
uere« konnten, aus den Rathscollegien aus. 

*) Die Details über die einzeluen Kanzler siehe in den Beilagen. Vgl. 



Die mittelalterliche Kanzlet der Ra^i^usiiner. 175 

bürgerlichen Dersa, den Lone oder Lonchovich 1430 — 14r>5), Marinko 
Cvjetkovic oder latinisirt de F'lorio (14r)r> — 1474) und Maroje PtiXicj 
(147 1 — 14S2). Zuletzt vorwalteten das Amt nacheinander drei Primo- 
jevi(5i, der Vater Pasqualis und seine zwei .Söhne, Troianus und Nicolaus 
(14S2— 15r)0). 

Weiter hinaus haben wir di<' lieihe nicht verfolgt. Seit dem Fall 
der einheimischen christlichen Staaten verlor diese Kanzlei sehr an He- 
deutnng, wie denn auch der Gehalt der slavischen Kanzler von 1 IT).") — 
14S2 von ;iOO Perper auf 120 verringert wurde. Aber die IJriefe an 
die benachbarten Paschas, an die Bürger von Risano und an die Metro- 
politen von Montenegro sind bis ISOü slavisch, ja noch der letzte Ge- 
sandte an die Pforte Conte Natali erhielt im Dezember lSü7 slavische 
Empfehlungsbriefe nach Bosnien mit'y. 

Daneben gab es im XV. Jalirh. slavische Schreiber auch bei dem 
Salzamt vor der Stadt 2). Ausserhalb der Stadt wurden, wie die Archiv 
XXI, 52 1 f. gedruckten Testamente von Stagno (1 4r)b f.) zeigen, slavische 
Urkunden geschrieben in der Kanzlei des Comes von Stagno und wahr- 
sclieinlich auch in der des Comes von Canale^i. 

Diese Schreiber bedienten sich meist der cyrillischen Cursiva, und 
zwar der stehenden serbischen xVbart, nicht der bosnischen liegenden. 
Diese Fragen der südslavischen Palaeographie sind noch wenig studirt; 
ich bemerke hier nur, dass die älteste Urkunde in Cursivschrift, die ich 
kenne, der Brief des serbischen Edelmanns Crnomir an den Comes von 
Ragusa Marsilius Giorgi (12.52 — 1254) ist (Miklosich, Mon. serb. 42). 
Die Formeln weisen sowohl Einflüsse des lateinischen Urkundenwesens 
auf, als auch des slavischen, in Bosnien, Serbien und Bulgarien üblichen. 
Es kommen auch kirchenslavische Phrasen vor. Von Rusko Hristoforovid 



auch das reichhaltige von Dr. Milan von Resetar im Archiv XVJ, '.V'^2 f. zu- 
saiumeni^^estellte Material; seine Abliandiiing enthält auch eine j;riindiiclie 
sprachliche Untersuchung der Urkunden dieser Schreiber. 

1, Appeadini, Notizie II, 311 bezeichnet dt-n Dichter Antonio Castrato- 
vich (t 1630 als »Segretario per la lingua slava». 

'-; Vollmacht zur Ernennung eines »scribanus, qui sciat scribere et legere 
literani selauam, qui tenet librum de toto salc, quoil vendetur ad Piocias 
pro ainaldaro et pro nobis" Cons. Rog. 16 febr. 148ö); bald darauf wurde das 
Geschäft dem Pasqualis de Primo auferlegt, gegen eine Erhöhung seiner Be- 
züge. Die Copie eines cyr. Stückes der »libri dela dobana'< von 1526 ist er- 
halten, vgl. Archiv XIX, ö3 — 54. 

3) Vgl. darüber Archiv XXI, 503. 



176 ^- Jirecek, 

wissen wir, dass er 1414 »ninum salterium in lingua sclanicha« besessen 
hat, wohl einen cyrillischen Psalter. Daneben wird bereits 1419 in dem 
Testament des Ragnsaner Presbyters Nicola Milgostic »uno euangelistario 
schiauo de letera latina« erwähnt, die älteste bisher bekannte Nachricht 
über die »Lectionare« in lateinischer Schrift, die uns aus Handschriften, 
Drucken und Fragmenten aus der Zeit um 1450 — 150S wohl bekannt 
sind ^). 

Von den Büchern der slavischen Kanzlei von Ragusa sind nur zwei 
erhalten, ein Papiercodex mit der Correspondenz 1395 — 1423, geschrieben 
von Rusko Hristoforovic und herausgegeben vom Grafen Medo Pucic, 
und ein Copiar mit Privilegien auf Pergament, geschrieben von Niksa 
Zvijezdic und Marinko Cvjetkovic, benutzt von Miklosich bei der Ausgabe 
der »Monumenta serbica«, beide im Ragusaner Archiv. 

Den Umfang der Amtsgeschäfte des slavischen Kanzlers kennen 
wir, ausser aus den Documenten selbst, auch aus einer Schilderung bei 
Philippus de Diversis (1440) 2). Die wichtigsten Geschäfte waren die 
Abfassung von Verträgen mit den Herrschern von Serbien, Bosnien, 
Bulgarien und Albanien, die Interpretation der Privilegien (povelja) und 
die Correspondenz mit den Landesfürsten, Grossen und Beamten der 
Nachbarländer, im XV. Jahrh. auch schon mit türkischen Befehlshabern 
und Richtern ^). Die Entwürfe der diplomatischen Correspondenzen und 
der Vertragsurkunden wurden vom Kanzler im Senate vorgelesen und 
deren Fassung dort festgesetzt. Mitunter reisten diese Kanzler auch mit 



*) Dr. M. Resetar, Primorski lekcionari XV. vijeka, Rad jugoslavenske 
akademije, Bd. 134 (1898), S.81— 82 und Resetar's Ausgabe: Zadarski i Kolu- 
nicev lekcionar, Agram (Akademie) 1894. 

2) »Sed cum civitas ipsa vicinos dominos habeat Sclavos, qui sclavis 
litteris scribunt contractos, privilegia, pacta et conventiones plurimas cum 
dominis Ragusinis, propterea peropus est, ut habeatur et habetur quidara 
Ragusiüus cancellarius seu scribanus, litteras sclavas pariter et latinas vul- 
gares (also italienisch) doctus, cuius officium est eos contractus, privilegia et 
pacta sclave in libris communitatis scribere et copiare, illorum litteras legere 
et responsivas, iuxta dominii mandatum, diligenter notare. Scribitque is 
idem sententias, quae a domini rectoris vicario feruntur, et eiusmodi sclavos 
et latinos libros custodit«. Ph. de Diversis ed. Brunelli p. 76. 

3) Merkwürdig ist ein slavisches Creditiv 1403 »rocno;k,ap0lf A\«Tt- 
AHHCKOMOY«,an den Fürsten von Lesbos aus dem genuesischen Geschlechte 
der Gattelusio, bei Pucid 1, 4S. Erklärt sich vielleicht durch die Verheirathung 
des Despoten Stephan Lazareviö von Serbien mit einer Tochter dieses Hauses. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 1 77 

Gesandtschaften zu den Höfen der serbischen and bosnischen Herrdcher, 
wie 1326 Stephaniis de Hinzola nach Bosnien, 13G2 Johannes de Par- 
mesano zum Caren l'ros, 11 (J9 Kusko llristoforovic zum bosnischen 
König Ostoja. Wichtige Docuniente trug der Kanzler üljor Auttrag des 
Comes oder später des Kector in die Bücher der Diversa Cancellarie oder 
Notarie ein, mit IIiuzufügun;r einer ifalifuischen Uebersetzung. Diese 
Eintragungen sind eine wichtige Fundgrube von Akten uns den Kanz- 
leien Serbiens and Bosniens and wurden vom Grafen Medo Pucic and in 
einem Nachtrag von mir gesammelt und herausgegeben. Es sind Quit- 
tungen der Landesfürsteu über den Empfang der Tribute, Bestätigungen 
Ober die Rechnungsiegang der liagusaner, welche von diesen Landes- 
herren Zollämter gepachtet hatten, Correspondenzen (iber Deposite und 
Testameute einheimischer Fürsten und Edelleute, Bürgschaften der 
Wlachen der Gebirge, Akten über den ))Stanak(f oder Gerichtstag an 
der Grenze u. s. w. 

Aber die Correspondenz beschränkte sich nicht nur auf den Ver- 
kehr mit Ausländern. Auch mit Ragusanern correspondirte die Stadt 
slavisch, allerdings nur in seltenen Fällen. Die erste Nachricht haben 
wir aus dem J. 12S1. Der Comes Johannes de Georgio Hess den in 
Serbien weilenden Marinus de Gayrao. einen Patricier, durch drei latei- 
nische und ein slavisches Schreiben auffordern, er soll unter Strafe von 
200 Hyperpyren sofort zurückkehren. Gaymo las die lateinischen 
Briefe nicht, da er wahrscheinlich Niemand zur Hand hatte, der seiner 
Lesekunst zu Hilfe kommen konnte, aber er las und beantwortete das 
slavische Schreiben V . In dem Buch des Rusko finden wir 15 Citationen 
an Ragusaner vor das Gericht aus den J. 1409 — 1417 und eine Com- 
missio an Nikolica Gjurgjevic, der 1420 nach der Halbinsel von Stagno 
gesendet wurde zur Aafstellung von Wachtposten gegen eine in den be- 



*) 5 iulii (1284j. »Marinus de Gaymo jurauit de veritate dicenda et at- 
tendere mandata domini comitis; interrogatus per sacramcntum, quare non 
uenit ante presenciaiu dumini Johannis Georgij, coiuitis Rag'usiij, quando 
misit ei precipiendo per suas litteras, q'uod) ueniret sub pi-na ducent(orum) 
ypp erperorum ,respondit dicens: Ego nonsciui necaudiui diel ab aliquo, quod 
dominus comes mitterat mihi precipiendo sub pena, q(uod; uenirem ad eum. 
Verum est, quod dominus comes predictus misit mihi tres litteras latinas et 
unam sclauonicam. et iitteram illam sclaiionicam t'eci legi et misi respondendo, 
tarnen litteras latinas uon legi nee feci legi nee aperui eas nee sciui, quod 
contineretur in eis«. In deu Div. Canc. 1275 (richtig 1284 — 1286) im Archive 
des k. k. Kreisgerichtes in Ragusa. 

Archiv für slavische Philologie. XXVI. 12 



178 C. Jirecek, 

nachbarten Gewässern kreuzende venetianische Flotte i). Die Klagen 
der ragusanischen Bauern gegen die Grenznachbarn von Trebinje und 
Canale waren 1383 slavisch geschrieben und der Kanzler Maroje hatte 
sie zum bevorstehenden »Stanak« zu copiren. 

Ausserdem war der slavische Kanzler auch bei dem Gerichtshofe 
des Vicarius des Rectors beschäftigt, welcher in Fragen bis zu 10 Perper 
Recht sprach; von den Büchern dieses Gerichtes, der sogenannten »curia 
minor«, »parua curiatf, ist jedoch, soviel ich bisher weiss, nichts mehr 
erhalten. 

Wie schrieben aber die Ragusaner, die des Handels wegen in den 
Nachbarländern lebten, an die Behörden ihrer Stadt? Schreiben konnten 
diese Kaufleute mehr oder weniger wohl alle, aber an ihren in den Ge- 
richtsbüchern hie und da als »litterae appositae, affixae« erhaltenen 
Briefen ist zu ersehen, dass sie sich auch fremder Beihülfe bedienten. 
Lateinische, meist sehr unbeholfene Stücke gehören in die Zeit vor 1300; 
seitdem ist, wie wir schon oben bemerkt haben, die Correspondenz ita- 
lienisch, wobei die einheimischen romanischen Elemente desLocaldialectes 
immer mehr zurücktreten und der Einfluss des auf der Adria dominiren- 
den veiietianischen Dialectes unaufhaltsam zunimmt. Von diesen Kauf- 
mannsbriefen haben einige eine schöne Schrift und sind wahrscheinlich 
von den Capellani der katholischen Kirchen in den Handels- und Berg- 
werksorten Serbiens und Bosniens geschrieben. Andere verrathen durch 
ungeübte Züge und überflüssige Reduplication von Consonanten die Kauf- 
leute als Schreiber selbst. Das Schreiben von Haudelsbriefen und die 
Buchführung wurde in der Stadtschule gelehrt 2j. Dabei wurden den 
Schülern auch lateinische Formeln für kaufmännische Rechtsurkunden 
beigebracht. So geschah es, dass mitunter auch binnenländische Slaven 
lateinisch kannten, wie Brajilo Tezajlovic, der Protovestiar (Finanz- 
minister) der bosnischen Dynasten Pavlovici , welcher in der Jugend in 
Ragusa erzogen war; 1431 während des Krieges mit dem Vojvoden 
Radoslav Pavlovic schrieben ihm die Ragusaner lateinisch und aus dem 
J. 1427 ist von ihm eine lateinische Obligation erhalten 3). Dazu ge- 



1) Pucicl, S. 100—106, 110—111, 117, 136—137, 141, 178, die Commis- 
sio 148. 

2) Vgl. die Schulordnung von 1435, Archiv XIX, 35. 

3) BeschlusB des Cons. Rog. am 19. März 1431 dem Brajilo eine »littera 
latina« zu senden, mit 25 Stimmen gegen 11 ; der Gegenvorschlag war für eine 
»littera latina et alia sclaua«. — Obligation, Ragusii 18 Jänner 1427: Brayllua 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 179 

seilen sich Schreiben in slaviächer Sprache, das älteste erhaltene von 
1302 aus Brsküvo. Die meisten derselben enthalten Klagen an den Ge- 
richtshof von Ka^'usa. Die UnttTsiichuiif; über »'inen Streitfall zwischen 
den Kagusaueru in einer Handelscolonic durch den Consul und dessen 
Judices wurde aber stets italienisch niedergeschrieben, in Nuvo Brdo und 
Trepea ehenängut wie in Srebrniea; in slavisclier Sprache fanden wir 
nur zwei Berichte der ludices iiu Forum Naronti, »lav. Drieva, dem 
jetzigen Gabella oberhalb der Narentamünduug, von 1111) und 1 1 12 '). 
Die slavischen Anklageschreiben sind bei ihrer sprachliehen Correciiieit 
wohl von den öfl'entliehen Schreibern der binnenlUudischen iMarktpliltzo 
verfasst worden. 

Notizen und Kritzeleien in den Stadtbüchern zeigen, dass im 
XV. Jahrh. die cyrillische Schrift in Kagusa allgemein bekannt war 2). 
Durch den intensiven Verkehr mit Serbien und Bosnien ist dies nicht zu 
erklären; es muss Lehrer gegeben haben, welche schon die Jugend darin 
unterrichteten. Bei den Magistern ans lier Komagna oder der Loinl)ardei 
war so etwas nicht zu erlernen, elier noeh bei einheimischen Geistlichen, 
die an der Stadtschule wirkten. Neben den Magistri aus Verona, Bo- 
logna, Ferrara u. s. w. finden wir als öffentliche oder private Lehrer 
einen dompnus Zane 1295, don Dimitrio della scuola 13 17, Mic]ie9 
magister scholarum i:i72, presbyter Marin Bogojevic 13S7, dompnus 
Andreas Drinchaseuich 1426, der 1440 — 1454 Nachfolger des Philippus 
de Diversis an der Stadtschule war, und noch andere Einheimische "*). 
Der einzige öffentliche «magister littere sclauice« (oder »litterarum 
sclauicarum«), der ausdrücklich erwähnt wird, war lüOO — 1392 Nico- 
laus Bulgarua; er lelirte »pueros" und "(iu03cun(jue de Kagusio« für 
einen Jahresgehalt von 50 Perper. Im Juni 139t» tauchte er wieder auf, 
diesmal als Nicola Grecus, »olim magister sclauicus«, und brachte von 
den Türken einen Geleitsbrief für die ragusanischen Kauf leute, ein Dienst, 
der vom Senat durch ein Geschenk belohnt wurde. Im September d. J. 
wurde demselben Nichola Bulgarus bewilligt in Ragusa und Umgebung 
die Heilkunst auszuüben, bei Brüchen und Steinleiden. Der Mann, der 
nach der wechselnden Bezeichnung der Nationalität wohl aus dem süd- 



Tesalouich et Radich Osrisalich zahlen den Luca de Sorgo 16(J Ducaten (Div. 
Canc. 1433, f. 122). 

1) Spomenik XI, S. 22 (Brskovo), 71, 82 (Drieva). 

2) Vgl. Archiv XIX, 53 f. 

3) Vgl. Archiv XIX, 78. 

12* 



180 C. Jirecek, 

liehen Makedonien oder Thrakien stammte, hatte also die Schnlmeisterei 
aufgegeben und sich der Chirurgie zugewendet i). Ein Bulgare Nicolaus 
wird schon 44 Jahre früher erwähnt. In den J. 1337 — 1346 wohnte 
in Ragusa Anna, »imperatrix Bulgarie«, Wittwe des bulgarischen Garen 
Michael und Schwester des serbischen Königs Stephan Uros III. In 



ij Nicolaus Bulgarus als Lehrer der slavischen Schrift in Eagusa ist in 
der neueren Literatur nicht unbekannt; es erwähnt ihn Prof. G. Gelcich, I 
conti di Tuhelj, 2. Ausg., Ragusa 1890, p. 36. Im Folgenden gebe ich eine 
vollständige Sammlung aller Stellen über diesen Mann aus den Archiv- 
biichern: 

1390, 29 ian. Maius consilium. Prima pars est de dando auctoritatem 
et liberum arbitrium domino rectori et eins minori consilio saiariandi Nicola 
Bulgarum, m(agist)rum litterarum sclauicharum, pro docendo in Ragus(ioj 
pueros litteras sclauichas, cum pactis, condicionibus, quibus melius eis vide- 
bitur faciendum. Captum per XL VIII (ballote LXV). (LRef. 1388—90). 

1390, 12 febr. In dicto minori consilio ex arbitrio et auctoritate maioris 
consilii, concessa in hac parte, captum, quod accipiatur ad salarium communis 
Ragus(iiJ Nicolaus Bulgarus pro docendo in Ragus(io) litteras sclauichas, qui 
teneatur docere quoscunque de Ragus(ioj ab eo volentes ire ad adlscendum 
litteras sclauichas, absque aliqiio pachamento uel solutione ab ipsis perci- 
piendo. Et habere debeat a communi pro suo sallario pro uno anno proximo 
p(er)p(eros) quinquaginta et non aliud. Qui Nicolaus dictum salarium accep- 
tauit et se obligauit, ut promittitur, docere. Ib. 

1391, 18 febr. Prima pars est de salariando ad salarium nostri communis 
Nicholam magistrum littere sclauige pro uno alio [lies: anno] proxime futnro, 
cum salario, quod videbitur presenti consilio. Captum per XLVII. 

[Cassa:] Prima pars est de dando dicto Nicole de salario pro uno anno 
proxime futuro ad hoc, ut teneatur docere pueros Ragus(inos) litteram sclaui- 
cam absque aliquo salario percipiendo ab eis, cum pactis et condicionibus 
consuetis in anno proxime preterito, perperos triginta. 

Secunda pars est de dando eidem de salario, pactis et condicionibus 
suprascriptis pro uno anno yperperos quinquaginta. Captum per XXXVIII. 
(LRef. 1390—92, Cons. Malus]. 

1392, 24 ian. Prima pars de confirmando Nicolam magistrum scolarum 
sclauicarum pro I anno proxime uenturo cum salario, pactis et condictionibus 
(sie) consuetis. Secunda pars de non confirmando. CaptaperL(vonLXVII). Ib. 

1396, 20 iunii. In dicto minori consilio captum fuit de dando Nicole 
Greco, olim magistro sclauicho, pro quadam litera, quam portauit a Turchis 
securitatis nostrorum merchatorum, yperperos decem (LRef. 1395—97). 

1396, 29septembris. Cons. maius. Prima pars est de concedendo Niehole 
JBulgaro, quod possit medicare in Ragusio et districtu de infirmitatibus cre- 
pundij sceu (sie) crepat(ur)e et lapidis, non obstantibus ordinibus Ragusij. 
Captum per LVII (von LXVII). (LRef. 1395—97). 



Die mittnlalterliche Ranzloi der Rn^iisaner. |gl 

neapolitanischen Urkunden wird ni(i ihr »nuncius seu procurator et 
familiaris Nicolaus de Bulgraria« erwähnt *), Seine Identität mit dem 
späteren Magister lässt sich aber nicht nachwi-isiMi. Vielleicht waren es 
Vater und Sohn? 

Im diplomatischen Verkehr mit den Herrschern von Serbien und 
Hosuicii und deren Heamten hatten die (Je^andten di-r Hagjiisaner keinen 
Dülractäch n<»thi^. Nur 1 '.^2 1 wird den (Jesandten Marcus de Lucaro und 
Janius de Georp:io an den serbischen Ilot'ein »turcimannus« mitgegeben, 
der aber wahrscheinlich Schreiberdienste zu leisten hatte 2). Auch in 
Ra^usa selbst sprachen die Parteien vor Gericht, der Mehrzahl nach 
Handwerker, Hauern und dienende Leute, zum grossen Theil sluvisch, 
80 dass dem lateinisch eintragenden Notar, der im XIV. und XV. Jahrh. 
in der Re^el ein Italiener war, alles erst übersetzt werden musste. 
Darüber haben wir ein Zeu^niss des Kanzlers Johannes de Havenna 
(1384 — 1387): flPriraum illud non deest incommodi, quod ego cunctia, 
omnes mihi sunt ydiote, per iiiterpr('fv7ti ar/rnda om/iiu^ . 

Die Befehle der Regierung wurden in der Stadt von den Herolden 
der Gemeinde, die man in Ragasa und Cattaro riparii (im Dialect river) 
oder prerones, in Curzola und Spalato plazarii (vgl. die plarcrii der 
Genuesen von Pera und die plariers der Seestädte der Kreuzfahrer- 
staaten) nannte, slavisch und italienisch ausgerufen. In den ragusani- 
schen Rathsbüchern des XIV. Jahrh. wiederholt sich sehr oft die Be- 
merkung über die Publication des Beschlusses durch den Herold: 
)igridauit publice et alta voce in locis solitis, tarn in lingua latina quam 
in sclauonesca«. Bei wichtigeren Anlässen thaten dies auch die lateini- 
schen und slavischen Kanzler. Der gelehrte Johannes de Ravenna fand 
diese Beschäftigung sehr unpassend für einen litterarisch gebildeten 
Mann: »Edicta publica iiisuper ac vendicionum tituli cum precone tri- 
viatim decantandi: quo quid viro litteras profitenti excogitari foedius 
potest?>< Der slavische Kanzler Niksa Zvijezdid verkündete z. B. am 
12. September 1451 öffentlich, nach dem üblichen Trompetenschall 
(sono tube premisso), in der Loggia, an den Ploce und Pile »in ydiomate 
sclauo« den Preis, den die Ragusaner damals im Kriege auf den Kopf 
des Herzogs Stjepan Vukcic gesetzt hatten; sein College, der Kanzler 



w 



Makusev, HiajiBniicKie apxHBLi II, 3ü, Beilage zu denZapiski der kais. 
russ. Akademie XIX, Nr. 3, Petersburg 1871. Vgl. Rad 18, 229 Anm. 

2) Mon. Ragusina I, 111, 112 Anm. 

3) Rad jugosl. akad. Bd. 74, S. 167. 



Ig2 C. Jirecek, 

Ser Johannes de Sfondratis las in der Loggia den italienischen Text. 
In den Notarialbüchern von Cattaro werden 1459 drei »precones sclaui 
Catari« erwähnt. 

Dass aber dabei die innere Verhandlungssprache der Behörden von 
Ragusa nicht slavisch war, wissen wir von Philippus de Diversis (1440). 
Er sagt ausdrücklich, dass in den » consilia « und » officia « die » oratores 
seu arengatores, advocati, iudices et consules« nach den Bestimmungen 
des Gesetzes »latine loquunter, non autem sclave«, und zwar nicht »no- 
stro idiomate italico«, sondern im romanischen Dialect der Stadt ^). Aber 
die Nachbarschaft slavischer christlicher Staaten hätte bald nachher 
zu einem Umschwung geführt. Der Zusammenbruch derselben durch 
die türkische Eroberung stellte den natürlichen Process ein. Schon nach 
dem Fall der grossen Reiche, als sich nur die kümmerlichen Reste des 
Staates der Hercegovici in Castelnuovo und Risano behaupteten und in 
Trebinje türkische Beamte residirten, wurde im Consilium Rogatorum, 
dem Senat der Republik, die Sprachenfrage aufgeworfen. Am 5. Februar 
1472 wünschten 20 Senatoren gegen 13 eine Feststellung der Sache. 
Der erste Vorschlag, dass bei den Verhandlungen in den Rathscollegien 
nur die »lingua Ragusea«, der von Philippus de Diversis erwähnte Lokal- 
dialekt zulässig sei, fiel aber mit 15 Stimmen gegen 19, welche sich für 
den zweiten Vorschlag, nämlich für die Beibehaltung des bisherigen Zu- 
standes (de stando ut stamus) aussprachen. Man debattirte also in den 
Consilien auch mitunter slavisch. Die Frage tauchte jedoch am 21. De- 
cember d. J. wieder auf und gelangte nun zu einer definitiven Erledigung. 
Mit einer geringen Majorität, mit 19 gegen 15 Stimmen, wurde be- 
schlossen, »de vetando linguam sclauam in consiliis nostris ad arengerias«; 
2 1 von den 34 Senatoren stimmten sodann für den Vorschlag, die »lingua 
latina Ragusea« sei bei den Berathungen der Rathscollegien allein zu- 
lässig, unter Strafe eines Hyperpyrs^). 

In den nächsten Decennien machte der Process der Slavisirung 



*) Philippus de Diversis ed. Brunelli p. 70. Vgl. meine Romanen in den 
Städten Dalmatiens I, 79. 

2) Der Wortlaut dieser Verhandlungen von 1472 ist abgedruckt in mei- 
nen Romanen in den Städten Dalmatiens II, 19. Kurz erwähnt schon bei Ap- 
pendini, Notizie istorico-critiche I (1802), 2U5, darnach bei J. Chr. von Engel, 
Geschichte des Freystaates Ragusa (Wien 1807) S. 191 und Makusev, Hscjii- 
ÄOBaHiH oöT. HCTopH^ecKHX'B naMflTHHKaxT> u ÖbiTOHHcaxejiax'b^yöpoBHUKa (Peters- 
burg 1867) S. 5. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusuncr. Ig3 

noch grössere Fortschritte. Neben den lateinischen Dichtern der Re- 
naissance fand die rasch aufblühende slavische Knnstpoesie unter dem 
Stadtadel begabte und begeisterte Anhänger. Ueberrascht lesen wir ein 
Menschenalter nach den Beschlüssen von 11 72 in den I'rotocolleu des 
Consilium Kogatoruni am 28. September 15Ü1 den Beschluss >de por- 
tando ad maius consilium firmam Pastjualis de Primo, cancellarii in idio- 
mate /unfro^i. Am IS. Mjü 1.">(»2 verzeichnete dort der Kanzler Bartho- 
lomeas de Sfondratis, sein College Pasqualis Primi habe ein Urtheil sie 
idyomute dulmafiroa dem Angeklagten mitgetheilt. Am 21. Mai 1502 
lesen wir einen Beschluss, wer - alle processioni et feste solenne et einzu- 
laden sei, darunter »el secretario nostro et notari et cancellieri de la 
notaria et cancellaria nostra et lo cancelliero idiomatis materni et lo 
cancelliero de li Signori ludici del criminal«. Am 7. October 1503 wird 
Pasqualis wieder als »cancellarius in idiomate st/ihuwn bezeichnet, 
ebenso in den folgenden Jahren. 

Nach 1500 starb auch der altromanisclie Dialekt von Ragusa aus. 
Es kam dann eine Zeit, wo Giacomo Luccari in der Vorrede zu seinem 
Geschichtswerk (1604; über die ürtheile von fremden Autoren tlber die 
ragusanische Geschichte klagt, die »invidia, che hanno portato allu 
nostra Repubhlica ^ e tiazione Slava in u/ncersulca, wie er denn in 
seinem Buche ganz als Slave auftritt. 

In der Türkenzeit wurde gleichzeitig mit dem Aufschwung der sla- 
vischen Poesie in Ragusa der Gebrauch der slavischen Spraclie stärker, 
in dem Zeugenverhör der Gerichtsbücher, wo wenigstens die »verba 
formalia« slavisch eingetragen wurden, in den Schreiben der Kaufleute 
der Handelscolonien, den Berichten der Dragomane über Botschaftsreisen 
zu türkischen Befehlshabern u. s.w. '). Nur wurde das Slavische immer mehr 
mit lateinischer Schrift geschrieben. Sporadisch findet man cyrillische 
Unterschriften noch bis ins XVII. Jahrh. hinein, z. B. in einem Brief 
aus Belgrad 1609 Ihrap HhkvuahI^ iwaka wt kwaiviu , unter den 
Unterschriften eines italienischen Schreibens aus Sofia 1635 GrmaH 
RöKCKHt^ u. dgl. 2). 

Auch mit den Türken selbst wurde der diplomatisclie Verkehr lange 
in slavischer Sprache vermittelt. Die gi'ossherrlichen Fermane sind im 



'/ Proben in unseren Sammlungen, im Spomenik XI und Archiv XIX, 
54 f. und XXI, 499 f., 533 f. 

*j Rag. Archiv, fasc. 48 der Correspondenz 1600 — lti99 (Commissioni e 
lettere etc. delle colonne di mercanti ragusei. 



184 C. Jirecek, 

XV. Jahrb. und noch zu Anfang des XVI. serbisch ausgestellt , zuletzt 
vom Sultan Suleiman II. Erst seit 1508 war es nothwendig, auch Dol- 
metscher und Schreiber für türkisch geschriebene Urkunden zu besitzen i). 
Die Anrede der alljährlich zur Pforte gesendeten ragusanischen Ge- 
sandten an den Sultan wurde bei der Ueberreichung des Tributs nach 
altem Ceremoniell bis zum Fall der Republik stets slavisch gehalten 2). 
Die slavische Correspondenz mit den Pascha's der Umgebung in cyrilli- 
scher Schrift reicht in dem Archiv der Republik bis 1806. Bai dem 
Verkehr mit Mohammedanern slavischen Ursprungs diente die Conver- 
sation in der Muttersprache als ein Mittel, um auf dieselben gründlicher 
einzuwirken, wie wir aus einer Anweisung ersehen, welche am 13. Oc- 
tober 1493 die Gesandten zur Pforte Natalis de Saraca, Sim. Mart. de 
Bona und Nicolinus Mar. de Gondola im Bezug auf die Verhandlungen 
mit dem mächtigen Achmed (ursprünglich Stephan) Hercegovic, des 
Herzogs Stjepan Vukcic Sohn, vom Senate erhielten: »Nel parlar cum 
Aghmatbassa tignereti modo, se poreti, de parlar cum lui solo da lui a 
voi in lingua nostra^ perche piu familiarmente poreti parlar cum lui «3). 

Die von Ragusa weiter südwärts gelegenen Küstenstädte standen 
im XIII. — XV. Jahrh. meist unter serbischer Oberherrschaft und hatten 
desshalb slavische Schreiber mehr nöthig. Aber das über diese Be- 
ziehungen erhaltene Material ist sehr ungenügend. 

Cattaro konnte bei dem Verkehr mit dem serbischen König (»do- 
minus noster rex« im Statut), später Gar, und dessen Grossen, dann mit 
den serbischen Despoten, den Balsici, dem Vojvoden Sandalj, den Pav- 
lovici und Crnojevici einer serbischen Kanzlei nicht entbehren, aber aus 
der Zeit vor 1420 ist darüber nichts überliefert. Aufifallend ist der ärm- 
liche Inhalt der zwei erhaltenen Notarialbücher aus dem XIV. Jahrb., 
in denen auch die Einzeichnung slavischer Stücke in der Art der Ragu- 
saner Diversa mitten unter lateinischen und italienischen Documenten 
ganz fehlt. Es gab wahrscheinlich neben den lateinischen Amtsbüchern 
auch slavische, doch hat sich nichts davon erhalten. Slavische Kanzler 



ij Vgl. Archiv XXI, 409. 

2) DieAnspracheder Gesandten von Ragusa al Gran Turco waren »poche 
parole in lingua propria schiavona«, die der Dolmetsch türkisch übersetzte, 
nach Serafino Razzi fl595), abgedruckt bei Makusev, HsoiiÄOBaHia 400. Der 
Text der Anrede selbst bei mir, Poselstvi republiky dubrovnickö k cisafovne 
KateHne II, Beilagen Nr. 1. 

3) Lettere e Commissioni di Levante 1493 — 1528 (Rag. Archiv). 



Die mittolalterlichc Kanzlei der Rngusancr. 1S5 

erscheinen urkundlich erst iinttr der venetianischen Herrschaft, und 
zwar zwei Bürger von Cattaro, Stefan Kalojrjurgjevit? 1436 — i 1G2 und 
Natalinus de Mechico 1 MIT — 1 172. 

In Antivari, Dulciguo und Drivasto waren die Verhilltnisse wohl 
ähnlich, doch besitzen wir keine Nachrichten darflher. In Sculari wird 
unter den Venetianern ein slavisclier Kanzler Tlioniasius 1 K)!t — lll*> 
erwähnt, ein angesehener und begüterter Mann, «Proniar« in den Dürfern 
der Umgebung. 

Beilagen. 

I. Urkunden. 

Kagusa 1228, 2<i Jänner. 

»Capitulariumc des neuernannten Notars l'resbyter Paiicalis. 

Orig. auf Pernament im Archiv von Kapusa, r.!ü(i— 1300 fasc. II nro 127, etwas abgerieboo, 
besonders im oberen Theil. Unten durchschnittene Buchstaben des Alphabeta. Copirt von 
mir 1S7S. 

-^ In uoniine patris et filii et spiritus 8:incti. Anno inciirnationia domini 
millesituo ducentesimo vicessiino (»ctauo, men.-is ianiiarii se.xto die astante. 
Ego pre.sl>ytor Pascalis iuro ad saneta dei euaugelia domiiio Jolianni Dan- 
dulo, uiiliti et coniiti Ra-r-iisii), et populo Kag'usii), Lordinata] in curia cum 
sonitu campane, secundum usuin nostre ciuitatis, cartas tabelij fideliter scri- 
bere, nee amicum iuuare nee inimicum ledere, nee pro aliquo munere toliendo, 
nee pro aliqua minatione. Et secretum doniini comitis et consiliarionim, mihi 
creditum, secretum illud tenebo. Et nuliam cartani tabelij faciam sine iudico 
iurato, qui et testis sit. Et nulle carte (sie) sententiarum, datam ab aibitris, 
faciam, nisi dicti arbitri dixerint sententiam ueram iudicibus iuratis. Et pre- 
ceptum duorum uel triam iudicum iuratorum cartam sententie faciam. Et si 
aliquis RaguseuB crediderit aliquid alicui Raguseo extra nostram ciuitatem, 
per uullos testes super debitorem cartam faciam, nisi debitor coram m]e et 
coram iurato iudice confessus fuerit se debere aliquid alicui Raguseo, secun- 
dum usum nostre ciuitatis. Et si aliquis Kaguseus habuerit aliquam queri- 
moniam extra nostram ciuitatem cum aliquo Sclauo de qualieunque causa, 
non faciam cartam per nullos testes super Sclauum, nisi fuerit laudatione do- 
mini comitis et consiliariorum. Et si ad presens non fuerit dominus comes, 
facienda est carta laudatione illius, qui uice domini comitis fuerit, et con- 
siliariorum. Et si aliquam cartam tabelij alicui inuenero falsam, secundum 
meam conscientiam manifestabo illam domino comiti et illius consilio, uel 
qui uice domini comitis fuerit. Si uero aliquis Raguseus adduxerit aliquem 
Sclauum coram me facere cartam super ipsum, mutuationis uel uenditionis, 
nisi certus fuero per ydoneos testes esse Sclauum, quem se dixerit fore, non 
faciam cartam super ipsum. Et nichil minuam uel addam de suprascriptis, 
nisi cum laudatione domini comitis et curie, cum sonitu campane. Ego pres- 
byter Pascalis et communis notarius iuratus sciipsi hoc capitularium lau- 
datione domini Jobannis, militis et comitis Rag[usii;, et iudicum iuratorum, 



186 C. Jirecek, 

uidelicet Petri Ballislaue, Bubanne Petri, Damiani Bocinoli et Velcij Bladi- 
miri, et landatione consiliariorum, uidelicet Geruasii Marini, Johannis Bogda- 
nij, (Balllatie, Nycolay Pecinagij, Binzole, Petri Rosini, Thome Pezane, et 
laudatione populi Eag(usii), facta curia cum sonitu campane. Hoc autem 
capitulaiium nullo testimonio rumpi possit. De hoc autem pacto sunt due 
carte, hec et alia. 

II. Verzeichnisse der Notare und Kanzler. 
1. Bagnsa. 

A. Lateinische Kanzlei. 

Petrus diaconus et notarius 1023? Farlati, lUyricam sacrum VI, 45 ; 
Kukuljevic, Codex dipl. I, 103. 

Vitalis subdiaconus 1044. Farlati VI, 53; Kukuljevic, Codex dipl. 1,113. 

Marcus diaconus et communis notarius 1168. Kukuljevic II, 82. 

Diaconus Marinus de Camas oder Marinus Camasii, Ragusii communis 
notarius 1190—1199. Farlati VI, 56, 69; Ljubic, Listine I, 14, 15; Kukulje- 
vid II, 149, 155, 159, 185, 203 1). 

Clericus Gataldus et notarius. Zeugen in einer Urk.1199: »archldiacono 
M., Marino diacono notario, clerico Matheo, subdiacono Matheo, clerico Lu- 
caro, clerico Gataldo et notario, qui et scripsit« (so im Orig., Arch. Rag. 743 — 
1200 n° 32; Kukuljevic II, 203). Identisch mit Gataldus 1220—1222? 



1) Neben den »communis notarii« werden seit dieser Zeit auch Notare 
des Erzbischofs von Ragusa genannt: Vitalis de Bano, matricis ecclesiae 
presbyter 1195 (Kukuljevic II, 176). Diaconus Bubagna, canonicus Rag. et iu- 
ratus notarius domini Aleardi, archiepiscopi Ragusini 1259—1262 (Orig. des 
Rag. Archives, ürk. in den Diversa 1282, Div. 1295, Farlati VI, 108). Nicolaus, 
SS. Apostolorum presbiter et notarius 1269 (Farlati VI, 111). Antonius de 
Carletis de Parma 1283 — 1313 Notar des Erzbischofs Bonaventura, welcher 
auch aus Parma gebürtig war. Dompnus Marinus de Machxi, imperiali aucto- 
ritate notarius et nunc iuratus notarius domini archiepiscopi Ragusini 1389. 
Presbiter Hieronymus Antolinouich, cancellarius curie archiepiscopalis 1498. 
Presbiter Georgius de Darsa, juratus scriba et cancellarius venerandi capituli 
dominorum canonicorum 1498 (Archiv XXI, 453 — 455, der Dichter Gjore 
Drziö). Presbiter Johannes Zupana, imperiali auetoritate notarius publicus et 
curie archiepiscopalis Ragnsii scriba et cancellarius 1502 (Div. Not.). Am 
16. März 1503 fand das Cons. Rog., die »libri cancellarie archiepiscopatus« 
seien «male gubernati et custoditi«, folia lacerata, quinterni ablati, da die 
Bücher keiner »specialis persona« anvertraut waren. Es wurde beschlossen, 
einen »bonus sacerdos« von den Rogati dazu zu bestellen, wobei »deputari 
debet unus locus in palatio archiepiscopali, in quo dicti libri reponi et saluari 
debeant sub claui«, unter Strafe von 100 ypp. Es war in der Zeit, wo die 
Erzbischöfe meist in Italien residirten (vgl. Archiv XXI, 448 f.). Am 18. d.M. 
wurde Don Johannes Zupana zum »custos libromm archiepiscopatus« 
ernannt. 



Die mittelalterliche Kanzlei der KaguBaner. 187 

Blasius clericus et coiuinimiH notariiiB iiirntiis, iirkimdlicli orwiüint vom 
2. Aiipf. r.'üC 1)18 20. März 1219. ZalilnMche l'rk. des ArchivB von KaLruHii. 

Presbyter Gatuldus et coaiiuunis notarius iuratus 1220— 122"i. Ljuljiö. 
Listine I, 36; Farlati VI, 93, 95 (93 gedruckt als Gsibaldiis, Garibaldus!). 
Identisch uiit dem früheren Gataldus? 

Presbyter Pascalii, tiliua Pffrt dr Vapalu, Cdiiimuiiis notarius iuratus, 
canoiiic'us S. M.iriac, vom 2(1. Jänner 122*^ bis 12. Hei^ember 12t)2. Zahlreiche 
Urkunden aus '3ö Jahren. Sein »Capitulariuma mit drm Kide lieim Amts- 
antritt 8. oben S. 185. Der Name seines Vaters wird in zwei Urk. fcenannt, 
13. April 1235 (Farlati VI, 9ü— 97) und August 1242 ,Arch.Kag.), der Familien- 
name in drei: »prcsliyter Pascalis Capalu« 1234 Farlati VI, 95, »presbyter 
Pascalis de Capalu" ll.October 1251 Arch. Rajtr. , S.Jänner 1257 Farlati 
VI, lOS. 

Presbyter Petrus, couimunis Ka<,'usii notarius iuratus, erwähnt von 
April 12(15 LJubiö, Listine I, lii3; bis 1275»;. 

Magister Thomasinus de Savere de Regio, sacri palatii et communis Ra- 
gusii iuratus notarius, vom 15. September 1278 (Cod. Geno f. S9) bis 12''6 
(Liber de introitibiis stacionum. Starine VIII, 20). Mit seiner schönen, überall 
gut lesbaren Handsciirift sind die ersten eriialtenen Bücher der Ragusaner 
Archiv.' geschriel)en: Cod. (ieno Precetti 1278, Lib. Test. 1282, Div. Canc. 
12^2 — 1284, Div. Canc. 1275 (recte 12S4— 12S6,, Liber stacionum 128Ü .sq. War 
am 30. Oct. 12b5 mit einer Gesandtschaft in Cattaro, Rad I, 140. Aus seinem 
Testament vom 17. Jänner 1284 in den Div. Canc. 1282 erfahren wir, dass er 
der Sohn eines dominus Guido de Savere in Reggio iti »Luml)ardia" war und 
seit 2u Jahren als Notar in Venedig und Istrien gelebt habe; in Ragusa hatte 



1) Nicht nach Ragusa, sondern wahrscheinlich nach Venedig gehört nach 
unserer Meinung der Notar Murchisinus Egicij im Juni 1 270, erwähnt in einem, 
einige Leute mit griechischen Namen betreflFenden Schreiben des Comes von 
Ragusa vom I. Sept. 1284. Wir theilen das Schreiben ganz mit: »Exemplum 
cuiusdam littere. Michael Maurocenus, di- mandato domini ducis Veneciarum 
comes Ragusii, prudenti viro Marchisino Egigij notario salutem et dilectionis 
affeetum. Cum quoddam instruiuentum subscriptione ucstra roboratum, fac- 
tum anno «lomini millesimo ducentesimo sept., indic. Xllla die XIII ex. iunio, 
presentatum in iure faerit coram nobis, in quo inter cetera continetur, quod 
quedam Maria de Andriuill a) et Vasilius filius condam Teodori sua spontanea 
uoluntate posueruut et firmauerunt se ad standum cum Zor^o de Sclo^c», filio 
condam Jacobi de Sclo^o de Ragusio etc., ut dictum contiuet instrumeutuni, 
propter aque pluvialis balueaturam, qua iufusum fuit, littere ipsius instru- 
menti adeo sint abolite, quod bene legi non possunt ad plenum et tenor ipsius 
instrumenti nobis uecessarius existat, prudenciam uestram omni (jua possu- 
mus affectione rogamus, quatenus exemplum dicti instrumenti de abreuiatura 
uestra extractum de uerbo ad uerbum in una carta, uestro sigillata sigillo, 
per nobilem viium Symouem Palme Recus einem Rag., cui hoc negotium 
commisimus, latorem preseucium transmittatis. Dat. die piimo septembris, 
ind. Xlla« (Papierbrief, Arch. Rague. 1200 — 1300 faec. III sine numeroj. 



1 8S C- Jirecek, 

er Stana, die Tochter des reichen Bürgers Triphon Skorobogat geheirathet 
und Grundstücke im Thale von Breno erworben. Thomasinus hatte zwei 
Brüder, Sauerinus und Petrus; sie besuchten ihn in Ragusa und erbetrieb 
mit ihnen auch Kaufmannsgeschäfte. 

Pascalis, notarius communis um 1276 — 1281. Am 19. October 1285 wird 
in den Div. Canc. eine ältere Geldsache erwähnt (Repartition einer Zalilung 
an Rex Stephanus, den Serbenkönig Stephan Dragutin), mit der Bemerkung : 
»quorum nomina (der Theilhaber) misit dominus comes in scriptis per Pasca- 
lem notarium communis«. 

Aco cotidam Jacobi de Titullo, imperialis aule notarius et nunc communis 
Ragusii iuratus cancellarius, von Juli 1285 (Arch. Rag. 1200 — 1300 fasc. II, 
nro 108) bis October 1296 (Mon. Rag. I, 15). 

Presbyter Johannes, iuratus notarius communis, von 1285 (Diversa 1275) 
bis October 1292 (Urk. citirt in den Diversa 1366). Auch presbyter Junius 
genannt, Mon. Rag. I, 15, wo sein »über abreviaturarum« erwähnt wird. 

Diaconus Andreas de Benessa, canonicus et iuratus notarius, von 1293 
(Urk. in Div. 1313) bis 1324. Der Senat hatte nach seinem Rücktritt Schwie- 
rigkeiten mit ihm, um seine Bücher herauszubekommen. Consilium Minus 
20 November 1326: »precipiatur« dem Andreas de Benessa, »olim notario«, er 
soll bis Ostern »in cancellaria communis omnia catasticha sua, quae scripsit 
toto tempore, quo stetit pro notario communis« niederlegen. Am 22. April 1327 
neuer Beschluss, er soll bis zum St. Michaelsfest »extrahere de catastico suo 
omnia instrumenta, que extracta non sunt« und sodann »omnia catastica« in 
der Kanzlei übergeben (Lib. Ref. 1325). Die meisten dieser Bücher sind er- 
halten, in unschöner Schrift. 

Marquardus notarius, später cancellarius, einmal auch Marcualdus can- 
cellarius genannt, 1296 — 1303. Schrieb die Bücher Div. Canc. 1295 und den 
grössten Theil von Lib. Ref. 1301. Im Consilium maius wurde am T.März 1303 
beschlossen, »quod Marcualdus, qui fuit cancellarius in Ragusio, eiciatur de 
officio cangellarie, et habere ilebeat salarium suum usque ad complementum 
sui anni ; et quod omnes scripture, facte per eum a modo in antea, sint casse 
et nullius vigoris« (Lib. Ref. 1301, Mon. Rag. V, 48). 

Magister Riccardus (Rigardus), notarius et communis Ragusii iuratus 
cancellarius, November 1301—1306 (cf. Mon. Rag. V, 12, 51, 71, 89). 

Franciscus de Ferraria cancellarius. Am 19. November 1303 mit Glück- 
wünschen an den neuen Papst Benedikt XL gesendet (Lib. Ref. 1303, Mon. 
Rag. V, 68). 

Uhertinus deFlochis, notarius et communis Ragusii iuratus cancellarius, 
schrieb das Buch Lib. Ref. 1311—1312 (Mon. Rag. V, 92). 

3fagister Albertüms de Cremona, am 1. März 1312 im Consilium Minus 
bestätigt »in officio cancellarie pro libris VI grossorum« auf ein Jahr, vom 
1. Mai d. J. angefangen (Mon. Rag. V, 99). Am 31. März 1313 wieder bestätigt 
»in officio cancellarie communis Ragusii« auf ein Jahr, »sicut fuit preteritis 
temporibus« (Mon. Rag. I, 25). Im August 1315 zum »notarius curie maioris« 
in Venedig ernannt (Ljubic, Listine I, 284j. 

Ser Pone de Stambertis (Stamberto) de Fistorio 1318 — 1341. Zahlreiche 



Die luittelalturlicbe Ranzlei der Raguaancr. 1S9 

QuaternionoD dieser Zeit sind von seiner IIuiul, der uciiwerfälligon Minuskel 
eines alten Mannes. Sein Sohn Kaynald blieli als Kuufiuann in Kagasa; Ray- 
naid's Süline Ziucho und Jacxa «tarbeii beid«' im J. 1 l(i:<. 

Johannes de Finis, 1322 Soribanus anf einem Kauffalirer iMun. Rag. I,ö7j, 
später Nachfolger des Uenossa als Notar von 1324 (zuerst 5. November d. J. 
genannt, Div. Not. 1324 bis 1348, wo er kurz vor dem 14. Mai au der Pest 
starb ;Mon. Rag. II, 23, 21, vgl. meine Romanen in Dalmalien II, 6). 

Sfiffrt'Jus Ser Parini de Pistnrii) 1331 — 13t).i, Sciiwiegersuhn des Staui- 
berto, am lö. Deceml)er 1331 zu de.ssen Gehilfen ernannt (ausfiiiirlicher Be- 
Bcliluss in den Mon. Rag. V, 33^, wo gener für gerer zu lesen ist], liesorgte 
nach 1348 die Notaria, wobei er sehr oft erwähnt wird (in den Mon. Rag. meist 
als (Joflfredus . Wohute 13G4 im udomus cum stacione illorum de (-'rieua, ubi 
moratur fioflfredns nutarius communis"; die Miethe zahlte die Gemeinde 
(Mon. Rag. IV, 32). Erscheint zuletzt in einer Urk. vom 22. März 1305 (im 
Liber debitorum 1380). (/0<j»pl,\0 HCT.lpK in einer Urk. 1304, Spomenik 
XI, 33. Sein Sohn Jacobus lernte 1350 die Gerberei (ars pelliparie . Die Nach- 
kommen wanderten nach Apulien aus; wenigstens wird I3b6 ein Barbagolus, 
61ius quoudam Jacobi notarii Sofredi de Trani in den Diversa von Ragusa 
erwähnt. 

Francisco (auch Fra)icischmus] Bartholomei de Archo 1342 — 1373, zuerst 
1342 als «scribanus doniini comitis" genannt, 1347 als »vicecanceliarius'. Hat 
als "cauceliarius" mit SoÖ'reilus im Pestjahr 1348 nacli dem Tode des Johan- 
nes de Finis auch die Notarialurkunden geschrieben (Vgl. meine Romanen in 
den Städten Dalmatiens 11,0). Erhielt 1301 Urlaub -ad eundum ad indulgen- 
ciam S. Francisci de Assisio, pro voto cjuod fecit adimplendo« (Mon. Rag. III, 
85). War auch an Handeisgeschäften betheiligt, Korallenfischerei mit Leuten 
aus Zara und Montpellier (1309 — 1372), Holzausfuhr nach Malta(1372, Diversa) 
u. 8. w. Distributio testameuti Francischini, iurati cancellarii et notarii com- 
munis vom 11. Oct. 1373 in den Distrib. Test. 1371. Seine Frau Ruse war eine 
Ragusanerin; als sein Verwandter erscheint der Kaufmann Pripce Utolcid. 
Francesco di Bartolo canceliere besass c. 1302 Grundstücke in Breno, Sta- 
rine XI, 9. 

Simon Jilius Ser Chelli de Forteguerris dv Pistorio (voller Name am 
Schluss der Div. Canc. 1342 — 1345), socius des Soflfredus 1342—1347. 

Johannes de Pergamo notarius 1348 — 1349. Als Johannes de Euganio 
(sie ed., 1348, Mon. Rag. II, 48. «Domus filiorum quondam Johaunis notarii« 
2. Jänner 1371, Div. Canc. 1371. 

Franciscus de Placentia cancellarius 1359 (Mon. Rag. II, 273), wegen eines 
Schreibens an einen »compare« nach Spalato am 8. Jänner 1360 entlassen (ib. 
III, 20, 21, wo auch der Text dieses Schreibens;. 

Theodorus [Tuodorus! Scolmafogia de Brundusio 1360 — 1379, aufgenom- 
men 25. Jänner 1360 (Mon. Rag. III, 22), zuletzt erwähnt im Juni 1379. Ge- 
wöhnlich kurz als Theodorus oder Tuodorus cancellarius bezeichnet. Reiste als 
Gesandter: 1360 zum Papst, 1361 zu König Ludwig I. von Ungarn, 1362 nach 
Cattaro und uach Zara Mon. Rag. III, 32, 71, 166. 237, Gelcich und Thalloczy, 
Diplomatarium 20,39). Erhielt 1366 »domum, ubi staut catastica«, wie früher 



190 C!. Jirecek, 

Soflfredus, nach dem Beschluss »de ponendo in manibus cancellariomm 
catastica vetera« (Mon. Rag. IV, 43). Antonius filius Theodori cancellarii 
wird 1378 erwähnt (ib. IV, 160). Mit seiner kalligraphischen Handschrift 
sind viele der Bücher dieser Zeit geschrieben, auch die Testamente aus dem 
Pestjahr 1363. 

Nicolaus ßlius Giulli Steß de Brundusio am 21. December 1366 »assum- 
ptus pro cancellariü comunis pro uno anno proximo futuro, cum salario cen- 
tum j-perperorum, cum condicione, quod dictum consilium (consilium minus) 
possit eum licenciare, si non erit bonus et fidelis ; qui iuravit« (Mon. Rag. 
IV, 75). 

Johannes Faschus (Fuschus) de ciuitate Foro Julii, publicus imperial! 
auctoritate notarius, gewöhnlich kurz Johannes cancellarius 1371 — 1383 (mit 
vollem Namen in einer Urk. vom 4. März l.iSS, Rag. Arch.); 1387 wird seine 
Wittwe Stane genannt, wahrscheinlich eine Ragusanerin. 

Ser Articneius ßlius olim Dominici de Rivignano, Aquilegiensis dyocesis. 
Erscheint zuerst 1380 (Lib. debitorum 1380). Wurde 1383 wegen einer ge- 
heimen Correspondenz in den Kerker gesetzt und entlassen. Es scheinen 
Verbindungen mit König Tvrtko von Bosnien gewesen zu sein. Schon am 
21. April 1383 verhandelte das Consilium Rogatorum »super factis Articucii«. 
Am 12. Mai beschloss es mit 17 von 23 Stimmen »de ostendendo literam do- 
mini regia Bosne Ser Articucio de Rivignano, que litera veniebat ipsi Arti- 
eucio«. Articucius sass indessen »in carceribus«, bezog aber seinen Gehalt. 
Am 6. Februar 1384 wurde beschlossen »de reddendo uxori Articucii res eins, 
que remanserunt in carcere« (Lib. Ref. 1382). Articucius war dann 1385 — 1401 
Notar von Zara; er wird erwähnt auch in dem Memoriale des Zaratiners 
Paulus de Paulo fSchwandtner III, 737, 739). 

Ser Andreas quoiidamDominici de Bononia, civis Ancone, erwähnt seit 1382, 
in den Büchern oft genannt, starb in Ragusa am 3. März 1400. Schrieb seine 
Documente und Urkunden mit schöner Steilschrift auch auf der Strasse vor 
der Thür seines Wohnhauses; z. B. am S.Juli 1393 verzeichnete er eine De- 
claration des Marchus f. Thome Dandulo, habitatoris Candie, über den Boden- 
zins der Grundstücke des lateinischen Patriarchates von Constantinopel »in 
insula Crete«: »Ragusii ante hostium habitationis mei Andrei notarii infra- 
scripti, posite in sexterio Sancte Marie« (Diversa 1391 — 1396). Im J. 1396 
hatte er seine Wohnung verändert und datirte: »Ragusii in domo S. Salva- 
toris, habitationis mei Andree notarii«. Am 29. October 1382 wird »Isaach 
filius Ser Andree q. Dominici, civis Ancone, cancellarii communis Ragusii« 
genannt (Div. Canc. 1381). In den Testamenta 1391 — 1402 f. 138' sq. ist einge- 
tragen das »testamentum Ser Andree de Bononia, olim notarii et cancelarii 
communis Ragusii, qui obiit 1400, 3 marcii«. Ser Andreas nennt darin: Mar- 
garita filia mea, uxor Marini MarthoUi de GoQe, und Jacoba uxor mea. Er- 
wähnt wird: affictus domorum de Cesena. Epitropi: Ser Paulus de Gondola, 
Ser Albei'tus Bono, notarius et cancellarius Ragusii, magister Karullus de 
Bononia, Rector der Schule von Ra^^usa, u. A. — Das Testament »domine 
Jacobe, relicte Ser Andree, cancelarii Rag.» ist am 13. Januar 1413 in die 
Testamenta 1402 f. 190' eingetragen. Als Mann der filia Margarita erscheint 



Die mittelalterliche Kauzlei der Kuguäancr. 191 

hier Marin de Lebro. Zahlreiche Legate an Kirchen: Sco Andrea da la cita. 
item qiiello de Pclla^^o, Sco Hlasio de fiiora, Sca Margarita, San Tomaso, 
S. Gerguor, S. Biasio dentro de la cita. 

Ser Jacobiis quotidam Ambiosini Milani de Paritia 1383 — 1388. I'VüIkt 
(1373) in Cattaro. 

Her Johannes de Ravenna, vnujisti-r Johannea de Rawnna, mit vollem 
Namen Her Johannes qunndun maijistri Conversmi de F'regnano ' Fritjnano , er- 
wähnt aeit 1384, am 28. Mär/. 1385 und am 20. Au;;ust 138tl auf je ein Jahr 
wieder bestätigt, verliess liaguaa 138". Ein bekannter ilumaniat, Schüler des 
Petrarca. Eine Abhandlung über ihn von Kacki im Kad juKoslavenske aka- 
demije lid. "4 (1885,, 135 — 192. Sielie Michael Korelin, 1'aiiiii.iri uTaJiLJiuCKiii 
ryMuiiunMT. II ero ucropiorpa-pia, Mi>ökau 1892, 835 f., 940 f., Heilatjtn 28 — 29. 
Vgl. Archiv XIX, 42. Uie ersten von ilmi i,'eschriebenen Urkunden sind vom 
7. April und 2(i. Juli 1384: »ego Johannes quondam magistri Conuersini de 
Fregnano, iuratua notarins Rag., scripsi prout inueni catasticatum mann Ser 
Johannis l'oschi, tunc iurati notarii Rag.« (Eintragung vom 21. März 1386, 
Div. Canc. 1386). Am letzten November 1385 übernahm »dominus comes Ju- 
rech Radyuoy. familiaria .'".erenissimi domini regis Kassie et liosne« (des Kö- 
nigs Stephan Tvrtko I.) 2ÜUÜ Perper als Tribut des St. Demetriustages und 
60 Perper als Mairarisium; die Ragusaner erhielten für das Magarisium als 
übliches Gegengeschenk eint; Kuh (vacham recepimus more aolito). Der Act 
ging feierlich vor sich, »sub lobia. ubi jus redditur«, vor dem Rector des Mo- 
nats, Ser Mariuus de Bona, und dem Minus Cousilium. Unter den zahlreichen 
Zeugen wird neben dem Magister Christoforus, dem Vater des späteren sla- 
vischen Kanzlers Rusko, auch »niagister Johannes de Ravena, notarius Rag.« 
genannt (ib.). Am 27. März 1380 nahm Ser Johannes de Ravenna, iuratuB 
notarius, einen Albanesen auf lo Jahre in seine Dienste auf, den Lazarus 
Caligergi Ransi de S.Sergio deArbania; Bürge (plegius) war magiater Ni- 
cholaus faber de Scutaro, Zeugen waren zwei Geistliche, dompnus Marchus, 
plebauus Novimontis (Novo Brdo in Serbien, und dompnus Martinus de Dri- 
vastio. Doch Herr und Diener trennten sich: »cassa de voluntate partium« 
(ib.). Am 20. August 138(i schrieb Ser Johannes de Frignano, juratus notarius 
Rag., ein »instrumentum dotis« für Goina, uxor Ruschi Velloeuich, eine 
Schwester der Brüder Bogeta und Bratuy CouaQichi de Canali [dos ypp. 40, 
eingetragen 10. August 1427 in den Div. Canc. 1426). Am 19. November 1386 
war bei der Auszahlung des Tributs von Stagno an den »Saua caloyerus«, 
Vertreter des serbischen Klosters von Jerusalem, unter den Zeugen anwesend 
auch »Ser Johannes quondam M. Conuersini de Fregnano, iuratus notarius 
communis« ib.). Im März 1387 erscheinen nebeneinander Ser Johannes quon- 
dam magistri Conuersani (sie) als Notar, Ser Andreas Dominici und Jacobus 
(de Parma), diese beide als »cancellarii« (ib.). Es ist die letzte Nachricht von 
seiner Thätigkeit in Ragusa, die ich kenne. Am 7. Mai 1390 beschloss das 
Consilium minus ihn zu befragen, ob er nicht wieder als Cancellarius in die 
Dienste von Ragusa treten wolle (Lib.Ref. 1388—1390), doch er zog es vor in 
Italien zu bleiben. 

Albertus Bona [Bonus] olim TJiome de civitate Belluni, imperiali auctori- 



192 C. Jirecek, 

täte notarius, April 1388 — 1407. Sein Testament wurde am 22. Januar 1407 in 
die Testamenta 1402 f. 87 eingetragen. Seine Tochter Flora Marina, »fiola 
che fo de Ser Alberto cangiellero«, war verheirathet mit dem Ragusaner 
Nixa Ostoich; nach ihrem am 22. Juli 1426 eingetragenen Testament hatte 
sie zwei Brüder, Christoforo und Giovanni (Testamenta Notarie 1418 f. 142). 

Ser Antonius de Latnaldura de Pergarno 1392 — 1401. Das Testament 
quondam Ser Anthonii de Lamaldura de Pergamo, cancellarii Ragusij, ist am 
7. Mai 1401 eingetragen in den Codex der Testamenta 1391 — 1402 f. 271. 

Ser Jacohus quondam domini Johannis de TJgodonicis de Bononia 1401 — 
1415. War früher (um 1398 — 1399; in den Diensten von Cattaro. Besass einen 
Weingarten auf der Insel Giupana. Wurde am 5. September 1411 zu König 
Sigismund gesendet, um über die Erwerbung von Canale und Dracevica für 
Ragusa zu unterhandeln (Gelcich und Thallöczy, Diplomatarium relationum 
reipublicae Ragusanae cum regno Hungariae, Budapest 1887, p. 202 — 205). 
Seine Frau Catharina wird am 18. November 1412 als procuratrix des Julia- 
nus de Lechya de Catharo genannt (Div. Canc. 1411). Am 12. Juli 1416 er- 
scheinen domina Catharina, Wittwe des Ser Jacobus, ihre Tochter Franussa 
und der Gatte dieser Franussa, Ser Benedictus de Schieris cancellarius (Div. 
Canc. 1416]. 

D. Johannes Adamo (Addamo) de Mugla, als notarius et cancellarius auf- 
genommen 1409 durch Beschluss des Consilium Malus vom 28. März. In dem 
von ihm verfassten Register zu den Gesetzen im Fergamentcodex des Liber 
Viridis beim k. k. Kreisgerieht von Ragusa nennt er sich »minimus in iure 
civili licenciatus«. Der spätere Kanzler Johannes de Ugugonibus lobt in einem 
neuen Register (ib.) das Repertorium »literatissimi, sapientis, integerrimi 
Joannis Adami«. 

Ser Nicolaus de Alberto de Mugla 1412 (erwähnt im Liber maleficiorum 
1412 — 1415). War früher (1406) Cancellarius in dem damals venetianischen 
Budua (Div. Canc. 1405). 

Ser Baptista domini Vannis de Cimastellis de Firmo 1417 — 1427. 

Ser Benedictus quondam 3fathei de Schieriis de Prato aus Padua 1416 — 
1430. Zuerst genannt im Juli 1416, gestorben in Ragusa am 11. Jänner 1430. 
Mitunter unternahm er auch diplomatische Reisen, wie z. B. nach Beschluss 
des Consilium Rogatorum vom 30. October 1421 zum Grossvojvoden Sandalj 
nach Bisce bei Blagaj. Seine erste Frau Franussa war eine Tochter seines 
Vorgängers Ser Jacobus de Ugodonicis; seine zweite Frau Marussa, die er 
als Wittwe mit Kindern geheirathet hat, überlebte ihn noch um viele Jahre. 
Am 22. Juni 1429 klagte Ser Benedictus de Schieris, er habe in Babinopolje 
auf der Insel Meleda »podarium vinee sue« um 7 Perper »et pario V> opanca- 
rum« bis zum St. Michaelstage aufgenommen, doch der Mann sei entflohen. 
Am letzten Juni d. J. klagte er ebenso über die Flucht seiner famula Slavussa 
de Melita, die «omnes vestes, quas uundum meruerat« mitgenommen habe 
(Lamenta de foris 1428—1430). Das Testament des Kanzlers Benedictus ist 
am 12. Jänner 1430 eingetragen (heri defuncti), lateinisch; er nennt darin: 
Marussa uxor mea, Margarita, Catarina, Giucho privigni mei. 

Seine Wittwe Marussa erscheint noch 1449 und 1464 in den Gerichts- 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 19!i 

biichcrn, als Besitzerin eines Uauses und eines Gutes in Malfo. Ebenso wer- 
den erwähnt zwei Söhne, Orsatus und Lucarus. uieiat als Luchas geschrieben, 
fiiii quondam Sor Benedicti cancollarii. Im Mai 114(5 haben sie mit Marin 
Ziuoliuouich, Dragoe f. Jaxe Vodupijch, Marin Ik'xaiitich u. A. den Kadosav 
Radiceviö durchgeprügelt (Lamcnta de intus 1116— 1447 f. 49';. Im Jänner 
1454 mengte sich Orsatus Benedicti canoellarii in die Festuehmung eines 
Mannes durch den »capitaneus noctis« und zahlte dafür d Perpcr Strafe. Am 
5. März d. J. wurde Luchas Benedicti cancellarii bei Nacht als Mitglied der 
Stadtwache verwundet. Als die »guardia« unter dem Capitaneus Matheus 
Elie de Crieva ausrückte, sagte einer: »volumus ire cum capitaneo per pla- 
team cantando», doch Ivan der Barbier 'volebat ire ad vidondum ludere ad 
taxillos«; Luchas blieb zurück »pro mingendo" und erhielt von einem Unbe- 
kannten (unus vestitus de nigro, quem non cognovit) einen Schwerthieb (cum 
spata) auf die Stirn (Lamenta de intus 1453—1455 f. 56', 98). Im J. 1460 ging 
Lucas de Benedeto cancellier, dilecto citadin nostro, als Gesandter zum Des- 
poten von Morea. Nicoleta, uxor q. Luce Benedicti starb erst 1 500 (Testa- 
menta Notarie 149S — 1503 f. 88). Nicht zu verwechseln mit den Sühnen des 
Kanzlers Benedetto ist D. Marinus de Benedictis (-;- 1537), Rector der Stadt- 
schule und zuletzt Pfarrer der St.Blasiuskirche, ein Sohn desBencho cimator 
(Archiv für slav. Phil. XXI, 429 i). 

Ser MelUnus domini Vandini de Schicijs de Cremotia 1425 — 1433. Zuletzt 
bestätigt 3. Jänner 1432 und 1433 (Gelcich). 

Fasqualis [Panquinus de In Bruua de Cremona 1429 — 1437. Starb wahr- 
scheinlich an der Pest 1437, nach welcher gleich zwei neue Kanzler an Stelle 
der Verstorbenen in Venedig gesucht wurden (Cons. maius 5. October 1437 : 
duo bonos doctos cancellarios). 

Ser Egidius de Jugo de Cremona 1429—1449, cancellarius et notarius. 
Von seinem Privatleben wissen wir, dass er am 11. Jänner 1441 über einen 
Diebstahl von Wäsche klagte, gegen: «quandam pedisequam etatis iuuenilis, 
parue stature, rotundam in facie et aliqualiter rubicundam" (kalligraphisch ein- 
getragen im Liber maleficiorum 1440 — 1441). Das Testament des Ser Egidius 
de Jugo q. Stephani, civis Cremone, notarii et cancellarii secretarii magnifice 
communitatis Ragusii, nuper defuncti, ist eingetragen am 23. Jänner 1449. Er- 
wähnt werden darin : Thomasia uxor, Stephanus filius, Lignusa fiiia, filii sororis 
mee Francisce et Johannis Rosani in Cremona. Consanguineus mens Matheus de 
Arnulfis erhält »rethoricam sie) nouam Ciceronis«. »Item dimitto religiosissi- 



1) Von hier angefangen gebe ich über das Personal der lateinischen 
Kanzlei eine Uebersicht, deren chronologische Daten gewiss mancher Ver- 
vollständigung bedürftig sind. Als ich die SenatsprotokoUe der J. 1430— 
1500 las, in den J. 1878-1879, war meine Aufmerksamkeit fast nur der Ilan- 
delsgeschichte und den Beziehungen von Ragusa zum Binnenlande zugewen- 
det. Auch in den Testamenten fehlen mir noch Excerpte aus den J. 1430— 
1445 und 1451—1498. Ueber die Kanzler der J. 1440—1460 verdanke ich 
eine Reihe von Notizen der Freundlichkeit des Herrn Professors Jos. Gelcich 
in Ragusa, sämmtlich aus den Libri Maioris Consilii (citirt als: Gelcich). 

ArchiT für slavische Philologie. XXVI. 13 



194 C- Jirecek, 

mia fratribus de Daxa librum ineum soliloquiorum Sancti Isidori et Sancti 
Augustini, ut rogent deum pro me«. Merkwürdig ist die Stelle: »Item volo 
et ordino ac lego Jele et Catharine, seruis meis empticiis, puram et veram 
libertatem secundum usum ciuitatis Romane, cum peruenerint ad trigesimum 
etatis sue annum, et habere debeant pro eorum maritatione ad libr. XXX 
monete Cremon(ensi8) pro qualibet earum«. Epitropi: M. Evangelista de 
Imola und M. Johannes Mathias medici, Ser Delphinus de Taiabobus de Cre- 
mona, socius mens, öer Laur. filius M. Johannis cancellarius, Thomasia uxor 
und einige Cremonesen (Testamenta Notarie 1445 f. 107' — 108'). 

Ser Laurentius de Zuchellis de Cremona 1430 — 1433, ernannt vom Con- 
silium Maius am 10. März 1430 als Nachfolger des Ser Benedictus, zuletzt 
bestätigt 1433 (Gelcich). Noch 1498 liest man von »successori de Lorenzo de 
Zuchellis de Cremona, fo notaro de Ragusi«, im Testament des Ser Dragee 
domini Aloisii de Goze (Testamenta Notarie 1498 — 1503 f. 11). 

Ser Nicolaus de la Ciria de Cremona 1437 — 1440, ernannt 1437. Verfasste 
1440 ein lateinisches Gedicht an Philippus de Diversis, damals Lehrer in Ra- 
gusa, abgedruckt bei Brunelli, Philippi de Diversis de Quartigianis Situs 
aedificiorum etc. Ragusii, Zara 1882 p. 7 — 8 (Carmina per clarissimum poetam 
Nicolaum de Laziria, nobilem Cremonensem, edita super hoc opere, dum in- 
clytae communitatis Ragusij foret cancellarius A. D. 1440). »Non fü ricon- 
fermato 10. IX. 1440« (Gelcich). 

Ser Dalphinus de Tayaiohus {Taiahove) de Cremona 1437 — 1449. Am 
17. September 1442 ist verzeichnet, wie Matchus Goiachouich marangonus »in 
domum illorum de Mislien« gekommen sei, wo er »multa verba inhonestissima, 
iniuriosa et minatoriac der Gattin des Notars Ser Dalphinus sagte; postea 
dixit in cancellaria communis ipso Dalphino, in Anwesenheit der Kanzler 
Ser Stephanus de Soncino und Johannes de Uguzonibus (Lamenta de intus 
1442 — 1443 f. 8). Das »testamentum Ser Dalphiui de Tayabobus de Cremona, 
olim notarii et cancellaiii secretarii Rag., hodie sepulti«, ist eingetragen am 
2. October 1449; genannt werden darin dona Francischina, Nadal e Tadio 
miei cugnati, Ser Zuane cancellario, Zuliano speciaro mio compare, Galiazo 
de Mantoa mio compare (Testamenta Notarie 1445 f. 137). 

Ser Johannes de Uguzonibus de Arimino 1440 — 1454. Schrieb 1440 f. das 
älteste Buch der Aemter (Specchio del Maggior Consiglio): »Johannes de 
Arimino, ciuis Patauinus, immeritus Ragusij cancellarius« (MS. im Archiv 
von Ragusa). Am 13. Februar 1442 wurde dem Ser Johannes de Arimino can- 
cellarius gestohlen ein »bacinus cum brondiuo« (bocale rameum) etc. Am 
6. April d. J. führte er Klage vor Gericht. Radosava fantesca eius war »ad 
marinam ad sugandum pannos«, »extra portam Plocearum«, als Viadna, fan- 
tesca Nixe Obertigh, sie aufforderte »si volebat ire secum ad Anunciatam«. 
Radosava lehnte es ab, weil ihre »domina« einen »puerulum« habe. Da sagte 
Viadna: »Heu tibi misera, postquam tu ita ligata sis apud unum puerulum! 
Non possis ire, quo velis ! Fac ipsum mori ; quum si viuit, tu nunquam re- 
quiem habere poteris. Si tu vis, ego te admonebo, quomodo tu faciliter po- 
teris eum facere mori, et nemo seiet, quomodo mortuus fuerit«. Radosava 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 195 

antwortete: »Jesus, Jesus, quid loqueris in istis sanctis diebas'jl Ego nun- 
quam faocrem ipsum mori, (juiu ipse puer est mihi carus, quantnm oculi moi«. 
Zeuge des Gespräches war Zivauus. famultis Leonis de Vincentia, der dort am 
Strand "custodiebat lanam dumini mei«. Er hürte die Viadna Hagon: »Ego 
cognosco herbam, cum qua tu faceres mori ipsum puerum», und die Antwort 
der Railosava : »Jesus, Jesus, quid tu loqueris! Ego nunquam facerem pro 
vita mea, quia ipse j)uer est mihi carus taiKjuam mcus fratur". Viadna, »11- 
gata ad cordam torture«, gestand aber uiclits ein, und wurde »reniissa ad car- 
ceres" (Lameuta de intus 1441 — 1412 f.TS', llü. Johannes cancoliarius klagte 
im Jänner 1443, Staniza eius fantesca habe auf dem Gang »ad cisternam de 
Soimiorouich (sie)» »uuum situlum de rame nouum valoris ipp. III« verloren 
fLaraenta de intus 1442—1443 f. 105 . Erwähnt noch 145(t und 1454, Mon.hist. 
jur. VII, 1, St; und 2, 83. Auch nach Geicich wioderbestätigt bis 1454. 

Johannes de Ugu^'onibus de Arimino, cancellarius, verfasste ein neues 
Register zu dem Gesetzbuch »Liber Viridis« Pergamentcodex beim k. k. 
Kreisgericht iu Ragusa). 

Hieroni/mtts de Prato am 18. Mai 1440 bestätigt für zwei Monate (Geicich) 
Zur selben Zeit ein Gabriele de Prato, ragionato della camera 1440 — 1441 (id.). 

Ser Stephanns FUschus Soncinensis war Kanzler 1441 — 1444. Es ist der- 
selbe, der den Gesang der »domini camerarii" in den »Diversa Cancellarie" 
1441 durch eine poetische Eintrajrung verewigt hat (abgedruckt im Archiv 
XIX, 37— 38\ Vom 6. März 1444 bis 14.59 war er Rector der Stadtschule (ib. 
XIX, 35, 78). 

Johannes Laurentius Reginas Feltrensis auch Laurentius de Feltre) 1449 — 
1460 (Geicich). Erwähnt im Testament des Ser Egidius 1449 als Ser Laur. 
filius M. Johannis cancellarius. Ein Landsmann war schon früher Arzt in 
Ragusa: Giovanni Mattia di Feltre medico 1441 (Geicich). Seine Gedichte, 
die wir Archiv XXI, 437 — 438 erwähnt haben, hat seitdem Dr. Jos. Karäsek 
im Anzeiger der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien 1900 Nr. XVIIl 
S. 122—123 besprochen, worauf Dr. Milan Ritter voa Resetar einen grossen 
Theil derselben gedruckt hat: Pjesme Ivana Lovra Regina, dubrovackoga 
kancelara XV vijeka, GraSa za povjest knizevnosti hrvatske, kniga 3 (Agram 
1901), 1 — 43. Es befinden sich in dieser Sammlung Gedichte des Johannes 
Laurentius an Stephanus Fliscus Soncinensis, trivium doctor, an Bartholo- 
maeus Sfondratus Cremonensis, cancellarius Raguseus (»collegam suum«, 
Graffa 3, 10) und an dessen Bruder Johannes Sfondratus, secretarius Ragu- 
seus, mit Antworten dieser Männer. 

Ser BarthnUmeus de Sfnndratis de Cremona 1449—1504. War mit Jo- 
hannes Laurentius von Feltre Nachfolger des 1449 gestorbenen Kanzler- 
paares, des Ser Eddius und Ser Dalphinus. Nach den Protokollen des Con- 
silium Rogatorum 8. März 1494 zählte Bartholomeus Sfondratus secretarius 
damals 46 anni »fidelis seruicii«. Bekannt aus den Gedichten des Joannes 
Laurentius Reginus und aus dem Briefwechsel des Franciscus Philelphus. In 
den Stadtbüchem und Urkunden sehr oft genannt, als Zeuge, procurator, 



1) Der Ostersonntag war 1442 am 1. April. 

13* 



196 C. Jirecek, 

tutor etc. Wurde 1491 mit seiner ganzen Familie Mitglied der fratilia S. Ge- 
orgii de Tribus ecclesiis de Gravosio, Mon. bist, jurid. VII, 1, 84. 

Zuletzt fehlte es demPatricier vonCremona auch nicht an ausländischen 
Ehrenbezeugungen. Er war »sacri Lateranensis palatii sacrique Romani im- 
perii baronus, consiliarius et comes palatinus«. Durch ein Privilegium des 
Kaisers Friedrich III., gegeben am 9. Februar 1478 »in opido Gretz«, erhielt 
er dabei das Recht, Notare zu creiren (in quem de imperialis plenitudine po- 
testatis creandorum tabellionum et judicum ordinariorum emanavit auctoritas, 
Div. Not. 1499 — 1500 f. 54) und nichtadelige Bastarde zu legitimiren. Am 
8. December 1489 legitimirte er Franciscus, einen bastardus Dobriechi Ra- 
doucich lanarii (Div. Canc. 1489 f. 46). Am 13. November 1499 ernannte er 
im Palast des Erzbischofs von Ragusa den sacerdos Johannes Simonis de Zu- 
pana, clericus Ragusinus, zum »notarius seu tabellio et judex Ordinarius« 
(Div. Not. 1. c); dieser Priester erscheint dann 1502 als »imperiali auctoritate 
notarius publicus et curie archiepiscopalis Ragusii scriba et cancellarius« 
(s, oben Archiv XXV, 518). Am 17. März 1503 legitimirte Ser Bartbolomeus 
als » comes palatinus« den Matheus, filius naturalis sive bastardus des Johannes 
Pasqualis Xilla de Insula de Medio (Div. Not. 1502 f. 104'). Am 31. August 
1499 erfuhr das Consilium Rogatorum, dass Catharina, filia Ser Bartholomei 
notarii, uxor Radizi Braicouich, mit ihren Söhnen »sub Noui« (Castelnuovo) 
von den Türken gefangen genommen wurde. Im Jänner 1500 betonte der 
Senat, es seien »subditi nostri«. Noch die Protokolle des J. 1501 sind von 
Ser Bartbolomeus geschrieben. Sein lateinisch am 1. Jänner 1502 verfasstes 
Testament ist am 26. Juli 1504 eingetragen (»nuper defuncti«, Testamenta 
Notarie 1503 f. 69' sq.). 

Nach Serafino Cerva, Bibliotbeca Ragusina (MS., c. 1740) war Ser Bar- 
tbolomeus zweimal verheirathet, zuerst mit der Ragusanerin Marussia, Toch- 
ter des Joannes Cotrulli, dann mit Magdalena Paschalis a Pace filia und bat 
aus beiden Ehen zusammen »ad summam« 28 Kinder gehabt, feminas 10, 
mares 18! Cerva citirt nicht die Quelle, aus welcher er diese Nachricht ge- 
schöpft hat. Es wiederholt sie auch Appendini, Notizie istorico-critiche 
suUe antichitä, storia e letteratura de' Ragusei, tomo II (Ragusa 1803), 321. 
Antonius filius q. Bartholomei de Sfondratis, secretarii communis Ragusii, 
wird 1505 (Div. Canc. 1505 f. 33) als »filius adoptivus et successor q. don Ste- 
phan! de Radulino« genannt, des »plebanus Novimontis« (Novo Brdo in Ser- 
bien), als dessen »procurator« der alte Bartbolomeus schon 1498 vor Gericht 
erschienen war. Im März 1522 wurde Antonius auf der Reise nach London in 
der Lombardei von den Franzosen gefangen genommen. Ein anderer Sohn 
Johannes ist 1510 gestorben (Test. Not. 1506 f, 157). Von den Brüdern (Jo- 
hannes s. unten) des Ser Bartbolomeus waren Franciscus, Emanuel und An- 
dreas inCremona zurückgeblieben; es nennt sie Johannes Laurentius in einem 
Gedichte (GraSa 3, 13). 

Aus den Cremonenser Linien des Hauses stammte der Cardinal Nicolö 
Sfondrato, später Papst als Gregor XIV. (1590—1591), geb. in Cremona 1535, 
der nach Serafino Cerva »se Ragusinum civem declarare non dubitavit«. 

Ser Johannes de Sfondratis de Cremona 1451 — 1452, ein Bruder des Ser 



Die mittelalterliche Kanzlei der Kagusaner. 197 

I'artholomeus, erwähnt iu den Gedichten des .loannoa Laurentiu«. Am 
12. Si'pteuiber 1451 las er den italiunischeu Text der Ausschreibung eines 
Preises auf den Kopf des Herzogs Stipan Vukuic, der damals mit Ragusa 
Krieg führte, öffentlich in der Log^^ia. 

Cristoforus Lovuto caucüllariuH 1 154 — 1455 (Gelcich). 

iSer Jacohua Mcrlatus de Marano 1455—1406. Im Februar 1455 wurde 
ihm ein «bacilc" gestohlen, im März 14ü5 eine Kuh, die er »ad socedani" dem 
Ratcho Kadossaglich de Gravosio gegeben hatte (Lamenta. 

Ser David Bocatius [Bochacius, Bucacio) de Placentia, impcriali auctori- 
tate notarius [Theiner Mon. Slav. I, 492), 1458— 14Ü9 sehr oft erwähnt. 

Ser Xetiophoti ritilelphus 1 160 — 1470, der zweite Sohn und Lieblinfrssohn 
des italienischen Humani.sten Franciscus Philelphus von Tolentino und der 
Byzantinerin Theodora Chrysoloras, geb. in Florenz 25. März Mit.'i. Begab 
sich 1460 mit Empfehlungen des Sforza von Mailand nach Kagusa und hei- 
ratbeto dort, ohne Einwilligung seines Vaters. Nach Appendini, Notizio iato- 
rico-critiche 11,320, war seine Frau die Ragusanerin Giacomina Turcinouich. 
In der Kanzlei war er Nachfolger des Johannes Laurentius von Feltre. Als 
Kanzler von Ragusa wurde er oft zu diplomatischen Missionen verwendet: 
im Sommer 1461 zu König Ferdinand von Neapel, den er bei Barletta antraf, 
1463 zu den Herzogen von Mailand und Modeua, 14G6 im März nach Cattaro, 
im October nach Curzola zu den Venetianern, 1407 nach Ferrara. Starb in 
Ragusa am 17. August 1470, erst 37 Jahre alt. Eine Monographie: F. Ga- 
botto, Senofonte Filelfo a Ragusa, Archivio storico per Trieste, l'Istria e il 
Trentino, Roma — Firenze IV (1890), 132—138. 

Der älteste Bruder des Xenophon, Gian Mario, verfasste nach dem Tode 
des Kanzlers eine lateinische »Ragiiscide« inHcxametern und eine Geschichte 
von Ragusa, beides mit ital. Uebersetzung, gewidmet dem Senat von Ragusa, 
wie wir aus den Archivbüchern wissen, im J. 1475 (Archiv XIX, 43). Diese 
Werke enthält ein Pergamentcodex der kgl. Bibliothek von Parma, Nr. 243 
(96 foU.;. Darüber eine Abhandlung: »Della Raguseide e Storia di Ragusa. 
Opere inedite di Gian Mario i'ilelfo. Memoria del Sac. Nestore Pelicelli, 
Parma, tip. M. Adorni di L. Battei 1902«, 36 pp. in klein 8" (gedruckt »alle 
nozze« des Giuseppe Benadduci di Tolentino con la contessa Maria Teresa 
Ferretti di Ancona; mir mitgetheilt durch die Güte des Herrn Dr. M. von 
Resetar). 

Xenophon's Sohn Petrus wird noch lauge in Ragusa erwähnt. Am 
15. Juli 14S4 klagte Nicolaus Clementis de Restis gegen »Petrum filium Se- 
nophontis, quia percussit eum cum uno coltello supra raanura dextram cum 
sanguinis effusione«, »ad apothecam Ser Johannis Nie. de Gondulao. Nach 
der Aussage der Zeugen hat Nicolaus angefangen, »bis percussit cum manu 
in facie«, worauf es ihm Petrus »cum coltello« vergalt. Nicolaus zahlte 
6 Perper, Petrus 25 Perper; beide sassen einen Monat im Kerker (Lamenta 
de intus 1484 f. 172, Registrum condemnatiunura 1481 — 1521 f. 21'). Am 
20. Jänner 14".>u stellten die »officiales de cazamorti« Petro olim filio Xeno- 
fontis und Anderen eine Geldstrafe von 100 Ducaten und 6 Monate Kerker 
in Aussicht, wenn sie in verseuchte Länder, »suspectos et infectos causa 



198 C. Jirecek, 

morbi« reisen (Div. Canc. 1489 f. 64). Am 7. November 1504 ist ein Vergleich 
zwischen Marinus Florii und Petrus Xenophontis verzeichnet (Diversa Notarie 
1504 f. 12). 

Ser Silvester Petronius aus Cremona 1486 — 1502. Sein Sohn Mattheus 
Silvestri Petronii cancellarii hat 1510 den Hieronymus de Sfondratis in der 
Kanzlei vertreten und später für die Ragusaner Gesandtschaftsreisen unter- 
nommen, 1515 nach Ungarn, 1516 nach Rom. 

Ser Marcus de Regio oder mit vollem Namen Ser Marcus de Alhinca 
Regiensis (so im Testament des Dionys de Victoriis 1500, s. unten) 1487 — 1527. 
Im J. 1506 erscheint magister Marcus an erster Stelle unter den Kanzlei- 
beamten der Republik. Am 25. October 1509 heisst es, Ser Marcus Regiensis 
sei krank und alt, «pigro ad poter cussi presto et velocemente scrivere«, 
wesshalb sein Sohn Antonio ihm zu Hilfe genommen wurde (Cons. Rog.). Aber 
Ser Marcus erholte sich und wird noch lauge erwähnt, zuletzt am 4. Februar 
1527 (Div. Canc. 1526—1528 f. 137). 

Ser Johannes Francisci Silva?ii de Macerata [Macer atensis, de Maceriis 
Picentum) 1493 — 1512. Unternahm auch Gesandtschaftsreisen, wie 1499 nach 
Rom, 1502 und 1503 nach Venedig, 1510 und 1512 abermals nach Rom. Im 
Juli 1507 wurde er in die Heimath beurlaubt, um dort eine Tochter zu ver- 
heirathen; es vertrat ihn inzwischen sein ^ohxi Francesco. Sein Testament 
wurde am 22. Juni 1512 eingetragen; erwähnt werden uxor Deianira, filii 
Franciscus et Jacobus, ein Grab in der Franciskanerkirche und »bona in 
agro Piceno in Marchia« (Testamenta 1512 — 1516 f. 35). Sein Sohn wurde 1518 
einer seiner Nachfolger. 

Ser Hieronymus de Sfondratis de Cremona 1494 — 1525 (ein Sohn des Ser 
Barth olomeus?). Matthio de Silvestro (Sohn des Kanzlers Silvester Petro- 
nius), der ihn 1519 während eines Urlaubs nach Cremona vertrat, wird als 
sein »nepote« bezeichnet. Am 11. August 1514 beschloss das Consilium Ro- 
gatorum de habendo pro fallitis Ser Hieronymum de Sfondratis et Danielem 
de Parma, notarios nostros, pro errore commisso causa eorum super expe- 
ditione bulle abbatie Melitensis; sie mussten den Schaden ersetzen, expensas 
in secunda expeditione et confirmatione dicte bulle abbatie Melitensis. Die 
Senatsprotokolle sind von Hieronymus geschrieben, mit einer eckigen Fraktur- 
schrift; sobald von ihm selbst die Rede ist, erscheint eine andere Hand, die 
z. B. 1521 eine runde Antiqua schreibt. Sein Testament ist registrirt am 
25. August 1525 (Testamenta Notarie 1525 — 1527 f. 96'); darin werden erwähnt 
die Söhne Benedictus, Bartholomeus (starb in Ragusa 1533), Baptista (f 1542), 
die Töchter Maria, Verunica, Aniza, Franca, ein Haus mit Grundstücken in 
Gravosa und ein Besitz »in agro Cremonensi«, der dem erstgeborenen Bene- 
detto zufiel. 

Ser Dionysius de Victoriis Faventinus, civis Bononiensis 1499 — 1500. Sein 
Testament, datirt am 17. April 1500 (Testamenta Notarie 1498—1503 f. 68'), in 
welchem die damaligen vier Kanzler (die drei Cremonesen, nämlich beide 
Sfondrati und Silvester Petronius, sowie Marcus Regiensis) und Daniel Par- 
mensis, rector scholarum, als Zeugen genannt werden, erwähnt seine Frau 
Jacomina, die er in Ragusa geheirathet hatte, und »unam metalleam de auro 
cum ymagine Alexandri Imperatoris, quam emi a Marino pictore (de Catharo) 



Die mittelalterliche Kanzlei der Kaf^usaner. 199 

pro ducatis diiubus et grossis quattiior«. Sein Hruder MDr. mag. Aotonius de 
Victoriia de Faveutia war Stadtarzt vou Kagiisa. 

Don Marinas Marinchi {de l'torio), ein Kagusaner, Subn des slavischen 
Kanzlers MarinkoCvietkovid, war »coadiutor caucullarie« seit iS.October 15U3, 
während der Abwesenheit des Jolianues Öilvani in Venedig, wurde aber 1504 
zum Kector der Stadtacluile ernannt (Archiv XXI, 4.f-J— 433). 

Lucas Fasquali.t de Priino, ein Ka-^usancr, am \'J. Jänner 1504 an Stelle 
des Don Marinas zum Coadiutor bestellt, blieb seitdeu) Kanzler bis zu seinem 
Tode am 26. September 15'J4. üeber seine Familie und seine Frojecte, eine 
Buchdruckerei zu gründen, vgl. Archiv XXI, 432 f. Schrieb auch cyrillische 
Urkunden, ib. 502, 518. 

Daniel Clarius Parmensis oder mit vollem Namen sogregias et doctus 
vir Daniel Cluriniuntlus Parmensis, filins olim cgregii viri Melchioris de 
Clarimumlis de Parma« il497, Div. Not. 14'Jt; f. 84). War zuerst Kector 
der Schule 1485 — 1505, wurde am 27. Februar 1505 zum Notarius et Can- 
cellarius ernannt. Aldus Mauutius widmete ihm 1498 die Editio princeps 
des Ariatophanes i Archiv XIX, 35 — 36,78). Seine zitternde, schwer leserliche 
Schrift vgl. in den Div. Canc. 1514. Am 20. September 1522 beschloss das 
Consilium Rogatorum, mit 24 gei,'en 12 Stimmen, dem Consiiium Malus seine 
Neubestätigung nicht zu empfehlen ; am 1 1. October d. J. wurde mit 22 gegen 
18 Stimmen beschlossen, iim nicht zu unterstützen, obwohl er ungefähr 42 
Jahre als Schulrector und Notar der Gemeinde gedient habe. Daniel starb 
am 5. October 1523; das Testament, am folgenden Tage eingetragen ;heri 
defuncti;, nennt Flora uxor, Paulina filia ;Testamenta Nntarie 1519 — 1524 
f. 173'). — Indessen schrieb der Senat im Juni 1519 an JUDr. Stephanus de 
Sfondratis in Cremona und im Februar 1521 an Pietro Soderini, mit der Bitte, 
einen Kanzler und einen Kt ctor scholarum für Kagusa aufzunehmen. 

Autoitiiisßlius Marci liegiensis vertrat 1509 seinen Vater in der Kanzlei. 
Wir finden ihn wieder im December 1515, als Lucas de Primo krank war. Im 
Juni 1519 wollte man ihn nicht zum Coadiutor bestellen, aber am 20. August 
d. J. finden wir ihn dennoch wieder in der Kanzlei, ebenso im Dccomber 1523 
abermals als Coadiutor. 

Ser Bernardinus Gasparis de Pisuuro 1513 — 1515. Kehrte im Mal 1515 
nach Hause zuück, ad instantiaui Illustrissimi ducis ürbini (Cons. Rog.). 

Ser Franciscus Jlasius Felirensis, erwähnt im März 151G (Cons. Rog.). 

Ser Joannes Petrus Vicentinus 1518. Ein leidenschaftlicher Mann, wollte 
am 13. April d. J., -accensus colera et indignatione pro quadam iniuria sibi 
facta», fortgehen, »presentavit in minori consilio claves cancellarie«, aber am 
16. d. M. »petiit veniam et misericordiam tiexüs genibus in minori consilio«; 
am 1. Juli ist seine Abreise verzeichnet, »rediit domum« (Cons. Kog.). 

Mariitusßlius Fraiicisci Marini de Menze, ein Ragusaner, Sohn des Ge- 
richtskanzlers Fr. de Menze, wurde am 15. Juli 1518 mit 40 ypp. jährlich als 
Coadiutor in der Kanzlei ernannt iCons. Rog.); ist sonst als Repetitor der 
Stadtschule bekannt (Archiv XXI, 462;. 

Francisctis ßUns quondam Johannis Francisci Sylvani de Macerata oder 
kurz Franciscus Si/lvanus 1518 — 1529. Vertrat 1507 seinen Vater. Wurde 
1516 an Stelle des Vicentinus berufen. Reiste 1519 nach Macerata, um seine 



200 C. Jirecek, 

Familie abzuholen, 1524 als Gesandter nach Rom. Vgl. die Urkunden, Starine 
Bd. 17, S. 9. Als Secretär der Eepublik in alle Geheimnisse eingeweiht, cor- 
respondirte er insgeheim mit den Venetianern. Seine eigenhändigen Briefe 
wurden abgefangen und ihm überdies die Unterschlagung öffentlicher und 
privater Gelder nachgewiesen: »lo fecero metter in pregione, dove fu ucciso 
con un' accetta (mit einem Beil) in capo, da traditore, addi 19 di maggio« 1529 
(Annalen des Ragnina bei Makusev, 'KacJiin.OBa.ma 061. HCTopuqecKHxt naMST- 
HHKaxi. ilyöpoBHHKa 389 und in der Ausgabe von Nodilo, Mon. spect. historiam 
Slavorum merid. Bd. 14, 282). Sein Testament ist eingetragen in den Testa- 
menta Notarie 1528 f. 66' sq. 

Petrus Martyr Dulcius Cremonensis 1520 — 1522. 

Bernardinus Balneus Aquilanus (de Aquila) 1522 — 1523. 

Belisarius de Mattheis de Sulmona doctor, im Jänner 1523 zum Kanzler 
ernannt; kam früher als päpstlicher Gesandter nach Ragusa. 

Hieronymus Proculimius de Antibaro 1523 — 1526, aus einer Patricier- 
familie von Antivari. 

Ser Tobias de Sirtis [Syrtis) Lucensis, genannt in Notarialurkunden 
1525—1550 1). 

Ser Laurentius de Gig mitibiis Lucensis, als Cancellarius 1531 — 1546 er- 
wähnt. Besass ein Haus mit Garten »ad Pillas sub canali aqueductus«, das 
er 1536 an Nicho f. q. Hieronymi de Cotruglio vermiethete (Div. Canc. 1535 
f. 248). Im J. 1538 kam er in Curzola mit dem Kanzler dieser Stadt, dem sla- 
vischen Dichter Michael Peregrinus (Pelegrinovic) zusammen (Archiv XXI, 
481). Noch 1582 correspondirte Ragusa mit Florenz »sopra le cose del Gi- 
gante, loro secretario« (Makusev, Monumenta 1, 512 — 513). 

Ser Licinius Cotta notarius, defunctus peste, vermachte in seinem am 
1. Juli 1533 eingetragenen Testament alle seine Bücher seinem CoUegen 
Parisio. 

Ser Petrus Francisci Parisius Mediolanensis, erwähnt 1533 f. Auch 1564, 
Mon. bist, jurid. VIT, 2, 17. Pierfrancesco Parisio Milanese, segretario von 
Ragusa noch 1570 nach Appendini, Notizie II, 323. 

Ser Marinus Joaimis de Sfondratis, genannt um 1533 — 1554. Vgl. Sta- 
rine Bd. 17, S. 12f. 

Marcus Sylvius oder Sylvanus notarius 1542 — 1548, vgl. Starine Bd. 17, 
S. 12 f. 

Marinus de Zizerio cancellarius, ein Ragusaner, erwähnt 1558, Testa- 
menta 1555 f. 127'. 

In der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts erwähnt Appendini (11,319) 
die Brüder Aurelio und Giambattista Amalteo aus Oderzo bei Treviso, be- 
kannte lateinische Dichter der Zeit. Aurelius Amaltheus 1562 — 1569, Mon. 
hißt, jurid. Slavorum merid. VII, 1,129, 155 und 2,33; derselbe als cancellarius 
und Johannes Baptista Amaltheus als notarius 1558, Starine Bd. 17, S. 16. 



1) Die wenigen folgenden Notizen über die Kanzlei nach 1527, meist aus 
den Testamenten, füge ich trotz ihrer Dürftigkeit bei, um zu zeigen, dass die 
Kanzler auch in dieser Zeit meist Italiener waren. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 201 

Appendini nennt noch nach 1600 als Italiener den Criatoforo Giyliati, 

' ( lii'ccbe ne dicuuo gli scrittori Rupusei, pure ItuHutio« 11,323 . »Cristufauo 
(ii^liuti notaru" im Testaim-ut des lliatorikers Luccari lG15(Copioso rißtrotto 
duf^li aiinali di Ka^^iisa, Kaj^usa IT'JO, Vorrcdi! p. XXI). Christuplioru» I.ilia- 
tU8 notarius und Mariuus de Staji» ein Kagiiaaner) uecretariuB 1(JÜ5, Ljubic, 
Starine Bd. 15, S. 25. 

B. Slaviöclie Kanzlei. 

Stoianua Je (^epre (Zeprv aus t'int'iu Patriciergeschlechte, wird als slavi- 
scher Schreiber 1312 und 131'.t ausdrücklich f^enanut. »Copia scripta pur 
Stoianum« einer «povelja« tif.s Kf;. Uros II. i.Milutiu , 15. Dcceuibcr 1312, l'ucic 
II, 1. Beschiuss des Consilium minus l'J. Februar 1319: «Item in codem con- 
silio captum fuit et obtentum, quod camerarii cummunis de ancre communis 
dent et soluant Stoiano de Tepre pro sua inercede licterarum sclauonarum, 
quas scripsit, pp. VIII« fLib. Ref. 13is, Mon.Rag. V, 135, wo fjeppo für (^cjjre). 
Im September 1323 Hess Stoianu.s de Qerep sie) einen für »sir Stoiano Rau- 
gino« lautenden Schuldbrief aus Antivari von 1311 im Buche Div. Canc 1323 
registriren. 

Stephanus (oft Stepan, de Bincola, {j'Vl\\M\W llCHM^AHKk, auch ein 
Patricier, 1313 und 1332 als slav. Kanzler bezeugt. Das Consilium malus er- 
nannte ihn am 29. Juli 1313 zum »notarius communis in sclauanesco", »cum 
illo salario et illi.s conditionibus, cum quibus fuerunt alii, qui fuerunt in dicto 
officio", mit der VerpHichtun^r. im Laufe des August auzutreteu und den Eid 
abzulegen Mon. Rag. I, 30 . In dem Vertrage mit Ban Stephan von Bosnien 
1332 Miklosich, Mon. serb. Iu2— 3; wird er als rp.\MaTHKk VVOKHHC ,\iJ- 
BpOliaMKC bezeichnet. Sonst wird Stephan de Bincola 1283 — 133tJ sehr oft 
erwähnt, als Mitglied der Rathscollegien, Fontecarius, Justiciarius, Salinarius, 
Richter, »aduocator maioris curie«, Advokat von Privatpersonen, Kaufmann 
an der Narentamündung, Mitbesitzer von Schiffen u.s.w. (vgl. die Indices der 
Mon.Rag.). Im J. 1322 intervenirte er als Advokat der Stadt bei einem Stanak 
mit Zupan Poznan (Mon. Rag. I, G4;, 1326 war er als Gesandter bei Ban Ste- 
phan in Bosnien Mon. Rag. V, 196 — 197\ 1331 bei dem bosnischen Vojvoden 
Roger. Sein Vater war Vitalis de Bingola, seine Gemahlin Bella, Tochter des 
Mariuus de Sorgo; er hatte einen Sohn Lucas, einen anderen clericus Jnnius, 
eine Tochter Deia (pulcella, Nonne und 1326 zwei Schwiegersöhne, Nicho 
filius quondam Vite de Baraba und Nicho de Vitagna ;Mon. Rag. V, 206, 207), 
Gemahl der Jacobiga, der aber schon 1330 gestorben war Diversa). 

Jacobiis [Jache, Nicole de Crosio, notarius, cancellarius, scribanus scla- 
uonescus (noder sclauonescho) 1340 — 1347, ebenfalls ein Patricier. Zuerst in 
diesem Amt 21. Februar 1340 (Div. Not. 1339; bei Pucid II, 47 der Name ganz 
entstellt, im Orig. »per Jacobum Nicole de Crosio, notarium sclauonescum«). 
Dann 1342 Pucic II, 16, 17\ 1346 (Mon. Rag. I, 212,, 1347 im Buche »Diversa 
Cancellarie« 1347, in welchem auch Copien serbischer Urkunden von seiner 
Hand erhalten sind. Sonst schon seit 1301 erwähnt (Mon. Rag. V, 16 ff.), oft 
als Besitzer eines Schiffes, als Salinarius (1331 , Doanerius, als »capitaneus 
custodie« in der Stadt (1332) und als »officialis super vinum«. 



202 C. Jirecek, 

Giue {(^iue, Joha7ines) de Parmesano (Parmessano) oder Parmigiano, 
noder achlauonesco, scribanus communis in sclauonesco Aug. 1348 — 1363. Am 
18. Juli 1348 ertheilte das Consilium maius dem Comes die Vollmacht »acci- 
piendi unum notarium scientem linguam sclauonescam, propter scribere li- 
teras sclauonescas et eisdem respondere«. Am I.August wurde Zive vom 
Minus Consilium zum »scribanus ad scribendum et legendum literas sclauo- 
nescas« ernannt, mit einem Jahresgehalt von 30 Hyperpyren, der 1349 auf 40 
erhöht wurde (Mon. Rag. II, 32, 34). Die von ihm 1349 — 1356 in den Diversa 
copirten (schöne Schrift) und übersetzten Urkunden siehe bei Pucic und im 
Spomenik XI, 26 f. Im August 1362 begleitete er die ragusanische Ge- 
sandtschaft zum Garen Uros. Am 13. October 1363 werden die Pitropi s^nes 
Nachlasses genannt: Tuodorus cancellarius und Nicus de Bielle. — Seine Be- 
nennung ist etwas verworren durch den abwechselnden Gebrauch patrony- 
mischer und metronymischer Bezeichnungen. Sein Vater, Stephanus de 
Parma, starb vor 1319. Zive heisst desshalb Giueßlius quondam Stejjhani de 
Parmessano (Div. 1347). Seine Mutter Bella (Bella, uxor olim Stepani de 
Parma 8. Mai 1319 im Lib. Ref. 1318) oder Biela heirathete darauf den Micoe 
de Dragan, der aber bald starb. Desshalb heisst Zive mitunter auch metro- 
nymisch (^iue de Biele. Sein Halbbruder und später Nachfolger im Amte wird 
nach Vater, Mutter oder Bruder verschiedenartig bezeichnet: Nicus filius 
quondam Micoe de Dragan (Div. 1352), Nicus Dragani, Nicus filius Biele, Nicus 
frater Giue de Parmigiano oder »Nichus de Biele, frater uterinus Qiue de 
Biele« (seine tutores 27. Jänner 1360, Lib. Ref. 1359). Die Brüder besassen 
auch Ländereien in Breno und auf der Insel Juppana. 

Nicus de Biele, Nicus Dragani, HhkO u'KAHKk, scribanus sclauoni- 
cus, scriuan scauonesco (sie), ;l,HI<IKk CpkflCKH (1364 Spomenik XI, 33) Juli 
1363 — 1367. Das Consilium maius ertheilte am 10. Juli 1363 dem Rector die 
Vollmacht »unum scriptorem sclauicum pro cancellaria Ragusii« zu finden, 
worauf das Consilium minus an demselben Tage den Nicus de Biele zum 
»scriptor sclavicus« ernannte, mit dem Gehalte, wie ihn »Give, frater eins« 
bezogen hat (Mon. Rag. III, 275). Am 9. November 1364 wurde »Nicus Dra- 
gani« mit dem Gehalt seines Bruders weiter bestätigt (Mon. Rag. IV, 35). Am 
10. October 1366 wurden »Nico de Biele, scribano sclauonesco« für 1 Jahr 
60 Perper gegeben (ib. IV, 57, wo aber de Bielen gedruckt steht). Einige 
von Nicus copirte und übersetzte Urkunden siehe im Spomenik XI, 33, 34. 
Zuletzt erwähnt im August 1367 i). 

Utiesenus Tichoslauich, cancellarius sclauonicus, cancellarius literarum 
sclauicarum, scriba sclauicus, dyach 1370 — 1372. Am 5. März 1370 nennen 
Chanussius Saxinouich und Maroe Mleya als ihre Schiedsrichter die Patricier 
Saucus de Poga und Andreas de Bingola und »Vtesenum dyach«, Div. Canc. 
1369. Am 21. Jänner 1371 führt »Vtiesenus Tichoslauich, cancellarius litera- 



1) Am 24. Jänner 1364 beschloss das Consilium minus die Anlage eines 
Quaterns für die slavische Correspondenz : «quod omnes litere sclavice, mit- 
tende a comuni Ragusii, que videbuntur domino rectori et parvo consilio re- 
gistrande, quod debeant registrari in uno quaterno« (Mon. Rag. IV, 6). 



Die mittelalterlicho Kanzlei der Ragusaner. 2U3 

rum sclauicarum« vor Gericht eine Klage, «Bratouinus, presbiter sclauichus, 
frater uieus« also ein Geistlicher der ürientnlischen Kirche) eei von Piraten 
beraubt worden, Lam. de foris 1370 — l'M'.i. Ultimo iiinii VM\ »\'tiesenu8 
chancellarius aclauonicus« Zeuge bei deui I>ifl>»tiilil eines Hootes (ib.)- Am 
1. März 1372 erscheinen die "epitropi VticBseiii olini cnncelhirii sclauoniri 
communis Kagus'ii , Sergulua de lioguno oder Hogunouich 'ausCattaroi und 
Milossius de Sorento. Am !!♦. Juni d. J. erhielt »Hrntouin frater quondam 
Vtiesseni scribe sclauici« von »presbitero Petro Schipuder de Driuasto et 
Sergulo de Hoguno, epitropis dicti Vliesseni. pro Icgiito facto matri sue 
cohopertoriuni unum, lintheauien unum, biclnm (?) unum et unam sclauinain 
pilosam« (Div. C'anc. 1371)1). 

Vidosniu^s, J'idosiiis de Curcnla, Vidos lioijdanich de C'orcolu, IlM,\OllJK 
1372 — 1376, Dec. 1387 — 13yu scribanus, caneellariuB scIauoDeschus, sclaaicus. 
Wahrscheinlich identisch mit dem 5. Febr. 1386 erwähnten Vidos jilius Bor;- 
dani de Cttrcola et nunc hahitator Ra(jusii (Div. Canc. 13H6). Zuerst genannt 
penult. aug. 1372 als Zeuge bei einer Rauferei vor dem Castellum (Lam. de 
intus 1372 — 137-1), dann ti. Nov- 1372 als Käufer eines Mantels (clamis, Div. 
Canc. 1371 , 19. Mai 1375 als Miether im Hause des Ja.\a Hlius cum Nicole 
Albauensis um 5 Perper jährlich (Div. Canc. 1376), ult. octobris 1376 als an- 
wesend bei der Auszahlnng des serb. Tributes (ib.). 

Sodann taucht er erst nach einem Intervall von 11 Jahren wieder als 
slavischer Schreiber auf. Nach einem Heschluss des Consiiiuiu minus vom 
7. December 13S7 vertrat Vidosius de Cur^ola den Schreiher Marinas wäh- 
rend des Urlaubs desselben und blieb in dem Amte nach dem Tode des Ma- 
rinus, verzeichnete am 1. October 1388 ein Schreiben an den Kefalija von 
Novo Brdo in die Rathsbücher (Pucic II, 31), 1389 desgleichen ein Schreiben 
des Königs Tvrtko ib. 33) und wird am 22. November 1390 zum letzten Male 
erwähnt, als Pächter der »doana piscarie« auf der Insel Juppana Div. 
Canc. 1389). 

Das »Testamentura de Vidos, scriuan sclauonesco", datirt vom 6. No- 
vember 1391, wurde am 1. December d. J. eingetragen in den Papiercodex 
der »Testamenta 1391—1402«, f. 10: »lo Vidos Bogdanich de Corgola, scriuan 
sclauonesco, infermo del corpo« etc. Legat an »S. Lucha de Cor^ola, ch'e 
fora dela terra« 4 Perper, »che li se cun^a alguna casa per anima de Lucha 
Siruliich et per anima niia«. Unter den debitorcs werden Niegoie pescador 
u. A. genannt. Verwandte : f'anin frar mio, Marin fiol de Zanin. »Ben! mo- 
beli e stabili« in Ragusa und Curzola vermacht er »a Miliga mujer raia et alle 
mie fiele Nicoleta e Tomasina« und empfiehlt «pensar cum conseio de altri 
parente a maridarle«; erwähnt wird auch der »caso, se Mili^a se uolese ma- 
ritare«. »Mio patrino don ^'oan« erhält 1 Perper. Erwähnt wird auch die 
»frataya d'Ogni Sancti de Corgula«. Pitropi sind: luan Metiglauich sartor, 
Miliga vxor mia, Marin soxero mio. — In dem ältesten Amtsbuch von Curzola, 



1) Auf diesen Bratouin bezieht sich vielleicht der Anfang eines Con- 
ceptes auf einem Papierblatt, liegend im Buche Lamenta de intus 1372 — 1374: 

V KpaxS MH KaAöriepS no3^paBA(«)HH(f). 



204 C. Jirecek, 

jetzt im k. k. Statthaltereiarchiv in Zara, wird 1396 eine Miliga, filia condam 
Bratoslaui et uxor condam Ser Vidossii Bogodanich erwähnt, mit ihrer Tochter 
Nicoleta und deren Gatten Ser Joannes Stoiacouich. — Ganz verschieden ist 
der gleichzeitige Corzulaner Patricier Ser Vidossius Peruoslauich. 

Maroe [Marinus] Nichlich, M.apiV£ 1379—1387, -]- 1388, scribanus scla- 
uicus, sclauonicus. Beschluss des Consilium minus am 4. März 1379 »de do- 
nando Marino scribano sclauico pro labore, quem habuit ad scribendum et 
bullaudum homines omnes extra Raguaium yperpyros decem« (während des 
Krieges). Im April 1379 copirte er in das Buch der Diversa eine Urkunde 
des Balsa (Spomenik XI, 38). Das Consilium maius bestätigte am 11. Juni 
1379 den Marinus scribanus sclauicus wieder auf ein Jahr (Mon. Rag. IV, 256, 
wo irrthümlich Martinus für Marinus gedruckt ist). Im Consilium minus am 
16. März 1383 wurde beschlossen »de dando Maroe scribano sclauonico pro 
copiandis lamentationibus in sclauonicho et pro eo, quod fuit ad stanichum 
nunc nouiter, yperpyros tres«. Am 20. Febr. war nämlich in Eagusa »et in 
nostris §opis« (jKSna) durch die Herolde verkündet worden, dass sich alle 
von den Leuten des Königs von Bosnien und Eascien beschädigten Eagusaner 
vom nächsten Sonntag an »ad sanctum Hylarum de Molendinis ad stanicum 
ad utendum suis iuribus« einzufinden haben. Maroe scribanus sclauicus 
wurde am 5. Februar 1383 wieder auf ein Jahr bestätigt, aber im Frühjahr 
1384 durch Rusko vertreten, erscheint aber wieder im August 1386. Er las 
im Consilium maius am 9. April 1387 den Text des Vertrages mit dem König 
von Bosnien vor, den der grosse Rath annahm, »secundum formam et tenorem 
literarum seu scripture, nunc in consiiio presenti per Marinum scribanum 
sclauicum lecte in lingua sclauica« (es ist die Urkunde bei Miklosich, Mon. 
serb.p.209 — 212). Am 25. September d. J. erhielt Marin die Erlaubniss, »quod 
possit se absentare pro tribus mensibus«; am 7. December wird Vidos von 
Curzola als sein zeitweiliger Vertreter genannt. Von seinem Tode erfahren 
wir aus einer unklaren Notiz vom 18. Mai 1388: »Marinus de VulQigna in mi- 
nori consiiio factus fuit consul in Rudn(i)c ad petitionem Ser Micaelis de 
Martinussio /^er mortem Maroe scribani sclauici, qui secum sumat duos Ragu- 
seos in iudices dicta de causa«. Es ist nicht klar, ob er in Rudnik um's 
Leben kam oder ob es sich nur um die Sicherstellung seines Nachlasses han- 
delte. Sein voller Name ist erwähnt im Liber debitorum 1380, 27. Juli 1383 : 
^Muroe Nichlich, scribanus sclauicus communis Ragusii, etPetrus A^icÄ/tcÄ,frater 
dicti Maroe« zahlen dem Nie. de Gondola 141 ducatos auri binnen 3 Monaten. 

Ituschusßlius magistri Christophori physici, Ruschoßlio de maystro Cri- 
stofalo physiche, PöCKO CHHL MtL|jpa KpHCTO$a/\a, KpHCT04>C>pa A'k- 
Kapa (Pucic II, 34, 36), PSCKO KpHCTO^aHOBHKk (Spomenik XI, 41), 
scriba, scribanus sclauicus, scriuan sclauonesco, später notarius, canzellarius 
sclauus, sclauichus, cancellarius literarum sclabarum, cancellarius sclauici 
ydiomatis, slavisch nur aorW^^^T'^ ;»,SßpOBfckHKH 1384, 1392—1430. Der 
bedeutendste Mann unter den slavischen Kanzlern von Ragusa, mit schöner 
Handschrift. Das ganz von seiner Hand 1395 — 1423 geschriebene Copiar hat 
Pucic herausgegeben. Nach einer Notiz in einem Gerichtsbuche besass Rusko 
Hristoforovic auch einen slavischen Psaltercodex. Am 9. Mai 1414 klagte 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragrasaner. 205 

Ruscho cancellariuB vor Gericht, Marcbus eins famulas Btacionis habe ihm 
gestohlen (furtiue cxportauit de domo; »nominatim unum salterium in Hngua 
sclatticha et unum raminum raniinis turcheschum» etc. (Lilier mHk'iicioruiii 
1412 — 1415). Es wird nicht ;:c3agt, in welcher Schrift der Psalter geschrieben 
war. Klarer ist die Schrift angegeben in einem gleichzeitigen Testament des 
presbiter Nicola Migostich seu Millogostich vom 27. October 1419: »Item 
lasso a pre Niecola de Anthonio uno euangelistarin schiauo de letera latina« 
(Testamenta Notarie 1418 f. 18 ;, Rusko's Vertrautheit mit den Wendungen der 
Kirchensprache ist in seinen Entwürfen und Einzeichnungen oft klar zu 
sehen, wie er sich auch paKK KC>>KH unterschreibt. Die Saniu)lung von 
Daten über seine fast 4ujährige Amtsthätigkeit bei l'uciö ;I, p. XXXI — 
XXXIV) kann aus den Kaths- und GerichtsbUchern vervollständigt werden, 
wie denn Rusko bei der Vorlesung von Entwürfen der Schreiben an die 
Nachbarfürsten im Senate und bei anderen Kanzleigeschäften sehr oft er- 
wähnt wird. 

Sein Vater war magister Christophorus oder Christophalus, ein Arzt 
aus Benevent, 1360 — 139H im Dienst von Kagusa; am 13. October 1399 er- 
nannte das Consilium minus zwei »tutores et gubernatores M. Xpoforo. qui 
propter senectutem non est bene in mente sua«. Das Testament »magistri 
XpoforJ phisici de Beniuento", verfasst am 17. luyo (sie) 1399, ist eingetragen 
am 5. März 1400 in den Band der Testamenta 1391 — 1402. Er besass Grund- 
stücke, die er von der Adeisfamilie der Bucignolo gekauft hatte, und ein 
Grab bei den Dominikanern predicatorii von Ragusa. Einen Kelch (challixei 
vermacht er »a S. Aliexandro de Albania«. Rusco erhält 300 Perper. Genannt 
werden: Giucho, filio de Micho^ mio filio; OrsoUa fiiia, Marussa filia, Pissella 
fioUa mia bastarda, che e in Pulglia, Pripna seruicial, Ostoia fante, Don Ni- 
chola Rebecha. Die Mutter des Ruscho war höchst wahrscheinlich eine Ra- 
gusanerin. Rusko erscheint zuerst 11. Mai 1384 als »scribanus curie mino- 
ris", mit dem Auftrag, den Marinus scribanus bis zu dessen Rückkehr mit 
einem Gehalt von vier Perper monatlich zu vertreten. Im J. 13S9 wird er als 
Kaufmann mit Seide in Apulien erwähnt. In den Protokollen des Minus Con- 
silium ist am 2. Jänner 1392 verzeichnet: »Ruschus filius magistri Xpoforj 
physici assumptus fuit pro scribano sclauico« auf ein Jahr, mit der Verpflich- 
tung, auch bei der »parua curia« zu schreiben. Sein Salarium, ursprünglich 
80 Perper jährlich, wurde 1395 auf 160, 1418 auf 180, endlich 1420 auf 220 
Perper erhöht. Daneben bezog er 30 Perper »pro affictu domus». Oft bekam 
er auf 1 — 2 Jahre Vorschüsse, gegen Bürgschaft, so 1398, 1410, 1412, 1417, 
1419, 1421 U.S. w. Im J. 139S (Cons. min. 5. Febr.) wurde für die slavische 
Kanzlei ein eigenes Lokal eingerichtet: »accipiendo ad affictum stacionem 
sub domo S. Saluatoris iuxta logiam, pro officio canzellarie pro nostro can- 
zelario sclauo«. Im November 1409 reiste Rnsko als Gesandter von Ragusa 
zu Ostoja, König von Bosnien, um Bestätigung der Privilegien. Seit Juni 
1420 schrieb er provisorisch auch die »Lamentationes", »propter penuriam et 
incommodum cancellariorum«. Er starb im Sommer 1430. Das Consilium 
malus ertheilte am 29. August 1430 dem Rector mit dem Consilium minus die 
Vollmacht »invenire unum cancellarium de littera sclaua, loco Ruscbi ma- 



206 C. Jirecek, • 

gistri Xpoforj nouiter defuncti«. Als Ragusa eben damals 1430 mit dem 
mächtigen Radoslav Pavlovic einen Conflict wegen der Landschaft Canale 
hatte, fälschten die Schreiber des Radoslav eine angeblich von Rusko ge- 
schriebene Vertragsurkunde, doch die Fälschung wurde von den ragusani- 
schen Gesandten und den Türken bei der Pforte in Adrianopel sofort er- 
kannt: »come non era scritta de man de Ruscho nostro cancielero« (der 
Senat an Benedetto de Gondola, Gesandten bei Sandalj, 28. December 1430, 
Lett. e Commissioni; Resti ed. Nodilo p. 242; Jirecek, Nastojanje starijeh 
Dubrovcana oko rasirenja granice, Zeitschrift »Slovinac«, Ragusa II [1879], 
S. 59). 

Rusko war ein wohlhabender Mann, besass einige Häuser, darunter 
eines in dem Viertel Pusterna, sowie Grundstücke ausserhalb der Stadt in 
den Terre Nove (eine »media pars«), wohnte selbst in der Nähe der ecclesia 
S. Petris veteris und führte ein Wappen (am 12. Sept. 1426 bestellte er sich 
duo couertori di tela gialla et biaua «con l'arma deRu8co<^, Div. Canc. 1426). 
Ein Bruder, diaconus Micocius, wird 1381 — 82 genannt. Rusko's Frau hiess 
Chatussa. Er hinterliess ausserdem einen Sohn Nicola (1434 — 1461 genannt), 
der Webereigeschäfte betrieb, und mehrere Töchter. Am 5. September 1442 
meldete Johannes medicus dem Gerichte, Nicola Ruschi cancellarii liege ver- 
wundet im Bette. Zwei Richter begaben sich ins Haus und erfuhren, Miliza 
Bililia habe Alles »in stragno suo« zerschlagen, ihm »vilaniam» gesagt und ihn 
mit einem eisernen, schweren »curtellum ad incidendum ligna« verwundet. 
»Nicola cecidit in terram totus insanguinatus, et illuc venerunt alique mulie- 
res nobiles et acceperunt ipsum et duxerunt ipsum domum«. Miliza zahlte 
12 Perper Strafe (Lamenta de intus 1441—1442 f. 267). 

Nicolaus, Nixa de Suiesda oder de Stella, auch dictus de Stella, HHKOAd, 
HHKliia 3BE3;l,HKk oder 3KI€3;k,HKK, »cancellarius in lingua sclaua«, 
>sclauici idiomatis«, »canceliero nostro in schiauo«, slavisch yt,HldKb, 
^HraKk cpbncKH (1447 Spomenik XI, 86), aber meist AOrO^eTb ^SüpO- 
BAHKH, 1430 — 1455. Stammte aus den ragusanischen, in Serbien wohlbewan- 
derten Kaufmannsfamilien. Zuerst wird er am 1. Juni 1403 erwähnt: Nichxa 
de Suiesda klagte vor Gericht, Stiepchus Pribilli Maglouich habe ihn »in curia 
domus Marini de Buticho« durchgeprügelt, »pillauit per capillos et sgraffauit 
per Visum«; Stiepchus musste 6 Perper Strafe zahlen (Liber maleficiorum 
1401 — 1404). Im J. 1438 notirte der Notar Egidius de Jugo auf der Rückseite 
einer Urkunde : » ut patet per unam pouegliam scriptam per Nixam de Lome 
die 18 presentis» (i. e. septembris; Miklosich, Mon. serb. 366). In der hier 
citirten »povelja« vom 18. September 1438 (ib. 396) ist aber klar zu lesen: 
a SnHCa tlHKlua 3b«3/1,HKK. Aus dieser Zusammenstellung ist klar, dass 
Niksa zur Familie de Lone, Lonchovich gehörte, einer Bastardlinie der 
echten, adeligen Dersa (vgl. Archiv XIX, 75). Ein HHKUia AoHfTHKk 
erscheint 1411 zweimal in einem Gläubigerverzeichniss bei Pucic 1, 101, 107 
(hier gedruckt ü — )• Ausserdem wird erwähnt am 1. November 1406 ein 
Nich. Leonis (sie) de Dersa (Div. Not. 1402), am 14. December 1414 ein Nichxa 
Lonis de Dersa (Div. Canc. 1414). Verschieden von ihm wird der viel jüngere 
Nicola de Lone sein, der 1454 klagte, seine zwei »ancille» seien beraubt 



I 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 207 

worden, als sie Abends »ad nuptias illoruiu de Dorfla« gesendet wurden; die 
eine trug das Licht, die zweite xcapani uxoris» Laiuonta de intus I4.J3 — 1455 
f. 155'). Als Nicola de Suesda oder de Stella erscheint der Hpätore Kanzler 
an einigen Stellen der Lauienta und Diver.sa. Er handelte 140«» in Serbien, 
war 1413 Gabellot Zollpächtor iu lier IJergworkstadt Trepca, hatt»; 1423 Ge- 
schäfte in Pristiua und sendete 1429 Waaren aus Kagusa über Gscko in das 
Binnenland. 

Am 28. September 1430 ernannte ihn das Consilium miuiu zum slavi- 
schen Kanzler. Sein Gehalt stieg von 2üU Perper 1431 auf 250, 1433 auf 300 
Perper. Am 2'.i. Dec. 1437 fungirte er bei einem Geschäft mit türkischen 
Kaufleuten: »pro teste et turzimano presens Nie. Stella cancellarius« (Div. 
Cauc. 1437 raaior. Im J. 144S schrieb er ohne Vorwissen der Regierung 
irgend einen Privatbrief au den Vojvoden Altoman, den Feldherru des Des- 
])oten Georg, der damals die Venetianer in der Zeta bedrängte. Der venetia- 
uische Comes von Cattaro fing den Brief auf und beschwerte sich darüber in 
Raguea. Das Consilium Ro^atorum beschloss am 24. Mai »de procedendo 
contra Nixam Vesdicli sie , cancellarium nostrum in ydiomate sclauo, occa- 
xione litere. quam scripsit voyuode Altomano, lecte in presenti consiliO". 
Niksa wurde auf einen Monat "in carcerem de subtus« gesetzt, ohne aber sein 
Amt zu verlieren. Zuletzt wird er erwähnt am S. März 1455. Seine Frau hiess 
Jacussa, er selbst besass eigene Güter (auch »quarte doi« in den Planine 
von Canale) und wohnte zeitweilig (1437) in einem Hause der Gradi'ausser« 
halb der Stadtthore auf den Ploce. Sein Name ist nicht vergessen; ein Gäss- 
chen des einstigen »Sesterium castelli« hcisst heute noch Zvezdiceva ulica, 
>ruga delli Suesdich« schon in den Lamenta 14^b. Noch 14'J3 ist die Rede 
von »terrae in Mrauigniza« aus dem Nachlass »olim Nichxe Suesdich dicti 
Stella« (Div. Canc. 1492 f. 154). 

Marinchns (Marincho) Cuietchouich, Zuietchouich, Marinus de Florin, 
Marinchus Florii, A\apHHkKW, einmal AV. lJ,ß'kTKOKHKk (Mon. serb. 
497), wcancellarius in lingua sclaua«, »in idiomate sclauo», »cancellarius can- 
cellarie sciauone communis Ragusii«, slavisch mit sehr verschiedenen Termini 
bezeichnet: ^VHIJKh, ;k,HWKk WTaHHH ,V^f^P*?Ji**^l^"? KJHKJKHAlvpK, 
rpauaTHKh, AOro4>eTK (vgl. Mon. serb., Pucic II] 1455—1474. War 1447— 
1453 Cancellarius in Canale. Als Nachfolger des Niksa Zvezdid zuerst am 
16. Aug. 1455 erwähnt. Nach der Pulverexplosion im Arsenal beim Regie- 
rungspalast 1463 beschloss das Cons. Rog. am 5. Sept. "de deputando pro 
loco cancellarie sciaue magazenum sulfuris. in quo alias Ruschus scribebat«. 
Am 26. Sept. 1467 wurde beschlossen, dass die Geschenke der Regierung an 
in Ragusa anwesende Fürsten und Gesandte die notarii zu überreichen haben, 
die Geschenke »oratoribus lingue sclane« aber der »cancellarius in lingua 
sclaua«, ausser Victualien, die der »custos carcemm« überbringt; »beueragia 
(Trinkgelder), quae dabuntur ipsi cancellario in lingua sclaua« hat der Kanz- 
ler zur Hälfte den famuli regiminis et riuerii abzutreten. Zuletzt wird Ma- 
rinko im Februar 1474 erwähnt. Er hatte einen Bruder Nicola und Grund- 
stücke auf der Insel Juppana. Der Pergamentcodex der slav. Privilegien 
1326 flf, des Rag. Archivs (Miklosich, Mon. serb. p. V) ist bis 1445 von einer 



208 C. Jirecek, 

schwerfälligen Hand geschrieben, wohl des Zvezdic. dann von einer besseren, 
der des Marinko, der f. 113' auch genannt wird (Mon. serb. 456): a A\a- 
pHHKw SnHca S AHcpo, noMCHH ra bo»;e. 

Marinko hat zwei Söhne hinterlassen. Der eine, Don Marinus Marinchi 
de Florio oder »pre Marino de condam Marincho Cuietchouich canceller«, 
war 1503 — 1504 Coadiutor der lateinischen Kanzlei, 1504 — 1508 Rector der 
Stadtschule (Archiv XIX, 78 und XXI, 432). Sein Testament ist datirt vom 
letzten Februar 1513; es nennt die »madona madre«, den Bruder Fiorio, die 
Schwester Lisa, monacha di S. Andrea, und die germani cusini. Misser pre 
Fiorio di Marino und Martino Jacoeuich. Liegende Güter besass er auf der 
Insel Giupana und in Trani; es erbt sie das Kloster S. Andrea (Testamenta 
1512 — 1516 f. 57'). Das Testament des zweiten Sohnes des Kanzlers, des 
Florius, eingetragen 1535 (Testamenta Notarie 1533 f. 105'), enthält einen 
förmlichen Familienstammbaum: »lo Fiorio de Marinco Ciuietcouich o uera- 
mente Fiorio de Marincho de Fiorio, loquale Marincho fu cancilliere del co- 
mune di Raugia in lingua schiaua, item fu cancilliere delle cause ciuili di 
Misser lo vicario, el quäle Marinco fu figliuolo de quondam Ciuietco Ulacha- 
nouich (citirt wird dessen Testament 1453), el quäle quondam Ciuietco fu 
figliolo de quondam Viachan Uicich (daneben Uichtich, Uictich; citirt wird 
sein Testament von 1424)« etc. *). Die Frau des Florius war Nicoletta, Toch- 
ter des Leonardo Dobrusco di Latiniza und dessen Gattin, einer Schwester 
des Marino Rusco di Theodoro. Die Kinder des Fiorio hiessen Marino, Maria 
und Lisa. In Ragusa hatte Fiorio ein dreistöckiges Haus (terzo solaro). Auf 
der Insel Giupana besass er ein Haus des Gross vaters in Luca »a cauo di 
gioso, cioe a cauo da uer ponente«, casa in due solari, duoi stragni, giardino, 
vigne, pozo con Tacqua viva e dolce. 

Maroe Pdcich, cancellarius in lingua sclaua 1474 — 1482. Besass Grund- 
besitz in Canale. Früher Kanzler in Stagno, am 5. Oct. 1474 »loco olim Ma- 
rinchi Florij« ernannt, mit einem Jahresgehalt von 170 Perper nebst 30 Perper 
>pro afficto domus«. Andere Candidaten des Amtes waren Ruschus Silcho- 
uich. Nie. Xuban, Vitchus Miossich. Wurde noch im Februar 1482 auf ein 
weiteres Jahr bestätigt. 

Pasqualis Primi, de Primo, auch Pasqualis Primi de Bono (1492), Paschoe 
Primoeuich oder Primovich, cancellarius in lingua sclaua 1482 — 1527. An 
Stelle des Pticid am 15. Oct. 1482 ernannt und seitdem durch 45 Jahre neu 
bestätigt. Sein Salarium wurde 1486 von 120 Perper auf 150 erhöht, aber 
dafür war er verpflichtet »tenere rationes salis cum emino et amaldaro«. 
Ueber seine Familie vgl. die Daten im Archiv XXI, 432 f. Er unternahm oft 
Gesandtschaftsreisen. Im J. 1493 wurde er mit Briefen nach Venedig und 
dann an den Kadi von Novi (Castelnuovo) gesendet, 1501 nach Novi, 1504 
nach Cattaro, 1506 nach Venedig und zweimal nach Novi, 1507 nach Crnica 
zum Kadi, 1510 wieder nach Novi. Zuletzt wiederbestätigt am 14. November 



1) Ein Presbyter Marin Vlacanovich reiste 1416 als Gesandter der Ra- 
gusaner zu König Sigismund von Ungarn, Gelcich und Thallöczy, Diploma- 
tarium 262, 282. 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ra^Baner. 209 

1526. Sein Testament, datirt vom 5. Februar 1527, ist am 20.d.M. eingetragen 
f Archiv I.e.". Von seinen Sühnen war Lucas rasqualis de Prinio lateiniKcher 
Kauzler 1504 — 1524, zwei andere nach einander Hiavisehe Kanzler der Stadt. 

Troiatius I'asqualis de Vriino wurde zuerst am 23. Februar 1525 vom 
Consilium K(»;,'atoruui zum (Jeliilfen seines Vaters bestellt: »de acceptando 
Troiannni tiliuui Pascjualis de Primo, eancellarii uostri in idii)uiate sclauo, 
pro coadiutore dicti Pa8(]ualis patris 8ui iu dicta cancellaria sine aliquo sala- 
rio, quia sie supplicauit dictus Pasqualis propter etatem suani et labores suos 
in dies uiaiores, cuui hoc, quod uon possit scribere acta in librix caurellarie, 
nisi sedere ad cancelluui et teuere claues cancellarie et extrahero eoj)ia8 ex 
libris et seruire Hdeliter. et libms et scripturas (unnes dicti officii dilif^enter 
custodire ad beneplacituui dominii nostri« (('ons. Ivog. 1523 — 1525;. Am 
16. Jänner 1526 wurde beschlossen, dass Troianiis «possit in dicta cancellaria 
(idiomatis sclaui, scribere acta vicarii dni Rectoris. cum illa auctoritate, quam 
habet dictus Pasqualis« (ib. 1525— 152T,i Vom 4. Jänner 1527 bis 1530 war 
Troianus, als Nachfolfjer seines Vaters, cancellarius communis iu linji^ua 
sclaua. Im J. l.'>3tj wurde der ra^'U-sanisehe Verkäufer des Salzmasrazins von 
Novi (Castelnuovo getüdtet und Traiano, der eben mit einem Edelmann von 
Ragusa dort eingetroflfen war, verwundet (Lettere e Commissioni di Levante 
1535—1538). 

NicoLaus Fasqualis de Primo, cancellarius iü lingua sclaua 1536 — 1550. 

Ragusanische Kanzleien ausserhalb der Stadt. 
Die Organisation der Kanzlei von Stagno ist bekannt aus der Abhand- 
lung des Graten Constantin Vojnovic, Kad jugoslav. akad. Bd. lo8 1892), 
166 — 167. Nach der Organisation von 1436 gab es: a) einen Kanzler für Civil- 
fragen und zwar war dies, da man eine »persona mondana sufficiente et 
fidele« schwer finden konnte, der Kaplan des Comes von Stagno; b; einen 
weltlichen »canceliiero del maleficio«, der zugleich Coramamiant der Burg- 
wache war. Nach einer neuen Ordnung von 1447 trat an die Stelle des Kaplans 
ein weltlicher Kanzler für Civil- und Criminalfragen, dem die Führung von 
vier Büchern vorgeschrieben war; dem Kaplan blieb neben dem Schulunter- 
richt die Mitwirkung bei der Abfassung der Testamente und die Vertretung 
des Kauzlers in Civilfragen. Als Kanzler von Stagno werden z. B. erwähnt: 
Jarnhus de Monte AKo, cancellarius Stagni unter dem Comes Jacobns Grade- 
nico von Ragusa (1337 — 1338 ; dompmi.s Thomas de Millitino, cancellarius 
Stagni 1345; »don Gherghus, qui fuit scribanus de Stagno« 1350; dompnus 
oder presbi/t er Theodnrus, cancellarius Stagni 1360 — 1362 (Mon. Rag. III, 26, 
191); presbiter Ratchus vor 1369, später Kaplan und Protovestiar (Finanz- 
minister) des Königs Tvrtko I. von Bosnien, zuletzt Bischof von Trebinje und 
Mercana (f um 1393, vgl. Archiv XIX, 596 ; dompmix Milce de Dojnagmi, can- 
cellarius Stagni 1376; dompnus Andreas 138H; dou Nicola Carosii, f vor 1414, 
Ser Andreas de Grecis 1459 — 1466, Marne Fl i eich 1472 — 1474, später slavischer 
Kanzler in Ragusa. Daneben war 1459 — 1478 Nicola Vuchussinouich barberius 
> cancellarius Stagni in lingua sclaua et ad scribendum custodias, cum salario 
iperpirorum viginti in anno, ultra salarium, quod habet tanquam soldatu? 

Archiv für slavische Philologie. XiVI. 14 



210 C. Jirecek, 

Stagni«, oder kurz »so-ibanus in lingua sclaua in Stagno«, von Jahr zu Jahr 
neu ernannt. Die Kanzler 1505 — 1525 haben wir im Archiv XXI, 503 aufge- 
zählt; nachzutragen ist, dass Marino de Dobrio schon 1501 genannt wird. 

Aehnlich waren die Verhältnisse bei dem Cornea von Slano. Genannt 
werden als «cancellarii Slani« z. B. Jaxa Petri de Primo 1447, Nardinus oder 
Bcrtiardinus BenchilbOl — 1505, Bartholus Natalis Stephani de Nale 1 509 — 1512. 

Das Gleiche gilt von C anale. Marinko Cvietkovic mag als cancellarius 
Canalis 1447 — 1453 ebenso slavische Schriftstücke abgefasst haben, wie 
später als slav. Kanzler der Stadt. Einer seiner Nachfolger war Bartholus 
Lonchouich 1466. Dann folgen: Marthohis Gabrielouich 1505 — 1518, dessen 
Sohn Gabriel Martoli Gabrielouich 1518--1520 (schon 1510 Coadiutor seines 
Vaters, April 1520 »cassus«), Laurentius Thome de Fifa 1520 (schon nach 
einem Monat nach Stagno versetzt), 3Iarinus Petri Gliubissich 1520 — 1526 
(April 1526 sein Testament eingetragen). 

Bei dem Coraes von Giupana oder mit alter Orthographie Juppana 
(Sipan) sollte nach der Abdankung des Kanzlers Don Elias 1449 »uno mon- 
dano« ernannt werden (Vojnovic I.e. 171), jedoch finden wir bald wieder 
Geistliche: Andrusco Bogoeidch, canzellarius insule Zupane \^^\, pre Antonio 
Berdarich, cappellanus et cancellarius de Zupana 1522 — 1535. 

Ebenso war es bei dem 1457 errichteten Amt des Comes der Isola di 
Mezzo (Lopud): dompnus Johannes dictus Chreglia 1459, pre 3Iichiel d'Ale- 
greto 1484, presbyter Petrus Radovini, cancellarius Insule de Medio, rector et 
abbas ecclesie S. Helie de dicta insula 1524 — 1535. 

Auf Meleda finden wir meist Fremde: Don Stiepo Lacorouich (sie) de 
Antiuaro, capelano e canzeliero deMelleda 1467 — 1468, pre Piero Gamba d'An- 
tiuari 1470 — 1473. Andere siehe Monumenta bist. jur. Slavorum merid. 
VIII, 128. 

Dasselbe gilt von Lagosta: presbiter Andreas de Drivasto 1317, pres- 
biter Georgius quondain Andree de Allaman, juratus notarius communis La- 
guste 1347 (ein Dulcignote?). 

Dazu gesellen sich die Schreiber besonderer Commissionen. Cancella- 
rius der Beamten bei der Partitio der Terre Nove 1399 zwischen Stagno und 
Ragusa war »dorn Pieru de Nicho de Biele, cognominato de Albis« (Liber dece- 
norura Terrarum novarum, Pergamentcodex des Rag. Archivs). »Dompnus 
Petrus, presbyter de Pago«, welcher diese Commission am 10. Mai 1402 als 
Schreiber nach dem Dorfe Oslje begleitete, ist kaum derselbe (Div. Canc. 
1401). Petrus quondam Nicolai de Albis de Ragusio presbyter 1391 Procura- 
tor der » confraternitas sacerdotum«, Monum. bist, jurid. VII, 1, 19. »Pres- 
byter Petrus de Albis, dictus de Biele« wird am 29. Nov. 1398 genannt (Div. 
Canc. 1395 — 1402), ebenso don Piero de Nicho de Bielle oder de Albis als 
Zeuge in den Testamenten 1399. 

Bei anderen derartigen Geschäften wurden junge Nobiles verwendet. 
Vita Lampre de Sorgo begleitete als »scriuano« eine Commission zur Ab- 
grenzung der Grundstücke 1445 (L. Rosso f. 135) und schrieb als »vi^ichan- 
gelir« in seinem Italienisch das ganze Buch der Lamenta 1454. Später er- 
scheinen als cancellarii de criminali Michael Galuanouich (1473 f.), dann Felix 



Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 21 1 

Brutus (i486; und der Bastard der Menoetiöi Franeiscu» Marini de Menze 
(1487 — 1527), der aucli nacli Ungarn zum Anwerben von Süldnern gesandt 
wurde u. s. vv. Vgl. Archiv XIX, 64 und 5r>, XXI, 4G2. 

2. Cattaro. 
A. Lateiniycliu Kanzlei. 

Presbyter Jnuius, communis notariuH l'iüü — 1227. Farlati, Illyricam sa- 
crum VI, 4;)5, 436, 439; Ötarino, Hd. 21, S. 256, 286. 

Diaconiia Mir/ia Ciitje 1247 M. de Gigua), communis juratu.s nntariua 
1247 — 1268. Kiirlati VI, 439,441,442; Ljubic, Listine I, ^j'J; Orig. 1268 im 
Rag. Archiv. — Vgl. im Statut von Cattaro § 289: "De cartis, quo autenticari 
non debont. Ordinamus et volumut^, ut qualiscumque carta notarii a tem[)ore 
diaconi Miche Gige non inueniretur in catastico, pro falsa et irita halieatur, 
saiuo si pars contraria aceeptaverit eam« (Codex der St. Marcusbibliothek 
f. 67; vgl. Archiv XXII, 184). Ein zweiter § 392 vom 2. März 1370 bestimmt, 
»quod instrumenta facta in Cataro per uotarium a tempore diaconi Miche 
Gige notarii per testes rumpi non possint« (ib. f. 90). 

Presbyter Triphon l'etri, communis juratu^ notarius 1279 — 1282. Ljubiö 
I, 123, 140; Div. Canc. von Hagusa 1282. 

Magister Thomas de Finno, notarius communis Catari 1285, 1289, 1294. 
Ljubid I, 140; 12s9 Starine 28, 140; 1294 Urig. im Archiv von Kagusa. 

ritnis de Vtto, Petrus Viti, Petrus Vita, communis Catari juratus nota- 
rius 1297 — 1330. Sehr oft in den Div. Canc. von Kagusa und im ältesten 
Notarialbuch von Cattaro 1326—1334. 

Presbyter ^liH«m!/s (sie), cancellarius communitatis 1322 — 1323. Zwei 
Urk., registrirt in den Ragusaner Div. Canc. 1323, 8. Oct. 1322 und 1. Nov. 
1323: »Et ego Petrus Viti, communis Catari juratus notarius rogatus scripsi 
et roboraui, ego presbyter Abaniuus, cancellarius eiusdem communitatis 
abreuiaui utraque parte presenti«. Im ältesten Notarialbuch von Cattaro er- 
scheint ein Albaninus um 1328 als abbas ecclesiae S. Johannis et Marci de 
Cataro. 

Marcus quondam Pclri Viti, communis Catari juratus notarius 1329 — 1330 
(alt. Not. von Cattaro). 

Philippus quondam Mathei de Auximo (auch de Ossimo], imperiali aucto- 
ritate et nunc communis Catari juratus notarius 1330 — 1333 (Div. Canc. und 
alt. Not. von Cattaro). 

Petrus de Souignanis de Mediolano, abreuiator communis Catari 1331. 

Gentilis quondam fientiluci (GcuixWtW) de Auximo, imperiali auctoritate 
notarius Catari 1338—1349. 

Bartliolomeus Andree de 'Trihus Basilicis de Padua, imperiali auctoritate 
notarius et nunc communis Catari juratus notarius 1351 — 1355, 1366 6. Nov. 
(Urk. im Liber debitorum 1365 — 1369, Archiv des k. k. Kreisgerichtes von 
Ragusa). — Die Giltigkeit aller »carte notarii, perchiui, debiti, securitatis et 
possessionum , publicate per Bartholomeum de Tribus Basilicis de Padua, 
olim communis noatri iuratum notarium«, wurde von der communitas Catha- 

14* 



212 C. Jirecek, 

rensis durch ausdrücklichen Beschluss bestätigt, Statut von Cattaro §299 
(Codex der St. Marcusbibliothek f. 68'). 

Phüippus quondam Gentelucij de Auximo, juratus notarius communis Ca- 
tharil365(Div.Canc.l362), 1367—1368, 1372. Im J. 1397 wird Paulus, der Sohn 
dieses Filipp de Auximo und der Seia genannt, die später Frau des Notars 
Jacob von Parma war, einige Güter in Antivari und Cattaro besass und 
ihre Tochter Alegrina mit dem Cattarenser Patricier Gabriel Vrachien ver- 
mählte (zweites Notarialbuch im Gerichtsarchiv von Cattaro). 

Ambrosius ßlius quondam Ser Francisci Macij de Benis, publicus impe- 
riali auctoritate et tunc communis Catari iuratus notarius et cancelarius, Juli 
1369 tLiber debit. 1. c). 

Jacobus quondam Ambrosini de Milla7io de Parma, imperiali auctoritate 
et communis Cathari juratus cancellarius et notarius 1373. Später seit 1383 
in Ragusa (s. oben S. 191). 

Petrus quo7idam Johannis de Novaria, publicus imperiali auctoritate et 
nunc notarius juratus et cancellarius communis Cathari 1376. Petrus nota- 
rius Cathari 1379 eingekerkert in Ragusa (Mon.Rag. IV, 236); Beschluss vom 
10. December d. J. »de providendo Johanni (sie) de Novaria olim notario Ca- 
thari, incarcerato«, drei Perper monatlich (ib. IV, 252). 

Vanis quondam Andreucij de Firmo, notarius Catari 1382. 

Johannes de Pulia, notarius Catari 1396. 

Symon quondam Michaelis de Castro nouo, scriba et abreuiator communis 
Catari 1396. Schrieb einen Theil des zweiten Notarialbuches von Cattaro. 

Jacobus quondam domini Johannis de ügodonicis de Bononia, notarius 
imperiali auctoritate nee non notarius et cancellarius juratus communis Ca- 
tari 1398—1399. Später in Ragusa (s. oben S. 192). 

Georgius Radi, olira abbreuiator Cathari 1400. 

Andreutius de £scm/o, juratus notarius Catari 1400. 

Ser Antonius Putij [Puctii] de Actis de Sancto Genesio, imperialis et com- 
munis Cathari nunc juratus notarius 1405—1421. Zuletzt Gesandter von Cat- 
taro in Venedig, um die Unterwerfung anzubieten (Ljubic, Listine VIII, 7 f.). 

Ser Paulus Ser Vanis de Abrianis de Montelbaro [Monte Eibaro], publicus 
imperiali auctoritate notarius, oder juratus cancellarius ciuitatis Cathari 1420. 

Ser Fraticiscus de Indrico, canzellarius Catari 1430. 

Ser Johannes quondam domini Silvestri de Luxia de Venetiis. Unterhan- 
delte 1420 über die Uebergabe von Cattaro als notarius et sindicus ducalis 
dominationis (Ljubic 1. c. 13). Sodann erscheint er 1420 — 1422 als Ser Johannes 
q. Siluestri de Luxa, Taruisii ciuis, ad presens pro serenissimo ducali dominio 
castellanus castri Cathari (Not. Catari 1418 — 1421, cf. Ljubic ib. 135). Später 
publicus imperiali auctoritate notarius et cancellarius communis Cathari 
1431 — 1458. Von seiner eleganten Schrift sind die Bücher 1431 — 1451. Starb 
im November 1458. Das ist der /KHRaHK GHABfCTpOKHls W,A, ASH;a 
H3 BtHtraK, nporaauJEHH no u,apcKOH ßaacTH Horap h HOTäp 

RHETaHKH H KaH^KHAHtp OHKHHE KOTOpCK« 1454 Mon. serb. 465, diese 
Urkunde ist aber kein Original, sondern nur die wahrscheinlich viel später 






Die mittelalterliche Kanzlei der RaguHanor. 213 

verfasste Uebersetzung eines lateinischen Docuraentefl. Das Notarialbuch 
des J. 1454 ist leider nicht crhulten. 

Presbyter iVü'o/rtM»./o(i/i/Ms df Cuturo, coadiutor Joannia de Luxia 145^». 

Franciscus Theuiinus J'cnefuK, Ciincellarins cüiiimunis Catari 1400 — 14G3. 

B. Slaviaclie Kanzlei. 

Ser Stephanus Cator/eorgij, Caloiurgij^ Calogeorgius. Zuerst erwähnt am 
21.0ct. 1420 als viglierius communis Catliari Notaria Cat. 141S — 1421). Dann 
als cancelhirius linguii sclaue, cancellarius sclauiis di- Cataro 14JG — 1 li.2. ttft 
auch als intorpres sclauus (Spomenik XI,ü7,89). (^riHllKC» Ki\AOri>plKHh, 
KaH»;(AM(|) H ,VP**'^'''*WaH caplICKII 1454 Mon. serb. 4GÖ (iiiclit Urit;inal). 
Ein be;,Mitortt'r Mann, hesass ein Haus, Weingärlen, ein Boot u. s. w. In den 
FraguH'nton einer Statistik "Oase e persone di Cataro« (um 14.10— 144(») im 
k. k. Statthaltereiarchiv zu Zara sein ganzes Haus: »Stefano de Chalozorzy 
chanzelier (dabei die Ziffer 41 — Jahre?, Glubisaua sua madre, Doniussa 
sua dona, Nicholo suo fiogl Ziffer 18 dabei , Chatarina sua fiogla, Dominicho 
8UO uieuo, Palma suo nieuo, Marussa sua taute, Vladi^a sua fante«. Seine 
zweite Frau war die 1472 erwälintc Nicoleta relicta (luondaui Ser Stephani, 
oliu) cancellarii sciaui. 

Ser Nafalinus de Mechico, cancellarius et interpres sclauus 1467, 1472; 
seine Frau Catarina war die Tochter seines Vorträngcrs. Im J. 14G7 wunle 
er in seinem Amte belassen, obwohl sein consanguineus Nicolaus Simeonis 
ein Verräther war 'der Doge Christophorus Mauro an den Comcs von Cattaro 
Eustachius Balbi, Urkundent'ragment im k. k. Statthaltereiarcliiv, Zara). 

:{. Antivari. 

Tripkon presbyter, communis juratus notarius 1252 (Rag. Urk. Ü. Juli 
1252). 

Diaconus Xatulis Belucij, juratus publicus Antibarensis notarius 1311 
(Div. Canc. 1323). 

Jnhaiims Merula de Xeapoli, juratus uotarius communis Antibari 1358, 
1368. 

Francischus Decani, vicenotarius et cancellarius communis Antibari 1369. 

Benedictus filius Nicolai Mur schrieb ein publicum instrumentum zu 
Antivari 1388 (Div. Canc. 13S8;. 

Presbyter JoAannes Aa//«*, canonicus et juratus notarius communis Anti- 
bari 1402. 

Presbyter Dominicus Capseta (Casseta, canonicus S. Petri de Antibaro, 
imperiali auctoritate judex Ordinarius et publicus notarius et cancellarius 
communis Antibari 1433; 1441 erwähnt als olim canzeler de Antibari. 

Presbyter Marinus Cratech, cancellarius Antibarensis, notarius publi- 
cus 1445. 

Jacohus Pelinns, civis Antibarensis. cancellarius magnifici regiminis 
Antibari 1500 Div. Not. 1500,. 



21 4 C. Jirecek, Die mittelalterliche Kanzlei der Ragusaner. 

4r. Dnlcigno. 

Magister Guillermus, publicus notariusDulcini 1307 (Glasnik Bd. 27, 310). 

Presbyter Prode, publicus juratus notarius communis Dulcinii 1368 
(Div. Canc. 1377). 

Presbyter Lacarus 3Ialliotus, canonicus Antibarensis et Dulcinensis, 
puplicus et juratus notarius communis Dulcinij 1376 (Orig. im Rag. Gerichts- 
archiv). 

Marcus de 3Iachonia (Machoia) de Padua, publicus imperiali auctoritate 
ac communis Dulcinii notarius juratus 1386. Derselbe war 1394 Kanzler von 
Curzola. 

Liberalis de Bacchitiis de Feraria, imperiali auctoritate notarius 1387. 

»Dottie de Signor (sie), jurato vicenotario del comun de Dulcigno« 1397 
(Urk. italienisch verfasst, registrirt in Div. Canc. 1396; vgl. meine Romanen 
in den Städten Dalmatiens II, 18, Anm. zu Nr. 15). 

Fragen über die Taxen des Cancellarius, »i quäl pagamenti non se po 
sofrir per alcuu modo, respeto ala povertä di homeni de Dulcigno universal« 
1440 Ljubiö IX, 124. 

5. Scutari. 

Eine Scutariner Urkunde, geschrieben 1330 »manu Climenti ßlii Gini, 
notarii communis Scutari«, erwähnt in den Citationes des Lib. Ref. 1334 von 
Ragusa. 

Bei der venetianischen Besitznahme 1396 wurde dem ersten comes et 
capitaneus Scutari Joannes Capello aufgetragen, einen Notar zu unterhalten 
(Ljubiö IV, 382); 1399 wurde dessen Nachfolger, Ser Nicolaus Polani erlaubt, 
einen interpres aufzunehmen (ib. 417), «pro dando expeditionem comparenti- 
bus coram eo, qui expediri non possunt ita cito propter linguam, quam nescit 
dictus Ser Nicolaus«. 

Von den Notareu werden erwähnt: Bartolomeus Brufo, notarius Scutari 
1409 (Div. Canc. 1408), Amhrosius de Sibcnico, cancellarius Scutari um 1442 — 
1444 (Ljubic, Listine IX, 159; Starine Bd. 14, 55—57), u. s. w. 

Daneben erscheint 1409 — 1416 in Scutari auch ein slavischer Kanzler, 
Tliomasius notarius sclauus, »Tomasin Schiauo, scriuan de la corte in schiauo«, 
ein in der Umgebung begüterter Einheimischer und ein guter Kenner der 
Verhältnisse. Er begleitete 1409 »pro turcimano« eine Gesandtschaft zu den 
Türken nach Skopje (Ljubic V, 148 und 161 ; Starine Bd. 14, p. 33, 34, 41). 

6. Drivasto. 

Presbyter JoJiamies, publicus notarius communis Driuasti 1353, 1368. 

Presbyter Margaricius, imperiali auctoritate notarius 1372. 

Presbyter Paulus, notarius civitatis 1442 (Ljubid IX, 158). 

Im Jahre 1397 erlaubten die Venetianer den Drivastinern, dass sie ihre 
> notarii, soliti sibi conficere instrumenta, testamenta et cartas suas« behalten 
können und nicht gezwungen seien, diese Geschäfte von dem Notar des ve- 
netianischen Potestas besorgen zu lassen (Ljubic IV, 4 OS). 

Wien, Weihnachten 1902. Constantin Jirecek. 



215 



Die ZuHammensetziinii dor sojrenaiintcn Jloxim.ia 
iipeii. Oeo,M><*i'<> llcMcpcKOMy« 

Von Leopold Karl U ot- 1 z - Hoim. 



Theodosius, Ipumcn des Kiever 
Ilühleuklosteis, seiner {rescbicht- 
liclien Bedeutung für Kusaland 
nach kurz zu bezeichnen als 
(jründer der Kieuo-IIe'icpeKa;! 
Jlaiipa und »lui'ia.ii.iiiiKT, mio'iec- 
Karo ouiue/KnxiH hl l'occiii« '), 
oder wie die der folgenden Unter- 
sucliung zu Grunde liegende l'r- 
kunde ihn nennt: Jiiiry.Mena Ile- 
'lepcKaro apxuMaiiAl'nra uee« 
l*ycH, ua'ia.ibiinKa, nace hl l'ycii 
MHnaibCKOJiy «iiiny«, starb am 
:\. Mai 107 1 (.TaBpeiiT. Mr. '^ 
17S SS.) und wurde seinem Wun- 
sche gemäss in der Höhle begra- 
ben, in der er während seines 
Lebens viele Zeit in Fasten, Ge- 
bet und Nachtwachen zugebracht 
hatte >.?IaBpenT. iliTon. •' 1 S3 : Lt ■JK.e 6eoAOCHH sanoniAaJii' no.ioaaiTn 
cn B neuept, ii,vI'./Ke noKasa Tpy,iLi Miiorti). 

Im J. 109 1 fand die feierliche Translation des Leichnams aus dieser 
Höhle in die Klosterkirche statt. Der Abt und die Mönche des Klosters 
sagten sich : »iie Aoöpo ecxh .leataTii othio iiamsMy ÖeoAOCbeBU KpoMi; 
ManacTtipn n] i^epKBe CBoen, none/Ke Toil ecTb 0CH0Ba.Ti. itepKOub n 
»iepnopn:}UH coBOKynii.i^« (üaBpeuT.JI'fcTon. 3 202). Nestor, der Biograph 
des Theodosius, erhielt vom Igumen Joann (1088 — 1 103; den Auftrag, 
die Ausgrabung des Leibes des Theodosius in aller Stille vorzunehmen, 
und am 14, August fand unter grosser Feierlichkeit die neue Beisetzung 
der Reliquien des Theodosius statt: »coopamacfl eniicKonii , nry- 




1) ^ujapexT. : Oösopx pyccKOÜ AyxoBHoii JTHTepaxypbi 3, CII6. 1884, p. 12. 



216 L. K. Goetz, 

Menn OTt BcixTb ManacTtipeB'B c MepHopH3u;H, npH^oma h -xro^te 6;iaro- 

BipHHH, H B3aiua MOIIl.'S OeOAOCfceBBI C TeMBHHOMT. H CX CB^IHaMH, H 

npiiHeciue no^ioacHiua ü b u;epKBH CBoeä eMy, b npnTBopi na p^ecüHk 
cxpaiii« (üaBpeHT. JEiTon. ^ 204). 

Der Translation verdankt seine Existenz das in JTaBpeHT. üixon. ^ 
202 SS. enthaltene »Cüobo o nepeneceinH MOii],eä npen, 0eo;i;ocifl((, das 
in späterer, erweiterter Form auch von ApxHM. ZeoHHA'B op.cit. p. 8 ss. 
edirt ist; über beider Verhältniss siehe mein (im Druck befindliches) 
»Das Kiever Höhlenkloster als Kulturzentrum des vormongolischen 
Russlands« am entsprechenden Orte. 

Vermuthlich faud die örtliche Verehrung des Theodosius in seinem 
Kloster und die feierliche Begehung des Jahrestages seines Todes am 
3. Mai schon gleich nach seinem Tode statt, jedenfalls ist ein derartiger 
lokaler Kultus für die Zeit nach der Translation der Reliquien mit 
Sicherheit anzunehmen. Die Ausdehnung dieses Kultus über Kiev 
hinaus, die Feier seines Todestages in allen Eparchien, damit also die 
förmliche Kanonisation des Theodosius, fand 1108 statt: »B ceMi. a:e 
jiiTi BjioatH Eori b cepAU,e öeoKTHCxy, nryneHy üeieptCKOMy , h 
Ha^ia BXSBimaTH khh3io CßflTonojrKy, ^aöti Bnncaji'L öeo^octio b ci- 
HaHHKT); H paAi» öbibt., oöiui,aeÄ h cxBopii, noBSJii MHxponojnxy bhh- 
eaxH B chhoahk'b; h noBeji^ BnncwBaxH no bc^mx enncKontHMt, h bch 
2ce enncKonH c pa;i;ocxBK) Bnncama h noMHHaxH h Ha bc^x-l coöopex'Lff 
(JlaBpeHX. Äiion.^ 272). 

JlaBpeHX. Jlixon. 3 431 ss. berichtet aus dem Jahre 1230 über die 
Feier eines solchen Todestages des Theodosius, sie ist dem Chronisten 
desshalb auch besonders merkwürdig, weil an jenem 3. Mai 1230 an 
verschiedenen Orten starke Erdbeben stattfanden, lieber die Grösse 
der Feier und die Theilnehmer heisst es da: »A b Maiiacxtipa IleqepL- 
CKOM'L n,epKBi CBHXfcifl EoropoAHUia KaMeiiaa na 4 ^lacxii pacxyniiCH, xy 
cymK) MHxponojiHxy Kipnay, h khh3io BojcoAHMepy, ii öoapoMi. ii Kii- 

HHOMt MHOKCXBy H ÄK>fl,eMT> CmeÄUlHMCfl : npa3HHK'L 6o ÖflUie OXX AHB 

CBHxaro oxu[a 0eAoebfl(f. 

Aus Anlass dieses denkwürdigen Erdbebens am Todestage des Theo- 
dosius hielt der damalige Mönch des Höhlenklosters, Serapion {| 1275 
als Bischof von Vladimir), der gleich noch zu erwähnen sein wird, eine 
Predigt i), die dieses Naturereigniss in der in jenen Zeiten üblichen 
Weise als Strafe Gottes für der Menschen Sünden erklärte. 

1) Cf. H. EapcyKOBT) : Hcto^hhkh pyccKoä Ariorpa^ifi. 0116. 1882, p. 498. 



Die Zusammensetzung der sog. "Iloxnuju iipen. Oeoaociio IleiopcKOMy«. 217 

Das Grab des Theodosius wird heute noch in der ^aupa in den 
■ JlnAhulii ireinepLi« gezeif^t. Was die KorK|iiien des Theodosius betrifft, 
so nahm man bisher an, dass sie bei dem Kinl'all der Tataren in Kiev 
unter IJatyj l"2 1u nfii.i.in fipa'rieio coK})Lrri.i, ii er. tLx'L nop'L yjKu ue 

HU.IH.IIICI.« ^]. 

In den Llandschril'ten des lleMepCKia riaTepiiKi. nun, wie auch 
einzeln mehrfach erhalten, ist eine Lobrede auf Theodosius »lloxnxia 
iip. OTuy nauiesiy Öeo^ociid«, die offenbar aus Anlass seines Jahres- 
tages am :i. Mai verfasst, bezw. vorgetragen wurde 2]. Nach einer 
Pergameuthaudsohrift des Ileuepciäit IlaTepHKx von 14Uü hat sie 
B. )iK0BJieB'B edirt in seinen üaMnTnHKH pyccKOH jinrepaTypti XII h 
XIII ui.KOüt (St. Petersburg 1872) p. LXIV— LXXII unter dem Titel: 
»lloxnujia ou. orna iiaiiiero HeoAociji nryMeua Ileuein.CKaro, apxuMaii- 
ApuTu ücea poycii na»ia.iiiHK'L, HJKe u poycn MHHmbCKOMoy 'innoy«. 
ApxHMaiiApnTi. ^eoHiiA'i' hat sie dann in der angeführten Publikation 
iSDO neu herausgegeben nach einem »TopyKecTneiinHKX« des XV'l. 
Jahrhunderts, und diese »ncxBa-ia rip. OTuy nauisMy BeoAoeiio nry- 
Meny IleyepcKOMy, nace ecxb bt, Borocnaeae.MOM'B rpaAi Kieni«, 
»Ilay: IIoxBa.i}ieMy npaueAHHKy, BtsnecejiMTefl .iio^ie, paAocTH 6o 
ecTt jieiih H BecejiH« (yleonHAi' P- 14 ^ — 20 '**; liegt der folgenden Unter- 
suchung zu Grunde. 

Die frühereu Erforscher des IleyepcKiil IlaTepirex bemerkten be- 
züglich des Verfassers der iroxua.ia nur, dass er unbekannt sei, wäh- 
rend doch, wie apxHM. Jbohha'b in der Einleitung (p. 3) zu seiner Neu- 
ausgabe des »C.ioBO« wie der »ücxBa-ia« auf Theodosius betont, »oDa 
yrii npoH3BeAeHi;i no cBoeil ApeBHOCTH ii BiiyTpeime.My coAepatauiio 
6e3cnopHO sac.iyatHBaiox'B Öo.iLiuaro BiiH-Maiiia HacjiAOBaxejieH Apeßiie- 
pyccKoii nncbMeimocTH. 

ApxHM. JIcoiiHAT- sieht nun als Autor der üoxna.ia an den als 
Bischof von Vladimir 1275 gestorbenen Serapion. Serapion^) war bis 

ij EBreuiii: Oiiucaiiie KieBO-rieqepcKOH JlaBpu u.a. KicDi. 1847, p. 90 s.; 
rojiyüiiucKifi : Hcropin Pvcckoh uepKBu I 2 337. MocKBa 1881. 

-I Ueber ihr Vorkommen cf. JIeouuin>, ApxiiMaiapun.: ^Ba IlaMATUHKa 
ÄpcBue PyccKofi KIcbckoh nucBMCnHOCTH XI u XIII BtKa. a) Cjiobo o nepeueceulH 
Momeii npen.Beoffociji ÜCHcpcKaro co^.MHIIxa Hecropa h 6) noxDa.ia npen. ÖeoÄO- 
ciio üeiepcKOMy, HCHSBicxHaro (apxuM. Cepanioiia). MocKBa 1890 in »HxcHifl im, 
IlMnepaTopcKOMT) OoiuecTBi Hcxopiii u JIpeBUOCTcii PocciflcKiixt npu Mockob- 
CKOMT> yuuBepcuTcri «. 

3) Cf. über ihn ^ujaperi.i'OöaopT) u a. p. 64 3. und EapcyKOBi.: HcroiHUKH 



218 L. K. Goetz, 

1274 Archimandrit des Höhlenklosters in Kiev, die Chronik (TpoHii,Kafl 
.liTonHCb) berichtet zu seinem Todesjahr 1275: »IXpecTaBHca enncKon-L 
Bojio;iHMepcKiu CepanicHi., 6i ace yqnTejieM'B s^äo b-l EoatecxBeHHOM'B 
niieaiiin nojioaeein. öbictb bi. i];epKBH Cbhthh Eoropo^Hu;!.! b% Bojioäh- 
Mepiff. Wir besitzen von ihm fünf allgemein als echt anerkannte 
Reden i), und von einer allgemeinen Vergleichung dieser mit üoxBajia 
sagt ApsHM. JleoHH^i.'L: »bii ,IIoxBajii' bh^hh Taate caMaa aa^yinen- 
HOCTb H npocTOTa, KOToptiMH OTJiHqaiOTCfl CjioBa apxHM. Cepanionatf. 
Insbesondere zieht aber apxHM. ^TbohiiaT' eine Stelle aus «IIoxBaja« 
zum Vergleich herbei, die von dem Einfall der Tataren in Kiev han- 
delt, sie stimmt allerdings so auffallend und wörtlich mit anderen Stellen 
aus den Reden Serapion's überein, das^ mau nicht umhin kann der Be- 
hauptung zuzustimmen, Serapion sei der Verfasser der «üoxBajia«. Die 
Stelle in )>IIoxBajia« (nsAanie jleoHHAa p. 24^9 ss.) lautet: kh xor^a 
öoatiHMX nonyiu.enieM'B rpix^ pa^H HamHXi pasApyiunmac ^omobb 6o- 
atecTBeHin, h ManacTLipeBe pasopeiin ötima, h rpa^H njiBHenn cyTi., ii 
ceaa onycTima ot^ asBiKa HeanaeMa, oxt asMKa HOJiHjocTHBa, oxt 
flStiKa cxy;i;a HcnojiHena im Bora 6oHU],acH, hh oyxpoÖLi uejOBiKOjiio- 
ÖHBH Aep3Kanj;a«. 

Die entsprechenden Stellen in den Reden Serapion's lauten 2] : 
»iipHÄC na HLi H3tiKT. HBMHJiocxHBT,, nonycxHBmio Eory h 'seMÄK) namy 
nyexy cxBopHma h rpaAfci Hamii njitimma h ii;epKBH CBflxtifl paaopnma, 

He njitnena jih ötiext aenura naiua, ne Bsaxe Jiii ßtima rpaAH 

Hamn?« Ferner eine weitere Stelle, die vor allem in Betracht kommt: 
»xor^a HaeeAe iia hbi üsmkt. iieMHjrocxiiBi, hslikt. jiioxi., nstiKt ne- 
n],aÄfliii,'B Kpacti yHLi, Heiviou;H cxapeu,!,, MjiaAOCXH ji,iTen ; paspyrnenti 
öoaceexBeHBie i];epKBH, ocKBepHenti öbima ccyAti CBameHHBia« h x. a- 

Stimmt man nun der Meinung zu, dass Serapion als Verfasser der 
»üoxBajia« anzusehen, und diese also nach 1240 verfasst sei (da nach 
»IIoxBajra« 25 ^ xiMate h eLU,e oxtb HHxt b paöoxi cyme h b-b osjroöjie- 
Hiii sjii, H B xoMJteniH ÄKiTi die Bedrückung fortdauert, um deren Weg- 
nahme Serapion den Theodosius bittet), so erhebt sich eine Schwierig- 



u Ä. p. 497 88., sowie E. üiTyxoB'B : CepanioHT, BjiaÄHMHpcKiii , pyccKiii npono- 
BiÄUUKT. XIII BiKa. Cnö. 1888. 

1) Cf. n. B. BjraÄHMHpoBT.: ^pesHaa PyccKaa JiHTepaTypa KiencKaro Ile- 
pioaa XI — XIII BiKOET.. KIcb-b 1901, p. 164 ss. und A. H. JlBinuHi.: Hciopia 
PyccKOH JiHTepaTypLi. 0X16. 1898. I. 220 ss. 

2) Abgedruckt bei B^hähmIpobi und XlLinuHt 1. 1. c. c. 



l>ie Zusammensetzung der sog. »noxHaja npen. ScoÄOciio IIcHopcKOMy". 219 

keit. Wie schon erwähnt, geht die bisherige Annahme bezüglich di i 
l{eliqiiien des Theod(»siu3 daliin, dass ä'w bei dem Kinfall der Tutaren 
von den München in der ICrde versteckt wurden. Unsere )/lIoxua-'ia« 
aber, also nach dem Jahre 1240 verfasst, in der Zeit von 1210 — 127 1 
entstanden, setzt durchweg voraus, dass der Leichnam des Theodosius 
vor den Augen der Mönche sei; e.gr. lloxiia.ia l'Ji^: »HMyute ucev^n 
iipeAT» oouiiMu iiuuiHMu puicy npeiioAoßnaro oxua iiauiero HeOAOcin, u 
Heil ate ahbcb nojioaeiio ßucTb MHorocTpaAajiHoe h cnnroe xtjo«, ib. 
11)21; »ciio (scl.paKy) cMarpHiome, jiico iia caMoro u:iiipaeMx ■. Apxini. 
^eoHHA't sucht sich mit der Annahme zu helfen, das.s das Verbergen 
der Keli(iuien des Theodosius erst bei der späteren Zerstörung des 
Klosters durch die Tataren im Jahre 1417 stattgefunden habe, »c.it- 
AyeTT> JuiuiounTi., uro muui,u iipcii. HeoAOcia cKpUTLi (c»iiymenLi ur. 
3eMJiio) IIB paiiie uToparo paaaopeiiifl oÖHxe.iH TaxapaMH ül 1117 
roAy« (p. 5). 

Die bisherigen Forscher nun, mochten sie einen «Unbekannten" als 
Verfasser der Iloxuajia annehmen, oder mochten sie mit apxHM.^eonHA'i» 
den Archimandriten .Serapion als Autor betrachten, sahen die Iloxua.ia 
als ein einheitliches Sttick, als eine Lobrede auf Theodosius an. 

Diese Meinung scheint mir nach genauerer Prüfung des Textes der 
»noxBa-iaa nicht gerechtfertigt. Vielmelir hat mich eine nähere Unter- 
suchung der )^lIoxBa.ia« zu einem anderen Resultat geführt, das im 
Folgenden näher begründet, hier aber schon zusammengefasst werden 
soll und das lautet: 

»unser »üoxBa.ia« genannter Text ist nicht ein einheitliches Stück, 
ist nicht eine Lobrede auf Theodosius, vielmehr besteht die »IIoxBajia« 
ans zwei getrennten Theilen A und B, jeder dieser Theile ist selb- 
ständig für sich eine abgeschlossene wnoxBa.ia« auf Theodosius, die 
ganze schriftstellerische Anlage und Inhalt von A und B ist eine ver- 
schiedene, die Zeit der Abfassung von A differirt von der von B um 
etwa 1.^0 Jahre, A und B sind ganz unabliängig von einander, sie sind 
auch nicht etwa von einem späteren Zusammensteller von A und B in 
Verbindung mit einander gebracht worden, sie stehen als zwei ganz 
vollständige Theile neben einander." 

Ich gebe nun zunächst den allgemeinen Inhalt und Gedankengang 
der »IIoxBa.ia« wieder und bestimme zugleich den Umfang von A und B, 
wie er durch die nachfolgende Inhaltsdarlegung und die sich daran au- 



220 L. K. Goetz, 

schliessende Begründung als richtig angenommen erwiesen werden soll. 
A beginnt bei ZeoHHAt p. 14^ mit: »noxBajiaeMy npaBeÄHHKy bosbb- 
cejiflTCH jiOAie« und endet p. 19^3 mit: »cefi .... noxBa-ia nama bcjih- 
Kan, H AptSHOBenie Harne k^ Bory«. 

B beginnt bei ZeoHHA'B p. 19^4 mit: »Aneet naMt, ßpaxie, paAO- 
BaTHCH H BeceJHTHCfl AyxoBHO noÄCÖacTt« und endet p. 26^'' mit: 

»Hhllli H npnCHO H B BiKtl BiKOMI., aMHHB«. 

Der Gang der »üoxBaja« vom Beginn von A bis zum Ende von B 
ist folgender. Der Todestag des Tbeodosius ist ein Freudentag, denn 
wenn schon das Scheiden eines jeden Gerechten aus der irdischen 
Trübsal, sein Eingehen in den Himmel Gottes, Grund zur Freude ist, so 
ist das um so viel mehr der Fall bei unserem Lehrer und Hirten, der 
nun vor Gott für uns betet. Der Sohn und der Knecht freuen sich, 
wenn der Herr vom irdischen Fürsten geehrt wird, um so wie viel mehr 
wir Schüler des Theodosius über die Ehre, die er bei Gott geniesst. 
Theodosius ist aber auch dieser Ehre werth, denn er ist, wie der Autor 
von A nun weiter ausführt, ähnlich wie Fürst Vladimir, der Erleuchter 
und Apostel Russlands geworden. Vladimir führte das Christenthum in 
Russland ein , und zeigte so dem Volk den Weg des Heiles. Einen 
zweiten Heilsweg zeigte dem Volk aber Theodosius : das Mönchthum. 
Wohl gab es auch vor ihm welche, die der Welt entsagten und den 
schmalen Heilspfad schritten (p. 15^6 f.): »ho oti eero vam> h oycxpo- 
enie Bci^i'h b Pycin MaHacTLipeM'B npeAacTbca hh 6o hht. HHKXoate 
CLBepmenaro oyMepmBJieHifl npeatAe ero noKasa, AKoate ceS ci> oyiiH- 
Te.ieMt CBOHMt, öjiaiKeHHLiM'i) AnTonieMt«. 

Nach einer Anzahl von Bibelsprüchen zum Lob des Theodosius 
kommt nun das Hauptstück von A, eine kurze Biographie des Theo- 
dosius. Diese schliesst sich in ihren Anschauungen wie in ihren Rede- 
wendungen vielfach an die von Nestor verfasste Biographie des Theo- 
dosius ani). Nach dem Bericht über den Tod des Theodosius sagt dann 
der Autor von A, dass Theodosius vor seinem Scheiden den Seinen 
seine Hilfe und Fürbitte bei Gott versprochen habe. Was er versprach 
hielt er auch, er hat uns — der Autor von A redet stets im Namen der 
Klosterbrüderschaft , aber auch nur im Namen dieser und kennt auch 



1) Ich benutze zur Vergleichung von den verschiedenen Ausgaben von 
»aCHTie npen. oma Haiuero öeoÄOcifl« den Abdruck bei B.A.H^KOBjeBt: üaMfli- 
HHKH PyccKOH JTaiepaTypBi XII ii XIII BiKOBi. 0116. IS72, p. I — LXIV. 



Die Zusammensetzunp der sog. »IToxBajja npen. eeoaociio ITeqepcKOMy«. 221 

nur eine Wirksamkeit des Theodosius für sein Kloster — seine Gnade 
erwiesen: npiixo,a)i n noctiua» ii aacrynaji h coxpaiuia, eoft.iio;ia;i oxaAo 
CBoe — nämlich das HöLleukloster und seine Brüderschaft — otl 
Bpan. Ayiiii» Haiiiiixi,. 

Mit einem begeisterten Lob auf Theodosius als Hirt und Helfer 
seines Klosters schliesst dann auf p;anz natürliche Weise A: 19" »kto 
C)Q Ko.iH iio.ieuHLix'i. iipnciiirr. t'/Kc KT. oiiaeeiiiio oy paKi.i cujiraro ii no- 
rptiimirr. iiaAeacAoy '.' ii.ni kid iipiiauaui. c utpoK» iimh cuhtog h hchs- 
öau.ieirr. Mi f)MCTh uMiU AyiiJeuin.i)i h u(i.iL;jiih TcieoiiLin? ceil naMi. 
aiiocTo.n. II iipononLAiiMia., ceu na>n. naerupi. it oytnrrejii., ceii iia.Mi. 
uü^Ai» u iipaBHTejh, ceii iiaM-r. cTtiia ii orpaacAciiie, ncxna^a iiauia ue- 
•THKan, H AP'r.3H0Beiiie iiaiiie u% r)Ory'f. 

Nunmehr beginnt, nachdem die einfache biblisch -historische IIo- 
xBOJia A ihr Ende gefunden, ganz ohne jede Vermittlung die künstlerisch- 
rhetorisch ausgestaltete TToxBa.ia B und zwar ähnlich wie A mit dem 
allerdings für beide Autoren gleich nahe liegenden Gedanken (p. 1 !) ^*) : 
Aiieci. iiaMX, fipaTJe, pa^ouaTiicn h Bece.iHTiicfl Ayxonno iioAOÖaeTi.. 
Grund der Freude ist, dass wir den Sarg des Theodosius vor uns haben, 
in den heute, am 3. Mai »iio.iOyKeno (ii.icn. MiiorocTpa,i,a.iiioo n oBHToe 
Tf..io(( 'p. 19^2 Gleich geht nun B im Gegensatz zu der Auffassung 
von A dazu über, Theodosius nicht nur als Vater seines Klosters, son- 
dern als hochgepriesenen Heiligen des ganzen Russenlandes durzu- 
stellen, dessen Wunder )^bo bch Konua poycKLi« aeMJia« leuchten. 
Theodosius schaut vom Himmel hernieder und freut sich, wenn seine 
Gebote erfüllt werden. Aber ohne seine Hilfe vermögen wir nichts, 
darum rufen wir heute an seinem Todestage im Chore ihn an. Nun folgt 
ein langer in gleichmässigeu Sätzen gebauter Lobeshymnus auf Theo- 
dosius, in dem er und sein Werk der Mönchsorganisation nach ihrer Be- 
deutung gepriesen werden. Es geschieht das aber nicht wie in A in 
biographischer Form, sondern es wird in der liturgischen Kunstform 
des AKaencTT, [a'/.üd^iGrog sei. vf-ivog) das Resultat seines Wirkens 
dargestellt bezw. gepriesen. Zu betonen ist dabei, dass die weite Aus- 
dehnung, die seine Mönchsorganisation über die Lande genommen hat, 
reichlich hervorgehoben wird. Wenn schon dieser Lobeshymnus von der 
Person des Theodosius ausgeht, so tritt doch die spätere Grösse des 
Klosters vor der persönlichen Bedeutung seines Gründers hervor. Theo- 
dosius hat zwar der Muttergottes die Kirche in der KisBO-IIe'iepcKa;! 
Jaspa erbaut und war ein treuer Diener Mariens, aber dafür hat nun- 



222 L. K. Goetz, 

mehr Maria ihre Gnade reich über dem Kloster walten lassen, und jetzt 
eicht dessen Ruhm an die Enden der Welt. Die »IIoxBajia'c B wird zu 
einem förmlichen Hymnus auf die Mönche (p. 2 1 1^) : ^iio^oTBopu;« no- 
Kasamacii h npopoyecTBy ot^ Bora cno;i;o6Hmaca, npospinia otx cbh- 
Taro Ayxa Aapx npiauia, h c^tobbch öo^LecTBeHHOMy ötiina oyiHTejiH . 
Entsprechend diesem Lobpreis der Mönche, von dem A nichts weiss, 
fährt nun auch B, wovon gleichfalls bei A sich gar nichts findet, fort, 
die zahlreichen Besucher des Klosters aufzuzählen (p. 211^): »npiixe- 
Koma i];apie, h noKjroiiHmaca khhsh, nOKopnmacH BSJiMoata h Bocxpene- 
Tama CHjrniii, oy^Kaeomaca nH0fl3fcitiHHi];i,i«. Wieder wendet sich B 
dazu, die Wirksamkeit der Mönche zu preisen, die geistigen Gaben, wie 
die der Austreibung böser Geister, die sie haben, zu rühmen: »TaKOBiH 
— redet dann B (2127] (jg^ Theodosius an — cyxb oxpaciH TBoero 
BHHorpaAa, xanLi cyrt BiTBii TBoero Kopene, ii xaKOBii cyxh exo-inn 
XBoea xpaiviHHti«. Weiterhin werden die Mönche als würdige Nach- 
folger des Theodosius dargestellt, wie sie auch rechte Schüler Christi, 
der Apostel, der Märtyrer und der ersten Mönche der Christenheit sind. 
Das alles gilt aber von dem Mönchsgeschlecht, das vor dem Autor von 
B lebte, und nun geht Serapion, der Autor von B, auf seine Zeit, auf 
sich und seine Brüder über. Serapion uud seine Brüder erreichen zwar 
das Vorbild des Theodosius und seiner ersten Schüler nicht, aber sie 
vertrauen darauf, dass nach dem Worte des Theodosius der das Heil 
seiner Seele erlangt, der im Kloster lebt und stirbt. Serapion klagt 
dann dem Theodosius, welchen Ansturm seitens des bösen Feindes er 
und seine Brüder in ihrem Inneren oft zu erdulden haben, in diesem 
geistigen Sturm ist Theodosius der Steuermann ihres Lebensschiffes : 
(p. 23'): »xeöe KpT)Myiio oöpixoxoM'E, iianpaBii nacB k't, npHcxamimy 
XHxoMy H öypio MticjeiiyK) oyxnmHw. Serapion bittet Theodosius um 
seine Hilfe gegeu die menschliche Lässigkeit, in die er und seine Brüder 
verfallen, er bekennt ihre Schwächen und bittet umsomehr Theodosius 
um den Schutz für sein Kloster, den er seinen Jüngern vor seinem Tode 
versprach. Bei den ersten Schülern des Theodosius, eifrigen Jüngern 
seiner Regel, half der Schutz, das Kloster blühte. Aber jetzt ist um der 
Sünden willen das Joch der Tataren über Kloster und Land gekommen. 
Um Befreiung von ihnen fleht Serapion und um Schutz vor allen sicht- 
baren uud unsichtbaren Feinden. 

Zum Schliiss bittet Serapion noch Theodosius gewissermassen um 
Verzeihung, dass er es gewagt habe, diese Lobrede auf ihn zu halten, 



Dio Ziisararaensetznng der so;:. ..rToxBa.ia tip.'n. fteoaociio üeHepcKOMy.. 223 

(lenu nach Verdienst des Theodosius könne sie doch nicht ausfallen. 
Mit erneuter Anrufung des Theodosius unter Verwendung liturgischer 
Formeln schliesst dann B: p. 2G^: j»TtM>Ke u uecrnaH r.iiiuo, cnarLni 
oTue npeiiO;V>f»Ht' HeoAocie, iie iiporntnaücH na .mh rjrliiiiiiaro, ho moju 
.MHi paÖ'L Tnoe.Mt; a^i ne ocyahti. mimic ui. Acm. iipHiiiecTui)! cuoero 
rociioAi. naiiif. Inoycr. xpncToci., cMyÄo c.iaiia imAfflacTf., ci. de^na- 
'la.iHLiM'r. er(j otuomi. ii ct. iipcfiurn.iM r. ii Ct.ian.iM f. n yKiiiio'niopniiuiM'L 
AyxoM'i., iii.iiib II iipiieiin ii i; nt.Ki.i ni.icoMi. aMHiib«. 

Fasst man die l)if!*erenzen zwischen A und 15 /usamraen, wie sie 
zum Theil bereits aus der Darstellung des Gedankenganjrcs der »IIo- 
xua.ia>' sich ergeben haben, und wie sie zum anderen Theil noch einzeln 
vorgeführt werden sollen, so, glaube ich, darf man A und 15 im allge- 
meinen so charakterisiren: A ist eine einfache biblisch-historische Lob- 
rede , bald nach dem Tode des Gepriesenen, unter directem, noch 
frischem Eindruck seiner Persönlichkeit entstanden, B ist ein liturgisch- 
rhetorischer Pauegyrikus, dessen Autor nicht nur das Lebenswerk des 
Gepriesenen im Auge hat, sondern — und damit tritt auch bei ihm die 
Person des Theodosius stellenweise zurück — auch die Folgen des 
Wirkens seines Helden, die Ausdehnung, die sein Werk in vielen Jahr- 
zehnten gewonnen hat, übersieht. 



Fragt es sich, wo A von B zu trennen ist, so scheint mir die 
einzig passende Stelle die von mir oben bereits angegebene auf }>. 19 '* 
zu sein. lIoxDa.ia A ist an dieser Stelle zu ihrem natürlichen xVbschluss 
gekommen, unverkennbar beginnt, mit ähnlichen Worten wie A an- 
hebend, hier B. Das dritte Wort schon des Beginns Anecb naMi. öparie 
(p. 19 1-* , die Anrede an die Klosterbrüderschaft, die sich vorher in A 
nicht findet, lässt einen Wechsel im Autor vermuthen, sofort setzen 
auch die Wendungen und Worte ein, die eine ganz andere, historisch 
bedeutsamere Auffassung von Theodosius bekunden, als sie A bietet, 
alle die Ver:^chiedenheiten zwischen A und B nehmen mit dieser Stelle 
ihren Anfang. 

Gehen wir nun also einmal von der Trennung von A und B an 
dieser Stelle als berechtigt aus und betrachten wir die einzelnen Theile 
gesondert, mit ihren besonderen Eigenthümlichkeiten. 

A ist, 30 wie sein Gedankengang oben geachildert wurde, ein in 
sich abgeschlossenes Ganze; der passendste Abschluss für eine Lobrede 



224 L- K. Goetz, 

auf Theodosius ist dessen Verherrlichung als Schützer in leiblichen wie 
geistigen Nöthen, die Konstatirung, dass, wer ihn mit Vertrauen anrief, 
Hilfe erfuhr, die Zusammenfassung des Werthes, den Theodosius als 
Hirt, Lehrer, Lenker, Führer, Schutz u.s.w. für den Verfasser und seine 
Mitbrüder hat. Darum ist es ganz erklärlich, dass B mit einem dem 
Ende von A entsprechenden Schluss aufhört. Aus dem Umstand, dass 
hier A zu Ende ist, wird nun auch der Satz p. 19 ^^ f. ji^nech ^laM^, 
öpaTie, pa^OBaTHCH h BeceJiHTHca ;i;yxOBHO noAo6aeTT> ii öjiarooyKpa- 
maxHca h npas^HOBaTH paAOCXHO vollständig verständlich, eben als der 
Anfang von B, während sonst ja kein Anlass für den Autor vorhanden 
wäre zu wiederholen, was er die ganze Zeit sagt, und was er erst einige 
Zeilen vorher betont hat, dass ein Freudentag ist, und dass der Sarg des 
Theodosius gegenwärtig ist. 

A kann nun aber, von allen anderen Gründen abgesehen, nicht 
vom gleichen Autor wie B sein, weil Serapion, der Autor von B, nach 
1240 schrieb, der Autor von A sich aber ausdrücklich als unmittel- 
baren Schüler des Theodosius bekennt. Und ^war nicht nur so, dass 
aus seinen Worten hervorgeht, dass er unter dem frischen Eindruck der 
mächtigen Person des Theodosius steht, dass der Gründer des Klosters, 
so wie er streng nach der Regel lebte, unermüdlich in Arbeit und Ge- 
bet, Helfer und Diener aller Brüder, lebendig vor seinem geistigen 
Auge steht. Der Autor von A sagt vielmehr direkt, dass er Theodosius 
persönlich gekannt habe und bei seinem Tode zugegen gewesen sei: 
p. 141^: »r^i 60 pa^ocTH cea öcjimn, ea:e cnoAOÖHXOMCii bh^^th 0Ti];a 
H oyiHTBjra namero OTmecTBie k^l Eory h npinMuia BiHei];^ HeTaima 
H H^rAi ö.jHS'B npecTOJia BjraAtiyHa npeACToau],a BcerAa«. Es ist also 
nicht in übertragenem Sinne, sondern ganz wörtlich zu verstehen, wenn 
der Autor von A unmittelbar darnach sagt (p. 14 22); »mbi a:e ctiHOBe h 
paÖH rocno^a CBOero äwkjuut, h Bece.10 npasAnyaMi) xBaJiHme ero 
noABHrn h noöiAti na Ayxti iievHCTtia h a-« 

A scheint mir nun auch unter besonderem Einfluss der Biographie, 
die Nestor von Theodosius schrieb, entstanden zu sein. Die Epitheta 
ornantia, die A für Theodosius hat, sind die gleichen, wie sie Nestors 
JlCiiTie öeo^ocia ^) bietet, sie sind allerdings vielfach überhaupt die Be- 
zeichnungen, die in den Vitae Sanctorum stehend sind. Immerhin seien 
einige angeführt, weil sich nachher zeigen wird, dass die Ehrennamen, 



1) Bei ÜKOBjieB'B : üaMiiTHHKu p. I flf. 



Die Zusammensetzung der sog. •noxBa.ia npen. 6coAociK> IleqepcKOMy«. 225 

diu B dem Theodosius gibt, audereii Charakter tiageu. üacToyx'i. ii 
oy<iHTejib(>lKoi3,iei3'B p.lIP' und passim) ist auch iu IIoxiia.ia A stohen- 
der Ausdruck für Theodosius (p. l 1 >2-'3, 17 23). Dass Gott den Theodo- 
sius von Mutterleib an ausgewählt habe, findet sich in gleicher Weise 
in »^HTie« (HKOBJieBi. p. V^^) wie in noxna.ia A (p. lü*], ebenso die 
Bezeichnung des Theodosius als «Leuchte« ('v^iiTie^ bei ilKoujieBi. 
p. IlP^j Iloxuajia A p. ll**) oder als "Sonne« (Ilüxnajia A p. 10'^, 
))3CHTie« bei Hkoejibot. p. XXV^'^j Die Stelle von Theodosius (IIo- 
XDa.ia A p. 11 ^^) »H Aep3iioBenie miyma mojihtii o iiacT> BJiaAWKyo be- 
ruht wohl auf den Worten des Theodosius vor seinem Tode (»^HTie« 
bei nKOBJeut p. LIX**^) »paayMtHxe AepaiioBenle Moe eate icb Borya 
.... (ib. p.LIX*): "IIB HMoyu^H Api-anoBeiiifl k iioiy mojihthchc Seine 
«nofiiAM na AyxH iicmcTtui« üoxuaAa A p. H^'» sind in »^Hxie« (bei 
HKOBJieBT. p. XXIU) ausführlich beschrieben. In der gleichen Weise, 
wie in ^iixie (HKOBjaBi p. VII) erscheint auch in «IIoxBa.ia" (p. 16*') 
die Mutter, die Theodosius von seinen asketischen Neigungen abbringen 
will als vom bösen Feind dazu veranlasst. Auch die Schilderung der 
körperlichen Stärke des Theodosius, der Dienstleistungen, die er für 
seine Brüder freiwillig übernahm, seiner Deniuth u. s. w. in «JKirriea 
und «IToxBa.ia« A stimmen dem Wortlaut nach sehr viel überein (cf. 
IIoxBajia A p. 17 ^"^sa. und »^iiTie« bei /iKOBJaBt p.XIX^Sgs., llcxnaja 
A p. 1721 3s. und ».^HTie« bei HKOBjee-L p. XX23s3., üoxBajia A 
p. IS 10 und »3CHTie« bei HKOB.jeB'L p. XIX 28; üoxBajia A p. 18 ^^ und 
»)KHTie« bei Hkoejibbt. p. XX 2<). Als die Mönche des Höhlenklosters, 
nachdem ihr Igumen Varlaam ihnen vom Fürsten Izjaslav weggenommen 
und zum Abt des fürstlichen Klosters zum hl.Demetrius ernannt worden 
war, von Antonius, dem ersten Gründer der Klostergemeinschaft, sich 
den Theodosius als Abt erbaten, da wird sowohl in »^ChtIb« (bei Hkob- 
jBBi. p. XX21, als in »üoxBajia« A (p. 18 ^ bei der Darstellung des 
Vorganges unter den für die Bezeichnung »Abtswürde« vorhandenen 
Worten in gleicher Weise »CTapiniiiHHCTBO« gewählt. 

Ob aus dieser Uebereinstimmnng von »^nxiB" und »IToxBajta" A 
ein Schluss nach einer bestimmten Richtung gezogen werden darf, 
darauf werde ich später zurückkommen. 

Eine Anzahl anderer Punkte, die noch hervorzuheben sind zum 
weiteren Erweis, dass die Autoren von A und B verschiedene Personen 
sind, dass sie von verschiedenen Gesichtspunkten aus schreiben, lassen 
sich besser einreihen, wenn die Besonderheiten von B gezeigt werden. 

Archiv iör Blavische Philologie. XXVI. 15 



226 L- K. Goetz, 

IIoxBaJia B nun erscheint A gegenüber als rhetorisches Kunstwerk 
neben einer einfachen historischen Lobrede. Es ist von A in doppelter 
Hinsicht ganz verschieden, in formeller wie in materieller. Seine 
Sprache ist eine andere als wie die von A, sein Inhalt und die Auf- 
fassung von Theodosius, die B dabei bekundet, ist eine andere, als 
die A hat. 

Ein durchgängiger Vergleich der Sprache von B mit der 
von A zeigt, dass B gegenüber der einfachen Wortgebung von A eine 
reiche Phraseologie besitzt, die künstlich ausgestaltet ist, die poetische 
Bilder besitzt, wie sie A ganz fremd sind. Statt vieler Beispiele setze 
ich nur das Schlussbild aus B her (p. 26 ^ ss.): «cie Majioe ncxBajenie 
HKO Ma.ix H cMepAHmL noTOK-L Kl. lUHpHHi MoptcTifi npHBa;THBaflca HB 
Aa Mope HanojiHHT'B ho ^a CMpaAa oiihcthtch«. 

Gleich beim Beginn von B (p. IQi^j setzt diese kunstvolle und 
schwunghafte Sprache ein. A nennt den Sarg des Theodosius eben ein- 
fach nur »Sarg«, B malt das sofort weiter aus (p. 19^9 gs.); »cIh paKa 
npiflTx cEKpoBHme HeKpaAOMO, ci.coyAX CBaxaro Ayxa, oprant 6o- 
atecTBeHHH, ^lecTHoe t^jio OTi^a namero h cyTiHTejia, eiio csiaTpHiome, 
flKo Ha caMoro BSHpaeMi.«. 

Die Epitheta ornantia, die B dem Theodosius beilegt, sind wesent- 
lich verschieden von denen, die A hat. A erhebt Theodosius als Lehrer 
und Hirten, als Führer und Organisator der Mönche, so wie der Autor 
von A Theodosius leben und wirken sah , er hat gewissermassen eine 
konkrete Auffassung von Theodosius, B dagegen, dem Theodosius nicht 
persönlich nahe steht, sondern dem Theodosius eine historische Grösse, 
ein Heiliger seines Volkes ist, begnügt sich nicht mit diesen einfachen 
Lobesworten, er wählt abstrakte Ausdrücke, Bilder wie (p. 20 25) 
»HCTOiHHie CjiaAKHH« odcr (p. 211) »exojine orHSHtiHtf. Aehnlich abstrakt 
schildert B den Theodosius als den Steuermann in den Lebensstürmen 
seiner Mönche (p. 23^): »Teöe KpxMyiio oöpiToxoM-L, Hanpasn nacL k% 
npHCxaHHHmy XHxoMy, h öypio MLicjanyK) oyxmnn«, eine Auffassung, 
zu der A keine Parallele bietet. Auch der historische Fortschritt, den 
in der Beurtheilung von Theodosius B gegenüber A bekundet, kommt in 
diesen Epitheta zum Ausdruck. Für A ist Theodosius durchgängig der 
Organisator des russischen Klosterwesens. B hat schon die geschicht- 
lich gereifte Frucht dieses Lebenswerkes des Theodosius im Auge, wenn 
er ihn bezeichnet als » oyMHoatHBfciä cxa^o cjiOBecHtix'B obbi^'B b AOMy 
öoatiÄ Maxepe« (p. 20^1). Ebenso nennt A Theodosius nur »hjaotbo- 



Die Zusammensetznng der »og. »IIoxBaja npen. 6eoA0ciK> IleiepcKOMy«. 227 

peuT. B aeMjH pycTeii« (p. 14 '^j; dagegen B, das Kesultat der Wirk- 
samkeit des Theodosius ins Auge fassend (p. 20*88.): » npocutmeuie 
pycKLifl 3eMJfr, h6o jiko Aenhiinua h;i ;ianaAt noAhcn oxi. BOCToica iipo- 
B03cifl, H UCK) ae.Mjiio poycicyio iipocuiTiH'. 

Ein Haiiptunterschied in formeller Hinsicht ist, dass B gegenüber 
den einfachen Lobeserhebungen von A seine »noxua-ia« auf Theodosius 
in die liturgisch-typische Form des sog. AKanHcxx einkleidet '). In 
zwölf Sätzen, die jeder mit dem stehenden Einganswort «paAyMcaa 
(p. 20^33.) beginnen, wird, was alles von Theodosius zu preisen ist, 
zusammengefasst, bis mit dem dreizehnten »pa^yiica« (p. 21 'i; die 
IIoxBawTa auf Theodosius übergeht in die auf die lüeBO-IIeMepcKafl 
JlaBpa, auf des Theodosius Werk, seine Schüler. 

An sprachlichen Besonderheiten von B, die A gar nicht kennt, 
seien noch zwei genannt, die beide der grösseren zeitlichen Entfernung 
des Autors von B von Theodosius entsprechen. B verwendet für das 
Kloster alsterminus technicus das Wort 'JlanpaM (e.g. p. 2 i '*, 22 2, 23 25] 
A kennt das Wort als Bezeichnung des Ilöhienklusters noch nicht, er 
spricht nur von MauacTLipt, weil eben um das Jahr 1 100 »JlaBpa« noch 
nicht Amtsbezeichnung für das Kloster war, vielleicht als Ehrennamen 
für das ilöhlenkloster vor der Mongolenherrschaft überhaupt nicht 
sicher nachzuweisen ist 2). 

In B kommen ferner Worte vor, die den Begrifi" »Ausländer« aus- 
drücken, und die sich in A nicht finden. So heisst es in IIoxBaja B 



*) Cf. als Muster eines solchen Stückes den »ÄKaeHcii. npeßjarocjtoBen- 
Hiii B.iajii.iqimi Hameü Eoropojuui a npHcnoÄiBi Mapiu« im "Mo.iutbocjiobt.« 
der russischen Kirche, siehe auch A.Malcev: Menoloyion der orthodox-katho- 
lischen Kirche des Morgenlandes. Berlin 1900. I, 9. 

2) Die Bezeichnung D.laBpa« findet sich, soweit ich sehe, zum ersten 
Male in dem angeblich aus dem Jahre 1159 stammenden Sclireiben des 
Fürsten Auapeü EorojioöcKiü, das das Hühlenkloster zum Rang .raBpti u CTaB- 
ponHriu BejHKOKiifl>KecKoii u naxpiapuieä erhebt, das heisst es unabhängig, 
exempt, vom Kiever Metropoliten macht. Das Schreiben ist aber eine offen- 
kundige Fälschung aus viel späterer Zeit Cf. MaKapiii : HcTopia PyccKoä 
IlepKBuä. Cn6. 1880. HI. 41 ss., 43^0. Die Betlenken, die MaKapiii hier gegen 
den Gebrauch von ».laBpa" in unserer »üoiBaja« äussert, halte ich für unge- 
rechtfertigt; sie stammen daher, dass eben MaKapiii noch wie KyöapeB^ und 
andere einen »Unbekannten«' als Autor der üoxBa.ia annahm, diese also ver- 
muthlich nicht in so späte Zeit herabrückte, als es für IIoxBaJia B nach dem 
Nachweis von apxHM. JIcohhai nunmehr geschehen muss. 

15* 



228 L. K. Goetz, 

(p. 20 22 gg.): »paAyHca na^KHTH BHHorpaAa xpHcxoBa, HanHTaBtiil ^o 
HSÖMTKa cjOBecHHfl OBi];a, efl3Ke BKycHBine h ^noKAecxpaHHifi obii;h 
n AOMy 6o3Kia Maxepe aaTBopHiuaca h BKynt c b^phlimh tbohmh qa^H 
eoBOKyniiiuacH« und (p. 21i^) » oyatacomaca HH0H3biyHHi];i.i BH^ame 
^iejiOB']&Kti He6ecHMH no bbmjih xoAflii],a«. A konnte eben diese Worte 
nicht bieten, weil zu seiner Zeit, nach dem Tode des Theodosius, der 
Ruhm des Klosters noch nicht so weit gedrungen war, dass auch Nicht- 
Russen ihm zuströmten, wogegen aus dem XII. Jahrhundert der KieBO- 
neyepcKÜt XlaTepHKT) uns berichtet, dass ganze heidnische, nichtrussi- 
sche Familien sich taufen Hessen und im Kloster, d. h. wohl auf dessen 
Landbesitzungen, Wohnung nahmen^). 

Auch darin liegt ein auch sprachlicher Unterschied der IIoxBajraB 
von A, dass in letzterer Theodosius so zu sagen als gegenwärtig ange- 
redet bezw. behandelt wird , während in der zeitlich weit von Theo- 
dosius entfernten TIoxBajia B der Sarg des Theodosius mehr hervortritt, 
der dem Verfasser den Theodosius geistig und leiblich nahe bringen 
muss. üoxBajia B(p. 19 i**): »HMyme BcerAa npe^i. oyHMa namHMa paKy 
npenoAOÖHaro 0Ti];a namero ©eoAocia« und (p. 1921) »ciio cMaTp>noiu,e, 
flKO Ha caMoro BanpaeM^,, h6o ame h bo rpoöi no;roaceHT& 6bict6 cbk- 

TLIH, HO AyXOMT) C HaMH BCTb BCerAa H ^.« 

Eine andere sprachliche Verschiedenheit weist darauf hin, dass 
wir es in IIoxBaja A nur mit den einfachen Formen der natürlichen 
und selbstverständlichen Verehrung des Meisters durch seine Schüler 
zu thun haben, während in der Phraseologie von B sich die amtlich- 
liturgische Verehrung des förmlich kanonisirten Theodosius deutlich 
wiederspiegelt. In IIoxBajia A (p. 14^2] heisst es nur: «mli ate cwHOBe 
H paÖH roeno^a CBoero jiHKyHM'L h Becejo npasAHyeMx«; dagegen in 
HoxBaaa B (p. 22 26 e. g.): »MOJieÖHO npHStiBaeM xa«. Voraus- 
setzung ist dabei natürlich in A wie B, dass Theodosius Fürbitte bei 
Gott für sein Kloster einlegt und dieses vor feindlichen Gewalten be- 
wahrt. Mit dieser verschiedenen geistigen Grundlage von A und B 
hängt es auch zusammen, dass Theodosius in A mit den oben genannten 
Epitheta ornantia in der dritten Person allgemein als ÖjaaceHHtiH 
(p. 17^2]^ wie auch öfters so in »^Caxie«, npeno^oöntiH oxei^^ namt 



*■) Cf. die Erzählung von den Polovcern im üaTepHKi. ed. ÄKOBjeBTb: 

üaMflTHHKH p. XCVI'^ »0 CMlipeHHOMt H MHOrO Tptui.^IHBOMX HuKOH^ ICpHO- 

pusai«. 



Die ZusammenBetzung der sog. »üoiBaja npen. deoAociio Ile^epcKouy«. 229 

(p. 15^^ e.g.) xpaöop'B xpncTOB^ bezeichnet, dagegen in li direkt mit 
den Worten »o cuhtlih oTie Geo;^ocie« und )icujitlih ot'ic, npciiOAoö- 
iiLiM HeoAocie ' (p. 2Ul, 2ü*) angerufen wird, wie das ja auch in dorn 
dreizehnmaligen paflyucn zum Ausdruck kommt. 

In A wird auch das Kloster nur einfach »fl^oyn, iipcincTLiH 6o»ifl 
Marepe« (p. 19' e.g.) genannt, wäluend 15 es viel hiluliger und wort- 
reicher betont, dass die Jungfrau Maria in Thcddosius einen solchen 
Verehrer fand, wie sonst keinen, dass er ihr Knecht uml Diener ist, ihr 
das Gotteshaus baute u. s. w. fp. 21's8.i: npa^YHca .jeMUMÜ amejie 
H nefiecHMH 'le.Toii'feye, paöe ii c.iyro npcmcTLiH (Joacia Marcpe ; mioro 
Öo iie oöptre erpoHTeja ÄOMy cnosMy, paanie xeöe eroaee no3Jiof5H h 
oßimacn npnctii;aTii (l.iaroAaTiio ÄapoB7>, hko ate h ÖLicxb«. 

Auch darin unterscheidet sich B von A, dass an den Stellen, wo 
sie Beide betonen, dass sie mit ihrem Lob an die Person des Theodosius 
nicht heranreiclien, A das thut mit den einfachen referirenden Worten 
(p. 15 2): j)ii y6o kto aoctohiio noxra.TiiTr,, ii.th üoijncJin'rHTx neMiiaro 
anre;ia ii iießeenaro MejiontKac, während B sich selbst redend einführt 
(p. 25i*'s3,): nniAa« tbob .lerKocepAie Aepsiiyxt npocTpirn >i:}likt. 
CBOH na TBoe ncxna-Teiiie, iie hko no AOCTOfluiio xna.iy tu npnuocn no 
ce6t 03'entx'B Man npnoöptcxH otx xeöe oxye, 11 ocjiaCiy rpixoMx> 
CBOHMt H A-«, (p. 25 26): na3 ace KaKO no Äocxofliiiio BosMory noxBajiHXH 
Xfl, cKBepiia oycxiia iiMia 11 iieyncxT, /otiKX (f . 



Wie in formeller, sprachlicher, so ist nun auch in materieller, 
sachlicher Hinsicht B von A ziemlich verschieden. Die Auffassung der 
Person des Theodosius, die Beurtheilung seines Lebenswerkes ist in B 
eine ganz andere als in A; sie stellt sich in B dar als das Resultat einer 
gegen zweihundertjährigen Entwickelung des Klosters, in A ist sie eine 
engere, die nur mit der Person des Theodosius selbst und den ersten 
Anfängen seines Werkes rechnet. 

In A ist Theodosius so zu sagen Lokalheiliger, Schutzpatron des 
Höhlenklosters, der seinen Brüdern und Schülern Lehrer, Führer, Orga- 
nisator war, dessen Fürbitte bei Gott sie auch nach seinem Tode vor 
körperlichem und geistigem Schaden bewahrt (cf. besonders den zusam- 
menfassenden Schluss von IToxBaira A p. 19). 

In B ist Theodosius der 1 108 kanonisirte und seitdem immer mehr 
bekannt und geliebt gewordene Heilige von ganz Russland, der (p. 20 ^ ss.) 



230 L. K. Goetz, 

»npocBimeme pyccKMa seMJiH« heisst, weil er »hko ^eHbHHi^a na aana^i 
flBJLCH oTx BOCTOKa npoBOScifl H BCK) seMJiio poycKyio npOCBiTHC 

Dieser Beurtheilung seiner Person entspricht die in A und B ver- 
schiedene Bewerthung seines Werkes. 

Bezeichnend ist da vor allem der Vergleich, den A und B bezüg- 
lich der Person und des Wirkens des Theodosius mit anderen Mönchen 
und Heiligen anstellen, 

A, bald nach dem Tode des Theodosius verfasst, rechnet noch 
nicht mit dem Aufschwung, den das altrussische Mönchthum auch 
ausserhalb Kievs durch das Wirken des Theodosius, durch seine Ein- 
führung der Studitenregel ^), durch das Beispiel der Mönchsgemeinschaft 
im Höhlenkloster im XH. Jahrhundert nahm. Darum vergleicht A den 
Theodosius in seiner organisatorischen Thätigkeit nur mit den Mönchen^ 
die vor ihm waren (p. 15 ^^ ss.):. »6'6ma 60 h npeate cero OTxoA-in^e 
OTi> MHpa, H oysKLiMt nyxeMi rpüAy^e, ho otx cero iihhIi h oycxpoe- 
Hie BciMt B pyciit ManacTLipeMi. npeAacxBCH hh 60 hhi. HHKTOJKe cl- 
Bepmenaro oyMepm;B.ieHiH npeat^e ero noKasatf. 

B übersieht eine fast zweihundertjährige Geschichte des Klosters, 
hat auch die anderen Klostergründungen vor Augen, die nach dem 
Muster des Höhlenklosters geschahen. Er misst Theodosius also nicht 
nur an seinen Vorgängern, sondern auch an seinen Nachfolgern (p. 20 ^i) : 
»pa^yncH o^^MHOJKHBfciä cxaAO cjiOBecHtixi. OBeu,!. b AOMy öoMa Ma- 
Tepe, flKO HH eAHHX npeat;],e xeöe hh no xe6i b scmjih nameä 
oßpixecH«. 

Dem entsprechend redet A auch nur von dem Gedeihen des 
Mutterklosters in Kiev selbst, von dem Schutz, den es an Theodosius 
hatte. B dagegen rühmt die grosse Ausdehnung, die des Theodosius 
Werk genommen hat. Serapion preist einmal das hohe Ansehen, in 
dem sein Kloster bei den Hohen der Welt steht, er rühmt seine geistige 
Macht über Heiden und Nichtrussen (p. 2 1 ^^ gg.) ; »npnxcKoma i];apie, 
h noKjroHHHiacH khhsh, noKopHmacü Be.aM03:a h BOcxpenexama CH.iHiH, 
oyjKacouiacfl hhohsbi^hhu;« «. Bis an der Welt Ende reicht der Ruhm 
der KioBO-IIeyepcKaH JlaBpa (p. 21 ^^ss.): »jiaBpa xboh xBajinxca 
xeö'fe H B KOHU.MX'L BcejeHHBiH cjiaBHO ÖHCTt Hape^enie ea, cxpanH ah- 

BHXCfl 0XI];eM1. 6LIBmHMT> B HCH H A-«- 

Aber wie B in Erweiterung der Anschauung von A Theodosius 



') Cf. »^HTie« bei ÄKOBJieBX, IlaMflXHiiKH p. XXI. 



Die ZusammenHCtzuDg der sog. »IIoxBaja npcn. 6eoAOciio nenepcKOMy«. 231 

nicht nur als Organisator des Klever Klosters, als Vater der .laupa an- 
schaut, sondern als Organisator des ganzen russischen Münchthums, so 
beschränkt sich ferner Serapion nicht nur darauf, die HlUthe seines 
eigenen Klosters schwunghaft darzustellen, er legt vielmehr viel Ge- 
wicht auch darauf, dass in ganz Kussland die organisatorische Wirk- 
samkeit des Theodosius Fruchte getragen hat (p. 2u '^ ss.): «paAyiica 
nacaAHxeJH) BniiorpaAa xpncTOBa, «kg npocTpomacH poarH ero ao siop« 
H AO pT-KT. oTpacjiH ero, ntcTh 60 crpaiiLi tom, um sitcra, HA'fcÄe iie 
6ucTb .io;ta niiiiorpaAa xuoero«. 

In A ist der naturgemäase Mittelpunkt der Darstellung Theodosius, 
auf ihn laufen alle Lobeserhebungen schliesslich hinaus, seine Schtller 
treten neben ihm gar nicht hervor, sie sind eben nur seine «clhiouc n 
paÖH« (p. 14 '^3j, jn B^ da Serapion die glanzvolle Entwickelung des 
Klosters nach dem Tode des Theodosius übersieht, werden unwillkür- 
lich die Mönche der Jlairpif in ihrer Grösse dem Theodosius nalie ge- 
rückt, so dass sich ein ganz natürlicher Uebergang von der Erhebung 
des Theodosius zu ausgiebiger Verherrlichung seiner Mönche ergibt 
(p. 21 '^ SS.): »KaKO npoeimiia >iko :jBt3AU na TBepA« uedeciitH, ,xkjisi- 
Te.TO aanoutAG-M (ioacin.M'L «uniuaca, 'iioaotuoj)uli iioKajaiuaoi n npopo- 
qecTBy ot-b Eora cnoAOÖHmacb, npo3ptnia ott, cnnTaro Ayxa AapTb 
npiaiiia n c.ioBeen (lo/KecTneiiuoMy ÖLima oyniTe.iii«. Serapion nennt 
sie sogar mit dem Namen, den er, allerdings um )>3eMiiLin anre.ie'i ver- 
mehrt (p. 21'), dem Theodosius selbst gibt: »ye-ioBiKU neöecnbia no 
seM.iii xoAJima« (p. 21 20). Er rühmt ihre Frömmigkeit und hebt die be- 
sonderen Gnadengaben hervor, derer sie gewürdigt wurden (p. 21 23 ss.) : 
»oß'ix'L oyöo naBicTuo BHAflme anreJCKLiH GpaKx, niiixt ate MticjieHi& 
H AvmeBni c iihmh öeciAyrou^a 11 suaiome h AyxoM'B erAa (joatinx-L 
anrejiT. npiLXOATi 6uBauie, hhih ate iiroBtcTBeni Ay^cti jiyKaBLiH npo- 
ronacTa n cxpauiHLi nm> noKaaamacb; raKOBin cyxb oxpac.in xBoero 
BimorpaAa, xa^l.I cyxb ntxBH XBoero Kopeiie n xaKOBH cyxb cxojinH 
XBoeii xpaMHHLi. xaKOBa cyxb yaAa XBoero nopoacABHifl, xauLi eyxb 
oxi^u XBoefl -laBpbi; höo ox^ie noAOÖa 6i, xaKtiMx oyienuKOMx. oxt 
xaKOBa oyTfflTBJiH ölixh«. 

Der Unterschied der in dieser Auffassung zwischen A und B zu 
Tage tritt, wird vielleicht am klarsten, wenn man bemerkt, dass 
Serapion in B das Epitheton ornans »yiOAOXBopei^x", das A nur von 
Theodosius selbst anwendet (p. 14 i^), auch von den späteren Mönchen 
gebraucht p. 21 ^^j. 



232 L- K. Goetz, 

Noch auf andere Weise tritt es ans Licht, dass der Autor von A 
ein unmittelbarer Schüler des Theodosius ist, während Serapion dem 
Theodosius ferner steht. Wie der Verfasser der üoxBajia A an Theo- 
dosius es rühmt, dass er die Satzungen, die er selbst gegeben, auch 
musterhaft befolgte (p. IT^S) »npasHJia KejieHHaro iiHKorAa hb npe- 
cTynn«, so ist ihm die getreue Nachahmung des Meisters durch die 
Schüler auch in diesem Punkte eine so selbstverständliche Sache, dass 
er weiter darüber gar nicht mehr spricht. 

Serapion weiss aus der Geschichte des Klosters , dass sich mit 
dessen steigendem äusseren Glanz innere Lauheit bei den Mönchen ein- 
stellte. Daher mahnt er seine Brüder in üoxBaJia B stets zur Befolgung 
der Regel, er weist darauf hin, dass Theodosius sie beobachtet, ob sie 
ihrem Berufe gemäss leben (p. 19 23 ggj; »^yxoMi) c naMH ecxt Bcer^a 
H BHAHTTb, ame no sajiOBijm ero aiHBeMt h noBe^iiHiH ero xpaHHMt, to 
pa^yeTCfl H A-«- Daher gesteht auch Serapion die Minderwerthigkeit 
der Mönche seiner Zeit gegenüber den ersten Jüngern des Theodosius 
ein (p. 22 21): »ame h ho AOCTHrHeMT> rpÄCxn nyxen npe^KHHXT. tbo- 
HX1. oyqeiiHKx«, daher bittet er zu Theodosius, dass dieser die Mängel 
Serapion's und seiner Brüder ergänze (p. 20 ^ ss.): »caMT6 HanojHH iie- 
AOCTaxKii iiama cbohmh AoöpoA^xejiLMH, des XBoea 6o noMomH h^cmbi 
Mommi ßjiaro ^ixo ci.XBopHXH«, daher schreibt er endlich die Zerstörung, 
die das Kloster 1240 durch die Tataren erfuhr, der Sündhaftigkeit der 
Mönche seiner Zeit zu. 

Schliesslich kommt die durch die zeitliche Differenz bedingte Ver- 
schiedenheit der Auffassung von A und B noch in einem anderen 
Punkte zur Geltung und zwar wo es sich gewissermassen um die Be- 
weggründe handelt, die den Autor von A und B zur Nachfolge des 
Theodosius veranlassen. Bei A ist es einfach die Liebe und Verehrung 
des Schülers zu seinem Meister, der ihm den Heilsweg zeigt, die uns 
entgegentritt, bei Serapion spielt schon der Egoismus insofern eine 
Rolle, als er den Worten des Theodosius gemäss darauf vertraut, schon 
durch sein Leben im Kloster und durch sein Vertrauen auf Theodosius 
sicher das ewige Seelenheil zu erlangen, wenn er sich auch nicht so 
sehr wie die ersten Mönche des Klosters als ganz würdiger Nachfolger 
des Theodosius erweist (p, 22^1 ss.) : »ame h iie AocxKrHeMi rpücxH 
nyxeM npeyKHHXi) xbohx'b oyyeHHKi), ho noMHHaiome eme piKoma 
CEflxaa XBoa oycxa: aine kxo cKOH^iaexii a^HBOX'L cboh b AOMy npe- 
TiHCXBie 6oroMaxepe h b mobh naAezKAH, h ame ^hmtb hb ^ocxHTHyx'B 



Die Zusammensetzung der Bop. "IToTHJua npf^n. 0eoaociio netiepcKOMv«. 23^ 

na noÄBEFLi, 03^ cifl nanojiuK) h Bora oyMOjno o nuxi.; TtMJKe TOMy 
cJouecH Ha;itiomec)i, Mcieduo npH3LiBaeMX th« '). 

Neben diesen sprachlichen wie sachlichen Verschiedenheiten haben 
nun aofh A wie H eini^^o Redewonduiigeii gemoinsam. 

Einzelne dieser lassen sich aus der den Verfassern von A wie B 
gemeinsamen Aufgabe, den Theodosius zu preisen, erklären; so der 
gleiche, nucli 3on>t häufige, Kingang von A und H, sowie überhaupt das 
(oben schon angeführte) Gt stilndniss, dass sie nicht würdig und fähig zu 
wahrhaft entsprechender Lobrede sind. Auch ist es in einer »TToxuajia« 
nicht tiberraschend, wenn deren zwei Autoren Theodosius selbst ihren 
»Lobpreis« nennen A (p. 19 '2); Mnoxi!a.ia iiaiua Hc.iiiKan«, H (p. 21 *2): 
»nauia iioxnajo«. Dass Theodosius seinen Schülern leil)lich wie geistig 
helfe, war sicher eine allgemeine Anschauung seiner Mönche, nicht nur 
der beiden Autoren der Iloxca-ia ( A p. 19^, B p. 2 5 ^2) Wendungen, dass 
der Gegenstand des Preises, sei es nun Theodosius, seien es seine Schüler, 
leuchte wie die Sonne oder die Sterne am Firmament A p. 16'^) »hko 
co.iiiue BT>3cifl na xuepAii neCteciieria, B (p. 21*'*) »Kano npocinuui hko 
3Bi3Ai>i na TBepAH neöecntil« sind in dieser Literaturgattung etwas ganz 
gewöhnliches. Die Bezeichnung des Theodosius als »irdischer Engel und 
himmli-cher Mensch« bei A (p. 15 3) wie B (p. 21 '') kann selir wohl aus 
^Hxie^) stammen, kann aber ebenso gut traditionelle Redewendung 
aller Mönche, wenn sie von ihrem gemeinsamen Vater sprachen, ge- 
wesen sein. Der beiden Autoren von A wie B gemeinsame Begriff, dass 
die Person des Theodosius es i-^t, um derentwillen sie Zuversicht auf 
die nicht ausbleibende Hilfe Gottes halten, A (p. IG^^): «;tp'i3üOBenie 
iiame Kt Eory« beruht, wie die ganze Stelle bei B (p. 24^ ss.) zeigt, 
auf einer direkten Entlehnung seit' ns des Autors von B aus "}KnTie«3), 
es ist aber auch hier zu sagen, dass ein derartiges Wort wohl zu dem 



*) Die Anschauung, dass es der sicherste Weg zum Himmel ist, im Klo- 
ster begraben zu werden, zieht sich durch den ganzen neqepcKiH-IIaTepuKx 
hindurch (cf. e. g. bei Hkob.icb^: IlaMnTuiiKu p. XCIX o cbatomx Aeanaciu 
3aTBopHUKt; vergl. auch ilKowiei!i>: ;?IpeBH(^ - KieBCKia Po.mrioaiiM« CKasauin. 
Ba;uuaEa 1 '^7.'», p. 1 14 s.). Die von Serapion hier angezogenen Worte des Theo- 
dosius sind mit etwas anderem Wortlaut in »^uxie« ÄKOB-ieBT. IlaMHTHHKH 
p. LIX 1 zu finden. 

2) Ed. ÜKOPJieBX : IlaMflTHHRH p. XXI 2. 

3) Ed. ÄKOBJieB-h p. LIX *. 



234 L. K. Goetz, 

stehenden, mündlich fortgepflanzten Schatz , von Epitheta ornantia der 
Mönche für Theodosius gehören kann. 



Wenn nun also, wie mir scheint, nach all dem Gesagten anzu- 
nehmen ist, dass die »ÜoxBaJia« in zwei ganz selbständige, inhaltlich 
wie zeitlich weit auseinanderliegende Theile zerfällt, so erhebt sich die 
Frage: hat der Autor von B die IToxBajra A gekannt bzw. benutzt, hat 
er ihr etwa seine eigene Arbeit einfach angereiht? 

Ich glaube, diese Fragen können ruhig verneint werden, die Ueber- 
einstimmung von A und B ist, bei grundlegenden Verschiedenheiten, 
eine so geringe in sprachlicher Hinsicht, dass sie sehr wohl durch das 
Vorhandensein einer gemeinsamen Quelle zu erklären ist, mag nun diese 
Quelle des Nestors »^CnTie npen. 0Ti];a Hamero ©eo^ocin« sein, oder die 
mündliche Tradition im Kloster. Auch ist zwischen A und B gar keine 
innere oder äussere Verbindung sichtbar. Beide Theile stehen jeder 
selbständig, jeder ein von jeweils anderem Gesichtspunkt aus ge- 
schriebenes, wohl abgeschlossenes Ganze darstellend, ganz unvermittelt 
nebeneinander. Es scheint mir darum auch nicht wahrscheinlich, dass 
Serapion B an A zugefügt habe, die Zusammenstellung wird später, 
nach Serapion, eine ganz zufällige, durch einen schreibenden Mönch, 
dem A und B in die Hände fielen und dem beide gefieleu , vorgenom- 
mene gewesen sein, und so gingen dann A und B nun als Ganzes in die 
Handschriften des naTepHKi. über. 



Es erübrigt nun noch, die Abfassungszeit von B und A nach Mög- 
lichkeit näher zu bestimmen. 

Die Autorschaft Serapions darf als vollkommen gesichert ange- 
sehen werden. Frühestens geschrieben ist B nach 1240, da es den Ein- 
fall der Tataren in Kiev voraussetzt, spätestens abgefasst ist es 1274, 
da es als Festrede im Kloster gehalten ist von einem Angehörigen 
dieses Klosters, Serapion aber 1274 die Stelle des Archimandriten der 
KieBO-TIeiiepcKaK JEaspa mit der Würde eines Bischofs von Vladimir 
vertauschte (TpoHii,Kafl JT^Tonnct ad annum 1274: »B'b ji^to 6782 
npHAe MBTponojHT'B KnpHJiji'B HSt KbieBa, npHBe^e c% coöoio apxHMan- 
^pnxa Xle^epLCKaro Cepaniona, h nocTaBu ero enucKonoMi PocTOBy, 
BojiOÄHMepio H HoByropo^y«), als welcher Serapion 1275 starb. 

Wann aber Serapion Archimandrit der ZaBpa wurde, das ist, so 



Die ZusamuieDBetzun^ der sog. »IIoxBaJa npen. GeoAoci» neHepcRoiiy«. 2'^^ 

weit ich sehen kann, recht zweifelhaft. MaKapiii *) spricht nur von der 
Erhebung des Serapion zum Bischof. IldroAUUi.''') zählt als Arcliiraan- 
driten der Kieuo lle'iepcKaji jlaiipa um I'IM) lIojyKapnx 11. auf, weiss 
aber nicht anzugeben, wie lange dieser Abt war. BapcyKOui') lässt 
Serapion vorher schon im Kloster anwesend sein; l>apcyKüB7. berichtet 
von dem oben erwähnten Erdbeben, das am Todestage des Theodosius 
am 3. Mai 1230 in Kiev und anderwärts stattfand und schliesst daran 
die Bemerkung: «no cjiyiaio axoro cofiLiTi«, nariHcaimaro JltToriiicuaMH 
CcpaiiioH'r. npoH3necT> cjigboc. ApxHMi ^cohhaI' (P- :')) weist daraufhin, 
dass nach IIuxBUJia B der erste Austurm der Tataren schon vorüber .sei, 
das Joch dauere schon einige Zeit: »OÖHxejib üeiepcKafl npeACTaBJiflexcH 
ycniuuieK) yjKe iitcKo.ii.KO onpaDiiThcn ott. nepuaro xaTapcKaro pa- 
3opeiiia (1240) h coöpaumeecn bx iieii öpaicTBO iiMtKiu^iiMX iiepeA'i» 
CBOUMU oiiaMH BMny paKy CBoero nepBOiiaiiajibHHKa npen. öeoAOcifl«. 
Eine genauere Zeitangabe gibt er aber nicht. Dagegen können wir eine 
solche bei EapcyKOBT. ^) entnehmen, die auch einleuchtend erscheint. 
EapGyROB^ betont, dass es in der zweiten Rede des Serapion von der 
Tatarenherrschaft heisse: «ce yjKe Kh 40 Atxx npn6.iH}KeTt TOMjienie 
II MyKa« und diese 40 Jahre von der Niederlage der russischen Fürsten 
an der Kalka (einem Fluss, der sich in das Asovsche Meer ergiesst) 
1223 gerechnet, kommt er zu dem Schlüsse, dass diese zweite Rede 
12G4 gehalten sei. Diese zweite Rede hat aber, wie oben im einzelnen 
mitgetheilt, Stellen, die sich fast wortlich in IloxBaAa wiederfinden, es 
wäre also möglich anzunehmen, dass üoxBaJia auch um diese Zeit ent- 
standen ist. Näher wird sich, wie mir scheint, die Abfassungszeit von 
üoxBaja B wohl nicht bestimmen lassen. 



Wann ist nun IIoxBajia entstanden ? Auch dafür lassen sich be- 
stimmte Altersgrenzen nach oben wie unten nachweisen. 

Weiter oben habe ich darauf hingewiesen, dass A eine grosse 
Uebereinstimmung mit Nestors }Kiixie HeoAoeia zeigt. Wenn man die 
gleich zu nennende Zeitgrenze für die Abfassung der IIoxBa.ia A nach 
unten in Betracht zieht und die Abfassungszeit von jKinie OeoAOcia 
ins Ange fasst, so scheint es mir wahrscheinlicher, dass A unter 



ij HcTopifl PyccKOH üepKBH IV. 168. CII6 1S86. 

-) /IpeuHaa PyccKa>i HcTopia äo MoHro^iBCKaro Hra. MocKEa 1871. II. 634. 

3) L. c. p. 498. 

*) L. c. p. 499. 



236 L. K. Goetz, 

direktem Einfluss von yKnTie OeoAOcia steht, als dass etwa die Ueber- 
einstimmungen Beider auf die mündliche Tradition als gemeinsame 
ältere Quelle zurückzuftihren wären, ^iixie OeoACcifl ist entstanden 
während der Zeit, als Nikon der zweite Nachfolger des Theodosius 
war, da Nikon 1088 starb, also nicht später als in diesem Jahr i). 
IIoxBaja A ist also später entstanden. Im Jahre 1091 wurden nun die 
Reliquien des Theodosius aus der Höhle, in der er bestattet lag, ausge- 
graben und in einem Sarg feierlich in der Hauptkirche, der Mutter- 
gotteskirche, beigesetzt. Da noxBa.ia A von diesem Sarg , vom Gebet 
der Gläubigen zu ihm spricht (p. 19^): »kto 6o kojih ndeantixt npo- 
CHB1 e5Ke KT. cnacemio oypaKti cBHTaro ii norpimHBt naÄexAoy«, 
muss sie nach 1091 verfasst sein. 

üoxBaJia A mag so selbst infolge der durch die Translation der 
Reliquien neu angefachten und gesteigerten Verehrung des Theodosius 
entstanden sein. 

Andererseits kennt, wie ich oben ausgeführt habe, A den Theo- 
dosius nur als Lokalheiligen, als Schutzpatron seines Klosters, es weiss 
nichts von ihm als allgemein russischem Heiligen, wie ihn B darstellt. 
Der amtliche Beginn der allgemeinen Verehrung und Anrufung des 
Theodosius in Russland ist aber in die im Jahre 1108 erfolgte Kanoni- 
sation des Theodosius zu setzen. Von dieser Kanonisation redet A gar 
nichts, es ist bei der grossen Bedeutung, die diese Kanonisation hatte, 
wie bei der Verehrung für Theodosius, die A bekundet, anzunehmen, 
dass der Autor von A dieses Ereigniss erwähnt haben würde, wenn es 
ihm bekannt gewesen wäre. Daraus, dass er es nicht thut, dürfen wir 
also wohl schliessen, dass A vor 1108 verfasst ist. Somit ergibt sich, 
wie mir scheint, dass A anlässlich der durch die Auffindung der Reliquien 
neubelebten Feier des Theodosius in der Zeit von 1091 — 1108 im 
Höhlenkloster entstanden ist. 

Lässt sich nun etwa auch auf die Person des Verfassers von A ein 
Schluss ziehen? Bei der grossen Uebereinstimmung, die A mit ^htIb 
OeoAOciH aufweist, könnte man vielleicht an Nestor selbst als Autor 
von A denken. Und diese Vermuthung Hesse sich vielleicht noch durch 
die Wahrnehmung bestärken, dass der Eingang von A und der vom 
»Cjiobo nepeneceHiH Mon^eMt CBHTaro npeno^ioönaro OTi^a namero 

^) Cf. über die genauere Bestimmung AöpaMOBH^t in HsBiciiH OTniAeaifi 
pyccKaro Kstma h cjiOBecHocTH Hmh. AKaaeMiK HayKi.. 0116. 190!, VI, 3, 212 und 
■^aroBcm. B. A., Ilpen. eeoAociH IXe^epcKiä. Kient 1901, p. 9. 



I 



Die ZusammeosetzuDg der sog. »IIozB&ja npen. 6eoAociKi neuepcKOMy». 237 

BeoAOci;! iieqepcKaro«, al3 dessen Verfasser Nestor vielfach i^ilt, mit 
einander übereinstimmen, wenn schun es nur eine, auch sonst öfters 
angewendete Bibelstello ist (Sprüche Salomonis Xl***/, die sie Beide 
anführen A ip. 11^) i iioxDUJHOMy iipaueAiinKy uoaueceJHXcji jikiaiO", 
Caoüo ') «c noxuajaMH ötiuaiomaH iuimhth iipaBeAiiLixi> B03üece;iaTCfl 
jiOAie«. 

Indessen scheint mir gegen diese Annahme, Nestor könnte der 
Verfasser der IToxuaAa A sein, besonders eine grössere Stelle der 
Iloxua.ia A z\i sprechen (p. 15^ ss.). IToxua.ia A stellt einen Vergleich 
an zwischen Vladimir, der das Christenthum in Kusslaud eingeführt, 
und Theodosius, der das Mönchthum in Kussland urganisirt hat. Jeder, 
sagt der Autor von A, hat den Menschen einen Weg des Heiles ge- 
wiesen, Vladimir sowohl als Theodosius. Diese Parallele ist doch etwas 
so über das Niveau der allgemeinen Lobeserhebungen Hinausgehendes, 
eine so genaue Oharakterisirung dieser beiden Männer, dass anzunehmen 
wäre, dass, wenn der Autor von A und der von '>C.ioiiOa wie oyKiiriea 
eine Person wäre, dieser Vergleich auch in jenen beiden Werken, oder 
wenigstens in «/KiiTie OeoAOcia < wiederkehrte. Davon habe ich indess 
nichts finden können. 

So wird wohl als Resultat der Untersuchung anzunehmen sein, 
dass noxfia-ia B von Serapion um 1204 — 1274 verfasst ist, dass 
IToxua-ia A in den Jahren 1091 — 1108 von einem unmittelbaren 
Schüler des Theodosius geschrieben wurde, dass von einem Späteren 
als Serapion diese beiden gänzlich verschiedenen Lobreden aneinander 
gereiht und noch später dann bis in unsere Tage als ein einheitliches 
Werk betrachtet wurden. 



*) Bei apiHM. JleoHHÄT): Äsa üaMaxHUKa p. 8 5. 



238 



Eine böhmische Paraphrase der Distichen des Johannes 

Pinitianus zu Petrarca's »De remediis utrinsque 

fortunae«. 

Herausgegeben von Dr. Spiridion Wukadinovic. 



Einleitung. 

In dem Exemplar des Werkes Emblemata physico-ethica, hoc est, 
Natvrae Morvm moderatricis pieta praecepta, ä Nicoiao Taurello Mont- 
belgardensi . . . observata & vario conscripta carmine. Editio secunda. 
Noribergae Typis Christophori Lochneri. M.DCII, da8 die Prager 
Oeflfentliche und Universitätsbibliothek unter der Signatur 9 J 221 be- 
sitzt, findet sich neben anderweitigen handschriftlichen Aufzeichnungen, 
die an anderer Stelle veröffentlicht werden sollen, eine ununterbrochene 
Folge von zweiundsechzig lateinischen Distichen , mit beigefügter böh- 
mischer Umdichtung in paarweise gereimten Vierzeilern. Das Exemplar, 
ein dürftig ornamentirter Pergamentband in S'^, trägt auf dem Titel- 
blatt als letzten Besitzvermerk: Est Conuentus S. Wenzeslai früm dis- 
calc. S. Aug°^ und ist nach Aufhebung des St. Wenzelsconventes der 
unbeschuhten Augustiner (1785) an die Prager Universitätsbibliothek 
gekommen. Es enthält 22 zweiseitig bedruckte Blätter (Titelblatt, Vor- 
rede und die üblichen Huldigungsgedichte an den Autor), Blatt 23 
(Schluss der Huldigungsgedichte) ist nur einseitig bedruckt, ebenso die 
nun folgenden 114 Blätter, die nur auf der Vorderseite die Emblemata 
und entsprechende lateinische Verse zeigen, auf der Rückseite aber 
durchwegs unbedruckt, und von dem Vorhergehenden durch ein leeres 
Blatt getrennt sind. Den Beschluss bilden vier Blätter Emblemata 
»nuda« (d. h. ohne Abbildung), beiderseitig bedruckt, und ein leeres 
Schlussblatt. Dem Werke adligirt sind desselben Autors Carmina fu- 
nebria, qvae magnorvm aliquot , clarorumque virorum felici memoriae 
dicavit Nie. Taur. Ibidem 1602, 18 fol., durchwegs mit weissem Papier 
durchschossen. Wie man sieht, war dieses Exemplar für handschrift- 
liche Eintragungen vorzüglich geeignet. Die hier in Betracht kommende 
Handschrift setzt bei fol. 23b oben ein, bedeckt das ganze darauf 



Eine böhmische Paraphrase der Distichen des Johannes Pinitianus etc. 239 

folgende leere Blatt sowie die Rückseite der ersten vierzehn Blätter der 
Emblemata, aber auch den freien unteren liand der Vorderseite von 
fül. 2, 1, 5, ti, 7, 8, 10, 12, 13 und 11 derselben. Sie trägt die Ueber- 
schrift: Piancisci Petrarchae Dialogus de remediis utriuscjue fortunae, 
orat: ligatä. Die Tinte ist verhältnissmässlg wenig verwittert, die leser- 
lichen Schriftzüge und auffallend geringen Correcturen laj<sen auf eine 
Reinschrift schliessen. Das letzte Distichon (Nr. ü2) bricht mit der 
zweiten Zeile der böhmischen Uebersetzung ganz unvermittelt ab. Der 
Typus der Schrift ist der der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahr- 
hunderts. Da von derselben Hand sich im weiteren Verlaufe noch 
andere Eintragungen vorfinden, die das Datum 1IJ70 tragen, wird man 
nicht fehlgehen, auch diese Niederschrift in das Jahr 1670 oder kurz 
vorher anzusetzen. Damit ist auch der terminus ad quem für die Ent- 
stehung der Uebersetzung gegeben. 

Was liegt nun in dieser Handschrift vor? Dass es eine Ueber- 
setzung von Petrarca's De remediis nicht sein kann, wie die Ueber- 
.schrift anzeigt, ist auf den ersten Blick klar. Petrarcas umfangreiches 
Werk ist in Prosa geschrieben , hat also mit den vorliegenden lateini- 
schen Distichen nichts zu thuu. Doch ist auffällig, dass die Titel dieser 
einzelnen Distichen fast durchgehends den Capitelüberschriften bei 
Petrarca entsprechen. Das legt die Vermuthung nahe , dass doch ein 
gewisser innerer Zusammenhang zwischen ihnen und der Schrift des 
grossen Italieners bestehe. Und eine Vergleichung der vorhandenen 
Ausgaben ^j zeigt, dass thatsächlich diese Disticha in einigen Drucken 
den einzelnen Capiteln vorgesetzt sind, deren Argumentum sie gewisser- 
massen bilden. Freilich ist eine andere Frage, ob sie auch das Werk 
Petrarca's sind, und diese Frage wird wohl mit Rücksicht auf den Um- 
stand, dass die erhaltenen Handschriften und frühesten Drucke der De 
remediis diese Distichen nicht aufweisen, ohne Weiteres mit Nein be- 
antwortet werden können. Erst in der Berner Ausgabe vom Jahre 1G05 
zeigen sie sich. Ausser dieser sind mir noch zwei Drucke bekannt, die 
sie enthalten, nämlich: Rotterdam 1649 und Tyrnau 1706. 

Die italienischen Petrarcaforscher, von denen man in dieser Frage 
am ehesten eine Auskunft erwarten sollte, lassen hier gänzlich im Stich. 
Domenico Rossetti in seiner Bibliografia Petrarchesca, Trieste 1834 
(abgedruckt in Stolfi's Ausgabe der De remediis -Uebersetzung des 
Dassaminiato S. 41 — 43) führt an, dass sich in der deutschen Ueber- 
setzung, die bei Bringer in Frankfurt a. M. 1620 erschien, an der 



240 Spiridion Wukadinovic, 

Spitze jedes Capitels »un distico latino e due tedeschi« vorfinden, und 
dass die lateinischen Distichen von hier aus auch in lateinische Aus- 
gaben nach dem Jahre 1620 übergegangen seien. Doch sei es ihm 
«malgrado ricerche inumerevole« nicht gelungen, ihren Autor zu 
eruiren. Das Gleiche berichtet Casimiro Stolfi in der Einleitung zu 
seiner Ausgabe der Uebersetzung Dassaminiato's (Collezione di opere 
inedite o rare di primi tre secoli della lingua. Bologna 1S67. vol. 15, 
p. 29). Doch fügt er die Vermuthung hinzu, dass die lateinischen Verse 
wohl von dem Dichter der deutschen Vii^zeiler herrühren. G. J. Ferrazzi 
geht in seiner Bibliografia Petrarchesca (im Anhange des fünften Ban- 
des der Enciclopedia Dantesca, Bassano 1877. S. 786) über seine 
beiden Vorgänger nicht hinaus 2). Dass diese übereinstimmenden An- 
gaben unzuverlässig sind, beweist schon der Umstand, dass die Berner 
Ausgabe von 1605, wie erwähnt, diese Distichen bereits enthält. Die 
Uebersetzung aus dem Jahre 1620 kann also unmöglich der Ausgangs- 
punkt sein. Ja, sie ist nicht einmal die erste deutsche Uebertragung, die 
diese lateinischen (und deutschen] Verse aufweist. Eine Vergleichung der 
zahlreichen deutschen Ausgaben ergibt sogar, dass sie unter ihnen in 
dieser Beziehung zeitlich den letzten Platz einnimmt. Nur eine Ueber- 
setzung aus dem gleichen Jahre (Frankfurt, Unckel 1620) stellt sich ihr 
an die Seite, während — so weit mir bekannt wurde — drei Ausgaben 
mit den Distichen bedeutend früher erschienen sind. Die älteste ist zu 
Augsburg bei Heinrich Steiner 1539 gedruckt, die beiden anderen 
stammen aus der Officin Christian Egenolflf's in Frankfurt a. M. und 
sind 1551 und 1572 datirt^). Dadurch wird es wahrscheinlich, dass 
die Distichen, die in den lateinischen Drucken erst vom Jahre 1605 ab 
erscheinen, in Deutschland ihren Ursprung haben, und die älteste 
deutsche Uebersetzung , die sie aufweist, die Augsburger Ausgabe vom 
Jahre 1539 wird für die Untersuchung von besonderer Wichtigkeit sein. 
Thatsächlich bietet sie auch den Schlüssel für die Lösung der 
scheinbar complicirten Frage nach dem Ursprünge der Distichen, ja 
mehr, sie verräth uns auch deren Autor. Die Uebersetzung, — die 
zweite vollständige deutsche Uebertragung von Petrarca's De remediis, 
— stammt von Stephanus Vigilius her und führt den Titel: Das Glück- 
buch, Beydes deß Gutten vn Bösen, darin leere vnd trost, weß sich 
menigklich hierin halten soll , Durch Franciscum Petrarcham vor im 
latein beschriben, vnd yetz grüntlich verteütscht . . . Getruckt zu Augs- 
purg durch Heynrich Steyner, Jm Jar. M.D.XXXIX. ■*]. In der Dedi- 



Eine bülimische Paraphra-se der Diatichi'n des Johannes I'initianiiH etc. 211 

cationsvorrede berichtet nun V^igilius (S. VlIIj: »Es hat auch der eher- 
würdig hüchgelert vnser getrewer lieber Preceptor vnd herr Johan 
Pinitian hiorinn sein fleyss nicht gespart, diss kustlich Buch mit seine 
Versibus vn reyme zu zieren, hat eines jegkliche Capitels jfihalt kürlz- 
lich Zu latein vn teUtsch verfasset«. 

Ueber diesen Johannes Pinitianus (oder Pinicianus ist nur wenig 
bekannt. Seinem Epitaph*) ist zu entnehmen, dass er Ifili im Alter 
von 64 Jahren zu Augsburg starb. Er ist also 11 Tb geboren. Seit un- 
gefähr 1512 entfaltete er daselbst bis zu seinem Tode eine erspriessliche 
Lehrthätigkeit. Früher wirkte er in gleicher Eigenschaft zu Innsbruck, 
soll jedoch von dort ausgewiesen worden sein. Ob Tirol oder Baiern 
seine Ileimath gewesen, bleibt dahingestellt. Wir besitzen von ihm 
lateinische Carmina, Werke pädagogisch -grammatischen Inhalts und 
einige Uebersetzungen aus dem Lateinischen ins Deutsche. Nach seiner 
eigenen Angabe und den Zeugnissen von Zeitgenossen war er laurea 
poetica insignitus ''). 

Die Verse Piniatians, die dieser wohl aus Freundschaft für Vigilius 
zu dessen Uebersetzung eigens anfertigte, erfreuten sich grosser Beliebt- 
heit. Besonders die lateinischen wurden wiederholt abgedruckt und 
prangen noch in den neuesten italienischen Ausgaben von Petrarca's 
Schrift, als ob sie einen integrirenden Bestandtheil des Buches bildeten. 
Die deutschen Vierzeiler wurden auch mehrfach tibersetzt. Fiske (a. a. 0.) 
führt eine holländische Uebertragung (Amsterdam 1606), zwei unga- 
rische (Kaschau 1720 und Debreczin 1813) und eine schwedische 
(Linköping 1041) an. Von besonderem Interesse ist die letztere. Hier 
sind nämlich die Distichen und die hierzu gehörigen schwedischen Vier- 
zeiler besonders abgedruckt, also wie in der uns vorliegenden böh- 
mischen Handschrift ganz unabhängig von Petrarca. Nichtsdestoweniger 
berichtet der Uebersetzer, Arvid Olafson, in der Vorrede, er habe 
»Then gamble Namkunnoghe Poetens och Oratoris Francisci Petrarchae 
skiöne Moraliske Versser« ins Schwedische übertragen, und gibt seiner 
Arbeit überdies den Titel: Francisci Petrarchae speculum morale, Thet 
är: En kort Skädespegel, . . . Förswenskad och i Rijm affsatt Äff Arvido 
Olai Seh. Line. Collega , — ein Beweis dafür, dass ihm Petrarca wirk- 
lich für den Autor dieser Distichen galt 'j. 

Und damit kommen wir wieder auf unsere Handschrift zurück. 
Auch ihr Verfasser glaubte Verse Petrarca's vor sich zu haben und 
tibersetzte sie — vielleicht in der Absicht, Hruby's W^erk zu ergänzen, 

Archiv für sUvische Philologie. XXVi. IQ 



242 Spiridion Wukadinovic, 

— seinen Landsleuten , oder besser gesagt, er dichtete sie nach, denn 
von einer eigentlichen Uebersetzung kann hier nicht recht die Rede 
sein. Was wir vor uns haben, ist also eine böhmische Paraphrase der 
Pinitianischen Distichen, und zwar umfasst sie jene Distichen, die zu 
den Capiteln 1 — 62 des ersten Theiles von Petrarca's Werk gehören. 
Der böhmische Vers zum Distichon 62 bricht, wie schon erwähnt, in 
der Mitte ab. Die Niederschrift ist also unvollständig. 

Mit dieser Feststellung ist die Aufgabe des Bibliothekars zu Ende, 
und was sich noch von sprachlichen und literarhistorischen Problemen 
an diesen Fund knüpfen mag, gehört dem Gebiete des Specialforschers 
an. Doch sollen einige am Wege aufgelesene Beobachtungen nicht vor- 
enthalten werden, ohne jedoch Anspruch auf besondere Bedeutung er- 
heben zu wollen. 

Zunächst fragt es sich: Was hat dem Bearbeiter vorgelegen? Sind 
seine Verse eine Bearbeitung der lateinischen Distichen oder der deut- 
schen Vierzeiler? Wie verhalten sie sich zum Original? Da kommt der 
Umstand in Betracht, dass die Distichen in der Abschrift eine ganz an- 
sehnliche Zahl von textlichen Abweichungen, besonders aber von Titel- 
änderungen aufweisen, die sich in keiner der zahlreichen mir zugäng- 
lich gewesenen Ausgaben und Uebersetzungen der De remediis vor- 
finden. Doch machen diese Aenderungen eher den Eindruck, dass es 
sich um eine Niederschrift aus dem Gedächtniss handelt, was in An- 
betracht der Zeit und des muthmasslichen Standes des Schreibers (s. 
unten) nicht allzu auffällig wäre. Dass dem Uebersetzer für seine 
Arbeit ein Exemplar mit den deutschen Vierzeilern vorgelegen habe, 
geht aus verschiedenen Uebereinstimmungen mit diesen , die durch die 
lateinischen Verse keine Begründung finden, ziemlich sicher hervor. 
Trotzdem lässt sich eine gewisse Selbständigkeit nicht verkennen, auch 
das persönliche Moment tritt hie und da, abweichend von der deutschen 
Vorlage hervor, und eine frische Naivetät dämpft die asketische Moral, 
die besonders in den lateinischen Versen sich breit macht. Eine Ver- 
muthung sei mir hier noch gestattet. Weller citirt in seinen Annalen 
der poetischen Nationalliteratur der Deutschen (Bd. 1, S. 435) unter 
»Petrarca« folgende Schrift: Zwei schone newe vnd gar edle Trost- 
büchlein in latein. Carmin. vnd deutsche Reymen. Cöln 1573. 8*^ ^j 
Dieses Trostbüchlein ist wohl nichts anderes, als eine Sonderausgabe 
der Pinitianischen Verse. Ihr Veranstalter hat sie, wie sein schwedi- 
scher und sein böhmischer Nachfolger, für Petrarca's geistiges Eigen- 



Eine bühmische Piiraphrase dor Distichon des .Inliannoa rinitianiis etc. 243 

thum gebalten. Vielleicht war diese Ausgabe die direkte Vorlage für 
unseren Bearbeiter, vielleicht weist sie jt-ne textlichen Aeiidi-rungen 
auf, durch die sich unsere Handschrift v(tn dem gan^^baren Texte der 
Distichen unterscheidet. Sollte Olafson's schwedische Bearbeitung mit 
diesem Kölner Druck zusammenliilngen, dann wilre dieses letztere 
nicht der Fall, denn diese Ueborsetzuug hat den richtigen Text. Das 
wäre übrigens kein Ilinderniss, wenn man für die vorliegende Kein- 
schrift eine Niederschrift der lateinischen Verse aus dem (iedUchtniss 
annimmt. So lange jedoch der deutsche Druck nicht zu finden ist, wird 
sich etwas Bestimmteres nicht sagen lassen. 

Weit wichtiger uud ungleich schwieriger zu beantworten ist die 
Frage nach der Autorschaft der böhmischen Verse. Da wir es offenbar 
mit einer Reinschrift zu thun haben , ist die Möglichkeit nicht ausge- 
schlossen, dass Schreiber und Autor zwei verschiedene Personen waren, 
was die Untersuchung natürlich sehr erschwert. Diese Möglichkeit wird 
noch bestärkt durch Folgendes: Auf dem Vorsteckblatte des Exemplars 
der Emblemata findet sich von der gleichen Hand, von der die Distichen 
und deren Uebersetzung niedergeschrieben sind, der Besitzvermerk 
»Joannes Baptista Marchio de Serra. Leipzig«"), ferner in späteren 
Partien des Buches zahlreiche tagebuchartige und andere Aufzeich- 
nungen in deutscher Sprache, einige italienische Sprichwörter mit bei- 
gefügter lateinischer Uebersetzung, lateinische Grabinschriften, ein 
deutsches Neujahrsgedicht, und schliesslich ein lateinischer Hexameter 
und ein lateinisches Distichon mit beigegebener deutscher poetischer 
Uebersetzung. Auch in einigen zu Prag datirten lateinischen Tage- 
buchnotizen aus dem Jahre 1698 — also ungefähr 28 Jahre nach der 
Niederschrift der Distichen — lassen sich die durch das Alter unsicher 
gewordenen Schriftzüge dieses Marchio de Serra vermuthen. In böh- 
mischer Sprache jedoch findet sich von ihm ausser unseren Versen 
keine Zeile vor. Das legt die Annahme nahe, dass Serra ein Deutscher 
oder ein germanisirter Italiener war, der wohl durch seinen Aufenthalt 
in Prag so viel Kenntniss des Böhmischen besass , um an der Ueber- 
setzung des Pinitianus Gefallen zu finden, kaum jedoch die Sprache so 
beherrschte, um in ihr poetisch zu übersetzen. Auch vereinzelte von 
ihm selbst vorgenommene Correcturen im böhmischen Texte sprechen 
gegen diese Annahme nicht. Gehörte Serra vielleicht zu jenen deut- 
schen Geistlichen, die damals durch die Gegenreformation in Masse 
nach Böhmen importirt wurden? Schrieb er vielleicht diese Verse ab, 

16* 



244 Spiridion Wukadinovic, 

um sie vor der fanatischen Zerstörungswuth eines Jesuiten ä la Kenias 
zu retten? Das sind vorläufig lauter offene Fragen. Und wenn Serra, 
wie es scheint , nicht selbst der Uebersetzer war, wer gab ihm diese 
Verse an die Hand? Vor ihm besass das Exemplar der Emblemata 
wahrscheinlich ein Jan Kochan z Prachowe i^) , denn eine stammbuch- 
blattartige Widmung an ihn ist darin zu lesen. Die Ueberschrift dieser 
Widmung: Tecum habita et noris quam sit tibi curta suppellexii) hat 
dann später Serra noch einmal aufgezeichnet und in deutsche Verse 
übertragen. Vielleicht hat er dieses Buch von Kochan durch Schenkung 
erhalten und ist durch ihn auch zur Kenntniss der böhmischen Verse 
gelangt. 

Doch es ist ziemlich müssige Arbeit, sich in derlei Hypothesen zu 
ergehen. Wie man sieht, bleibt für den Literarhistoriker noch genug 
zu thun. Auch die Frage, welche Stellung die neu aufgefundene Schrift 
in der damaligen und in der böhmischen Literatur überhaupt einnimmt, 
ist von Wichtigkeit. Pinitian's Distichen sind wie Petrarca's Werk, 
dessen Auszug sie bilden sollen, der Ausdruck einer zwiespältigen 
Weltanschauung. Denn sind sie auch noch weit mehr im mittelalter- 
lichen Geiste gehalten als die Schrift Petrarca's, so grünt doch auch in 
ihnen zwischen dem finstern Cypressenschatten der mittelalterlichen 
Askese der frische Lorbeer des Humanismus verstohlen hindurch. Dass 
für solche Producte in Böhmen, — wenn auch vielleicht nur in der 
einsamen Zelle des Ordensgeistlichen , — Interesse vorhanden war und 
in dieser Weise sich bethätigte zu einer Zeit, wo der geistige und po- 
litische Druck alles verkümmern Hess, ist schon an und für sich eine 
erfreuliche Thatsache. Und der, absolut genommen, nicht sehr hohe 
Werth der Verse wird dadurch gehoben, dass sie einer Epoche ent- 
stammen , aus der Dank der eifrigen Thätigkeit der Gegenreformation 
so wenig von Literaturerzeugnissen in böhmischer Sprache erhalten ist. 
Wie sie neben der Uebersetzung Hruby's von Jeleni — der ersten 
Uebersetzung der De remediis in eine fremde Sprache — die Geschichte 
der geistigen Entwickelung Böhmens zum zweiten Mal mit jenem Werke 
verknüpfen, das so bedeutsam an der Scheide zweier Zeitalter steht, 
sind sie auch für die Geschichte des Einflusses Petrarca's nicht ohne 
Belang. 

Anmerkungen. 

1) Wo ich mich durch eigene Einsicht nicht überzeugen konnte, ver- 
danke ich das meiste an bibliographischen Angaben der Specialbibliogra- 



Eine böhmische Paraphrase der Distichen des Johannes Pinitianuu etc. 215 

phie: Francis Petrarchs Treatise De remodiis utrliisquo fortunae. Text and 
Veraions Biblio^^niphical notices III'. Der Vi-rfasaer, der di(! Vorredo W. F 
unterzeichnet, heisst, wie mir der Hibliothckar der ungarischen Akademie 
der Wissenschaften, Dr. Arpäd Ilellebrand, freundlichst uiittheilte, William 
Fiflke. 

2) Ferazzi lehnt sich sehr .stark au Ilus-ictti au, von d'-m er auch zahl- 
reiche Irrthümer und DruckfenK r henibernimmt. So citirt er nach ihm unter 
den lateinischen Drucken von De remediis eine Prager Aus;,'abe: l'raga, Ilruy 
1501 (S. 7s2 Anm.). Gemeint ist natürlich die berühmte Uebersetzung dos 
Rehoi- Hruby z Jeleni, die in diesem Jahre zu Prag erschien, und die vier 
Seiten später ganz richtig als traduzione boema angeführt wird. 

3) Fiske führt weder bei diesen beiden, noch bei der Bringer'schen 
Edition von lt)20 an, dass sie die Distichen enthalten. 

4) Diese seltene Ausgabe lag mir durch die Freundlichkeit der Augs- 
burger Stadtbibliothek vor, für deren bereitwilliges Entgegenkommen ich an 
dieser Stelle meinen Dank sage. — Die nähere Beschreibung des Druckes bei 
Fiske (a. a.O. Nr. 6',t weist zahlreiche Fehler auf. 

5) Auf diesem Epitaph steht: Joannes. Kening. Pinicianus. Vgl. Prasch, 
Epitaph. August. 1, 198. Ist Pinicianus also nur ein von einem Ortsnamen 
abgeleiteter Beiname? 

0' Näheres über ihn, besonders über seine literarische Thätigkeit s. 
bei Veith, Bibliotheca Augustana S. 139 flf., und Stetten, Erläuterung der Vor- 
stellungen aus der Geschichte von Augspurg S. 05 ff. 

7] Der Verfasser dieser Uebersetzung, die mir, obgleich Rarum, von der 
Univcrsitätsbibliotlitik zn Upsala in liberalster Weise zur Verfügung gestellt 
wurde, zeichnet sich am Schlüsse der Vorrede Arwid Oloff.-iou. Vgl. über ihn 
Hähl, Linköping Stifts herdaminne. Linköping 1810. S. 2üü f. 

S) Dieses Buch war trotz zahlreicher Nachfragen nirgends zu ermitteln. 
Auch Fiske hat es nicht eingesehen. 

9) Ueber diesen Serra habe ich nichts erfahren. Der Name kommt als 
Ortsbezeichnung in Italien und Spanien häufig vor. Doch sprechen die ita- 
lienischen Aufzeichnungen und sein Vornamen Joannes Baptista eher für den 
italienischen Ursprung des Marchio de Serra. 

lu) Von einem Jan Kochan z Prachowe besitzen wir ein Hochzeitsge- 
dicht auf Tomas Kochan aus dem Jahre 1584 (Mise. Bibl. Strahov. 40. III. 
op. 22). Ein Jan Kochan z Prachowe, wohl der nämliche, ist 1617 und noch 
1623 in Strakonitz nachweisbar (Beschreibung der böhmischen Privatmünzen, 
1, 236 f.). 

11) Die Worte von et bis zum Schlüsse sind mit bereits verblichener 
Tinte später hinzugefügt. 



246 Spiridion Wukadinovid, 

Francisci Petrarchae Dialogus de remediis utriusque 
fortunae, orat: ligatä. 

1. De Juuentute.*) 
Qvid demens tantum gaudes iuuenilibus annis ? 
Cum fugiat uolucii laeta iuventa pede ? 
^rocj tiüa m^fl to ®^ant(ofti [Du iunger free bic^ nit süuK | 

@e n)t)|)ina? ft>^j id rt^c^tofti "^li \z% bem Seben tangeg jiC 

aJJtaboft tütelu j^t;ne twe^o !Der tob feirt nit e8 gilt jm gteid^ | 

©esnaff [e teb' jüamane^o. 8üg baS er bid^ nit ö6erfd^(et(^.] 

*) Originalausgabe (1539): De aetate florida. 

2. De fragili forma.*) 
Discite mortales fragili non fidere formae 
Quae castis damno moribus esse solet. 

^vafu tiela ^rbau ©li^cjnoft [®c^5n bleibt nit tag | \ä^h\ fleucht 

3iebu^**) ^neb obrati » m-jfoft ^e^enb | [enb. 

o? V 'f., ,. \ J ®te fc^ön ber feufc^ait fc^aben t^ut 

*) De forma corporis. **) Spätere Correctur aus: nebud^ (unleserlich). 

3. De valetudine corporis. 
Saepius aegrotat mens sano in corpore : nusquam 
Peius habet mala mens, corpore quam valido. 

Sß jbratt^em tiele buffe mrtiüa [1)ie gfunt^ei^t be8 (eibS oft fd^aben 

^rjeb 59o^em geft »iecj ned^utna t^"t | 

®^tff, fb^j tteto ^emoq trapi J'V'^^S; ^l'^^- ' ^Ti-? 'Kf^ I 
pj L' z ^:< t X- 3n fvan(fbebt ]em auff btjer erb 

^ nebt fe mi^ft obrati. ^^^^^ ^^^^ ^^^ üergeJTen toerbj 

4. De recuperata sanitate.*) 
Est melius ualeas animo quam corpore, multis 
crede mihi nocuit conualuisse malis. 
Bbratoi tieta ffanug braje [2öer frand^et^t (eibet mit gebult | 

^ofubj necjui buffi; t ©faje 3)er mag enterben ®otteö l^ulb. 

3a fbi?j fem nemocjniet tt) tiele Ser leibs gefunt^e^t füd^en tl^ut | 
Sö'£}i fem jbraro »nitrjnie bofpiete. SDiag n^ol verlieren eöJtgg gut.] 

*) De sanitate restituta. 



Eine bühmische Paraphrase der Distichen des Johannes Pinitiauua etc. 217 

5. De viribus corporis. 

Insuuit qui robusto de corpore fidit 
Excellit vires corporis, ingenium. 

^ratoa <SV(a xd 5{ubec^ neni [3» ci^Icv v'it ob id? rcc^t mercf | 

Stip (51 Zitate f Siremu guüciü isihtrifft Dcriuinfft cic (ciMicft ftcrcf. 

•i^otu^rci to Sainjcn ©i^liU) T)aö (?at tcr ftarrf 'JJiilc vrobicvt | 

ÜfcVJ geft itlejl ^afo gim;. ©onijon toarfc bur(^ jcin ftercf »er« 

fürt.] 

0. De vclocitatc corporis. 

Currimus ad mortem citius uel tardiua omnes 
At pretium vitae qvi bene currit habet. 

ß^bffeg bied^ \X:z nema Stani [ßauffen macf;t fat;u xot\)\zn man | 

Smrt iiaf tri'fecjfni) f ^rcbü 21}ani 5r>ann tat^ ein t>etcr cjcf tan. 

!Icn paf itarntj W\\) «Sfttaftnie Sir (aiiücn all fjin 511 tem grab | 

Äo^o g^o netijt^ cjafne. 2Ber (aufft , tcr fec^ fca« jKred^t ah.] 

7 . De Prudejitia.*) 

Serpentina placet prudentia, callida vulpis 
Astutae mens, est insidiosa nimis. 

e^ira(t)tebna i)m ?3?aucroft [^i^feU] fei" mit binberüft | 

*i\)\z\\) nenatricim cf>i)troft 5jer boß()al;t offt ein anfang ift. 

Jatc gen c^c'^e 2i)bi @fali?t ^^üriic^tigfa^t ift aüiueg gut | 

Ona xo'\ ))rjeb sli^ra »c^ranit. ©vitjfin^iß ^^^^ betrübten müt.] 
*) De ingenio. 

8. De memoria. 

Est aliqvid, bene qvi meminit, sed saepe tenaci 
Accidit ingenio, quod meminisse dolet. 

^amiet ini)i( j mno^au SfpiU) [Ser ci( getencft | würfet cfft betrübt | 

(S5a[to CO neirole tiu) 3>on tem ba§ \\\ bcfrcncft vnb liebt, 

•ißamiet na c\a\\) bucauqi? ®utte gecäc^tnup (ebüd) ift [ 

2:ie(o j tuffv fftiaftnie (aucjl^. ^ie nit mit öntreii5 ift cermifc^t.] 



248 Spiridion Wukadinovid, 

9. De eloquentia. 

Eloqvio multi adinti multi periere 

Heu quantum miseris, lingua nocere potest. 

3aj^! mato cjafüa tteto [SÖolreben ] tner ba« brauchet red^t | 

9)hiof)o rujnicj tu ©tütette ©prjebta ^er mag tt)o( fein ber tugenb !ne(^t. 

9Jjecj ffct;j 5 ^ratobau fe ©rotcnaiüa ©d^en reb bie trol inn oren ütngt | 

Oiseqnt! fracjt^ toebte ^ratoa. 33i( o[ft ben tob mit fc^aben bringt.] 

10. De Virtute. 

Virtutem iactas vitiorum pondere pressns 
Aflfectus, virtus est cohibere suos. 

©runbt to '^ulio.'i) ^ratoe cjtnofti [(Sin grunbtfeft redetet Siugenb ift | 

©fata geft ^onijenofti ^Demütigfet^t on argen lift. 

3fau natPl)fIo[t bbienim ©taltjm 3" rechter tugent gel^iirt biet mü | 

^rjemu^eft, 9Zebub' nebbal^m. ®er tugent ^iett | ben fac^ ic^ nie.] 

11. De laudihus hominum. *) 

Coiiscia mens pravi non claro nomine gaudet 
Displicet ingenuis, gloria falsa viris. 

'iPoc^Iebnicje**) fr^^mie Jracj^ff [3St{ fremenb fid^ einS guten nainen | 

^b^jmnie ^(ac^otenim mt)naffl;[j***) 'iDie fic^ boc^ bei; in fetb offt fc^amen. 

(Sejnaü^S c^ttjat^ ^obnel^o ®o \n bö^ gemtffen lüonet be^ | 

SBjbeg iöo^u cjeft jbaru gel^o. (Sin jeber fein felbg ric^ter fe^.] 

*) De virtutis opinione. 
**) c zwischen o und f) nachträglich eingefügt. 
***) Spätere Correctur (mit anderer Tinte) aus: nJänaff^ff. 

12. De Vera sapientia. *) 

Est sapiens qvi dissimulat sapientiam habere 
Est sapiens vitam, qvi tenet innocuam. 

SS^Üif fam b @ebe maubri^m [$35Ic^er marüc^ toet;§ miß fein | 

S:e^tl) geft ti rojum jblaubif. ©er ^alte aitff fein mei^^e^t fte^n. 

ß^cjefftt) gefftie ten begt mibin 3)er fid^ taffet mei^ bebunden | 

S^iemaff ^brame^o ©m^flu @tin. ©er ift in narr^el)t fc^on ertrunken.] 

*) De sapientia. 



Eine bübmische Paraphrase der Distichen des Johannes Pinitianus etc. 249 

13. De Religione. 

Orpbanos viduasq' invisere, spernere mandam 
Hac Christo vera Relligione places. 

(St^rctfa a ©Drau iOcount [^Jhtftren | finden | [c^reien | (cfcn | 

(S^clatfu vi^^cmilait iÖobii, (galbcn | fAinirtcii | follid) ircfen. 

^Jiee|>aiii'itie3, nubv^ 2t»ue^o iDiad)t nit fiom UMlt ö^ifllid; fein | 

©tatecjfu rab j^w c^ufce^o. Sieb (5^ott | ben armen gib fca« bein.] 

14. De über täte. 

Non Über qvi peccatis inseruit habetur 
Liberias, sed ubi Sjnritus est Domini. 

©ircbctl) i'e ta\tc^] ix\\} [Der I;ie inn junbcn (eben tf)iit | 

%^ectano|"t l) woiici nivjl) X)eö frci)f)ai)t i)"t nit lucl bef^üt. 

2:1) ^i'\](it nüe^ ja ©irobocnef^o 2)er i)"t rec^t frei) | ber ^ie mot (ebt | 

ßjloiüieta So^a boijne()L\ SDcfi ^er^ inn (^otte« miüen fc^mebt] 

15. De Patria gloriosa. 

Qvid refert qua sis Patria satus, omnibus vna 
Quaerenda est nobis uon peritura domus. 

^tocj fe ^taff na 55}(aft a roc miicj [ß^ (e^t nit bran Xii^w njannen l^er | 

®enjto ma j nau'^c puwob ©roug T)\\ fel)ft baö (anc marf>t bir nit eer. 

9Jie!ct) ma irlaft hatt xq ^W\ S3et} ®ott ift tnfer t>atter(anb | 

S3(aje fbo ^i iinecjnie jbiebi. 2ä(ic} fei) Der j ber foüid;S fanb.] 



16. De origine generosa. *) 

Quid frustra exultas clarorum nomine auorum 
Et falsum nomen nobilitatis habes? 

!iDarmo fe inl^i-Mnaff ®to^o [(5tn frembbeS tob t^nb fc^ettenS toert| 

3ef poffel ^rocu ©(awne^o 3)er (ob tcn feinem gf(^(ec^t begert. 

ßjtnoft a poc^eftne c^omant ©tard« gcniüt iMtc tügentfam | 

ÜTwug tt rob @(amn^ cb^agj. SDIad^t f(ar bnb ebe( einen man.] 

*) Vor generosa ist glo durchstrichen. 



250 Spiridion Wukadinovic, 

17. De origine fortunata. 

Indulget fortuna malis, ut laedere possit 
Fit casus levior, si minus altus erit. 

i^ortuna SBjacjtna iöol^t^nie [^J^id^ts lüaö fo ^od^ bnb gro^ geborn | 

ma ®frt;te bar^ rojbilne ©a^ ntt etica beg gtüd« jotn 

cj^m tie JD[fa! ©(aicnieg tül^iregff^ 33nbertru(ft | önb fc^lug jü tat | 

ttmf naftaiüa pab ©jfobniegffp. 3e ^ö^er beüm | je jc^werer fal.] 

i5. De lauto mctu. 

Faecundi calices, amor immoderatus edendi 
Eneruant vires corporis atq' animi, 

Djratftoi a f)obotoant [Ser fid^ nac^ allem gfd()(e(! getoänt | 

@au sbraiüi ja^ubcjt) jrabnt ©ein l^er^ tonb gemüt noc^ e[fent 

S3l)(b^ bne) mno^eg na jt^tote fönt. 

Äbt^b^ je \>\){ c^oiüal ©tr^l^bmie. ®er bringt batum | ber francf^et^t üijt | 

Unb mac^t feim teben !ur^e§ 5^!.] 

19. De convimis. 

Saepe bonos mores rapiunt convivia, mensae 
Saepe perit probitas, ingenuusq' pudor. 

•»ßrj^ cjaftegd^ ©^ujfac^ a §obec^ [S3e^ maalen gro^ tonb ^ancfattern | 
9fJojto^(affnoft br^i^nja ©gejb Z^ui mancher \6^<xm ünb jucbt üer* 

^ocjtttDoft a Dobre mvaiol) üern. 

aCu gfau cjafto » Sotrt; :pab(^. 3Baii feüen »trt üon tügent gerebt | 

2lm öoöen tifc^ | e« fet) bau gf^Jött.] 

20. De cultu corporis. *) 

Vile qvid exornas nitido tam corpus amictu 
Quod cras forte auidis vermibus esus eri<;. 

Äcjemu toto rau^o ©c^ioalne [^a« barffg ber Haijber fouit lüe^fe | 

^^ tielo, genj jegtra ©pra^ne !Dein leib ber ißürbt ber loürme fpeife. 

DbieiD pocjeftneg bej jbl;t!u öewar bein te^b »or '^^% tonb fett 

^osbobie geft i? ^oj^tfu. äöann öberflufe ®ott nit gefeit.] 

*) De vestitu cultuque corporis. 



Eine böhmisthe Paraphrase der Dietichen des Johannes Pinitianus etc. 251 

21. De Udo et (^ciete. 

Naili hie certa qvies, ounctis crux una ferenda eat 

Post liceat stabili fata qvioto frui. 
23ej prac',c hc] 5>naiueni [Scr xim umU haben f?ie auff crten | 

^Jielje bcjijt u;ii.Hi na ^emi T'er \m^ tort luol unniiüiyj »uercen. 

^>ofüge obpccU;nuti Silt tu bei) (il^riftc immer fein | 

Dogcefi tepriü ÜB nebt «Sc^uti. ^ic^t bic^ | eö mu§ öecreü^get fein.] 

22. De suavi odore. 
Quam gratos moriens tumulo exhalabis odores 
Gratus oder tineis putve cadauer erit.*) 

^riero^foffna \ tebe unmic [r^cr tu fiic^ft (uft inn frembtem 

9fa trffe Stranl) uncgc tu'jC gfc^niacf | 

■ißomni ^e ftl;; c^eriüi) ',bictiff ®ebenc{ »rie tir ber matenfad 

9iai'tanc Smrat nec^iftc^ ^ntj. Üöivt fd^mccfcn fo tu (igft ccrj^rabe | 

33nt tic^ terjcrn ir>üvm cfi fd;aben.] 
*) eriß. 

23. De Musica. *) 
Eneruat**) animos cythara***) cantusq' liraeq' 
Et uox, et numeris brachia mota suis, 
©pteö) naftroge ^utebni [ßö g(aub e« [e^ auff erb feljn btng| 

Xi^to UMiaf c^i)ni promteiU; T)ai ai]o tuvci^ tie f^er^nl trin^. 

3e ml)j( but iöc^a tauji) 2l(« gfan,^ ont i)Ju[ic inftrument | 

9Jeb po igioietaf) JVJnirr) nauji). Daturd(> manc^ gmüt öon got toirb 

gipent.] 
*) De dulcedine musica. ** euervant. ***) cytharae. f) Mit 
dunklerer Tinte corrigirt aus : ©roietjfe. fi) lieber ein durchstrichenes 

und nicht mehr leserliches Wort geschrieben. 

24. De tripudiis.*) 
Convincunt mollem spectata tripudia mentem 
nie locus casto saepe pudere uaeat. 

9fiad^^(na no^a I ^^lejani [T)ix teufcf ^at ben tan^ erbac^t | 

^ bfajmitcmu ©fopc'jowani 1)amit ti( obe(« auff gebrad^t. 

@tl)bli^ivoft, cjeft, bajen bo^^ 3Bic mau tcr büli'd)afft pflegen foü | 

5llia toli^fo ja potnoji;. Dae lernt man an teu täuben xooi.] 
*) De choreia. 



252 Spiridion Wukadinovic, 

25. De pilae ludo. 
Exerce corpus lusu, non membra fatiga. 
Nam cunctis debet rebus inesse modus. 

SBa^aiüoft tielu obegmeff [iBer ru» ntt lotü ber f))ilt ben 6aü. 

£bt)j prjeb fe cjtütcjeni iDejmeff ©prtngt :^in bnb ^er für anber aü. 

^ub ®!r3 Bie;^ *), 6ub ®!rj ^jo^rant <So(t er burc^ ®ott fouil mü^e l^aben | 

^tere nam mtrnoft neBrani. (Sr tüurb eS allen menfd^ü ftagen.] 

*) Corrigirt aus: bied^. 

26. De ludo calculorum.*) 
Calculus**) exosas pellit lusorius horas 
Ludus habet laudem si moderatus erit. 

!5)(au^e ®(att)t[f !ratoc^tüi(e [2311 fur^roe^l \ä) im fpilen finb | 

SB SBrqaBic^ td ©ffafu id ^rje gine §)a toer baS möffig Braud^en ünb. 
(Sjot to plotno, cjaf gen marj^ff 33nb ntt öerlur bie je^t fo ring | 
2;iejqe t^ blul^i^ ja^raiüiff. OJ^an ft^nbt noc^ tool ein nu^er bing.] 

*) De ludo alveae et calculorum. **) Alveus. 

27. De ludo taxillorum.*) 
Ammittit nummos, animi, sed damna lucratur 
Tempus taxillis, qvi terit omne suum. 

21upr!em Btej^ !ja^uBte [©er laufft aut^ mol jum narrenji^t | 

Zm**) genj ^oftfam :^lebi fglujBie ©er att fein freub ^at inn bem fpt)I. 

9lefpramebtnoft slor5ecjent (gr gmi^nt bie fünb jüerleürt bie je^t | 

©alefo ob ^racju neni. ©er ftätigS cB bem fpilen le^t] 



*) 



De ludo taxillorum prospero. 

Steht am Rande geschrieben, vor durchstrichenem : tjvac^. 



28. De histrionibus. 
Sunt scurrae fatui, sed inutilis aulica turba 
Dilecti dominis, quos *) leuis aura capit. 

^l^anftmu gfau mjacjtni fegf lijrjt; [@c^al(f«narren feinb ben l^erren tieB 

Ihtbrl^nfu toffec^ ©fmegb^rj^ SSnb fielen mer bau anber bieB. 

@mic^, i{oi6^\^, jert mrffe ©f^^r^mi) @^ feinb mit jrer practic gfd^toinb | 

ßjtjni f mieffqum ^r^t^ftup prjt?mt?. @« ift ein tnnu^ ^offgefinb.] 
*) Correctur aus : quot. 



Eine böhmiBcbe Paraphrase der Distichen des Johannes Pinitianus etc. 253 

29. De ludU Vahicsiricis*) 
Et lucta, et cursu, saltu, et ccrtare palaestra 
Haec bene conueniunt sed moderate **) viris. 

iß}|fc vDtuiifc Vl•'tCl■^fani [9?in>-^cn ] fprinacn , fcd^tcn ; (auffcn | 

spenbi) ii liclQ ',nütviiü T)ai5i {;ai§t tcn leib lmIi lob ücrfautfen. 

21c? na tbatiioft tipau <Slu|'ii) X)cc^ luiU ic^ fcad nit ^an »er^icnt | 

(5jo fciff li\}\ Snivt na^ne fufft;. SBa e^ jü fc^inipff >>nt ernft cicnt.] 

*) De ludo palaestrarum. **j moderita. 

5Ö. De spectaculis.*) 
Si tauros te tarn iuu.it expngnare feroccs 
Fac contra caruem bella geras propriam. 

a)?iiualh)f bog 5(t)tQU jioierjl; [2öer liift ^at sfcrf^ten mit ben t^ieren | 

'ße^rralt^ l^ \ tircm prU)mieril); W\i unllcn i'idi in imfal füren. 

Gjo ^H^tcm, fci^bi) tiue tielo Der ncm frifd; ein ancern [treit | 

.^laiuni [ffutqe (Stic mocj mielo ? S^öil'f^ I tcüffel \ tirelt im ta« gnüg 

*) Da variis spectaculis. 

3t. De eqvis.*) 
Vtile equu3 animal saepe**) est sed inutilis vsus 
Cum stulto Domino est forma labore prior. 

3^ab^ernc|'t na trrannt^m ^cnt [Sin nut^ücf) t^ier bnb arbal^t bol | 

(Semtani Slaron ©mieta f)oni (Sin xo\i] ift tue manS brauchen foll. 

©fron.'^nci't ! praqt) a t ^jc^obl^ 3" notturfft nic^t jü frechem mut | 

©tt?e ^cn.^at{o miti rocli;. ^cd;bräd;tii}fat)t t^et nie fal^n gut.] 

*) De equo agili. **) Vor saepe ist est gestrichen. 

32. De uenatu et aucupio. 
Qvid iuuat optatum uenatu perdere tempus 
Quaerere cum possis commodiora tibi. 
Cjaf neni taf fe^fe c^en^ [Die jei^t tte bu berlurft mit jagen | 

iöi)f t;o gen *) marji)l iclottieni Die n}^rft bu jirar noc^ fc^mer^lic^ 

(S^cjeffli^ ptjebcje loßcjem bt)tt tlagen. 

§teb jt^njot miecjnt^ c^o^iti. 9?üff laut jü ®ott gar cfft »nb toi( | 

Daö fe^ tein ^unb tnc feberipil.] 
*) Vor gen ist ein durchstrichenes m. 



254 Spiridion Wukadinovic, 

33. De numeroso famulatu. 

Si gravis oblectat, te turba domestica cutis 
Non reqviem capies, nee bene tutus eris. 

^H-jt;(iffna qetab!a lo bomie [Söölc^er gern ml ^au^gefinb l^at | 

ÜJtno^u ftaroft ©ptete toBte T)em »irt be§ rümeng fetten rabt. 

^;)ta pobtDob ©proneiDterjeni 33nb \üx6^i barju üemteret) ] 

3D?a[f irjbt? mit bebtt^toe ^x\tm. 33it bienftbarfe^t ift nimer fre^.] 

34. De magnificentia aedium. 

Qvid struis eäuctas immensis sumptibus anlas 
Sis memor, extinctum, te breuis urna teget. 

*i}3ollacje bom^ ^roftranne [Sßann bu lang fcaroft mit fd^ioeren 

9kf(ab^ gfau S5 pranjbie marne läften | 

3e trjt) no^ po ©mrteblnofti §o^e l^eüfer | gro§ ^3aüäfte. 

iönbeff mit ^rj^bl;tfu bofti. @o bleibt bir boc^ bet) all beiner ^ab | 

9^it mer baii fibenfc^n^igS grab.] 

35. De arcihusvalidis et*) munifis.**) 

Quas auri pondus fortes non vineeret Areas***) 
Nullaq' non metuit saxea fata domus. 

Sfltmü'i tat begt @i)Ina ^eionoft [^ei^n f^lo^ n»arb nie fo ftarrf geftelt I 

Sdi)\ gi niefD^ neprjt^meb wmoq Äam gotb hinein eg n)urb gefeit, 

^roti @mvti tmrj na ©fale Sa6 ban^ft bn inn ben felö hinein 

9?eob^agt ani träte. 23orm tob fo mag ntc^t« fidler fein.] 

*) Vor et ist & durchstrichen. **) De arcium munitione. 

***) Corrigirt aus : artes. 

36. De supellectili pretiosa. 

Est luxus si mnlta nimis nitet arte supellex 
Temporibus priscis parcior usus erat. 

Slu^ratoQ ttoe^o nabt^tfu [@g ift ein ^offort mit öil »erbt | 

3}la mno^o prjtjlt^ffnegc^ sbljtfuto 23nb beö fal^n n^ei^fer nt^t begert. 
ß^roalitebnieg tw^ ^rjebfott)e 23mb l^au^rabt gebn au^ toil gut | 

äJJiroal^ ©tatecjfi? @^}ore. 'Den man boc^ nimmer brauchen 

t^ut.] 



Eine böhmische Paraphrase der Distichen des Johannes Pinitianus etc. Of,f, 

37. De gemmis et marguritis.*) 
Gemma valet tanti qvanti**) dilectior vna est 
Quae coeli sedes vnio certa parat. 

Hlcnoti) a -^nix) fcra(,)C (iclj^Üa^n ift iinc iiuiuc ad)t | 

^y]\x\\ e ninic lu iva^nofti Slabc <iiS bat ned; faini jalu^ gnuid^t | 

®cfciui d^ou^am (affii iöojv ^in ^JJiorfiarit l;avfet iSottc« wert | 

jTat' geft ®rfccje mc^o 3^»-MV- ^f^" f^'^* "^^^^l ^?^" ^^^ ^^^ ^"^^ ^•'^^O 

*) De goinmis. •*) qiüinto est. 

3S. De gemma f IS poculis. *) 

Fictilihus vasis raro aconita bibnntur 

Pocula sunt magnae, (juaelibet apta siti. 
9?a).H\3 xo "iJhtobie ^(DnicniU) [2öcn tirft fccr ma^j jm trincfen gnüg | 

^3?cbegiPo '^getem Smiffen^**) 3luf; einem glafe »nc ircin frug. 

®trJil)brne ^(ate <>ofaU) Tarctn trivt feiten gifft t>erniiid)t | 

a)hictji;(?o***, gjau {}xl{o |'ta(i). ®olc filbcr ghift ter äugen ift.] 

*) De geuamarum poculis. **) j ist aus Q corrigirr. 

*** ^0 ist aus mu corrigirt und darübergeschrieben. 

39. De gemmarum signis. 

In variis rebus miramvr acumina mentis 
Noscere nee uerum*, discimus Artificem. 

Sjacjtne^o geft ^imftu cito [35ntev ancer greffen fünften | 

Otjejba Äamene fcra^i^^o 3ft ftainfd;nei)ben nit bie minften. 

))Wxw fc lüti^u (i)Cftemu 2Bir (oben tuuft jii aller jeit | 

iÖu^ f)o ta( w'iCeg ®(aiDU gemu. 5I5crgeffen ceß ter follic^d get^t.] 
*) rerum. 

40. De Tahulis pictis. 
Sydera si spectea coeli, et nascentia terrae 
Pictoris nunquam te manus afficiet. 

©(uncje 2)hei^q ^tciesti} tafe ['®er Sonn tnfc SDion I tnt ^t^ifiel« 

3nameni na nebi ^lote f*ön | 

Äiriticjfo a SIpcjncft jemie S3eficf>t | ünfc aüeg cvctric^ö gvön. 

2Ra[^rje bo )M)f(u*' u^jene. X)er mag fic^ tt>o( i^ertruncern bran | 

23nt ancer gemät ^infaren (an.] 
*) Unterstrichen und am Rande corrigirt in : auj!a. 



256 Spiridion Wukadinoviö, 

41. De Statuts. 

Ingenio factas statuas miraris, et arte 
At caueas animo sint simulacra tuo. 

^l)ttni^ rjemeftiie mob(^ [<So eint (uft ^Oii an bilber gftalt | 

3fcratDie tou^ajl^t neprobü) 23 ou ^q[% ßon ftal;n ßil manigfatt. 

3fca3 fnab ftere j^eiDnttrj lüibiff !©er foü ftc^ fe(6 Bebenden ü)ot | 

®im xo @futcjl;c!^ poftouu q^niff. !Dai3 er ntt [tötf ber gö^en tot.] 

42. Z)e üßÄes Corinthiis. 

Non tibi tarn placeant cuiusvis vasa metalli 
E ligno sapiat non minus ipse cibus. 

^}?ebbeg je jc^egnu a jmtebt [Sa^ bir ntt gar 51I toolgefaüen | 

(S^utne Äimte mnoj^ gebt ®e[d^t)rr öon aüer(al) SQZetaüen.; 

%ai ©fwoftne mujeff mit l^obl; 2ßötc^§ nun tft angenoinne toei^^ 

3 ®|3rofte ^h^ntene nabobtj. 2lu^ ^ol| »nb erb fcl^medt auc^ bte 

45. Z)e lihrorum copia. 

Res bona qvi libris pluribus*) bene nouerit uti 
Librorum**) fatuos copia saepe facit. 

ajJnol^o ^nte^ ntalo ntoj!u [2Bentg fünft t)nb Büdner öit | 

^ratt)te to prj^ftufj^ oftu 1)a6 tft ber narren frenjben fpt(. 

S3a^en' 33oji^ a cjtne mratt»^ 3^er barff ntt t)i( ber Inid^er ^on \ 

3a tnt^u gfau Ü)bem ban^. t)er (^^rtftlid^ (ebt ton re^t ü)iü t^on.] 

*) librorum si quis. **) copia,'^sed. 

44. De Scriptorum fama. 

Scriptorum tot sunt monumenta quot aurea coelo 
Sydera at in paucis stat tibi vera salus. 

®e))faül)f !b^ ia!e tni^t^ [§Ba§ ^itffts btc^, bo§ ti( Bücher 

9^e ^nebS !Dofter :^oben toiri?. fi^re^bft | 

ßj^n to ^rn? cjo gtnegm n^eh^ff S)ar6e^ ein üngelerter bte^bft. 

@l;c5 feBe jam jt^m pobtel^ff. 3Bt(tu »erben n^ei^^ »nb f(ug [ 

!Beb xooi fo §aft bu Büdner gnüg.] 



Eine böhmiscbe Paraphrase der DiBtichen des Johannes PinitiamiB etc. 257 

4Ö. De Magiaterio. 

Quam palcbrum ducis si diceris esse magister 
Sola magisterii nomina Christus habet. 

(Slamnl) t^tiil Sfauti Ühftrem ['4511 nial^fter finb allal^n mit naincn | 

5l>qt;tc(em i2iiMtecjf; ^^MJcm Tie ficf; red; uü> ^ar ivenij^fc^aincn. 

%c\ ma t}(auve|'t li;p i^'^naiua 3vß iMuicv|'tantt< cnfc f (einer (ccr 

ÜJJiftra ^rairtt; ih^fta '^IJana. X)cr red;t nial}[tcr ift ®ctt ccr .»perr.] 



■16. De variis titulis Studiorum. 

Qvid doctrinarum titulo laetaris inani? 
Nota est indocto nulla camaena tibi. 

355 i'ffdac^ mejt; I^tcratl) [^ü9> Ux\\m)f\\ tu tic^ fccr tittel groß | 

•ißofora ja ntcj ne^jlatt, 35nc bift an redeten fünften b(o§. 

^aiifeg {)(cbt (Stupnie ©(an.>i; (iinr ift gc(crt fcem gib tic eer | 

^l; b^( bcft netrtipnc ^(aiut;. Ühmi tcm fempt aüe ireife^ai)t ^er,] 



47 . De titulis negotiorum. 

Si te virtutes capiunt, qvid quaeris in aula? 
Scis Dominos dubiam semper habere fidem. 

(S^cjeffd) fc j cjtnofti S^-n-U^juiti [SDIan fpric^t | lang j^of ( (ong inn 
9)hiii)ff fcteoru %H-ajen bi)ti tcr ^etl | 

%^anffa unra (e^cjc u^aU) 2Ber feim geiuiffen ramen tei3ü. 

S?fcof neffuft)( Stug na ©tra^t;. 1)er fUed; fccn ^of ba« ift mein rat | 

SÖann l;erren trerö inn jtüe^fef ftat.] 

4S. De Militia.*) 

Nulla fides pietasq' viris qvi castra sequuntur 
Est cupidis belli mortis aperta via. 

9^a 33}cgnad^ ned^ti ©ctbati [©et; friegen ift fain erbarfait | 

5iicj gen Öe^femt)f(noft jnati Jlain tvciö ncc^ glaub ncc^ fic^er^ait. 

3abna iöej^^ecuioft a SSJira. ilOan tra man friegt Ca ift fain frib |' 

©am cjert ö nic^ ^ob^ mtira. trieg«finber feinb be8 teuffetö güb.] 
*) De militari dignitate. 

Archiv für slavische Philologie. XXYI. 17 



258 Spiiidion Wukadinovic, 

49. De Amicitiis Regum. 

lacturam fama et rerum dat Curia Regum 
In domibus Regum rara avis est probitas. 

!Dobva ^ototeft geft tioe gmtent [Die fronten mer bevbäc^tUc^ finc [ 

2Icj miftem bejpecjna nent SSe^n ^üntgen | bann bte fcöfe finb. 

92ejbr^ug fe @nt ^rji bworje 2Bi(t bu ber fugenbt »erben frel^ \ 

9ieb 2ß[ft ne^raiüoftt toorje. ®o inon beö ^ünigS bienften be^.] 

50. De Amicorum ahundantia. 

Non tecum qvi sunt veri sunt semper amici 
Qvi manet aduersis rebus, amicus erit. 

^rjitelem fe lecj!bo6 ^laft) [9Ut \\oXi bte für bte freünbe betn | 

^Di^j fe c^(|))obuge a ^rcaft) S)ie aüjetjt »öüen 6et^ bir fein. 

3a ^rjitele miti toolim SBannö bir lüolge^t | in nöten toirt | 

ki'^i to 9iaujt; a id bibie brobtm. (Sin rechter guter freünb gefpirt.] 

51. Munera grata.^) 

Munera si dederis multos numerabis amlcos 
At tu saepe manum contrahe, nullus erit. 

^rjatete ©ftiebrt)^o barcje ["Du berpmpft bid^ oi( ber freünben 

9^ed)ti D^uftit na tratcje bein | 

25menff @a:^u "iprc^nau n)ff^qfni ®ie bir nit aü feefanbttic^ fein. 
"Ztn S3ie^ triüa vo ©irietie njjb^cj!^. Slüain burci) fcf)ret)ben ber geinain | 

33i(et)(^t burc^ gaaben aud^ nit flain.] 

*) De amicis incognitis niai per famam. 

52. De Amico ßdeli.*) "i 

Verus Amicitiae Cultor, preciosior auro est 
Et gemmis, sed enim, die mihi vbi inuenias ? 

3ßierneg ^rjitel braje ^(ati [(Sin guter freünb ift gelte« njert 1 

9J?ot;(6i^f 5a nieg ®to to|) bati 3d^ ft}nb in njeber ^eür noc^ fert. 

^otoiej nti ipffaf fce ici. faupie §aft bu ein fold^en ^alt jn faft | 

DIeftrjtmt gt S3oi^ba ©faujJte. Sa^ bir jn fein ein tieben gaft.] 
*i De amico unico fideli. 



Eine böhmische Paraphrase der Distichen des Johannes Pinitianus etc. 259 

.5.V. De Divitiarum cupia. 

Qiiando foramen acus poterit peuetrare Camelus 
TuDC poterit Diues Regna videre Poli. 

'^o\i\)\\ '^atoinc^c bc^ac^i [":)?cid; iiüHIcn jein fnb tarjü y]cvec^t i 

ilMecJina 't>raivta c',o tit racU T)a^ veDiiit [ic^ gleich qI« friuTi t>f 

Ul\)\ il'e(b(aiic jfvj l^c^e ^c{;lv fd;lcd;t. 

^rogte, bute bcl;ac^ 3B nebi. ©e^et ein Gamet biirc^« nafceteer | 

®o lüiirbt tcr reid> iiu ^i^mmcl ^evr.] 

54. De Inuentio7ie Aurifodinae. 

Quaerit auara maniis lucrum per 3axa per ignes 
Abdita nee tellus tuta latere *) potest. 

"Dici^te vjeft (itjfc Srtcje [Die j^cv^i^^fa^t im( J^betö bvinijt | 

ÜJJali inncf;o c^f^c mit wicje !Dic tiird; tic erb tnb fctjeu tvingt. 

CS'iaf c^tiiuie (QfL>m[tn.n ^oum 3" Ü'ic^eii är^ burc^ mand;en toeg ] 

3e i) 3^c>^ bobegiva toto^. 'Damit man (eibctS njoüuft ^f'eg.] 

* Darunter: manere. 

55. [De inteniione thesanri.] *) 

Collige tbesauros, quos nuUa aeriigo peredit 
Nee tineae, nee quos für malus abripiet. 

•ilJoftabi) nel)(eteg lu^cmi [3?mb fünft ift eii3er fc^ätj graben | 

@e^to res ^ 1""^^^ Snicti Suc^t ba^ fr fc^ä^ iifi ^t^mel ^abcn. 

3boiii »l^^tebatoeg ^itnie Da fein bieb ftilt | fein fc^ab üerberbt | 

'Stteret na n?iefi) ne5l)i)ne. Xf)n baS fo ^aft bu groß gut ererbt.] 

*; Titel fehlt. 

56. De foenore. 

Ingens est usura malum. mala pestis in vrbe 
Impia non aliud tartara malus habent. 

(Sjot fe 3ba fau (ic^eiünic^l^ ? [O n?iic^er toer ^Oii cic^ erbac^t | 

Vtbffe ^.n-ac^c (au^je^niqt; : Dem menfc^en bift 511 nacf>t^at)( 

Äco geft 5pran>cjt)m gegic^ 3^"^^"? gbrac^t | 

9iegn.n)fft} 5 pefeüüc^ tn^cru. Der (al)big Xeüffel aüet fünb | 

(Sin uatter | ^at nit böfer fünb.] 

17* 



260 Spiridion Wukadioovic, 

57. De agro fertili.*) 

Si viuis largis agri prouentibus: esto 
Munificus, largo semine sis melior. 

^bo bcreff 3Sjtt!t; 5 rott [Der üon bem arfer^atö t^t (efccn | 

^fJed^t fau ^ nusnegm ! ^o^obtt Der foü auc^ reic^üc^ toiber geben, 

ßjtn cjo tojem ^jrofi^te ßrno Z^xa voxt ber faam in gleid^er gflatt | 

®enj ti (St^ batoa 5a gebno. Der gibt für ein« too( :^unbert fa(t.] 

*) De fertilitate terrae. 

58. De Viridariis. 

Delectant flores, et amoeni gramina campi 

Quae tarnen et moUes reddere saepe solent. 
9?ojfoffneg geft ^n^itef toonnt) [2Ber (ufteS gärten :^aBeu toiü | 

3a'^rabnt t) tafe poini Dem bringen \tj ber fretöben oif. 

^lentati toffa! begt 5a |)obniet Doc^ rai^enS auc^ menfd^lid^ gemüt | 

2:0 cjim geft S3u^ ofraffUt <Bxokt iöei) (uft toirt feüfc!^etjt i)bel b^üt.] 

5P. De gregihus et Armentis. 

Formosi pecoris, si cultor amore trabaris 
Te pauper potius, quam pecus ipsa*) trahat. 

2Bim 3e pitomeg bobtjtef [9?u^ önb fur^ice^t ift bel?m \>\^ \ 

^ogneg ti batt)a 33jitef. Doc^ tt)er beg ^a^ ber (ug ömb fic^. 

3?ec^t toffaf t; nusnemu ffaujt Da§ er nit werb bem ötc^ bergteic^t | 

S3u:^ ^roti ©tud^fcjum tau^i. @o er öonö näd^ften lieb tt»e^c^t.] 
*] ipse. 

60. De elephantibus et Camelis.. 

Grandia sunt Dominis animalia magna voluptas 
Saepe tamen famulis damna dedere suis. 

@(on a Sßetbfaub gfau btoa tnjori^ [Den Ferren ift ein groffe jier | 
(Ben^ na ^anffe <S(uffi biüor^ Die |)etffant ünb bie (5ame(tf;ier. 

^^jracj^ fe ^^ro fttau ne^bitoft Slber bem ber fie t^ut bfaben | 

3?e:^obi, beg gim racj njeg^oft. Dem t:^unb fie offt öil groffen fd^o» 

ben.l 



I 



Eine böhmische Paraphrase der Distichen des Jobannes Pinitianus etc. 2ül 

61. De simiis et huUrris animalibus.*) 

lucundoä tibi sl praebebit simia ludos 
Si modus abfuorit simias alter eris. 

2i^opiqc geft \\o'\x\z ^rairc ['fi?cr fiir|}U''ci( fliegt inn ?Iffenfpi( | 

23mieg mu unil;oiDict 3t^viiine 9}nc I;at tariiin fai^n maß nec^ ji(. 

9icb rate optjtcft ixoifx T^er i[t ein %^ irie man jm tljüt j 

2l?no^e^o tiwafa (^o^i. 35nfc ^ett er aller trelte gut.] 

*) De delectatione simiae. 



02. De Gallinis et Columhis. *) 

Irreqvietum aninial Gallina est atq' columba 
Pro magno damno commoda parua ferunt. 

3)hio^c <S(epic5 a ^otubu [Silt mer ünrüiD tann luftbarfa^t 

^rutfa "ilJanu tagt c^ubu 2$nt fc^acen mcr cann niH^barfa^t. 

— — — — — — So jeüc^ tic tauben cnc tic l)cnncn 

— — — — — — iöeicf>eii'fenö tac^ | jerfrafet fcen fccn= 

nen.] 
*] De pavonibuB, pulIis, gallinis, apibua et columbis. 



Anmerkung. Die Varianten zu den lateinischen Distichen sind der 
ersten Ausgabe von 1539 (s. d. Einl.) entnommen. Von dort stammt auch der 
Text der deutschen Vierzeiler, die zur Orientirung beigefügt sind. Die böh- 
mischen Verse sind diplomatisch treu abgedruckt. Auch offenkundige 
Schreibfehler habe ich belassen, wie : Nr. 2, Z. 4 : ttjnabu st. ttjobu ; Nr. 7, Z. 2 : 
£t)jcit) St. fipicjQ (lisci;: Nr. 6, Z. 2: rujnicä st. rujnicj u.a. Einen gereinigten 
Text herzustellen war nicht meine Aufgabe. — Wrczab = vrhcab, sskak = 
ludus scaccorum, stuchlecz = stuchlik (lakomec). 



262 



Die Widmung eines Gedichtes Yetranic's. 



Im Nachtrage zu seiner Abhanälung über »Das ragusanische 
Liederbuch aus dem Jahre 1507« (Archiv für slav. Philologie XXII, 1/2) 
beschäftigte sich Prof. Resetar eingehender mit dem in Stari pisci V, 105 
enthaltenen Epitaph: Nadgrobnica Nikoli Dimitrovicu slozena po 
D. Mavru Vetrani Cavcicu. Er machte darauf aufmerksam, dass dasselbe 
Epitaph auch in der bekannten Zaratiner Handschrift unter Nr. 750 zu 
finden ist, und zwar unter der (ebenfalls von N. Ranjina) geschriebenen 
Aufschrift »Mavru Vetrani.« Da aber im Texte selbst von einem Dichter 
Niko gesprochen wird, was auf Vetranic gar nicht passt, wäre Prof. Re- 
setar geneigt, dieses Epitaph nicht als für Vetranic, sondern von Ve- 
tranic gedichtet anzusehen. Was den im Gedichte selbst erwähnten 
Dichter Niko anbelangt, giebt Prof. Resetar zu, dass darunter auch ein 
anderer Dichter, nicht gerade Dimitrovic, gemeint werden konnte, hält 
aber an der üeberlieferung des Namens Niko fest. 

Das ganze Epitaph erscheint in einem ganz anderen Lichte, wenn 
wir in die von Prof. Resetar angeregten Betrachtungen das in Stari pisci 
III, 196 enthaltene Gedicht Vetranic's »Pjesanca Lili na grobuc heran- 
ziehen. Die besprochene Nadgrobnica stimmt nun, von kleineren sach- 
lich vollkommen bedeutungslosen Abweichungen abgesehen, mit den 
ersten 32 Versen der »Pjesanca Lili na grobu« vollkommen überein. An 
diese Nadgrobnica dachte wohl auch Prof. Jagic, als er in der akade- 
mischen Ausgabe der Pjesni razlike Vetranic's hervorhob, dass die Pje- 
sanca Lili (thatsächlich nur die ersten 31 Verse) auch unter den Ge- 
dichten Dimitrovic's zu finden ist, immer aber ausdrücklich Vetranic 
zugeschrieben wird. Die Annahme Resetar 's, der Vetranic für den 
Autor des Epitaphs erklärte, erhält durch die üebereinstimmung der 
Nadgrobnica mit der Pjesanca Lili neue Bestätigung, und ich glaube, 
dass an dieser Autorschaft nicht mehr zu zweifeln sei. 

Anders steht es aber mit der Widmuug des Epitaphs. Während 
in der Zaratiner Handschrift und in der Nadgrobnica in Stari pisci V 
der Name des verstorbenen Dichters Niko lautet, heisst er in der Pje- 
sanca Lili Maro. Die Annahme, Maro sei als Schreibfehler für Mavro 
anzusehen (cf. einen solchen Fehler in Stari pisci V, 299) und gestützt 



i 



Die Widmung eines Gedichtes Vetraniö's. 263 

auf die Aufschrift «»Mavru Vetiani ' in dem zeitgenössischeu Zaratiner 
Codex, das Gedicht auf Vetranic zu beziehi-n, wäre sehr verhjckend. 
Wenn es aber nach dem Vorhergesaj^ten auch nicht so sicher wäre, 
dass dieses Epitaph von Vetrauic und nicht für ihn gedichtet war, so 
würde ja der Text selbst des Epitaphs genügen, um unseren Vetrauic 
als den Dichter, dem das Gedicht gewidmet wurde, vollkommen aus- 
zuschliessen. Es heisst von dem verstorbenen Dichter: 
nog ii öu boi;u dat svu hvalu i shivu, 
koj k sebi htjo prijat svu mlados ijizdaiu. 

Vetranic starb bekanntlich in hohem Alter, bei ihm könnte mau 
also auf keincu Kall von mlados gizdava sprechen. Wie wäre dann 
überhaupt das grosse Gedicht Pjesauca Lili na grobu in den Werkeu 
Vetrauic's zu erklären? In diesem sowie im folgenden Gedichte hIäW 
drugau wird der verstorbene Dichter weiter als ein hervorragender 
Liebesdichter gepriesen und seine Witwe getröstet. 

Wenn wir nun das Epitaph als für Dimitrovic gedichtet betrachten 
und die Vermuthuug Prof. Jagic's von den verloren gegangenen Liebes- 
gedichten Dimitrovic's sogar im weitesten Umfange gelten lassen wollten, 
so würden sich auch aus dieser Annahme Schwierigkeiten ergeben. 
Wie wäre es zu erklären, dass der Mönch Vetranic bei einem vor- 
zugsweise didaktisch-religiösen Dichter, wie es Dimitrovic war, gerade 
und nur seine Liebeslyrik hervorhob? Und dann, wie wäre der Titel 
Pjesanca Lili na grobu zu verstehen ? 

Eine völlig befriedigende Lösung der ganzen Frage von der Wid- 
mung dieses Gedichtes giebt uns der ragusanisclie Dichter Autum Sasin. 
Er erwähnt in seinem Drugi san (Stari pisci XVI, 15bj unter den an- 
deren schon verstorbenen Dichtern auch einen Maro Lila, und zwar 
in der Keihenfolge zwischen den Lyrikern Savko Misetic und Miho 
Monaldovic, von denen einer vorzugsweise und der andere ausschliess- 
lich italienisch dichtete. In dem darauf folgenden Gedichte »U pohvalu 
pjesnika dubrovackijeh« (ib. S. 160) wird ebenfalls ein Dichter Lila und 
zwar wieder zwischen Monaldovic und Misetic erwähnt. Von ihm heisst 
es da ausdrücklich: 

ki pjesni spjevase u vas glas 

od slavne Jjuvezui, 3 kijeh dobi slavu i cas. 

Da Maro Lila von Sasin immer zusammen mit Monaldovic und 
Savko Misetic erwähnt wird, so könnte man daraus wohl schliessen, dass 
er diesen beiden Dichtern näher stand. Dass er aber nicht, wie z. B. 



264 Tomo Matic, 

Monaldovic, bloss italienisch dichtete, beweist eben das von Vetranic 
für ihn verfasste Epitaph, wo es heisst: »zac si njim (sc. svojim glasom) 
proslavil slovhiski vas jezik.« 

Die erwähnten zwei Gedichte Sasin's entstanden gegen Ende des 
16. Jahrhunderts (cf. Budmani in Stari pisci XVI, S. XV). Zu der Zeit 
war Maro Lila schon längst todt, da er auf jeden Fall vor 1576 (dem 
Todesjahre Vetranic's) gestorben sein muss. Nach den Worten Sasin's 
sind wir wohl berechtigt anzunehmen, dass er der literarischen Gene- 
ration Bobali's (geb. 1529 oder 1530, gest. 1585 — cf. Jrecek, Beiträge 
im Archiv für slav. Philol. XXI 3/4 S. 496) und Monaldi's (ca. 1550— 
1592) angehörte. Vetranic sagt zwar, dass Maro Lila jung starb, indem 
er seine «mlados gizdava« hervorhebt, aber diese »Jugend« darf nicht 
nach unseren heutigen Begriffen beurtheilt werden — es scheint über- 
haupt, dass wir heute viel früher alt werden als unsere Vorfahren. Im 
vorliegenden Falle wird unsere Annahme von Vetranic selbst bestätigt, 
denn im zweiten ebenfalls dem Dichter Lila gewidmeten Gedichte, wo 
Dum Mavar die hinterbliebene Witwe tröstet, sagt er, dass der Tod 

"^^^^ s »Obrati onuj vil u trude i tuzbu, 

S kojomje svezan hü miiogo Ij'et u druzbu«. 

(Stari pisci III, 198). 

Seinem Alter nach wird also Lila wahrscheinlich näher Bobali als 
Monaldi stehen. 

Aus dem Vorhandensein der erwähnten Nadgrobnica im Zaratiner 
Codex zog Prof. Resetar die ganz richtige Schlussfolgerung, dass, wenn 
das Epitaph für Nikola Dimitrovic verfasst wurde, die im Codex nach 
der Nummer 750 folgenden Gedichte nach dem Jahre 1553 in denselben 
eingetragen wurden. Folglich verschob Prof. Resetar den Terminus ad 
quem des Entstehens des Zaratiner Codex bis aufs Jahr 1553. Da aber 
das ganze Epitaph seinem Inhalte nach — wie bereits hervorgehoben — 
nicht recht gut auf die literarische Thätigkeit Dimitrovic's passt und 
anderseits sich als Bruchstück eines längeren dem Tode des Dichters 
Maro Lila gewidmeten Gedichtes erweist, so ergiebt sich von selbst die 
Frage, wie diese neue Auffassung der Nadgrobnica gegenüber der Frage 
vom Alter des Zaratiner Codex steht. Wenn wir im Stande wären, das 
Todesjahr Lila's wenigstens annähernd genau zu bestimmen, wäre da- 
durch viel gewonnen. Kommen wir noch einmal auf die Angaben 
Sasin's zurück. Er lässt die Dichter in seinen schon erwähnten Ge- 
dichten in folgender Reihenfolge nach einander folgen: 



Die Widmung eines Gedichtes Vetranid'a. 26.'» 

Mencetic, Vetranic, Cubranovic, (ijore Driic, ^ivon, Dimitrovic-, 
Vidra, Misetic, Lila, Monaldovic, Buresic- und Maroje Muzibradic (in 
Drugi San) — und dann : Menrotir, Vetranic, Gjoio Drzic, Cubranovic, 
Dimitrovic, Zivon, Marin Drzir, Mazibradir Maroje, Monaldovir, Lila. 
Misetic und Boresit in ü pohvalu pjesnika dubrovaXkijeb) . Es ist 
augenscbeinlicb, dass da die Dicliter im Ganzen und Grossen nacb 
ihrem Alter geordnet wurden und dabei wird Lila konaeiiueut in die 
jtlngste Generation, stets nacb Dimitrovic eingereiht. Wenn er auch 
kein hohes Alter erlebte, so können wir doch nach den im Gedichte 
Votrauic's selbst enthaltenen Angaben, wo es boisst, dass er viele oder 
wenigstens mehrere Jahre (mnogo Ijet) iu der Ehe lebte, mit aller 
Wahrscheinlichkeit annehmen, dass der Dichter Lila, der von 8asin 
immer — wie bereits erwähnt — zusammen mit Misetic (geb. l.')3()) und 
Monaldovic (geb. ca 155u) angeführt wird, jedenfalls in der zweiten 
Hälfte des It;. Jahrhunderts aus dem Leben schied. Dadurch werden 
also die von Prof. Resetar angenommenen Grenzen des Entstehens des 
Zaratiner Codex (nämlich ir>07 — 1553) gar nicht eingeengt — mög- 
licherweise sogar erweitert. Falls wir mit der Zeit tlber den Lebenslauf 
Maro Lila's etwas Näheres erfahren , so wird sich vielleicht diese 
letztere Vermuthung als berechtigt erweisen. 

Damit hängt ja noch eine ganze Reihe von Fragen zusammen. 
Wie ist der ziemlich früh auftretende Name Niko zu erklären? Ueber 
die Handschriften der Gedichte Dimitrovic's, die der akademischen 
Ausgabe zu Grunde liegen, finden wir in der Einleitung zu dieser Aus- 
gabe in Bezug auf ihr Alter keine näheren Angaben. Falls diese Hand- 
schriften jüngeren Datums sind, so wäre es leicht begreiflich, dass ein 
späterer Abschreiber der Gedichte Dimitrovic's sich leicht verleiten 
lassen konnte, ein fremdes Epitaph auf seinen Dichter zu beziehen und 
ad maiorem gloriam desselben auch den frommen Betrug einer Namen- 
fälschung zu begehen, ohne darauf zu achten, dass dieses Epitaph 
eigentlich zum Charakter der ganzen literarischen Thätigkeit Dimitro- 
vic's nicht recht passt. 

Schwer wiegend dagegen ist die Thataache, dass der Name Niko 
(ohne jede Bezugnahme auf Dimitrovic) schon im Zaratiner Codex vor- 
kommt. Nach den Angaben, die Prof. Resetar von Prof. Kusar erhielt, 
ist das betreflfende Gedicht von der Hand Nikola Ranjina's selbst ge- 
schrieben und von derselben Hand soll auch die Aufschrift »Mavru Ve- 
trani« herrühren. Es wäre also — wenn alle diese Angaben richtig 



266 Tomo Matic, 

sind — ausser jedem Zweifel, dass in diesem aus einem längeren Ge- 
dichte Vetranic's herausgerissenen und als ein selbständiges Epitaph 
verwendeten Bruchstücke schon im 16. Jahrhundert der Name Niko 
auftaucht. 

Prof. Resetar machte aufmerksam, dass in demselben Zaratiner 
Codex solche Gedichte vorkommen, die auf einen Dichter Niko hin- 
weisen, und gab die Möglichkeit zu, dass sich unser Epitaph auf einen 
solchen vor dem J. 1507 gestorbenen Dichter bezieht. Die Vermuthung 
ist an und für sich nicht unmöglich. Es könnte noch hervorgehoben 
werden, dass (nach der Angabe Prof. Jagic's in Stari pisci III, 196) 
Pjesanca Lili fast in allen Handschriften (ganz so wie im Zaratiner 
Codex) mit dem Verse 32 abbricht. Da kommt man unwillkürlich auf 
den Gedanken, ob die kürzere Form sammt dem Namen Niko nicht die 
ursprünglichere sei. In diesem Falle müsste man natürlich annehmen, 
dass das ursprüngliche kürzere — nach der Vermuthung Prof. Resetar's 
— für einen älteren Dichter Niko verfasste Epitaph später von Ve- 
tranic erweitert und auf Maro Lila übertragen wurde. Die Meinung 
scheint mir auf den ersten Blick nicht sehr einleuchtend (mit seinen 
Versen verfuhr ja Vetranic nicht so ökonomisch) und ich glaube, dass 
es auf jeden Fall schwer zu beweisen wäre. 

In den Handschriften des 17. Jahrh. dagegen (cf. die akademische 
Ausgäbe der Gedichte Vetranic's) sind die Namen Lila in der Aufschrift 
und Maro im Texte des Gedichtes sicher belegt, und wenn man noch 
dazu in Erwägung zieht, dass sowohl die Namen als die übrigen im Ge- 
dichte erwähnten Umstände mit dem, was wir aus den Gedichten Sasin's 
über Maro Lila erfahren, ganz gut übereinstimmen, so glaube ich, nach 
den bisher bekannten Thatsachen an dem Namen Maro als dem ur- 
sprünglicheren festhalten und den Namen Niko als einen allerdings nicht 
leicht erklärbaren, von einem Abschreiber begangenen Fehler betrachten 
zu dürfen. Tomo Matic. 



I 



•>r.' 



Ein Gedicht Kacie's als Volkslied in Slavonieii. 



In der neueren Zeit constatirte man zu wiederholten Malen, dass 
Kacic' Gedichte nicht nur von den Fremden für Volkslieder gehalten, 
sondern auch von den einheimischen Sammlern als Volkslieder in ihre 
Sammlungen aufgenommen wurden (cf. Zivaljevic in Bosanska vila 
Jahrg. 1S93 Nr. 1 u. 2 und in Kolo I. 111: Surmin' in Vienac 1902 
Nr. 5). Dadurch lieferte man nur neue Belege für die längst anerkannte 
Thatsache, dass Fra Andrija den Ton der Volkslieder gut zu treffen 
wusste. Meinerseits will ich auf etwas Aehnliches in der Sammlung Ilic' 
aufmerksam machen. Luka Ilic Oriovcanin. der Alles, was mit seinem 
Volke und dessen Geschichte in Zusammenhang stand, mit so viel Liebe 
sammelte und studirte^), gab zu Agram 1S74 eine Sammlung der Volks- 
lieder aus der Umgebung von Neugradiska (in Slavonien) unter dem 
Titel: »Lovorike gradiskoga narodnoga puka br. S opijevaju narodne 
pjesmea heraus. Wie es aus dem Titel zu ersehen ist, verherrlichen 
diese Volkslieder die Ileldenthaten des ehemaligen Grenzregimentes von 
Neugradiska. Meines Erachtens ist der reine volksthümliche Charakter 
mancher von diesen Liedern mindestens sehr verdächtig — da meine 
ich vor Allem die Gedichte, die Ilic der bandschriftlichen Sammlung 
des Postmeisters Ivo 6ljivaric aus Oriovac entnahm. Im Allgemeinen 
■wird sonst überall der Sänger und seine Heimath angegeben, und aus 
diesen Angaben ersieht man, dass die Volkslieder wirklich aus dem 
ehemaligen Gradiskaner Grenzregiment und den angrenzenden Gebieten 
stammen. Die Sammlung erinnert sehr stark an Kacic Razgovor: Fra 
Andrija wollte die Vergangenheit des ganzen Volkes in volksthümlich 
klingenden Gedichten verfassen, und ganz dasselbe — natürlich in 



') Auf die Frage Prof. '^urmin's, ob man ausser dem bei Hacquet erwähn- 
ten Volksliede noch andere Lieder über Radoslav in unserem Volke constatiren 
kann (cf. auch Bjelovucic's Notiz in Vienac 1902, Nr. 9; möchte ich auf das 
in Slovinac 1S81, Nr. 22 publicirte, von Prof. Melko Lucijanovic auf der Insel 
Lastovo aufgezeichnete Volkslied »Borba Radoslava kraija sa sinom Ljuti- 
mirom« hinweisen. 

■-) Ueber diesen bei uns wenig beachteten Mann cf. den Aufsatz Scher- 
zer's in Nastavni vjesnik IV. 1. 



268 



Tomo Matic, 



einem viel engeren Rahmen — bezweckte auch Ilic, indem er die Ge- 
schichte seiner engsten Heimath in chi'onologisch an einander sich an- 
schliessenden Volksliedern darzustellen im Sinne hatte. Da finden sich 
nun drei Gedichte über den slavonischen Helden Marijan Terzic aus 
Kobas. Diesen wird (ganz so wie bei Kacic) eine prosaische Einleitung 
über den Feldzug des Kaisers Karl VI. nach Bosnien vorausgeschickt. 
Der kroatische Banus Esterhazy wurde dem jungen Prinzen Hildburgs- 
hausen als dem obersten Befehlshaber untergeordnet. Dadurch fühlte 
sich der Banus beleidigt und verhielt sich dem ganzen Feldzuge gegen- 
über ziemlich theiluahmslos. Von welchem Nutzen die Armee des Banu3 
dem Prinzen von Hildburgshausen hätte sein können, soll die Helden- 
that des jungen Fähnrichs Marijan Terzic, der im Heere des Banus 
diente, beweisen. Was Ilic näher über unseren Helden, seine Abstam- 
mung und die Heldenthat selbst zu berichten weiss, lasse ich vorläufig 
ausser Acht. Die Einleitung schliesst er(S. 106) mit den Worten: »Njegovo 
junactvo opjevaju ne samo Katancic i Kacic (Knj. 2, S. 135), nego i 
narodne pjesme, izmed kojih evo i ja tri navadjam.« Von diesen Volks- 
liedern hörte Ilic das erste (welches er übrigens schon 1854 in Neven 
veröffentlicht hatte) von Jozo Prasnjak aus Mitrovica bei Pozega (in 
dem an das Gradiskaner Regiment unmittelbar angrenzenden sog. Pro- 
viiicialgebiete) und die zwei übrigen stammen aus der Grenze selbst 
(von Jozo Dikan aus Kuti und Sava Miksic aus Kobas), von diesen aber 
behandeln nur die zwei ersteren die Heldenthat von Banjaluka. Es ist 
sonderbar, dass Ilic, obwohl er Kacic, wie es aus seinen eigenen Worten 
folgt, kannte und wusste, dass Fra Andrija auch den Helden Marijan 
Terzic besungen hatte, doch nicht bemerkte, dass sein erstes aus Mitro- 
vica bei Pozega stammendes Volkslied im Grossen und Ganzen nichts 
Anderes ist als das Gedicht Kacic's, das in der Agramer Ausgabe vom 
Jahre 1889 auf S. 315 (in der Ausg. vom J. 1759 auf S. 246) zu finden 
ist. Um das Verhältniss des slavonischen Volksliedes zu Kacic klar zu 
zeigen, lasse ich beide Texte treu abgedruckt neben einander folgen : 



Kacid: 

Vojsku kupi kruna cesarova, 
Karlo peti, roda sokolova, 
Po svoj ravaoj zemlji Ungarii, 
Slavonii, Lici i Krbavi, 
5 [Ter je salje na Bosnu ponosnu 
Da osvoji po Bosni gradove. 



Ilic: 

Vojsku kupi kruno cesarova, 
Karlo sesti, roda sokolova, 
Po svoj zemlji ravnoj Ugariji, 
I po ovoj Liki, Slavoniji. 
[Kad je care vojsku sakupio, 
On dozivlje Jozu Banovica 



Ein Gedicht Kacic's als Volkslied in Slavonien. 



269 



Brzo vojska Vrbaa pribrodil», 
Ter je Bauju-Luku obsiduula 



U toj vojsci bilni junak bise 
10 Marian se iuienom zovise, 

[Kuöom, pobre, vitez Terzijiöuj 
Silui junak kano Zrinovicu. 

[Kad je dosa' na Vrbaa vodicu], 
On ne moze srcu odoliti, 
15 Vec piipliva Vrbas, vodu ladnu, 
Na cilasu dobru konju svomu. 

,Konjic mu je roda vilinjega : 
Krila su mu kano u sokula,' 
Na njem leti iz pod Banje-Luke 

20 Ter na mcjdan pozivase Türke 
Na mejdan mu Turci izlazise 
AI se vise doma ne vratise 

To gledaju odze i adzije 
I ostale age i spabije. 
25 Gledali su, ter su besidili, 
Jos i ruse brade ogulili : 
»Od kuda je ta delija mlada, 
Od kud' li mu konjlc, bila vila?] 
Valja da je uskrsnuo Marko, 
30 Oli Marko, ol' vojvoda Janko, 

Ter razgoni nase vitezove 
Kano soko male golubovc. 

[Ali-pasa prid vojskom bijase, 
Ter ovako Turkoro govorase;] 
35 »Nije r koga poroüila majka, 
Da pogubi katanu junaka?« 

Sve delije mukom zamuknuse, 
Ali ne kti junak od krajine, 
Silni vitez Banjalucanine, 



Pa bjesedi Jozi Banovicu: 
»Davor pobre bane Slavonijc: 
Evo tebi sva ta moja vojaka, 

10 Pa ti idi u Bosnu punosnu, 
I osvüji po Bosnoj gradovr, 
I rastiraj sveca Muliauieda". 
Kad je Jozo Karlu razumio, 
Ou sakupi jednu malu vojsku, 

15 Pa ju vodi u Bosnu ponosnu, 
Da osvoji po Bosnoj gradove 
I rastira sveca Mubanieda, 
Kojino je dodijo Krsöauom]. 
U toj vojsci silni junak bise, 

20 Imenom se Mariauu zvase 

Silni junak nalik Zrinovicu. 

On ne more srcu odoliti 

Vec prepliva Verbas vodu hladnu 

Na kulasu dobromu konjicu, 



25 Pa on ide ispod Bajne-Luke 
■Pa se sece po toj Bajnnj-Luci] 
I poziva na mcjdane Türke, 
Koji njemu pobro izlazise, 
Oni s' doma vise ne vradase, 

30 [Jorbo ludo pogubise glave.] 
To gledali begi i spahije, 
I mlaSani age i veziri 
Gledali su ter su besjedili: 



»II je nama uskrsnuo Marko, 
35 Ui Marko, il vojvoda Janko? 
[Da razgoni katana slavanski] 
Da razgoni nase vitezove, 
Kano sokol mlade golubove. 



Nije r koga porodila majka, 
40 Da pogubi katanu junaka«. 
Svi junaci nikom ponikose 
I u crnu zcmlju pogledase 
Sam ne gleda Dzombfg kapetanu, 



270 



Tomo Matic, 



40 Po imenu Gjombeg kapetane 
Brei njema bihu do ramena, 

Zute oci kano u sokola; 

Ne smi niko na njeg ni gledati, 

[Kamo li ce s njime bojak biti 
45 Svu je vojsku glavom nadhitio 

Valja da je roda godjatskoga; 

Ne bijas3 zescega junaka 

U svoj vojsci cara cestitoga] 
Pükloni se pasi gospodaru, 
50 [Pak je njemu tiho besidio:] 

»Ali-pasa, mili gospodare, 

Ja cu izac na mejdan junacki.] 
Ali tebi tvrdu viru dajem : 

Pobignude ungarska katana, 
55 Kako vidi hata konja moga 

I na njemu Gjombeg kapetana. 
[Ako li me doceka katana,] 

Radien ga ufatit ziva; 

[Zavrcii se konjem i konjikom,] 
60 Donicu ih n vojsku carevu« 



[To govori, na konja se skace,] 
Pak poleti niz to polje ravno 



A pram njemu Terzijic Marjane, 
Od Kobasa slavni kapetane. 

65 Leti junak na cilasii svomu, 
[Kano brza tica lastavica:] 
U ruci mu svitla sablja bise, 
Za kolpakom krilo trepecase. 
Sritose se, ter se udarise 

70 Nasrid polja iz pod Banje-Luke : 
Ljuto Turcin obranio bise 
Mariana po ruci junackoj. 
AI Marian za to i ne haje, 
Vec obleti Gjombega silnoga 

75 Kauo soko orla velikoga : 



Kapetanu roda tatarskoga, 
45 Brei njemu biju do ramena, 
Zute oci kano u sokola. 
Kad je cuo, sto Turci besjede, 



Pokloni se pasi gospodaru: 
»Na milosti pasa gospodaru, 

50 Ev' ja tebi tvrdu viru dajem, 
Uteci ce katana slavonski, 
Kad ugleda hata konja moga 
I na njemu Dzombega mnogoga, 
[Kojino se ne boji kaura]. 

55 Radit cu ga ziva uhvatiti 

I doniti u carevu vojsku«. 
[Kad to cuo pasa gospodaru, 
On govori Dzombeg kapetanu: 
»Boraj tebi, Dzombeg kapetanu, 

60 Ak pogubis il dovedes ziva, 
Dat cu tebi blago nebrojeno, 
I k otomu tri biela grada, 
Dva u Bosnoj, trecl u Tatarskoj«. 
Kad je cuo Dzombeg kapetanu, 

65 Kad je cuo, sto besjedi pasa,] 
On se stisnu niz to polje ravno, 
[Gdje se sece Terzic Mariane. 
Da pogubi Terzic Mariana]. 
Prama njemu Terzic Mariane, 

70 Od Kobasa slavni barjaktare. 
Stoji junak kao bjela stina, 

U ruki mu svitla sablja bise, 
Za kalpakom pero trepetise. 
Trefise se ter se udarise, 

75 Ko dva zmaja u gustom oblaku, 
Ljuto Türe obrani Marjana 
Po desnici, po njegovoj ruci. 
Ali Marjan za to i na haje, 
Vec obleti Dzombega mnogoga, 

80 Kao sokol orla velikoga, 



Ein Gedicht Kaciö's als ^'Dlki3liL•d iu Slavonieu. 



271 



Mahnu sabljoiu, odsice mu gliivu. 



Pak zapiva na Brid polja ravna 



»l'ofali se, Gjoiubeg kapetane : 
[Rada dogjes svecu Muhaiuedu] 

80 Kako si rai glavu odsikao 

Na uiejdanu iz pod Banjc-Luke.] 
Evo sada ja odsikoh tvoju, 
Ter je nosim u vojsku uugaiijku 
I odvedoh liata koiija tvoga«. 

85 [Mariane, slayni kapetaue !] 

Pozdravlja te starac Milovane 
Iz daleka od gorice crnc, 
üdri, pol)re, ko na te nasrue. 



Un obleti, odaieo mu glavu. 
[Pa ju niedo u svojn jankesu, 
I ufati liata konja iiiladaj 
Pa zapjevana srid pulja ravna, 
*?•") [Na srid i)olja bas pod liajnom- 
Lukuiu:] 
"Pohvali se, Dzombcg kapotanu, 

Da si niojii odsjckao glavu, 

Ev ja tvojii jesaiu odsjckao, 

I odueso u alavonsku vojsku, 

90 I odvedo hata konja miada«. 

Podvikuje starce Milovane, 
Iz daleka iz gorice crne: 
»Udri. pobro, tko na te navali«. 



Also von den SS Versen Kacic'ä finden wir deren 5S (= zwei 
Drittel des ganzen Gedichtes) entweder ganz oder fast ganz tren im 
slavouiscben Volksliede wiedergegeben. Die übrigen 30 Verse Kacio's 
begegnen wir bei Uic nicht, sie sind aber durch andere 35 ersetzt, so 
dass das Volkslied 93 Verse gegenüber den SS Kacic's zählt. Dass das 
Volkslied wirklich vom Gedichte Kueics stammt (und nicht etwa um- 
gekehrt), beweisen ausser einigen Dalmatiuismen, denen man in einem 
echt slavonischen Volksliede kaum begegnen würde , auch die letzten 
Verse, wo eine ausdrückliche Erwähnung des starac Milovan vorkommt. 

Ueberhaupt zeigen die Sänger der llic'schen Volkslieder, dass Kacic 
ihnen wohl bekannt war. Der Anfang des Gedichtes »Gradiscani u nas- 
Ijednom ratu 1741 — 1748« (vorgesungen von Stanko Jankovic aus Sice, 
ebenfalls im Gradiskaner Regiment) lautet: 

Rauo rani starac Milovane. 

Rano rani prie bile zore, 

Ter dozivlje starca Radovana, 

Radovana od starine vojna : 

"Cuj, starino starce Radovane etc. (Ilic p. 117). 

In demselben Volksliede heisst es etwas weiter: 

AI govori starce Radovane, 
AI govori 1 tisi Milana: 
» Ne tuguj mi, starce Radovane, 
I ne zali padnuvsib junaka. 
Koj* za svojn padose caricu 



272 Tomo Matic, 



I pristolje carsko sacuvase; 

Veö ti uzmi gusle javorove, 

Pa ti idi od grada do grada 

I opjevaj nasince junake, 

Kojino SU dicno poginuli (ib. p. 117 — 118]. 



Kad je cuo starce Milavane, 
Kad je cuo pobrinu besjedn, 
On uzima gusle javorove, 
Pa on ide od grada do grada 
I opjeva nasince junake (ib. p. 120). 

Das von Ivan Vladic aus Drenovac vorgesungene »Junactvo Gia- 
discana« (im siebenjährigen Kriege 1756 — 1763) hebt folgender- 

maassen an: 

Da je komu poslusati bilo, 

Kako pjeva starce Kadovane etc. (ib. p. 143). 

und das Volkslied «Junactvo Gradiscana u devetgodisnjem ratu (1792 
— 1801)«, das Ilic der schon erwähnten Handschrift des Postmeisters 
Ivo Sljivaric aus Oriovae entnahm, ist wieder voll von Reminiscenzen 
an Kacic. Ich führe nur den Anfang an: 

Vice vila s brda Motaice, 

Vice vila starca Milovana: 

»Sto si sio, starce Milovane, 

Sto si sio, zlo vino popio! 

Gdi SU tvoje gusle javorove, 

Gdi li tvoji dosadasnji hodi? 

Te ne ides od grada do grada 

I ne pjevas na glasu junaka!« (ib. p. 186). 

Die erwähnten Lieder sind ihrem Inhalte nach in gar keinem Zu- 
sammenhange mit Kacic, die letzteren zwei sogar können es nicht sein, 
weil sie die nach des Dichters Tode vorgekommenen Ereignisse behan- 
deln ; sie zeigen also, dass nicht nur der Inhalt der einzelnen Gedichte des 
dalmatinischen Dichters in Slavonien bekannt war, sondern dass er als 
dichterische Persönlichkeit den Leuten aus dem Volke bekannt und bei 
ihnen so beliebt war, dass man ihn mit den Gedichten, die mit seiner 
Pismarica gar nichts zu thun haben, in Zusammenhang zu bringen 
trachtete. Anfangs kam ich auf den Gedanken, dass diese Gedichte 
vielleicht mit Pavic's Nadodanje glavnih dogadaja Razgovoru ugodnom 
im Zusammenhange sind. Das Werk selbst war mir nicht zugänglich, 



Ein Gedicht Kacic's als Volkslied in >l;ivuni<Mi. 2~'A 

aber die Inhaltsangabe dessdben in Foikci s Crtice iz slavon.-ko knji/.ev- 
nosti schliesst die Aunulime völlig au3. 

Der Held des altgednickten Gediclites wird von Kurie noch ciiiiiial 
erwähnt, und zwar in der Pisma od vitt-zova hrvatskili, koji vitcski 
vojevase rata kandijanskoga i bcokoga (Agramer Ausgabe ISS'J. 
pag. :u;<): 

»Gdi je viti'Z Torzic .Marianc, 
Kojino se glasi iia svo strane, 
Od Kobasii, sela nialenoga, 
Blizu Hroiia, grada bljeloga?« 



On na unjilan Turkoni izlaznse, 
Ter im ruse glavo odsicasp. 
To se zgodi rata iualenog;i. 
Po krscani' puno nesridnoga. 

Wo hat Kacic seine Nachrichten über Terzic geschöpft? Kr sagt 

es — wie gew/iiinlich — selbst: >■ kako nii Ijudi kazase, onako ja 

!«h»zih i u pisnin ucinili . . .« Wer nur einigermasscn unseren — ich 
möchte beinahe sagen — dichtenden Historiker kennt, wird ihm wohl 
glauben, dass er aus der Volksüberlieferung schöpfte. Acders war es 
gar nicl.t möglich: hier handelte es sich nicht um solche Ereignisse, die 
er in verschiedenen Chroniken hätte finden können, denn Terzic (1702 
— 17G7) war sein Zeitgenosse, und in der Zeit, als es keine Zeitungen 
gab, die die Heldenthat Terzic's zur Kenntniss nnseres Dichters ge- 
bracht hätten, war er natürlich nur auf die Volksüberlieferung ange- 
wiesen. 

Wie stellt es in dieser Beziehung mit Ilic? Wo hat er seine Daten 
für die Biographie Terzic's gefunden? Zweifelsohne im Gradiskaner 
Regimentsarchiv, wo er auch sonst so manche historische Notizen 
schöpfte. Dass aber auch bei ihm die Tradition in Betracht kommt, 
glaube ich aus dem Folgenden schliessen zu dürfen. Er sagt gleich im 
Anfange der Biographie Terzic's (Lovorike p. 105): »Od prostih rodi- 
telja u Kobasu 1702 rodjen 'mati mu je bila pokrstena Turkinja) . . . .j 
Wenn die Mutter Terzic's wirklich eine getaufte Türkin gewesen, wäre 
das gar nicht auffallend — es ist ganz gut möglich, dass es wirklich 
der Fall war, und dass Ilic diese Notiz im Kegimentsarchiv fand. Es ist 
aber immerhin bezeichnend, dass diese Feberlieferung über die türkische 
Abkunft der Mutter Terzic s zur Zeit Ilic's im slavonischen Volke lebte 
und poetisch ausgeschmückt wurde. In einer Randbemerkung zum 

Anhiv für slavisclie Philologie. XXVI. 18 



274 Tomo Matic, Ein Gedicht Kuciö's als Volkslied in Slavonien. 

Volksliede »Princip Eugen i Ivan Sekula g. 1697« (vorgesungen von 
Pamuklic aus Mitrovica bei Pozega) sagt Ilic (o. c. p. 94), dass nach 
dem Verse 64 der Sänger Jozo Bosnjakovic aus Velika (also wieder aus 
der nächsten Umgebung von Pozega) folgende Verse einschaltete: 

>Sam ne riisi kule Spahiceve, 
Gdje mu kazu ruzicu rumenu. 
To ne bila ruzica ruiiiena, 
Ved to bila kcerka Spahiceva, 
Koja nije kod majke Ijubljena, 
Nit Ijubljena niti zarucena. 
Nju mi hvata Sekula Ivane 
Pa ju krsti na pol Bajne-luke, 
Pa ju vjenca sa svojim sestricem, 
Sa sestridem mladjanim Terzicem, 
Koja mu je porodila cedo; 
Lepo cedo Marjana Terzica. 

Dass das Volk die Abkunft eines beliebten Helden so interessant 
als möglich darzustellen trachtet, ist bekanntlich eine Erscheinung, die 
uns in der Volkspoesie aller Nationen und Zeiten begegnet. Es wäre 
auch nicht unmöglich, dass Kataucic (1750 — 1825). der den Tod 
Dzombeg's in einem von seinen nach den klassischen Mustern verfassten 
Hirtengesprächen erwähnte, auch aus der Volksüberlieferung schöpfte. 
Dass ihm die Volkspoesie nicht fremd war, beweisen seine Fructus 
auctumnales zur Genüge. Vielleicht ist auch Kacic als Quelle Ka- 
tancic's nicht ausgeschlossen? 

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass Safvet-beg Ba- 
sagic-Redzepasic in seinem Buche «Kratka uputa u proslost Bosne i 
Hercegovine (Sarajevo 1900) p. 214 sagt, dass Mustafa Ef. Pruscanin 
in seiner arabisch geschriebenen Dichtung »Tebsirul-guzzata« die vor 
Banjaluka und Zvornik zur Zeit des Hecim-Ogli stattgefundenen 
Kämpfe beschrieb. Hecim-Ogli Gasi Ali-Pasa w^ar gerade zur Zeit 
Terzic's Statthalter von Bosnien (1736 — 1740 , 

Da kam ich nun auf den Gedanken, ob nicht etwa Pruscanin den 
Zweikampf Dzombeg's und Terzic's erwähnt. Auf meine diesbezügliche 
Frage hatte Herr Basagic-Redzepasic die Güte mir zu antworten, er 
habe die Handschrift des Werkes Pruscanins trotz aller Bemühungen 
nicht bekommen können, so viel er sich aber erinnere, seien dort weder 
Dzombeg noch Terzic erwähnt. 

Spalato, im Juni 1902. Tomo Matte. 



Kritischer Anzeiger. 



Dr. Friedrich Lorcutz. Sl(»\ inzische Grammatiic. Ss. XX + •^•♦■- 
nebst einer Karte. St. IVtershurg 19ü:<. K. Akademie der Wissen- 
schaften. 



Die slavisclion Dialekte .südlich 
von der O.stsee scheinen eine ge- 
heimnissvolle Anziehungskraft zu 
haben. A. llilferding weckte zuerst 
das Interesse der 81avisten für die 
eigenthüiuliche Sprache der balti- 
schen Slaven. In polnischer Sprache 
veröffentlichten l'oblocki und Bis- 
kupski kaschubischei) Wortver- 
zeiclini.sse, die jedoch bald durch 
Rauuih'a Wörterbuch der »ponuner- 
schen« oder kaschubischen Sprache 
überflügelt wurden. Raiuult's Wör- 
terbuch rief eine ganze Literatur 
über die «kaschubische Frage« her- 
vor, ßroniscli's schöne Studie über 
den Heisternester Dialekt gab eine 
Fülle neuen Materials in guter wis- 
senschaftlicher Bearbeitung. Der 
Unterzeichnete versuchte die Laut- 
und Accentverhältnisse des Slovin- 
zischen in einem in den Hsnicxin der 
zweiten Abtheilung der Petersburger Akademie erschienenen Aufsatze dar- 
zustellen. Im J. 1903 beschrieb Kazimierz Nitsch den Lusiner Dialekt in 
Westpreussen (Materyaly i prace Kom.jez. Ak. um. w Krakowie. Bd.I. 221 — 
273). Zuletzt ist eine unifas.<(*iide Grammatik des Slovinzischcn von Dr. F. 
Lorentz erschienen. 




<^^c4^y ^ 



1) Die traditionelle deutsche Form ist »kassubisch", weil aber Deutsche 
selbst, wie Dr. Lorentz. »kasoliubisch« schreiben, wollen wir Nichtdeutsche 
ihm gern folgen. 

IS* 



276 Kritischer Anzeiger. 

Nach L.'s Ansicht ist das Slovinzische kein blosser Dialekt des Kaschu- 
bischen, sondern vielmehr »der letzte Rest einer Sprache, welche mit dem 
Kaschubischen zwar eng verwandt, aber durch eine Reihe von Eigenthüm- 
lichkeiteu von demselben getrennt war und der demnach eine selbständige 
Stellung neben dem Kaschubischen anzuweisen ist«. Als fiir's Slovinzische 
charakteristische Merkmale führt er an: 1) o ist üö in betonter und 6 in un- 
betonter Silbe nach allen Konsonanten geworden, wogegen im Kaschubischen 
ein M-Vorschlag nur nach Gutturalen und Labialen erscheint. 2) Vor o- und 
M-Lauten ist v unverändert geblieben, wogegen das Kaschubische in dieser 
Stellung ein bilabiales ii aufweist. 3) v ist nach « (aus ä), öii (aus ö), ?/ « " 
zum Halbvokal geworden, wogegen es im Kaschubischen als Spirant erhalten 
ist. 4; l und i werden nicht von einander unterschieden, aber in antekonso- 
nantischer Stellung ist altes / in ii übergegangen. 5) Bei den Verben mit dem 
Präsens auf -njq bildet das Slovinzische den Imperativ und Part. Präs., oft 
auch die ausserpräsentischen Formen von einem Stamme auf -a;'e- bzw. -aja-. 
Von diesen ist das im Punkte 5) erwähnte Merkmal eine dem Slovinzi- 
schen eigenthümliche Neubildung, wogegen der Uebergang von -ol- -ü- zu öu 
an das Polabische erinnert. Auch der Uebergang von o in tig nach allen Konso- 
nanten erinnert an's Polabische, da hier o in sehr vielen Fällen in m, ü über- 
geht, aber im Ganzen genommen ist die Vertretung des urslav. o im Slovinzi-- 
sehen und Polabischen nicht so ähnlich, wie es aussieht. Während im Slo- 
vinzischen urslav. o durch t'tn, ö (als Kürze) und öii (als Länge) vertreten ist. 
80 entspricht ihm im Polabischen im Inlaut //, ö und im Anlaut vü und vä, 
und zwar je nachdem, ob die folgende Silbe einen palatalen (»weichen«) oder 
gutturalen (»harten«) Vokal enthält. Schon Schleicher, Laut- undFoimenlehre 
d. polab. Spr. § 32, hat dies vermuthet, obgleich ein paar Ausnahmen ihn un- 
sicher machten. »Das Lautgesetz, sagt er, nach welchem das eine oder andere 
eintritt, will sich nicht finden lassen«. Die wichtigste von den Ausnahmen 
ist loikklip »Bund Stroh«, das Schleicher durch viiklup transscribirt und mit 
ab. oklop'o »ligamen« zusammenstellt. Das ist aber nicht richtig, denn tcikklip 
sollte viiklip transskribirt werden. Es ist nämlich mit cech. oklej}, Gen. oklepi 
»abgedroschene Garbe« zu vergleichen und somit aus ursl. *okIepb entstan- 
den. Die Form väre (wahre) »pflügt« neben viire ist natürlich durch Anleh- 
nung an Formen, wo vä lautgesetziich vor einer Silbe mit gutturalem Vokal 
steht, entstanden. Nur viit »von« ist schwer zu erklären, denn ein ursl. *otb 
neben *oH anzusetzen, ist gewagt. Jedenfalls gewinnt man, wenn man das 
eben Angeführte und die von Schleicher erwähnten Beispiele, wie väku aus 
f)ko, aber vücesa aus *ocesa, van aus om, aber vünai aus oni u. s. w. in Betracht 
nimmt, die üeberzeugung, dass die verschiedene Vertretung von o durch vä- 
und vü- von der folgenden Silbe abhängt und zwar in ähnlicher Weise, wie 
die zweifache Vertretung von e durch e und t, s. meine Schrift Betonung und 
Quant. S. 9. 

Es sind im Ganzen dieselben Erscheinungen, die uns im Slovinzischen 
und Kaschubischen begegnen, im Slovinzischen kommen nur die charakte- 
ristischen Eigentliüuilichkeiten besser zum Vorschein. Die Vertretung des 
ursl. (ort durch fart ist auch dem Kaschubischen nicht unbekannt, nur wird 



Lorentz, Sloviuzisclie Grammatik, angez. von Mikk ila. 277 

die Anzahl der Formen mit tart prüsser, je weiter wir uns von der polnischen 
Sprachgrenze gegen daa Slovinzische entfernen. Auch im KaBchuliischen 
begegnet uns die Vertretung von -%l-, -ü- durch nl, ou — auch slz. öii ist aus 
r// entstanden, wie es au.s Ortsnamen wie d. Schni/jin, slz. C'nupjino hervorgeht 
— aus dem Lusiner Dialekt führt Nit.sch peu/io, zvuh, veun'e an, wo t«, wie aus 
Formen -eidi, piudiie »Mittag» leicht zu ersehen ist, aus älterem ou entstanden 
ist Mat. i prace I. 236,' ; aus dem Ileisternester Dialekt mag mnl/id »BlitZ", 
pölnl »voll» neben peh'iic r füllen«, kö/ps »Schwan« aus fiilpt, erwähnt werden. 
Im Slovinzischen ist nur der Uebergaug in o^i allgemein. Auch das Nord- 
kascliubische hat »ihc und plnc aus ursl. iiu-lti, pelti, aber das Slovinzische 
hat dazu noch mlönho.ph'iinü aus *iiu/ho, *pclia^] und mlötic neben iiili/r. Der 
Uebergang von o in uo begegnet uns im Kaschubischen nur nach Gutturalen 
und Labialen, im Slovinziselieii nach allen Konsonanten. Die Fälle, wo der 
Accent ausserhalb der Pänuitima liegt, werden im Kaschubischen gegen das 
Slovinzische zu zahlreicher. Es ist also immer nur ein Plus der Fälle für die- 
selben Erscheinungen, welche das Slovinzische, von den kleineren Unter- 
schieden im Wortbestand abgesehen, charakterisiren. Eine prinzipielle 
Scheidung des Slovinzischen vom Kaschubischen, die doch durch solche 
Merkmale, wie die nur ihnen eigene Vertretung des ursl. <j eng mit einander 
verl)unden sind, ist deshalb meines Erachtens nicht berechtigt. Dass das 
eigentliche Kaschubisch sich etwas anders entwickelt hat als das Slovin- 
zische, ist natürlich, weil die Kaschuben so lange mit Polen vereint waren, 
und die politischen Grenzen bilden oft auch Dialektgrenzen innerhalb einer 
früheren sprachlichen Einheit. Einst bildete das Kaschubische, oder wenig- 
stens das Nordkascliubisclie, darin auch das Slovinzische inbegritTen, un- 
zweifelhaft mit den slavischen Dialekten an der südlichen Ostseeküste eine 
sprachliche Einheit-;, die bequem als »Ostseewendisch«^; bezeichnet wer- 
den kann. 

In einer historischen Grammatik kann also das Slovinzische nur im Zu- 
sammenhange mit dem Kaschubisclien und Polnischen behandelt werden. 
Die Frage nach dem Verhältniss des Kaschubischen zum Polnischen will ich 
an dieser Stelle nicht berühren, da ich schon früher an einem anderen Orte 
Gelegenheit gehabt habe, mich darüber zu äussern. Ich will nur bemerken. 



• Uebrigens kommt plova auch in einen) polnischen Dialekt vor, siehe 
Wojciech Janczv, Gwara Sromowiec Wyinich. Mat. i prace Kom. j^z. Ak. U. 
I. 54. 

-) Das Polabische, dessen Reste aus dem Hannoverschen Wendland 
stammen, bildet, wie es auch der geographischen Lage nach zu erwarten ist, 
einen Grenzdialekt zwischen Ostseewendisch und Sorbisch. 

3) Nitscli in seiner Studie »Stosunki pokrewienstwa jezykow lechickich« 
Mat. i prace IIl! S. 4 hält diese Bezeichnung für unbegründet. Im Polnischen 
möchte ich freilich den Ausdruck »pomorski'> anwenden, aber in der deut- 
schen und in anderen germanischen Sprachen ist » Ostseewendisch« eine 
historisch berechtigte Benennung. Im Mittelalter meinten die Norddeutschen. 
Skandinavier und Anglosachsen mit dem Namen »Wenden « gerade die Slaven 
an der Ustseeküste. 



278 Kritischer Anzeiger. 

dass der Streit mu die Worte »Dialekt" und »Sprache", wenn es sich um 
naheverwandte Spracliidiome handelt, oft ganz zwecklos ist, und in solchen 
Fällen nur von der betreifenden Bevölkerung selbst entschieden werden 
kann. So gehört z. B. das Slowakische linguistisch betrachtet zum Cechi- 
schen, seitdem aber die Slowaken anfingen, es zu ihrem Kulturorgan zu er- 
heben, ist es unzweifelhaft eine Sprache. Ebenso ist es unnöthig zu streiten, 
ob das Kleiurussische ein Dialekt oder eine Sprache ist. Wenn einmal die 
Kleinrussen ihr eigenes Idiom als Kulturorgan brauchen und kultiviren 
wollen, so ist das nur ihr heiliges Recht, ganz abgesehen von den Verwandt- 
schaftsverhältnissen. 

Mit dein Gesagten will ich jedoch nicht behaupten, dass das Slovinzische 
allein nicht in einer Specialdarstellung behandelt werden kann; ich habe nur 
gegenüber einigen Behauptungen Dr. Lorentzs meine Ansicht aussprechen 
wollen. Um so besser, je genauere Beschreibungen wir über die kleinsten 
Sprachgebiete erhalten. Und Dr. Lorentz's «Slovinzische Grammatik« ist eine 
trelFliche Darstellung des Slovinzischen, das können wir gleich sagen. 
Welche Schwierigkeiten dem Forscher beim Aufzeiclinen des Slovinzischen 
])egegnen, weiss ich aus eigener Erfahrung. Die Lautgestalt dieses Idiomes 
zählt nicht zu den leichtesten, aber noch schlimmer ist, dass man beinahe 
nie ein längeres slovinzisches Gespräch hört. Dr. Lorentz war in der glück- 
lichen Lage, wähi'end einer längeren Zeit den letzten Slovinzen ihren ganzen 
Sprachschatz abzulauschen. Es war wirklich die höchste Zeit, das Slovin- 
zische noch für die Wissenschaft zu retten. » Alles in allem mögen heute noch 
200 bis 250 Menschen leben, denen das Slovinzische bekannt ist«. »So man- 
cher, sagt der Verfasser, der mir in der ersten Z<'it meiner Studien schätzens- 
werthes Material lieferte, ist jetzt dahingeschieden, andere leben zwar noch, 
sind aber recht gealtert und ihre geistige Klarheit hat abgenommen, so dass 
sie kaum noch einem Forscher irgendwie dienen können. Junger Nachwuchs 
ist nicht vorhanden, denn seit einem halben Jahrhundert hat Niemand es 
mehr für der Mühe werth gehalten, die Sprstche der Vorfahren zu erlernen«. 
Der Verfasser verzeichnet die Ortschaften, wo die nocli slovinzisch Sprechen- 
den wohnen und berichtet mit gewissenhnfter (lenauigkeit, von wie vielen 
Personen jeder Dialekt und Unterdialekt gesprochen wird. 

Dr. Lor(;ntz führt uns das Slovinzische in genauer, phonetischer Laut- 
bezeichnung vor. Ich hatte in meiner kleinen Studie 18 verschiedene Vokale 
und 5 Diphthonge verzeichnet, Dr. Lorentz verzeichnet 38 Vokale, von wel- 
chen freilich einige nur als zweiter Komponent eines Diphthonges vorkommen, 
und beinahe ebensoviele Diphthonge. Dieses Plus kommt zum Theil davon, 
dass Lorentz einige Nuancen bezeichnet, die ich unter einem Zeichen ver- 
einigte. Während ich z. B. nur für offenes nnd geschlossenes palatales e be- 
sonderen graphischen Ausdruck gab, so bezeichnet Dr. Lorentz noch ein 
zwischen diesen beiden stehendes e u. s. w. Zum Theil rührt die grosse An- 
zahl Zeichen auch davon her, dass ich mein bescheidenes Material nur aus 
den zwei Hauptdialekten des Slovinzisclien, dem Gardner und Kluckener, 
schöpfte, während Dr. Lorentz noch andere Laute aus den Unterdialekten 
vorbringt. Die in der slovinzischen Graunnntik angewandte Lautschrift 



Lorentz, Slovinzlsche Grammatik, angez. von Mikkola. 27*.t 

weicht von dorjenigon in den tViilieren .Schritten de« Vert'a»>«er8 an^rewaiidton 
bedeutend ab, und zwar durch durch^ostricliones n, », ö, h und die l'alatal- 
affrikaten h, I). Dat,'t'gon ist ja nichts oiiizu wenden, da die ;?e\vünsrlite (le- 
uauij,^keit durch dio früheren Zeichen nocli nicht erzielt werden konnte, wenn 
nur einmal irgend eine Einheitlichkeit in der für slavistische Furscliungen 
gebrauchten Lautschrift zu Stande gebracht werden könnte. Im schliinnisten 
Falle könnte man .sich auch mit zwei Lautschriften begnügen: mit einer 'auf 
dem lateinischen Aljjhabet und mit einer auf tien kyrillisch-russischen Huch- 
staben basirten, da die russisehen F<MScher kaum dii^ erstere acceptiren 
würden, wenn nur beide demselben phonetischen Prinzip folgen. Die 
Transskriptionsfrage sollte auf dem Programm eines yiavistunkongresses 
nicht fehlen. 

Die von mir im Slovinzischen beobachteten zwei Accentqualitäten, die 
ich zuerst »scharfen« und »leicliteu" Ton nannte, hat Dr. Lorentz schon 
früher bestätigt. Er nennt sie, und zwar mit IJeeht. »scharfen« und »dehnen- 
den" Ton. Der erstere ist nach L.'s Heobachtung in exspiratorischer Hin- 
sicht ein eiugiptiiger, einfach fallender, schwach geschnittener Accent. In 
musikalischer Beziehung ist derselbe ebenfalls fallend, der letztere ist ein 
exspiratoriseh zweigipfliger Accent mit stärkerem ersten Gipfel. Zur Bezeich- 
nung des Accents werden nicht weniger als G verschiedene Zeichen gebraucht ; 
l; \ 2) ', 3; ~, 4; ", 5) *, ü) " (für den Nebenaccent . Von diesen werden 
1 , 2; und 4 bei Vokalen mit scharfem Ton gebraucht. Je nachdem der Vokal 
drei-, zwei- oder einmorig ist, 3j und 5; wieder bei Vokalen mit dehnendem 
Ton, je nachdem der Vokal zwei- oder einmorig ist. Vom Standpunkt der 
phonetischen Genauigkeit ist dies freilich nur zu loben, dass aber die Ueber- 
sichtliclikeit darunter leidet, ist unzweifelliaft. Ich glaube, das.s wir hier auch 
mit nur drei, oder mit Herilcksichtigung dos Nebeiiaccents mit vier verschie- 
denen Accentbezeichnungen zurecht kommen könnten, und zwar so, dass an- 
statt ^, ', " (1, 2, 4) nur ein Zeichen gewählt wäre. Der Verfasser hätte nur 
zu sagen gebraucht, dass der Vokal unter scharfem Ton in offener Silbe drei- 
niorig, in geschlossener Silbe zweimorig ist; auch bei den Diphthongen geht 
die Zwei- bzw. Einmorigkeit des ersten Komponenten ohne weiteres aus der 
Beschreibung dieser Diphthonge selbst hervor. 

Die L)arstellung des Dr. Lorentz ist eine historische. Nachdem er erst 
das Laut- und Aecentsystem des Slovinzischen beschrieben hat, zeigt er. wie 
die Laute und Formen des Urslavischen sich im Slovinzischen abspiegeln, 
wobei er nicht selten das ganze zu der betreffenden Lauterscheinung ge- 
hörende Material erschöpft. Jedoch hat der Verfasser dabei auch rein de- 
skriptive Abschnitte, wodurch die Darstellung an Klarheit gewinnt. So 
spricht er vom Ablaute vom Standpunkt des jetzigen Slovinzischen. Das ist 
auch ganz am Platze, denn durch die ungeheuren Veränderungen, welche im 
Vokalismus von den verschiedenen Accentqualitäten und den umgebenden 
Lauten bedingt worden sind, wie z. B. Nom. zid : Gen. zada, Nom. lud : Gen. 
ladü, ist ein Verhältniss in demselben Paradigma entstanden, das demjenigen 
bei dem alten Ablaute analog ist und auch die Entstehung dieses illustriren 
kann. Der Abschnitt von der Betonung uml'asst etwa Gd Seiten. Bei den 



280 Kritischer Anzeiger. 

verschiedenen Wortstämmen sind die Betoniingstypeu angegeben, wobei 
immer, wenn die betreffende Betonungsklasse nicht durch äusserliche Merk- 
male, wie Suffix oder Stammvokal gekennzeichnet werden kann, alle einzel- 
nen Wörter aufgezählt werden. Die Flexionslehre enthält ausser dem rein 
deskriptiven Theil auch die sprachgeschichtliche Erörterung der Endungen. 

Meine wenigen Bemerkungen beziehen sich auf die Lautlehre. Hier hat 
der Verfasser beinahe immer für die slovinzischen und kaschubischen Formen 
die entsprechenden urslavischen Formen rekonstruirt. Dabei nimmt er die 
Sache etwas zu schematisch, indem auch für die späteren aus dem Deutschen 
aufgenommenen Lehnworte urslavische Formen angeführt werden. So wird 
S. 144^slz. fnehut (pol. kierznia] »Butterfass« aus ursl. *k'brhnja hergeleitet. 
Das poln. und slovinz. Wort ist aber aus mittelniederd. kirne, kerne »Butter- 
fass« entlehnt. Sogar eine ursl. Form *ceglbnicn «Ziegelei« begegnet uns 
S. 145. Unzweifelhaft hätte die Darstellung gewonnen, wenn das Polnische 
mehr berücksichtigt worden wäre. Bisweilen übersprinjj;t der Verfasser unbe- 
greiflicherweise das Polnische und zieht andere weiter verwandte slavische 
Sprachen heran. So wird S. 135 rehueci (neben rebueci) «arbeitsam«, mit r. 
paöoqiii verglichen, obgleich poln. ruboczy viel näher gelegen wäre. S. 151 
werden als Beispiele von mit «, e und i an'autenden Wörtern, denenj vorge- 
schlagen ist, Ax^ge^üXnt jiywul, ßesCjjiezjQpc, jic,j ini^jizhü und diese werden 
mit p. aniöl, r. Ictb, isÄUTt, p. isc, ab. im, p. izba zusammengestellt, obgleich 
aus dem Polnischen Formen mitj- Vorschlag, v/i&janiol,jmnioi,jin- -.jinäksy 
»inny« (Blatt, Gvvara ludowa we wsi Pysznica, Rozpr. W. f. Ak. u. XX. 428), 
jizdebka bekannt sind; die YoxmQxijesc, jezdzic gehören auch der Literatur- 
sprache an. 

Von vüdrec «schlagen« wird S. 44 und 5C gesagt, dass hier entweder a 
oder y synkopirt, weil es entweder mit ab. uduriti oder r. dial. yÄwpiiri. zusam- 
menzustellen sei. Es stammt aber nebst poln. iiderzyc aus *iahriti, das auch 
8. üdriti, slov. üdriti zu Grunde liegt. Sehr gewagt finde ich die S. 48 f. aus- 
gesprochene Vermuthiing, dass die Iterative slz. bie/äc, [poln. bierac, slz. cie- 
räc, poln. cierac u. s. w. » wohl nicht aus uvs\.*biratb, *tiratb u. s. w., sondern aus 
deren Nebenformen *beraib, *teratb (sloven. -beruti, -terati) herzuleiten sind«. 
In solchem Falle wäre doch unbedingt slz. *bjäräc, *cäräc, poln. *biarac, *cia- 
rac zu erwarten. Dr. Lorentz sieht freilich eine ähnliche unregelmässige 
Vertretung des ursl. e in slz. bjedii, p. bicda aus *beda, slz. kobjetä, p. kobieia 
aus *kobeta, slz. xerä aus *dera, slz. cesör, p. cesarz aus *cesarjb, slz. lezq, p. lez^ 
»krieche« aus *lezq, aber diese Belege sind anders zu erklären. Slz. bj'edä ist 
wie p. bieda eine nach solchen Formen, in welchen vor einer «weichen« Silbe 
lautgesetzlich ic steht, entstandene Analogieform; daneben steht bekanntlich 
biada im Polnischen. Von kobieia wissen wir nicht einmal mit Sicherheit, ob 
es aus *kobeta oder *kobbta herzuleiten ist; das letztere ist wahrscheinlicher. 
Slz. lezq, p. lezp steht natürlich nach Analogie der übrigen Präsensformen für 
la-, ganz wie im Slz. 3. P. Prät. läsli anstatt liezli nach läzla lautet. Das Wort 
für «Kaiser« p. cesarz, slz. cesör stammt nicht aus urslavischer Zeit; der Ein- 
tiuss des Cechischen kann mitgespielt haben. So bleibt ^t'ro »Loch« übrig. 
Es ist aber nicht aus ursl. *dera, sondern *dira herzuleiten, wie das nahever- 



Lorentz, Slovinzische (irainmatik, Uli •• / v" \!il.:l.Mh, 281 

wandt« Polabi.sclit^ zeigt. Da lioisst vh iiäuilich du lu ^csclir. duaru, dura,, 
weil ir in itr üburgef?jii)};en i;<t, .s. Sclileiclier, Laut- iiiul Foniionl. der polub. 
Sjir. 77. SIz. ^t'/« aus *dira zeigt eben, ilass -ir- im Slovinzisclieii und l'ol- 
uiscbcn eine aualügi; Kutwickluug durehgi-uiacht hat. Auch die ganz ähnliche 
liehaiidlnng der beiden Spraehen von ursl. tr vor (Jutturalen und Labialen ist 
nicht zu verfressen. Kiiien Belehr flir den Uebor;rang von iV zu i'f — kurze 
Stufe zu (■/• — bietet auch slz. /»(/ir/'"»/.- »Sellerie", dem ]i. mierzi/k, nicht />iiV:y/.-, 
wie der Verfasser S. 51 .schreibt, entsjjrieht. Ohne liit-r auf die Ktymologio 
des Wurte.-i einzugehen, verweise ich nur auf cech. //ji/'-i'A- »Kppich«. 

S. 78 wird behauptet, slz. \)irukäc "Splllcn" sei aus *p%lkatb herzuleiten. 
Dagegen spriclit p. piökac. Auch das zur Stütze herangezo;.jene ostsluwak. 
plukur beweist nichts, da es aus der Nähe des polnischen Sprachgebietes 
stammt und unzweifelhaft aus polu. ji/ökac entlehnt ist, wie ich sclion früher 
in meinem Aulsatz «lialtisclies und Slavisches" S. 25 gezeigt habe. 

Im Kajjitel von der Vertretung iles ursl. r im Slovinzisclien vermisse ich 
die Erklärung des Wortes d**oit'iic(i »Stube». S. Kiti wird freilich gesagt, dass 
in diesem Worte, das mitpolab. dcfiruäiia verglichen wird, c abgefallen ist*;. 
Aber auch dann bleibt es noch lautlich dunkel. Aus urs\. *dcori.nica kann es 
unmittelbar nicht entstanden sein, denn dies hat im Slovinz. f/<v/;V«iV« > ein 
Feld beim llau.se" S. 145 ergeben. Es ist ohne weiteres ersichtlich, dass 
ditor/iicn mit polab. </j;(//7»t'/ra »Stube« aufs engste zusauinienhänjrt. Das letz- 
tere geht wieder auf *dcbrbtitca [zw dvhvb »Thür«, nicht auf *dvnrhnica zurück, 
dies würde nämlich in polabischer Gestalt entweder *dcönit'ua oder *dijriu'iru 
lauten In slz. duoriiicä liegt unzweifelhaft eine alte Entlehnung aus einem 
ausgestorbenen ostseewendischeu Dialekt vor. Es ist interessant, dass das- 
selbe Lehnwort auch ins Deutsche und Dänische eingedrungen ist; JJiiniitz 
»Stube« begegnet uns schon sehr früh im Deutschen. 

S. 129 hätte der Uebergang von ^6//-, (/6;i- zu tu, dn zusammen mit dem 
Uebergang von ihm zu cm und weiter zu cm behandelt werden können. Die 
phonetische Erklärung dieser Verschiedenheit hätte der Verfasser in 0. Hroch's 
Aufsatz »PyccK. ibMa — öhm, no^ibCK. cma — d/tia« {XuQiaTr^oKe CöoimiiKX bt. 
ulcii. Kopuia. MocKna lS9ü. S. 2S5 ff.) gefunden. 

Slz. biirzo »sehr« wird S. 139 mit \>. burdzo aus ursl. *b%rdzo hergeleitet. 
Dies ist schon deshalb unrichtig, weil ursl. *6ö/-^=o eine unmögliche Form ist. 
Wie hätte ursl. (/; vor o entstehen können? S. 8S hat der Verfasser auch ganz 
richtig ein ursl. *6orzo angesetzt. Poln. hardzo ist ja aus barzo entstanden, so 
wie auch p. viier-zi »ekelt« dialektisch in mierdzi übergeht, s. Karlowicz. 
Slownik gwar polskich III, 157. 

Die Vertretung der ursl. ij und dj i§ 74, S. 134 ff.; möchte ich anders be- 
handelt sehen. Dr. Lorentz sagt: »Das ursiav. tj dJ ist vertreten a; durch 



1 Unter den Wörtern, in welchen postkoneonantisch v geschwunden 
ist, wird daselbst auch k ipttov/ticu »RauchhaiiS", von welchem der Verfasser 
vermutliet, es sei zu Vit. krnpas »Dampf« zu stellen, angefülirt. Es exislirt 
aber ein nahe damit verwandtes slavisches Wort, das nicht Ar, sondern nur 
/. im Anlaut hat, nämlich cech. knj), kopet »Rauch, Russ«, p. kopec, r. KonoxL. 



282 Kritischer Anzeiger. 

slz. c z, b) in der Verbindung stj zdj durch slz. sc, z^«. Die vielen Abweichun- 
gen, welche S. 135 f. angeführt werden, zeigen jedoch, dass die Sache nicht 
so einfach ist, wie sie aussieht. In Formen wie sie^a aus ursl. *sedjq kann 
freilich ^ {dz) leicht aus den übrigen Formen, wo es aus d vor palatalen Vo- 
kalen entstanden, herübergeschleppt sein, aber so kann c in Formen wie 
vn'rcq aus *vorijq und ^ [dz] in Formen wie vä~^q aus *vadjq nicht erklärt wer- 
den. Ich will auch das von mir aufgezeichnete vijtdzä »zwischen« in Schutz 
nehmen. Dr. Lorentz hat Archiv XXIV, 55 behauptet, dass diese Form nicht 
existirt, ich habe sie aber ganz sicher in Klucken gehört und meine Behaup- 
tung wird durch die von Ramult und Biskupski angeführten kaschubischen 
Formen mje.-ü und midze bestätigt. Und weiter ist rehueci neben rohkaci um 
80 merkwürdiger, als auch das Polnische rohoczy hat. Dieselbe Erscheinung 
bietet auch svjeicka neben p. sivieczka. Es ist doch unmöglich bei allen diesen 
Erscheinunen c und dz durch physisch-morphologische Assimilation zu er- 
klären. Es sieht vielmehr aus, falls hier nicht alte Dialektkreuzungen vor- 
liegen, als wären tj dj einerseits zu c z und andererseits zu c und z geworden, 
je nach der Beschaffenheit des folgenden Vokales*), also je nachdem der fol- 
gende Vokal ein gutturaler oder palataler war. Formen mit dz wären dann 
durch psychisch-morphologische Assimilation anstatt solcher mit lautgesetz- 
lichem z entstanden. Dagegen wäre ich geneigt, einige Formen mit dz durch 
fremde Einwirkung zu erklären. Vgl. Nitsch, Mat. i prace III, 38 f. 

Im § 82 behandelt der Verfasser die Vertretung der Liquiden l, r. Im 
Slovinzischen tritt r häufiger auf als rz in der polnischen Literatursprache, 
aber aus dem Altpolnischen und Dialekten wären mehrere Seitenstücke zum 
slz. r zu holen. Jedoch hat dasSlovinzische einige ihm allein eigenthümliche 
Fälle von f. Solcher führt der Verfasser S. 129 f. und 146 mehrere an. Meine 
Beobachtung, dass t d nach r wie im Schwedischen cerebral, d. h. mit hinauf- 
gebogener Zungenspitze artikulirt sind, wird von Dr. Lorentz bestätigt und 
komplettirt. S. 118 sagt er: «Die zerebralen Konsonanten t und d treten nur 
nach r und r auf Sie gleichen dem t und d des Schwedischen. Bisweilen 
glaubte ich nach r auch ein zerebrales n zu hören, doch habe ich es nicht mit 
Sicherheit feststellen können«. Als ich wieder meine Beobachtungen aus dem 
Slovinzischen mir vergegenwärtigte, wurde es mir klar, dass nach ?• r nicht 
nur cerebrale t d, sondern auch n, s und z auftreten. Dies erinnert sehr an 
eine analoge phonetische Erscheinung im Schwedischen, wo die Verbindungen 
rt, rd, rn, rs cerebrales t d n s mit Schwund des vorhergehenden r ergeben 
haben. Im Slovinzischen schwindet r in dieser Stellung nicht, aber seine 
Vibration wird wegen der hinaufgebogenen Zungenspitze bedeutend reducirt. 
Wir bezeichnen ein solches r durch r. Die Verbindungen rt rd rn rs rz sind 
also im Slovinzischen zu rt rd rn rs rz geworden, aber rs rz sind gerade die- 
selben Laute, die man mit dem r zu bezeichnen braucht. Dr. Lorentz sagt 
S. 119: »Das r besteht aus einer kurzen Vibration der Zungenspitze und 
einem unmittelbar folgenden zerebralen z oder I. Bisweilen hört man für r 



1) Eine andere Möglichkeit, Einfluss des Accentes, wird bei Baudouin 
de Courtenay, KamyöcKiii »nsLiKt«, 59 f. angedeutet. 



I."r''ntz, Sluviuzisclie Grammatik, angez. von Mikkola. 2Sil 

auch ;•. il. i /• zerebrales i oder ,v. \'ijr iiiitl tiacli Vokalen ist r stiminliaff, 
zwisclieii stiiiiiiilosen Konsonanten uml |)OHtkon><onantiHcli im Auslaut Mtinim- 
los«. Jetzt verstehen wir aucli, warum r» und rz vor Konsonanten zu /• ge- 
worden :*inil ,.-». S. 130 f. , z. 15. kürt liir j(//7 aus ural. *j-orst->., bu'nfa aus ursl. 
*borzda. tjnir aU8 *yhrs(h, die auch kürst bu'rzja u. 8. w. bezciclinet werden 
könnten eerehrales .jr : lauten für ein unjjewühntes Olir wie s z. — In 
fiöhlü(rii "llrii^twarze". wofür hönlüicü zu erwarten wäre, vcruiuthot der Ver- 
fasser i-*^. 1 n; . der es richtij; mit s. hradariia aus nrsl. *liordavicti] zusammen- 
stellt, altes /•:'/. indem er auf Wi.harzdü hinweist. I>ies ist seiir unwalirsehein- 
lich, weil da» Xordkaschubische in der uaheverwandtcn rorm lardörha = p. 
hrodawkii nur rd, nieht rzd hat. Die slovinzisohe Form ist durch fremden Ein- 
tltisB entstanden. Slz. hördüira bedeutet nämlich »Brustwarze"; dem hochd. 
lirnst ent'Jiirieht im Niederdeutselien Jinmt — und Niederdeutsch ist die 
zweite oder richtifjer aie erste Sprache jedes Slovinzen. Die in Frajfc 
stehemio Form ist also auf vo]ksetymoloj.Mschem Wejre entstanden, wie auch 
slz. sirciix "llerzo;;" durch Anlehnung: au d. Herz und slz. strlco. 

leh ;ilaul>e, dass früher auch das Polnische, Sorbische und Cechische 
cerelirale Konsonanten •j:ekannt liaben. Darauf deutet der Uebergang von i 
in /'•, /•;. l'Mlatales r hat sich in ein r -|- palatales .Sjjirans^, wovon später £, s- 
lizw.; A. entwickelt; vergl. die Entwicklung; eines : bzw.« zwischen Labialen 
und palaiaieu Vokalen in einijren polnischen und kaschubischen Dialekten. 

S. 150 wird unter den Fällen, wo tnty zu »y jrew orden ist, auch scwjifüi'. 
"Gewis.'^en" aus *sein>'iieiu-, das der Verfasser wieder ^S. 134, mit ni). sqmnieme 
zusammenstellt, angeführt. Das slz. Wort ist aber Laut für Laut mit p. sumie- 
iiie »Gewis.->en' zusammenzustellen und hat also kein n eingebüsst. 

Der Wertii der »Slovinzischen Grammatik" wird noch durch die Beilage 
»J)ie Lautlehre des Kabatkisclien" crliölit. Dieser am meisten nach Westen 
vorges<hol)ene Dialekt des Kaschuliisclieu bildet ein Uebergangsstadium von 
dem ijlovinzischen zum eigentlichen Kaschubischen. Wie das Slovinzische 
ist auch das interessante Kabatkische dem Untergang geweiht. Besonders 
charakteristisch für diesen Dialekt ist der Uebergang von altem o nach Gut- 
turalen und Laltialen in m'p in betonten und in i/o in unbetonten Silben und 
in UV vor tautn^jUabischem /, aber nach den übrigen Konsonanten, mit Aus- 
nahme von /. in t(o in betonten und in unbetonten Silben in kurzes o \ nach / 
steht kurzes <>. Die Darstellung ist eine historische, aber so, dass das »Ur- 
kaschubische« den Ausgangspunkt bildet. Man hätte eine nähere Erörterung 
oder Begründung des »lukaschubischen« Lautsystems gewünscht. Dem Ver- 
fasser lag ,iber daran, die kabatkische Lautlehre möglichst kurz darzustellen. 
Auf der dem lUiche beigefügten Karte sind die Grenzen des Slovinzischen, 
die Ortschaften . deren einheimischer Dialekt noch erhalten, oder wenn er- 
loschen, jedenfalls bestimmbar ist, genau angegeben. 

Alles in allem, Dr. Lorentz's »Slovinzische Grammatik» gehört zu den 
allerbesten Leistungen in der slavischen Dialektologie und mit der reichen 
Fülle zuverlässigen Materials steht sie an der Spitze. 

1 1 e 1 s i n g f o r s. Joos. J. Mikkola. 



284 Kritischer Anzeiger. 

Dr. Nikola Andric : Izvori starih kajkavskih drama (Rad jugo- 
slavenske akademije znanosti i umjetnosti. Knjiga 14(3. U Zagrebu 

1901). 

Andric sucht in der vorliegenden Abhandlung den Ursprung und die 
Herkunft jener dramatischen Stücke zu ergründen, die am Ende des XVIII. 
und im Anfange des XIX. Jahrhunderts zu Agram, hauptsächlich im bischöf- 
lichen Seminare aufgeführt wurden sind. 

Diese Aufführungen sind nichts anderes als eine Fortsetzung jener, mit 
denen die Jesuiten in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts in der Haupt- 
stadt Kroatiens begonnen haben, also vor etwa 300 Jahren, wo Agram noch 
kein »kazaliste« aufweisen konnte. Für die diesbezüglichen geistigen Be- 
dürfnisse seiner Bewohner sorgte damals der Agramer Jesuitenorden. Ja, 
man könnte fast behaupten, dass mit seiner Ankunft (1606) daselbst die 
ersten dramatischen Vorstellungen angefangen haben, die die Jesuiten und 
ihre Schüler veranstalteten. Da es nämlich mit dem Schulwesen in Kroatien 
zu jener Zeit sehr schlecht bestellt war, zögerten diese keinen Augenblick 
mit der Gründung eines eigenen Gymnasiums, wobei ihnen die Stadt bereit- 
willigst an die Hand ging- Nun sind es aber gerade die Jesuiten gewesen, 
die das Schuldrama auf die höchste Stufe gehoben haben, die es je einge- 
nommen hat. Auch in Agram Hessen sie auf ihre Vorstellungen nicht warten. 

So spielten sie bereits zu Ostern 1609: Abraham hoce da zrtvuje sina 
Isaka. Auch die darauf folgenden Jahre waren nicht ohne Vorstellungen. 
Man spielte von Herakles auf dem Scheidewege, vom heil. Ignatius, wie er 
die Welt verlässt, um Christi Kämpfer zu werden, vom heil. Ambrosius, vom 
heil. Stefan, dem Könige Ungarns, vom Opfer Melchisedek's, von Goliath und 
David etc. Jede Gelegenheit wurde benutzt, um ein dramatisches Spiel auf- 
führen oder sich wenigstens mit einer Deklamation hervorthun zu können 
Als passende Augenblicke dazu schienen ihnen unter anderem die Ernennung 
Turoci's oder die Nik. Frankopan's zum Bane, sogar der Amtsautritt der 
neugewählten Stadt Vertretung. Leider ist uns der Inhalt dieser Stücke, an 
denen sich damals das Agramer Publikum ergötzte, nicht erhalten geblieben. 
Eins steht jedoch fest: sie moralisirten ziemlich stark. 

Zu derartigen Theateraufführungen kam der Adel aus der Stadt und 
der Umgebung, vornehme Bürgerfamilien, die Eltern der Zöglinge — kurz 
und gut: über schlechten Besuch konnten sich die Jesuiten nie beklagen. 
Die Aufführungen waren ja glänzend. Bei den Jesuiten wurden nämlich die 
Söhne vornehmster Familien erzogen, die nicht mit dem Gelde kargten, wenn 
es galt, die Garderobe der Spielenden zu vermehren. Die Jesuiten selbst 
schauten darauf, dass ihre Vorstellungen stets vom Erfolge begleitet wurden. 
Diejenigen, die sich als besonders gule Schauspieler erwiesen, wurden nach 
der Aufführung belohnt. Zu derartigen Ehrenpreisen wählte man am liebsten 
schöne und theure Bücher. Einmal beschenkte die Spieler kein anderer als 
der Bischof Petar Domitrovic, ein andermal verabschiedete sich von ihnen 
der Unterbau Mrnjavcic mit reichen Geschenken. 

Gemäss der »Ratio studiorum Societatis Jesu« war es dem Jesuiten- 



Andric, Quellen alter kruat. Druiueii, angcz. von Lokar. 28') 

(inleii erlaubt, dann und wann, nnmeutlicli im Anfun^'C und am Kude eines 
jeden Schuljahres, in lateinischer Sprache dramatische Spiele aufzntÜhren. 
Wie man jedoch mit der Zeit die lateinische Sprache fallen lassen murt^tc, »o 
lüirgertc sich langsam di-r Brauch ein, tlass man öfters im Jahre, auch 
während des Schuljahres, sj)ielte. Im l>nicke sind allerdings nur wenige 
Stücke in Folge der strengen Censur dieses Ordens erschienen, desto mehr 
werden aber als Handschriften in Hibliotheken und Archiven aufbewahrt. 

Dieser Thätigkeit der Jesuiten müssen wir das älteste gedruckte kaj- 
kavische Drama, das uns bis jetzt bekannt ist, verdanken: »Lysimachus vu 
pripeehenju neszrechno dokochanomu — poszlussitelom pervich od trejtje 
shkole diakov pred ochi poztavijen vu Zagrebu, leto ITtiS. meszecza vclikoga 
travnja u. s. w.« lautet seine Aufschrift. (Jedruckt wurde es in Graz. Ks ist 
eine Uebersetzimg des Agramer Jesuiten Josef Sibcnegg aus dem Französi- 
schen. Der Autor des Originales ist ebenfalls ein Jesuit, der bekannte 
Charles de la Rue, ein Zeitgenosse Corneille's. Die kajkavisehe Ausgabe von 
176*^ ist selten, bekannter ist die von Miklousic, einem im Jahre 1S3;< in 
seinem (Geburtsorte Jastrebarsko gestorbenen Literaten, aus dem Jahre 1*523, 
unter dem Titel: Liziinakush aii machuhinzki nazlob, igrokaz saloztni vu 
petcrera zpelyivanyu po T. M.P.Z. vu novom pogledu na szvetio dan. Diese 
Ausgabe unterscheidet sich von der ersten nur durch einige Verbesserungen 
in Bezug auf die Orthographie und den kajkavischen Stil, wie er sich inner- 
halb der zwischen den beiden Ausgaben liegenden 55 Jahre entwickelt hat. 
.Miklonsic hatte z. B. genug zu thun mit der Stellung des prädikativen Ver- 
bums, das Sibencgg nach der lateinischen Grammatik immer ans Ende des 
Satzes stellte. Darunter ist hauptsächlich das »vu novom pogledu na szvetio 
dann zu verstehen. 

Sehr bezeichnend für die Aufführung vom Jahre 176S ist der Umstand, 
dass die Frauenrollen als solche beibehalten worden sind und dass sie von 
männlichen Personen gespielt wurden. Denn sobald die Leitung der Vor- 
stellungen in die Hände des bischöflicheu Seminars übergegangen war, traf 
dieselben, wie wir bald hören sollen, ein eigenartiges Geschick. Der aus 
dem Jahre ITSG stammende »Szveti Alexi« von T. Brezovachki, einem Mit- 
gliede des raulinerordens, weist ebenfalls zwei Frauenrollen auf. Er lehnt 
sich auch sonst stark an Lysimachus an und steht zweifelsohne diesem viel 
näher als den seminaristischen Produkten. Andrid hält ihn angesichts der 
zahlreichen fremden Bearbeitungen desselben Stoffes wohl mit liecht für 
keine Originalarbeit. In dieselbe Gruppe wie die zwei soeben erwähnten 
Werke, gehört auch der im Jahre ISlö gedruckte »Szveti Bernard". Sein 
Verfasser ist bekannt. Der Priester und Varazdiner Professor Josef Vrachan 
(Vracan' hat ihn aus dem Lateinischen übertragen, um sich durch diese Be- 
schäftigung die langen Winterabende kürzer zu machen. 

»Szveti Bernard" ist eigentlich etwas zu spät auf die Weit gekommen. 
Das Agramer Seminar suchte schon seit mehr als zwei Decennien nach ganz 
anderer Nahrung. Die von ihm aufgeführten Stücke siml Uebersetzungen 
oder Bearbeitungen eines August Kotzebue, Karl v. Eckartshausen, August 
Wilhelm Iffland, KarlMeisl, Gottlob Stephanie iun. , Carlo Goldoni. Alois 



286 Kritischer Anzeiger. 

Friedrich Grafen von Brühl, oder eines Christian Heinrich Spiess. Sie sind 
selten gedruckt, wohl aber als Handschriften, einige in ziemlich defekter 
Form, erhalten geblieben. Die meisten werden in der Agramer Seminar- und 
Universitätsbibliothek aufbewahrt. 

Carlo Goldoni vertritt die italienische Literatur, alle übrigen die 
deutsche. Goldoni's »H vero amico« hat Matthias Jandric einmal im Anfange 
des XIX. Jahrhunderts übersetzt. Miklousic Hess ihn im Jahre 1S21 als 
»Lyubomirovich ili Priatel pravi" drucken. Daraus, dass die Frauenrollen 
nicht ausgemerzt worden sind, ersieht man, dass dieses Lustspiel nicht für 
Seminarzwecke bestimmt war. Den Ursprung dieser Bearbeitung fand Pro- 
fessor ^urmin (cf. Vienac 1894 S.751f.\ während wir bei den meisten anderen 
Uebersetzungen durch Andric's Bemühungen und Forschungen darüber auf- 
geklärt worden sind. Denn die wenigsten Handschriften geben uns über die 
Herkunft ihres Inhaltes eipe befriedigende Aufklärung. Die erste dieser Art 
stammt aus dem Jahre 179S und ist betitelt: »Dusnozt szluzbe vu peteh po- 
kazeh, zkupszlosen od Augusta Wilhelma Iffland, prenessen na horvatzki 
jezik od g. Ivana Minkovich, profesora znanoztih bofanzkih«. Noch genauer 
sind etliche wenige Handschriften späteren Datums, wie »Vszaki ima szvqje 
chuti — igrokaz vu csetirih pokazih za letto 1830. Elaboratum per Admodum 
Revereudura ac Clariss. Dnum Josephum Schotth, institutionuni Theolog. ac 
Dogmaticae professorem P. 0., Ss. Theolog. Doctorem, ac una in sem. Cleri 
junioris stud. praefectum. Juxta thema Kotzebueanum «Ueble Laune«. Pro 
theatro domestico cleri junioris zagr.« 

»Dusnozt szluzbe« und »Vszaki ima szvoje chuti« sind aus dem Grunde 
hervorzuheben, weil sie uns den Uebersetzer oder Bearbeiter nennen, was 
mit wenigen Ausnahmen nicht der Fall ist. Vielleicht haben wir es auch hier 
nur dem Umstände zuzuschreiben , dass die auf uns gekommenen Hand- 
schriften von der Hand eines Schönschreibers herrühren. »Vszaki ima szvoje 
chuti« — so auch »Placha iztine« von demselben Schotth — trägt die Be- 
merkung: Purisatum per Jacobum Moger, 3-um in annum Theolog., »Dusnozt 
szluzbe« ist aber vom Theologen Peter Sanic abgeschrieben worden. Daraus 
könnten wir vielleicht schliessen, dass alle anderen Handschriften das Origi- 
nalmanuskript der einzelnen Uebersetzer sind, wobei diese vielleicht aus 
Bescheidenheit ihren Namen nicht hinzusetzen wollten. Uebrigeiis arbeiteten 
sie »pro suo theatro domestico«, und waren ohnehin gewiss allen Klerikern 
bekannt. Nun waren aber Minkovich und Schotth Lehrer der als Schau- 
spieler auftretenden Theologen und wir werden vielleicht nicht irre gehen, 
wenn wir annehmen, dass die Uebersetzer in der Bemerkung »descripta cura 
et impensis professoris« zu suchen sind. In diesem Falle wüssten wir um 
zwei , die in der erwähnten Notiz oft anzutreffen sind , um Karolia und 
Bosnjakovic. 

Die Handschrift der »Placha iztine« enthält auch eine neue Phrase: 
inspirante Schloissnig 4-ti anni Theol. — , bis jetzt hat es immer geheissen: 
dirigente professore. Also ist als Regisseur anstatt eines »dirigens professor« 
ein »inspiraus Studiosus« aufgetreten. 

Sonst nennen die Handschriften wohl die Literatur, in der wir das 



Andric, Quellen alter kroat. Dramen, ange/s. von Lukur. 287 

Ori>;inal zu suchen haben, z. U. »Kukuly med Psetuczuui illiti Bugoszlusnoszt 
y Zkaziivozt — jeden i^rrukaz vu treli poka/.üh nii razveszelenyo raztuche»;« 
redovniclitva szUivue biakupie zafirebeclike, iz neuiskuga na liorvaczki 
jezik«, aber nieht den Verfasser, den Titel und den L'ebersetzer ; andere 
wiederum den Verfasser, aber nicht den Titel — den l'ebersetzer so oder »<• 
nicht — , wie »Bratjo-Nazlob, igrokaz vu peteh pokazeh od gozpona Augnsta 
od Kotzebue«. Das Original dazu i.'<t »Die Vereöhniint:, ein Schauspiel in 
fünf Aufzügen« betitelt. Gar zu kurz drückt sich folgende Handschrift aus: 
Krivi szud zverhu ztnlisha y poruda. Hier ist nicht einmal diu Zahl tier Akte 
angegeben, was sunst überall geschehen ist. 

Auch die gedruckten kajkavischen Uebertragungen lassen in dieser 
Hinsieht viel zu wünschen iil)rig. 

L'eber das .lahr der Aufführungen, sowohl der rremier<n als auch d<-r 
Keprisen , sind wir genau unterrichtet. Der Schluss der Rede in "Bratjo- 
Nazlob«, durch welche sich die Schauspieler vor ihren Zusclianern wogen 
etwaiger Fehler entschuldigt haben, nennt uns sogar den Tag der Vor 
Stellung. Es heisst darin: "Szvetozt zutra pochimajuchega vremena gleda 
iische nafse zapira, dufnozti ztalifsa naiTega iiasz od denesz na druge poszie 
jiozivaju; y zato chez czelo ietto nam drugo ne oztaje, kak dobra vtdya, koju 
mi buduchi fafsnlk vu chinu pokazati felimo." Darnach zuurtheiien. fielen 
die Seminaraufführungen in die letzten Tage der Faschingszeit. 

Was ihren Inhalt anbelangt, so haben die Herren aus dem bischöflichen 
Seminare immer nur solche Stücke gewählt, die eine moralische Tendenz be- 
sassen. Üb sich der Verfasser des Originals des Rufes eines Moralisten er- 
freute oder nicht, darum kümmerten sie sich nicht. Begreiflicherweise waren 
dann die guten Agramer nicht weit davon, von so manchem Literaten eine 
falsche Vorstellung zu gewinnen. Da nun das Theaterpersonal des Seminars 
keine weiblichen Mitglieder hatte, mussten entweder Männer die Franen- 
roUen übernehmen, oder man musste sie in solche der Männer umwandeln. 
Des letzteren Weges bedienten sich in der That die Bearbeiter. Dies ging 
jedoch nicht überall glatt vor sich. Manchmal uuisste man was streichen oder 
ganze Scenen umändern; unsere kajkavischen Uebersetzer sahen sich sogar 
gezwungen, mit drei anstatt mit fünf Aufzügen vorlieb zu nehmen. Wenn sie 
sich auch sehr gerne sklavisch an die fremde Vorlage klammerten, so 
rückten sie doch hie und da uothgedrungeu mit ihrer eigenen Bildungskraft 
heraus. Es sei uns gestattet, dieses Stück Ori^'inalität hervorzuheben, da wir 
schon von Originalarbeiten nicht sprechen können! Zur Ehre gereicht es 
ihnen zwar keineswegs. Dadurch verlor nämlich die Uebertragung an Leb- 
haftigkeit und Realität. Manciie Umänderungen sind so ungeschickt ausge- 
führt, dass die Zuhörer unbedingt hinter manchem männlichen Spieler eine 
Frauenrolle wittern niussten. Etliche Stellen arteten sogar ins Lächerliche 
aus. In "Bratjo-N'azlob" trifl't z. B. Graf von Sonnenstern Philipp Bertram's 
alte Bedienerin Anne mit einem Besen in der Hand an. Es schien ihm: als 
ob sie eben zur Walpurgisnacht reiten wollte. So im deutschen Originale. In 
der kajkavischen Uebersetzung Ttekommt den Besen der alte Bediente An- 



288 Kritischer Anzeiger. 

dräs. Nun sagt Graf Zrimnovicli »zovum metlom vu shaki vun gledi, kak da 
bi hotel vezda na kiek odjahati.« 

Wenn die Frauenrollen geblieben sind, so ist das immer ein Zeichen, 
dass das betreffende Werk nicht im Seminare £:espielt wurde. Aber auch in 
solchen Stücken wurden gewisse Stellen mit Rücksicht auf das Publikum 
ausgemerzt, so in »Ztari mladoseuja i kosharice« (Kotzebue: Der Hagestolz 
und die Körbe), ein Intermezzo, das 1832 von deutschen Schauspielern im 
deutschen Theater zu Agram in kroatischer Sprache gespielt wurde. 

Im Seminar wurde auch in deutscher Sprache gespielt, z.B. Die Neger- 
sklaven, Die bestrafte Neugierde, Der Tadler nach der Mode oder Ich weiss 
es besser, Lohn der Nachwelt. Vorstellungen gab auch das königliche 
adelige Konvikt. 

Interessant ist es, dass deutsche Matiuskripte mit allen seminaristischen 
Modifikationen vorgefunden Murden. Dies bringt uns auf die Idee, dass 
unser Seminar mit einer auswärtigen, wahrscheinlich gleichartigen Anstalt 
in Verbindung gestanden hat. 

Einige Handschriften weisen auch ein Verzeicbniss der Spieler auf. 
Leider ist das nicht bei allen der Fall. Jedenfalls haben wir darin einen Bei- 
trag zur kroatischen Kulturgeschichte zu bemerken. In diesen spärlichen 
Angaben lesen wir, dass fast alle kirchlichen Grössen Kroatiens in den iOer 
und 40er Jahren den erwähnten Vorstellungen .nahe gestanden haben. 

In der Handschrift »Gluhonemi illiti Massnik de TEpee« finden wir 
auch Kostümnotizen. Andric hat es wahrscheinlich übersehen, dass dieser 
Umstand auf das deutsche Vorbild zurückzuführen ist. Kotzebue hat ja auch 
in seinem »Taubstummen« ausnahmsweise einmal die Rubrik »Kostüm für die 
Schauspieler«. 

Die ganze Arbeit macht einen sehr guten Eindruck und zeigt, dass der 
Verfasser auf diesem Gebiete literarischer Thätigkeit niclit fremd ist. Voll- 
kommener würde sie natürlich sein, wenn es Andric geglückt wäre, für alle 
hierher gehörenden Manuskripte das Original nachzuweisen, wie für »Baron 
Tamburlanovich« oder «Porushenye bludnozti po zpametnoni szelzkom ple- 
banushu vuchinyeno«; für «Miszli-Bolesznik illiti Hypokondriakush, jeden 
igrokaz vu treh pokazih« glaubt er, das fremde Vorbild in dem im Jahre 
1770 anonym in Wien gedruckten Buche »Der verstellte Kranke oder der 
rechtschaffene Arzt« zu finden. Das Werk konnte er jedoch nirgends be- 
kommen. Bei »Miszli-Bolesznik« denkt man unwillkürlich an Moliere's 
»Malade imaginaire«. Andric versichert uns aber, dass diese zwei Arbeiten 
nur im Titel übereinstimmen. Dann hat sich bei den Italienern Carlo Goldoni 
die Aufgabe gestellt, der Reformator des italienischen Lustspieles zu werden 
und an Stelle der Commedia dell' arte mit ihren Harlekinaden und Posseu- 
relssereien, ihren Unanständigkeiten und phantastischen Erfindungen die 
Charakter- und Sittenkoraödie nach Moliere's Vorbild einzuführen. Er hat 
auch eine »Verstellte Kranke« (deutsch, Leipzig 176S). Nach Art des Agramer 
Seminars würde die Aufschrift »Der verstellte Kranke« heissen. Aber nach 
der kurzen Inhaltsangabo bei Andric zu urtheilen, hat »Miszli-Bolesznik« auch 
damit nichts zu thun. 



Andric, Quellen alter kroat. Dramen, angez. von Lokar 2*>0 

Interessant wäre es zu hören, wem Andriö den »Diogenesli ili szlugu 
dveli zgublyenili bratov, veszeli igrokaz vu peterom zpelyivanyu po Tomashu 
Miklüushich P. Z. vu novom po^ledu na vnofreh selyu na szvetlo dan (1823)« 
zuschreibt. Surmin (Vienac 18!t4; führt Brezovacki als Autor an. 

Zum "Retki proczefus, jeden Igrokaz vu treh pokazih" hat Andriö da» 
Original gefunden im Werke; »Der seltene l'rocess. Kin Sthauspiel in drei 
Aufzügen. Nach einer wahren Anekdote.» Es ist l'^0'2 in Wien erschienen, 
jedoch anonym. Der Verfasser ist gewiss bei Colin «rilarleville in die Schule 
gegangen. 

Dass Sarfaiik bezüglich der Kajkavior mitunter schlecht informirt war, 
zeigt uns ebenfalls Andric in seiner Abhandlung. Ausserdem stellt er manche 
Angaben, die theils von ihm, theils von amleren herrühren, richtig. Auf 
Grund seiner Untersuchungen entpuppt sich das in »Graita za povjt'st kni- 
zevnosti hrvatsko» II. 205 als Nummer '.•(» gedruckte Lied als eine Ueber- 
setzung aus dem Deutschen. Gesungen wurtie es in "I'apiga illiti Krepozt, 
gdje ne stima, szrechu vehini". Vielleicht wird man in der Zukunft noch zu 
irgend welcher Nummer der »Kajkavska pjesmarica« ein deutsches Muster 
finden. 

Mit allen Ausführungen Andric's bin ich jedoeli nicht einverstanden. 
Er spricht z. B. vom seltenen Glücke, das dem kajkavischen Schauspiele 
"Pravdenich y Poshtenchich illiti Ovak biva negda na ladanju" dadurch zu 
Theil wurde, dass es von Stjepan Marjanoviö Brodjanin ins Stokavisebe 
übersetzt und in Fünf kirchen im Jahre 183'.) als viertes Bändchen seiner ge- 
sammelten Schriften unter dem Titel »Pravda ili skerb poglavarah za dobro 
podUiznikah svojih, poluzalostni igrokaz u III. cinih« herausgegeben wurde. 
Dabei erwähnt er, Marjanovic habe sich durch seine eigene schriftstelle- 
rische Kraft dem deutschen Originale, ohne es zu kennen, genähert, indem 
er anstatt des kajkavischen »stari Dobretich« jn der deutschen Vorlage: 
Julie, Ilürwald's Weib) wiederum eine Frau einsetzte. Konnte er nicht etwa 
durch die Bemerkung der kajkavischen Vorlage in »oszobe igrajuche«: 
Dragovich, nyegov priately mezto sene — auf diesen Gedanken gebracht 
werden? ^ 

Auch die »Lieder«, die in »Gluhonemi« vorkommen, möchte ich den 
Kajkaviern lassen. Andriö ist nämlich der Ansicht, dass sie vielleicht nicht 
originell sind. In der Kotzebue'schen Ausgabe von 1840 hat er zwar vergeb- 
lich danach gesucht, hofift aber, sie möglicherweise in der ersten Ausgabe 
finden zu können. Ich glaube das nicht. Die Ausgabe von 1811 hat diese 
»Lieder« ebenfalls nicht, und dasselbe können wir mit der grössten Sicher- 
heit von der ersten annehmen. Es ist ja bekannt, dass Kotzebue selbst dann 
keine Aenderung des Textes vorgenommen hat, wenn er im Laufe der Jahre 
zur Einsicht gekommen war, dass ihm diese oder jene Partie matt ausgefallen 
ist. Uebrigens scheint mir — nicht so Andric — der Anfang bei Kotzebue ganz 
gut zu sein. Dass der Uebersetzer ein »pjesnivac« gewesen sein musste, zu 
dieser Annahme zwingen selbst Andric die übrigen in 'Gluhonemi« sich be- 
findenden »Lieder«. »Lieder« deswegen, weil sie nicht einmal den Anspruci 
auf ein Kunstwerk erheben können. Folgerichtig müsste Andric auch dii 

Archiv für sKivische Philologie. XXVI. 19 



290 Kritischer Anzeiger. 

in anderen Handschriften vorkommenden Lieder, die er im Originale eben- 
falls nicht finden konnte, für nicht originell erklären. 

Dass aber der Anfang der kajkavischen Uebertragung alles eher zu 
nennen ist als geschickt, gebe ich zu. 

Den »Abb6 de l'Epee« führt Andrid mit Eecht unter der Aufschrift 
»Kotzebue« an, aber nicht deshalb, wie er sagt, weil ihm Kotzebue nach dem 
französischen Originale von Bouilly ziemlich frei übersetzt hat, sondern weil 
Kotzebue und nicht Bouilly für die kajkavische Uebersetzung massgebend 
gewesen ist. Ueberdies sagt Kotzebue in der Vorrede : »ich habe dieses in- 
teressante Schauspiel zwar nicht sklavisch, aber sehr getreu übersetzt.« 

Die kajkavischen Manuskripte führen sehr gern zwei Titel an. Andric 
meint, den Grund dafür immer in der Vorlage suchen zu müssen. Ich glaube, 
dass dieser Umstand doch manchmal von der Laune der Uebersetzer selbst 
abhängig gewesen ist. Sie bedienten sich eben der alten Gepflogenheit, ein 
Drama dem Publikum mit mehreren Titeln vorzustellen, und verfuhren dabei 
oft nach eigenem Gutdünken. 

In der allgemeinen Charakteristik der Schriftsteller, zu denen das 
Agramer Seminar seine Zuflucht genommen hatte, ist Andrid glücklich. Er 
benutzte ja dabei Karl Goedeke's »Grundriss zur Geschichte der deutschen 
Dichtung« — einige Stellen sind wörtlich aus ihm übersetzt — , welcher 
Grundriss bekanntermassen gerade für die neuere Zeit von nicht zu unter- 
schätzendem Werthe ist. 

Die Aufgabe, der sich Andric unterzogen hatte, ist schön, sie war aber 
durchaus nicht leicht. Dass er keinen Zeitverlust und keine Schwierigkeit 
scheute, mit der er sich die einzelnen Bücher anschaffen musste, dafür 
müssen wir ihm sehr dankbar sein. Natürlich würden wir wünschen, dass 
er uns auch etwas über die Art und Weise der Vorstellungen gesagt hätte. 

J. Lokar. 



Sloväci a ich rec. Napisal Dr. Samo Czambel. Näkladom vlast- 

nym. V Budapesti, tlacou c. a kr. dvornej knihtlac. V. Hornyänsz- 

keho. 1903. 8». 269 SS. 

Der Verfasser der vorliegenden Studie über die ungarländischen Slo- 
vaken und ihre Sprache ist den Forschern auf diesem Gebiete wohlbekannt. 
Man kann sagen, dass er der eigentliche Grammatiker dieser Sprache aus der 
jüngsten Zeit ist. Einigermassen hängt diese wissenschaftliche Tiiätigkeit 
des Verfassers mit seiner amtlichen Stellung als Mitglied des ungarischen 
Press- und Uebersetzungsbureaus (seit dem Jahre 1880) und Translator der 
ungarischen Gesetze und Verordnungen in die slovakische Sprache (seit 1881) 
»Sbierka krajinskych zäkonov« zusammen. Bei dieser Beschäftigung ergab 
sich von selbst die Nothwendigkeit, gewisse orthographische und gramma- 
tische Regeln aufzustellen und der phraseologischen und lexikalischen Seite 
der Sprache Aufmerksamkeit zu widmen. Herr Dr. Czambel that dies mit be- 
sonderem Eifer und erweiterte allmählich seine Studien , welche ihn seiner 



Czambel, lieber die slovakiaclif tjpracbe, angez. vun Pastrnek. 291 

Zeit aucb uacb Wien und Prag führten, auf alle Seiten der Hluvakiscbou 
Spracbe, besondera auf ihre poscbiclitlicbi' Kntwickulun^; und dialoktiscbe 
Entfaltung, wobei er Äuiotzt dazu gelangte, aucb die Frage Über den 
ethniscliL'ii Ursprung der ungariui-ben Sluviikou und ihre ätellung zu den 
niicbsten sUivincben Völkcrachnften in den Kreis seiner Untersuchungen ein- 
zubeziehen. 

Es dürfte angezeigt sein, die früheren Arbeiten de» VerfM»erB hier 
kurz anzuführen. Sie hängen eng zusammen und bilden zugleich eine Vor- 
aussetzung für das Verständniss seines letzton Werkes. l>ie Reihe d<'r»ell>en 
eröffnen Prinperki/ k dejinäm jazyka slovenakeho ^Beitrüge zur Geschichte der 
slovakiachen Sprache, Budapest 1887, im eigenen Verlag , in welchen zo- 
nächst erörtert wunle: I) Die Verbreitung der büliraischen Sprache in Ober- 
ungani von der ältesten Zeit — der Verfasser meint, der Anfang sei bereits 
unter König Koloman [loiiS — 1114) geschehen — bis in die Mitte des XVI. 
Jahrhunderts, wobei insbesondere die Zeit des bekannten hussitischen Feld- 
herrn Johann Jiskra von Uraiidois ins Auge gefasst wird. Dieses Kapitel 
wurde uucli in die jüngste Schrift »Sloväci a ich rec» (S. 149 f.», natürlich um 
einige Zu;^ütze vennehrt, aufgenommen. 2) Im zweiten Kapitel aualysirte der 
Verfasser der -Prispevky" die Sprache Wiliam Pauiiny-Töth's auf Grund 
seiner Erzählungen, welche unter dem Titel »Bosiedky« IfsüT — 1870 er- 
schienen waren. 3) In einem weiteren Kapitel wandte sich der Verfasser 
gegen die Einführung von Kuesismon in die neu gebildete slovakische Schrift- 
sprache, wie dies namentlich seit den -lOer Jahren der Fall war. 4) Zum 
Schlüsse besprach der Verfasser die h>lovakisclien Uebersetzungsversuclie 
moderner Ausdrücke, wie "Chauvinismus«, »Exekution", »Landwehr«, »Land- 
sturm« u. dgl. Der Schluss dieser ersten Schrift Dr. Czambel's enthält bereits 
die Forderung, es möge das Wörterbuch der slovakischen Sprache von den 
böhmischen, russischen und anderen slavischen Elementen befreit und mit 
dem Wortvorrath der lebendigen Volkssprache in Einklang gebracht werden. 
Dem Streben, die slovakische Schriftsprache Ungarns möglichst rein und un- 
verfälscht, in jeder Beziehung echt und volksthümlich zu pflegen, blieb Herrn 
Dr. Czambel auch in der Folge treu. Es muss auch anerkannt werden, dass 
erst durch ihn in die amtlichen slovakischen Publikationen und auch in die 
officiösen slovakischen Zeitschriften eine reine und grammatisch richtige 
Sprache eingeführt wurde. Besonders nothwendig waren dabei Entschei- 
dungen in Fragen der Orthographie. Dr. Czambel sah sich desshalb ge- 
zwungen, die neuere slovakische Orthographie einer eingehenden Prüfung zu 
unterziehen und die dabei gewonnenen Resultate der Oeffentlichkeit vorzu- 
legen. Er that dies in der Schrift: Slovenski'/ pravopis , historicko - kritick ;) 
näkres (Die slovakische Orthographie, ein historisch -kritischer Versuch, 
Budapest 189ü, im eigenen Verlag;. Das Buch besteht aus zwei ungleichen 
Theilen. Einen breiten Raum nehmen darin die historischen Darlegungen — 
dieselben sind abermals zum Theile in das neueste Buch »Sloväci a ich rec« 
aufgenommen worden — ferner die kritischen Erörterungen über die richtige 
Anwendung einzelner Buchstaben ; kurz gefasst ist das beigefügte Wörter- 
verzeichniss ;211 — 271). Die Grundsätze des Verfassers halten sich auf der 

19* 



292 Kritischer Anzeiger. 

Linie eines massvollen Conservatismus, welcher die Regeln der böhmischen 
Rechtschreibung im Allgemeinen nicht verlässt. Dr. Czambel's Orthographie 
wurde ein unentbehrliches Handbuch für alle slovakischen Schriftsteller und 
leistet die besten Dienste. Auf einzelne kritische Bemerkungen antwortete 
der Verfasser in der Schrift: K reci o shvenskom pj-avopise (Zur Discussion 
über die slovakische Orthographie, Budapest 1891), indem er seine Vorschläge 
vertheidigte. In einer kleinen Broschüre besprach dann Dr. Czambel die 
Nothwendigkeit eines neuen slovakisch-magyarischen Wörterbuches {Potreba 
noveho slovnika slovenskeho a madarskeho, v Budapesti 1891), da die bisherigen 
Wörterbücher, A.Bernoläk's vom Jahre 1S25 — 1827, St. Jancovic's vom Jahre 
1848 und Jos. Leos' vom Jahre 1869 — 1871 durchaus unzulänglich und unver- 
lässlich seien. Diese ernsten Arbeiten sowie auch die eifrige amtliche und 
publicistische Thätigkeit verschafften Dr. Czambel eine unbestrittene Auto- 
rität in den Fragen der slovakischen Grammatik. Nach einem Decennium 
(1902) erschien dann: Rukovui spisovnej reci s/ofe^sA-e;' (Handbuch der slova- 
kischen Schriftsprache) in Türe. Sv. Martin, als Ausgabe des nationalen 
Vereinsverlages (Vydanie knihkupecko-nakladatel'skeho spolku). Das Hand- 
buch enthält eine vollständige Grammatik der slovakischen Sprache, in wel- 
cher alle wichtigen Belehrungen über Lautlehre, Stammbildung, Deklination 
und Konjugation, über die Bedeutung der Wortklassen und ihre syntaktische 
Verbindung, über die Sätze und ihre Konstruktion, über Rechtschreibung 
und Wohlklang, ferner ein alphabetisch - orthographisches Wortverzeichniss 
(297—373) enthalten ist. Das Buch darf wohl als eine durchaus richtige Ko- 
difikation der gegenwärtigen slovakischen Schriftsprache hingestellt werden. 
Bald darauf veröffentlichte Dr. Czambel eine magyarische Broschüre: A cseh- 
töt nemzetegyseg muUJa, Jelene es jüvöje (Der cecho- slovakischen nationalen 
Einheit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, 1902). Es ist eine politische 
Tendenzschrift, wie dies der Verfasser selbst zugibt (Sloväci a ich rec p. 237). 
In dieser Broschüre bat der Verfasser (ich gebrauche seine eigenen Worte, 
ib. 237 f.) die magyarische Oeffentlichkeit, sie möge sich der eigentlichen slo- 
vakischen Sprache in ihrem Kampfe (!) um die Selbständigmachung annehmen, 
und indem er darauf hinwies, dass die Selbständigmachung der slovakischen 
Schriftsprache in keiner Weise der Regierungspolitik zuwiderläuft, forderte 
er die Regierung auf (!), sie möge selbst die Erforschung der slovakischen 
Volkssprache, auf die sich die Selbständigmachung der slovakischen Schrift- 
sprache stützt, ermöglichen und fördern. Der Kampf, zu dem der Verfasser 
die politischen Kreise Ungarns aufruft, gilt den »Cechen«, welche sich an- 
geblich ausschliesslich (!) vom politischen Standpunkte aus um die slovakische 
Schriftsprache interessiren (ib. 240). Ganz besonders ist es dem Verfasser um 
die Slovakisirung (!) der slovakischen evangelischen Kirchen zu thun, d. h. 
darum, dass in den evangelischen Kirchengemeinden die bisherige cechische 
Amtssprache durch das Slovakische ersetzt werde (ib. 240). Die letzte Forde- 
rung liegt dem Verfasser ganz besonders am Herzen, weshalb er auch in dem 
vorliegenden Werke (p. 254 f.) mit allem Nachdruck und in heftigen Worten 
von den «lutherisch -slovakischen Priestern« verlangt, sie mögen endlich, in 
Uebereinstimmung mit den allgemeinen Grundsätzen der lutherischen Kirche, 



Czambel, lieber die slovakische Sprache, angez. von Pastrnek. 293 

die slovakische Volks- und Schriftsprache zur Sprache des Altars erheben. 
Leider gibt es — so ruft der Verfasöer p. 25H, — auch ndch heutzutupe so 
bornirte Leute, dass sie "den Irrthum«, der in der Konstruktion ihres Gehirns 
liegt, in der fünf hundertjährigen, folgerechten, historischen Entwickelung 
suchen . . . und sich sträuben, das zu thun, wozu sie im Interesse ihrer Kirche 
und ihres Volkes zu thun verpHiditet sind. — Die Kan)|)f8telluug gegen jeg- 
liche Sprach- und Kulturgenieinschaft mit dem böhm. Volke, welche der Ver- 
fasser in der maj^yarischen BroBchiiro eingenommen, behält er auch in dem 
neuen Werke und erklärt ausdrücklich, dass or nicht einen Buchstaben davon 
zurücknehme p. 2'<!i). Damit hat er \voh\ selbst zugejreben, dass auch dieses 
Werk eine Tendenzschrift ist. allerdings von anderer Art, als die magyarische 
liroschürc. Während darin der Verfasser in seiner Kolle als ofticiüser slo- 
vakischer Anwalt der ungarischen Regierungspolitik auftrat und mit scharfer 
und leicht verletzender Waffe gegen die angeblich rein politischen cechischen 
Aspirationen ankämpfte, — wobei allzu oft mein Name in den Vordergrund 
geschoben und genannt wurde, obwohl ich dazu keinen Anlass gab, — hat die 
Schrift »Sloväci a ich rer" die Aufgabe, mit dem schweren Geschütz der 
wissenschaftlichen Argumente aufzufahren und den Kampf für die Selb- 
ständigmachung der slovakischen Sprache — natürlich gegen die gefährlichen 
cechischen Expansionsgelüste — siegreich zur Entscheidung zu bringen. Die 
Slovaken von Ober-Ungarn und auch Südost-Mähren bilden — so lautet im 
Wesen die neue Lehre des Verfassers 'vgl. p. 23G — eine selbständige ethno- 
graphische Einheit und gehören durchaus nicht, wie bisher in der Wissen- 
schaft allgemein angenommen wurde, zu demselben (westslavischen, Sprach- 
zweig, wie die Cechen, sondern seien das Bruchstück eines sUdsIavischen 
Volksstarames, welcher von den Magyaren aufgesogen wurde; die sogenannte 
cecho- slovakische Hypothese — damit meint der Verfasser die ethnische 
und spracliliche Zusammengehörigkeit des böhmisch-mährisch-schlesischeu 
Volksstammes mit dem slovakischen — lasse sich nur auf Grund der slova- 
kischen Schrift- und Intelligenz- und theilweise auch Volkssprache, welche 
im Verlaufe der letzten fünf Jahrhunderte cechisirt worden sei, verthei- 
digen. Der Zweck dieser Lehre ist klar. Es soll damit der angeblich für 
die Slovaken — denn selbstverständlich handelt es sich hier ausschliesslich 
um das nationale und kulturelle Heil der Slovaken — so gefährlichen (echi- 
schen Sprach- und Kulturbeeinflussung mit einem gewaltigen Rucke der 
Boden entzogen und sie selbst belehrt werden, wo sie ihren wahren Ursprung 
und ihre nächsten Stammesverwandten zu suchen haben, nämlich bei den im 
Reiche der Stephanskrone und in dessen Interessenbereich wohnenden Süd- 
slaven. Eine kühne und für die Ziele der ungarischen Politik charakteristische 
Conception! 

Es fragt sich nun, welche stichhaltigen Beweise dem Verfasser zur Ver- 
fügung stehen, um diese grundstürzende Lehre zu stützen? Auf diese Frage 
kann nicht anders geantwortet werden, als dass das vorliegende Buch ein 
solches systematisches Beweismaterial nicht enthält, sondern die Bestätigung 
der These erst von der genauen Erforschung der slovakischen Volksdialekte 
mit Gewissheit erwartet. Dieser Standpunkt ist einigermassen befremdend. 



294 Kritischer Anzeiger. 

Man hätte wohl erwarten können, dass der Verfasser, welcher die slovakische 
Volks- und Schriftsprache so genau kennt (er selbst stammt aus dem Städt- 
chen Zvol. Lupca im Sohler Komitat), zuerst die Beweise sammeln und dann 
erst mit der Lehre von dem siidslavischen Charakter seiner Muttersprache 
hervortreten werde. Indessen darf man es dem Verfasser nicht allzusehr ver- 
argen, dass er den umgekehrten Weg eingeschlagen hat. Wie in jeder 
Wissenschaft, so ist es auch in der slavischen Philologie schon vorgekommen, 
dass eine neue Theorie, auf Grund von einzelnen Indicien, früher aufgestellt 
und ausgesprochen wurde, als Beweise beigebracht wurden. So verfährt 
auch der Verfasser. Sein Buch »Sloväci a ich rec« enthält zwar keine syste- 
matische Beweisführung, bringt aber dennoch Andeutungen über die Gründe, 
die zu Gunsten seiner Theorie zu sprechen scheinen. Doch bevor wir an die 
Prüfung derselben herantreten, wollen wir kurz den Inhalt des Buches über- 
blicken. 

Im I. Kapitel des Buches (1 — 26; bespricht der Verfasser die Frage, 
wann die Slovaken in ihre gegenwärtigen Wohnsitze gelangt sind. Nachdem 
er genau verzeichnet und angeführt hat, was P. J. SafaHk, Lud. Stur, T. Ma- 
retic, Lub. Niederle, Paul Krizko und Fr. Sasinek über dieses Thema ge- 
äussert hatten, schliesst er mit der skeptischen Frage an den Leser, wer 
wohl aus dem, was die verschiedenen Schriftsteller und Gelehrten über die 
slovakische Urzeit niedergeschrieben hätten, klug werden könne (p. 25). Da 
nun die Geschichte und Archäologie niemals im Stande sein werden, den Ur- 
sprung der Slovaken und ihre ethnographische Vergangenheit klarzulegen, 
so müsse man sich an die Sprache des Volkes halten und aus ihr Belehrung 
über jene Fragen schöpfen. Das II. Kapitel (27 — 50) ist den ursprünglichen 
Wohnsitzen der Slovaken gewidmet. Der Verf. citirt und bespricht darin zu- 
nächst die Ansichten P. J. Safarik's (in den Alterthümern), T. Maretic's u. a. 
über die nationale Identität der gross-mährischen und pannonischen Slaven. 
Seine eigene Meinung darüber wagt der Verfasser nicht auszusprechen, doch 
scheint er geneigt, anzunehmen, dass der Kern des slovakischen Volkes in 
Pannonien dort zu suchen sei, wo Pribina herrschte, hauptsächlich also 
zwischen den Flüssen Rab, Donau und Drau. Für eine noch im XIV. Jahrh. 
bestandene unmittelbare Nachbarschaft zwischen Slovaken und Slovenen 
sprechen die den Slovaken und Slovenen bekannten Verba cigänii, ocigdnit 
im Sinne von »lügen, belügen«, abgeleitet von dem Namen der Zigeuner, die 
bereits im XV. Jahrh. nach Ungarn gekommen seien. Das Verbum ciganiti 
im Sinne von »betrügen« ist jedoch auch im Kroatischen wohl belegt (vgl. das 
Agramer Akad. Wörterbuch) und kann demnach durch die zahlreichen kroa- 
tischen Kolonisten zu den Slovaken von Mähren und Ober-Ungarn gebracht 
worden sein. Von Pannonien aus begibt sich der Verfasser nach Mähren. Er 
zweifelt nicht daran, dass die Slovaken von Südost-Mähren — die Rede ist 
nur von denjenigen, welche sich noch gegenwärtig diesen Namen beilegen 
(im Sinne der Ausführungen von Bartos im I. Theile seiner mährischen Dia- 
lektol.) — sprachlich und ethnographisch zu den Slovaken von Ungarn gehören 
und meint, dass dieselben wohl ursprünglich von Ungarn aus, wo die Masse 
des Volkes sass, in die benachbarten Gegenden von Mähren gelangt seien. 



Czambel, Ueber die slovakische Sprache, angez. von Pastrnek. 295 

Was endlich die Ausdehnung der Wohnsitze in Ober-Ungarn vor loiio Jahreu 
betrifft, so lässt sich nach der Meinung des Verlassors auc-h <lariil»er nichts 
sicheres sagen. Insbesondoro wichtig ist dabei das VorliäitnisH zuiu L'gro- 
russischen, welches vielleicht viel weiter nach dem Westen reichte, als dies 
gegenwärtig der Fall sei. Und dabei streift der Verfasser die auch in der 
slovakischen Literatur besprochene Frage der Slovakisirung ugrorussischen 
Sprachgebiets, um daraus zu schliessen, dass ein ähnlicher Vorgang wohl 
auch in alter Zeit vorausgesetzt werden dürfte. Auch dieses zweite Kapitel 
schliesst mit der Bemerkung, dass erst eine genaue .\ualy8e des spruchlichen 
Materials, insbesondere der topographischen Nomenklatur, einiges Licht in 
die Frage bringen werde. Das Thema des IIL Kapitels (51 — Sü) ist die Frage: 
Was wissen wir über die Sprache der Slovaken? Der Verfasser citirt wieder 
verschiedene Gewährsmänner: M. Ilodza, L'ud. Sti'ir, P. J. Safaiik, T. Maretiö 
u. a., um dabei des Näheren darzulegen, dass die gegenwärtige slovakische 
Sprache, infolge des mehr als .'iOO jälirigen Cechisirungsjirocesses allerdings 
der cechischen Sprache näher sei, als irgend einer andern slavischen Sprache 
>p. 75), dass jedoch dieser Zustand für die ältere Zeit nichts beweise, viel- 
mehr könne man annehmen, dass die Vorfahren der heutigen Slovaken in 
einem engeren Verwandtschaftsverhältniss zu der altkirchenslavischen Sprache 
standen und mit dieser zur südslavischen Gruppe gehörten (p. til). «Das ist 
unsere ;= meine) südslavische Hypothese <■, ruft dabei der Verfasser aus, als 
ob er in der That eine neue Meinung äusserte. Indessen so völlig neu ist 
diese Hypothese nicht. Sie ist ein direkter Sprössling der Kopitar-Miklosich- 
schen Theorie von der pannonischen Heimath der altkirchenslavischen Sprache 
und wurde zuerst von dem Historiker Ernst Dünimler (Die pannon. Leg. vom 
heil. Methodius, Wien 1854, p. 29 f.;, dann von T. Maretiö (Slaveni u davnini, 
1SS9, p. 142 f., in der vorliegenden Schrift citirt, p. 02 f.) ausgesprochen, 
während Fr. Miklosich dieselbe nicht geradezu vertrat, jedoch durch einzelne 
nicht genug klar gefasste Aeusserungen förderte (vgl. Aslov. Formenl. in 
Farad., Wien 1874, Einl. p. IV; ferner die Bemerkungen üb. die Ileimath der 
glag. Kijever und Prager Fragm., VGr. I- 219). Neu ist also diese — übrigens 
in der Wissenschaft sattsam zurückgewiesene (vgl. zuletzt V. Jagid, Zur Ent- 
stehungsgesch. d.kirchensl. Sprache I, 9 f.] Hypothese durchaus nicht; neu ist 
nur der Versuch, sie mit sprachlichen Argumenten zu stützen und auf die 
slovakischen Verhältnisse anzuwenden. Doch von diesen Argumenten soll 
weiter unten die Rede sein. Vorerst wollen wir in der Uebersicht des Inhalts 
fortfahren. Das IV. Kapitel (84 — 173) behandelt die Frage: Unter welchen 
Verhältnissen entwickelte sich die slovakische Sprache? Dieses Kapitel 
scheint mir das werthvollste des ganzen Buches zu sein , insofern der Ver- 
fasser, zumeist auf Grund eigener Beobachtung, denEinfluss der magyarischen 
und deutschen Sprache auf Le.xikon und Syntax des Slovakischen zu be- 
stimmen und durch zahlreiche Belege zu erhärten sucht. Als das dritte 
fremde Element, unter dessen Einfluss das Slovakische sich entwickelte, er- 
scheint die cechische Sprache. Doch ist das Bild der Beeinflussung ein ganz 
anderes. Nicht einzelne Fremdworte oder Nachbildungen von Phrasen treten 
uns hier entgegen, sondern zahlreiche Sprachdenkmäler, welche den Beweis 



296 Kritischer Anzeiger. 

für die bekannte Thatsache erbringen, dass die böhmische Sprache, beson- 
ders seit dem XVI. Jahrb., als allgemeine Schriftsprache der ungarländischen 
Slovaken galt. Im V.Kapitel (174 — 185) bespricht der Verfasser »die Anfänge 
der slovakischen Schriftsprache« im XVII. und XVIII. Jahrb., nach Jar. 
Vlcek's älterer Darstellung (vom Jahre 1890), nach J. Mocko u. a. Im 
VI. Kapitel (184—215) werden »die Kämpfe (!) um die Selbständigmachung 
der slovakischen Schriftsprache« geschildert und zwar in der Reihenfolge : 
Der Versuch Bernoläk's (1787 f.), der Versuch Stür's (1845 f.), der Widerstand 
gegen diese Versuche von Seite Safarik's u. a. (1846 f.), die Verbesserungen 
Hodza's und Hattala's (1847 — 1852), neuer Versuch mit der cechischen Sprache 
(Kollär 1851), Antrag auf Doppelsprachigkeit und die literarische cecho- 
slovakische Wechselseitigkeit (Holecek 1880, K. Kälal 1897 f., »Slovensko« 
1900). Der Verfasser schliesst dieses Kapitel mit den Worten: »Wer wird 
Sieger sein in den Kämpfen um die Selbständigmachung der slovakischen 
Schriftsprache? Das Böhmische? Das Princip der Zweisprachigkeit?« (Ge- 
meint ist damit die Anwendung der slovakischen Schriftsprache in Verbin- 
dung mit derKenntniss undBenutzuug der cechischen Sprache und Literatur.) 
Oder doch nur die armselige »Drahtbindersprache«? In der Welt entwickelt 
sich alles auf natürlichem Wege. Wir müssen glauben, dass endlich auch in 
unseren sprachlichen Kämpfen nur dasjenige siegen wird, was auf natürliche 
Weise aus den wirklichen Verhältnissen herausgewachsen ist, was die histo- 
rische Entwickelung zeigt.« Im VII. Kapitel (216 — 229) bespricht der Ver- 
fasser »den gegenwärtigen Zustand der slovakischen Schriftsprache« und 
fordert »eine konsequente Slovakisirung der slovakischen Schriftsprache«, 
d. h. Vermeidung alles Cechischen. In Laut- und Formenlehre, so meint der 
Verfasser, habe die slovakische Schriftsprache klare Principien, dagegen 
herrsche in der Syntax und im Lexikon ein vollständiges Chaos ; hier müsse 
endlich Hand angelegt werden, damit das unfertige Gebäude endlich unter 
Dach komme. Dieser Gedanke wird auch in dem VIII. Kapitel (230 — 236) er- 
örtert. Der Verfasser verlangt eine »genaue Erforschung der slovakischen 
Volkssprache«; dabei seien nicht nur praktische, sondern auch wissenschaft- 
liche Interessen im Spiele. »Der Standpunkt unserer Schriftsteller, dass sie 
unsere ethnographischen Verhältnisse allgemein beurtheilen, vom slavischen 
Standpunkt, ist wissenschaftlich und praktisch unrichtig, wir dürfen nicht 
aus den Augen verlieren, dass wir Slovaken sind und nicht Slaven. Ver- 
mengen wir nicht die Sachen; Nutzen haben wir davon nicht, sondern nur 
Schaden« (p. 236). Das letzte Kapitel IX (237 — 269) ist »den politischen und 
kirchlichen Momenten in der cechisch-slovakischen Frage«, ferner »den kul- 
turellen Konsequenzen einer vollständigen Selbständigmachung der slova- 
kischen Schriftsprache« gewidmet. Was der Verfasser in diesem Schluss- 
kapitel verlangt, habe ich bereits angedeuet. Beachtenswerth ist, was über 
die gegenwärtigen Zustände im Allgemeinen gesagt wird. »Die wirklichen 
Verhältnisse belehren uns darüber, dass der Einfluss der böhmischen Kultur 
auf unsere neuere Intelligenz bereits minimal ist. Er zeigt sich bei demjenigen 
Theile der slovakischen Intelligenz, welche sich in Böhmen herangebildet 
hat. Sonst ist unsere ältere Intelligenz der deutschen Kultur ergeben und 



Czambel, Ueber die slovakißche Sprache, angez. von Pastrnck. 297 

die jüngere Generation — der magyarischen. Das ist der AusHubb der wirk- 
lichen Verhältnisse. Das Gewicht dieser VerhältnisBO zu brechen, dazu Bind 
die HOhmen gerade so schwach wie die Slovakeu. Wenn die politischen Ver- 
hältnisse so bleiben wie sie simi, wir<l der KiriHuss der deutschen Kultur all- 
ujählich verschwinden und die böhuiische Kultur wird den Kampf gegen die 
magyarische Kultur aufneiimeu uiüsseu. Viele liühmeu und Slovaken 
sprechen verächtlich von der »Kultur« der Majjyaren. Sic schlicBsen die 
Augen und sehen nicht. Aber dadurch, dass sie die Augen schliesscn und die 
Wirklichkeit nicht zur Kenntniss nehmen, hört die Wirklichkeit nicht auf 
Wirklichkeit zu sein. Die magyari.sche Kultur ist hier, und diejenigen, 
welche üffentlieh wirken und welche die öffentlichen Angelegenheiten der 
Sluvaken leiten und verwalten, müssen mit ihr rechnen. Ich ahne, dass in 
dem Kampfe der böhmischen gi'gen die magyarische Kultur bei den Sluvaken, 
d.h. in dem Kamjjfe darum, welche von beiden die Ergänzung der kulturellen 
Bestrebungen der Slovaken, wo die einheimischen Mittel eben nicht aus- 
reichen d. i. auf dem Felde der wissenschaftlichen Literatur, in der perio- 
dischen und Tagespresse u.s. w. , bilden wird, dass in diesem Kampfe nicht 
die nationalen Sympathien, sondern abermals nur die wirklichen Verhältnisse 
entscheiden werden, wie es bei der Selb8tändii,'^machung der slovakischen 
Schriftsprache der Fall war« (p. 265j. 

Nach dieser kurzen Inhaltsangabe der Schrift »Sloväci a ich rec«, aus 
welcher auch ihre Tendenz deutlich hervorgeht, wollen wir zu der »sUd- 
slavischen Hypothese" zurückkehren, um ihren philologischen Untergrund 
einer kleinen Prüfung zu unterziehen. Wie schon erwähnt, bringt der Ver- 
fasser kein systematisches Beweismaterial vor, sondern stellt seine Hypothese 
mehr auf Grund einer Art philologischer Divination auf. Indessen hat er 
dabei gewisse Anhaltspunkte, auf die er bei verschiedenen Gelegenheiten 
pocht. Bei der Wichtigkeit der Sache scheint es geboten, jeden solchen An- 
haltspunkt einer genauen und objektiven Kritik zu unterwerfen. Wir wissen 
ja. dass alle die scliönen Theorien über Ursprung und älteste Geschichte der 
Slovaken endlich und letztlich auf sprachlichen Argumenten beruhen. 

Das grösste Gewicht legt der Verfasser auf die Formen der 1. Person 
Sgl. nesietn, vediem, pijem, sijeni, zijein u. s. w. (vgl. 73, 70, 78, 84). Nach seiner 
Meinung können die Slovaken diese alterthümliche slavischeForm, die ihnen 
mit den Slovenen , Kroaten und Serben gemeinsam sei, von keinem der sie 
umgebenden slavischen Völker, weder von den Russen, noch von den Polen, 
noch auch von den Böhmen, welche wie vor lOOü Jahren, so auch heute noch 
die Formen auf den Nasal oder dessen Reflex hätten, erhalten haben, schon 
aus dem einfachen Grunde, weil es in der Natur keine Entwickeiung von Z 
zurück zu A gebe. Die Formen können auch nicht durch südsl. Einfluss ent- 
standen sein, es müsse vielmehr angenommen werden, dass sie ein gemein- 
sames sprachliches Erbgut aus jener alten Zeit seien, in welcher die Slovaken 
mit den Slovenen, Kroaten und Serben in einem näheren verwandtschaft- 
lichen Verhältniss standen, als zu allen übrigen Slaven p. 84 — S5;. Aus 
diesen Ausführungen des Verfassers ist schon zu ersehen, dass ihm die 
historische Entwickeiung dieser slavischen Konjugationsform wenig bekannt 



298 Kritischer Anzeiger. 

ist. Er scheint gar nicht zu beachten, dass im Altslovenischen, d. i. in jener 
Sprache des IX. Jahrh., welche nach seiner Meinung mit dem damaligen 
Slovakischen auf dem Boden Pannoniens zunächst verwandt und unmittelbar 
benachbart war (vgl. p. 85 — 86), die einst allgemein slavischen Formen nesq, 
vedq, pijq, zij'q ü. s. w. erhalten sind. In Verbindung mit der pannonischen 
Theorie von der Heimath der altkirchenslav. Sprache hat die Kombination des 
Verf. keine Berechtigung. Erst wenn wir diese Theorie bei Seite lassen und 
das Altkirchenslavische als einen südmacedonischen Dialekt betrachten, ge- 
winnt das durchgängige slovakische -m in der 1. Person sgl. an Bedeutung 
und verdient die Aufmerksamkeit, welche ihm von Dobrovsky bis auf Jagic 
in der slavischen Philologie zugewendet wurde. Die allmähliche Vebreitung 
des -m in den einzelnen slavischen Sprachen, mit Rücksicht auf das Slova- 
kische, ist bereits in meinen »Beiträgen zur Lautl. der slk. Sprache« (Wien, 
1888, p. 71 — 72) kurz skizzirt worden. Wichtig ist in diesem Falle die 
Chronologie der ganzen Entwickelung. Aus den Freis. Denkmälern darf man 
wohl schliessen, dass im X. Jahrh. das Slovenische die Endung -m für -q 
überhaupt noch nicht besass (vgl. Miklosich, V6 III, 159). Noch im XV. Jahr- 
hundert hatten die alten Formen die Oberhand (vgl. Oblak, Starejsi slov. 
teksti. VLjubl. 1889; Doneski k bist. slov. dialekt. V Ljublj. 1890 u.a.); 
Oblak meinte, die Veränderung habe sich iu dem kurzen Verlauf von 120 
Jahren (ungefähr zwischen 1430 — 1550) vollzogen. Im Serbokroatischen be- 
gann die Veränderung im XIII. Jahrh., hatte zu Ende des XV. Jahrh. bereits 
alle Verba ergriffen und ist im XVII. Jahrh. vollendet (vgl. Daniele, Istor. 
obl. 263). Angesichts dieser Daten lässt sich wohl schwer annehmen , dass 
die slovakische Entwickelung in engerer Beziehung mit den slovenischen 
und serbokroat. Verhältnissen stehe. Wann im Slovakischen die Endung -m 
aufkam und wie lange es währte, bis sie alle Verba ergriff, das lässt sich aus 
Mangel an schriftlichen Denkmälern nicht bestimmen. Im Böhmischen be- 
ginnen die neuen Formen auf -?n im zweiten Viertel des XIV. Jahrh. aufzu- 
tauchen; um 1400 sind sie bereits in der Majorität und erreichen beinahe das 
gegenwärtige Ausmaass (vgl. Gebauer, Hist. msl. III, 2, p. 10). Da nun das 
Böhmische gewissermassen auf halbem Wege stehen blieb, so kann man ver- 
muthen, dass im Slovakischen der gegenwärtige Zustand etwa im Laufe des 
XIV. und XV. Jahrh. eingetreten ist. In dem Fragm. concionat. boem. aus 
der Zeit des P. Sixtus IV. (1471—1484) und des K. Mathias Korvinus (f 1490), 
welches A. Müller im I. Bde. dieser Zeitschrift, S. 617 f. mitgetheilt hat, lesen 
wir neben poruczam, spowedam, bereits 7« . . nemozem (d. i. ja nemözem), wo- 
raus wohl geschlossen werden darf, dass damals bereits die gegenwärtigen 
Verhältnisse herrschten. Dass die Entwickelung selbständig sein konnte, das 
beweisen die Vorgänge in den lausitz- serbischen Sprachen und Dialekten, 
deren Resultat ist, dass in der zeitgenössischen niedersorbischen Volks- und 
Schriftsprache -ni die gewöhnliche Endung ist {-u in der Schriftsprache wird 
als veraltet empfunden), welche auch in den obersorbischen Dialekten sehr 
verbreitet ist (Mucke, Hist. u. vergl. Laut- und Formenl. der ns. Spr., Leipzig 
1891, p. 505 f.). 

Weiter verweist der Verfasser auf die dial. Form des Adj. im Neutrum 



Czambel, lieber die slovakischo Sprache, angez. von Pastrnek. 299 

dobrö dieta, »tarö vino {p. 78) und vergleicht sie mit den serbischen Formen: 
dobro dite, stäro vino. Nach meinem Dafürhalten lassen sich die dialektischen 
slovak. Formen nicht so sehr mit den serbinchon, clio von Anfanjr an jjclton 
iJaniciö, p, 155) und in der weiteren Deklination ihre natürliche Stütze 
haben: döbrd, -öga, -ömu, -Um. vergleichen, sondern vielmehr mit den slo- 
venischen: dobro, dobrega, dobremti, dohrttn, wo eben die Form auf -o eben- 
falls auf den Nom. sing, beschränkt und wohl nicht ursprünglich ist (vgl. 
vxucane Friö.). Und auch die Erklärung, dass die Form dahro nach dem Aus- 
laut der Subst. neutr. umgebildet wurde Miklosich. VCJ III, \l>\) dürfte 
beiderseits ihre Geltung haben, in den betrefl'enden Dialekten desSlovakischon 
um so eher, als die harten und weichen Stäuime auf-" auslauten: delo, pnl'o, 
trdeo, wobei die aus der zusammengesetzten Deklination stammende Deh- 
nung beibehalten wurde vgl. meine Beiträge, p. 122). 

Ein sicheres Ueberbleibsel aus der südslavischen Zeit sei ferner das 
eingeschobene a im Gen. pl. fem. neutr.: matdk, sestdr u. s. w., wie im Serbi- 
schen mataka sie! wohl Druckfehler für inajäkii^ sestara fp. 78 — 79. Was 
dieses eingeschobene a im Gen. pl. anbetrifl't, so ist dies eine dialektische 
Erscheinung im Slovakischen , welche auch in die Schriftsprache Eingang 
fand. In seiner Rukovät spis. reri slov , p. 54, beschreibt der Verfasser den 
gegenwärtigen Usus für die Feminina. Danach werden eingeschoben die 
Vokale e, o, a, und zwar stets als Längen: ie. o, <i. Der letztgenannte Vokal 
erscheint: 1 in Konsonantengruiipen. deren zweiten Theil die Liquidae / und 
;• bilden: vidly-vidäl , tnetla-metäl , perla-peräl , handrti-handär, sestra-sestär, 
lojtra(Leiter)-loJtär, kinotra-kmotär u.s.v,.; 2) in der Gruppe ik, vk: zlatka- 
ein Gulden) -zla'äk , satka-satdk, kytka-kytäk, pletka-pletdk , latka-latdk, 
stofka-stocäk, zlatovka-zlatovdk, slivka-slivdk] iLS-w.; 3) in anderen Gruppen, 
neben anderen Vokalen, z. B. daska (ein Brett) dasdk-dasiek u. s. w. Für die 
Neutra wird (p. 63) die Regel aufgestellt, dass «' vor r, / und n eintrete: xedlo- 
seddl, sidlo-sidäl, jedh-jeddl, motnvidlo-mntovidäl, sedadlo-sedadäl, maslo-masdl, 
/'adro-Jaddr, futro-futär, jutro-jutär, vedro-veddr, krosnd-krosdn, dasnd-dasdn, 
hrozno-hrnzän. hrvno-brvän, stehnn-stehdn , dno-ddn, okno-okdn u. S. w. Daraus 
ist zu entnehmen, dass in der gegenwärtigen Schriftsprache dieser Einschub 
eine verhältnissmässig grosse Ausbreitung erreicht hat; nichtsdestoweniger 
scheint es eine dialektische Erscheinung zu sein, die ursprünglich auf einige 
wenige Worte beschränkt war. ^Vgl. meine Beiträge, p. 110.) Üb sich darin 
südslavischer 'slovenisch-kroatisch-serbischerj Einfluss oft'enbart, ist schwer 
zu entscheiden. Jedenfalls verdient dabei beachtet zu werden, dass ein 
solches eingeschobene a, d auch in einem böhmischen Dialekte 'dem C'hoder, 
im Bezirk von Taus, an der böhmisch -bayrischen Landesgrenze) auftritt: 
nom. sing, vichar, gen. pl. sukdn , stehdl ^ veddr fGebauer, Hist. ml. I, 186). 
Auch darf nicht übersehen werden, dass a für !<, ^ dialektisch im Slovakischen 
in Wurzelsilben erscheint: Ta?? [hm], baza [hozh], daska (,dhska\ mach m^ch^}, 
raz (t-ozb). däzd [dhzdb] u. a. (Vgl. meine Beiträge, p. 8-1, 96.; Ein solcher Re- 
flex scheint sonst in den westslavischen Sprachen ganz unbekannt zu sein. 

Eine eigenartige Ansicht hat sich der Verfasser über die Quantität im 
Slovakischen zurechtgelegt. Gegenwärtig herrsche in der Sprache, so meint 



300 Kritischer Anzeiger. 

er, ein vollständiges Chaos, während in der Grammatik im Allgemeinen die 
Regeln des Bühmischen beobachtet werden. Es scheint ihm wahrscheinlich, 
dass das Slovakische ursprünglich, gerade so wie die südslavischen Sprachen, 
keinen Unterschied zwischen langen und kurzen Silben machte, sondern nur 
betonte und unbetonte Silben besass. Erst durch den Einfluss des Cechischen 
sei in der Sprache die Neigung aufgekommen, Längen zu unterscheiden, aber 
das geschah nicht regelmässig, und bis heute sei dieser Umschwung nicht 
vollendet (p. 78). Es ist kein Zufall, dass ein aufmerksamer Beobachter der 
slovakischen Volkssprache auf diese sonderbare Erklärung verfiel. In den 
westlichen Komitaten (hauptsächlich Pressburg, Trencin, Nitra) herrschen im 
Allgemeinen dieselben Quantitätsverhältnisse, wie in den mährischen und 
böhmischen Dialekten und auch in der böhmischen Schriftsprache; in den 
östlichen Komitaten (hauptsächlich Spis, Sarys, Zemplin) gibt es keine Längen, 
alle Silben werden kurz ausgesprochen, was unzweifelhaft mit der polnischen 
und kleinrussischen Nachbarschaft zusammenhängt. Zwischen diesen beiden 
liegt ein drittes Dialektgebiet, das sogenannte mittlere (strednä slovencina), 
dessen grammatische Formen bekanntlich die Grundlage der gegenwärtigen 
slovakischen Schriftsprache bilden. Alle drei Dialektgebiete sind an Popu- 
lation ziemlich gleich stark. Die Quantitätsverhältnisse in dem mittleren 
Dialektgebiet sind nun sehr mannigfaltig und in der That auch wenig er- 
forscht, gegen Westen zu Bewahrung der Längen nach der böhmischen Regel, 
gegen Osten und Norden zu Quantitätsverlust. Daher stammt auch die Un- 
sicherheit in der Schriftsprache. Der Verfasser selbst sagt in seiner Rukovät: 
» Im Allgemeinen muss bemerkt werden, dass die Lehre von den langen und 
kurzen Silben im Slovakischen wenig klargestellt ist. Lange und kurze Vokale, 
lange Vokale und Diphthonge wechseln in denselben Silben in unzählbaren 
Fällen. Alle solche Doppelformen sind in der Schriftsprache berechtigt« 
(p. 16 — 17). Um dieses angebliche Chaos — der Ausdruck ist natürlich nur 
im Munde eines praktischen Grammatikers verständlich — zu erklären, dazu 
bieten auch die südslavischen Sprachen Anhaltspunkte , allein nicht in dem 
Sinne des Verfassers, der dabei ausser Acht gelassen hat, dass im Serbo- 
kroatischen Quantitätsunterschiede genau beobachtet werden und dass dies 
jn beschränktem Masse (nämlich in betonten Silben) auch im Slovenischen 
der Fall ist. Oder sollte der Verfasser gar an das ferne Bulgarische gedacht 
haben? 

Weiter spricht der Verfasser von r und sagt diesbezüglich: «Ja bei mir 
gilt auch der Mangel an dem westslavischen r (rs) als hinlänglicher Beweis, 
dass unsere slovakische Sprache ursprünglich kein westslavisches Idiom ist. 
Es ändert nichts an der Sache, dass sich dieses westslavische r später aus 
dem weichen rj entwickelt hat. Die Inklination zum f mussten die West- 
slaven von Alters her haben. Dagegen konnten dieSlovaken diese Inklination 
in ihrem rj (rieka) nicht haben , da sich aus demselben kein r entwickelte, 
obwohl dafür alle Umstände und Verhältnisse günstig waren, insbesondere 
in den letzten 500 Jahren« (p. 79). Es ist unzweifelhaft richtig, dass die 
ungarisch-slovakischen Dialekte an dem r festhalten und dass sich hier wohl 
niemals ein r ausgebildet hat, während andererseits in Mähren allgemein r 



Czambel, lieber die »lovakiache .Sprache, angez. vun Tiistmek. 3()1 

herrscht, wie im Bühmischen, so ilass die luiihriäch-ungariHciie Lundosgrenzo 
ziif!:leich die Grenze zwischen r- uud r-Sprcchern bildet. Auch das kann nicht 
bezweifelt werden, dass in diesem r ein "Siidslavischer« Zug lifgt. Allein 
Büicher Züge, richtiger gesagt Verbindiiugsglieder zwischen den bühniisch- 
ui;iiiriöch-!^lovaki.scheu und siidshivi-sciu'n Dialekten gibt es ja noch mehr. 
Der Verfasser erwähnt gar nicht die tri- trit- /n/M"'orujcn , widil aus dem 
Grunde, weil die slovakisehen Dialekte darin von den bühiuiscli-mährisehen 
nicht abweichen. Aber auch die zuletzt von Jagid herangezogenen (und auf 
S. 72 citirten) Formen des Instr. sg. chlapotn, duhmn hat der Verfasser keiner 
Beachtung gewürdigt, obwohl sie speciell slovakisch sind. Unbeachtet Hess 
der Verfasser auch das .slovakische x im Nom.pl. CV.v/, J'a/a.si, liühmisch- 
mährisch nur Ce.si, J'ula.si. In beiden rälleu dilrfto für ihn die Kiick.sicht auf 
das Klein- und Gro.ssrussisclie den Ai:8schlag gegeben haben, obwohl die Zn- 
sammenstellung mit dem Siidslavischen wohl näher liegt. 

Dagegen legt der Verfasser ein grosses Gewicht auf den Ausfall des d 
vor / in Worten wie: sidlo, sadio, sedlo. Er beruft sich auf die sprachlichen 
Verhältnisse seines Ileimatlistädteliens Zvolenskä L'upca uud meint, daselbst 
werde zwar von der Bürgerschaft bereits sidlo, audio, sedlo, nach west- 
slavisclier Weise, gesprochen, allein ein gewisses Feld werde uu seid genannt 
und gleich in der Nähe von L'upca sei ein Dorf Namens ^elce. Darin liege 
ein Beweis, dass man dereinst, vor der Cechisirung der Lautlehre, auch in 
dem Stätitchen L'upca sprach silo, salo, selo, wie noch gegenwärtig in den be- 
nachbarten Dörfern, z. B. in Priechod oder in Podkonice gesjjrochen werde. 
Und was von Zvol. L'upca, dasselbe gelte von dem ganzen centralen Dialekt- 
gebiet. In dieser Annahme geht der Verfasser entschieden zu weit. Die Be- 
obachtung ist jedoch richtig. Die bisher verzeichneten Belege findet man in 
meinen Beiträgen (p. 147) und auch bei Gebauer (Ilist. ml. I, 41U) zusammen- 
gestellt, wo übrigens auch das allgemeine böhmische sei, fem. sla (für hdh], 
ferner einige altböhmisciie Belege beigebracht werden. In den slovakisehen 
Dialekten ist dies ein Zug, der an das .Süd- und Ostslavisciie (Kleinrussische) 
anknüpft. Ortsnamen wie Selce, die auch im Bülimischen vorkommen, darf 
man allerdings nicht heranziehen. In solcheu Fällen handelt es sieh um eine 
Erleichterung in der Aussprache einer allzu schweren Konsonantengruppe; 
daher allgemein böhmisch gen. ikalce, dat. tkalct u. s. w. (für thadlce, tkadlci 
u. s.w. , fem. selkii (für sedlka), adj. selshj (für sedlsky). 

Auch auf den Namen des Volkes und der Sprache verweist der Ver- 
fasser; im Gefolge der zahlreichen sachlichen Gründe sei mau berechtigt, 
auch darauf Gewicht zu legen, dass die Slovaken sg. nom.Slovük, pl. öloväci, 
fem. Slovenka, adj. slovensky) ihre Sprache ebenso nennen wie die Slovenen: 
slovensky jazyk , sloveiiskd rec (p. 80, 8(i u. a.). Mit Rücksicht auf eine ge- 
legentliche Bemerkung des Verfassers über den Namen der Serben (bei den 
Südslaven und in der Lausitz) hätte man erwarten können, dass er dieses 
Argument, trotz Miklosich u. a. , nicht ohne weiteres wiederholen werde. 
Wenn der Name pl. Slovcne, adj. slochibskz, auf die Slaven an der Donau be- 
schränkt gewesen wäre, wie wäre er dann zu den pommerschen Kaschuben 
und den alten Novgorodern gekommen? 



302 Kritischer Anzeiger. 

Im Zusammenhang damit zieht der Verfasser auch die magyarische Be- 
nennung der Slovaken: tot heran (p. 80 f.), indem er aus dem magyarischen 
Namen Slavoniens »Tdt-orszäg<f schliesst, dass auch die Slovenen dereinst von 
den Magyaren niötu genannt wurden. »Das magyarische Volk hörte die 
»slovenische« Sprache (tot nyelvet) im nördlichen Ungarn, in Transdanubien 
und in Kroatien-Slavonien.« J. Skultety (Slov. Pohl'. 1903, 771) führt weitere 
Belege an, dass die Slovenen, besonders die ungarländischen , tot genannt 
wurden, und verweist dabei auf die deutsche Bezeichnung »Winden", welche 
ebenfalls für Slovenen und Slovaken angewendet wurde. Nach meinem Da- 
fürhalten sind diese einheitlichen Benennungen die natürlichen Reflexe des 
gemeinsamen , einheimischen Namens Slovene, Slovenhci, slovenhsh'b und inso- 
fern für die südslavische Hypothese des Verfassers von geringem Werthe. 

Endlich führt der Verfasser eine Eeihe topographischer Namen und 
anderer Ausdrücke an (p. 76 f.) und versucht sie mit Hilfe des Slovenischen 
und Serbokroatischen zu erklären: r< Hricov, serb. ^nc Fels, felsiger Hügel, 
Steile«. Miklosich, Et. Wörterb., lesen wir in der That nur: nsl. gric Hügel, 
serb. gric Steile. Palacky führt im Verzeichniss von altböhmischen Personen- 
namen (COM. 1832 = Radhost I, 114 f.) die Form Hric (ohne Beleg) an. In 
Gebauer's Slovn. staroc. finde ich dieses Wort nicht. Hricov ist ein Dorf in 
der Nähe von Ziliua (Siliein, im Komit. Trencin). — »Litava, serb. lit steiler 
Felsen.« Man darf wohl auf die topographischen Namen aus Böhmen und 
Mähren, wie Litava (Dorf in Mähren), Litavka (Fluss in Böhmen) u. ä. (vgl. 
Kott, Ceskonem. slovn.) hinweisen. — »Strecno, serb. srecan glücklich.« Das 
ist eine ganz unmögliche Kombination. — »Piescany, serb. pescan sandig.« 
Das Wort pes'bk'b Sand ist allgemein slavisch, Fistany auch in Böhmen. — 
vLucatin, Lucivnä, Lucenec, serb. lue Tanne, gleichsam also: JedVatiii, 
Jedl'ovnä, Jedlenec.« Ich finde bei Vuk nur lue Kienspan und das ist ein all- 
gemein slavisches Wort, welches iusbesondere auch im Böhmischen wohl 
vertreten ist: louc, vgl. auch die böhmischen Ortsnamen Loucany (Lautschan), 
Louceje (Lutschau), Luceh (Lautsehin) u.a., vorausgesetzt natürlich, dass bei 
allen diesen Ortsnamen an luch-louc und nicht vielmehr an Iqka-louka zu 
denken sei. — »KrpeVany, slov. Are/)e7 Holzstück. « Es ist der Name eines 
Dorfes im Tatragebirge. Vgl. ^^oln. karpiel aus *kr^pelb, Art Kohlrübe, im 
Zipsischen (Linde). Zahlreiche Belege bei J. Karlowicz, Slow, gwar pol. — 
»Klee ( Name eines Hügels), slov. ^^ec Felsenklippe, Stromschnelle. Kl'acany 
(magy. Kelecseny), gewiss damit in Verbindung.« Vgl. dagegen das böhm. 
klec Knieholz, ferner die Ortsnamen Klecany und Klecaty (beide in Böhmen). 
— Aus der Umgebung von Zvol. L'upca führt weiter der Verfasser an topo- 
graphische Bezeichnungen, die Niemand mehr zu erklären wisse: Höre Pütmi, 
V Räzputi, V Hrmove. Der letzte Name bezeichne gegenwärtig Wiesen längs 
des Flusses Gran, wo vielleicht ursprünglich Gebüsche waren: daher von 
slov. grm aus *gnmb. Dazu gehöre auch das Wort grmün = verwachsene 
Pflaume, verwachsenes Obst überhaupt. Dagegen wäre zu erinnern, dass slk. 
h7-m = böhm. hrom; weiter vgl. c. hromovä skäla = ein Felsen, in welchen der 
Donner eingeschlagen hat, Bartos, Dial. I, 161. Das Wort grman, grmän 
dürfte dagegen aus dem deutschen »krumm« entstanden sein. Was weiter die 



Czambel, Ueber die elovakischo Sprache, angez. von Pastruek. 3ü3 

Ableitungen von ptit = pt/(b bctrifTt, so ist ja pout, pnut und desseu Ab- 
leitungen auch in den böhm.-mähr. Dialekten wohl bekannt, obwohl ein *roz- 
puti selböt nicht vorkommt, sondern durch roz-erati slk. roscutie ersetzt wird. 
— » Mostenica , serb. nwslaniea Steg.« Der VerfasBer hat die Bedeutung de« 
serbischen Wortes nicht richtig ertasst ; mosLintca «= blvina ist kein «chod- 
nik« Fussweg;, sondern "/«itAw Wasserste^.',, und ist augenscheinlii-h abge- 
leitet von niostb (Brücke . Aussenlem gibt es auch iu Mähren eint- Ortschaft 
JUostenice und in Böhmen Moätice, Mostiglt. — »Bnlo Name einer Anhühe), 
serb. brdo.a Der Name ist jedoch allgemein slavisch. — «Brezntca, slov. 
breznica, Sumpfwiese.« (!) Vgl. böhmische Ortsnamen, wie Brezno, Bfeznik, 
Breznice u. a. — " Cremoino, siTb. crenws, creinmi = allium ursinum.« Es gibt 
auch sonst slovakiscbe Ortsnamen, wie Ceremos illügel in Ciöiuür). Cirwui^no 
(ein Dorf in Turecl. Ein Nebenlius» des Prut heisst i-benfalls Ciretimi , ein 
Nebcnduss der Wolga C'erem.sa». Und du die Lautgruppe er- im Böhmischen 
allgemein zu tr- und sir- wurde ,vgl. Gebauer I, 523 , so ergab daselbst ein 
*c'remcha die Form trenicha [trzyeinchu Rozk.). Ortsnamen wie Tfemeind (in 
Böhmen) , Treme'stu- in Böhmen) , Thmisno eine Stadt in Posen) , femer 
stremcha (prunus padus, cerasus, wällischer Holunder) und wieder Ortsnamen, 
wie Strenxchovy in Böhmen) u. a. — »Kaliite, slov. kalisce Sumpf. « Es genügt 
darauf hinzuweisen, dass kah Koth ein allgemein slavisches Wort ist und 
dass auch halisii- in den slavischen Sprachen verbreitet ist. oech. kaliite 
(Pfütze), nl. kalisco (Pfütze) n. a. Ausserdem gibt es zahlreiche Orte in Böhmen 
Namens KaliHc. — "Ilrochoi, serb. grochot Fels.« Hier liegt, wie P. Budmani 
(Rjt'Onik hrv. ili srspskoga jez.; darlegt, ein Fehler in der Interpretation des 
Wortes von Seite A'uks (kanieüak, stijena) und Daniele (saxum vor. In 
Wirkliclikeit ist grochoto ein allgemein slavisches Wort und bedeutet a) einen 
Schall, ein Geräusch, das entsteht, wenn schwere und nicht zu kleine Stücke 
(Steine, Nüsse) herabgeschüttet werden oder herabfallen, b) die Ursache 
dieses Geräusches, Gerolle, Schutt. So schon bei Vuk: grochot 1) lautes 
Lachen, b kamenak, stijena. Ortsnamen, wie slk. Hrochot, Hrochot, sind 
daher klar. Ausserdem findet man bei Kott (Cesko-ncm.-slov. VI, 44U) solche 
westslk. Worte : chrochot = zamrznutö, ustüpanö blato na ceste ; chrochot anebo 
rochoi = hfba kamenia od bräl a balvänov skalnych odeesleho sa a pädom na 
meusie kusy rozdroben6ho. — «Kremnica, slv. Krnica = Kotlina, Kesselthal, 
daher dasselbe wie Knrytnica.» Das slov. Wort krnica ikarnica), von Miklo- 
sich, Et. Wörterb., sub krinica angeführt, hat daselbst die Bedeutungen: 
1) gurges, lacus; 2) Presskufe, Backtrog. Dieses slov. Wort mus.s also bei 
Seite gelassen werden. Die berühmte oberungarische Bergstadt Kremnitz 
liegt zwar in einem Kesselthal, allein hat augenscheinlich den Namen von 
*kremy gen. kremene (silex), von dem goldhaltigen Kieselstein, aus welchem 
seit mehr als 1000 Jahren und auch heutzutage noch Gold gewonnen wird. — 
Endlich führt der Verf. folgende Worte aus seiner Heimathstadt an: zaobalit sa 
s mälom, so sestäkora na den und erklärt das Verbum aus dem südslav. obal, 
welches bedeute a Ufer, b) Grenze (medza, weshalb der Ausdruck zaobalii 
sa ursprünglich bedeutete vobmedzii sa«. Ich finde bei Vuk das Wort obala 
für 1) Ufer, ripa, 2) eine Art Zaun, Gehege, 3) (in Sirmien) ziva obala (leben- 



304 Kritischer Anzeiger. 

diger Zaun). Aber auch dieses Wort gehurt zu dem allgemein slavischen vah 
unda, valiti, valjati volvere. Ausserdem ist das Verbum zaohaliti (einhüllen) 
in den bühm.-mähr.-slovk. Dialekten allgemein gebräuchlich. — Ein anderer, 
auch sonst in den slovk. Dialekten bekannter Ausdruck: 7nrle mu sedia na 
kozke (er hat kein Sitzfleisch) wird vom Verfasser aus dem slov. mrliti 
jucken, schwach brennen erklärt, mit dem Beifügen : »Dass w?r/'a im Slova- 
kischen Blattlaus bedeuten sollte, davon habe ich mich bisher nicht über- 
zeugt« (p. 78). Miklosich, Et. W. p. 192 führt zwar an: »cech. mrlm. Blattlaus, 
slk. Milbe « — Belege aus anderen slav. Sprachen werden nicht beigebracht 
— , allein das Wort ist bisher hauptsächlich aus dem Slovakischen (auch dem 
Mährischen) belegt und zwar in den Ausdrucksweisen : mrle ho jedia, mrle 
mu sedia na kozke. Ferner führt Kott (C.-nem.-slovn. VI, 1041) an: mrle = 
msice, ves bodläcni, aphis cardui, die Distellaus. Nem.-c. slovnik lesnicky, 
vyd. Cerny. 1883. Es scheint also, dass mrle pl. in der That »Art Läuse« be- 
deutet. — Endlich wird der Ausdruck erwähnt : srdce mu pisti po dacom und 
mit Rücksicht auf das Verbum pistati pisttm (sprudeln, Gundulic) dahin 
interpretirt, dass es ursprünglich bedeutete: srdce mu vrie (kocht;, vielleicht 
v srdci mu vrie (im Herzen kocht es ihm). Dazu ist nicht viel zu sagen. Das 
Verbum asl. piskati und ^Jt/^a^t := *pisketi ist allgemein slavisch und bedeutet 
«pfeifen, zischen, schreien«, woraus auch obige Ausdrücke, der slovakische 
und der bei Gundulic, ohne Anstand sich erklären. 

Somit habe ich alle jene sprachlichen Argumente vorgeführt und be- 
sprochen, welche der Verfasser mehr aphoristisch als systematisch für seine 
südslavische Hypothese von dem Ursprung des Slovakischeu herangezogen 
hat. Ich zweifle keinen Augenblick daran, dass jeder slavische Philolog mit 
mir übereinstimmt, wenn ich sage, dass diese Argumente durchaus nicht hin- 
reichen, um eine so grundstürzende Hypothese auch nur annähernd zu 
stützen. Dagegen bestätigen diese Untersuchungen, was auch sonst Inder 
slavischen Philologie bekannt war und zugestanden wurde (vgl. V. Jagic, 
Archiv VII, 1884, 497), dass die ober-ungarisch -slovakischen Dialekte, trotz 
ihrer engen Zugehörigkeit zu der mährisch-schlesisch-böhmischen und über- 
haupt westslavischen Dialektgruppe vielfache Beziehungen einerseits zu den 
südslavischen, andererseits zu den ostslavischen (kleinrussischen) Dialekten 
aufweisen, welche ein näheres Studium gewiss noch reichlicher ans Licht 
fördern wird, als dies bisher der Fall war. Der Verfasser hat sich schon bis- 
her grosse und wesentliche Verdienste um seine Heimaths- und Muttersprache 
erworben, es steht zu erwarten, dass sein ernster und nüchterner Eifer noch 
vieles Nützliche auf diesem Felde schaffen wird. 

Prag, 22. Dez. 1903, Fr. Pastrnek. 



Tominsek, Der sloven. Dialekt von Bocna, angez. von Grafenauer. 305 

Narecje v Bocni in njega sklanjatev. Von Dr. Jos. Tominsek. Im 

Jahresberichte des k. k. Kaiser Franz Joseph-StaatBgymnasiums in 

Krainl)m•^^ 1')(»:k S. 3—27. 

Nach ziemlieh langir liulii;i).iiise ist dies wieder ein Beitrag zur Kennt- 
niss der slovenischen Dialekte und zwar eines recht interessanten Dialektes 
an der Stelle des slov. Sprachgebietes, wo drei grosse Dialektgruppen zu- 
samnienstossen. Bocna ist nämlich ein grosses Dorf in der Nähe von Ober- 
burg (Gornji grad, im Zadreckathale, einem Seitcnthale dos Sannthaies in 
der südwestlichen Ecke Sti'iormarks. Uobor Laufen Ljubno) und Sulzbach 
Soicava, steht der Bocuadialekt in Vorbindung mit dom Jauntlialordialekte 
in Kärnten, durchs Sunnthal mit den übrigen Mundarten Steiermarks. Die 
Grenze gegen die Überkrainerdialekto bildet im Süden der Rücken der Me- 
nina, und sie ist beinahe ganz unmittelbar, wohl wegen des geringen Ver- 
kehres, der zwischen den beiden Diaiektgebieten statthndet (S. 6;. 

Im ersten Theile seiner Abhamilung berührt Dr. Tominsek nach einer 
etwas zu breit gehaltenen Einleitung einige l'uukte aus der Lautlehre, die er 
nicht eingehen<lor behandelte, da er, wie er selbst zugibt, damit noch nicht 
recht im Klaren ist, und sich deshalb eine gewisse Unsicherheit auch in die 
Deklination hineinzieht, die sich aber nar auf die Stämme bezieht, nicht aber 
auf die Flexionsendungen, von deren Richtigkeit er sich noch vor Kurzem au 
einer alten Frau überzeugt hat S. 7 . 

Entgegen den Ausführungen Valjavec's kon.statirt der Verfasser für den 
Bocnadialekt einen vierten Accent, den kurzen falleuden v\ Die Darstellung 
betreff.s dieses Accentes ist aber etwas verworren. Es ist ja nicht der kurze 
fallende Accent, den Pletersnik und Valjavec den slov. Schriftdialekteu ab- 
sprechen, sondern der kurze steigende, der in der Mehrzahl der slov. Dialekte 
zu lang steigendem gedehnt wurde. Erst aus Beispielen in dem zweiten 
Theile der Abhandlung ersieht man, dass der Verfasser anch den »vierten« 
Accent, den kurz steigenden, im Bocnadialekte konstatirt. 

Halbvokale kennt der Bocnadialekt zweierlei, ö und b, von deren phy- 
siologischem Charakter wir aber nur erfahren, dass der eine hart, der andere 
weich ist. Unter dem v^ werden o (etym. iW, u und i zu Halbvokalen, während 
etym. o und e [e und a} nie ^* bekommen. 

i-laute kennt der Bocnadialekt zwei: das weiche ^ [z'hnl'u], und das 
mittlere / {milo= milo ; das harte / wurde entweder zu mittlerem / oder ging 
nach Art der Kärntner- und Oberkrainerdialekte in u über, und zwar steht / 
vor Vokalen, oder geschwundenen Vokalen {dela/a, debiilga], u am Ende der 
Worte ausser im Gen. PI. der a- und neutr. o-Stämme mit nom. sg. auf -la, -lo, 
ferner vor Konsonanten, wenn dieser zum Stamme gehört : douf/, und auch 
vor der Verbindung =bnb: pdiic Plet. pähc. 

Das silbenbildende r wird mit einem dumpfen Vokal a gesprochen: 
cärn, ärjav. ohne Accent aber : orzen, ord'ic, lep~orjatt lio'/i. Auch / und « kön- 
nen sekundär silbenbildend sein : d'ikl (gen. pl. von d'lkla), midie, m&'dlt 
[modliti',; mignt,pihnt u. S. w., predn, nadn, cezn^,; zadnca. 

1] Wie stimmen aber diese Formen mit der Behauptung auf S. 25, dass 

Archiv für slavische Philologie. XXYI. 20 



306 Kritischer Anzeiger. 

Den wichtigsten Theil der Abhandlung bildet die Darstellung der De- 
klination, der für die nominale Deklination Oblak's Geschichte der nominalen 
Deklination im Slovenlschen zur Grundlage dient, und die uns manches 
Neue bietet. 

Der Nominativ der 7,/o- Stämme stimmt überein mit den übrigen 
slov. Dialekten. Zu erwähnen ist, dass in den Fällen, wo aksl. hjo -\- cons. + 5/^ 
steht, auch der erste Halbvokal geschwunden ist nach Analogie der übrigen 
Kasus. Erhalten hat sich dieser Halbvokal nur in den Fällen, wo eine Muta 
dem Halbvokale vorausgeht : hläp^c, smüt^c (eine Ausnahme bildet nur hlpc), 
ferner wenn zwei Nasale zusammentreffen sollten und vor i, das als u aus- 
gesprochen wird: plämiin, pd^s%u. Im Nom. Acc. der Neutra wird -0 zu %, e 
aber wird offen ausgesprochen: e". Im Genitiv des Singular haben 
mehrsilbige Worte die regelmässige Endung -a. Einsilbige können -a und 
Halbvokal haben, und zwar haben sie vollen Vokal, falls die Stammsilbe 
lang ist, den reducirten Vokal 7., falls sie kurz ist. Diese Kürze ist aber 
keineswegs eine allgemein slovenische. Sie beruht auf der Eigenschaft 
des Bocnadialektes, " mit " abwechseln zu lassen, was insbesondere bei a 
gerne geschieht, und zwar, soweit aus der kargen Anzahl von Beispielen er- 
sichtlich ist, in jenen Fällen, wo ursprünglich fallender Accent auf der Stamm- 
silbe ruhte, z. B. sad, sadü st. sad, säda; Bocnad. sad, säd^^, so auch: strähn, 
stnräd^, präh^, vräh, stäm^) u. s. w. Auch zbd, zldb gehört hierher (schriftsl. 
zid, zidü), dagegen sind nicht hierher gehörig: sin, sina (soll dies wirklich 
steigender Accent sein? Ich möchte es bezweifeln wegen Plet. Valj. stn 
sinü), mir mira (Plet. mir mirü) u. s. w. Auch die Substantiva mit 0, e und u 
in der Stammsilbe werden nicht gekürzt, sondern haben langen Accent auf 
der Stammsilbe, daher im Genitiv -a: shod shdda sneg (wohl sneg] sne"ga, süm 
stima (wohl sw??i süma). Was ist aber mit dem Subst. auf o (= &) ? Diese hat 
der Verfasser nicht berücksichtigt. Im Nom. pl. hat moz mSzb wie sädb (S. 15), 
lautet der Gen. auch mlh? 

Wie haben wir dieses -^ zu erklären, ist es ein reducirtes a, wie es 
der Verfasser aufzufassen scheint? Ich glaube kaum. Wenn wir sehen, 
dass im Nominativ Dualis der ^/o-Stämme und Nominativ der a-Stämme 
das a sehr wohl erhalten ist, ist es jedenfalls räthselhaft, warum gerade 
im Gen. der Maskulina das a hätte reducirt werden sollen und auch da 
nur in einigen Fällen. Wir haben es daher hier nicht mit einer geschwäch- 
ten Endung der ^/o-Deklination zu thun, sondern mit der Genetivendung 
der «-Deklination. Die Beispiele, die uns der Verfasser vorführt, be- 
stätigen diese Annahme, denn -0 haben ausnahmslos ehemalige w-Stämme 
und solche, welche die Endungen der w-Stämme angenommen haben. Auch 
ist die Regel betreffs des Verhältnisses zwischen der Kürze der Stammsilbe 
und der Schwächung des Flexionsvokales nicht in der Allgemeinheit 



der Bocnadial. die Reste des alten Acc. Sg. des Fron. dem. 11 in Verbindungen 
wie : nanj zanj . . . nicht mehr kennt, sondern dort dafür zanga, ndnga, ponga 
gebraucht werde ? 

1) Neben diesen Formen kommen auch solche mit -a vor. S. 12. 



Tominsek, Der sloven. Dialekt ron Bocna, angez. von Grafcnauor. 307 

richtig, wie sie Tominsek aufgestellt hat, denn S. 5 führt der Verfasser 
selbst die Genetive »kärta rärta u. s. w." an, die zur i/o -Deklination ge- 
hören. Man IUU83 also die Kegel reduciren auf Stämme mit den Kndungon 
der M-Dekliiiation. Dies stimmt dann einerseits besser zu der Thatsacbe, 
dass mehrsilbij^e lo- Stämme durchwegs -a haben (die Endung -u haben 
nämlich nur einsilbige Substantiva, vgl. Oblak, Geschichte der nom. Decl. im 
Slov. S. 1"). andererseits dazu, dass auch die Dativendungen der i o-Dekli- 
nation auf gleiche Weise durchwe-rs ;;ekUr/.t worden sind. Hetontes ü (nicht ti) 
wäre demnach im Bociiadialckte allerdings nicht vorhanden (.S. 12), wohl aber 
nnbetontes m, das zu i geschwächt worden ist. Im Dativ ist m durchwegs 
zu einem Halbvokal, der nach harten Konsonanten dumpfer, sich mehr einem 
u nähernd ^^) klingt, nach weichen heller, mehr einem i ähnlich ((.). Letzterer 
wird wohl nicht der Ersatz eines u sein, sondern eines i', das ja in steiriscben 
Dialekten im Dativ nach Analoirie des Lokal gesprochen wird. Vgl. Oblak 
o. c. S. 31 ff. Der Acc usati v ist entweder gleich dem Nom. oder dem Gen. 
Der Lokal Sgl. hat die Endungen ö und 6, und zwar haben h die weichen 
Neutra — neben einigen harten neutralen Stämmen (gewöhnlicher aber ?.) und 
auch Maskulina sowohl mit harten wie mit weichen Endkonsonanten, diese 
regelmässig: vwrjb, pöl'b u. s. w. ; ««""/b [selu], Vitb [letu) u. s. w. ; kräjb,\krv8h 
u. s. w. Der Verfasser ist der Meinung, dass 6, das regelmässig bei weichen 
Stämmen vorkommt, zuerst auf die Neutra, wo es zahlreiche weiche Stämme 
gibt, überhaupt überging, dann aber auch auf die Maskulina. Ich glaube, 
dass dem nicht so ist. Bekanntlich haben die sloven. Dialekte die Lokal- 
endungen I (aus gekürztem t, und m (aus der w-Dekl.), theilweise auch et(); 
das i, das ursprünglich den harten Stämmen eigen war, ging dann auch auf 
die weichen über und ist das Verhältniss zwischen i und u in verschiedenen 
Dialekten verschieden. Vgl. Oblak o. c. S. 36 ff. In den westlichen Dialekten 
des südlichen Steiermark wird nun auch i und u im Lokal. Sgl. gesprochen 
(Oblak o. c. S. 49, und ich halte desslialb 6 für den Vertreter des j, ö für den 
Vertreter des «. Im Instrumental Sgl. kenntder Bocnadialekt die Endung 
-am nicht, sondern hat die Endungen -im und -ö;?j, entsprechend den histo- 
rischen Endungen -ein und -om. Hierin schliesst sich dieser Dialekt also 
mehr an den Jaunthalerdialekt, der die Endung -om hat, als an die übrigen 
Dialekte Steiermarks an, die mit Ausnahme der östlichen In.str. Sgl. auf -awi 
bilden Oblak o. c- S. 54 ff. . Eine eigenartige Neubildung ist der 
Instr. Sgl. auf und &, die neben den Formen auf -öm und hm im Gebrauche 
sind. Es ist dies eine Frucht des Ausgleichungsbestrebens, da der Instr. 
schon durch die Präposition genügend charakterisirt ist: z Jdzbzco, z brät^, 
z m-ozb U.S.W. Vom Dual ist nur der Nominativ- Accusativ erhalten und zwar 
für die Maskulina mit der Flexionsendung -a. für die Neutra mit b (aus 1), -a 
im Neutr. nur in der Kindersprache. Alle übrigen Kasus gleichen 
dem Plural. 

Die gewöhnliche Endung des Nomin. Plural ist t geschwächt zu 6) 
für die Maskulina, e" für die Neutra, was auch andere steierische Dialekte 
haben. Vgl. Oblak a. c. S. 9-5. Die Endungen ovb {ovi) erwähnt Verfasser nur 
bei den Worten vetrovb und dnevb. Im Genitiv Plur. haben die Neutra die 

20* 



308 Kritischer Anzeiger. 

historischen Formen, bei den Maskulinstämmen aber haben sich diese nur in 
einzelnen Worten erhalten: utrok (nur diese Form); zob, koi'i (Nom. Sgl. äo^mj, 
7noz neben den Analogieformen nach der w-Dekl. z'bb^u, hd'^uhu^ mVihu. Bei 
den übrigen Maskulinstämmen durchwegs *v (ov) und hu [ev). Der Dativ 
Plur. endigt auf 'hm [om) oder b7n (em), daneben aber haben wir auch eine 
Form auf em : z%hem, lasem neben zlb%m, läs^m, was Verfasser aus dem Lokal 
eh erklärt. Die Endung -am ist nicht bekannt. Unzutreffend finde ich die 
Bemerkung, dass -"bm, -hm dieses Dialektes indirekt für die Behauptung 
Oblak's spricht, dass die Dativform -am aus dem Nom. Plur. der Neutra -a 
zu erklären sei, indem im Bocnadialekte der Nom. Plur. Neutr. nicht auf -a 
endigt, sondern auf e", und so gelautet haben müsste, noch bevor er auf die 
anderen Kasus einen Einfluss ausüben konnte. Andererseits spreche aber 
dieser Dialekt auch gegen die Erklärung dieser Formen aus den a-Stämmen, 
denn in diesem Falle müssten auch in diesem Dialekte die ^/o-Stämme -am 
haben, da die Feminina diese Endung kennen. Es ist dies wohl ein zu starker 
Glaube an die unfehlbare Wirkung des Analogiebestrebens. Auf diese Weise 
würden jene Dialekte, welche die organischen Formen erhalten haben, so- 
wohl gegen diese als auch jede andere Erklärung sprechen. Der Bocnadialekt 
hat die historischen Endungen bewahrt, nur dass sie geschwächt worden 
sind. Der Accusativ Plur. hat die Endung -e" (auch die Neutra): stdrse", 
söde" U.S.W. Einige Worte haben auch -i: läzb, dän, lätb, läsb (neben der 
üblicheren Endung -e"); immer aber steht diese Form in der Verbindung: 
gremo v svätb, v uögledb. Zur Erklärung dieser Formen vgl. Oblak o.e. S. 129. 
Die Endung -ove" ist nur dort üblich, wo Nom. Plur. -ovb lautet. Im Lokal 
Plur. hat sich die historische Endung -ih nur bei den Maskulinen bewahrt 
als hh: apöstolbh, ko"lbh u. s. w., aber auch hier nicht ausschliesslich. Sie 
haben daneben wie die Neutra auch die Formen auf -e"h:jasle"h, uste"h u. s.w. 
Dass wir es hier nicht mit einem Reflexe des eh zu thun haben, ist klar, da e" 
nicht dem etym. e entspricht. Der Verfasser zieht daher mit Recht die Er- 
klärung durch Analogie nach dem Nom.-Acc. Plur. Neutr. vor, der ja in die- 
sem Dialekte -e"^ lautet. Dafür spricht der Umstand, dass diese Formen bei 
den Neutris stärker um sich gegriffen haben, als bei den männlichen ^Jo- 
Stämmen (S. 16). Wir können aber wohl mit Recht annehmen, dass dieses 
-e"h aus früherem -ah entstanden ist, wie wir ja in dem im Kärntnerdialekte 
geschriebenen Catechismus aus dem Jahre 1762 auch etwas ähnliches finden 
[dobrem dielem), ebenso in Gutsmann's Chriftianske Refnize (1770), wo wir 
auch Ansätze zu dieser Neubildung haben (vgl. Oblak o. c. S. 120), die im 
Bocnadialekte durchgedrungen ist, und auch schon in die a-Stämme einzu- 
dringen beginnt. Ich bin nicht der Meinung des Verfassers, dass sich die ijo- 
Stämme bei diesem Prozesse auf die Feminina der a-Deklination gestützt 
hätten, dem widerspricht schon die Thatsache, dass die Form e"h bei den a- 
Stämmen nicht vollständig durchgegriffen hat, sondern neben -ah vorkommt. 
Der einmal begonnene Prozess der Ausgleichung wurde über -ah, als die 
Neutra im Nom. Plur. e" annahmen, fortgesetzt undriss dann theilweise auch 
die Maskulina der 'ö/o-Dekl. und die a-Stämme mit sich. Auffallend aber ist 
der Umstand, dass wir zwar im Lokal Formen auf -e"h haben, aber keine ent- 



Tominsek, Der sloven. Dialekt von Bocna, angez. von Grafenauer. 309 

sprechende Form im Dativ Plur. und Instr. Sgl., wogegen doch in den Uhrigen 
Dialekten zuerst -am durchdrang und -ah erst naclifoigte (Ohlak o. c. S. 13ti). 
Das %m und i.m ist aus -am nicht erklärbar, da ja in diesem Falle wohl e'm 
bevorzugt wonien wän>. und die Unterscheidung zwischen hm [em) und i.m [om] 
unerkliirbar wäre. Wir haben also hier eine sijczitisrho Eigenthiimlichkeit 
des IJocnadiiiioktes vor uns, denn auch bei den fl-Stiininien haben wir neben 
-um, wohl in Analogie nach den i o-Slämuien im 'aber kein «■"/«,; -i'h haben 
nur 4 Worte: inrheh (immer); shbeh, lasih, gnhi'h neben «"A) S. 17. Im In- 
strumental Plur. der i/o-Stämmo ist gewöhnlich die historische En- 
dung i»: leth, tätt>. Daneben erscheint, wenn auch selten, die Endung -wu', 
bei Neutris beinahe nie, bei Maskulinis auch nicht, wenn das Wort auf 
ein -ar oder auf einen Guttural endet: Jüdmb, ^iirhiiii,. Betontes mi haben 
nur neben unbetontem, wie es scheint) riimi, la»mi, ^zrhmi, -ami findet^sich 
nur in kh/idmb. 

Die a- Deklination zeigt nicht so viele Neubildungen als die Dekli- 
nation der ö/o-Stämine. Heim Noui. ist nur zu erwähnen, dass nach weichen 
Konsonanten das </ näher einem e" klingt. Der Genetiv Sgl. und Nom.- 
Acc. Plur. haben die Endung e", beim Dativ und Lokal ', (i), vor dem 
Gutturale unverändert bleiben. Im Accnsativ S;,^l. ist die Flexionsendung 
reducirtes o {^]•. hih, vo"d^ u. s.w. Betontes n (wie gorn, kosr; vodr) kennt der 
Bocnadialekt nicht. Im Instrumental Sgl. würden wir i erwarten (statt o), 
wir haben aber i>: sabli..., es hat also auch hier wie im Instr. der i/o-Dekl. 
Ausgleichung stattgefunden nach dem Dat.-Lokal. Daneben kommt auch die 
Flexionsendung uj vor (das oj der steier. Dia!.), das immer, wie Verfasser 
sagt, kurz steigend betont ist, aber nur in einigen Worten, die ursprünglich 
Endbetonung hatten. Daneben haben aber auch diese Worte die gewöhnliche 
Endung 6. Der Gen. Plur. hat die historische Form ohne Flexionsendung, 
«hat nur hesecU, aber auch nicht immer. Dat. Plur. endigt auf -«//), daneben 
aber auch auf om: häbam und bah^rti, was wohl als Analogie nach den ^/o^ 
Stämmen zu betrachten ist vgl. Oblak o. c. S. l'JB ff.). Im Lokal Plur. ist 
die Endung -ah regelmässig, daneben aber häutig schon e°fi, wohl unter dem 
Einflüsse der ö o-St, -dh hat nur das Wort nkeh neben ro"ke"h. Der Instr. 
Plur. lautet auf atiih amt) : (hklimamb, tiogumb (wohl mr/Smb) u. s. w. Daneben 
findet sich auch die Flexionsendung -mi, die der Verfasser aus -ajni wegen 
Unbetontheit erklären will und Analogie nach den t-Stämmen für ausgeschlos- 
sen hält. Ich glaube mit Oblak o. c. S. 200, dass es doch Analogiebildung 
ist, denn sonst müssten wir doch (im Falle der Unbetont heit) Formen 
auf ^mb haben, da wo der Schwund aus Gründen der Aussprache nicht 
gut möglich wäre, aber der Bocnadialekt zeigt eben diese Neigung, a zu 
schwächen oder ausfallen zu lassen, nicht 'vgl. S. S;. Die recente Flexions- 
endung b {i) im Instr. Plur. ist Analogiebildung nach den ö/o-Stämmen. Der 
Dual ist nur im Nom. Acc. erhalten und endigt auf 6 (t). 

Von der ?< -Deklination haben wir nur Reste in den übrigen Dekli- 
nationsarten. Von den männlichen t- Stämmen hat sich nur (/udje 
(n. l'bdb, g. l'bdi U.3.W.) bewahrt und der Lokal Sgl. von pot in der Wendung: 
na pötb = im Wege. Die Feminina der t-Deklination sind aber so 



310 Kritischer Anzeiger. 

ziemlich auf dem alten Standpunkte stehen geblieben. Ob im Gene t., Dat. 
und Lok. Sgl. * oder 6 ist, hängt vom Accente ab, beliebter aber ist Pänul- 
timabetonung : kd"stb und k-osti. Der Verfasser hat uns aber im Unklaren ge- 
lassen, in welchem der drei Kasus die Betonung k%sti vorherrscht. Denn auch 
in den übrigen slov. Dialekten wird der Genet. anders betont als Dat. und 
Lokal, er hat meist Endbetonung, während Dat. und Lok. Pänultimabetonung 
lieben. Auch der Accent scheint nicht i zu sein, sondern i. — 

Der Ins ru mental hat in den Worten reciij,jedjuj, n-hcuj, khpuj, pecuj 
die Endung der oststeierischen Dialekte, daneben (nicht oÜ)j^ ijo), die ge- 
wöhnliche Flexionsendung ist aber & wie in den a-Stämmen. Der 
Plural ist regelmässig: Nom. Acc. Gen. ? (Nom.-Acc. wohl i) oder b, Dat. 
em oder am. Lokal eh oder bh, Instr. mi oder ???&. Sehr selten ist im Instr. 
Plur. b wie bei den a-Stämmen. 

Die M-Deklination ist in die a-Dekl. übergegangen, nur der Nom. -Acc. 
lautet ausser in b7-eskva (auch nicht immer so) und br^tv^, das Neutrum ge- 
worden ist, immer auf -sm. 

Die Konsonantenstämme sind in die ^/o-Deklination übergegangen. 
Die charakteristischen konsonantischen Auslaute der Stämme gehen langsam 
verloren. 

Auch die pronominale Deklination zeigt wenig besonderes. Beim Pro- 
nomen pers. Jäs, ti (wohl ü) und s'eie" ist in morphologischer Beziehung nur 
der Instr. Sgl. und Lokal Dualis abweichend, im Instr. Sgl. wird neben 
mbnüj tbbüj auch die Dativform gebraucht, der Lokal Du. ist aber immer 
gleich dem Dativ-Instr. Du. In lautlicher Beziehung erwähnt der Verf. nicht 
die verschiedene lautliche Behandlung des mene einerseits, des tebe und sebe 
andererseits. Von Jas lautet der Gen. Acc. Sgl. mltie" Dat. Lok. (Instr.) mlnb, 
dagegen haben wir in fe&e", febb; s^ebe", s^ebb. Letzteres ist, soweit aus den 
wenig zahlreichen Beispielen zu ersehen ist, neben e'* die gewöhnliche Ver- 
tretung des e, auf das der Accent von der folgenden Silbe zurückgezogen 
wurde. Das % in mlne", aksl. Mene müssten wir also wohl als Analogiebildung 
nach dem Dat. Lok. erklären : aksl. mbh^, wie wir dies auch im Gail- und 
Eosenthalerdialekte haben, während in den Krainerdialekten hauptsächlich 
der Gen. vorherrschend wurde, daher dort auch mini. 

Vom Pronomen demonstr. ta ta to (^e" ta H) wird die einfache 
Form der Nominative nur als unorganischer Artikel gebraucht, die Funktion 
des Pronomens aber hat die zusammengesetzte Form tltb, tita, u. s. w. über- 
nommen, und auch in den Kasus obl. ist die zusammengesetzte Form ge- 
bräuchlicher. Der Lokal Sgl.mask. und neutr. ist gleich dem Dativ Sgl. [t%tmo, 
tzim, tetm] und auch der Instrumental nimmt neben tem auch die Dativform 
an. Dasselbe gilt auch für on, ona, oho. Dat. Lok. Sgl. mask. und neutr. 
lautet nbnn; Instr. = Lok. Dat. oder übm; auch beim Fem. ist hier der 
Instr. Sgl. entweder = Lok. Dat. Sgl. oder nuj. Nom. Du. fem. neutr. lautet 
tfäne'^dve; Gen. Du. = Gen. PI. 

Kurz folgen dann noch die Pron. interr. relat. indef. 

Die adjektivische Deklination hat nichts abweichendes vom allgemein 



Tominsek, Der sloven. Dialekt von Bocna, angez. von Griifeuauer. 31 \ 

Slovenischen, ausser dio bokaimtcn Klirzuiif^ou. Auch ist der Instr. Sgl. 
öfters gleich dem Dativ neben der älteren (Jestalt. Der Unterschied zwischen 
der beßtimniten und unbestimmten Form des Adj. ist nur im Nom. Acc. Sgl. 
niasc. noch erhalten: lep-ltpi, aber dieses hat immer den Artikel tu. Der He- 
tonunsunterschied zwischen der bestimmten und unbestimmten Form ((lailth. 
(hb'tleffa [best.] - (hbiulcga (unbest.]) ist verloren gegangen. Auch die Reste 
der nom. Deklination sind schon geschwunden. 

Wie der Verfasser selbst zugibt, ist das Material in phonetischer Hin- 
sicht nicht ganz zuverlässig und ist der Verf. auch, wie schon A. Hreznik in 
Dum in Svet, Jahrg. XVI, S. 620 richtig erwähnt, nicht konsecjuent in dem 
Gebrauche der Lautzeichen. Auf S. 7 sagt er, dass er für offenes «• e" ge- 
brauchen werde, für geschlossenes aber 'e, er gebraucht aber für enges e : 'i 
und e, für offenes e" und *e (?). Auch sagt er uns zu wenig vom lautphysiologi- 
schen Werthe dieser Zeichen. Es ist dies ein Fehler, der uns hindert, weitere 
Schlüsse aus dem gebotenen Materialc zu zieiien. insbesondere, was das Ver- 
iiältniss zwischen Betonung und Aussprache des Vokales anbelangt. 

Den Acceut cliarakterisirt der Verfasser als musikalisch, bemerkt aber 
dazu, dass der Bocuadialekt den fallenden Accent bevorzuge. Ureznik in 
Dom in Svet 1. c. behauptet aber auf Grund der gegebenen Beiapiole, dass er 
exspiratorisch ist. Es ist auch ganz richtig, dass der Bocuadialekt vieles mit 
ex!<piratorischen Dialekten gemeinsam hat, so dio vielen in musikalisch 
accentuirenden Dialekten steigend betonten Worte, die im Bocnadialekte 
fallenden Accent haben. Doch ist dio Abhandlung in dieser Beziehung nicht 
genau genug, um uns von dem einen oder vom anderen zu überzeugen. Es ist 
nicht wahrscheinlich, dass so viele Worte, die der Verfasser mit ' bezeichnet, 
die aber in den übrigen slovenischen Dialekten lallend betont sind, im Bocna- 
dialekte wirklich steidend betont wären, da es — allerdings selten — in 
musikalisch accentuirenden sloven. Dialekten zwar Abweichungen gibt in 
der Weise, dass statt des steigenden Accentes fallender vorkommt (iniGailtli. 
se„ga statt se„ga schsl. vsegä, hadtti sc\is\.hoditi ,, aber nicht umgekehrt. Dieser 
Zweifel wird noch vermehrt, da der Verfasser auch Worte und Endungen der 
Schriftdialekte mit unrichtigem Accente anführt: gorn, kosö, vodö (Acc. Sgl.) 
statt gorn, kosn, vodr u. s. w. Wie sollen wir uns ferner die Betonung th, ti (S. 25) 
vorstellen? Der Accent ' ist gewiss im Bocnadial. nicht in der Weise ge- 
bräuchlich, als ihn der Verfasser anwendet, er scheint ihn oft überhaupt als 
Träger des Accentes ohne Rücksicht, ob steigend oder fallend, gebraucht zu 
haben. Auch das Zurückziehen des Accentes von der folgenden Silbe als 
fallenden Accent auf die vorhergehende Silbe ist ein Zeichen der exspir. 
Dialekte (nicht aber das Zurückziehen überhaupt, wie Breznik in Dom in 
Svet 1. c. meint, denn als steigenden Accent ziehen ihn auch musikalisch 
accentuirende Dialecte zurück: Gailth. /.a^jac schsl. /cMpac, Bocnadial. äi/jc; 
Gailtli. »u'agci, schl. negü, Bocnadial. ntga u. s. w.). Dies alles würde also auf 
exspiratorische Betonungsweise hindeuten, doch so wie Breznik kategorisch 
zu behaupten, dass der Accent des Bocnadialektes durchwegs exspiratorisch 
wäre, wage ich nicht, besonders da der Verfasser auf S. 18 von vzduj, mgitj 
n. s. w. klar und deutlich sagt, dass diese Silben kurz steigend betont sind. 



312 Kritischer Anzeiger. 

Um eine solche Behauptung aufstellen zu können, fehlt andererseits auch 
genügendes Material. Eine gründliche Kontrole sowohl des lautphysiologi- 
schen Werthes der Lautzeichen als auch der Accente wäre also sehr ange- 
zeigt. Andere kleine Versehen sind: auf S. 3 soll es statt Klaic heissen: 
Kaie, auf S. 6 nicht »Juiiski gloltnik, vi ga Scheinigg pise zc«, sondern »ro- 
zanski«, und andere Kleinigkeiten. Die Darstellung der Deklination, beson- 
ders der Flexionsendungen, ist wegen der interessanten Neubildungen sehr 
lesenswerth. Dem Herrn Verfasser sind wir recht zum Danke verpflichtet für 
diesen Beitrag zur slovenischen Dialektforschung. 

Wien, im Dezember 1903. Iv. Grafenauer. 



Stara i uova postojbina Hrvata (Odlomci iz hrvatske pravne po- 
vjesti). Napisao Dr. Ivan Ruzic. Zagreb 1903. 8''. 56. 

Ich bringe nur ungern diese kleine Schrift zur Sprache. Ihr Inhalt greift 
weit in die Vergangenheit des Slaventhums zurück und sucht auf Grund eines 
sehr gelehrt aussehenden, aber unkritisch zusammengerafften Citatenapi^arats 
folgende Thesen zu beweisen: 1) Kroatien nebst Nachbarländern (Norditalien 
inbegriffen) war die Urheimath aller Slaven. 2) Die im frühen Mittelalter als 
Bewohner Nordost-Europas erwähnten »Venedae« stammen alle von den 
vorchristlichen adriatischen Venetae, die natürlich Slaven d. h. Kroaten 
waren, her. 3) Die Besiedelung der Balkanhalbinsel durch die Slaven, die im 
VI. und VII. Jahrh. vor sich ging, bezieht sich in Wirklichkeit auf die Kroa- 
ten, sie sind ja die Bienenmutter aller Slaven, der Begründer der ersten bul- 
garischen Fürstendynastie war auch ein Kroate (die Dynastie selbst bezeich- 
net der Verfasser mit Hrvatoviöi S. 26). 4) Serben gab es in alter Zeit als 
eigenen Volksstamm gar nicht: der byzantinische Kaiser wollte mit »servi« 
bloss die Kriegsgefangenen des Eeiches bezeichnen. Alles das glaubt der 
Verfasser bewiesen zu haben. Anderes wird als Vermuthung ausgesprochen, 
z. B. auf S. 38 Anm. 1 wird gesagt, die kirchenslavische Sprache habe ur- 
sprünglich wohl »kroatisch« geheissen, erst später haben die Fremden und 
nach ihnen auch die Einheimischen »fehlerhaft und unrichtig« diese Sprache 
»altslovenisch« genannt! Da es verschiedene fremde und namentlich auch 
einheimische Forscher gab, die dieselben Fragen vor ihm behandelten, aber 
zu anderen Resultaten kamen, so musste der Verfasser auch dazu Stellung 
nehmen; er wirft ihnen bald politische Tendenz, bald Mangel an Scharfsinn 
vor. Man vergl. seine Aeusserungen auf S. 10 Anm. 4, S. 18 Anm. 1, S. 21 
Anm. 2, S. 32 Anm. 1 und 2, S. 49 Anm. 4, S. 55 Anm. 4. Die reine Wahr- 
heit ist offenbar nur das, was er glaubt und lehrt. Seine Lehre soll eine 
historische Grundlage für jene politische Partei seiner Heimath abgeben, die 
ein von allen fremden Elementen, zumal auch serbischen, gereinigtes Gross- 
kroatien auf ihrem Banner führt. In seinem patriotischen Eifer übersah der 
Verfasser nur eins. Wer, seiner Beweisführung folgend, an die grossartige 
Vergangenheit der Kroaten glauben sollte, müsste unwillkürlich fragen, wie 



Dr. Ruziö, Alte und neue Heimatb der Kroaten, angez. von Jagid. 313 

80 es kam, dass von diesem alten Glanz, dieser einstigen Macht und Aub- 
delinung im Laufe von .lalirliunilerten so wenig übrig geblieben? Ist denn 
wirklich der rielitige Weg, um der fJelahr eines noch weiteren Sinkens der 
Kraft und des Muthes vorzubeugen, dass man sich im einem uns allerlei 
Füttern zusammengestückelten Trugbild des einstigen Glanzes begeistert? 
Dass das, was der Verf. iil)er die Vergangenheit der Slaven und Kroaten ins- 
besondere in dieser Schrift zusammengetragen, ein Trugbild ist, dafür braucht 
es keines besonderen Beweises. Eroperirt mit der gefährlichsten Ktymologio 
des äusseren Wortklanges, z. B. alle Völkernamen, wo er die Silbe l'end-, 
Vind- heraushört, sind ihm Slaven; wo er nur den Namen Chmat, Croat, 
Chorvat U.S. w. antrifft, überall setzt er die Stammesoinheit voraus, als ob 
es nicht möglich wäre, dass derselbe Name als Stammesbezeichnung bei zwei 
oder selbst mehreren dialektisch von einander verschiedenen Stämmen wie- 
derkehrt. Wissen wir etwa nicht, dass es einst einen Stamm der Kroaten in 
dem nordwestlichen Sprachgebiet der russischen Slaven und ebenso in Böh- 
men gegeben hat? Wem ist es nicht bekannt, dass neben den Donau-Serben 
noch heute in Deutschland Serben leben? Die gelehrte Benennung »Sorben« 
ist nur eine willkürliche Differenzirung, die in der eigenen Aussprache der 
sogenannten Lausitzer keine Begründung findet, da sie selbst die Formen 
Serh, Serhj'o, Serby, adj. serbskt (ausgespr. serski) gebrauchen. Vielleicht ist 
es erwähnenswerth, dass die altruss. Chronik im Laurentius-Text den Namen 
der südsl. Kroaten nacli der byzantinischen Vorlage XpoBarc (S. 5) und Xpo- 
Baxi,! iS.44 schreibt, während die russ. Kroaten XüpBaxM (.S. 29. 119) heisseu. 
Dieser Unterschied kommt im Ipatius-Text und dem Synodaltext der Novgo- 
roder Chronik nicht mehr vor. Doch kehren wir zum Verfasser dieser kleineu 
Schrift zurück. In der Benutzung der Werke geht er ganz unkritisch vor; 
Altes und Neues, Brauchbares und Unbrauchbares wird durciieinanderge- 
worfen. Die neuesten Forschungen oder Ausgaben kennt er oft gar nicht, 
gibt falsche Citate, z. B. auf S. 4 Anm. 2 citirt er angeblich aus Jordanes 
cap. 2.J und c. 29 etwas, was man vergebens bei Jordanes suchen wird. Ilanka 
ist ihm llanky und Jirecek nennt er Jiricek. Doch mag der Verfasser auch 
viele Citate nur aus zweiter Hand haben, man kann ihm nicht vorwerfen, dass 
er die Mühe der Arbeit gescheut habe. Das würde uns leicht mit ihm ver- 
söhnen, wenn er nicht nach vorgefassten Einbildungen vorgegangen wäre, 
wenn er auch nur eine Spur des Strebens nach der Objectivität in seiner 
Arbeit verrathen hätte. V. J. 



Kleine Mittheilungen. 



Zur Flexion der slavischen i- Verba. 

Die Verba der vierten Präsensklasse des Slavischen, deren Präsens- 
stamm auf« ausgeht, lassen vor vokalisch anlautenden Endungen dies iinj 
übergehen. Im Altbulgarischen geschieht dies in der 1. Sing. Prs. auf -Jq 
und im Part. Prt, Pass. auf -Jem, vom Imperfekt sehe ich hier ab, ebenso ist 
es im Russischen und den siidslavischen Sprachen, doch sind hier mannig- 
fache, uns jedoch hier nicht weiter berührende Umbildungen eingetreten. 
Anders ist es im Westslavischen. Hier haben ausser der 1. Sing. Prs. und 
dem Part. Prt. Pass. die 3. Plur. Prs., das Part. Prs. Akt. und bisweilen der 
Imp. das i in J übergehen lassen, weisen also auf eine vokalisch anlautende 
Endung hin. 

Gehen wir zunächst vom Imp., da hier die Verhältnisse ganz eigenthüm- 
lich liegen, ab und halten uns zuvörderst an den Ind. und das Part. Prs. 
Wenn man eine Form wie z. B. das poln. jJ^'oszq ganz unbefangen und ohne 
Rücksicht auf die südslavisch-russischen Formen zu nehmen betrachtet, so 
wird man kaum auf eine andere urslavische Grundform dafür kommen als 
*]orosjonto, eine der 1. Sing. *prosJq genau entsprechende Form. Auf der 
andern Seite weist nun aber das o&. prosa auf eine urslav. *pros^U hin, eine 
Form, welche sich von dem südslavisch-russischen in-ospto nur durch das s 
gegenüber dem s unterscheidet. Da nun poln. proszq ebensogut auf *pros(t'o 
wie auf *prosqt-o zurückgeführt werden kann und es mit den übrigen west- 
slavischen Formen ebenso steht, muss *proset^ als Grundlage für die west- 
slavischen Formen angesehen werden. 

Die allgemein verbreitete Ansicht geht nun dahin, dass sich im West- 
slavischen die 3. Plur. an die 1. Sing, im Stammauslaut angeschlossen habe. 
Wie dies eigentlich hat geschehen können, verstehe ich nicht. Bei den 
Verben der ersten und zweiten Präsensklasse stimmten allerdings die 
1. Sing, und die 3. Plur. den übrigen Formen gegenüber im Stammauslaut 
überein, da hier in den Endungen palatale und nichtpalatale Vokale wechsel- 
ten, ein Einfluss dieser beiden Präsensklassen auf die t- Verba ist aber sonst 
nicht zu spüren und darum auch hier im höchsten Grade unwahrscheinlich. 
Sonst geht die Tendenz der Sprachen dahin, Ungleichheiten in zusammenge- 
hörigen Formen zu beseitigen und hier sollte eine solche neu geschaffen sein 
— eine sehr wenig glaubhafte Annahme. Viel mehr würde es für sich haben, 



Kleine MittheiluDgen. 315 

wenn man das siidslavisch-russ. *piosi,lh uls eine Neuerung erklären und das 
westaiav. *proirl% als alt hinstellen künute. 

Nun ist nicht zu leugnen, dass das siidslav.-rusa. *pro«{-<i recht schwierig 
zu erklären ist. Ich will tjern zugeben, dass *}>ros^H aus einem *pronntz her- 
zuleiten ist — ganz einfach ist dies allerdings nicht, wie ich Archiv XV'III 
auseinanderj^esetzt zu haben glaube — , aber wie ist dies ^prosuitz zu er- 
klären? In (las Schema der athematischen «'-Verben passt, wie wir uns nicht 
verhehlen dürfen, ein ^proamth absulut nicht, hier künnte man als 'S. Plur. nur 
*prosjonti. oder *prosj>jU erwarten. Von diesen ist *proKjon(z ausgeschlossen, 
da es nur an po\n. proszq eine StUtze finden könnte, während *prnajtit% wegen 
des oben erschlossenen urwestslav. *pro.'ir(z eine ziemlicho Wahrscheinlich- 
keit für sich hat. 

Kann dies *pro>'jnU auch die Grundform des südslav -russ. *prositz 
sein? Ich glaube ja. Aus *prosj>jtz luüastQ im Slavischen zunächst */>/o,y(,H<i 
werden. Nehmen wir nun an, dass j vor & im Siidslavisch-Kussichen ge- 
schwunden ist, 80 erhalten wir *prosbntz, welches weiter zu dem thatsächlich 
vorhandenen *prosith führen muaste. Die Annahme, dass j vor (. im .Süd- 
slavisch-Kussischen geschwunden ist, kann allerdinj^s, wie ich nicht ver- 
kenne, durch nichts gestützt werden, doch steht derselben auch, wie ich 
glaube, kein Ilinderniss entgegen. Durch dieselbe gewinnen wir aber eine 
befriedigende Erklärung des südslav. -russ. *prosrU, dessen {■ jetzt keine 
Schwierigkeiten mehr macht, und erkennen, weshalb ihm im Westslavischen 
*pros^th gegenübersteht. 

Wie die 3. Plur. ist auch das Part. Prs. zu erklären. Die Grundform ist 
nicht *pros'tni-, wie bisher angenommen wurde, sondern *prosjni-, welches im 
Südslavisch- Kussischen zu *prn,s(t-, im Wcstslavischen zu *pro.irt- ge- 
führt hat. 

Es bleibt noch der Imp. Hier liegen die Verhältnisse im Westslavischen 
so, dass der Imp., welcher auf -i ausgeht, kein j enthält, der Imp. dagegen, 
welcher das -i hat verstummen lassen, ^-haltig ist, vgl. z. B. kasch. pruse und 
poln. ;jrosr. Sehr instruktiv ist hier das Siidkaschubische. Im Allgemeinen 
ist hier der Imp. j-1os z. B. pros^ meslec bildet aber mt'iVe, obwohl es mes/q, 
mesln heisst. Dies zeigt, dass das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein 
des j" mit dem Auftreten des stammbildenden i zusammenhängt. 

Dies stammbildende » kann nun nicht dasselbe sein, welches im Prs. 
vorhanden ist, es muss vielmehr das Modussuffix des Opt. sein. Da es sich 
hier um eine themavokallose Bildung handelt, war das Suffix wahrscheinlich 
ursprünglich im Sing, -/c-, im Plur. -i-. Da der Opt. Prs. dem Präsensstamme 
angehört, muss als ursprünglicher Stamm für den Sing. *pro.y'e-, für den Plur. 
*prosji- angesetzt werden. Beide Stämme sind^-haltig, es muss aber auch 
einen j-Iosen Stamm gegeben haben, wie das Südslavisch-Russische und z. T. 
das Westslavische zeigen. Dieser y-lose Stamm prost- kann nur aus dem 
j-haltigen Stimm pro.y"i- hervorgegangen sein, d.h.J muss im Slavischcn und 
zwar in allen Dialekten vor ~i geschwunden sein. Der Stamm pros-, der sich 
im Westälavischen findet, kann dann nur auf prosje- beruhen. Dies ist nur 
dann möglich, wenn -Jes -Jet im Slavischen zu -jh geworden ist, ein Laut- 



31(5 Kleine Mittheilungen. 

wandel, auf den auch die abg. Imp. duzdb jazdb vezdh hinweisen, der aber 
andererseits auch schweren Bedenken unterliegt. Ich glaube aber, dass diese 
den isolirten Imperativformen gegenüber verstummen müssen, da nur so eine 
befriedigende Erklärung derselben gewonnen werden kann. Geht aber abg. 
dazdb auf *dadjes zurück, so kann auch poln. prosz aus *p7-osjes hergeleitet 
werden. Ich leite daher die J-losen Imperativformen aus dem Plural, die 
y-haltigen aus dem Sing. her. 

Widerspruch könnte hier nur das Eussische erheben, welches i- und 
6-Formen, aber nur j-lose kennt. Die meisten Formen haben aber, wenn ich 
richtig beobachtet habe, volles i, sind also lautgesetzlich ^-los, diese werden 
auch auf die b-Formen eingewirkt haben, falls dies 6 nicht eine speziell rus- 
sische Schwächung des i ist. 

Kurz zusammengefasst geht also meine Ansicht über die ^-Flexion da- 
hin, dass die 1. Sing, und 3. Plur. Prs., das Part. Prs. Akt., der Imp. und das 
Part. Prt. Paas. ursprünglich J-haltig waren. Durch ein allgemein slavisches 
Lautgesetz schwand / vor t, hierdurch wurde der Plur. des Imp.j-los. Später 
schwand im Südslavisch-Russischen J vor &: dies traf die 3. Plur. und das 
Part. Prs. Es blieben alsoj-haltig: 

a. im gesammten Slavischen die 1. Sing. Prs., der Sing. Imp. und das 
Part. Prt. Pass., 

b. im Westslavischen die 3. Plur. Prs. uad das Part. Prs. Akt. 

Im Imp. wurden jetzt theils die j-haltigen Formen mit dem Modus- 
charakter b in den Plural, theils die j-losen mit dem Moduscharakter t in 
den Sing, eingeführt und gelangten bald die einen, bald die andern zur 
Herrschaft. 

Es ist zu beachten, dass der Schwund des J eingetreten sein muss, bevor 
siehy mit vorhergehenden Konsonanten verband, also in sehr alter Zeit. Da 
sich nun hier schon eine Differenz zwischen Südslavisch-Russisch und West- 
slavisch zeigt, ergiebt sich, dass diese dialektische Zweitheilung in eine sehr 
alte Zeit zurückreicht. Dr. Friedrich Lorentz. 



Ein Nachtrag zur Krmpotic-Literatur. 

In Konst. Draganiö's Abhandlung über Krmpotic (Archiv XXIV, 409 ff.) 
finden wir die Behauptung: »Krmpotic hat im Ganzen fünf Gedichte 
geschrieben« — eine Behauptung, die richtig gestellt werden muss. Diese 
fünf nach Kukuljevic's Bibliographie dort aufgezählten Gedichte sind: 
1) Joso Malenica aus dem Jahre 1783 — 2) Radost Slavonije aus dem Jahre 
1787 — 3) Katarine II. i Jose IL put u Krim aus dem Jahre 1788 — 4) Pjesma 
vojevodam austrianskim i rosanskim aus dem Jahre 1789 — 5) Pjesma Crno- 
gorcem izpievana i vojvodi Filipu od Vukasoviö pripievana aus dem Jahre 
1789 (sie!). Die Laibacher Studienbibliothek besitzt die sub 1 und 4 ange- 
führten Gedichte nicht, wohl aber die sub 2, 3 und 5 angeführten, doch ist 
unser Exemplar des letztgenannten (5.) Gedichtes an die Montenegriner und 
an Vukasovic nicht aus dem Jahre 1789, sondern aus dem Jahre 1788. Die 



Kleine Mittheilungen. :\ | 7 

genaue Wiedergabe des Titelblattes in nnscrcm Kxemplar lautet uätnlich: 
Pjesnia Cernojrorceui izpicvana i vojvodi Tilipu u«! Vuka88ovich pripjevanH 
po Josi Korui|)oticlui, vojiiiiskoiiiu »vcslitL'uiku. U Hecsu , BlDVotisom od 
Jose Ilraschauzky MDCCLXXXVIII. — Es fra;^t bIcIi, lialtoii wir hier zwei 
Ausgaben dos nämlichi-ii (iodiclites, oder ist die Wiedfrgabo dos Titels bei 
Draganic resp. Xovotni] ungenau; dcui Draganiö hat näuilich laut seiner An- 
gabe (Archiv XXIV, 45&) nicht die Original-Ausgabe des in Rode stehenden 
Gedichtes vorgelegen, sondern nur Novotni's Wiederabdruck im Bjelovarer 
Gymnasialprogranim vom Jahre 1H77. Die Annahme der ungenauen Wieder- 
gabe des Titels dürfte woiil .her zulässig erscheinen, als die schwer erklär- 
bare Annahme einer doppelten Ausgabe in zwei unmittelbar aulViiiaiider- 
folgenden Jahren. Das (»odicht Nr. .'> gehört somit chronologisch vor Nr. 4. 
Aber etwas anderes wollte ich hervorheben. Ausser diesen fünf Gedichten 
besitzen wir noch zwei in Draganiö's Abhandlung nicht erwähnte, also den 
Knnpoti<5-Forschern unbekannte Gedichte. Diese sind : I. Pisnia xalosna na 
usponieniu (sie!) blagoroilne gospojo Antice rodjeno Arbanas od Lomnice za- 
konite druxbenice visoko vidjenog' i plemenitog' gospodiua Jofe Kerestury 
od Sinerfogga pri carsko-kr:iljev.skiin pri.stoljcm na.^tojnika. Koja dan drugi 
niiseca studenoga bogoljubno priniinu. Sloxena po Jufi Kermpotichu svieto- 
misniku. 1786. U Becsu slovotisom od Geroida. 80. str. 24. — II. Cvil i suze 
djetinske nad nmirajuschim roditeljom. Sloxene po Jofi Kermpotichu c. k. 
dvora sveshteniku. U Becsu tiskopisom od Jose Ilraschansky. 1794. 8<i. 
Str. 24. — Beide Gedichte bewegen sich in trochäischen, durch wechselnde 
Reiniverschlingung abab) verbundenen Achtsilbern, doch zeigen diese vier- 
fiissigen trochäischen Verse hie und da sow ohl in der Silbenzählung als auch 
im Reime die von Draganic (p. 4ül u. 462) angeführten Mängel. — Das erste 
Gedicht ist in vierzeilige Strophen eingetheilt, während das zweite Gedicht 
die Verse ohne Strophcnmarkirung in der Weise aufeinander folgen lässt, 
dass die ungeraden heraus-, die geraden hincingerückt erscheinen. Auch hat 
das zweite Gediclit auf der Kükseite des Titelblattes ein Motto aus lloraz 
(Quis delulerio fit pudor aut modus tarn cari capitis?) und in den Fussnoten 
einige Parallelstellen aus Statins und Ovid. — Beide Gedichte haben je einen 
Sterbefall iu der Familie des aulicus Joseph Keresztury zum Gegenstande. 
Im ersten lässi der Dichter den Joseph Keresztury der in der II. Strophe »od 
Beiice vlastitelj« genannt wird, »iz gizdava Becsa gradaj« an das Sterbelager 
seiner Gemahlin Antica rodj. Arbanas od Lomnice herbeiholen. Die Sprüss- 
lin?e dieses Ehepaares werden in der 52. und 64. Strophe mit Namen vor- 
geführt : 

Narikuje ma' rancsica, A vi moji fokolichi! 

Kcherca milla Therezica, Jabucsice ferdca moga, 

I u zanjiu mizincsica, Krifto i Jofo mladi ptichi, 

Drago diete Anticsica. Slidte chaku predragoga. 

Acht Jahre nach der Mutter stirbt ihnen auch der Vater Jos. Keresztury. 
Den Tod dieses Mannes behandelt das zweite Gedicht. Ein Sohn scheint 
mittlerweile schon der Mutter nachgefolgt, resp. dem Vater im Tode vor- 
ausgegangen zu sein, denn da heisst es im zweiten Gedicht: 



318 Kleine Mittheilungen. 

Oko njega kcheri fcoje Suzam peru lice svoje, 

I brat mladjan medju njima, Teku same svima trima. 

Wer ist nnn dieser Jos. Keresztury? — Ist es der als philosophischer 
und rechtswissenschaftlicher Schriftsteller bekannte Advokat (cf. Rittersberg, 
Kapesni slovnicek novinarsky a konver-sacni, Praha, 1850, 120. [1. 108]) oder 
der in Wurzbach's Biogr. Lex. XI, 179 vorgeführte Jos. Keresztury, der 
öflfentlicher Notar inWarasdin, zuletzt Agent in Wien gewesen? Da das 
Todesjahr des letztgenannten mit dem Erscheinungsjahr des Krmpotic'schen 
Gedichtes genau übereinstimmt, so wäre man geneigt, den gewesenen Waras- 
diner Notar mit dem Freunde des Dichters Jos. Krmpotic zu identificiren. — 
Der Dichter selbst setzt ihm folgende Worte als Grabesaufschrift: 
Keresztury naftojniku 

Kod priftolja cesarova 
I serdarftva priftolniku 
Plemenita Saladova, 
Dubokomu u nauku 

Trudan xivot svershujuchem, 
Za ugodit caru i puku 
Poftavishe umiruchem. 
Laibach, 13. XII. 03. L. Flntar. 



Kelneraj. 

Auf pag. 167 des Archivs XXV hat Lj. Miletic als Beispiel der Kraso- 
vaner Popevke folgende Strophe mitgetheilt: 

»Säjdan jesmo, siitra nesmo, 

Do godine Bog zna desmo. 

Na nebu je slävni raj, 

A na zemni kelneraj. 

A sto cemo mi u räju, 

Tamo pice ne daväju.« 
und daran die Bemerkung geknüpft, es sei augenscheinlich auch aus den 
Worten wie kelneraj.^ dass diese Popevke keine echte und alterthümliche 
Nationallieder vorstellen. Es mag richtig sein, dass wir eine hohe Alterthüm- 
lichkeit der angeführten Strophe nicht eben zuschreiben müssen, wir 
brauchen jedoch derselben ein ziemliches Alter auch nicht mit Entschieden- 
heit abzusprechen, denn anderthalb hundert Jahre mindestens dürfte diese 
Popevka doch immerhin alt sein. Ich w'äre nämlich geneigt aus dem Worte 
»kelneraj '< einen ganz anderen Schluss zu ziehen, und zwar den, dass auch 
die katholischen Krasovaner so wie die Slovenen aus Kärnten, Krain, 
Steiermark und Westungarn seiner Zeit eine rege Betheiligung an den Pilger- 
fahrten nach Köln am Rhein entwickelt haben dürften. Der Ausdruck 
»kelneraj'i erinnert mich nämlich an eine von Davorin Terstenjak im Sloveuski 
Glasnik (Jahrg. 1864 pag. 34 ff.) unter dem Titel »Kelmorajn« veröffentlichte 
Erzählung, betreffend die Wallfahrten nach der «heiligen Stadt« Köln, — 



Kleine MittheilungcD. 319 

dem deutBchen Rom — und ich nehme an, das krasovanischo *kelneruj* «ei 
eine dem slovenischen ■Kelmorajn« analo^^'c, nebenbei an »raj« (Paradiea) an- 
gelehnte ümdeutuuff des fremden Ortsnamens. Die Pilgerfahrten aus Inner- 
österreich und dem südlichen L'n;,'arn zum Hochmlinster von Aachen und zu 
den heiligen Dreikihii-jeu in Köln fanden seit dem 14. bis Mitte des IH. Jahr- 
hunderts statt, uml zwar wiederholten sich diese lleilthuiusfahrteu nach dem 
Niederrhein alle sieben Jahre. Die weithergereisten zahlreichen Scharen der 
Wallfahrer, die grosse und schwere mit Geld besteckte Wachskerzen als 
Opfergaben mitbrachten, wurden hier feierlich empfangen uu<l reichlich be- 
wirihe t. Man vergleiche diesbezüglich die Aufsätze »Windische Wallfahrer 
am Niederrhein« von l'rof. Arnold Luschin — und "Das Hospital Ipperwald 
zu Köln" von Dr. L. Knnen 'beide im Archiv für Heimatkunde herausgegeben 
von Franz Schumi, H. Hd., Laibach 188 1, pag.72 ff. und 1887, p:ig. ItiOff.,'. 

Die Anlehnung des Namens »kelneraj« an »raj« (I'aradiesj liat selbstver- 
ständlich keine Beziehung zum Paradeis iporticus) des Kölner Domes, son- 
dern sie ist lediglich aus dem lustigen Leben und der guten Verpflegung der 
Wallfahrer zu erklären. Man kann es auch ohne Berufung auf den Simpli- 
cissimus (II. Bd. 2U. Cap.; leicht begreiflich finden: gut essen und trinken 
und nebenbei die Schaulust befriedigen, das ist der wahre Bauernliimmel! 
(von trinken und von spise heten sie daz paradise). Und hier in Köln (im 
Ipperwalde) gab es eine reichliche Bewirthung (Erbsen, Riiidfieisch und 
Speck; an Fasttagen Erbsen mit Stockfisch und llolländerkäse; nebenbei 
Brot, Bier nnd Wein, und zwar zwei Pottchen Bier oder eine Pinte Wein), 
Processionen mit Musik und Gesang wurden abgehalten, Tänze aufgeführt 
und Hochzeiten »nach windischer liauernart« gefeiert, ist es da zu verwun- 
dern , wenn der simple Mann bei diesem lustigen Treiben sich zu einer 
Parallele zwischen dem Paradiese des Jenseits und dem Erdenhimmel zu 
Köln verleitet fand und unbekümmert darum, was einem frommen Pilger 
wohl anstehe, in etwas übermüthiger Weise auf das jenseitige Paradies ver- 
zichtete, da dort kein Bier und Wein verabreicht werde, — kurz wenn er 
sich unter Hinweis auf die Vergänglichkeit alles Irdischen zur Aufforderung, 
die Gegenwart zu geniessen und die Gedanken ans Jenseits bei Seite zu 
lassen, in folgender Weise hingerissen fühlte: 

Heute sind wir, morgen nicht mehr. 

Wo sind über's Jahr wir — Gott weiss. 

Was im Jenseits ist der Himmel, 

Ist auf Erden Köln am Rhein; 

Doch was sollen wir im Himmel, 

Denn dort schenkt man keinen Wein! 
Seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts haben diese PilgerzUge 
aufgehört, sie sind nämlich behördlich abgestellt worden; — nach dieser Zeit 
kann also das Liedchen nicht entstanden sein, sondern muss wohl älter sein, 
denn wir werden doch nicht annehmen, dass es aus der Erinnerung, sondern, 
dass es aus dem Pulsen des wirklichen Lebens hervorgegangen. 

Nebenbei sei noch bemerkt, dass bei den Slovenen im XVI. Jahrh. die 
synkretistische Form skel (= z' köln) üblich gewesen. Trüber schrieb im 



320 Kleine Mittheilungen. 

»Catechismus s dveima islagama« (1575) auf S. 252 : »V tim Abi fe diuice Ma- 
rye Srakiza, Jofefoue hiazhe, V skeli ty terye krali, v ti Tryeri Criftufeua 
lukna fe kasheio«, und auf S. 270: »V skelu te try krale [zhefte]«. Vergl. 
das sloven. Cmurek (aus z' Mureck).. Bezüglich des s in skel statt des er- 
warteten ekel (= z' Köln) könnte man vielleicht an die umgekehrte Ers^hei- 
nunsr cviba für sviba erinnern. L. Pintar. 



Helmold's Zcernehoch im angelsächsischen Olymp. 

Veranlasst durch die von W. Nehring im Archiv f. slav. Phil. XXV, 66 f. 
neuerdings angeregte und recht hübsch gelöste Frage über Beibog, wobei 
selbstverständlich dessen Gegenstück Zcerneboch nicht ausser Acht gelassen 
werden kann, erlaube ich mir, den Lesern dieser Zeitschrift — natürlich nur 
als Curiosum — mitzutheilen, dass dieser Zcerneboch Helmold's nicht blos 
einen Beibog im Kopfe der Mythologen erzeugt hat, sondern auch aus seinem 
slavischen Olymp oder Tartaros ausgezogen und unter die Gottheiten der 
Angelsachsen übergesiedelt ist. Die Umsiedelung scheint die weltberühmte 
Firma Walter Scott besorgt zu haben. Wenigstens heisst es in ihrem be- 
rühmtesten Romane, Ivanhoe (Kapitel XLII, Absatz 5), wo beschrieben wird, 
wie betrügerische Mönche bei einem nur scheintoten angelsächsischen 
Adeligen Totengebete verrichten und Totenwache halten, unter anderem so: 
»In maintaining this pious watch and ward, the good monks were particu- 
larly careful not to Interrupt their hymns for an instant, lest Zernebock, the 
ancient Saxon ApoUyon, shonld lay his clutches on the departed Athelstane.« 
Nachdem dieser Athelstane auf wundersame Weise aus der Gewalt und dem 
Gewahrsam der Mönche sich befreit und in sein Schloss gerettet hatte, ruft 
er, als einige von den Personen, denen er sein Abenteuer erzählt, sich heim- 
lich entfernt hatten, ohne dass er es bemerkt hätte, voll Erstaunen: »By my 
halidome! it is certain that Zernebock hath possessed himself of my Castle in 
my absence « (ibid., letzter Absatz). 

Walter Scott schöpfte diesen »sächsischen Apollon«, der seine Klauen 
nach dem Toten auszustrecken droht, offenbar aus einer Quelle, die auf die 
Bücher jener von W. Nehring im Archiv S. 69 angeführten Alterthums- 
forscher zurückgeht, welche mit mehr oder weniger Kritik alles mittheilten, 
was sie über den Kultus der ehemaligen Bewohner der später sächsisch ge- 
wordenen Länder und Landschaften bei alten Chronisten vorfanden. So 
ward denn der nach Helmold in den ehemals slavischen, später saxonisirten 
Ländern gekannte Diabol sive Zcerneboch zu einem Dämon der Provinz 
Sachsen, bis ihn zuletzt wahrscheinlich der englische Romancier selbst, der 
sich auf die Verwandtschaft der Sachsen und Angelsachsen stützte, zum 
angelsächsischen »Apollo« umstempelte. Zur Annahme, dass Zcerneboch ein 
germanischer Dämon sei, konnte er durch den zweiten Theil dieses Wortes 
(bog = Gott) verleitet worden sein, welchen er als german. bock (engl, bück) 
auffasste, gestützt auf den allgemein verbreiteten Volksglauben an die 
Bockshörner und den Bocksbart des Teufels. K. StrekelJ. 



Zur Entwickluii^s^cscliiclitc dci- shn iM-hcii Itciiiiimiiv 
1111(1 Aiiiplilicativsiittixr. 

Die Ailjoctiva. ^j 




I. Vorbe merk linken. Ans 
(1(11 unten anzuführenden Hei- 
si»ielen wird man leielit ersehen 
kJinnen, dass die hierher ge- 
hiircnden Suffixe uieistentlieils 
Steigerungsbedeutung besitzen, 
so dass es mir nicht un- 
/wcckmässig erscheint, darauf 
aufmerksam zu machen, dass 
man sie doch immer von den 
echten Comparatiousbildungen 
scheiden soll. Zwischen bei- 
den waltet gewöhnlich ein 
grosser Unterschied, eine Kluft, 
die man nur in sehr seltenen 
Fällen zu überbrücken vermag. 
Der Bedeutung nach scheint 
es, als ständen sie von einander 
gar nicht so weit ab, — in 
beiden Fällen steigert mau die Grundbedeutung, — und doch ist in 
den C'omparationsbildungen ein Zug vorhanden, den man umsonst 
bei den hier in Betracht kommenden Beispielen der Adjectiv- 
bildungen suchen wird, der aber eben der Comparation ihr eigen- 
artiges Gepräge verleiht. Das ist nämlich die Stellung eines 
Gegenstandes zu einem oder mehreren anderen, die durch das 
Suffix der Comparationsbildungen mitbezeichnet wird neben der 
Bezeichnung des Kesultates dieser Comparirung, der eigentlichen 



1 S. Archiv XXIII 134 rt. 

Archiv für slavisolio Philolotrie. XXVI. 



21 



322 A. Beliö, 

SteigerungsbedeutuDg. IndenDemiDutiv-imdAmplificativbilduLgen 
findet mau eben diese, die Entgegenstellung derObjecte, nicht, 
sondern nur die absolute Modificirimg ihrer Bedeutung in ver- 
schiedenen Richtungen, ohne jede Rücksicht auf alle andern, ähn- 
lichen oder unähnlichen Gegenstände. Darnach gleichen diese Bil- 
dungen dem Positiv der andern Adjectiva; darin liegt ebenfalls 
die Ursache, warum solche Suffixe sehr selten, besonders in den 
slavischen Sprachen, zum Ausdruck der Comparation gelangen. Das 
gilt auch für andere indogermanische Sprachen, und ebenso hat es 
für die indogermanische Ursprache gegolten. In Bezug auf diese 
hält Brugmann dafür (Grundriss II 420 fiP., vgl. auch Sommer, 
Ind. Forsch. XI 1 ff., 205 ff., Delbrück Vgl. Synt. I 411 ff.), dass 
wenn das Suffix seine Bedeutung nicht vom Stamm bekommt, der 
Anstoss für die Comparationsbildungen von den Bildungen, die 
eine vergleichende Entgegenstellung oder aber Raum- oder Zeit- 
anschauung darstellen, gegeben wurde. Ausserdem, was mich hier 
am meisten angeht, führt Brugmann noch ein wichtiges Moment 
für die Comparationsbildungen an, nämlich den Begriff der nur 
relativen Giltigkeit dessen, was das Adjectiv besagt (a. a. 0. 420). 
Dieses findet man, wie es nicht schwer zu erkennen ist, in unsern 
Adjectivbildungen. Ich leugne nicht, dass auch solche Fälle vor- 
kommen können, wo das Suffix, das anfangs die Adjectivbedeutung 
bloss steigert (vgl. das Suffix -ükas im Lettischen und -okas im 
Lit), zur Comparation gebraucht wird, und doch meine ich, dass 
man das nicht als Regel aufstellen kann, da für diese Erscheinung 
auch solche Bedingungen nöthig sind, die von den Deminutiv- und 
Amplificativbildungeu unabhängig sind. In solchen Fällen ist es 
unbedingt nothwendig, dass die etymologische Comparativbildung, 
die auf eine ganz andere Weise zu Stande gekommen ist, zur 
blossen Amplificativbildung herabsinkt, so dass auch die Suffixe, 
die von Haus aus in Amplificativbildungeu gebräuchlich sind, da- 
durch für Comparationsbildungen gebraucht werden können. Das 
ist nämlich die Brücke, die von Amplificativbildungen zu den com- 
parativischen hinüberleitet, und ich muss hinzufügen, jedes Adjectiv 
kann im Satze oft auch derartige Comparativ- oder Superlativbedeu- 
tung haben, wo nicht die Gegenüberstellung der Gegenstände, 
sondern nur die Potenzirung, Steigerung der Adjectiveigenschaft 
das Hauptmoment ist, vgl. russ. Positiva MeubiuoH, dojitmöii, poln. 



Zur Entwicklangö}^e8chichte (J. sUv. Deminutiv- n. Ainplificativsiiffixe. 323 

/nihz;/, unten 5? 2'). 54, Delbrück op. c 110 f. ha licrUlin'ii sieh 
unsere Bildiin^^^en mit der Companitidn, die letzte aber entledigt 
sieh in diesem Falle mehr odiT weniger ihres ein/Jgeu spcciellen 
Kennzeichens, der (.'nniparirung. 

2. Ich werde mich hier, wie in dem ersten I lnil dieser Ab- 
handluni; (Arch. XXIII), der vergleichenden .MetJutde bedienen. 
Sie ermöglicht mir, in der Oeschichte dieser Sut'tixe zwei Punkte 
festzustellen: den l'unkt ihrer Hntwicklung in der slavisehcn 
lJrsj)raehe und ihren heutigen Zustand. Dabei entziehen sieh 
unserer Beoi^achtung manche Kreignisse, die nian mögljeher- 
weise aus den älteren Denkmälern entdecken könnte; viele aber 
würden auch in diesem Falle im Dunkeln bleiben, denn die slavi- 
schcn Denkmäler geben in keinem Falle das genügende Material, 
auf Grund dessen man eine documentirte, historische Staninddl- 
dungslehre bekommen könnte. Darum müssen wir uns auch mit 
den grossen Zügen der geschielitiichen Kntwicklung, die zu Stande 
zu bringen unser Material gestattet, begnügen. 

3. Daraus wird man sehen, dass einige Suffixe, die in der 
slavischen Ursprache im Gebrauch waren, in einigen slavischen 
Sprachen jetzt ganz unbekannt sind. z. B. das Suffix vä im Pol- 
nischen, oder aber, dass einige Suffixe, die in der slavischen Ur- 
sprache einfach, in den jetzigen slavischen Sprachen zusammen- 
gesetzt sind. Hierher gehört das Suffix «r//, 7,c/i, xd und andere, 
vgl. § 21 tf. Der Grund liegt in mehreren Umständen. In einigen 
Fällen wird ein Suffix unter gewissen Bedingungen so selten, dass 
seine Bedeutung noch kaum deutlich genug war, so dass es durch 
ein weiteres verstärkt wurde. Dazu iiat auch der Umstand viel bei- 
getragen, dass einige Suffixe, die in adjectivischem Gebrauch waren, 
auch für Substantivirung der Adjectiva gel)raucht werden, z. B. 
ucho, urha und andere, so dass es nöthig wurde, und das geschah 
allerdings unbewusst, die Adjectiva durch noch ein Suffix zu kenn- 
zeichnen. Andere alte Suffixe werden durch die neueren ver- 
drängt, die auch nur aus alten und neuen zusammengesetzt oder 
aber auch ganz neu (vgl. Archiv XXIII S. 135 ff.) sein können. 

I. Allgemeiner Theil. 
A. Die Form der Suffixe. 

4. Die Adjectivsuffixe kann mau nicht, wie die der Substan- 

21* 



324 A. Belic, 

tiva, der Form nach in einfache und zusammengesetzte scheiden, 
da sie beinahe immer als zusammengesetzte erscheinen. Wenn ich 
aber trotzdem, auch in Bezug auf die Adjectiva, von der Einfach- 
heit rede, so ist das nicht als absolute Einfachheit zu verstehen, 
sondern nur als Unzerlegbarkeit der in Betracht kommenden Suffixe 
bei Adjectiven, obwohl dieselben bei Substantiven auch als zu- 
sammengesetzte gelten können. 

5. Darum, meine ich, ist es am gerathensten, alle Suffixe dem 
Ursprung nach zu gruppiren, da sich bis zu einem gewissen Grade 
auch ihre Form danach richtet. In Bezug auf den Ursprung der- 
selben kann man drei Gruppen aufstellen: 1) alte Adjectivdeminu- 
tivsuffixe, 2) solche, die in der Form mit den substantivischen 
übereinstimmen, und 3) solche Suffixe, die auch in andern Adjectiva 
ohne Deminutiv- oder Amplificativbedeutung erscheinen, die sich 
aber von der ersten Gruppe dadurch unterscheiden, dass sie immer 
neu und einzelsprachlich sind. Wenn sich aber doch zwei oder 
drei slavische Sprachen in der Anwendung eines solchen Suffixes 
decken, so ist das noch nicht dem gemeinsamen Ursprung derselben 
zuzuschreiben, sondern der Bedeutungsähnlichkeit oder der Iden- 
tität der betreffenden Suffixe in andern Fällen. Die Suffixe der zwei- 
ten Gruppe sind der Entstehung nach ebenfalls einzelsprachlich, da 
alle zusammengesetzten Suffixe überhaupt einzelsprachlich sind 
(Arch. XXIII 138). Das schliesst selbstverständlich die Ueberein- 
stimmung der Suffixe in verschiedenen slavischeu Sprachen nicht 
aus, was vom ähnlichen Material, welches die Substantiva den Ad- 
jectiven in verschiedenen slavischen Sprachen zu Gebote stellen, 
abhängig ist. In der Anwendung der Suffixe der ersten Gruppe 
weichen die slavischen Sprachen im Allgemeinen von einander 
nicht viel ab, stimmen aber darin auch mit dem Baltischen überein. 

6. I. Zu der ersten Gruppe gehören: a) oc/t + w^ cech. sloven. 
serb. (§ 22), ^ck -\- hn slov. (ib.), ich + oükij russ. (ib.), ich -|- enkij 
russ. (ib.), ich -i- hk russ. (ib.); b) uch + ny wssr. poln. cech. (§ 23), 
tich -f- hn slov. serb. (ib.), tich -\- eiikij klr. wssr. poln. mähr., uche- 
necki poln. (ib.), uchi poln. (ib.), uch -\- hk cech. (mähr, sloven.) (ib.), 
usast slov. serb. (ib. u. § 34), uskast serb. (§ 34); c) ucky cech. poln. 
(§ 36); d) utki wssr. pohi. cecb. (§ 29), utehkij wssr. poln. (ib.), 
utenel.ki poln. (ib.). 

n. Zur zweiten Gruppe gehören die folgenden Suffixe: a) ova- 



Zur Entwicklungsgeschichte d. slav. Deminutiv- u. Anjplificativsuffixe. 325 

tijj riiss. (§ 30): b) <//// (Ccli. slovcii. (§ 32), kljat slov. (§ 33), mit 
sloven. (ib.), cal serb. (ib.); c) ast ceob. slov. (§ 34), käst slov. serb. 

ib.), kljast slov. (ib.), lukast serb. (ib.), karast «erb. (§ 11 u. 31 , 
ikast slov. serb. (§ 34), Hast sluv. serb. ib.), «//(/*/ serb. (§i} 35, 3b), 
ulast serb. (§ 35); d) /.s7*^' russ. (§ 35); e) cit serb. (ib.); f) avijj 
niss. polii. cccli. sloven. (i? 50); p un serb. (§ 39); h) hn slov. serb. 

§ 40), i^n Ikhii u-bu i<h,n slov. § 4*i\ »-r?,// r/-?.// »V?./* irkhn slov. 
(ib.), oii« slov. (ib.). 

III. Zur dritten (Iruitpe ^^cböron tol^rendi; Sut'lixc: a; hkh russ. 
polu. sluv. serb. (ij 37), iJi.k slov. serb. (ib.) ; b) ciikij russ. iiolii. 
'§ 43); c) /«/,(/■ russ., inciikijk\v. (§ 48); d) ow^i/ russ. tceli. (serb. 
e) ui'ikij russ. t-ecli. (serb.), unenkij russ. poln. (§4(1), uiieznij^Xw 
(§ 54); f) idcnkij cecb. uUnkij ulilinkij [^ 38), uUikij cecb. (ib.), «^//a«/; 
serb. (ib.). 

7. Es ist nicbt so leicbt, jetzt die Suffixe der ersten Gruppe 
von denen der zweiten zu untersebeiden, weil sie sieb iiueb bei 
Substantiven vorfinden, und nur der Linstand, dass sie nicbt wie 
die andern neuen Substantivsut'ti.xe erklärbar sind, und dass mau 
sie bauptsächlieh bei Adjectiven anwendet, führt mich zur Ver- 
muthuni;', dass sie in der slavischen l'rspraehe, wenn nicht aus- 
schliesslich adjectivisch, so in Adjectivbilduugen ebenso oft wie in 
substantivischen vorkamen. Das <i:ilt für die Suffixe luki'i rech., 
<<//.;//■ russ., i)ülu., cechisch. Das sul)stantivische Suffix iik mit De- 
minutivbedeutung ist im Öecbischen kaum anwendbar (vgl. Archiv 
XXIII 157 — 158), so dass die Annahme, es sei von Substantiven 
Übernommen, sehr unwahrscheinlich wäre. Auf der andern Seite 
aber braucht mau es im Russischen und Serbischen als Substantiv- 
suftix, und da in den beiden Sprachen neben ihm kein Adjectiv- 
suftix tik besteht, ist es klar, dass dieses Suffix im Urslavischen 
gleich substantiviscb und adjectivisch war. Das könnte leicht auch 
für das Suftix hk gelten, obwohl es mir wahrscheiulicber vorkommt, 
dass dieses im Urslavischen hauptsächlich substantivisch war. 
Die Suffixe mit uf aber, wenngleich ott, im Urslavischen substanti- 
visch war, waren in der slavischen Ursprache wohl adjectivisch. 
Zu dieser Vermutbung führt uns der Umstand, dass sie in den 
slavischen Sprachen, wo die Suffixe an -id- bei Adjectiven häufig 
vorkommen, bei Substantiven kaum bekannt sind. Es ist jedoch nicht 
ausgeschlossen, dass diese Suffixe in Substantiven hie und da auch 



326 A. Belic, 

im Urslavischen angewendet sein könnten, jedenfalls aber ist es 
unzweifelhaft, dass sie schon in der Epoche der Scheidung der sla- 
vischen Sprachen als substantivische Suffixe in der Häufigkeit der 
Anwendung vor der Anwendung bei Adjectiven zurückgetreten 
waren. 

8. Was die etymologische Seite der Suffixe der ersten Gruppe 
betrifft, so ist sie nur für das Suffix -ucha ^cha klar. Sie gehen auf 
sehr alte, baltisch -slavische Suffixe zurück. Den Suffixen uk ut 
aber entsprechen keine, weder litauische noch solche der andern 
indogermanischen Sprachen. Und doch, wie es gezeigt wurde, 
sind sie alt genug und gehören der slavischen Ursprache an ; noch 
mehr, sie sind daselbst wohl auch entstanden, und zwar auf 
folgende Weise. Wenn man sich die lautliche Seite der Suffixe 
uch^ uk und ut näher ansieht (§18 ff.), wird man sehen, dass sie 
genau, fast in allen Einzelheiten, übereinstimmen und von andern 
Suffixen als ein Ganzes abweichen. Sie stellen nicht nur einige 
Aehnlichkeit, wie es auch sonst vorkommt, vor, sondern ein 
strenges, gut geregeltes, so zu sagen, stilisirtes System, wo ein 
Glied dem andern genau entspricht. Wenn man ausserdem weiss, 
und darüber belehrt uns Miklosich (vgl. Gr. II, 200—201, 253—254), 
dass sowohl ut wie tik in w^enigen Beispielen mit andern Bedeutun- 
gen vorhanden sind, und dass die wenigen, die bekannt sind, einen 
Adjectivstamm oder ein Onomatopöeticon enthalten, und unklar oder 
unrichtig von Miklosich den Fällen mit diesen Suffixen zugerechnet 
sind — dann wird es klar, dass von diesen Fällen aus die Suffixe, 
von denen die Rede ist, nicht verbreitet sein können. Nur das 
Russische sträubt sich dagegen mit seinen ziemlich zahlreichen 
Fällen, wo dieses adjectivische Suffix als Substantivsuffix er- 
scheint. Dabei muss aber der Umstand in Betracht genommen 
werden, dass solche Nomina, wenn sie Nomina agentis oder den 
Träger einer Eigenschaft bezeichnen, Deteriorativbedeutung be- 
sitzen, so dass die Annahme nicht unmöglich wäre, dass diese 
Bildungen ihr Suffix von Deminutiven, wo es im Russischen auch 
oft vorkommt, bekommen haben (vgl. darüber Archiv XXIII 150). 
Für die letztern sind bei Miklosich (a. a. 0. 253—254) folgende 
Fälle angeführt: kleinrussisch lazfmk Balneator, sel'uk Landsmann, 
Weissrussisch, hiaznuk Minderjähriger, hindzuk homo piger, psuk 
Feigling, bahnuk Weibernarr. Wenn das richtig ist, dann muss man 



Zur Eiit\vi(kliinj,'sgeschiclitt' cLsliv. Deuiinutiv- u. AiupUficativBiiffixi-. 327 

7,11 der llypotliese {5'elaugen, duHS die obif^en Hildini;,aMi ihr Siiftix 
ihrer Bedeutung; verdanken, d. h. dass dasselbe in den Uendnntiv- 
bildnni^eu u. ähnl. zu Stande ;;ek(»niinen is't. Und wenn man damit 
vergleicht, was Über ihre lautliche Seite oben j^'esagt und in i? IS 
gezeigt wird, so wird das natürliehste sein, an/.uuehuien, dass diefic 
beiden Suffixe unter der Kinwirkung der Analogie des Snllixes url, 
entstamlen sind. Neben dem Sul'lix ttrh war im Irslavisciicn aueli 
das Sut'tix hdi bekannt, dem Substantivsuffix utiti ent8|)reeheud, 
und auf<Jrund des Litauischen (vgl. Leskien "Xominat 120) kann 
man auch ein adjectivisches 77-Suftix, ebenso, nur mit noeh viel 
mehr Wahrscheinlichkeit, ein Deminutivudjectivsuffix ^k voraus- 
setzen (vgl.7./i(. bei Sui)stantiven und dasselbe Suffix für Substantiva 
und Adjeetiva im Litauischen, a. a. 0. 2ö7 — ;3ü8). Den alther- 
gebrachten Suffixen ^ch : uch machte man zu %t, vk — ut, uh nach. 
Was die Form dieser Suffixe betrifft, siehe § 19. 

U. Obwohl ich P^infachheit oder Zusammengesetztheit der hier- 
hergehörenden Suffixe nicht der Scheidung dersell)en in Gruppen 
zu Grunde gelegt habe, künnen sie nichts desto weniger so gut 
einfach wie zusammengesetzt sein. In der letzten Art kann 
man zwei Bildungen unterscheiden: I) solche zusammengesetzte 
Suffixe, wo die beiden Theile des Suffixes Adjectivdemiuutivsuftixe 
vorstellen und so empfunden werden, so dass dies nur eine Art der 
»weitereu Stcigeruugi ist, und 2) solche Fälle, wo das ganze Suffix 
die Verknüpfung eines Stammtheiles und eines Adjectivdeminutiv- 
suftixes vorstellt. 

10. Zu der ersten (Iruj)pe gehören folgende Suffixe: hk-iibk 
serb. (s? 37), iitenki-utenieczki poln. (§ 29), usienki-itsienieczki poln. 
§2S), unkij'-Kneükij VHS». (§4t)), titki-utenki poln., uiki-usienki ^oXw. 
(§ 28 u. ähnl. Der zweite Bestandtheil des Suffixes ist, wie man 
sieht, ein Adjcctivsuffix, welches auch sonst aufzutreten pflegt. 
Jetzt kann man nicht immer diese Suffixe auf ihre Bestandthcile 
80 zerlegen, dass man für Jedes Glied behaui)ten könnte, es sei 
ein Suffix, das auch absolut gebraucht werden kann, sondern 
manchmal laufen ähnliche Suffixe neben einander in der Weise, dass 
sie nur der erste gemeinsame Bestandtheil verbindet, so dass die 
eine von solchen Bildungen den Schein hat. als wäre sie diejenige, 
von der die andere abgeleitet ist. Z. B. findet man im Cechischen 
neben ulenkij ulinki/ auch ulicki'i, oder es ist neben uchnyj weissr. 



328 A. Belic, 

polD. cech. auch *-uchehkij\ ^iicJihktj (cech.) vorhanden, obwohl 
einfachere Suffixe mit ul oder uch bei Adjectiven unbekannt sind. 

Der zweite Theil des zusammengesetzten Suffixes kann auch 
zusammengesetzt sein. Das ist gewöhnlich der Fall, wenn das 
Suffix, das den ersten Theil des zusammengesetzten Suffixes bildet, 
eingebüsst wird als selbständiges Suffix. Z. B. in malib'c^o kann 
icko durch iliJihj^ das aus vanXilinkij -maly abstrahirt ist, ersetzt 
werden. 

Ausser diesen Fällen, wo man noch immer mit der Modifici- 
rung des zweiten Theiles des Suffixes zu thun hat, ist im Cechi- 
scheu eine interessante Bildung bekannt, wo der erste Theil des 
Suffixes verdoppelt oder verdreifacht sein kann. Z. B. : senicky. 
senicicky, malicky, malicicky, malicicicky u. ähnl. Dazu ist man 
auf Grund falscher Abstrahiruugen gekommen: von maly-mah'f'X// 
wurde ickij als selbständiges Suffix abstrahirt, durch welches man 
den zweiten Theil des Suffixes in 7naUckij ersetzte: malicicky. So 
bekam man folgende drei Bildungen: mahj^ malickij, malicicky, die 
gewiss auch leichte Modificirungen der Grundbedeutung der Ad- 
jectiva mit sich brachten, die aber den ti'ügerischen Schein hatten, 
als wären sie von einander durch die Vermengung des ersten Theiles 
des Suffixes gebildet, so dass man auch weitere Deminution auf 
dieselbe Weise machte: malicicicky. 

11. Zu der zweiten Gruppe gehören Suffixe wie: kljat sloven. 
(§ 33), nat slov. (ib.), caf serb. (ib.), käst slov. (§ 34), klj'ast slov. 
(ib.), ikast slov. serb. (ib.), icast slov. serb. (ib.), uljast serb. (§ 35, 
38), olast serb. (§ 35), hn slov. (§ 42), ckhn slov. (ib.), c^n slov. (ib.), 
%chn slov. (ib.), ck^n slov. (ib.), ^c^n slov. (ib.), ickhn slov. (ib.), icb7% 
slov. (ib.), ickhn slov. (ib.), oh^7l slov. (ib.), uhast slov. (§ 34), uskast 
slov. (ib.) u. ähnl. 

12. Solche Verallgemeinerungen waren darum möglich, weil 
man oft von secundären Substantiven solche Adjectiva bildete, die 
zu den primären in ein näheres Verhältniss tretend, zu der Ab- 
strahirung eines Theiles des Substantivstammes führen mussten. 
Z. B. war im Serbischen neben cäsi auch caMau, bekannt, von wel- 
chen man caamaT (ganz allein) bildet: von cäM (allein) : caimäx 
(ganz allein) abstrahirte man das Suffix i];aT. In vielen Fällen ist 
dieser Vorgang nicht so einfach wie in cäMu,äT, z. B. im Suffix 
-karast im Serb. (atyhKapacT). Da wirkte die Analogie der Fälle, 



Zur Entwicklungsgeschichte d. slav. lU'iniiuitiv- u. Aiiiplificativsuffixc. 32*) 

WO neben ast aucli arai>f l)ekannt ist, /,. 15. iipyTacT-npyTapacr, 8o 
(lass unter Kinwirkun^^ snlchcr Füllr amli ih-Ik-u /mst ein /curasf 
geschaffen wurde u. älinl. 

ri Au8!<er den erwälinteu IJildun^aMi ist noch eine ganze 
Reihe vereinzelter Suffixe vorhanden, die entweder fremd oder auf 
eine von den gezeigten Arten entstanden (»der aber auch ganz 
neu sind: u.'^y i)oln. ("ech. (i? .')!;, tinttjj russ. poln. rech. (serb. 
{§ 52i, )izy poln. (t> 55 , il kertit'i-icherny cech. (ib.), kurast serb. 
(§ 3 H, cznij-oznij kleinruss. (§ 54), u'scij-i'siij rus8. (§ 53). 

B. B e d e u t u n g d e r S u f f i X e. 
11. Zwischen den verschiedenen Bildungen dieser Art kann 
man so viele L'ebergäiige in der Bedeutung konstatircn, dass e.s 
nicht leicht ist, immer feste Grenzen zwischen denselben zu ziehen, 
sie nach den festgestellten Kategorien zu classiliciien. Die wich- 
tigsten kann man doch, meine ich, in folgende vier Punkte zu- 
sammenfassen: 1) sie modificiren nur leicht die Grundbedeutung 
der Adjectiva. sind steigernd oder mildernd; 2) sie verstärken 
(Ampliticativbedeutungy oder 3) verengern dieselbe (Deminutivbe- 
deutung). 4) Endlich kann ein solches Suffix nur einen hypocoristi- 
scheu Zug in die betreffende Bildung hineinbringen. Z. B. 6or;ai,bKo 
klr. reichlich, u.iuujko serl). hyp. «"ltüio (wohl , i.n.upiaK serb. ampl. 
KiuiiK (wie gross), Be.ui'iKnil klr. ziemlich gross, TiixiinbKnil klr. sehr 
ruhig, lepihk slov. gar hübsch, niedlich, belicbk slov. schön weiss, 
.xyiä'iaix serb. lang, nizoulkij cech. sehr niedrig, zluioiukij cech. zart, 
stark, hübsch gelb, teploulko warm, siiuKOMOüiiTLiil etwas bekannt. 
KupHonaTo gehörig fett, BLicoKOBaTO zu hoch, r.iyooKoiiuTLiii tief ge- 
nug, rpy3HouiiTLiil mehr oder weniger schwer beladen, slov. ru- 
mqnkljut gelbblond, uiiAufceui^KO ganz hell, gohhon ganz nackt, 
AypHexoHBK'L überaus schlecht, aia.ioöneuieueK'i. äusserst kläglich, 
caluchny = zupehne ca/y, ui-iuiibKun selir weiss ^ u. s. w. 

Die hypocoristische Bedeutung mancher Wörter hat dazu 
beigetragen, dass die Specialbedeutuug dieser Bildung so vei- 
blasste, dass man sie nicht mehr von der Grundbedeutung unter- 
scheiden konnte, z. ß.: jyniqaK lang im Serbischen zu jiyv fvgl. 
Arch. XXIII 142 . 

1 Die Terminologie^ bei der Aufstellung solcher Bildungen ist oft ver- 
fehlt: z.B. bezeichnet Zelechovski 6i.i'jiii.Kiii als Deminutivbildung mit 
der Bedeutun'' »sehr weiss« u. d. m. 



330 A. Belle, 

15. Die oben aogefUhrten Bedeutungen dieser Bildungen sind 
von einander nicht so getrennt, wie es nach dem obigen erscheinen 
mag, sondern ein Suffix kann oft in einer und derselben Bildung 
mehrere, wenn nicht alle Bedeutungen haben. Schon das führt 
uns zur Vermuthung, dass die durch ein Suffix in solche Bildungen 
hineingetragene Bedeutung unter der Einwirkung ihrer Anwendung 
im Satze alle andern Bedeutungen bekommen konnte. So z. B. hat 
das serbische Suffix aK folgende Bedeutungen : y6o2taK = y6or arm, 
AyrtViaK = ^yr l^ng» öjiauiKo hyp. fuliro wohl, Ma.iKo dem. wdjio we- 
nig, HejaqaK dem. nejäK schwach, JiärayaK dem. jraran leicht, ysa^iaK 
dem. ysaK eng, jy^a^aK dem. JiyA thöricht, nyiia^iaK dem. ujn voll, 
ciaöa^iaK dem. cjiäö schwach, cysayaK dem. cyB trocken, KOJiHiiaK 
ampl. KoiTiiK wie gross, OBOjinqKH ampl. obojiiikh so gross, BejiHKätiaK 
ampl. Be.iHKH gross, oBOjinKä^iKH ampl. OBOJinKii so gross u. ähnl. 
Daraus erhellt, dass das Suffix tk im Serbischen alle obigen Be- 
deutungen haben kann, und doch ist allbekannt, dass es von Haus 
aus nur die deminuirende oder, für die Adjectiva richtiger, ver- 
engernde Function gehabt hat. Mit andern Worten, die mildernde 
oder verengernde Bedeutung der Adjectiva kann in alle übrigen 
übergehen. Diese Erscheinung hat einen priucipiellen Charakter; 
sie tritt uns bei verschiedenen Suffixen entgegen ; darum gehe ich 
auf sie näher ein. Wenn man eine Bildung mit milderndem Suffix 
in verschiedene Satzbindungen versetzt, so wird die Verschieden- 
heit ihrer möglichen Bedeutungen nicht befremden. CysayaK 
»etwas trocken« ist ein sehr relatives Mass der Eigenschaft; wenn 
mau einen Gegenstand mit solchem Attribut andern gegenüber- 
stellt, so kann sich seine Bedeutung nach ihnen richten, da in 
»etwas« das Mass noch sehr ungenau angegeben ist; es schw^ankt 
zwischen mehr oder weniger z. B. trocken, d. h. in einem Falle be- 
zeichnet es, was von der Bedeutung des ganzen Satzes abhängig 
ist, weniger, in einem andern mehr trocken. Wenn dieses Mass, sei 
es noch so gering, doch das übertrifft, welches im gegebenen Falle 
nöthig ist, so bekommt die ganze Bildung eine amplificative Fär- 
bung, etwa »genug«, welche weiter in die Bedeutung der Fülle: 
»zu«, »recht«, »überaustf, »äusserst«, »sehr«, übergehen kann. Das 
illustriren bis zum gewissen Grade die pronominaladjectivischen 
Bildungen wie kojihk, obojiikh u. ähnl.; die Deminutivbildung ko- 
jimaK bedeutet »wie gross«, obwohl diese Bedeutung weder im 



Zur Entwicklungsgeschic'Jitf il. «lav. Deininiitiv- ii. Amplificativsuffixe. '.V,U 

Suffix noch im Stumme seihst lieg:t. Ks ist klar, du88 diese Hilduni,' 
eiuinal die lU-deiitiiu;^ "wie ^ross« otler wie klein« hatte, welche 
sie nur Dank ihrer Anpassung an verschiedene Cjle;,'enstände hckam,- 
und erst, als fUr Ausdrucke wie »wie klein " eine andere Hildunj; 
eingetreten war, etwa »Kii.nniiiiii , dann Ko.iii«iaK nur für die Bedeu- 
tung "wie gross« beibehalten wurde. Das zeigt, dass auch in an- 
dern Füllen solche Verallgemeinerungen stattliiidcn konnten, wie 
t s aus verschiedeneu l*aragrai)hen dieser Abhandlung ersichtlich 
sein wird. Damit will ieh selbstverständlich noch nicht sagen, dass 
die erste, der ganzen Bildung zu (Irunde liegende Bedeutung 
immer die deminuirende ist, noch weniger, dass, wenn einige 
Siittixe nur eine Bedeutung haben, sie immer durch irgend welche 
^'erallgemeinerung entstanden sind, dem wider.sprächcn Bildun- 
gen mit c//, die von Haus aus ami)liticirend sind — , sondern dass 
alle obigen Bedeutungen einander sehr nahe stehen, so dass jede 
von ihnen der andern als Ausgangsjjunkt dienen konnte. 

16. Das gilt für die Fälle, wo das Suffix früher, als es für 
Adjeetiva angewendet wurde, deminuirende oder ähnliche Be- 
deutung, d. h. einen festen Punkt hatte, von welchem es sich 
weiter entwickeln konnte. Nun aber ist eine erhebliche Zahl von 
echt adjectivischen Suffixen ohne solche Bedeutung für diese Bil- 
dungen brauchbar, so dass man fragen kann, wie man zu ihren so 
modilicirten IJedeutungeu gekommen ist. Der grijsste Theil solcher 
Suffixe hat die Bedeutung ))der Art«, «ähnlich dem«, was die 
Wurzel oder der Stamm bezeichnet. Z. B. ovafi/j \m Russischen: 
laiiuoDiiTBiii keilförmig; it>fi/j: ao.ioTiicTtiil russ. goldglänzend; an 
im Serbischen: Ba.bau gut u. ähnl. Es ist nicht schwer zu verstehen, 
wie diese Bedeutungen in die uns hier beschäftigenden überge- 
gangen sind, da der Art«, "ähnlieh schon an und für sich nicht 
die volle Deckung eines Gegenstandes mit einem andern be- 
zeichnete, sondern nur ungenügende Identität oder Annäherung 
eines Gegenstandes an einen andern. Diese Bedeutung, auf Ad- 
jeetiva übertragen, musste die Deminutiv- und ähnliche Bedeu- 
tungen ergeben. 

Durch die oben angeführte Bedeutung der Adjectivsuffixe sind 
dieselben bei weitem nicht erschöpft; doch die andern weichen von 
ihnen nicht viel ab, oder sie sind so vereinzelt, dass .sie bei der Be- 
handlung der betreffenden Suffixe zur Sprache kommen werden. 



332 



A. Belic, 



17. Hiev gebe ich eine kurze Uebersicht der Bedeutungen der 
gebräuchlichsten Suffixe in verschiedenen slavischen Sprachen: 



hk\ serb. hyp. 


verstärk. 


vereng. 






slov. hyp. 


verstärk. 








poln. 




vereng. 






klr. 


verstärk. 




1. 


modif. 


uck poln. 


verstärk. 


vereng. 






cech. hyp. 


verstärk. 




1. 


modif. 


ovaty russ. 


verstärk. 


vereng. 


1. 


modif. 


atij cech. 




vereng. 


1. 


modif. 


kh'at \ , 

-^^ ) slov. 
nat ) 




vereng. 






cat serb. 


verstärk. 








ast 

käst slov. 

kl j ast 












vereng. 


(se 


ib.) 1. modif. 










Utk cecb. poln. russ. 


verstärk. 








^c^rm slov. hyp. 


verstärk. 








serb. hyp. 




vereng. 






echonkij \ 

. ,j .. { russ. 
esefikij ] 


verstärk. 


vereng. 




-^ 


usenklj wssr. 


verstärk. 








uski poln. hyp. 


verstärk. 








ucJinyJ wssr. poln. hyp. 


verstärk. 








a7i serb. hyp. 




vereng. 






Wl 




vereng. 






enkij russ. 


vei'Stärk. 


vereng. 


1. 


modif. 


poln. hyp. 


verstärk. 








oükij russ. 


verstärk. 


vereng. 


1. 


modif. 


unkij cech. hyp. 


verstärk. 


vereng. 


1. 


modif. 



C. Zur lautlichen und syntaktischen Seite dieser Bil- 
dungen. 

18. In Bezug auf die lautliche Seite dieser Suffixe wurde 
wiederholt darauf hingewiesen, dass in den Fällen, wo zwei 
gleiche Suffixe mit dem einzigen Unterschied, dass dem einen weiche, 
dem andern harte Stämme vorangehen, vorhanden sind, dieselben 



Zur Entwicklungsgeschichte d. slav. l)oiuiiuitiv- u. Auiplificativsuffixe. ',yi'.\ 

last immer so verthcilt sind, dass uns die Erweiehuug in StämmcD, 
die nicht auf einen Gutturallaut auslauten, die Härte aber in 
denjenigen mit einem auslautenden (lutturallaut begegnet. Z. B. : 
r>.iari'MUKu r. Miixocciii.Kiri wssr. tnh>shn slov. t<tlihi,hn slov. jäiaxaii 
serb. .larymaa serb. «ejiHKuxoiicKi. r. AUKOxoueKi. r. Max6xom.Kiii r. 
.uToxonMciii r. acecTOKoxcMieirr. r. hi.u;okoxoiii.ko r. thxoxohi.i.d r. 
yKiuKoxoiieivT, r. acaj>K('»xouei<T. r. M>iKoxom.Kiil r. r.iyxnxDin'Ki. r. A'»i- 
j r>X(»iiJ.Ko r. unxyccHhKiii wssr. MaxyceHbKiii wssr. eyxycein.KiH wssr. 
.leryeenhKiil wssr. n'c/iuc/ini/ j)üln. legtichno p. Mjirom.Knil klr. ''•.la- 
lüHhKo r. He.iiiKouein. r. AJiKuneicT. r. Ao.n'<'ini.Ko r. Aa.ifiv6in.i.iii r. 
lophKuneicL r. nixonhKo r. r.TyöoKoneK^ r. uticoKoubKo r. acccTKoneia. 
r. .iiixoneKi. r. .leroiihKÜl r. r.iyxoHCKT. r. lehoun/i{i tech. kfvhotnihi'i 
cecb. ttihotinki'i cQch. suchounki'f cecli. vivhuczki^oXn. Icguczho \hA\\. 
tichouiki'i cecb. fuhoulki'f cech. leJioucky cecb. Mfli»yT:tnhKii1 wssr. 
jieryT3HbKiH wssr. MaxyT:iHi.Kiil wssr. unxyTr^HbKÜl wssr. cyxyT;tui.- 
KÜI wssr. tn/sokutciiki poln. Hier werden nicht alle l»ei8piele an- 
geführt, die einen Nichtgutturallaut vdr einem erweichten Sufli.\ 
haben, sondern nur diejenigen, die von den oben angeführten der- 
artig abweichen, dass sie, obwohl auf einen Nichtgutturallaut aus- 
lautend, doch ein hartes Suffix Ijesitzen. Wenn man /.unäclist das 
(Jechische, welches an solchen Beispielen sehr reich ist, unberück- 
sichtigt lässt , ist die Zahl solcher Beispiele sehr verschwin- 
dend: TonycenbKiin kleinruss., poln. starusienki , poln. rienucliny, 
poln. dohruchnxj ^ poln. staruchny^ poln. staruczki, poln. skoruczki, 
poln. (lobrufki , poln. sfaniiki, r. yacToubKo, r. icpinoubKo, r.iaA''- 
xoueKT, ganz glatt. Von diesen 12 Beispielen kommen 7 auf solche 
polnischen Bildungen, die vor dem Suftix ;• haben. Diese Bildungen 
sind aber auch mit erweichtem Suffix bekannt, z. B. dobrzuchny, 
starzuchny u.ähnl., so dass die obigen 7 Beispiele unter dem Ein- 
Üuss der Form der einfachen Adjectiva stary, dobry u.ähnl.) ent- 
standen sind 1. Was die übrigen 5 Beispiele anbetrifli't, so steht 
KpinöHbKo statt KptnKoubKO, xoHycenbKTiil statt TouKycenbKnii, r.jaA6- 



• Uebrigens auch in den Substantiva, wo r z. B. vor e/ika steht, geht es 
nicht immer in rz über (vgl. Archiv XXIII 170 f.), so dass möglicherweise 
die Entstehung der obigen Formen der späteren Epoche zuzuschreiben ist, 
als ;• vor weicher Endung schon in rz überging und das Suffix ohne dies ab- 
strahirt wurde z. B. uchmj], von welchem man dann neue Bildungen schuf, in- 
dem man es an das einfache Adjectiv fz. B. stanj] anknüpfte. 



334 A. Belic, 

xoHeKi statt rjaAKoxoHeKT. (vgl. die einfache Form derselben: Kpin- 
KÜI, TÖHKifi, rja^iKiS), cienuchny statt cienkuebny vgl. cienki, so dass 
ihre Härte auch davon herrührt; bezüglich qäcTOHtKiH vgl. unten. 
Diese Kegel ist, wie aus dem gezeigten ersichtlich, in den slavi- 
schen Sprachen, die am besten Erweichung und Härte untersche- 
iden, fast ohne Ausnahme durchgeführt. Fürs Cechische gilt das 
nicht so allgemein. Neben den Beispielen, die der Regel ent- 
sprechen, findet man auch folgende: nizonckij , ienouchj ^ zlu- 
foucki'i ^ teploucko^ inalouckij ^ blizoucky , malouckij , drohoucky^ 
heloucky ^ malounko^ helounky^ drohounky ^ hlizoimky , nizounky^ 
stihlounky, tenoimky. Von unserm Standpunkt aus kann man diese 
Beispiele folgendermassen erklären: aus andeni Bildungen mit 
solchen Suffixen erhellt es, dass sie in einigen Fällen neu sind: 
daselbst sind sie aber wahrscheinlich nach der Analogie der 
Stämme mit Guttural gebildet. Hierher gehören die Fälle: mla- 
d'oucky^ peknouckij^ chlad'oucky, hidnoucky, ranoucko, slad'oucky^ 
krat'oucky ^ drobnoucktj u. ähnl. Diese Formen, wenn die Er- 
weichung und der Vocal ou in ihnen alt wären, würden, der Ge- 
schichte der cechischen Vocale entsprechend, mladicky u. ähnl. 
lauten, was ja auch nicht unbekannt ist: ranicko^ malicko, mdlicky^ 
nedäünicko. Das beweist, dass die obigen Beispiele wirklich Ana- 
logiebildungen sind (die Erweichung ist aber alt), und, wenn 
drohnouckij u. ähnl. Analogiebildung sein müssen, warum kann es 
nicht auch drohounky sein ? Ist es für solche Suffixe festgestellt, 
dass sie weiter gewuchert haben, warum soll man dann zwischen 
drohnoucky und drohounky eine so gekünstelte Grenze ziehen und 
in einem Falle Analogiebildungen sehen, in dem andern, eben 
solchen, das aber nicht zugeben können? Das gilt ebensogut für die 
Beispiele mit oucky. 

Ausser diesen Abweichungen von der gegebenen Regel sind 
noch manche, aber vereinzelte, bekannt. Die Stämme mit Guttural- 
laut bekommen manchmal auch ein erweichtes Suffix, z. B. poln. 
leciucJmo, leciutko. Dies ist aber eine Neubildung, wie es schon 
der Stamm lek (aus iLg-Bk-) zu beweisen scheint. Wenn man das 
eliminirt, dann bleibt die obige Regel bestehen. 

19. Nun fragt es sich, wie man zu solcher merkwürdigen 
Theiluug dieser Suffixe gekommen ist. Ich meine, dass man es 
hier mit einer Verallgemeinerung zu thun hat, die derjenigen, die 



Zur Kntwicklungsgeschichte d. slav. Deminutiv- ii. AmpIificativsut'Hxe. 335 

ich bei Substantiven constatiren konnte, analog ist. Arcliiv Will 
153 wurde ge7.ei{,'t, wie die Wcichlieit der (lutturalstäninie, die in 
weuij^en Fällen l>ercelitij;t war, auf allo andern Übertragnen wurde, 
liier findet nur der uni;;ekelirte Fall statt: in einigen Fällen stand 
liier der Gutturallaut immer vor hartem SufHx, was aueli verallge- 
meinert wurde. Der Au.'^iranirspiinkt fllr diese Vcrallgcnu-inrning 
waren, meiner Ansicht nach, die Bildungen mit c/i Sutlix. Ks sind 
zwei solche Suffixe bekannt: W? 'altes ueh) und euch (vgl. da« 
Litauisch -iatis- . Vor dem ersten Suflix standen alle (lutturale un- 
herührt, und da solche Bildungen im L rslavischen sehr verbreitet 
waren — alle slavisehen Sprachen kennen diese Suffixe — wurde 
dies verallgemeinert. Zunächst wurde es auf Suffix ciir/i Über- 
tragen. Dieses Suffix ging im Urslavischen in 'uch über. Unter 
dem Eiulluss des Suffixes ^ch behielt man 'uch nur flir Nieht- 
gutturalstämme; für die Gutturalstämme aber schuf man das Suffix 
uiJi. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum diese Erscheinung 
die andern nicht auf einen Gutturallaut auslautenden Stämme nicht 
mit gezogen hat. Diese Stämme sind von Haus aus auch als halb 
oder ganz weich bekannt, so dass neben dem harten Suffix, das 
durch die uljigeu Fälle geschafVen wäre, au(;h das weiche \hch) immer 
bekannt sein musste — es wäre ja, wenn es sonst [hch) hart war, 
vom Stamm abhängig. Bei Gutturalstämmen war dies aber nicht 
möglich, da, wenn ein Gutturallaut erweicht war, er in einen Spi- 
ranten übergehen musste. Wenn einmal ein solches Verhältniss 
zwischen den Guttural- und Nichtgutturalstämmcu geschaffen 
wurde, führte man es auch bei andern Suffixen durch, in erster 
Linie bei denen, die nach der Analogie der c/f-Suffixe entstanden 
sind (§§ 30, 29 fi"., 46). 

20. Der Vollständigkeit halber \\\\\ ich noch erwähnen, dass 
man manchmal den l>ildungen mit Steigerungs- und ähul. Suffixen 
die Form des einfachen Adjectivs zufügt, um einen grössern 
Grad der Potenzirung der Eigenschaft zu erzielen: n^u nyii- 
uaT ganz und gar voll, nili; uijBuäx ganz und gar neu, cä.M cä.MuäT 
ganz und gar allein, a^paß 3;ipäßnäT kerngesund, nyn nynuiiT 
u. s. w. ; oder: r.iyxuMr. r.iyxoxoueKi. ganz taub, jairuMT. ,To.iro- 
uieubKo sehr lang, a.itiMi. a.iexoueKi> hochroth, öcibULiMi. öcitueme- 
ueiet schwer krank. Der })sychoIogische Grund dieser Bildungen 
ist nicht schwer zu entdecken, vgl. darüber Wundt, Völkerpsycho- 



336 A. Belic, 

logie I 1 , 587 — 588, nur muss ich noch hinzufügen, dass die Bei- 
spiele aus dem Russischen ihre Form einem syntaktischen Gebrauch 
verdanken: aus der Satzlage, wo das Nomen im Prädicat die Form des 
Instrumentals haben muss, ist verallgemeinert, z. B. oHt öbi-it. 6o.it- 
HLiM-B, öojitnemeHbKHMii wurde ßojitHMMi. öojitHemeHBKHM'L, wo öojib- 
HLiMT.-öo.TbnemeHbKiiM^, als ein Compositum verstanden wurde, so 
dass, wo die ganze Form im Nominativ stehen musste, nur das Suftix 
des zweiten Bestandtheiles des ganzen Compositums die Form des 
Nominativs angenommen hat. So ist es gekommen, dass jetzt z.B. 
CHX öo.ibHbiM'b öcjibuemeiieKt gesagt wird. 

II. Specieller Theil. 
A. Suffixe mit eh. 

21. In den verschiedenen slavischen Sprachen findet man ver- 
schiedene cÄ-Suffixe. Bei aller Verschiedenheit scheinen sie doch 
auf zwei Grundformen zurückführbar zu sein: ^ch und uch. Da sie 
allen slavischen Sprachen bekannt sind, so ist kein Zweifel 
darüber, dass sie dem Urslavischen angehört haben. Bei der Auf- 
stellung der urslavischen Form dieser Suffixe muss man auf zwei 
Momente achten, erstens auf die Härte oder Erweichung des voran- 
gehenden Cousonanten und zweitens auf die auslautende Endung. 
Was das erstere betrifft, vgl. § 18 f. 

22. Das erste der angeführten Suffixe hat in verschiedeneu 
slavischen Sprachen folgende Formen: 

~och: ^ch^n^. sloven. serb. cech.: mühlmi, aciiDaxan, malechno. 
%clihn\ slov. läk^h^n. 
^ch-onkij: r. klr. wssr. : Bc.iHKoxoiieK'b. 
%c]i-enkij: r. klr. wssr.: BejiiKomeiieKx, ^laxoceubKin, cupi- 

CiHbKIlil. 

ocJthk-: r. kl.: 6.iar6mKO, ^lyTHicbKO. 

Die Suffixe ^ck^?^, ^choixläj.^ hchko (im Kleinrussischen) weisen 
deutlich darauf hin, dass im Urslavischen die Urform dieses 
Suffixes -^c}vb war, denn es gab kein ^w-Suffix in dieser Sprache, 
sondern tw, vor welchem ch in einen Spiranten übergehen musste. 
Weiter würde ^chonkiJ\ wenn es alt wäre, nie ocJ)onkij\ sondern 
cÄowÄzJ geben. Darum muss man auch in Bezug auf das Russische 
^ch^ voraussetzen, wo ö in o übersehen musste. erst darnach 



Zur Entwicklungflgeschichte d. slav. Deminutiv- u. Amplificativsuffixe. 337 

wurde an diese Form das Suffix onkij angeknüpft. Wenn mau 
damit einversüindcn ist und versucht, mit diesem Suffix alle andern 
in Kinklaug zu brin^'en, dann erbeben sich Scbwieri^^keitcn nur 
bei der Analyse des kleiurussincben Suffixes iscüAij, ishkij. Zu- 
gegeben, dass seine Urform ()hch^ war, wUrde man im Kleinrussi- 
schen esc/iAy, cskij erwarten, wie man es auch in nicht seltenen 
Fällen findet, vgl. unten. Schon dieser Umstand schliesst einen 
lautlichen Uebergang des es in is fast gänzlich aus, so dass man 
sieh fUr die Erklärung desselben nach andern Mitteln umsehen 
muss. Erstens konnte in einigen Fällen das Suffix des Positivs der 
bestimmten Form der Adjectiva (i) in das Suffix eaenkij hinein ge- 
tragen werden, was im Kleinrussischen auch sonst nicht selten ge- 
schieht (vgl. Archiv XXIII 164K oder zweitens konnte nach der 
Analogie von chkij, inkij neben e.s ein /v gebildet werden. Ueber i/ika 
vgl. a.a.O. 170. Auch die klein-weissrussische Form esenkij, eükij 
mit ihrem s zeigt, dass die Endung enkij spät an das Suffix eck an- 
gekulipft wurde, sonst wäre ch nicht zu s, sondern Ä geworden. 

23. Die zweite der oben angeführten Endungen hat folgende 
Formen: 

iichny, poln. cech. wssr. : cichucJtny. mladuclmy (veralt.), <t^2.- 
6k)xho. 

uch- enkij ^ poln. mähr. klr. wssr. : starusienkij rafiusetiko, cojo- 
ÄK)ciHfcKiii1, cyxyceiibKÜl. 

uchbn, slov. serb.: b/^duhn, MajymaH, 

tichbk, cech. (mähr, slov.): mladusky 

(masf, slov. serb.: b^Jmasf, öjeü^iuacT 

uskasf, serb.: .Tt'nyuiKacT). 

Schon diese Vielfältigkeit der Formen zeigt uns, dass man es 
hier mit Erscheinungen neueren Datums zu thun hat, die Formen 
uckny und usie/tki aber bestätigen es sogar unzweifelhaft, indem 
sie den Anlass geben, auch für diese Suffixe eine slavische Ur- 
form ^lc/l vorauszusetzen. Einige von diesen Suffixen mögen 
auch alt sein, z. B. Ui>an oder uski, obwohl auch das noch nicht 
ganz ausgemacht ist; andere aber stellen nur neue Contaminatiouen 
der schon fertigen Suffixe dar, z. B. usast, ukkast, möglicherweise 
auch usan. 

24. Ausser den oben angeführten Formen der Suffixe, deren 
lautliche Seite uns klar ist, gibt es noch einige, für welche man 

Archiv für slavische Philologie. XXVI 22 



338 A. Belic, 

das leider nicht so leicht sagen kann. Hier gehört das polnische 
Suffix uski und das kleinrussische eskij. Ich habe darüber schon 
Archiv XXIII 186. 187 gehandelt, jetzt füge ich noch einiges 
hinzu. Diese Suffixe konnten in keiner der beiden Sprachen auf 
lautlichem Wege entstehen, da in diesem Falle die Grund- 
form uchhkij gewesen sein müsste. Diese Form aber, wäre sie ur- 
slavisch oder einzelsprachig — polnisch oder russisch — würde 
nie uski als Endresultat ihrer Entwicklung geben; wenn sie aus 
dem Urslavischen stammte, gäbe sie uski, ist sie aber einzel- 
sprachig, würde sie ebenfalls uski oder uchky lauten, vgl. uchiy, das 
ebenso entstanden ist u. ä. ; uski im gesonderten Leben der slavischen 
Sprachen würde vielleicht mehr der Tradition zu verdanken sein, 
als der Wirkung des h. Endlich habe ich Archiv XXIII 161 ff. 
gezeigt, dass h zwischen einem Consonanten und k keine Spur von 
Erweichung hinterlässt, so dass dieser Umstand noch einmal, von 
dieser Seite her, den Beweis liefert, dass dieses Suffix nicht alten 
Ursprungs sein kann. Das drängt mich zur Ansicht, dass man es 
in diesen und ähnlichen Bildungen mit Analogiewirkungen zu thun 
hat, und zwar folgender Art. An die durch das Suffix uch {'uch) ge- 
bildeten Formen im Polnischen wurde das Suffix enkij\ ebenso wie 
an das russische Suffix och eck, angeknüpft, so dass ein Suffix 
*uchienki entstand. Der neuen polnischen Palatalisation gemäss, 
der zufolge d in dz, tm 6 überging, verwandelte sich ch in s, k in 
c, ^ in i (vgl. a. a. 0. 189), so dass die Form usienki entstand. Da 
nun andere Adjectiva neben der Form mit enki auch andere, 
kürzere nur mit ky kannten, z. B.: 

bliziutki — hliziutenki, 
malutki — malutenki u. ähnl., 
so machte man diesen Formen hieluski an Stelle von hielusienki nach. 
Dass der Ausgangspunkt für die letzte Bildung eben hielusienki, 
nicht umgekehrt war, bestätigt nicht nur der Umstand, dass die 
Fälle von u^ki bei weitem geringer an Zahl als die von usienki 
sind und immer der Form nach jenen mit usienki entsprechen, was 
umgekehrt nicht der Fall ist, sondern auch die Erweichung des 
Consonanten s, die es klar macht, dass die kürzere Form immer 
unter dem Einfluss der längeren steht, da sonst die Weichheit des 
*, nach dem obigen, unerklärbar und unverständlich wäre. 

Die oben erwähnten Fälle auf utki, utenki sind aber auch 



i 



Zur Entwicklungsgeschichte d. shiv. Deminutiv- u. AmplificativBuffixe. 339 

uicht lautgesetzlich entstanden ; sie unterscheiden sich von den 
letztgenannten nur dadurch, dass in Bezug auf sie das Suffix utki 
das Priiis war, welches die Bildung des volleren Suffixes veranlasst 
hat. Diesen Schluss kann man dem Lautcomplex des Suffixes ent- 
nehmen: wenn M/e///C/ seihständig entstanden wäre, dann mUsste / 
vor e palatalisirt worden sein (vgl. a. a. 0. 1S9 ff.), ohwohl uicht 
ganz unmöglich auch die Annahme wäre, dass die vollere Form 
immer durch die kürzere in der Weise heeinträchtigt worden ist. 
dass die Palatallaute derselben durch die harten der kürzeren 
ersetzt wurden. 

25. Die Bedeutung dieser Suffixe, von den einzelnen abge- 
sehen (dafür vgl. unten), gipfelt in der starken, strengen Potenzi- 
rung der ßeschatfenheit, die das Adjectiv ausdrückt, so dass es 
einigen Wörterljücherverfassern angemessen erschien, sie mit den 
Superlativen zu übersetzen, z. B. Dal': MajexoHbKiii, Maj6uieHfcKiH 
der kleinste, .leroxonhidii, .ier6ineni.Kiri sehr leicht, der leichteste u. 
and. Wie dies geschehen ist, darüber vgl. § 1. 

20. Diese Betrachtungen helfen uns die etymologische Seite 
dieser Suffixe zu untersuchen und zu würdigen. Es ist schon von 
vornherein zweifelhaft, dass ein so buntes Bild von etymo- 
logischen Verhältnissen, wie es unsere Suffixe darstellen, etwas 
ursprüngliches in sich enthält: ^ch^ *hc/a 

ucJa *iuc/ih. Denn wie soll man 
das alles auf ein Suffix zurückführen"? Oder soll man sie von ein- 
ander ti-ennenV Ohne Ausgleichung, ohne Analogiebildungen kommt 
man auch hier nicht aus. Ein sehr wichtiges Moment in Bezug auf 
diese Suffixe ist eben das, dass die harten Endungen nur nach den 
Gutturallauten zu stehen pflegen, sehr selten irgend wo anders. 
Wenn hier einmal auch weiche Suffixe gestanden hätten, so würde 
man ebenso wie in ähnlichen Fällen bei Substantiven die Ver- 
allgemeinerung der Erweichung erwarten, oder wenigstens würden 
solche Beispiele nicht ganz ausbleiben. Da keins von beiden der 
Fall ist, so wird man diese Hypothese als hinfällig verwerfen 
müssen. Daraus ergibt sich mit Evidenz, dass ursprünglich ein 
Suffix ausschliesslich mit vorangehender Härte bekannt sein 
musste; das wird wohl, wie uns auch das Litauische zeigt, zc^ ge- 
wesen sein. Das gibt uns eine Richtschnur für das Verständniss 
auch der übrigen Gestaltungen dieses Suffixes: iouch geht wahr- 

22* 



340 A. Belic, 

scheinlich auf ein euch-Sniüx zurück, das neben sich auch ein 
Suffix ouch haben konnte, aber nicht musste. Denn angenom- 
men, dass nur ^ch nach den Gutturalen bekannt war, konnte die 
Härte in den Fällen mit umgewandelten Gutturallauten vor uch statt 
der Zischlaute den Platz einnehmen. Die Erweichung, die das Suffix 
euch {iuch) erzeugte, wurde auf das Suffix ^ch übertragen, so dass 
daneben auch ein Suffix tch entstand, das aber nur nach den 
Nichtgutturallauten gebraucht wurde. 

Mit diesen slavischen Bildungen sind am nächsten die folgen- 
den litauischen Suffixe verwandt : -iaus- für Superlativa (Brugmann, 
Grundriss II 234. 409; Leskien, Bild, der Nom. 598; H. Pedersen, 
I. F. V 37; Verfasser, Archiv XXIII 184) und uszis usze für Demi- 
nutivbilduugen. -iaus-^ was die Bedeutung betrifft, macht keine 
Schwierigkeiten, nur seine Form ist nicht passend. Man wird nicht 
-iaus-, sondern den bekannten Lautgesetzen entsprechend, -iausz- 
erwarten , wenn sich hier nicht etwa s aus dem Comparativsuffix esnis 
geltend gemacht hat. Sonst ginge die Form -iaus- auf das Suffix 
-eus- zurück, welches dann mit -usz- im Ablaut stehen würde. 
Danach wären die Suffixe -eus- -us- baltisch -slavisch und ihre 
Steigerungsbedeutung würde auch aus derselben Epoche her- 
rühren. 

27. ^ch•. russ. 1) ropLKiä roptKoxoHeKX ganz bitter, BejniKiä bb- 
jtHKoxoHeKt BejHKomeHeKT, genug, sehr, allzu gross, ahkIh ahköxo- 
HeKT. sehr wild, r^ia^KiS rjiaAoxoneKx ganz glatt, jierKiä jeroxontKÜi 
jeroineHfeKiS ganz, sehr leicht, atecxoKiH acecTOKÖxoHeKt a^ecTOKo- 
meHBKx ganz, sehr hart, bhcoko bmcokoxohbko sehr hoch, thxo th- 
xoxoHtKO überaus still, acajKiä acajKoxoHSKx sehr bedauernswerth, 
noTHxöxoHbKy ganz leise, atapKiä atapKoxoHBKx sehr heiss, MarKÜt 
MHKoxoHtKiH gauz, äusserst weich; rjryxiiivi'B rjiyxoxoHeKi ganz taub, 
AOJirHMi. ^ojiroineHbKO, AOJiroxoHtKO sehr lang ; 2) MajiemeHLKÜi »la- 
jrexoHLKiS sehr klein, ate.3Twä a:ej[TexoHeKr&, ^e.iTeineHeKx sehr gelb, 
KHpHHH SKHpexoHeKi.atiipeuieHeK'L sehr, überaus fett, rpY3Hi.iH rpysne- 
xoneKt, rpysHemeHeKT. mehr oder weniger schwer beladen, öo.itnexo- 
HeKi. sehr krank, rojOÄHBiä rdo^HemeHeK^ rojEOAHexoHBK'L sehr hung- 
rig, pa/i;36mBHi>KiH wssr. sehr froh, ^ypHoä ^ypHexoneKt AypHemeHeKx 
überaus schlecht, acajioÖHtiH jKajioÖHexoHBK-L acajroöiieinBHBKt äusserst 
kläglich, rjiynLiit r.iynexoHBK'L rrynemBiiBKi. stockdumm, tohko 
TOHBxoHtKo schr dünn, bcbxohlko wssr. ganz und gar, cKOJiexoHbKO 



Zur Entwicklungsgeschichte d. slav. Deiuinutiv- u. Amplificativsuffixe. 34 t 

»wie viel« mit der Nuance » sciir weiii^' ■, Cuhsko ÖjiiadxoiihKo piuz 
nahe; u-iltm-i, u-ioxouckt. a.ieiiieHt'ici. liuclirotli, Ci<t.Ti.iii'iM'r. f»o.n.ji»''m('- 
iieKT. schwer krank; 3 MaxoceiihKiiu wssr. winzig klein, cmK-ceiii.- 
laiH klr. cHiiinl sehr blau, paAecentKUH klr. sehr wohlwollend, M.iiiAa»'- 
ceHLKin wssr. sehr junjr, fti.K'eeiii.icnri dumi klr. sehr weiss, raut';- 
ceiibKiiü klr. tuiihü wohlfeil, billig;. Slov. serb. ccch. %ch-in: slov. 
ijöhhbii ganz nackt gol^ nönhhn ganz neu wop, mi)jhhn [^ ausgefal- 
len) klein, mählari klein mali, timJan dtlnn und zart h.nik, mmehhn 
fst. sdrm/afi) ganz allein sam, zicä/an (st. zinJa/i) lebhaft, regsam 
ziv; serb.: rj>y6i\xaii dem. rpyf) garstig, acfiuaxaii lebhaft -^uh, mi\- 
.laxaii klein Mäjü, nyiiaxaii dem. nyii voll, jüraxaii dem. aUk leicht, 
M.iiihaxaii dem. M.iiu jung; cech.: w«/fr//;/o ein wenig wa/o. Huss. 
wssr.: (t-iarouiKo schlecht, AOBreci.Ku sehr lang, 'lynuci.Ko klr. recht 
vernehmbar, DiiAHiceubKO klr. ganz hell, BJAOMiceiibKnii dem. uiaomh» 
bekannt, ciipiciin.KiiH dem. ciipuri feichtig, nycT(cein>KHi1 dem. iiy- 
(•Ti'ui leer. zr/ii>fi: slov. fä/iihx solcher fä/c, toUkhtt so gross töli/i. 
2S. uch : ucJimj: wssr. MajioxHLiil Majibiil winzig klein, 'iiicuu'i- 
xiio iiicTo sehr rein, iiinioxnbiil iinaKÜl sehr niedrig, iiacuioxiio 
iiacTo sehr oft, ciaöioxiibiü ciaöuil sehr schwach; poln. cichuchny 
cichy sehr still, caluchny caly ganz und gar, hiedniuchny hiedny sehr 
arm, biehuh/iy h'uily sehr weiss, hliziuchny b Hz ki Hehr nahe, bladziu- 
c/iny blacly überaus bleich, cienuchny cienki sehr dünn, dobruchny^ 
dobrzuchny dobry sehr gut, poivolniuchio bardzo poicoli, daicniurhny 
datony sehr alt, pelniuchno pehio sehr voll, podobniuchny podobny 
sehr ähnlich, slabiuchny slaby schwer krank, samiurhny sam ganz 
allein, rumianiuchny rumiany schön roth, btaruchny starzuchiy atary 
sehr alt, xcneciuchno wnet sehr bald, leguchno leciuchno lekko sehr 
leicht, malmhny maly sehr klein; cech. mladuchnii veralt. mludy 
j ung, malichnij {malicliernij) maly klein. Wssr. klr. poln. mähr, uch -\- 
ehky\ KpaitrocenbKÜl wssr. KpaxKiii sehr kurz, BcioceHbKHä klr. Becb 
ganz, cojoAwcüibKiiil klr. cojoAKiiil süssest, oAiiioeenbKiil wssr. OAmi'b 
ganz allein, noMajibceiibKy wssr. iioMa-iy nach und nach, paA3io- 
ceiibKiil paAt wssr. sehr froh, poAHioceiibKiil pcAiibiil wssr. nahe ver- 
wandt, caMioceubKÜi wssr. caMbiil derselbe, CHnioceiibKia wssr. ciiiiiil 
dunkelblau, cKopioeenbKii'i wssr. cKopuil sehr geschwind, i;t.ii6ceHbKii1 
wssr. u,i.ibiii gauz,yaci;iuceiibKiri wssr. 'idcxbiil sehr oft, >Ka,T,iiiocenbKiH 
wssr. acaAHbiii sehr gierig, i^eMMcenbKÜt wssr. i^eMHwil sehr dunkel, 
ro.iK)ceiibKii1 wssr. rcibiil sehr nackt, BOcrpioceHbKiH wssr. Bocrpuii 



342 A. Belic, 

sehr scharf, CBiatycentKiä wssr. CBiKiä sehr frisch, 6§jiH)ceHi.KiH 
wssr. ÖijiBin sehr weiss, Kopoi];i6ceHLKiH wssr. KopoxKiä sehr I^urz, Ma- 
jiioceHBKiH MajiMH sehr klein, HiisioceiiBKiH wssr. HH3Kin niedrig, bo- 
poHioceHLKÜl wssr. BopoHoä schwarz, MHJiioceHBKiä wssr. mhjmh sehr 
lieb, 3KHBi6ceHLKiä wssr. älhboh sehr lebendig, sejiBHioceHtKiä wssr. 
ae.ieHBiil gTüu, Mo.ttOÄ3K)eeHbKiH wssr. mojioaoh sehr jung, bbcbjiio- 
ceHLKiä wssr. seeejiLiH sehr lustig, TOHyceHtKiil klr. tohkhh dünn, 
i^HxyceHLKiH wssr. uiiixiä sehr still, MHKyceHtKiä wssr. MarKiä weich, 
cyxyceHBKifi wssr. cyxoä trocken, jteryceHLKiä wssr. .nerKiS sehr leicht. 
Hierher gehören (vgl. § 24) auch folgende Bildungen : TOHycLKHH 
klr. sehr dünn, yctocLKiiä klr. bbcl ganz. Poln. : poioolniusienko po- 
toolusienko sehr langsam, calusieiiki ganz und gar, biedniusienki 
sehr arm, bielusienki hieluski sehr weiss, bladziusenki tiiezmiei'tiie 
blady^ cieniusieneczki cieniusienki cienuski sehr dünn, pehiiusienko 
sehr voll, podobniusienki sehr ähnlich, pomalusienku pomalusku all- 
mählich, slabiusienki sehr schwach, samiusieriki ganz allein, rumie- 
jiiuski schön roth, starusienki sehr alt, tylusienki tantulus, malu- 
sienki sehr klein ; einmal : wdziecz7iiusi hyp. wdzieczny dankbar ; 
mähr, ranusenko = cech. ranicko. uchhn : serb. jiarymaH leicht 
.laK, xanymaH dem. TaiiaK fein dünn, MajymaH dem. (hyp.) Majeit 
klein; slov. bledühn bleich (verächtl.) bled,^ nvbdhihn schwächlich 
'nvbd^il. Das letzte Beispiel könnte auch vom Substantivum rmdlüh 
(Schwächling) abgeleitet sein, uclvbky: cech. (slovak.) mladusky = 
mladuchy, milusky sehr lieb, mily, sladusky (slovak.) sehr süss 
sladky. Ueber öjejiyuiacT u. ähnl. vgl. § 34. 

B. Suffixe mit -t-. 
(vgl. oben §§ 18 f. 24, Archiv XXIII 183). 

29. ut: russ. ii,eMiOT3Hi>KiH u;eMHMH sehr dunkel, TiHCi];i6T3HtKO 
^mcn,i6TKo tihcthh sehr rein, u.'ljiioTBHBKiä u.'^jiioTKiH ganz, u,HxyT3Ht- 
Kiä i^HxyxKiä i^Hxiä still, u;enjiiOT3Hi.KiH u;enjri6TKiH n;enjBiH sehr warm, 
cyxyTSHBKiH cyxoH trocken, cJiaöioTaHBKo cjiaöioTKo ciaÖBiä sehr 
schwach, cKoproTaHBKÜl cKopxioKiH sehr geschwind, cHHioffleHBKiH ch- 
niä dunkelblau, cHBioTBHBKiS chbbih sehr grau, canioTeHBKiH caMBiil 
derselbe, pa^sioTBHBKiH pa^t erfreut, nonajiioTBHBKy verstärk. noMajiy 
allmählich, HH3K)T3HBKifi imsioTKiH sahr niedrig, MaKyxsHBKiä sehr 
weich, MOJOAioTSHBKiH MOjroAiOTKiH sehr jung, Kpai^ioTSHKiH Kpa- 
uiioTKiH sehr kurz, jreryT3HBKiH sehr leicht, eBia^yT3HBKiH CBiatyTKiä 



Zur Entwickluugsgeschichti; d. alav. Di-minutiv- u. Amplificiitivauffixc. 3 13 

sehr frisch, Maxy ntiihKia MaxyTKiii sehr kleiu. Zu dieseu und ähn- 
lichen Bildung:eu g'ehört nicht MaxoTitiii.Klu (sehr klein), da sein -orn- 
aus dem Subst. MaxoTKa stannnt. l'oln. : dobrutcnhi dobrutki h} p. sehr 
gut, bliziutenki bliziutki sehr nahe, ^cyaokutcneczki icysokutenki sehr 
hoch, cichutenki n'c/iufki sehr still, maluttitki malutki sehr klein. 
puwolniutenko powolutko bunho puuu/i, i>taruttüki aturutki sehr ult, 
samiutenieczki samiuteiiki samiutki ganz allein, siabiutc/ierzki sia- 
biutcnki shibiutki sehr schwach, rulutcnki calutki ganz und gar. 
bielutenki bielutki sehr weiss, pclniutcnieczko pciniuteüku pclniutko 
pclniuteczko ganz voll, hciuteuko leciutko — bardzo lekko, cieniute- 
nerzki cieniutenki ricniutki — Ixirdzo rienki Cech.: tvplutku warm. 
malitky mahj^ tenitkij tenkij, sucliouiky — suc/iy, militky sehr lieb. 
ma/ifko sehr wenig, zelemäy grünlich. Alle cechischen Formen 
gehen auf zwei zurück: 'ü(ky und üfky. Die erste niusste in itky 
Übergehen, die zweite aber blieb. Die Vertheilung dieser Formen, 
die oben angegeben ist, wurde im Cechischen nicht streng erhal- 
ten; darüber vgl. oben § IS. 

30. ucafy russ. poln. Da die Beispiele mit diesem Suffix im 
Kussischen sehr gut vertreten sind, so dass sie als typisch für eine 
ganze Reihe dieser Suffixe angesehen werden können, werde ich 
sie eingehender besprechen, um später nur darauf hinzuweisen. 

Beispiele : KpacuonuTwri röthlich iqJciciiLiil, KHciouarwiri säaer- 
lich KHCJibiH, nouijioBaTBiH ziemlich abgeschmackt nouiJiLiH, JiHxoBd- 
TBiH ziemlich schlimm .iiixoil, acecTKOBuTLiii etwas hart acocTKiH, 
Me.iKOBaTLiii ziemlich fein, etwas zu seicht MajiKin, 3uaK0M0BdTLiu et- 
was bekannt auaKOMHu, KpinKOBaTLia ziemlich stark, KOBbiJioBaTUH 
ziemlich reich an Pfriemengras, aau^enoBUTtiii ziemlich leicht spaltend 
aamenucTtii'i (vgl. § 1(5), sepiioBaTLiil ziemlich grobkörnig aepuiicTUJi 
(vgl. § 16), ae.leuoBUTLiii grünlich, 3Bipe(o)BaTLii'i ziemlich thierisch 
SBipcKin [% 10), HrpoBaTLiii so ziemlich scherzhaft HipiiBBiil (§ 16), 
3aAx.iOBaTi,ii1 etwas muffig 3a;ix.ii.iß, a.ioBuTLiii blassroth, AUKOBaTtiH 
etwas menschenscheu, öo.ibuoBaTo nicht sehr schmerzhaft, ro.ioAHO- 
BaTbiil etwas hungrig, HcejiTOBaTo gelblich, sehr gelb, iiyatHOBaTO 
ziemlich, sehr nöthig, öt.ioBaTLiil hell, sehr blass, Bc.inKOBaTMH 
etwas das uöthige Mass übertreflend, /KnpuoBäTo ziemlich, zu fett 
atiipiiLiil, BticoKOBaTO ziemlich, zu hoch, AO^roBaTLiii länglich, ropb- 
KOBaTMÜ bitter genug, r.iyöoKOBaxi.iil tief genug, r.iyiiOHaTMil etwas 
dumm, /KapKOBUTHi'i ziemlich heis?!, >Ka.iKOßa.Tbia ziemlich elend 



344 A. Beliö, 

atajiKiH, nojHOBaTo etwas oder sehr voll, ÄajreKOBaTtiH etwas oder 
sehr weit, rpysnoBaTtiS mehr oder weniger schwer beladen. Im 
Kleinrussischen ist auch ein abweichendes Suffix bekannt, nämlich 
uvaty: ^lopHyBaTHil schwärzlich , CHHiOBaTHn bläulich u. ähnl., das 
aber auf einer Analogiebildung beruht: da neben cHHeceHLKini (vgl. 
oben) u. ähnl. auch CHHioceHLKHii stand, bildete man dem cHHeBäTHU 
auch ciiHiOBaTHH hinzu. Poln. rusowaty ein wenig braunrotb, vydzo- 
xcaty röthlich, zielonmoy grünlich u. ähnl. 

Was die Urbedeutung dieser Bildungen betrifft, so meine ich, 
dass man auf keine Schwierigkeit stossen wird, wenn man alle 
diese Bedeutungen aus einer und zwar ursprünglichen herleitet. 
Von der mildernden Bedeutung, die man als Grundbedeutung 
dieser Bildungen annehmen darf, sind nur einige abweichende 
Beispiele mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Steigerungs- 
bedeutung bekannt. Die beiden Gruppen von Beispielen werden 
durch solche verbunden, die beide Bedeutungen in sich vereinigen 
können, wie z. B. das genannte Äa-ieKOBäTHä »ziemlich oder sehr weit« 
oder BLicoKOBaTo »genug, sehr hoch (f. Es ist oben gezeigt, wie man 
die semasiologische Verbindung dieser Bildungen verstehen soll 
(§§ 14 ff.). Wenn in einigen Fällen BticoKOBaTo hoch genug be- 
deutet, kann es in andern, wo es weniger hohen Gegenständen 
entgegengestellt ist, auch sehr hoch bedeuten, d. h. überhaupt 
»mehr oder weniger hoch«, je nach dem Sinne des ganzen Satzes. 
Es darf Niemanden befremden, wenn ein und dasselbe Suffix 
solche scheinbar divergirenden Bedeutungen hat, da die Wörter 
doch immer relativ gebraucht werden. Sie sind eine Art von Com- 
paration und behalten noch immer die Bedeutung des »Comparativsff, 
bezeichnen folglich noch immer nur einen Theil der Vollkommen- 
heit der Eigenschaft . Darum kann man die Grundbedeutung dieses 
Suffixes in dem Begriff der Un Vollkommenheit, der Annäherung 
zur Vollkommenheit erblicken , woraus sich dann dem Gebrauch 
und der Bedeutung des Adjectivs gemäss verschiedene Stufen der- 
selben entwickelten. 

31. Wie ist aber diese Bedeutung zu Stande gekommen? 
Miklosich (Vgl. Gr. II, 182) äussert sich so allgemein und summa- 
risch, dass man sich nach seinen Worten darüber kein klares 
Urtheil bilden kann. Unter den von ihm angeführten Bedeutungen 
dieses Suffixes ist keine, woraus man die Bedeutung des obigen 



Zur EDtwicklungsgeschichte d. slav. Deininativ- a. AmplificHtivsuftixe. 34'^ 

Suffixes ableiten könnte. Die Bedeutung »ein mit Gegenstande 
des Thema begabter« gil>t uns doch keine Handhube dafllr, so dass 
man sich auf eine ganz andere I'.odeutuug dieser Suffixe stllt/.en 
mu88. Die Bildungen dieser Art bedeuten nUmlich oft Ȋhnlich dem 
der Ableitung zu (Jrunde stehenden Substantiv», z.B.: 6.110^0 uüti.im 
schlis.selförmig fi.iiüAo, KLuocomiTLnl ährenähnlich ico.iocx, 30.10T0- 
uaTtiä goldglänzend 30.10x611, iciimoBiiTbiii keilfiirmig iuhii'b, 3apy- 
öoBi'iTtiil kcrbförmig sapvCuca, DOJiocKouaTiiu kleinruss. haarförmig 
aciocoK. i(a.ii.ni.nit;iTni1 kleinruss. walzenförmig u. ähnl. In diesen 
und ähnlichen Hilleu bekam das Suffix -omiTLiil die Bedeutung der 
Aehnlichkeit, der Annäherung, die es, als es an andere Adjectiva 
angeknüpft wurde, in dieselben hineintrug. Der ganze l*rocess, 
der sich hier entwickelt hat, hat eine schöne Parallele in der Ent- 
stehung der substantivischen Deminutiv- und Amplificativsuffixe, 
worüber Archiv XXIII 148 IT. gehandelt wurde. 

Die von Miklosich angeführte Bedeutung des Suffixes ut 
konnte zu einer andern Bedeutung hinfuhren, wie es die folgenden 
Beispiele zeigen: läydaTLiil mit grossen, langen Zähnen oder mit 
Zähnen, syriaTLin dicklippig, :wCiaTLii1 grosskröpfig oder kröpfig u. 
ähnl. Das Nebeneinanderstehen der Bedeutungen wie »mit Zähnen 
versehen« und «mit grossen Zähnen versehen" flir eine und die- 
selbe Form gibt uns darüber Auskunft, wie die gesteigerte Bedeu- 
tung dieser Form entstanden ist. Wenn sich dieses Adjectivum auf 
etwas, das in der Regel mit Zähnen versehen erschien, bezog, so 
führte die Benennung dessen, was sonst zu nennen nicht noth- 
wendig gewesen wäre, zu einer grösseren Hervorhebung, Gewicht- 
legung auf die Eigenschaft, was die gesteigerte Bedeutung zur 
Folge hatte. 

32. f//y, eech.: (Uouhat'j sehr lang, helafy, bilnafij weisslich, 
cervenatij hocbroth , plavatij gelblich, rusaty blond, zelenatij stark 
grün, ploskaty ne zcela plosky, naJtaty Splitter nackt; vgl. Jdikafä 
cesia winkelzügiger Weg, huüaty dzhän bauchiger Krug u. ähnl.; 
slov. : kisiät säuerlich. Die Entstehungsart dieses Suffixes ist wie 
die des Suffixes -ocat{i^ vgl. oben § 30, obwohl die beiden Suffixe 
selbständig zu dieser Bedeutung gekommen sind. 

33. Da Suffix nat im Slovenischen dieselbe Bedeutung wie at 
hat, so gebraucht man es manchmal auch zur Modificirung der Ad- 
jectivbedeutung, z. B. kisehiat säuerlich. Oefter als dieses Suffix 



346 A. Belid, 

kommt im Slovenischen mit solcher Bedeutung ein anderes vor, 
nämlich kljat: veUTdjat ziemlich gross, rutnenhljat gelblich, gelb- 
blond, 5e/^-^ai^ weisslich, 5?;?yX-/;"a^ bläulich , ov^X-T/a^ schwärzlich, 
mehkljat weichlich. Diese Bildungen verbreiteten sich von folgen- 
den Nomina aus : im Slovenischen sind Bildungen mit Suffix hlja 
bekannt; z.B. crnklja schwarze Stute, rz^wepz/./;« Hacquetie u. ähnl., 
von denen man Adjectiva ankljat rumenkljat bildete, zunächst mit 
der Specialbedeutung und später, als es in Verbindung mit cfn 
rumen gebracht wurde, wurde das Suffix -kljat abstrahirt. Als es 
auf andere Adjectiva, die neben sich keine Substantiva mit dem 
Suffix kija hatten , übertragen wurde, hatte es die Bedeutung des 
einfachen Suffixes at bekommen. Eine Parallele dieser Verallge- 
meinerung bietet das Serbische mit seinem Suffix -i^ax: nÖBi^äT 
HOB ganz neu, 3ApäBi],äT kerngesund, nyni^äT sehr voll, cäMn,äT ganz 
allein, uje.mäx ganz und gar, ro.ra,äT splitternackt. Von den Substan- 
tiven caMau, (caMi];a) »der allein lebt«, SApäßau, »homo bene Valens« 
Stulli, röjan; »der nackte« (Budmani Ak.Rj.) u. ähnl. bildete man 
Adjectiva: caMii,aT, roji^äx, 3Äp'aBii;äT. Da neben diesen auch die 
einfachen Formen cäi«, ro (roj) standen, verstand man die Adjectiva 
caMi^äx, röjin;äx als die von eän, roji abgeleiteten und über- 
trug das bei ihnen selbständig gewordene Suffix cat auf andere 
Adjectiva. Da auch im Serbischen das Suffix at Aehnlichkeits-, 
Annäherungsbedeutung hatte, so ist die Bedeutung des Suffixes cat 
im Serbischen von selbst verständlich. Gewöhnlich stellt man im 
Serbischen zu diesen Ableitungen noch die einfache Form des 
Adjectivums: nyn nyHi];äx, cäM cäMii,äx, hob HÖBn;ax, SApaB s^päBi^äx 
kerngesund u. ähnl. Vgl. oben § 20 und § 35. 

34. ast^ kljast^ käst, ikast, icast u. ähnl. Russ. CHBäcxBifi bläu- 
lich; c^Qh.zltasty gelblich, helasty weisslich, cernasty schwärzlich; 
sloven. : kislast säuerlich, velikast ziemlich gross, vodenast wäs- 
serig, mödrast bläulich. Die Bedeutung dieser Adjectiva ist ebenso 
wie die der Adjectiva auf ovaty u. ähnl. entstanden, käst : slov. de- 
helkast etwas dick, crnkast schwärzlich, hledkast etwas bleich, 
sUvkast bläulich, rurnenkast weisslich, sxnjkast bläulich, kiselknst 
säuerlich; serb. : 3e.ieHKacx grünlich, pyjieHKacx röthlich, cypKacx 
graulich, ypBBHKacx röthlich, atyhnacx gelblich, u;pH>Kaex schwärz- 
lich, BHiiKacx schlank BHxaK, Jiyu;Kacx dümmlich. An einigen 
Beispielen will ich nur zeigen, wie dieses Suffix zu Stande gekom- 



Zur Entwicklungsgeschichte d. slav. Deminutiv- u. Ainplificativsuffixe. '^\~ 

men ist. Im Serbischen sind Substautivu «ylio acyh^'». npitu 
upa-Ku bekuiiiit, von welchen die Adjectivji Hcyliicacr. upitKacT 
gebildet wurden. Als mau diese Formen den Adjectiven acyr, npn 
gegenüberstellte, abstraliirte mau das Suffix A-asf, so dass man da- 
nach von 3ujeH — arjeuKacT u. älinl. gebildet bat. Das gilt auch für 
alle anderen, sloveniscben und serbischen Bildungen, nur ist uiiu- 
KacT und .lyuicacT, der Form nach, etwas unklar; sie sollten 
eigentlich 'BUTKacT, '.lyTKacT lauten. Auf die erstere Form wirkte 
wahrscheinlich die verbale Form uiinKaTii ce (bei Vuk fehlt es), wo 
U so entstanden ist wie in C»«)ai'm CiunKarn, icjidTirni K.iai;KaTn ce, vgl. 
darüber JIsTonHc Mar. (."pn. kil. 200, 184 — 185. Als neben dieser 
Form noch immer *DHTKacT gebraucht wurde, machte man demge- 
miiss neben '.lyTKacx — .lyuKucr nach. Uii/iaat in .icriymKacT kann 
verschieden gedeutet werden: 1) es könnte in Fällen wie nirpyuiKa. 
BH.byiuKa — ncpymKacT nH.i.yuiKacT entstanden und dann auch auf an- 
dere übertragen worden sein, oder 2 war die Form 'jienyma — 
vgl. n.iuByuia (bei Vuk fehlt es) eine Blondine — bekannt, von 
welcher man durch das Suffix kasf die obige Form bildete, oder 
3 machte mau von ii.TaByma — n.TaBvuiKacT, wovon das Suffix 
uskast auch auf jen übertragen wurde u. s. w. Achnlich ist auch 
öjejiyuiacT, slov. b^hisast weisslieh entstanden, lieber ÄyliKapacx 
vgl. oben §11. Etwas zahlreicher sind die Bildungen auf ikast und 
icast im Slov. und Serbischen : slov. crmkast etwas schwarz, 
schwärzlich, svetlikast ein wenig glänzend, bledikast etwas blass, 
kislikast säuerlich ; serb. noAi^HKacT wässerig, n-iauÖTiiHKacT bläu- 
lich, MojpiiKacT bläulich. Von Substantiven wie öje.iiiKa, ne.ieiiiiKa, 
.tyxHKa, upBeHHKa, mapeuHKa u. ähnl. vgl. Danicic Osn. 276) bildete 
man Adjectiva auf ast^ wovon dann ikast auf die bekannte Weise 
abstrahirt wurde. Das gilt auch für das Slovenische. BujiLiiKacT im 
Serb. ist von Bb;iH.HKa gebildet, obwohl jetzt dieses Substantiv sehr 
enge Bedeutung hat. icast: slov. svetlicast ein wenig glänzend, 
horocnicasf heidelbeerblau, vodenicast wässerig; serb. bei Vuk mit 
solcher Bedeutung nur Clje.uViacT weisslieh angeführt, obwohl in 
der damaligen wie in der jetzigen Sprache wohl mehrere Beispiele 
vorkommen, z. B. py^inacT röthlich, ii.iaBii'iacT bläulich, vgl. .i.y- 
ÖHyacT veilchenblau u. ähnl. Von Fällen wie py^tiiua — pyyKH'iacr, 
Ayöima — .byöiPiacT, gibica — gibicast (voll kleiner Falten) abstra- 
hirte man das Suffix icast. Vgl. im Serbischen rlUm^a — rüjiHqacT 



348 A. Belle, 

(schwarz), rpäiiH^acr (rot?), KyKpiniacT u. and. Die Fälle, von 
denen die Verallgemeinerung des Suffixes ausgegangen sind, müs- 
sen nicht diejenigen gewesen sein, die ich angeführt habe, sondern 
nur Bildungen dieser Art mit, möglicherweise, in einigen Fällen 
mehr abstracten Bedeutungen, als es in den obigen Beispielen zu 
Tage tritt, — die aber verloren gegangen sind. Mich geht hier nicht 
ihre Bedeutung, sondern nur ihre Form an. 

35. Es sollen hier noch einzelne Fälle erwähnt werden: 
MpKOjiacT schwärzlich entstand nach der Analogie des Adjectivs 
BparojiacT muthwillig spar, das seinerseits seine Form dem Adj. 
^BbJIacT zu verdanken hat. Hierher gehört AyryibacT (Ayry-itax) 
länglich, was von Ayry/b, na Ayrfjb abgeleitet und dem '^yr (lang) 
gegenübergestellt ist. Vgl.KpHBVAacT krumm zu KpfiB, dass. Es soll 
hier noch erwähnt werden : russ. Ba^xitpicTLiä etwas muffig , aejie- 
HHCTMH dunkelgrün, vgl. sojigthctlih goldglänzend, öjiioahcthh 
schüsseiförmig u. ähnl.; cech. zelenity grünlich, zlutity gelblich; 
serb. 3ApäBn,HT kerngesund, HbBii,fiT ganz neu, npaBi^i^T ganz gerade, 
nyHD;HT sehr voll, crmi^ht ganz allein. Dieses Suffix ist wie cat 
(vgl. § 33) entstanden. Diese Formen der serbischen Adjectiva 
werden ebenso wie die der Adjectiva auf cat mit der Form des 
Positivs zusammen gebraucht: npaB npaBufix u. ähnl. Was die 
Bedeutung dieses Suffixes anbelangt, so steht es zu at ebenso wie 
istyj zu asiyj. 

C. Suffixe mit -k-. 

36. uk. Poln. : cichuczki sehr still, wnieciuczko sehr bald, le- 
guczko sehr leicht, tyluczko so gross (klein), staruczki sehr alt, sko- 
ruczko sehr schnell, samiuczko ganz allein, pilniuczki sehr fleissig, 
cieniuczki sehr dünn, hliziuczki sehr nahe, maluczki sehr klein, 
hieluczkl sehr weiss. Im Öech. kommt eine ganze Reihe dieser 
Suffixe vor : ucky ich] 'uckij^ oucky icky 'oiicky^ die aber im allge- 
meinen auf zwei Suffixe zurückführbar sind: ucky und 'ucky. Das 
zweite Suffix musste, den cechischen Lautgesetzen entsprechend, 
in icky übergehen. Als sich das Gesetz des Ueberganges von ü nach 
Palatallauten in t abgespielt hatte, wurde u aus dem Suffix ucky in 
die Endung icky hineingetragen, indem auch die Weichheit des 
vorangehenden Consonanten, die durch / verursacht war, beibehalten 



Zur EDtwicklungsgescbicbte d. slav. Üeminutiv: u.AmplificativBtiffixe. 349 

wurde, also: 'uiky 'ouckxj. W:is iillcs Uhrijcc in Uozul' :nit' diese 
Suffixe betrift't, vgl. § 18 f. 

1) tenurko selirdllnn; 2) nizouikij sehr uiedrig, tenuuvkij feuou- 
cickii sehr dUnu, ticlioniky mUuscbcDstill, zlutouiky zart, stark, 
hübsch gelb, tuhouchj ein wenig zäh, fest, tephuiko angenehm 
warm, krehotuky sehr mUrbe, le/iourkij, hhoulicky sehr leicht, 
blizoucky xcelmi blizko , maloucky sehr klein , muloniky sehr 
schwach, droboucky Jrobouiinky sehr klein, belonrky schön weiss; 
3) novicky ?iocicicky nagelneu, tenicky tcnicicky^ okrouhlicky rund- 
lich, chladiikij lieblich kühl, kazdicky jeder, ein jeder, bidulrky 
elend, jämmerlich, shidicky sehr süss, kratiiky kurz, peknilky sehr 
schön, malicky malicicky malicicicky, drobiiicicky, lehcicky. 4) ne- 
ddvnuko neddvno, tenicky te/iky, malicko velmi mulo, malirky sehr 
schwach. 5) jnaliuiky (veralt.) sehr klein. (3) mladouiky sehr jung, 
pekiioucky (slov. peknücky) sehr schön, chlad'oucky lieblich kühl, 
bidnoucky elend, jämmerlich, slad'oucky sehr süss, kra(oncky kurz, 
drobnoucky u. ähnl. 

37. hk {^k). Kuss. klr. : iießorareiKo iieöoraxo nicht sehr reich. 
CloräuKKo reichlich, xuKeiiKinl dem. ran, bcjihukhh sehr gross, ziem- 
lich gross; Kiubiaiil KiueMKinl wie gross, Tim>KHH Tiu;eiKnil ein sol- 
cher, so klein; poln. tyhczki dem. tyli so klein, wysorzki nichtsehr 
gross, ziemlich gross, wneteczki dem. bald, daleczko ziemlich weit, 
etwas entfernt u. ähnl.; slov. toUhk dem. tolik so klein, mihk^k 
kleinwinzig u. ähnl.; serb. ö.iuiuko hyp. ÖJiiiro wohl, KojnqaK augm. 
KOJHK wie gross, mäjiko dem. mujo wenig, uejaqaK dem. uejäK 
schwach, obo-thikh augm. obo.ihkh so gross, yÖojKaK y6or arm, .lä- 
rayaK dem. .lilraii leicht, } 3aqaK dem. ysau eng. Aus den zwei letz- 
ten Fällen, die lautgesetzlich sind und *jitrbKbK *y3bKi>K, die in Ah- 
rbutK y3b»ibK übergehen mussten, gelautet haben, abstrahirte man 
das Suffix anak und übertrug es auf andere Adjectiva: ucliiiKÜMaK 
augm. Be.iHKH gross, .ly^a^aK dem. jija närrisch, oBo.iHKä'iKH augm. 
OBOJiiiKri so gross, nynayaK dem. nyH voll, cjltöaqaK dem. cj;i6 
schwach, cyBa^aK dem. cys trocken, Ayra'iaK lang. Auf Grund 
einer solchen Verallgemeinerung kam man im Sloveuischen zu dem 
Suftix ibbk: als man mladic (der Bursche) mladx'nk (dem.) mximldd 
in Verbindung setzte, ergab sich /«/«(/icb/?; sehr jung, drob drob'u- 
d7'obichk — dr6bo7i: dröbicok winzig. Danach konnte man zur Abstra- 
hirung des Suffixes ihk gelangen. Dieses Suffix wurde dann auch auf 



350 A. Belic, 

andere Adjeetiva übertragen : lepicbk gar hübsch, niedlich, mälicok 
klein, winzig, belihk schön weiss, sehr weiss u. ähnl. Was die Be- 
deutung dieser Suffixe betrifft, vgl. § 14 ff. 

D. Suffixe mit /. 

38. Von diesen Suffixen sind nicht viele bekannt. Sie sind 
wahrscheinlich alle, für einige kann man es leicht beweisen, z. B. 
für das serbische Äyry^acT, vgl. ^yr und na fi.jvjj-b in longitudinem, 
von Substantiven übernommen, ulj-: poln. hladziulki sehr bleich; 
cecb. : milulenkij allerliebst, hosulenhj hosij mähr., heloulinky weiss, 
drohoulinky droboulicktj drohny^ malilinko malilicko malo u. ähnl. 
Was die lautliche Seite der Suffixe betrifft, vergl. § 18 f., was aber 
die Reduplication der anhebenden Silbe anbelangt, vgl. § 10. 

E. Suffixe mit n. 

39. an im Serbischen. Dieses Suffix geht zweifelsohne auf 
das Suffix ?'ew oder an zurück. Das beweist der Umstand, dass 
an in offenen Silben nie ausfällt , wie es geschehen würde , wenn 
seine Urform hn wäre. Das bestätigt weiter auch der auslau- 
tende Consonant des dem Suffix vorhergehenden Stammes, z. B. 
6itei)aH, MJiä^H, rjia^H, ate^H, ciiliaH, x;iäl^aH. Hierher gehören 
folgende Beispiele: öac^h dem. öjiHJeA bleich, MJiä^H dem. >iJiäÄ 
jung, rjiä^aH dem. rjä;!i;aH hungrig, ate^H dem. ate^aH durstig, ch- 
han hyp. cHTaH klein, xjäl^aH dem. xüiä^an kalt, jyAan dem. JiyA 
närrisch, nynan dem. nyn voll, xänaH dem. xänaK fein ; vgl. noch : 
MHJiaHH MHJiH Hcb, JuraH leicht jiSk, MeKan weich mgk, ysaii eng yaaK. 
Es wäre das einfachste, in allen diesen Bildungen das alte, herge- 
brachte Suffix -en zu sehen. Dann könnte man mit Hilfe von 
Sachmatov's Hypothese (Izvestija VI 4, 272 ff.), die mir nicht 
gerade sehr einleuchtend ist, auch den erweichten Consonanten. 
der sonst sehr rätselhaft bliebe, erklären. Und doch meine ich, 
die Sache sei nicht so einfach. Erstens könnte man die deminui- 
rende Bedeutung des Suffixes schwerlich aus dem Suffix en her- 
leiten, zweitens wäre es doch noch immer befremdend, dass das 
Suffix en nirgends in der reinen Form aufbewahrt ist ^. Die Fälle 



1 MjialeH widerstrebt dem nicht, da man hier eine Kontamination der 
hypocoristischen Form M.3ai)a, M.3ai)o und des Adjectivs MJilÄeH voraus- 



Zur EntwicklungBgescbichtö d. slav. Deminutiv- u.AniplificativsuffiXf. S.'tl 

wie .lyAUH mlisste mau daun als Analo^Mel)ilduiigeü erklären, was 
au und für sich nicht unmöglich ist, mir aliur wcuij; wuhrsclieiu- 
lieh erscheint. Darum selila;.re ich in der Krkläniu^' dieser Foimcn 
einen anderen Weg ein. Ich meine, das» man es hier nicht mit dem 
vereinzelten Suffix Sn^ sondern mit dem bei weitem nmfangreichc- 
ren an zu thun hat. Dieses Sufti.v lindet man, ausser in Fällen wie 
•lyAan nynan TäiiaH, auch in MJi.ianii lieh, ;iilKan leicht, .Mcuan weich, 
ysau eng, nijanii gepflegt, Byican, ^Xyniaii, Mw.ian, üni.aii, Mnliaii. 
,ipi\rau der geliebte, pnhair, cMpAan und unzähligen anderen. Vgl. 
Miklosich, V-l. firamm. II. 12 1, Danicic, Ocn. 138—143. Dicsns 
Suffix wird wohl in seiner ersten Form das Suffix der Participia 
auf aw (Konan, nomTOBan, u. and. gewesen sein, das in Fällen wie 
Ba.täii, neiicKasan, ucoTecän u. ähnl. als Adjectivsuffix empfunden 
wurde und dann grosse Verbreitung bekommen hat, wie man aus 
den augeführten Beispielen ersehen kann. In den erstgenannten 
Fällen hatte es die Bedeutung »der Art, so beschaften sein, das 
ausdrückend I', was das Thema dos betreffenden Vcrbunis bedeutet. 
Als es an das adjectivische Thema angeknüpft wurde, wurde es in 
Verbindung mit diesem leicht modificirt. Vgl. im übrigen § 1(3. 
Die abgeleiteten Formen bildete man ebenso von dem Stamm des 
Positivums wie von dem des Comparativums, also 

ö.iiijeA *6.LCAan 
6/Le})H ö.Le^ii 

Es ist ja selbstverständlich, dass zwischen diesen zwei Formen, 
*6.beAan und (5.iel)aH, ein Unterschied in der Bedeutung war, der 
aber später auch verwischt sein könnte ; darum ging die eine 
der beiden Formen leichter zu Grunde, in diesem Falle *6.i,('AaH. 
Wenn einmal solche Formen geschatfen waren, konnte man da- 
nach immer neue Formen bilden ; dass aber die comparativischen 
Stämme für solche Bildungen gebraucht werden können , zeigen 
die Bildungen wie .M.ial^axau, cidivmau (bei Vuk fehlt es) u.ähnl. 

40. hn: tojihuihii dem., KOJininan dem., OBcaurnnH dem. Diese 
Formen machen in Bezug auf ihre lautliche Seite grosse Schwierig- 
keiten, da man ihr Suffix nicht so genau von dem Stamm scheiden 
kann. Das einfachste wäre zu sagen, dass TOjiiimHn aus *tojihhhh 



setzen kann, welches in Mjäjcuuu, das auch eine Form mit t haben kann : M.iä- 
beHHH, MjäüHJennu (vgl. dasselbe auch in andern slav. Sprachen), aufbewahrt ist. 



352 A. Belic, 

eutstanden sei. indem c in s überging; das aber wäre ein starker 
Verstoss gegen die serbischen Lautgesetze, da c im Serbischen nie 
vor ni in s überzugehen pflegt. Es wäre auch nicht unmöglich zu 
behaupten, dass sich die Form *TOJiHyHH irgend einer Analogie 
unterzogen hätte, so dass in Folge dessen die Endung üni zu 
Stande gekommen sei. Das ist aber auch sehr wenig wahrschein- 
lich, da Adjectivformen auf isni und icni dem Serbischen so gut 
wie ganz unbekannt sind. Es bleibt meines Wissens nur noch eine 
Möglichkeit übrig, die zwar nicht viel Wahrscheinlichkeit, mehr 
aber als die andern für sich hat. In dem Dialekt von Ragusa findet 
man neben der bekannten Form noch eine, nämlich obojihxhh. 
Diese Form in Verbindung mit Formen wie OBomuiHn zeigt uns, 
dass die Urform aller dieser Bildungen *obojihkhh gewesen sein 
kann. Man würde wohl erwarten , dass km c übergehe ; das 
Unterbleiben weist aber nur darauf hin, dass die Form neu, jung 
ist. Sonst findet man k vor n in auslautenden Silben selten, von 
dem Suffix m fast nie : CxaKHa (CxaKa), CÖKna (CoKa), ^yKna (^yKa), 
EeKHa, ^ÖKHa (AoKa), MeKHa (mulier grassa) u.ähnl. Für denUeber- 
gang des k in x vor einigen Consonanten kann man schon einige 
Parallelen finden, die aber leider noch keine volle Analogie dar- 
bieten: K geht vor h, u in x über: Khn-xhn (Danicic PjeyHHK h5 kh.. 
CT. cpn. III 439) mhH (bei Vuk) , cpAaia];e 0Kii;e — cp^axi^e oxue (vgl. 
Archiv XXIII 178 1). Wenn einmal toj'hxhh u. ähnl. entstand, so 
giug, der Gewohnheit entsprechend, x in m vor (ft)w-Endungen zu 
verwandeln, in m über. 

41. Die Bedeutung dieser Beispiele ist nach Vuk's Angabe 
deminuirend. Dabei ist man zu einer Difi'erenzirung folgender 
Art gekommen. Für die oben genannten Beispiele ist es be- 
merkenswert, dass in den Fällen, wo diese pronominaladjectivischen 
Bildungen durch das Suffix bk vermehrt wurden, sie immer ver- 
stärkende (amplificirende) Bedeutung bekommen, vgl. oben obo- 
üHtncH, OBOMKäuKH, KOJiHyaK (§ 15, 37), obwohl, wie bekannt, das 
Suffix tK von Haus aus deminuirend ist. Die sich widersprechen- 
den Bedeutungen dieser Suffixe kann man nur auf die Weise ins 
Reine bringen, dass man annimmt, dass die beiden Bildungen die 
eine und die andere Bedeutung gehabt haben, und dass dann die 
durch das Suffix hn gebildeten die eine, verengernde, die durch das 
Suffix hk vermehrten aber die andere, verstärkende, verallgemeinert 



Zur Entwicklungsgeschichte ti. slav. Deuiinutiv- ii. Aioplificativsuftixe. 3ö:{ 

liabei). Wie sie zu diesen gekoiuuicn sind, zeifjt 4? 15. Die (irund- 
hedeutung des Suffixes hn^ die als Ausganj^spunkt für unsere Hil- 
dmi,i;en ^'edient hat, ist "der Art sein«, »sd besebaflVn ■ . wie das 
(inindwort. \'^'l. Heispiele wie hnlau aegmtus, lilan vijrcns n.älii-.l. 
Mikidsich Vgl. (ir. II 119—150). 

12. Im Slovenisclien kommt dieses Sultix als ein niclit/.usani- 
mengesetxJes mit keiner so spceiellen Bedeutung vor, /.. !{.: Dnn.n 
klein, winzig, nvh,n winzig, sätmn einzeln; es ist aber in /.usan:- 
mengesetzten llndungen wobl bekannt: zivrl-hn lebhaft, regsam 
[:ic';<- ein lebendes Wesen), vodr/th.// wjlssericht wodl-mr Wasser- 
stoti), majrihn sehr klein, llr6b^c^n dem. dröh,n (^/rö//7,r Stückchen . 
majchn sehr klein, winzig, drohrHii dem. drobhti (von *drobi,nJi . 
Das Suffix rh>n wurde auch auf andere Bildungen übertragen, z. 1'.. 
in dröbicHn, das von dröhih.h (winzig, vgl. i? :}7) entstanden ist, 
wurde rh,n durch rki,n ersetzt, so dass die Form dröbich,u ent- 
stand (diese Suffixe laufen auch in andern Fällen jjarallel, z. H. 
majcfron, i)}<y(hkh>i\. Das Suffix n?.//, das in Heispielen wie li'/tili.n 
gar hübsch, niedlich, m/(/f/?'r7,/< jugendlich . mälvioi kleinlich zu 
finden ist, ist auf dieselbe Weise wie ilvk ^i?37) entstanden, m'iriki>ii 
sehr klein verdankt sein Suffix Fällen wie mujriko (ein Bisschen). 
Die Form mictnn aber stellt wohl einen Compromiss zwischen For- 
men wie ?nichn, micvmk und muilchn (sehr klein) dar. In h^.löbi,/! 
weisslich und mehköb^n weichlich ist ob^n noch nicht selbständig 
geworden, da neben diesen Formen auch Substautiva — bvh'Am. 
meliköba — , aus denen sie entstanden, noch bekannt sind. 

43. cühj \x\\ Ivuss. und Poln. Kuss.: AOBrenhKo klr. sehr lang. 
«'{.leuhKiiii klr. sehr weiss, TaneuhKnil klr. sehr wohlfeil, billig, lui.i 
.jeni.i.in wssr. mild. inViKÜl wässerig, AaBneni,Ko ziemlich lange 
her. roToBeiiiiKiri dem. liyp. fertig, 3o.joueHfcKii1 wssr. mild, goldgelb. 
3K0BueHM.ii1 wssr. mild, gelblich, fyyKeiieni.Kia wssr. mild, vom 
Schicksal bestimmt, CTfeneubKÜl wssr. mild, blind, pflöentKÜl wssr. 
ziemlich scheckig, pMxjieuHKO wssr. mild, ziemlich schnell, ro.ienb- 
Kiil 1. modif. ziemlich arm, nysauenKKÜl ziemlich bauschig, öaÜAy- 
ateubKo öaS^yxe klr. gleichgültig, ptuihmeiibKo klr. sehr früh, a.ienb- 
KÜ'i röthlich, ro.i6;ineHi.Kii1 ziemlich hungrig, r-iyneubKÜl ein wenig 
dumm. 3nMenbKo ziemlich kalt, SAopnBeiibKiil ziemlich, recht gesund 
u. ähnl. Poln.: s/aiw/Äv" sehr schwach, w/of/tviÄ? hyi». sehr jung. 
malehki sehr klein, dobrehki hyp. sehr gut, milenki mild. lieb, uta- 

Archiv für slavische Philologie. XXVI. 23 



354 A. Belle, 

renhi sehr alt, dawnienki hardzo dawny, po?nalenku nach und nach 
u. ähnl. 

44, onkij im Russ. : yacTOHtKO klr. wohl oft, MaroHLKÜl dem. 
weich, öjiaroiibKo schlecht, schlimmer, BejinKOHeKi. über das ge- 
bührende Mass, AHKoiieKx recht wild, AO-itrontKo ziemlich lang, Aa- 
.leKOHLKÜl ziemlich oder sehr weit, roptKOHSK'B ziemlich, genug 
bitter, KpinöntKo ziemlich stark, xnxoHbKo sehr still, rjryöoKOHSK'B 
ziemlich tief, zu tief, BLieoKoubKo genug, zu hoch, ^KecxKOHeKt ziem- 
lich hart, JiHxÖHeK'B ziemlich böse, arg, jieroHfcKiii ziemlich leicht, 
r;iyx6iieKi. sehr taub u. s. w. 

45. Die angeführten Beispiele auf enkij und o/ikij zeigen, dass 
ihre Bedeutungen zwischen der verstärkenden und verengernden 
variiren, was übrigens bei solchen Adjectivsuffixeu nicht selten 
vorkommt. Daraus geht hervor, dass die Grundbedeutung dieser 
Bildungen die der unbestimmten Abgrenzung der Adjectivbedeu- 
tung ist. Das stimmt ganz gut mit der Bedeutung, die diese Suffixe 
von den Substantiven übernommen haben. Dort hatten sie die 
Deminutivbedeutung, hier ebenso. Da aber die Natur der Adjectiva 
eine andere ist als die der Substantiva, so gestaltet sich die weitere 
Geschichte dieser Suffixe bei den ersteren anders. Darüber vgl. 
§ 15 f. 

4ö. un russ. poln. cech. serb. In keiner von allen genannten 
slavischen Sprachen kommt dieses Suffix so oft vor wie im Cechi- 
schen, darum werde ich mich unten mit dem Cechischen speciell 
beschäftigen, führe aber jetzt die Beispiele der andern slavischen 
Sprachen an: MaciOHeHtKiiil kleinruss. klein, tincTiOHfcKHß kleinruss. 
ziemlich rein, vgl. ctBaTyKeBHiiii verstärk. cbBHTHn heilig, polnisch 
pomalunenku = bardzo pmaiu, serbisch jarju (Herzeg.) = jiäraxaH. 
Wenn man weiss, dass in allen diesen Sprachen das Suffix un auch 
substantivisch und zwar mit deteriorirender Bedeutung gebraucht 
werden kann (vgl. darüber Archiv XXIII 200 — 201), so ist nicht 
schwer, dieser adjectivischen Bildung auf die Spur zu kommen. 

47. Im Cechischen liegt die Sache nicht so einfach. Dort 
findet man folgende Suffixe: -inky^ -ounky^ 'ounky. Von andern 
Bildungen sind die Beispiele vereinzelt: nedacninko, ienunkij. Am 
einfachsten wäre es anzunehmen, dass im Cechischen ein Suffix 
wie unka — 'unky gewesen sei , aus dem alle andern entstehen 
konnten; das ist aber zugleich auch das unwahrscheinlichste, weil 



Zur Eiitwickelungsgeschichte d. slav. Deminutiv- u. Amplificativsuffixe. 355 

unka als .suh.staiitiviscbes Suffix unbckamit i>t. Ks ist zwar oun als 
deteriorireiules Siibstantivsuftix bekannt (vgl. a. a. O.j, dieöc FUlle 
sind al)er so dürftig, dass man kaum oini' Uebertragung dieses 
Suffixes auf Adjectiva anntliiiien kann. Mir ist es darum wabr- 
sebeiulicber, und dafür spreeben aueb andere Umstünde, dass der 
Aus-au^^spunkt für alle solcbe Hilduiif^en die Källe mit inhij 
waren. Das Suffix ////•(/ ist im ('e<'lii.»;cbt ii als substanti\ iscbes 
Deminutivsuffix sebr verbreitet (vgl. a. a. < >. 198), so dass es uns 
nicbt wundert, wenn man iliesc Endung in \ ielen /,u8ammen;.,'('sct/,teii 
Adjectivsuffixen findet. Dies beweist nur, wie dieses Suffix dem 
Cechiscben aucb für Adjeetiva geläufig ist. Da aber in Bezug auf 
andere, dem Ceebiscben geläufige Suffixe neben der Form mit / 
— z. B. vk(i^ itkij — aueb die Formen mit ou und ou bekannt 
waren (wie sie entstanden sind, baben wir scbon geseben). 
also oucky ^ 'ouckt/, outki'/, 'outktj , so entstanden danaeb zu mkij 
die Suffixe ounk\j^ 'ounkij. Darauf weist auch der Umstand bin, 
dass die Fälle mit i beinabe ganz felilen, was nicbt der Fall sein 
würde, wenn «//-Bildungen alt wären. Beisj)iele: maHuko-mälo^ 
drohninkij selir klein, shuUukij sebr süss, A«r(////X:// jeder, ein Jeder, 
o^vt»?////////// rundlieb, tv/tinkij sebr dünn, mladiukij sebr Jung und 
äbnl.; hclounkij scbön weiss, drohounhj, malounki) sebr scbwach, 
hUzoutikij tvhni hlizko , mahmukii sebr klein, JehoKfikij lehoulinki'/ 
sehr leiebt, krehounkij sebr mürbe, tuhounkij ein wenig zäb, fest, 
nizounhj selir niedrig, tichounky mäuscbenstill, mrhou?ik{/ 
schmäcbtig, sebr mager, sHIilounki'i bUbsch seblank, tenounkij sebr 
dünn u. and. ; nedacniako unlängst; teiiunktj = tcnounktj\ droh- 
hounkij vgl. oben, kratoimkij (sebr) kurz, sladouckij sehr süss, 
chladounkij lieblicb kühl, zlufoutikij zart, stark, hübsch gelb, 
pekiwunkij sehr schön, mladounkij sehr Jung, tlustounk(i hübsch 
dick, zeleiiowiki'i lieblich grün u.ähnl. 

Dass die Bildungen auf ounky zahlreicher sind als die übrigen, 
beruht auf keinem Zufall, sondern ist in vollem Einklang mit den 
Bildungen, nach denen unsere Suffixe geschaffen w^irden. 

48. Im Russischen, hauptsächlich im Weissrussischen, kommt 
ihkl als Adjectivdemiuutivsuffix vor: xiiacHiii.i.iil ziemlich listig, 
.iiixuubKo ziemlich schlecht, öapüiiubKÜl hyp. geschwind, Timiinenb- 
KHJI kleinruss. dem. tiulkhH. Dieses Suffix ist das adjectivisirte 
substantivische Suffix ihka (vgl. Archiv XXIII 199). Es seien noch 

23* 



356 A. Belic, 

die folgenden vereinzelten, auf verschiedenen Substantivbildungen 
beruhenden Beispiele erwähnt: ßojrtmiiHCKiH sehr, überaus gross, 
öo-itmaHCKÜl dasselbe, 6o.ibuieraHCKii1 dasselbe (vgl. öcjiKiueranx 
Koloss). 

49. Archiv XXIII 165 ist gezeigt, wie das Suffix oüka ent- 
standen ist, jetzt soll hinzugefügt werden, dass es im Kleinrus- 
sisehen auch als Adjectivsuffix erscheint, z. B. thxoiiko kleinruss. 
ziemlich still, TaaceiiKHil klr. ziemlich schwer, schwerwiegend, ae- 
AOÜKO wssr. schlecht, arg, vgl. auch bohi. bohoUko dort u. s. w. 

F. Suffixe mit v. 

50. Mij. Russ. ö'^jüABtiii, 6f.jrKBtin hell, sehr weiss, MepHUBtiri 
schwärzlich, c^AäBbiil graulich , cHiiaBtiil: bläulich, poln. hialawy 
weisslich . hladatcy blässlich , hrunafnawy bräunlich , luraioy 
dunkelgrau, czernawy^ czarniaivy, czernimcy schwärzlich, dluyaicy 
länglich, modratcy bläulich, rumianiawy röthlich, rudzawy röfhlich, 
rusatcy^ 7^us zaicy röthMoh. siwaicy graulich, kmaglaicy dunkelbräun- 
lich . smiadawy bräunlich, zoHmcy gelblich u. ähnl.; cecli. heJavy 
weisslich, cernavy schwärzlich, cervenavy röthlich, modravij bläu- 
lich, pstravy ein wenig bunt, rysavij^ rysacy röthlich, ainavy bläu- 
lich, smedüvy braunsehwärzlich, heravy graulich, zelenav {/ ^nmWoh^ 
zltuvy gelblich u. ähnl. ; slov. crnäv schwärzlich, helav weisslich, 
vgl. vodenicav wässerig u. ähnl. Diese Bedeutung des Suffixes ist 
nicht schwer zu erklären, da es sonst die Bedeutung «der Art«, »so 
beschaffen« wie das Grundwort hat. Vgl. die beiMiklosich (a. a. 0. 
220 — 222) angeführten Beispiele. Vereinzelt sind Beispiele wie 
cech. i>edivi/ graulich. 

G. Vereinzelte Suffixe. 

51. asy. Wssr. ö'kjiAcmi weisslich, mit weissen Flecken be- 
deckt, zoiiasy gelblich, cech. belasy weisslich u.älml. 

52. eny. Klr. BHCoqeniitiH sehr hoch (vgl. BHCouinb Höhe), 6o.ii.- 
uieHHHH sehr gross, MaceHHHJI (vgl. Ma.ieeeHi>Kin, MacjenoKt, MacT- 
loiuKa u.ähnl.). Poln. siarenny sehr alt; Linde hält es mit Eecht für 
eine Entlehnung aus dem Russischen. Slovak. heleny = hihj. 

53. Russ. u'sci'. ööjitmyii^iil: sehr, überaus gross, BtieoKymiil 
überaus gross, Bicyii^ifi schwer beladen. Wie die echt russischen 



Zur Kiitwicklungsgeschiclitf d. sliiv. Diiniiuitiv- u. AiupliticativBuftixr. ;{.")7 

l'iiitici|iia aut" -yiiii ii. iilml. /.ii AdJectiNu ^ewitrileii sind — was 
daraiit" hinweist, wie sieh diese zwei Kutcf^orien vuii Bildungen be- 
rühren — , so konnte es mit den l'artirijiien auf -y min ^^eschchcn, 
und da die N'erba 'iniperrectiva schon an und für sieh eine Ainpli- 
tieativfärbunj; haben, so ist es nicht schwer zu verstehen, wir 
diese Suftixe auch für Ainplificafiva ^^cbraucht werden können. 
Es soll auch nn.i i.iini in miii , wo / statt // ein{;ctreten ist. erwähnt 
werden. Die Beispiele sind so dürfti^j, duss man nieht mit lle- 
stimmtheit sa^^^en kann, ob das das muditicirte Sul'lix iiiue oder 
ymiii war. 

.')4) Klr. uHeoui'U.iiii.ni sehr hinh, Ma-n'-Miiin kleinlieh, cLiurry- 
uejiiiin verst. heilig; h;iben wohl ein fremdes .Suftix, vgl. ccqu.ü.tutin 
serieux. 

J5. Es sollen hier noch einige Bei8i)iele angeführt werden, die 
seltcuere Suftixe in sich enthalten, oder solche, die von verschiede- 
nen Substantivt'ürmen abhängig sind. >Te.inMKni.in ganz klein (vgl. 
Ku.iu'm'ii>i> u. ähnl.); M.iiil)aiinliaii serl). jung; milszy poln. dem. mihj 
dial.) — ist nicht schwer aus der Conii)arativbe(leutung dieser 
Bildung zu erklären. Md/ir/a-r/n), maJulieruij — mahj ;vgl. maliikij^ 
maJirlinij — vscrhcrua^ c'serck), Maxürni.iri, MaxoTounLni .MaxoubKifi, 
Mauicmuri (vgl. Maxonca der kleine), MaTyiiiiMULiri, Ma.iionaceHKii1 
winzig vgl. Ma.iionaTKa), Ma.ieiuoTiii.iri. Ma.iexorni.iH vgl. Ma.iexoTKa} 
— alles «klein", uepuoTHLin ganz schwarz, cuneTULiil ganz blau. 
TaKejieubKHil klr. sehr gross raKiiil (vgl. »lyxb, iryTeTe.JbHLii1 Bisschen 
n. ähnl.). l>t.iecoDaTi,ii'i russ. weisslich, ofc.iioDOBaTui'i dass. Fälle 
wie biiiahj (eech.) u. ähnl. gehören nicht hierher. 

J. Belic. 



358 



Ein serbokroatisches Wörterverzeiclmiss aus der Mitte 
des XV. Jalirliunderts. 



Ich habe vor kurzem zwei Doppelblätter eines lateinischen Sammel- 
bandes in die Hände bekommen, deren Schrift und die Art und Häufig- 
keit der Abbreviaturen zeigen, dass sie entschieden in die Mitte des 
XV. Jahrhunderts gehören. Sie sind auf Papier in 4" (21 1/2 cm Breite, 
28^2 cm Höhe) von derselben Hand geschrieben und scheinen einst 
auch einem und demselben Bande angehört zu haben; sie waren auch 
paginirt, doch hat die Tinte auf allen vier Blättern die Blattzahl gänz- 
lich durchgefressen. Das eine Doppelblatt ist höchstwahrscheinlich die 
äussere Lage eins Quaternions , weil der Text der dritten Seite nicht 
die Fortsetzung der zweiten Seite bildet; dagegen könnte das andere 
Doppelblatt die innere (aber auch die äussere) Lage eines anderen 
Quaternions sein, weil der Text am Schlüsse der dritten Seite und der- 
jenige im Anfange der vierten vollständig ist, jedoch ohne dass in Bezug 
auf den Inhalt ein Zusammenhang bestände. Das eine Doppelblatt, mit 
welchem wir uns nicht weiter zu beschäftigen haben, enthält auf der 
ersten Seite (wie das Doppelblatt seit alter Zeit gebogen ist) einige Re- 
zepte (in secretis secretorum ad Alexandrum de dolore pectoris ; de 
dolore ventris ; unguentum contra stricturam pectoris), auf der zweiten 
moralphilosophische Sentenzen (zumeist aus der Bibel) und auf den 
beiden letzten eine Auseinandersetzung über die unbefleckte Empfängniss 
der heiligen Maria. Das andere Blatt, welches uns allein interessirt, hat 
auf der ersten Seite in zwei Kolumnen zuerst eine Aufzeichnung litur- 
gischen Inhaltes, welche als Beispiel der vom Schreiber angewendeten 
lateinischen Abbreviaturen weiter folgt, dann ein zumeist lateinisch- 
serbokroatisches Wörterverzeichniss unter der Aufschrift sclavice ; auf 
der zweiten und dritten Seite folgt dann (in einer Kolumne): »Couencio 
feu concordia ftä . . . ^ iter eccliam orietalem -f- greco9[^ | et occidetale 
fb pp E[ug]enioi hic i ferius f'bfcribitur^«, nach diesem Ueberein- 
kommen (auf Seite 3) die, wie es scheint, später hinzugefügte Notiz: 
»deceffit. fupdcs pontifex füm' p^) Eugeni' M'^CCCCXLVID^ die XXI'' 
meff marcij hoa ut dici[tur] ^ XXIJ"« ; auf der unteren (wiederum in 

1 Auf durchlöcherter Stelle. 



Ein serbokroat. Wörterverzeichniss aus der Mitte des XV. Jahi-li. 359 

zwei Kolumnen getheilten) Hälfte der dritten Seite befindet sich links 
(die rechte Kolumne ist leer) eine Skala der Gemüthsbewegungen, bezw. 
Zustände von der Suggestio bis zur Damnatio; die vierte, zweispaltige 
Seite enthält wiederum eine Erklärung der Worte des Evangeliums: Ecce 
virgo concipiet etc., so dass, wenn vielleicht der erste Doppelbogen 
schon in alter Zeit umgebogen wurde, die beiden letzten Seiten desselben 
die Fortsetzung der vierten Seite dieses zweiten Doppelbogens bilden 
könnten. 

Das Wörterverzeichniss umfasst also die erste zweispaltige Seite des 
zweiten Doppelbogens und folgt einer kurzen Anführung des Grundes, ans 
welchem an einem bestimmten Sonntage das AUelnj a nicht gesungen 
wird. Es ist aber zu bemerken, dass die erste Kolumne des Verzeich- 
nisses im Anfange und am Ende zwei Reihen von Wörtern enthält, 
während die zweite Kolumne durchweg einreihig ist. Die Wörter, 
w^elche sich nun am Anfange der ersten Kolumne in der zweiten Reihe 
befinden (Nr. 33 — 39), sind ganz gewiss hinzugefügt worden, nachdem 
beide Kolumnen geschrieben worden waren, denn man sieht, wie der 
Schreiber diese Wörter eng zusammenschrieb, um mit dem zwischen 
den beiden Kolumnen frei gebliebenen Räume auszukommen. Wohl 
später wurde auch Nr. 40 geschrieben, das sich ebenfalls in der zweiten 
Reihe der ersten Kolumne befindet, aber vereinzelt zwischen Nr. 9 und 
10. Dagegen scheinen die Wörter der zweiten Reihe, welche am Ende 
der ersten Kolumne stehen (Nr. 41 — 49), vor denjenigen der zweiten 
Kolumne geschrieben worden zu sein, wenigstens sind die vier letzten 
Vokabeln der zweiten Kolumne (Nr. 82 — S5) weiter nach rechts ge- 
rückt, weil die zweite Reihe der ersten Kolumne zum Theil auch in den 
Raum der zweiten Kolumne hinübergreift. Es folgt nun der Text in der 
Originalorthographie, die serbokroatischen Ausdrücke auch in moderner 
Transkription (kursiv, in Klammern), während nur vereinzelte latei- 
nische Wörter (in Klammern) aufgelöst werden, um deren Lesung zu 
erleichtern ; nur die Aufzeichnung über das Lesen des Evangeliums im 
Anfange der ersten Kolumne habe ich auch ganz ausgeschrieben, denn 
die vielen Abkürzungen, die ohnehin nur zum Theil typographisch 
wiedergegeben werden konnten, erschweren sehr die Lektüre, Ich 
habe auch die einzelnen Vokabeln, da sie nicht in alphabetischer Reihe 
auf einander folgen, nummerirt, um bei der folgenden Besprechung das 
Citiren derselben zu vereinfachen. 



360 



M. Resetar, 



(Kolumne 1) -: yh's :-• 

liOmo ^ cü I honoe eet nö itellexit | opat' e inmts i Icipi^' & filis tc3 e 
M. I pl. dd. Q2i ifta dö. a^«. dimitti2 | all'a. q e cätic"" leti« 

ut d2 tob', c. I Et rö hui' e q^ tue fit mtu depecco pmi homls. | Id 
cico ad folepni hui' do oueniet' fumi^ u'b" palega"". ] Inq'^ u'bo de 
cl'an 2 duo max q I lUo Icell e 4)it ociTit. | Pmü q fint malu culpe comi 
ex hua malicia. 

([Et] homo, cum in honore esset, non iutellexit: comparatns est 
jnmentis insipientibus, et similis factus est illis. Psalmus David [XLVIII, 
13]. Quia in ista dominica A™® dimittitur alleliija, quia est canticum 
laetitiae, ut dicit Tobias c. [XIII, 22]. Et ratio hujus est, quia tunc fit 
mentio de peccato primi hominis. Idcirco ad sollempnitatem hujus do- 
minicae convenienter sumitur verbum per allegoriam, | in quo verbo de- 
clarantur duo maxima, quae in illo scelere pariter concurrunt; primum 
quorum fuit malum culpae commissae ex humana malicia.) 



<^ fclauice ^ 

1) Naro, as. pocitati. [pocitati] 

2) Meditor ris. poucitife. [pou- 

citi se) 

3) Formo as. obra§iti. [obraziti] 

4) Tabefco is. pomangcati. \po- 

mankati) 

5) Calupnior. ris. obrehy. [ohreci] 

i i 

6) Suadeo. es. pocpti naucignege 

[pokripiti na ucinenje) 

7) Tempo, as. raftuoriti. [rastvo- 

riti] 
S) Atenuo. as. ftanciti 2, 1' 3 omlo- 
hauiti.3 [stanciti vel omloha- 
viti] 



9) Fecüdo as. ploditi [ploditi) 

10) Difpono IS. Racrediti. [razre- 

diti) 

11) Conpono is. flagati*. [slägati] 
12] Conyectuor ris. vganati [uga- 

nati) 

13) Deuotö obit ul' obitouäge [ohit 

vel ohitovanje) 

14) Inclinantes. pclagnaiuhiymfe 

[priklanajuci im se) 
fcdm gramatic"^ h' ditö 5 g ptici"' 
(= secundum grammaticam 
haec dictio est participium) 
l.S) Refpiientes. odrinuffege [odri- 
nufse je) 



1 Das h auf dem für die zu malende Initiale freigelasseneu Räume; 
3 durch Korrektur aus /ifancff(!j; 3 später hinzugefügt; * vor dem 

Worte war zunächst geschrieben, wie es scheint, frehyma (sre(tiva[ti] , dann 
wurde hyma durchgestrichen und cliti hinzugefügt, so dass die Korrektur 
ß-e...diti (srediti) ergab; endlich wurde noch einmal das Ganze durchgestrichen; 
5 durch Korrektur (aus duo?) und nicht ganz sicher; 



Ein serbokroat, Wörterverzeichniss aus der Mitte des XV. Jahrh. 361 



16) Squalletis. neciftohye [nehi- 

stoce) 

17) Contagui miflyeDge [mihJenje). 

Illecebritas delec|tat() pua 
(= prava) 

1 8) Arces odnnuyuhye [odriniijuce] 

19) Spuma gracillis. pina pulila. 
[pina puhla) 

20) Forma, ftaf. [staf) 

21) lutC'Cio. fnimange. i. miriycDge. 

[fiiimanjc vel 7nüleiijc) 

22) Prefencia pdftoyange. [prid- 

atojanje) 

23) Abfcencia odftoyange. [odsto- 

jcwje) 

24) Expiencia ra9motrouäge. 'ruz- 

inotrovanje) 

25) Petulläcia lacomol't. [lakomost] 

26) Ingluuia cailftuo. [h^htvo] 

27) Lalciuia'^-Libido blud [hlud] 

luxuia 

28) Comerciü otayl'tuo ". [otaj'stvo] 

29) Victoia pmocenge [primozenje] 

30) Oppoficio fuprotifglyenge [su- 

protifhnje) 

31) ex Ortacio^ fpominange [spo- 

minanje) 

32) Orthor pocplyuyu ^ [pokrip- 

h<ju) ^^ 

33) Vicesio. erat, [krat] Q vicib' | 

colico oratio [koliko krat) 



34) Vices. Kedi. [redi] 

35) Stratus. lo^e \loze) 

36) Amiiiicnlii. pomoth. [pomoc) 

37) Friigalitas tcm4} ancia. i. ral- 

tiiov [rasfcor) 

38) Inteftiä. eimtargna {z/nitr/ta) 

39) Coiiyectores. ganatci. [ganafci. 

40) Reces pfan [prisan) 

41) Declarato ocitouäge: [ocito- 

vanje) 

42) Indicatu iVecenge : [zrecenje] 

fgouorenge ^^ [zgovorenj'e) 

43) Naratu pocitauge: [pocitanp) 

44) Fabula ppouilt. 1' barcigncge '^. 

{pripovhf vel barcmenje) 

45) Conyecturii ganca [ganka] 

46) Annücia nainibege^^; {^navi- 

scenj'e) 

47) Profperor. coriftyuyu-*. 

48) Aptus. fpretaii [spretan] 

P. fpitas(=prosperitas). Conft 
prud [korht prud) 

49) Aiifitas fhyeta. l'uprotifaa. 

[ficeta. suprotifna) 

Kolumne 2. 

50) Pret'ita mimofadfa. 1" prefadfa. 

biffa [niimoiiadsu vel pre- 
sadsa. hifsa) 

51) Prefencia. fadagna 1' uaftoye- 

hya. [sadana vel nastojeca) 



6 später auf dem Rande geschrieben ; " davor oft durchgestrichen ; 

*^ das ex auf dem freien Rande und zwischen Or und ta zwei Buchstaben (^o?) 
wegradirt; 9 oberhalb eines durchgestrichenen /]po??w'«a??i ; lo ^as 

Ganze später hinzugefügt; ii später oberhalb /recew^e geschrieben; 

1- das b durch Korrektur aus v; i3 das h durch Korrektur aus a; 

1' ty nicht sicher, vielleicht als h zu lesen [cortshui/u [koriscujujj; vordem 
Ganzen ein durchgestrichenes opraßyam (oprafjam); 



362 



M. Resetar, 



52 
53 

54 
55 

5C 
57 
58 

59 

60 
61 
62 

63 

64 
65 
66 
67 



Futnra bnduhya [huducd] 
Detractö [detractatio] clyeue- 

tange. [hlevetavje] 
Calüpnia. vafhyna ^^ [vascina) 
i^fona fobftuo vel. chip. [sob- 

sfvo vel kip) 
Effencia bitge (bifj'e) 
Subft^lClafuhtyaftuo(s^/cffS)'^?o)l6 
Inf)pei'iü [impi'operium] priroc 

[pi-irok] 
mif'ia [miseria] nifhyeta ul' 

neuolya [nisceta vel nevola) 
Milans pilyuh [pihih) 
Fruges ogaftge [ozasfje) 
Exerciciü vavfnouäge [vrsno- 

V)anje) 
Induft'a {industria). domifal 

[domisal] 
Inftaiis. hip [Jiip) 
obftrufo. claufo 
Vafti. I. ampli Sciroc [sirok] 
Famie fimone f= sermone) 



68) fatov cator 

69) Opimis. 1. magnis 

70) yrtü. I. afpe2[- (= asperum) : 

71) ftropbiu videtes .i. cingulü. 

pbuerüt : 

72) Latex .i. aq (= aqua) 

73) Mella. f. pbuerüt 

74) Locuftis uoiatilib' .i. pifcicüt(? 

75) Cremet^ .i. amplificametug 

76) Coeuus. varfnic [vrsnik] 

11) Cerimoie naredbei^. [naredbe] 

78) Crimiätor. ohx(iQ,\nc\i{obrecniB 

79) Sufuro. bri9lif [brizUf] 

80) Plaufus. vgoyhayis. {ugodaj) 

8 1 ) Plaudet manib'. plef hyu rucami 

{plescu rukami) 

82) Aplauf' ngabyauge. [ugadianje) 

83) Fätafie. pomame. vel. hiube. 

[pomanie vel liinbe) 

84) Vagabüdus. fchitaua§ [skitavac) 

85) promtitudo naparu§tuo [napa- 

rucf/üo] 



Welchem Zweck sollte dieses Wörterverzeicbniss dienen? Zu- 
nächst muss konstatirt werden , dass in demselben nicht nur lateinische 
Ausdrücke durch die entsprechenden serbokroatischen, sondern — aller- 
dings ausnahmsweise — auch (dem Verfasser schwieriger erschei- 
nende) lateinische Ausdrücke durch ihm besser bekannte Wörter der- 
selben Sprache erklärt werden; so wird sub Nr. 17 an zweiter Reihe 
ülecebritas^ allerdings nicht ganz richtig, durch f/e/ec^a^eo^ray« wieder- 
gegeben, sub Nr. 65 — 75 finden wir dann mehrere lateinische Ausdrücke, 
die auf eine nicht immer verständliche Weise lateinisch erklärt werden. 
Wenn wir aber nach dem Zwecke der serbokroatischen Uebersetzung 



1^ davor obricange (obricanje) durchgestrichen ; ^^ ich nehme nämlich 
au, dass hier Idy eine Art Doppelschreibung zur Bezeichnung des Lautes c ist 
(vgl. Note 14); i"? das d durch Korrektur aus h; i8 zwischen a und y ein 
durchgestrichener Buchstabe, scheint ein y gewesen zu sein. 



Ein serbokroat. Wörterverzeichniss aus der Mitte des XV. Jaliili. 363 

fragen, so würde es am nächsten liegen, daran zu denken, dass der Ver- 
fasser — wohl ein Geistlicher — aus einem lateinischen Texte, den er in 
der Kirche in serbokroatischer Si)rache vorlesen sollte oder wollte, sich 
einige schwierigere Ausdrücke notirt habe; denn das steht fest, unter den 
übersetzten Wörtern findet sich kein einziges gewöhnliches. Doch, wenn 
wir ohne weiteres den Zweck der Uebersetzung errathen können, so ist 
es nicht leiclit zu sagen, welchem Texte die übersetzten Ausdrücke an- 
gehörten; das Einzige, was man mit ziemlicher Sicherheit behaupten 
kann, ist, dass der Text nicht der Bibel entnommen war, weil wir unter 
den übersetzten Wörtern auch solche finden, die (wenigstens in der an- 
gegebenen Form) in der Bibel nicht vorkommen, so iUecehriias (Nr. 1 7), 
petulancia (Nr. 25), ingluma (Nr. 26), respuentes (Nr. 15, in der Bibel 
nur respuere und resptnatü) u.s. w. 

Was mich aber glauben lässt, dass der Verfasser nicht etwa ver- 
einzelte Wörter, sondern einen zusammenhängenden Text übersetzte, 
ist der Umstand, dass er in der Regel Nomina in der Form des 
Nom. sing, und Verba in derjenigen der ersten Person des Praesens 
anführt, daneben aber sub Nr. 14 und 15 Participien hat, die er in der 
Uebersetzung sogar mit einem Objekt verbindet [priklanajuci im se, 
odrinufhe je). 

Die lateinischen Kenntnisse des Verfassers sind nicht sehr gross, 
denn er übersetzt allerdings nie ganz falsch , doch nicht selten ziemlich 
ungenau: so bedeutet ihm meditor (Nr. 2) pouciti se, devotio (Nr. 13) 
ohit vel ohitovanje (verwechselt also devotio mit votum)^ contagium 
(Nr, 17) ist mislene (also coniagium wohl in der Bedeutung einer ver- 
derblichen Denkungsart genommen!), commercium (Nr. 28) ist otajstvo 
(geheimer Verkehr?) u.s.w. 

Für uns ist es aber am wichtigsten , womöglich die Zeit und 
Gegend festzustellen, in welcher dieses Verzeichniss zu Stande kam. 
Zuerst soll aber gesagt werden, ob uns eine Urschrift oder eine spätere 
Abschrift vorliegt; die Sache ist nämlich nicht ganz sicher zu ent- 
scheiden: die Korrekturen, welche von derselben Hand an der Ueber- 
setzung vorgenommen wurden (vgl. Nr. 11, 32,47,54), sprechen 
dafür, dass keine Abschrift vorliegt, und dagegen spricht auch der Um- 
stand nicht, dass sub Nr. SO ugotjhcnj durch einfachen Schreibfehler 
für ugohyay steht. An zwei Stellen scheinen aber Fehler vorzukommen, 
die nur durch die Annahme erklärt werden können, dass diese Stellen ab- 
geschrieben wurden; ich meine zunächst Nr. 16 Squalletis =tiectßohye, 



364 M. Resetar, 

was einander nicht entspricht; es dürfte an dieser Stelle in der voraus- 
zusetzenden Vorlage ASit^waZ/om oder AS'5'wa//e<«ß gestanden sein (was durch 
necistoce ganz richtig übersetzt wäre), umsomehr als das Squalletis 
der Handschrift ganz gut auch als Squalleris gelesen werden könnte. Die 
andere Stelle ist Nr. 44:' »Fabulappouift, 1' barcignege [fabtila =. pri- 
povist vel harcinenje), wo das zweite Wort [barcinenje oder hrci/ienje) 
keinen Sinn gibt; es könnte daher sein, dass der Schreiber etwa vashi- 
gnege [vascinenje) falsch gelesen habe. Sind diese zwei Stellen auf 
diese Weise richtiggedeutet, dann haben wir es doch mit einer Abschrift 
zu thun, bei welcher sich der Verfertiger derselben erlaubte, an einzel- 
nen Stellen die Vorlage abzuändern. 

Die Zeit, wann das Wörterverzeichniss in seiner gegenwärtigen 
Gestalt zu Stande kam, lässt sich mit ziemlicher Sicherheit feststellen: 
das in Florenz zwischen der lateinischen und griechischen Kirche am 
(i. Juli 1439 getroffene Uebereinkommen gibt den Zeitpunkt, vor wel- 
chem dies nicht geschehen konnte; auf der anderen Seite spricht die 
Schrift entschieden dafür, dass die Handschrift nicht nach dem Ende 
des XV. Jahrhunderts geschrieben wurde. Ich glaube daher, dass die 
Notiz über den Tod des Papstes Eugen IV., welche, wie es scheint, 
später hinzugefügt wurde, trotz ihrer Unrichtigkeit (in der Handschrift 
wird nämlich der 21. März 1447 als der Todestag dieses Papstes be- 
zeichnet, während Eugen IV. in der That am 23. Februar 1447 starb) 
uns den Zeitpunkt angibt, vor welchem die Handschrift verfertigt 
wurde; es wäre nämlich leicht zu denken, dass unter dem unmittel- 
baren Eindruck der Nachricht vom Tode Eugen's IV. das Datum 
dieses Ereignisses vom Schreiber der Handschrift gleich nach der 
Abschrif des von diesem Papste durchgeführten Florentiner Ueber- 
einkommens registrirt wurde. Wir hätten somit die Zeit von 1439 bis 
1447 als diejenige zu betrachten, in welcher wenigstens dieser Theil 
der Handschrift geschrieben wurde. Für ein relativ so hohes Alter der 
Handschrift spricht auch die sogleich zu erwähnende Art und Weise der 
Wiedergabe der Laute c und ^, welche in keinem der späteren Denk- 
male der serbokroatischen Sprache vorkommt. 

Was nun die Heimath der Handschrift anbelangt, so kann man 
ebenfalls mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass dieselbe bezw. ihr 
Schreiber) aus einer nordwestlichen, speciell nordcakavischen Gegend 
stammt, also etwa von den Quarnero-Inseln, dem kroatischen Küsten- 
lande, oder dem istrianischeu Festlande. Zunächst finden wir konsequent 



Ein serbokroiit. Würtcrverzeichniss aus der Mitte des XV. Jalirli. 3(35 

die Veibiiidung ^c: naviscet^jo 40, koriscuju 47, sceta 49, vuscina 54, 
nisceta 59, plcscu^\\ anstatt des gewöhnlichen cakavisclien _/ für 
iirslav. (IJ finden wir allerdings, an den beiden Stellen, wo dieser Laut 
vorkommen könnte, ein (t: tigoitdj Sn, xicjadunjc 82: doch wir wissen 
jetzt, dass es noch heutzutage cakavische Dialekte gibt, in welchen d 
füry vorkommt, wie denn wir im Lektionar von Zara ein umfangreiches 
Xakavisches Denkmal des XV. Jahrhunderts haben, das ebenfalls fast 
ausschliesslich <f bietet. Das urslav. e wird regelmässig durch i wieder- 
gegeben : pokripiti'o, ohit-ohifocavje 13, pina 19, prisan4:Q. pripovhf 
44, namscenje 46, sogar in den Praefixen pre-^ pred-, wo bekanntlich 
im Caka vischen sehr häufig e für e steht: pridstojanje 22, primozenje 
29 ; das einzige ekavische Beispiel wäre presadsa 50, wenn dies nicht 
ein Schreibfehler für prosadm ist. Dass wir es aber mit einem cakavi- 
schen Denkmal zu thun haben, beweist zunächst ozasfje 61, welches 
wohl für ozatje steht und a für e nach einem Palatallaut bietet, dann 
domisal 63 (stokavisch wäre schon zu dieser Zeit -misao). Speciell aber 
die nordcakavische Provenienz des Denkmales beweisen folgende For- 
men: zmifrha 38, sowie zreheiije-zgovoreyye 42 mit Ausfall des an- 
lautenden i der Präposition iz, klevctaty'e 53 mit kl- für kl-, be- 
sonders aber piluJi 60 (in dieser Form nur im Slovenischen vor- 
kommend). Sonst sind die im Verzeichnisse vorkommenden Ausdrücke 
in der Regel aus älteren küstenländischen Denkmälern bekannt; einzelne 
sind aber doch neu, so zunächst gatiafci 39, das im akademischen 
Wörterbuch nicht enthalten ist, dann, wenn ich nicht irre, razmo- 
irovanje 24 und vrsnovanje 62; neu ist auch ozasfje [ozatje't) 61, 
ferner ohreci 5, ohricaty'e 54, obrecmk 78 in der Bedeutung calum- 
niari, calumnia^ caJumniator: ganz neu ist endlich napaructvo 85 
und barcinenje {hrcinenje) 44, wenn letzteres 'oder beides?) nicht ein 
Abschreibfehler ist. 

Auch die Orthographie des Denkmales ist die gewöhnliche der 
älteren aus dem Küstenlande stammenden Texte; ich konstatire nur, 
dass auch in diesem Wörterverzeichniss das v im Wort- und Silben- 
schlusse, und zwar konsequent, durch/" bezeichnet wird, was natürlich 
nur die Ansicht bestätigt, dass wir es da mit einer lautlichen und nicht 
bloss orthographischen Erscheinung zu thun haben; vergl. Nr. 15, 20, 
21, 30, 32, 39, 49, 50, 79. In einem Punkte aber weicht unser Denk- 
mal von allen bis jetzt bekannten älteren Texten ab, nämlich in der Be- 
zeichnung der Laute c — d', denn nur hier finden wir, dass dieselben 



366 



M. Resetar, Eiu serbokroat. Würterverzeichniss etc. 



durch die Verbindung hij wiedergegeben werden (vgl. für c Nr. 16, 18, 
46, 49, 51, 52, 54, 59, 81, bezw. für ^Nr. 82, wozu noch Nr. 5 und 14 
mit hy-M für ci hinzukommen) ; nur vereinzelt finden wir auch eine 
andere Bezeichnungsart: joomo?'Ä 36, coriftyuyu 47 (nicht sicher) , /m/?- 
tyaftuo 57 [hy und ty kombinirt), ugoyhay SO (wohl einfacher Schreib- 
fehler für ugoJiyay). Dieser so charakteristische Zug in der Ortho- 
graphie des Denkmales, welcher sonst nirgends vorkommt, spricht auch 
entschieden dafür, dass das Denkmal aus der Mitte des XV. J